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Naüsuale Liebestätigkeit.
Zweites Blatt.
Gesamtergebnis von
Marburg
Sonntatt. 7. April 1907.
Vorkläuge zur Frirdeus-
>- onftreuz.
Zum zweiten Male schicken sich die roaffetv I harrenden Großmächte an, Friedensboten nach I t>em Haag zu entsenden, um abermals der Welt I ^as Schauspiel eines Kongresses weltgewandter und zungenfertiger Diplomaten zu geben, deren Friedensbeteuerungen und glatte Resolutionen jn merkwürdigem Gegensätze zu den nur dürftig verhüllten Aneignungsgelüften und Herrschaftsbestrebungen stehen werden, welche die starke | Triebfedern der Auslandspolitik mehrerer dieser Weltmächte bilden. Am 15. Juni d. I. soll die zweite Friedenskonferenz zusammentreten. Dies geht aus der Zirkulärnote der russischen Regierung hervor, welche bereits gestern unserem auswärtigen Amte überreicht worden ist. Wie vorauszusehen war, hat auch diesmal wieder das trügerische Geläut der Weltfriedensglocke schwärmerische Gemüter mehr oder weniger erregt und vertrauensselige Herzen mit Hvsfnun- gen auf eine dauernde Friedensära auf unserem Wandelsterne erfüllt. Dementsprechend ist natürlich die Friedens- und Abrüstungsfrage wieder in zahlreiche Druckschriften erörtert worden; denn noch immer gibt es in Deutschland Schrift- gelehrte, die wohl gute Menschen, aber schlechte Politiker sind, die darum auch in heller Verrückung über die Sirenenklänge der „Friedensapostel" die gesamte politische Weltlage mit ihren unbarmherzigen Forderungen und Fragen vollständig aus dem Auge verlieren. Gegenüber der politischen Anreise derartiger Ergüsse wird auf jeden denkenden Mann eine Broschüre Eindruck machen, die in diesen Tagen in Berlin erschienen ist und die den durch seine Flottenaufsätze bekannten Schriftsteller Grafen C. Reventlow zum Verfasser hat. Es sind politrzch- militärische Betrachtungen vor der Haager Frre- denskonferenz, betitelt: Weltfrieden oder Weltkrieg? . Wohin geht Deutschlands Weg? Eine nachdrückliche Warnung ist es die Gras Reventlow an das deutsche Volk richtet, sich nicht durch die Abrüstungsphrasen weltbürgerlicher Friedensschwärmer beirren zu lassen. Die politischen Gegensätze auf dem Welttheater haben nicht abgenommen, sondern sind vielmehr infolge des gesteigerten Wettbewerbes nur noch verschärft worden. Darum muh der namentlich von England gemachte Vorschlag, das russische Friedensprogramm durch die Frage der Abgrenzung der Rüstungen zu vervollständigen,
Marburger
Studenten - Erinnerungen.
Von L. Müller. 'W (Forttedung.)
Strenge Verordnungen fit Studenten.
Ich habe in Erfahrung gebracht, daß in Wein und Bierschenken hier in der Stadt Hasardspiele, als Pharao, Vingt-en bis spät in die Nacht über die polizeiliche Verfügungen bestimmte Stunden von Studenten gespielt werden. Wie viel Nachteiliges das Spiel mit sich führt wo die Söhne der besseren Familien de» Landes sich zu höheren Bestimmungen ausbilden sollen wo di« Gelegenheit des Vergnügens den schönen Zweck ihres Hierseins verfehlen macht, indem noch obendrein der kümmerlich zusammen- aebrachte Sparpfennig vertändelt und der Studierende am Ende gezwungen, leer tm Kopf und Beutel, mit wenig Kenntnissen die Heimat wieder zu suchen, geschweige des Verdrusses, der Iür gutgesinnte gelehrte Männner daraus ent- tehen muß. Ich fordere die Polizei daher auf, treng zu wachen, daß hinfort kein Hazard« piel, es sei noch so gering, mehr stattfinde, ebenso dl« pünktliche Schließung der Schenken.
Marburg, 18. Februar 1810.
Der General-Kommissar. Fr. v. Wolff.
Die stattgefundenen nächtlichen Zusammenkünfte der Studenten und das damit verbundene Herumschwärmen, das die öffentliche Ruhe stört, haben den Herrn Präfekten veranlaßt, die in Marburg Studierenden durch gesittetes Betragen den edlen Zweck ihres Hierseins zu erreichen, folgende Verfügungen getroffen:
1 Dem Studierenden sind, wie jebem anderen Einwohner alle Versammlungen an öffentlichen Orten über 10 Uhr abends verboten.
2. Diese Vorschrift erstreckt sich nicht allein auf Zusammenkünfte in Wirtshäusern, sondern aurü auf Vrivathäuser,
Von den Gegnern des wegen seiner strammnationalen Haltung vielfach angefeindeten AllU deutschen Verbandes ,st oft behauptet worden, der Verband beschranke sich auf die Agitation durch Wort und Schrift, habe aber keine Taten aufzuweisen. Die, er Auffassung tritt H. B. Fischer in dem Verbandsorgan, den „Alldeutschen Blättern", nachdrücklich ent- gegen und gibt im folgenden einen kurzen Ueberblick über den finanziellen Terl der natto- nalen Hilfstätigkeit des Verbandes. Er schreibt.
Folgende Sammlungen hat der Alldeutsche Verband im Laufe der Jahre veranstaltet:
1895: Sammlung für die durch Erdbeben geschädigten Volksgenossen in Krain.
1896: Gründung des Waisenhauses Neu- Zedlitz und Sammlung dafür, die heute noch fortdauert.
Sammlung zur Errichtung des Bromme-Denkmals.
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Marburg, Markt 2L — Telephon oo. ____
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Mißtrauen erfüllen Der Durch Schlachtdensvorschlag mag ehrlich gemeint sein. denn^d | «J Dimensionen und dementspre-
russische Koloß hat nach der.blutigen Katastrophe g ml* upn i die Linienschiffe
von Tsuschima, der seine Schwache so klar vor ^^ Flotten insbesondere die unserer deut-
TÄÄ’S Ä XÄÄÄ“* «**v-"SÄ j Art bÜspiellos W- I 1898: Sammlung für die durch Hochwasser
die Aeutzerungen englischer Regierungsvertreter I rett e ' möchte zumal, wenn dafür geschädigten Volksgenossen in Oester-
I vinnder^indsttiakeiten in unseren Zeitungen. I ventlow in seinen lehrreichen Betrachtungen ent- I 1899/1902: Burensammlung. ■
Lo- t.; mrrrfifinr »II Qflnb seine Truppen nach I wickelt hat. Allein die Erkenntnis der unab- I 1901" Liebesgabensammlung für die Teil-
und änderten Notwendigkeit hat schon öfters über 1901" Jgg der'China-Expedition.
! Baracken so ^wird das als eine „unfreundliche ! kleinliche Bedenken triumphiert, sodcch man vie- I igy3: Sammlung für Windischgraz in
Handlung« gekennzeichnet, man ersucht um Auf- leicht auch in diesem Falle auf einen Sieg de, Steiermark (Brand).
ttärung usn? Be? England ist das nicht nötig; nationalen Gedankens hofsen durfte Cewiß | Liebesgabensammlung für die
dort wird es uns mit der nötigen Deutlichkeit wird der Verlauf der Haager Friedenskonferenz 1W4" ^ ^sche Schutztruppe in Deutsch-
noch einiges Material erbringen, durch welches Südwestafrika (noch nicht abge-
Diese friedlichen" Bekundungen „freund- die Besorgnisse des flottenkundigen Grafen viel- I schlossen). t . M..,
nachbarliches ZunVigung« unserer angelsächsischen leicht auch den Linksliberalen verständlich^ ge- 1 ■ Sammlung für Winterberg m Boh-
I werden im übrigen durch die englische I macht werden, denn John Bull, der Schlaue, I men (Brand).
I Weltpolitik noch deutlicher gemacht, wenn anders I wird sich ohne Zweifel bemühen, auf der Kon- I 4905: Sammlung für die notleidenden I man ^nur die Bündnisbestrebungen Englands | ferenz allerhand Vorschläge zu machen, die 1 Deutschen in Rußland (dauert noch
richtig versteht Me bick^Freunksschast mit dem unter ausgesprochener Wahrung der englischen fOrt).^
klttnen Japsen" könnte ja in mancherlei Hin- Vorherrschaft zur See den Erfolg haben müßten, I ^„vorragend war die Bur e n f amm» I sicht aedeutet werden, aber die jüngsten Meldun- I den minder seefesten Nationen auch die notigsten I mit ihrem Eesamtergebnis von
I yber gewisse Verstimmungen zwischen Unkle I Verteidigungsmittel und Vergeltungsmaßregeln I 080 913,50 Mark. Deren Reste mrt etwa
I Sam und den Japanern lassen ein bezeichnendes I durch völkerrechtliche Bestimmungen zu unter- I oo v00 M werden jetzt verwendet, um in Hohe
Streifticht^fallen^auf politische Gegensatz«, di- binden. Darauf würden etwaige Antrag« ab- 32 00o M eine Stifhuiß für unbemi tetfte ttnstits der'Meere im Werden begriffen sind. I zielen, das Privateigentum zur See, das schwim- I Burenkinder an deutschen Schulen.in. Deutsch-
Es w!rd uns sofort fthr begreiflich, daß inJa- mende Gut für unverletzlich zuerklären und di« Südwestafrika1 zu»
I mtt f.:ner schnellwachsenden durchaus neu- I Verwendung schwimmender Minen, vielleicht I Halste für die Unterstutzu g Ich SS“ auchfo*. m. -«d°"»°ton™-
I Rivale entstanden ist, der in einem etwaigen | gewassern Anwendung finden, zu verbieten. ~ I Nicht minder wichtig ist die L leb es Kriege sehr wohl die Flottenmacht der Ameri- I Wahrscheinlich werden stch «uch Stimmen von gabensammlung der' Alldeutschen kaner für lange Zeit unfähig machen könnte. Friedensschwärmern erheben, welche die Aus- I ^s. welche nicht allein den Zweck hatte^We^
SÜ& Ä3Ä* rÄÄ'Ä“? SÄÄÄ*« dens« gegen die deutsch« Flotte vorzugehen, und 1 die Erwägung am Matze ftin, daß es nur dem b«ren 5ttmUten Heimsuchen und
I sich dadurch die unbedingte Herrschaft zur See I Wesen einer gesunden Politik entspricht, I 9$ t9en Beseittgung aus öffentlichen Mitteln
I zu'sichern.^ Diesem Ziele streben die Engländer I Gefahren ins Auge zu fassen und deren Abwehr I ö ^ren ' gen tann zu lindern.
I ja auch noch aui anderem Wege zu, wie aus der bei Zeiten vorzubereiten. 66 g
"Hi'Wirt oder Bürger darf in seinem Gymnasialdirektor Münscher im Hessischen Ee- I dürfe^er E dulden^das^e^e gegen^^
Hause eine zu einem Kommers ober sonstigen I schichtsverein gehalten hat. I Karzer. ...
Zusammenkunft zusammentretende Studenten- I Aus allerhand ehrgeizigen Gninden war bet l „ bcaab sich »um Kommissar und stellte
gesellschaft übet 10 Uhr abends dulden. Nur I Kommissar der hohen Polizei, Wolff, etn El- I «au _ ^v > cy 8 rootten Sie die Bürg-
auf Vorzeigung eines Erlaubnisscheines mit süsser, mißtrauisch gegen die Professoren und ftoßte Wolff „Nein"
dem Universitätsfieqel kann der Witt durch den I Studenten von Marburg. Nun kam eine Ee- I J f ~ Weicher ein schwacher Mann war,
iuStt eetben. 1-,-nch-iI. w- dl- Swnd- dn «<---»»"» «»» '"S",«, L „Ich, im Stand-." ..31««. "-»»
4 E-b-Id eine icchleeiche GtnbertengeM- «m 24. Mai 1811 ,-m nnml.ch eine Anzahl Si«. I sM,eÄen «%ii,te SSelff. S«»e, l«m n«4 schäft zufällig in einem Wirtshause sich versam- I benten von einem Ausfluge zurück und geriet in 1 vler t r Studenten erwarteten, unb
melt so soll der Wirt dem Prorektor und dem I Weidenhausen mit Bürgerssohnen in Streit. I Sause, wo sagte er, daß er nichts tun
Maire sofort Meldung tun. . I Da die Studenten an Zahl geringer waren, I t5 ' ba der Präfekt verreist sei auch könne er
5 Nicht nur Witte, sondern auch Ptivatper- 4 fo muc.ten ne weichen. Sie sahen dieses als ein« I Bürgschaft leisten. Als dieses die Stu- fönen sind verbunden, wenn fremde Studenten I 'Schmach an und faßten daher den Entschluß sich I Renten erfuhren, gingen ste in hochstem Unmut in den Quartieren der hiesigen entreten sofort | mtt Nappieren und Stöcken bewaffnet vor dein I . um M ihren Kommilitonen zu verkünden. Anzeige zu machen, indem durchaus kein fremder I Barfüßertor einzufinden und bann bi« Scharte I ' ' routbe etne Studentenversammlung , Student ohne Erlaubnisschein m East- und I auszuwetzen. Dieser Plan wurde aber vereitelt. | Xckershausen anberaumt, wo nun alles verhau- Privathäuser übernachten darf. I Der Stadthauptmann v. Dalwigk machte nam- I . .. ^urde. Als nun die einzelnen Redner ge-
V 6. Eine gleich« Erlaubnis ist bet der Ber- gerabe einen Spaziergang, bemerkte die I s^ochen hatten, tiefen alle: „Wir rrehen aus! mutung, nrusikalischer Aufwartung, beim Fechten | summlung der Studenten und als et sich danach | «gobin aber? „Wir gehen Übet die Grenze ins und Tanzen erforderlich. I erkundigt^ erfuhr et ihren Plan. Er lteß da- I ^^städttsche nach Gladenbach? Der Beschluß
Hierauf ist zu achten und der unfehlbar bei bie ^eidenhäuser Drucke mit Militär b«- I jut Ausführung, wie es folgendes
Uebetttetung folgenden Straf« sich zu hüten. I |e^en un^ machte Wolff Meldung vor dem Bor- I schildert:
Marburg, 16 -April 1810. I gange. Dieser befahl der Polizei, sich vor dar I
Der Maire der Stadt Marburg. I Barfüßertor zu begeben. Dort trafen st« einig« ., i6ts vermochte Bitte und Wott
Wagner. Studenten und bie Gendarmen traten vor den Und Stubenten nun fortt
Die Studenten machten damals die Einrede, I ^«u runächst Stehenden der gutmütlich srnn I Ockershausen durch Wald und Feld: 'SÄTÄi ««' «W ****• *’“n,e3B‘
brejais am 19. Mä,z 181t -in- a^imalls« Se- I ui» mm'stäfrft™ «M I Nach Mach-nbach zich-n wir fnl tlja«»?'
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