mit dem Kreisblatt für die Kreise Marbmg und Kirchhain.
Sonittaasbeilaae:
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Marburg
Sonntag, 7. April 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei 42. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon o5.
Erstes Blatt.
Deutscher Grcnzkumps.
Unter dieser Aufschrift veröffentlicht A. (Seifet in den „Alldeutschen Blättern" eine längere Betrachtung, in deren Einleitung er darauf hin- rveist, daß auch in sog. Friedenszeiten ein ständiger Erenzkrieg geführt wird, dessen Schlachten nicht an den Grenzen der Staaten, sondern an den Volks- und Sprachgrenzen geschlagen werden, ein Erenzkampf, in dem in Vordringen und Abwehr der Besitzstand des einen Volkstums gegen das andere verteidigt wird. Dieser Kampf, so fährt er fort, ist für den dauernden Bestand und die Zukunft eines Volkes und Reiches wie das deutsche vielleicht von entscheidender Bedeutung als ein noch so blutiges Ringen auf der Wahlstatt. Der Ausgang eines Waffenganges, auch des gewaltigsten, wird immer die Geschicke der beteiligten Völker nur auf begrenzte Zeit hemmend oder fördernd beeinflussen; seine Wunden vernarben, und die innere Lebenskraft und die Zukunftsfreudigkeit der einmal unterlegenen Nation wird immer imstande fein, mit neugesammelter Kraft auf ein Jena ein Sedan folgen zu lassen. Die Blutsopfer eines solchen Kampfes sind für starke Völker eine Saat auf Hoffnung, sei es, daß sie im Unterlegenen das glühende Sehnen nach Vergeltung und Auswetzung der erlittenen Scharte anfachen. Anders im Grenzkampf um das Volkstum. Was hier einmal an den Gegner verloren ist, steht in Gefahr, verloren zu fein auf alle Zeit. Die Verluste, die hier erlitten werden, bergen keine Zukunftssaat, sie fallen dem Gegner als Reingewinn und Kräftezu- wachs unverkürzt zu: die entdeutschten Volks- genossen werden als Renegaten die leidenschaftlichsten und gefährlichsten Gegner des verlassenen- Muttervolks.
Kein Volk Europas ist gezwungen, diesen nationalen Erenzkampf in solchem Umfang zu führen, für keines hat er eine ähnliche Schicksalsbedeutung wie für das deutsche, das durch das Geschick in die Mitte anderer Völker gestellt, die, ihm bluts- und sprachenfremd, von allen Seiten gegen seine Volks- und Sprachgrenzen anbran- ben und sie zu überfluten drohen. Mögen diese Volksgrenzen an manchen Stellen auch Hunderte von Meilen jenseits der Reichsgrenze sich hinziehen, mögen sie als Volks- und Sprachinseln im Herzen fremder Staaten von fremdem Volkstum umbrandet sein, das deutsche Volk im Reich hat ein Lebensinteresse daran, daß sie nicht verschlungen werden. Wenn wir mit Recht im Deutschen Reich die gewaltige Festung der deutschen Volksmacht sehen, so wissen wir auch, daß eine
8 lNachdruck verboten.)
In der Schule des Leidens.
i Roman aus dem New-Porker Leben
von Erich Friesen.
Gvottlefounq.i
„Ich möchte etwas verkaufen —" beginnt sie zögernd, ihre großen, sprechenden Augen schüchtern auf den Fragenden richtend.
Damit zieht sie das Etut aus der Tasche und öffnet es.
Verwundert blickt der junge Mann bald auf die glitzernden Juwelen, bald auf das ersichtlich »erlegene Mädchen.
„Sie wünschen, das Kollier zu verkaufen, «ein Fräulein?"
„Ja. Es gehört mir. Ich habe es nicht gestohlen," fügt sie, seine zweifelnde Miene bemerkend, hastig hinzu. „Sie kaufen doch solche Sachen?"
„Gewiß, manchmal. Sind dies hier echte Diamanten oder Simili?"
„Echte — natürlich. Sie find sehr wertvoll. Bitte, sagen Sie mir schnell, ob Sie fie kaufen wollen - sonst geh' ich wo anders hin. Ich habe Eile."
Dem jungen Mann erscheint die ganze Angelegenheit immer verdächtiger.
„Bitte, nehmen Sie einen Augenblick Platz, mein Fräulein! Ich werden den Schmuck meinem Chef vorlegen. Wenn die Steine wirklich so wertvoll sind, wie Sie meinen, werden Sie sich ausweisen müsien, wie sie zu denselben gekommen sind."
Felicie hustet nervös.
„Gewiß, gewiß — ich werde alles beweisen. Rur bitte, rasch? Und ich möchte das Geld sofort haben!"
Kopfschüttelnd verschwindet der junge Mann mit dem Schmuck im Nebenzimmer.,
Es dauert eine ziemlich lange Zeit, bis er zu« rückkehrt. Felicies Ungeduld wächst.
moderne Festung nicht mehr durch einen einfachen Pallisadenzaun oder Mauer- und Erabenkranz verteidigt werden kann, daß sie vielmehr gezwungen ist, ihre Wälle und Außenforts weit in das Vorland hinauszuschieben. Solche Außenwälle sind die Stellungen der Deutschen an den Sprachgrenzen des deutschen Volkstums, solche Außenforts die deutschen Sprachinseln im Auslande, sie zu stützen und auszubauen ist daher Ls- bensnotwendigkeit für das gesamte deutsche Volk auch im Reiche. Je weniger seine amtlichen Vertretungen, die Regierungen, aus Gründen politischer Gebundenheit dies zu tun imstande sind, je weniger die deutschen politischen Parteien unter der Last der innerpolitischen Tagesarbeit Kraft und Zeit hierzu finden können, desto notwendiger wird die Uebernahme dieser Arbeit durch die nationalen Vereine, desto dringender die Pflicht aller Deutschen, diesen die Mittel und Hilfskräfte zu gewähren, deren sie zur Durchführung dieser Arbeit bedürfen. Die Lage des deutschen Volkes in diesem Grenzkampf fordert gebieterisch das Einsetzen der ganzen Kraft; denn es ist eine Tatsache, daß es bisher diesen Kampf nur an wenigen Stellen erfolgreich, an vielen verlustreich, an manchen nicht einmal in Ehren geführt hat. Ein kurzer lleberblick über die Kampfesgebiete wird uns das bestätigen, er wird denen, die bisher gleichgültig oder ahnungslos beiseite standen, auch ein Bild des Umfanges und der Bedeutung dieses Kampfes geben.
Im Norden des Reichs kämpfen Deutsche und Dänen um die schleswigsche Nordmark. Der deutschen Auffasiung eines deutschen Nordschleswig stellt sich die dänische eines dänischen „Südjütland" entgegen und sucht in zäher Agitation durch Zurückdrängen des deutschen Boden- und Sprachbefitzes sich durchzusetzen.
Im Westen und Südwesten steht deutsches Volks- und Sprachtum dem welschen, dem romanischen im Kampf gegenüber. In Belgien ringen 3*4 Millionen niederdeutsche Vlamen in der vlä- mifchen Bewegung um Gleichstellung ihrer niederdeutschen Sprache mit der von der wallonischen Minderheit gehätschelten französischen und bilden dadurch einen Deich gegen eine welsche Ueber- flutung unserer westlichen Volksgrenze. Im reichsdeutschen Elsaß führen die verwelschten Bolkskreise unter klerikaler Führung einen zähen Verteidigungskampf gegen das vordringende Deutschtum. In der Schweiz schiebt sich die welsche Sprachgrenze immer tiefer in alte Gebiete deutschen Volkstums vor, weil sie ihr vom schweizerischen Deutschtum kampflos überlasten werden. Erst die neueste Zeit zeigt kleine Ansätze erwachenden völkischen Pflichtbewußtseins auch aus deutsch-schweizerischer Seite.
Den bedeutungsvollsten, für seine Zukunft in Mitteleuropa wohl entlcheidenden Erenzkampf
Ihre Gedanken teilen sich zwischen dem Bräutigam und der Mutter. Neben Barringtons freudestrahlendem Antlitz tauchen die bleichen, durchfurchten Züge der alten Frau auf, deren zitternde Lippen vorwurfsvoll murmeln: „So achtest du den letzten Wunsch deines verstorbenen Vaters, du ungeratenes Kind du!" ...
„Es ist für dich — für dich, mein Norbert!" ruft sie laut in ihrer Erregung.
Dann blickt sie sich erschrocken um. Wenn jemand sie gehört hätte!
Felicie hält den Atem an.
Alles still . . .
Endlich geht die Tür.
Ein ältlicher, scharfblickender Herr tritt ein, in der Hand das Etui.
Felicie will sprechen; doch kein Wort kommt über ihre zitternden Lippen.
„Hier," sagt der Juwelier kalt, das Etui auf den Tisch stellend. „Solch Zeug kaufen wir nicht."
Felicie ist wie erstarrt.
„Wa—a—as? Wie — meinen Sie das?"
„Solch Zeug kaufen wir nicht," wiederholt der Juwelier mit erhobener Stimme. „Sie sagten meinem Gehilfen, die Steine wären echt?"
Seine Augen ruhen durchdringend auf den entsetzten Zügen des jungen Mädchens.
„Natürlich. Sie sind das Vermächtnis meiner verstorbenen Großmutter, der berühmten Tragödin Rahel Simfon. Sie muffen ihren Namen kennen, mein Herr — Rahel Simfon von „Uni- verfal-Theater" —"
„Nein, ich kenne ihn nicht," erwidert der Mann in wenge? sckfarfem Ton. „Aber so viel ist gewiß: die Steine in dem Ding hier —" er macht eine verächtliche Bewegung nach dem Etui hin — „sind nicht einmal gute Simili-Diaman- ten, sondern nur danz gewöhnliches Glas."
Felicie wird todenbleich. Ihre Worte sind kaum vernehmbar, als fie mit von Tränen erstickter Stimme fragt:
führt das deutsche Volk in Oesterreich-Ungarn, wo 12 Millionen Deutsche um Erhaltung ihrer völkischen und sprachlichen Eigenart im heißen Ringen stehen. In Tirol wehrt sich das kerndeutsche Bauerntum Südtirols gegen das von Süden andringende Jtalienertum. In Ungarn stehen 2y2 Millionen Deutscher im Kampf gegen die mit allen Mitteln einer mißbrauchten Staatsgewalt betriebene Madjarisierung. In Böhmen, Mähren und Oesterr.-Schlesien setzen 3s^ Millionen Deutsche ihre Kraft ein gegen den größten Gegner deutschen Volkstums, den Slawen, in seinen gefährlichsten Vertretern, dem tatkräftigen und fanatischen Tschechen und dem intriganten, verschlagenen Polen. Von der Krone im Stich gelaßen, auf die eigene Kraft gestellt, haben sie im Parlament wie auf der heimischen Scholle den Kampf für ihr Volkstum und die Machtstellung des Deutschtums in Oesterreich zu führen, von dessen Ausgang am letzten Ende auch die Geschicke des deutschen Volkstums im Osten des Deutschen Reichs selbst abhängen werden, das heute schon trotz Staats-Hülfe und -Autorität nur in mühsamer Defensive im Schicksalskampf mit dem national und wirtschaftlich erstarkten Polentum int Reiche zu bestehen vermag. Vorgeschoben diesem entscheidenden böhmischen und preußischen Grenzwall deutschen Volkstums kämpfen deutsche Außenposten, im österreichischen Staat, in Galizien und der Bukowina, im russischen Zarenreich, in den deutschen Kolonistengebieten Südrußlands und der Wolga und in dem alten deutschen Kulturland, den Ostseeprovinzen, um Erhaltung von Sprache und Volkstum. Wir sehen also: Feinde ringsum! Und Kampf auf der ganzen Linie des deutschen Erenz- walls!
Deutsches Reich.
— Die Enthüllung der Fahnen und Standarten betreffend hat der Kaiser sich neuerdings dahin ausgesprochen, daß mit Rücksicht auf die Erhaltung der Kriegsbrauchbarkeit der so wertvollen Fahnen und Standarten ihre Enthüllung im Frieden noch mehr wie bisher zu beschränken sei. Im besonderen sollten sie bei Truppenübungen und den ihnen vorangehenden oder folgenden Paradeaufstellungen usw. unterbleiben. Bei Anwesenheit des Kaisers bei Truppenübungen wird der Kaiser selbst befehlen, ob die Fahnen enthüllt werden sollen. Dagegen sollen sie bei eigentlichen Paraden oder anderen derartigen Gelegenheiten, wenn der Kaiser anwesend ist, wie bisher stets entrollt werden.
— Steuerwesen. Nachdem die Durchführung des Kreis- und Provinzialabgabengesetzes möglichst weit gefördert ist, haben die zuständigen Minister die Entscheidung der Zustimmung zur
„Sind Sie dessen ganz sicher, mein Herr? Der Schmuck bedeutet mein Vermögen!"
„Ganz sicher, mein Fräulein. Wenn das Kollier jemals echte Diamanten enthielt, so sind Sie bestohlen worden. Ich kann Ihnen leider keine andere Auskunft geben!"
Schweigend steckt Felicie das Etui in die Tasche.
Dann verläßt sie, gesenkten Hauptes, mit müden, schleppenden Schritten den Juwelierladen.
V.
Als Felicie die Bühne des Metropol-Theaters betrttt, herrscht dort allgemeine Erregung. Die Probe zu „Hamlet" kann nicht stattfinden, da die Darstellerin der Ophelia erkrankt ist.
Gleichgültig gegen alles um fie her, wirft Felicie sich in einen Seffel. Ihre großen, schwarzen Augen stieren vor sich hin; nervös trommeln ihre Finger auf der Marmottischplatte herum..
Direktor Furrer blickt sie zuerst erstaunt, dann mit steigendem Interesse an.
„Fräulein Mackay!"
Keine Antwort.
„Fräulein Mackay!"
Wieder keine Antwort.
„Licy, der Herr Direktor ruft dich!" raunt Barrington ihr ins Ohr.
Felicie hebt die Lider. Ihre Augen haben etwas Leeres, Stumpfsinniges.
„Fräulein Mackay," wiederholt Direktor Furrer, sich ihr nähernd, „würden Sie es fertig bringen, abends auf der Bühne ebenso auszusehen, wie gerade jetzt?"
Verständnislos blickt sie ihn an.
„Ich verstehe Sie nicht; was meinen Sie —**
„Ich meine, daß —wenn Sie es fertig brächten, morgen abends auf der Bühne ebenso auszusehen, ebenso zu schreiten, ebenso zu gestikulieren wie Sie es bei Ihrem Eintritt taten — daß ich Ihnen alsdann für morgen die Partie
Genehmigung von Ordnungen über die Einführung oder Abänderung indirekter Kreissteuern auf die Oberpäsidenten übertragen. Sollten jedoch die vorgeschriebenen Eteuerhöchstsätze im Einzelfalle überschritten werden, so ist vor Erteilung der Zusttmmung die ministerielle Ermächtigung einzuholen. Nur kann in Kreisen mit besonders starker industrieller Entwickelung eine Steigerung der Steuersätze für die Konzes« sionierung neuer Wirtschaften bis zu 600 cU für gewerbesteuerfreie Wirte, 1200 <K für den Fall ihrer Veranlagung in der vierten, 2400 M in der dritten, 3600 M in dre zweiten und 5000 Jt in der ersten Eewerbesteuerklafse auch ohne die mintfierielle Mitwirkung zugelassen werden. Weiterhin haben die Minister um vorherige Berichterstattung wegen Ermächtigung zur Zustim- mungserteilung ersucht, wenn die beschlossenen Steuerordnungen wesentliche Abweichungen von den Mustern enthalten. Hierher würde z. B. die Einführung einer Wertzuwachssteuer vom Crundstückserwerbe ober die Berechnung bei Konzessionssteuer auf anberer Grunblage als derjenigen der verschiedenen Gewerbesteuer- klassen gehören. Zu dem letzteren Punkte bemerken die Minister, daß zwar im allgemeinen an diesem Veranlagungsmaßstabe festzuhalten sein wird, daß aber auch gegen Bestimmungen nichts eingewendet werden soll, die für den Fall,' daß bet Gewerbetreibende neben bet Gastwirtschaft usw. noch onbere Betriebe unterhält, eine Sonberveranlagung bes unter bie Steuerorb« nung fallenbett Betriebes in eine bet entsprechen- ben Klassen durch den Kreisausschuß votsehe« würben.
— Wetterführung des polnischen Schulstreiks. Dem „Dziennik Kujowski" zufolge haben in Szymbot die Schüler, die wegen ihrer Weigerung, deutsch zu sprechen, trotz des zutückgelegien 8jährigen Schulbesuches nicht entlassen worden find, erklärt, sie wollen liebet bis zum 20. Le« bensjahte die Schule besuchen, statt deutsch im Religionsunterrichte zu antworten. Nach amtlichen Ausweisen streiken in Osttowo 283 und in Sulmietzyce 116 Kinder. — die polnische Press« macht alle Anstrengungen, bett Schulstreik zu er« halten, sie fürchtet die moralische Niederlage^ welche ihr ein Erlöschen bet künstlich entfachten Bewegung bringen wird und muß.
— Veröffentlichung bet Jahresberichte technischer Auffichtsbeamten bet Betufsgenossem schäften. Dem Vernehmen nach werden in Zn.' kunft, wie dies bereits in den Berichten bet staatlichen Eewerbeaufsichtsbeamten bet Fall ist, künftig auch die Jahresberichte bet technisches Angestellten bet Berufsgenossenschaften ver> öffentlich! werden. Daß die Tätigkeit dieser Am gestellten auf dem Gebiete bet Beaufsichtigung bet Betriebe recht ausgedehnt geworden ist, «4
bet Ophelia anvertrauen würde. Sie haben siß doch studiert, nicht wahr?" 1
Felicie nickt. Langsam beginnt sie ibte E« danken zu sammeln. Die Pattte der Ophelia übernehmen, bedeutet für fie, urplötzlich von einer unbedeutenden Schauspielerin ins Fach der ersten Liebhaberinnen überspringen.
„Ja, ja, Herr Direktor!" tust fie atemlos „Ich will die Ophelia spielen!"
„Bravo, mein Kind! . . . Also, meine Hev ten und Damen —“ wendete sich Direktor Fur4 ter zu den Künstlern, welche sich während be| Unterhaltung ihres Chefs mit Fräulein Mackatz ein wenig zurückgezogen hatten — „die Probe kann ihren Anfang nehmen. Wir haben eine Ophelia!"
In Felicies Adern rollt echtes Künstlerblut. Einmal in ihre Rolle drin, vergißt fie alles um sich her. Bald ist die fürchterliche Enttäuschung^ die fie vor kaum einer Stunde erlebt, ihrem <5e» dächinis völlig entschwunden .. .
Die Probe ist zu Ende.
Felicie setzt sich den Hut auf, um mit Bar« rinaton das Theater zu verlassen.
Da nähert sich ihr mit ausgestreckten Händen Gerda Douglas.
„Ich grätuliete Ihnen aus vollstem Herzen, liebe Felicie. Sie werden die „Ophelia" sehr gut spielen. Was in meiner Macht steht, um Ihnen einen großen Erfolg zu sichern, soll ge« schehen. Ich habe die Rolle öfters gegeben und kenne jede Pointe, jede noch so kleine Nuance. Wollen Sie mit Barrington beute nach der Vor« stellung bei mit zu Abend essen, so wollen wir die Partie einmal zusammen durchnehmen. Ist es Ihnen recht?"
Gerdas Worte sind so schlicht, so von Herze« kommend; aus ihren leuchtenden grauen Äuge« spricht so viel Seele, so viel Menschenfreundlichkeit — Felicie errötet aus Scham, daß fie diesem, Mädchen je mißtrauen konnte.
lFottsetzung folgt.) .