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A mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

LorrnLaasbeUaa-: AUuttrirLeS ___________________

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»on Erich Friese«. (Forfirtzung.)

Herrn Be^s .GnLh llungen".

Die unerhörte Art, in der Herr Bebel unter dem sicheren Schutze seiner Immunität den hoch­verdiente» Hauptmann Dominik im Reichstage beschimpft hat, ist von Kaufleuten und Beamten

Bierteljährlicher Beruglprei-r bet oet EMckition 2 Mk., 6« allen Postämiem 2,25 Mk. <ejcU Bestellgeld).

JnserltonSgebühr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 15 Pfg» Reklamen: die .-.eile SD Pfq.

Deutsches Reich.

Berlin, 5. April.

Der Reichstag wird Mitte nächster Woche wieder zusammentreten, um in erster Linie den Reichshaushaltsetat für 1907 fertigzustellen. Die zweite und dritte Etatslesung stehen noch aus. Vor dem Pfingstfeste soll der Reichstag seine diesmalige Tagung schließen,- es bleiben ihm demnach noch etwa rund 5 Wochen für die bevor­stehenden Erörterungen übrig. Selten hat der Reichstag nur so kurze Zeit für die beiden letz­ten Etatslesungen zur Verfügung gehabt. Im vorigen Jahre verwandte er allein auf die zweite Lesung des Etats des Reichsamts des In­nern nahezu 3 Wochen. Die gesamte Zett, die auf die zweite und dritte Lesung des Etats für

lNachScuck Verbotes.^

4 In der Schule des Leidens.

Roman aus dem New-Porker Lebe»

Erscheint wöchentlich siebe« mal, _ ,

Druck und Verlag- Joh. Nag. Koch,' UmversitätS-BuchdruckerÄ 42u

Marburg, Markt 2t. Telephon 55.

Marburg

Sonnabend. 6. April 1907

in Kamerun bereits des öfteren zurückgewiesen worden. Jetzt veröffentlichen dieHamburger Nachrichten" eine Zuschrift des Herrn Hans Paschen, Hauptvertreters der Firma Randad u. Stein, die beweist, daß alle Weißen, die seit Jahren im Bezirke Dominiks leben oder dorthin Beziehungen haben, nichts von den angeblichen Grausamkeiten wißen und einig sind im Lobe und dankender Anerkennung für den verdienst­vollen, tapferen Offizier, dem die Kolonie Ka­merun mehr zu danken hat, als bisher die große Oeffentlichkeit weiß. Ja, in manchen Kreisen der Kolonie besteht der Wunsch, daß Hauptmann Do­minik Gouverneur von Kamerun werden möge. Es wird in der Zuschrift u. a. darauf hinge­wiesen. daß Dominik es verstanden hat, aus den stumpfsinnige» Buschnegern des Jaundestammes ein fleißiges, arbeitstüchtiges Volk zu erziehen, was heute für Händler, Träger und Plantagen­arbeiter unser bestes Kontingent bildet. Mit Kennerblicken hat er schnell die guten Eigen­schaften der Reger erkannt und ihnen zu präch­tiger Entwickelung verhalfen. Herr Paschen schreibt dann:

Ich selbst war längere Zeit unweit der Sta­tion des Herrn Hauptmanns Dominik in Jaunde ansässig, aber nie habe ich von einer Mißhand­lung der Neger durch Dominik gehört, wie ich auch jetzt noch, als Leiter einer der größten Fir. men des Südbezirks, täglich Gelegenheit habe, Hunderte von Jaundeleuten bei mir zu sehen. Auch viele der bedeutendsten Jaundehäuptlinge, mit denen ich seit Jahren in freundschaftlichem Handelsverkehr stehe, kommen häufig zu mir, aber niemals ist mir zu Ohren gekommen, daß Mominik irgend welche Grausamkeiten begangen habe, noch dazu derartige, wie fte ihm Bebel an­dichtet. Gerade das Gegenteil ist der Fall. Mit Verehrung sprechen sie von ihm. loben seinen Ge­rechtigkeitssinn und seine Menschenfreundlichkeit. Sollten je derartige Scheußlichkeiten passiert sein, wüßte hier jedes Kind davon; der Busch­klatsch ist hier oft schneller als anderswo der Telegraph, das weiß jeder, der hier die Verhält» niste kennt; von einem nicht Bekanntwerden sol­cher Begebenheiten kann also nicht die Rede sein, und wie hätten solche den Schwarzen das Zu­trauen zu seiner Person fasten lasten können? Und gerade dies ist es, dem wir so viel zu ver­danken haben.

Es ist wohl leicht zu erkennen, daß es sich hier nur um rachsüchtige Anschuldigungen, die einem gemeinen Bubenstreich gleichkommen, handeln kann. Daß ein so tüchtiger Offizier und Mensch seine Neider hat, die ihm gern den Stein, den er im Brett hatte, nun in den Weg rollen möchten, ist, wenn auch in jeglicher Beziehung zu verach­ten, so doch zu verwundern. Nicht nur in Jaunde und im Süden der Kolonie ist Dominik einer der beliebtesten und geachtesten Stationschefs, auch im Garua-Bezirk, den ich aus persönlicher An­schauung kenne, habe ich von Fulla-Sultanen

Inzwischen eilt Felicie, wie von Furien ge­hetzt die Straße entlang. Ihr ganzes Sinne« ist darauf gerichtet, das Kollier so schnell wie möglich zu verkaufen, ehe sie von Seiten der Stiefvaters oder der Mutter daran gehindert wird. i

Zwar regt sich noch die Stimme des Ge­wissen» in ihr; doch sie sucht dieselbe rasch zu der täuben.

Ich wollte die Mutter von meinem Vor­haben in Kenntnis setzen," denkt sie trotzig, ,Lber sie wies ja jedes Eingehen auf die Kollier­angelegenheit zurück. Es ist nicht meine Schuld, wenn ich mir nun selbst helfe!"

Als sie nun mehrere Straßen hinter sich hak und sich sicher füblt, verlangsamt sie ihreSchritte, Mut und Energie zwei Gaben, die sie il hohem Maß besitzt kehren ihr zurück.

Sie will nicht lange Zeit verlieren; de« ersten besten Juwelier gedenkt sie, den Schmuck anzubieten. Um elf Uhr findet eine Probe i« Metropol-Theater" statt. Dann soll Norbert die zweitausend Dollars erhalten. Schon sieht fte im Geist fein aufleuchtendes Auge, fühlt ft< den innigen Händedruck, hört sie seine Danke« beteuerungen . . .

Ihre Seele ftohlockt.

Jetzt biegt sie um eine Ecke und steht auf bet Broadway, der belebtesten Geschäftsstraße Nerv- Po rks.

Das Glück will ihr wohl. Schon der zweit» Laden ist ein Juweli>'rqefchäft,

Schnell tritt sie ein.

Zwei Herren handeln gerade um einew Brillantring.

Sie zieht sich etwas zurück, bis Käufer und' Verkäufer einig sind.

Dann erst tritt sie vor.

Ihre Llefangenheit ist zuruckgekehrt. Zwei­mal muß sie der junge Mann hinter dem Laden­tisch nach ihrem Begehr fragen, bevor sie den Sinn seiner Worte versteht.

(Fortsetzung folgt).,

Das weiß der liebe Gott. Kind! Ich hab' ihn seit gestern früh nicht gesehen."

Aber er ist heute Nacht zurückgekehrt. Ich begegnete ihm auf der Treppe."

Frau Mackay erbleicht.

Unmöglich, Kind! Um wieviel Uhr war das'?"

Gegen drei Uhr, Mutier."

Und was hattest bu um drei Uhr noch auf der Treppe zu tu«, Licy?"

Ich ich"

Felicie zögert. Was soll sie sagen?

Ich wollte sehen, wie er dir geht?" platzte sie endlich heran», vor Scham über ihre Lüge tief errötend.

Du bist mein liebes, gutes Kindt" ruft Frau Mackay mit Tränen in den Augen .Aber du darfst dich nicht über jede Kleinigkeit auf- regen, Licy. Wenn du immer so erregt und nervös bist und nachtr nicht schläfst, wird dein hübsches Gesichtchen bald bleich, dein strahlende» Auge trübe werden . . . Also der Vater war heute Nacht hier? Hm, merkwürdig! Soviel ist sicher: jetzt ist er nicht da. Ich habe schon die ganze Wohnung gekehrt."

Felicie atmet auf. Der Vater ist nicht da! Von dieser Seite hat sie also nicht» zu fürchten.

Trotzdem meidet sie den forschend auf ihr ruhenden Blick der Mutter.

Ihr Gewissen ist plötzlich erwacht. Sie wird sich bee ganzen Unrechts bewußt, welches sie durch heimliches Verkaufen des sorgsam gehüte. ten Brillantkolliers an dem treuen Mutterher- zen begeht.

Liebe Mutter," beginnt sie zögernd, ich möchte mit dir reden!"

Verwundert über den ernsten Ton lagt Frau Mackay die Hand mit dem Milchschöpfer finken.

Nun?"

'.Wir werden bald heiraten, Norbert und ich vielleicht schon in acht Tagen."

Das ist recht, Kind. Laime Verlobungen führen nie zum guten Ende. Erst, wenn du »er»

r iv.

Endlich endlich lugt der Tag durch die Heine« Fensterscheiben von Felicies Dach­kämmerchen.

Gegen Morgen war sie ein wenig emgeschlum- mert ein unruhiger, von aufgeregten Träu­me» gequälter Schlaf, der nicht erquickt, sondern den Geist noch mehr niederdrückt.

In nersöser Hast springt sie aus dem Bett. Wie, wenn der Stiefvater in der Nacht auf ir­gend eine Weise in ihr Zimmer gedrungen wäre und si« ihres Schatzes beraubt hätte?

Net«, Gott fei Dank! Die Brillanten ruhen unversehrt in ihrer Kleidertasche . . .

So schnell ihre zitternden Finger es ge­statte», kleidet sie sich an.

' Frau Mackuy ist bereits in der Küche mit Zu­bereitung des Früftücks beschäftigt.

Felicies Herz klopft zum Zerspringen. Das Gewisien regt sich. Ihr ist, als durchleuchteten die Diamanten in ihrer Tasche das ganze Kleid, als reflektierten sie auf ihren glühenden Wan­ge», als stände es in ihren Auge», daß sie heute nacht heimlich einen kostbaren Schatz entwendete.

Nicht heimlich!" wispert eine lockende Stimme ihr zu.Sie gehören dir, dir allein. Du hast ein Recht, sie a» dich zu nehmen!"

Aver nicht ohne Erlaubnis der Mutter!" warnt die Stimme des Gewissens.Dein guter seliger Vater droben im Himmel sieht dich. Du handelst gegen seinen Wille»! Du bist schlecht, du bist eine Diebin!"

1 Unruhig blickt Felicie nach der Tür. 3«be Minute erwartet sie, das aufgedunsene Gesicht Ihres Stiefvaters zu sehen.

x Endlich hält sie es nicht mehr aus.

Wo ist der Vater?" fragt pe, sich gewaltsam beherrschend.

Die britische KslümMoufereirz,

^welche 8« die Mitte des Monats in London zu- LammentriU, ist die v i e r t e in ihrer Art. Die Tagung bei ersten Kolonialkonferenz in den Monate« April und Mai des Jahres 1887, in hem die britisch« Nation die fünfzigste Wieder- Lehr des Tages der Thronbesteigung der Königin Mtioria feierte, wurde veranlaßt durch einen Passus to der Thronrede zur Eröffnung des Parlaments. In der von Edward Stanhope, dem damalig«» Staatssekretär der Kolonie», er- ckassene» Einladung waren als Gegenstand der Verhandlung bezeichnet die Reorganisation der 'KolonialPerteidigung und der Ausbau der postalische« und telegraphischen Verbindungen zwischen Mutterland und Gliedstaaten. Damit war aber die Diskussion keineswegs auf diese beiden Frage» beschränkt, cs konnte vielmehr jedes Thema, das nur irgendwie zu den Auf­gabe» der Konferenz in Beziehung stand, be­rührt wecken: nur hatte Edward Stanhope in [etneiu Einladungsschreiben gebeten, von der Erörterung aller Fragen abzusehen, die als Aeußerungen für oder wider das Projekt einet politische» Federation aufgefaßt werden könn­te». Diejenige Angelegenheit, die für spätere Kolonial^>»fer«iczen die wichtigste werden sollte, war als» im Jahre 1887 ausdrücklich ausge­schaltet. Was die Zusammensetzung der Konfe­renz betrifft, so waren weder die Kolonien zur Delegiermrg ihrer Premierminister aufgefordert wordeir noch war die Entsendung von Vertre­tern auf die Kolonien mir Selbstverwaltung be- schränS. Die Teilnehmer an der Konferenz waren unter diesen Umständen, abgesehen von be» offiziellen Vertretern der Rezierungsbehör- deu des Mutterlandes, vorwiegend die in Lon­don ansässigen Generalagenten der Kolonien uiih höhere Kolonialbeamte, die nach London getomme« waren, um an den Jubiläumsfeier- lichlelterr teilzunehmen. Die zweite Konferenz, die im Sommer 1897 stattfand und von Joseph Chamberlain anläßlich des sechszigsten Gedächt- nisiages der Thronbesteigung der Königrn Viktoria einberufen war, hatte noch geringene Bedeutung als dis erste. In der Einladung war die Tagung befiirwortet alseine schätzbare Ge­legenheit, verschiedene Fragen von großem Mereff« für das Reich informatorisch zu bespre- chM." Es fand keinerlei Eröffnungsfeier statt, die Konferenz nahm die von dem Kolonialsekre­tär ihr vorgelegtsn Verhandlungsgegerrstände entgege» und erledigte sie in fünf Sitzungen. Dar Ergebnis der Verhandlung wurde in emem kurze» Memorandum niedrrgelegt, das lediglich die Rede» des Staatssekretärs der Kolonie» und des Erste» Lords der Admiralität, den Wort­laut der beschlossenen Resolutionen und eine Aufzählung der besprochenen Themata enthalt.

Die dritte Kolonialkonferenz, gleichfalls von dem ältere» Chamberlain als Staasfekretäc der

heiratet bist, hast du Barrington fest. Die Män­ner bekommen das Warten leicht satt."

Ja. Aber Mutter werde ich nicht eine kleine Ausstattung mitbekommen müssen? Ein paar hübsche Kleider? Eine goldene Uhr?"

Ein leiser Seufzer hebt die Brust bet alten Dame.

Wir haben kein Geld, Licy'

Kleine Pause.

Was meinst btt, liebe Mutter," tust Felicie plötzlich entschlafen.Wollen wir nicht mein Brillantkollier verkaufen?"

Fast entsetzt fährt Frau Mackay empor.

Verkaufen? Unmöglich, Kind! Rede mir nie wieder davon! Wenn du zwanzig Jahre alt bist, kannst du nach Wunsch darüber verfügen vor­her nicht. . . Und nun fei still von dem Schmuck" ängstlich blickt sie sich nach allen Seiten umdie Wände haben manchmal Ohre». Bedenke das Kollier bildet dein gan­zes Vermögen!. .. Großer Cott, da steht der Vater auf der Schwelle! Er will fein Frühstück haben! Ich komme schon, Thomas! Ich bin schon da! Sofort!"

Dic fieberhafte Röte auf Felicies Wangen hat liefet Blässe Platz gemacht.

Rur noch ein», Mutter! Wie viel ist da» Kollier wert?"

2a& mich, Kind? Ich darf den Batet nicht warten lassen ... Fünftausend Dollar», denk ich vielleicht auch mehr. Ich komme schon, Thomas! Mach' doch nicht solch fürchterliche Augen ich komme ja schon!"

Mit kurzem Gruß will Felicie an dem Stief­vater vorbeischlüpfen; doch er vertritt ihr den Weg.

He, wohin so eilig, Fräulein! Ich stör' wohl eine trauliche Zwiesprache, wie? Toilettenfra­gen, Lamentierereien und dergleichen Larifari kenne das? Kannst übrigens gehen; ich hin­dere dich nicht!"

Mit einer ironischen Verbeugung vor dem zitternden Mädchen folgt er feiner mit dem Friihstiickrbrett voranschreitenden Frau ins (%» jimmet,

und angesehenen Hausse-Leuten stets nut Lob und Günstiges über Domrnik gehört. Wie über­all, so hat auch in diesen Gebieten, die erst vor wenigen Jahren größtenteils durch Hällptman« Dominik der deutschen Herrschaft unterworfen-. wurden, fein Name den besten Klang; ihn, den sie zwar als Besieger anerkennen mußte», haben sie nachher als Freund schätzen gelernt.

Wieviel Dominik zur Erschließung des Hin­terlandes der Kolonie getan hat und wie er stet» wußte, die Interessen des Handels zu unter- stützen und zu wahren, kann nicht genug hervor- gehoben wecken.

Gerade Dominik ist es gewesen, der in ver­schiedenen Fällen Aufstände in einet so ruhigen, friedlichen Weise, nur durch Einfluß seiner Per­son, niedergeworfen hat, wie kaum ein anderer Offizier. So hat er z. B. im März 1906 die Utu ruhen int Ngute-Eebiet unterdrückt."

Zum Schlüsse der Zuschrift wird mit Recht darauf hingewiesen, daß ein Mann, der sich ums Wohl der Kolonie und ums deutsche Vaterland so verdient gemacht hat wie Hauptmann Domi­nik, etwas Besseres verdient hätte, als in so ver­leumderischer Weis» beschuldigt und angegriffen zu werden. Man weiß nicht, was man mehr verwerfen foILbie Frechheit und Schurkerei, mH welcher diese Verleumdungen gegen Dominik an» gestellt worden sind, ober die Leichtfertigkeit, mit der Bebel diese Beschuldigungen, die nicht er­wiesen sind und nie erwiesen werden können, in die Oeffentlichkeit posaunt hat, die nun wohl ein Recht hat, zu erfahren durch wen Bebel das Material hat. Wer solche Beschuldigungen nicht mit seinem Namen vertreten kann, der sollte besser den Mund halten und im voraus wissen, daß er seinen Zweck nicht erreicht; ein anonymer Klatsch ist niemals ein Beweis, und ein solcher wird nie erbracht werden.

Aber Herrn Bebel wird das, wie sein Verhal­ten in dem ganz gleichartigen Falle Peters be­weist, vermutlich nur ein Ansporn zu neuen und noch maßloseren Beschimpfungen fein.

Kolonie» eütberufeit, tagte im Jahre 1902; sie unterschied sich dadurch wesentlich von ihren bei­den Vorgängern, daß ausdrücklich und offiziell als Aufgabe der Konferenz bezeichnet wurde, über die kommerziellen und politischen Bezish- urtgat unter den verschiedenen Staatswesen des britischen Reiches und über die Frage der mili­tärischen und maritimen Verteidigungen zu ver­handeln. Die Negierung des Mutterlandes war denn auch diesmal durch eine große Zahl von Ressortministern vertreten; außer dem Kolo­nialsekretär nahm der Kriegsminister, der erste Lord der Admiralität und der Präsident der Handelsamtes an der Beratung teil.

Die diesjährige Kolonialkonferenz wird von dem Premierminister in eigener Person eröffnet und so auch äußerlich an Bedeutung über die letzte Tagung hinausgehoben. Die Konferenz hat hinsichtlich der ihr vorgelegten Verhand- lungsgegenstände eine nicht uninteressante Vor­geschichte. Seitens der Regierung waren ur­sprünglich folgende Fragen in Aussicht genom­men: Ordnung der regelmäßigen stattfindende» Kolonial-Konferenzen, Auswanderung nach den Kolonien, Naturalisation und Versorgung der Kolonien mit Kriegsmaterial. Die Kolonial- Regierung» die im Jahre 1902 um ihre Ansichten und Wünsche befragt worden war, hatte ihrer­seits noch dis Frage der Vorzugszollbehandlung der englisch«» Ware» als ein notwendiges Ver- handlungsthema bezeichnet, diele allgemein interessierende Frage wird gleichfalls zur Er- örterrlng gelangen. Dagegen scheiden die Ver­handlungen über die Frachttarifpolitik der eng- tischen am Kolonialhandel beteiligten Reede­reien und über die Schiffahrtsgesetzgebung aus, da beide Fragen gegenwärtig in besonderen Ausschüssen, in denen die Kolonien vertreten sind, beraten wecken. Ebenso sollen Angelegen­heiten von geringerer Bedeutung, so koloniale Steuerpolitik, Herabsetzung der Gebühren im Postveökshr, Übernahme der Kabelgesellschaften auf das Reich usw. durch besondere Verhand­lungen mit be» Vertretern der zuständigen eng­lischen Behörden erledigt werden. Die Be­ratungen der Konferenz dürften diesmal einen erheblich längeren Zeitraum als jemals zuvor beanspruchen und infolge des Umstandes, daß die Frage einer anderweitigen Regelung der Handelsbeziehungen zwischen Kolonien und Mutterland unb die Erörterung über bie Grund­lagen der späteren Konferenzen im Vordergrund der Verhandlungen stehen, eines andauernden lebhaften Jnteress« in alle» Staaten der briti­schen Weltreiches gewiß sein.