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mit dem >Lreisblatt für -re Kreise Marburg und Kirchhain.

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Znsertlonsgebühr: die gespaltene Zelle ober deren Raum 15 Psg.

Neclamen: die Zeile 30 Pfg.

Marburg

Donnerstag, 4. April 1907.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, llniversitäts-Buchdruckerei

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

42 Jahrg.

Zweites Blatt.

Ein Rotschrei aus -cmReiche" Bebels.

Wie gering die Freiheit des Individuums seitens derer gewürdigt wird, die beständig das .Evangelium derFreiheit, Gleichheit und Brü­derlichkeit" predigen, darauf ist schon des öfteren hingewiesen worden. Welche krassen Formen der 'sozialdemokratische Terrorismus neuerdings an- zunehmen beliebt, das erhellt aus einem Briefe, ibcn ein Arbeiter jüngst an ein Mitglied des 'Reichsverbandcs zur Bekämpfung der Sozial­demokratie" gerichtet hat, um seinem bedrängten und entrüsteten Herzen Luft zu machen. Das Schreiben, dessen Inhalt gewiß sehr vielen ehr­lichen Arbeitern aus der Seele gesprochen ist, lautet folgendermaßen:

'Schon lange habe ich das Bedürfnis gehabt, mich einmal einem wohlmeinenden Menschen ge­genüber frei aussprechen. Zur Wahlzeit wollte ich es nicht tun ... Ich bin Fabrikarbeiter Sie kennen mich sehr gut. Ich war früher in einer kleinen Stadt beschäftigt, mußte aber we­gen Aufgabe des betreffenden Geschäfts fort- ziehen und habe dann in einer hiesigen Fabrik Arbeit gefunden.

Ich war kaum 14 Tage hier ansässig, als ich hintereinander von mehreren Arbeitskollegen gefragt wurde, welche Zeitungen ich halte und lese. Ich hatte bis dahin verschiedene Blätter, soweit ich Gelegenheit hatte, gelesen. Man gab mir jetzt deutlich zu verstehen, wenn ich dieAr- beiterzeitrrng" nicht abonniere, werde ich von keinem Kameraden geachtet. Kurze Zeit darauf kam ein Kollege zu mir mit dem Bemerken:Ein ^Arbeiter, der nicht organisiert ist, ist ein Lump!" Ich wurde dann so lange bearbeitet und behel- ,!igt, bis ich nur um endlich Ruhe zu haben iin den natürlich sozialdemokratischen Ver­band eintrat. AberRuhe" hatte ich darum noch lange nicht. Von meiner Frau und meinen Kindern hörte ich, daß sie auf alle mögliche Weise belästigt wurden. Wirunterstützten schänd- slicher Weise die Gegner" weil wir unfern 'Hausbedarf nicht aus dem Konsumverein be- 'zogen! Mir blieb schließlich nichts anderes übrig, als mit großen Kosten meine Wohnung zu wechseln mein Hauswirt war Kaufmann, und es war mir peinlich, als Mitglied des Kon­sumvereins, das ich wohl oder übel werden mußte, sein Mieter zu bleiben, was dem Manne ja vielleicht auch nicht angenehm gewesen wäre. Jedenfalls bin ich von ihm in vielen, vielen Fällen bester und billiger bedient worden, als im Konsumverein!

Ich war aber immer nochfeen richt'ger Ar- beeter". Eines Tages trat ein Genosse an mich heran und sagte mir kurz angebunden:Wenn Du Deine Arbeit behalten willst, dann tritt nur balde mal in unfern (sozialdemokratischen Ver­ein!" Was blieb mir als verheiratetem Mann und als Vater meiner unerwachsenen Kinder anderes übrig!? Traurig genug, daß ich jetzt schon wöchentlich 2,70 Mark an Beiträgen für sozialdemokratische Partei-, Verbands- und Ver­einskassen bezahlen muß. Das sind fast 150 Akk. pro Jahr. Und da wird einem noch zugemutet, in sogenanntefreie Arbeitervereine" es sind ausschließlich vonEenosten" bevölkerteGe­sang-, Radfahr-, Turn-, Naturheilvereine" usw. einzutreten? Wer einem guten bürgerlichen Verein airgehört, wird unbarmherzig solange ge­treten, bis er diese Mitgliedschaft aufgibt! Sind das nicht wahrhaft schreckliche Zustände!? Da­mit ist es noch lange nicht genug. Derwahre Genosse" soll fich auchbetätigen". D. h., ich soll die Gegner verachten", die selbständigen Ee- fchäsisleute boykottieren, die Kollegenmaß­regeln", die sich anders verhalten und nicht in die sozialdemokratischen Verbände und Vereine .eintreten! Ferner gilt es, Delegierten- und Streikmarken, Karten und Programme zu Ge­werkschafts- und Arbeitervereinsfesten zu kaufen! Wer da fein Geld spart, ist einfach ein Lump. Geld, Geld und wieder Geld! Ist man zum ^Hetzen nicht geboren, so darf man immer nur zahlen und Maul halten, und sucht man wirklich mal Hilfe als Organisierter, so wird man mit Redensarten abgesperst. Ja, wäre manVer­trauensmann", da hätte man Gewicht und könnte, statt in einem fort zu zahlen,ein schönes Stück Geld verdienen". Arbeitergroschen, die selbst den Aermsten ohne Mitleid aus der Tasche bezogen werden!

Wie sieht es schließlich mit der Arbeiterbil­dung in der sozialdemokratischen Partei aus? Es gibt ja viele Eewerkfchaftsbibliotheken, die aber meistens nur Bücher sozialdemokratischer Autoren enthalten. Man bleibt also völlig ein­seitig. Sucht man sich aber durch den Verkehr mit sogenanntenbesteren Leuten" weiter zu bilden, so kann man schon bald von den lieben Genosten hören:Was sich der Fatzke bloß ein- biidet! Der soll doch mit seines Gleichen ver­kehren!" Habe ich dagegen Umgang mit einem notorisch verkommenen Tagedieb es ist das natürlich ausnahmslosein Opfer der schmäh­lichen kapitalistischen Gesellschaftsordnung" man wird nie ein Wort des Tadels für mich ha­ben! Wehe aber dein Aermsten, der es wagt, da doch Religion Privatsache ist wie früher zur Kirche zu gehen. Er kann sich, bis er den Kirchenbesuch endgültig aufgibt, vor Spott- und Schimpfreden seinerKameraden" nicht retten. Nebenbei bemerkt, sind das größtenteils diesel­ben Leute, die gleich dabei sind, wenn bei kirch­lichen Wohltätigkeitsoeranstaltungen in der Weihnachtszeit usw. etwas zu holen ist. Ich könnte noch manches sagen so über den ver­derblichen Einfluß der sozialdemokratischen Hetzer auf die Jugend, den Lehrling, den jugend­lichen Fabrikarbeiter. Man höre nur die Eltern, die ihre Kinder in die Fabrik schicken mußten! Eines ist jedenfalls sicher: Der einfache Arbeiter, der sich sein gesundes Empfinden bewahrt hat, fragt sich angesichts solcher Verhältnisse: Wie ist es nur möglich, daß so etwas in unserem großen und stolzen deutschen Vaterlande geschehen darf?" Wie sagt der Dichter doch:

Die Retter der Gesellschaft fechten

Stets hinter ihrer Truppen Front' J'1'?. Doch wie sie trüg'risch diese knechten, Geht über vieler Horizont!

Deutsches Reich.

Grundsteinlegung des deutschen Sana­toriums auf dem Oelberge. Jerusalem, 2. April. Am Ostermontag wurde die feierliche Grundsteinlegung des deutschen Sanatoriums auf dem Oelberge vollzogen. Der türkische Gou­verneur, begleitet von dem militärischen Kom­mandanten und einer Anzahl anderer Beamten, war in Uniform erschienen. Oberhofprediger D. Dryander- Berlin eröffnete die Feier mit einer Ansprache und verlas ein Telegramm des deutschen Kaisers und der Kai­serin, in welchem die Majestäten den ast der Feier teilnehmenden deutschen und türkischen Vertretern ihren Gruß entbieten und die Hoff­nung aussprechen, daß die Grundsteinlegung glücklich verlaufen und der Bau bald zu glück­lichem Abschluß gebracht werden möge. Der deutsche Konsul verlas darauf den Entwurf eines Antworttelegramms, welches dem Kaiser und der Kaiserin den Dank der deutschen Kolonie für die Anteilnahme an dem Gedeihen der Kolonie ausspricht und ein zweites an den deutschen Bot­schafter in Konstantinopel 'Freiherrn Marschall v. Diebersteiii gerichtetes Telegramm, worin die­ser ersucht wird, dem Sultan den Dank für die Erlaubnis zur Errichtung des Sanatoriums zu übermitteln. Die Feierlichkeit schloß mit drei­fachen begeisterte:'. Hochrufen auf Kaiser Wil­helm und den Sultan.

12. christlich-sozialer Kongreß. Karls­ruhe,^ April. Der hier tagende 12. christlich­soziale Kongreß würd' gestern abend mit einem Festgottesdienst eingeleitet, bei dem Pastor Keller die Predigt hielt. Später empfing die Großherzogin den Feftprsdiger und den christlich- sozialen Vorstand, und sprach ihre besten Wünsche für den Verlauf der Konferenz aus. Zur beson­deren Freude gereiche es ihr, daß in der christlich- sozialen Arbeiterbewegung die Saat aufgehe, die ihr Vater in der kaiserlichen Botschaft vom Jahre 1881 gesäet habe.

Preuße« und die Schiffahrtsabgaben. Die von einzelnen Blättern verbreitete Nachricht, daß die preußische Staatsregierung ihre Absich­ten in betreff der Einführung von Schiffahrts­abgaben auf natürlichen Wasserstraßen aufge­geben habe, wird in derNordd. Allg. Zig." als unzutreffend bezeichnet. Die Regierung sei durch § 19 des preußischen Kanalgesetzes vom 1. April 1905 verpflichtet, für die Einführung solcher Ab­gaben einzutreten.

Handel und Verkehr Kameruns. Der deutsche Handel bringt stetig nach dem Innern vor. Die Firmen haben ihre Faktoreien, beson­ders diejenigen unter farbiger Leitung, bis weit über die Urwaldzone hinaus vorgeschoben. Die Firma Randad & Stein versucht das Tschadsee­

gebiet in den Kreis ihrer Tätigkeit zu ziehen. Es ist hauptsächlich der Kautschuk, der die Aus­dehnung der kaufmännischen Tätigkeit veran­laßt. Hauffakarawanen erscheinen an der Küste mit Kautschuk, Elfenbein, Lederarbeiten, Pfer­den und Eseln. Der Gesamthandel des Schutz­gebietes ist auf 2 2,8 Millionen Mark g e - stiegen, hat also 1905 um 5,4 Millionen zugenommen. Die Ausfuhr betrug 9,3, die Einfuhr 13,5 Millionen Mark. Der Handel über den Kongo nach der Ssanga-Ngoko-Ecke nimmt ab, weil der direkte Weg von Kribi durch das Schutzgebiet selbst mehr und mehr benutzt wird. Die Unruhen im Süden haben die Ausfuhr aus dem Bezirke Kribi einigermaßen beeinträchtigt. Deutschlands Anteil an der Einfuhr beträgt 75 pCt., an der Ausfuhr 8244 pEt.; der Rest kommt auf England. Die Prüfung der Einfuhrstatistik ergibt, daß die Kaufkraft der Eingeborenen steigt. Das Fernsprech- und Telegraphenneh umfaßt die Linien ViktoriaDualaBuöa, DualaKribi und KribiLolodorf.

liebet 2 Millionen Rentenempfänger. Die Zahl der auf Grund des Unfall- und des Jnva- lidenversicherungsgesetzes fortlaufende Entschädi­gungen beziehenden Rentner ist gegenwärtig auf über 2 Millionen angewachsen. Nach dem letz­ten Geschäftsberichte des Reichs-Versicherungs­amtes belief sich die Zahl der Personen, die im Jahre 1906 auf Grund der Unfallversicherungs­gesetze Unterstützungen bezogen, auf 1082 670. Davon waren 1035 725 Personen Rentner, d. h. Verletzte, Witwen, Kinder oder Verwandte Ge­töteter, die fortlaufende Entschädigungen er­hielten. Von Renten, die auf Grund des Jnva- lidenverficherungsgesetzes gezahlt werden, liefen Anfangs 1907 überhaupt 962 277. In beiden Versicherungszweigen gab es demgemäß Anfangs 1907 bereits 1998 002 Rentner, In der Zwi­schenzeit ist die kleine an der zweiten Million fehlende Zahl bei der bisher immer noch zu be­obachten gewesenen Steigerung der Renteilzah- len überhaupt sicherlich nicht nur erreicht, son­dern auch überschritten worden. Man kann es deshalb als gewiß annehmen, daß es gegenwär­tig über 2 Millionen Personen in Deutschland gibt, die auf Grund der staatlichen Arbeiterver­sicherung eine Rente beziehen. Bedenkt man, daß feit dem Jnslebentreten des ersten Unfall­versicherungsgesetzes noch nicht 22 Jahre, seit dem des Jnvaliditäts- und Altersversicherungs­gesetzes aber erst 17 Jahre verflossen sind, so wird man ein solches Ergebnis als enorm be­zeichnen können. Etwa der dreißigste Teil der Bevölkerung Deutschlands er­hält a u f Grundder Unfall - und In­validenversicherung eine Re nte. Mehr konnte und kann wirklich nicht von einer staatlichen Versicherung verlangt werden.

Anarchisten in Deutschland. Aus Offen­bach wird der Köln. Ztg. folgendes berichtet: Die Anarchistische Föderation Deutsch­lands wollte ihre 5. Konferenz an den Dftertagen in Offenbach abhalten. Da sie die polizeiliche Genehmigung dazu weder hier noch im benach­barten Frankfurt erhalten konnte, so veranstal­tete sie im hiesigen Gewerkschaftshause eine öffentliche Volksversammlung, in der Dr. Friede- berg-Berlin über Parlamentarismus und Gene­ralstreik reden sollte. Statt seiner sprach aber der Schriftleiter desAnarchist", Rudolf Lange- Berlin. Er begann mit heftigen Angriffen gegen die Polizeiverwaltung wegen des Verbots der Konferenz, das er als ungesetzlich bezeichnete. Vom Frankfurter Polizeipräsidenten sagte er, er verhöhne und verachte die Gesetze. Dann aber wandte er sich gegen die Sozialdemokratie; denn seine Zuhörer, etwa 300 an der Zahl, waren überwiegend Sozialdemokraten. Er beklagte, daß die Sozialdemokratie keine revolutionäre Partei mehr sei, sondern sich an den Wahlen zu den Parlamenten beteilige. Wirklichen politischen Einfluß könne sie dadurch doch nicht erlangen. In Frankreich gebe es sogar zwei sozialdemokra­tische Minister; aber beim Ausstand der Elektri­zitätsarbeiter hätten sie sich auf die Seite Clemenceaus gestellt und es gebilligt, daß man Soldaten zur Unterdrückung des Ausstandes ver­wenden wollte. Und die deutsche Sozialdemo­kratie habe Wahlbündnisse mit den bürgerlichen Parteien abgeschlossen und Bayern der Herrschaft des Zentrums ausgeliefert. Je mehr aber die Sozialdemokratie an äußerer politischer Macht zunehme, desto mehr werde sie von der deutschen Regierung geschuhriegelt. Deshalb empfiehlt der Redner Wahlenthaltung; dagegen soll die Re­gierung durch den Generalstreik zur Nachgiebig­keit gegen die arbeitenden Klassen _ gezwungen werden. Solch ein ungeheurer Ausstand werde natürlich nicht friedlich verlaufen; deshalb müsse das Militär bearbeitet werden, damit cs nicht auf feine Brüder schieße. Die in Frankreich betriebene antimilitaristische Propaganda könne als Vorbild dienen. Aber was in Frankreich ge­schehe, werde von den deutschen Gewerkschafts­führern den Arbeitern vorenthalten; deshalb schreite das deutsche Proletariat von Niederlage zu Niederlage, während die französischen Elektri­

zitätsarbeiter nach 2i4 Tagen einen vollkomme­nen Sieg errungen hätten. Wenn es zum Ge­neralstreik komme, müsse man auf alles gefaßt sein.Aber sie werden uns nicht niederschießen, wenn die Arbeitermassen sich nicht gutwillig nie­derschießen lassen. Wir sind gegen jedes Blut­vergießen; aber wenn unsere Rechte mit Füßen getreten werden, sind wir nicht mehr verpflichtet, die Gesetze zu halten." Bei diesen Worten löste der überwachende Polizeirat die Versammlung auf. Darüber gab es laute Pfuirufe, aber ein starkes Polizeiaufgebot sorgte für eine schleunige Leerung des Saales.

Ausland.

Das spanische Regiment Rumanicia, dessen Ehrenober st der deutsche Kaiser ist, beging in Barcelona die Feier seines 200jähri- gen Bestehens. Kaiser Wilhelm ließ dem Regiment durch einen seiner Flügeladjutanten sein Bildnis überreichen.

Zarte Rücksichtnahme. London, 2. April. Sullivans OperetteDer Mikado" wurde auf Wunsch der englischen Regierung vom Sullivan- Cyklus int Savoytheater ausgeschlossen, um die Japaner nicht zu verletzen.

Verwilderung der russischen Studenten. Die medizinischen Professoren in St. Petersburg klagen über die Unbildung und die Un­ehrlichkeit vieler Assistenten. Mehrere Exa­minatoren haben Todesurteile von Kan­didaten zugestellt erhalten, die das Examen nicht bestanden haben.

Zu den Wirren in Mittelamerika. Wie aus Washington berichtet wird, sind das in Co- rinto (Nikaragua) liegende Kanonenboot Princeton" und der vor Acajutla (San Salva­dor) ankernde KreuzerChicago" auf Veranlas­sung des Staatsdepartements telegraphisch ange­wiesen worden, unverzüglich nach Amapala (auf der Insel Tigre im Golfe von Fonseca in Hon­duras) in See zu gehen, wo, wie es heißt, der bisherige Präsident von Honduras Bonilla von nikaraguanischen Kriegsfahrzeugen eingeschlossen ist.

Die Bauernunruhen in Rumänien. Die rumänische Gesandtschaft in Berlin erhielt vom Ministerpräsidenten Demeter Sturdza über den Stand der Bauernunruhen am 1. April folgende telegraphische Mitteilungen: In der Moldau macht die eingetretene Beruhigung weitere Fort­schritte, und es sind keinerlei neue Ausschreitun­gen zu verzeichnen. In der Walachei ist es jetzt überall gelungen, die Aufstände zu unterdrücken, die an mehreren Orten der Distrikte Olt und Doly mit solcher Heftigkeit getobt hatten, daß bk Artillerie wiederholt eingreifen mußte. Dr-r, wirkte entscheidend. Doch sind die Meldungen einiger Blätter über die Anzahl der Toten mb Verwundeten übertrieben, so z. B. ist die in die ausländische Presse übergegangent Nachricht des Adeverul unwahr, daß allein in Bailesti die Zahl der Toten 400 übersteige. Die hciuptsäch-.' lichen Banden sind nunmehr zersprengt, und seit gestern ist eine ganz erhebliche Besserung der Ge- samtlage in der Walachei eingetrete . Eine große Anzahl RH' ' n'

den meisten Distrikten der Moldau und der Mun- tenie bemühen sich die neuen Präfekten, persön­lich die Bevölkerung zu beruhigen und die Ver-° ftänbigung zwischen de» Gutsbesitzern und berr Bauern wiederherzustellen. Sie fahren von Ge­meinde zu Gemeinde, hören die Beschwerden der Bauern an und suchen den begründeten abzu-' helfen. Viele Gutsbesitzer und Pächter geigen: hierbei Patriotismus und guten Willen, indem sie die Hand zur Beseitigung der ärgsten Miß­stände bieten. Die Verlesung der Proklamation der neuen Regierung, welche die wichtigsteil Agrarreformen ankündigt, wirkt überall be­ruhigend und wird mit Vertrauen ausgenom­men. In der Hauptstadt herrscht vollständige Ruhe, und trotz der Ausstreuungen einer ge­wissen Presse ist am gestrigen Sonntag nicht das geringste vorgefallen. Die Sicherheit der Petro­leumgebiete im Distrikte Prahova ist vollständig. Am 2. April ging der Gesandtschaft solaende telegraphische Mitteilung zu: Die R u h e ist lin ganzen Lande wiederherge stellt. Neue Fälle von Brandstiftungen ober Plünberungen werden nicht mehr gemeldet. Ueberall werden die Unruhestifter, Rädelsführer oder Verdäch­tigen den Gerichten übergeben. Die Wiederher», Rettung des Einvernehmens zwischen Guts­besitzern, Pächtern und Bauern macht tn allen Teilen des Landes Fortschritte. Es besteht be­gründete Aussicht, daß mit zunehmender Be» : ruhigung die Feldarbeiten wieder angenommen werden. i