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Druck imb Berlag' Joh. Äug. Koch, UmvrrsttStS-Bnchdruckerei 42. Jahrg.
Marburg, Markt 2L — Telephon 65.
Marburg
Mittwoch. 3. April 1907.
mit dem zrreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. Z
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Wahlrechtssraye«.
Das preußische Abgeordnetenhaus wird sich in der laufenden Session auch wieder mit Wahl- jrechtsfragen zu beschäftigen haben. Der Freisinn fordert die Einführung des Reichstags- «wahlrechts auch für Preußen, und das Zentrum jhat sich, obwohl noch vor wenigen Jahren Abg. j5)r. BMem diese Forderung für unannehmbar erklärt hat, dem freisinnigen Rufe angeschlossen. Da erwirbt sich denn Professor Konrad B o r n - th a k ein hohes Verdienst, indem er auf die -Tragweite und die Gefahren eines solchen .Schrittes noch einmal mit eindringlichem Ernste thinweist.
Im „Tag" zeigt Professor Bornhak zunächst, Hatz sich aus dem Wesen der Volksvertretung nichts für die Art ihrer Zusammensetzung ergibt, und weist dann nach, daß als Maßstab der gerechten Zusammensetzung nur die Leistung für den Staat in Betracht kommen kann. Das gilt zunächst vom Reichstagswahlrechte. Gewiß ist les eine mechanische Gleichmacherei, wenn es den größten Staatsmann und den Ackerknecht, den Millionär und den steuerfreien Tagelöhner mit dem gleichen Wahlrechte ausstattet. Aber seine innere Rechtfertigung findet das allgemeine Wahlrecht in der auch alle gleich treffenden allgemeinen Wehrpflicht — beiläufig bemerkt, die beste Schranke gegen eine weitere Radikalisierung im Sinne des Frauenstimmrechts. Auch die indirekten Abgaben, auf denen die Reichs- .finanzen beruhen, belasten alle Bevölkerungs- klasserr gleichmäßiger als die direkten.
5« den einzelstaatlichen Volksvertretungen kommen dagegen wesentlich die Interessen der höheren und mittleren Gesellschaftsklassen in Betracht. Auf ihnen ruhen die Leistungen an direkten Steuern wie an persönlichen Diensten der Selbstverwaltung. Deshalb müssen die höheren Gesellschaftsklassen hier besonders vertreten sein. Es liegt hier eine verwandt« Erscheinung vor wie in der Gemeinde, in der man aus gleichem Grunde die Grundbesitzer vielfach bevorzugt, andererseits die Beamten oder gewisse Klassen von ihnen in den politischen Rechten zurücksetzt. Rach den Erfahrungen des Zweikammersystems hat nun die Erste Kammer neben der Zweiten nur dort eine selbständige Bedeutung behauptet, wo sie in sich ein eigenes politisches Prinzip verkörpert, wie das ständisch- aristokratische in England und Deutschland, im Senate der amerikanischen Union. Dagegen vertreten die romanischen Senate immer unselbständig denselben Zug der öffentlichen Meinung, wie die Zweiten Kammern.
Auch für das Verhältnis der einzelstaatlichen Volksvertretungen zum Reichstage gilt die Erfahrung, daß sie zur Behauptung der eigenen Bedeutung eines selbständigen, ihnen inne-
(Nachdruck verboten.).
In der Schule des Leidens.
Roman aus dem New-Potter Leben
von Erich Friesen.
iFvrtlehuna-
" „Willst du nicht bei der Polizei Anzeige machen?"
.Hab' ich schon getan. Aber wer kann in dem Gewühl dieser Riesenstadt den Dieb herausfinden? Und vielleicht habe ich das Geld sogar verloren! . . . Hätt' ich mir nur die Nummer der Banknoten notiert! Aber ein armer Teufel wie ich, der nie viel Geld in Händen hat, versteht eben nicht, damit umzugehen."
Mit einer verzweifelten Geste, die etwas Theatralisches an sich hat, diesmal jedoch direkt von Herzen kommt, fährt Barrington sich durchs dunkle Haar.
„Und Gerda Douglas? fragt Felicie leise.
Die Kehl« ist ihm wie zugeschnürt.
„Ja, Gerda Douglas!" wiederholt Barrington nervös. „Ich wage ihr nicht in die Augen zu sehe». Was es mich kostete, heute abends mit ihr zu spielen.--Ich dachte immer, sie müsse
es in meine« Zügen lesen, daß ich fte um ihr Geld gebracht habe. . . Licy, du mußt mir helfen!" unterbricht er fick plötzlich erregt. „Sprich mit deinem Vater!"
„Ich kann nicht, Norbert. Ich fürchte mich vor ihm. Du weißt, er ist mein Stiefvater. Er behandelt meine arme Mutter schlecht, und mich haßt er sogar. Nie habe ich ein freundliches Wort von ihm gehört. Nur als ich ihm unsere Verlobung mitteilte, faßte er mich schmunzelnd unters Kinn und meinte: „Hol's der Kuckuck, Kleine! Dar hast du gut gemacht. Werd' Geld von deinem Schatz herausziehen — später, wenn er mal ein berühmter Künstler ist!"-. . Der gibt dir nichts, Norbert. Unb bitten kann ich ihn auch nicht.'"
wohnenden politischen Prinzips bedürfen. Folgen alle diese parlamentarischen Körperschaften nach der Art ihrer Zusammensetzung derselben Richtung, so trägt die größte und mächtigste den Sieg davon, und die anderen werden zu Dekorationsstücken.
Der deutsche Reichstag hat nun, wie jede demokratische Volksvertretung, eine sehr starke Neigung zur Konventsherrschaft und sucht ohne Rücksicht auf einzelstaatliche Rechte alles mögliche vor sein Forum zu ziehen. Man denke nur an Toleranzantrag und mecklenburgisches Schulwesen. Bisher hat der Bundesrat solchen verfassungswidrigen Bestrebungen Widerstand leisten können, weil jede Regierung des Rückhaltes ihrer Volksvertretung gewiß war. Ein solcher Widerstand wäre aber unmöglich, wenn nach Annahme des Reichstagswahlrechts die Einzellandtage ihre selbständige politische Bedeutung verloren hätten. Es würde dann nicht nur der Rückhalt verschwinden, den die Regierungen bisher an ihren Landtagen hatten, sondern es würde zugleich auch die Bedeutung des Bundesrats gegenüber dem Reichstage sinken. Der sinkenden Bedeutung des Bundesrates wegen muß nun die Reichsregierung ihre Selbständigkeit gegenüber dem Reichstage behaupten. Das kann sie nur mit dem starken Rückhalte des preußischen Staates. Deshalb darf gerade Preußen unbeschadet einzelner Verbesserungen sein Wahlrecht nicht weiter demokratisieren.
Gerade jetzt soll sich ein neuer Sturmanlauf auf das Dreiklassensystem, „das elendeste der Wahlsysteme", vollziehen. Man erklärt es für eine Ungerechtigkeit, daß unter ihm die stärkste Partei bei den Reichstägswahlen kein Mandat erziele, als ob es Aufgabe der Wahlreform sei, der Umsturzpartei zu Erfolgen zu verhelfen. Die freisinnigen Wünsche nach Einführung des Reichstagswahlrechts würden sich sicher nicht so offen hervorwagen, wenn man nicht gewiß wäre, daß die „bösen Reaktionäre", über die man deshalb weidlich schimpfen kann, es doch hindern würden. Man hat höhnisch gefragt, wie es sei mit dem Satze: Preußen in Deutschland voran! Das Voran besteht doch nicht darin, daß man anderen etwas n a ch m a ch t, sondern daß man die eigene Stellung wahrt.
Früher pflegte man zu sagen, daß Preußen in Deutschland aufgehen müsse. Allein die politische Bedeutung Preußens ist trotz des Reiches noch lange nicht zu Ende. Das ist nicht preußischer Partikularismus, sondern kommt nur der Gesamtheit zustatten. Wie die preußische Verwaltung über die Grenzen Preußens hinaus in Heerwesen, Eisenbahn, Lotterie Einheit schafft, wo das Reich noch versagt, so dient die selbständige Bedeutung Preußens und seiner Krone im Kaisertume dem Reiche. Die h ö ch»
Schweigend schreiten beide nebeneinander her.
„So bleibt mir nichts übttg," sagt Barring- ton endlich mißmutig, als Gerda mein Mißgeschick zu erzählen. Ich muß ihr sagen, daß ich ihr Geld nach und nach zurückzahlen will. Freilich, es wird fast mein ganzes Leben in Anspruch nehmen! Und was dann aus unserer Heirat wird, Licy — Gott mag es wissen?"
Eine fürchterliche Angst überfällt Felicie. Ihr ganzes Glück scheint vor ihr in Trümmer zu versinken.
.Ikein, nein!“ ruft sie laut, daß einige Vorübergehende stehen bleiben und kopfschüttelnd dem Paar nachblicken. „Du darfst ihr nichts sagen. Von ihrer Güte, ihrer Großmut darfst du nicht abhängig sein? Von Gerda Douglas nicht!"
Und wieder greift die wilde Eifersucht mit ihren spitzen Krallen nach Felicies Herz und bohrt und sticht und zerfleischt es, so daß sie tief aufstöhnt.
„Laß mich nachdenken!" murmelt sie halblaut, wie zu sich selbst. „Es muß einen Ausweg geben! ... Ha, ich hab's! Ich denke, ich kann dir helfen."
„Wie? Du besitzest ja keinen Cent, Licy!"
„Wie? Das sollst du gleich erfahren. Au? Laß meine Hand los, Norbert! Du tust mir weh! . . . Entsinnst du dich noch meiner falschen Dtamantbrosche? Du ärgertest dich gestern abends darüber.“
Herbe Enttäuschung malt sich in Barringtons Zügen.
„Gewiß. Dafür erhältst d» kaum einen Dollar, fluq!"
„Rein, gar nichts: denn ich habe sie gleich nachher vernichtet. Du konntest sie nicht leiden — das war für mich genug."
Ihr Ton ist so leidenschaftlich, daß Barring- to» mißbilligend den Kopf schüttelt.
„Liebes Kind, du mußt noch lernen, dein« Gefühle zu bemeistern," erwidert er ernst. „Für
st en Interessen Preußens und des Reiches, die in diesem Puntte zusammenlaufen, fordern daher die Erhaltung des preußischen Landtagswahlrechts.
Deutsches Reich.
— Die Zusammenkunft in Rapallo. Wie aus Rom berichtet wird, hat am Ostersonnabend der italienische Minister des „Aeußern" Tittoni dem in Rapallo auf Urlaub weilenden Reichskanzler Fürsten Bülow einen Besuch abgestattet. — Natürlich hat die Kunde von dieser Zusammenkunft abermals allerhand Erörterungen über die Stellung Italiens im Dreibunde und vor allem zum deutschen Reiche hervorgerufen, insbesondere hat die italienische Presse seit einigen Tagen in unwahrscheinlichsten Mutmaßungen geschwelgt. Es erübrigt sich, auf all' dies einzugehen; in den nächsten Tagen wird wohl einiges von dem durchsickern, was die beiden Staatsmänner in Rapallo verhandelt haben. Daß allerdings bei der „Konferenz" die Haager „Friedenspalme" berührt worden sein muß, wie die italienischen Blätter vorauszuwissen erklärten, hat sehr viel für sich. Man darf gespannt darauf sein, wie sich Tittoni gerade über dieses Thema ausgesprochen haben mag; denn im italienischen Senate hat bekanntlich Tittoni größte Sympathien für den englischen Abrüstungsplan entwickelt, welcher der Friedenskonferenz vorgelegt werden soll. Und bett englischen Wünschen gegenüber dürfte gerade heutzutage ein italienischer Staatsmann schwerlich sehr nackensteif sein. — Wie die „Tribuna" aus Rapallo meldet, dauerte die Unterredung zwischen dem Fürsten v. Bülow und dem Minister Tittoni zwei und eine halbe Stunde. Am Abend desselben Tages fand im Hotel ein Festessen statt, welches Fürst v. Bülow zu Ehren Tittonis veranstaltete, und an dem 11 Personen teilnahmen.
— In den Freiherrstand erhoben. Dem Wirk!. Geh. Oberregierungsrate Carl Friedrich Oscar Gamp, Besitzer des Fideikommisses Massaunen in der Provinz Ostpreußen, Mitglied« des Reichstags und des Hauses der Abgeordneten, ist der erbliche Adel und zugleich die Freiherrliche Würde verliehen worden.
— Di« Konstituierung des Zentralvorstandes der Nationalliberalen Partei. Der neu gewählte Zentralvorstand der Nationalliberalen Partei tritt laut „Nat.-lib. Korr." am 14. April in Berlin zu seiner Konstituierung zusammen.
— Zur Einschränkung der Majestittsbeleidig- «ngsprozesse. Der Gesetzentwurf, bett. die Einschränkung der Majestätsbeleidigungsprozesse, sieht außer der Straflosigkeit nicht vorsätzlicher Beleidigungen auch eine erhebliche Herabsetzung der Verjährungsfrist vor, um den Denunzia- ttonsunfug einzuschränken.
— Keine Ersatzwahl im Landtagswahlkreise Eassel-Witzenhausen. Der Reichstags- und Landabgeordnete, Amtsgerichtsrat Lattmann (Wirtschaft!. Vereinigung) hatte, wie jetzt be-
di« Bühne war das Ding ja ganz gut! Du bist viel zu voreilig —"
„Du ärgerst dich über di« unechten Diamanten," fällt sie, ohne von seinen tadelnden Motten Notiz zu nehmen, rasch ein; „aber meine echten Diamanten, die wirft du nicht verspotten, wie?"
„Echte Diamanten? Du, Licy"
„Ja, ich!" Ihre Augen leuchten vor Stolz. „Ich sollte dir noch nichts davon sagen, meinte die Mutter. Aber unter diesen Umständen —"
Sie macht eine kleine Pause und fährt dann hastig, sich überstürzend, fort:
„Ich besitze nämlich ein Brillantkollier von meiner Großmutter her. Sie war eine brühmte Schauspielerin unb erhielt es einst von einer hohen fürstlichen Persönlichkeit anläßlich einer Eastspieltournee drüben in Europa. Mein Vater hob es für mich auf unb nahm meiner Mutter das Versprechen ab, es nicht zu veräußern, auch in dringendster Not nicht. Erst mit meinem zwanzigsten Jahre sollte es in meinen Besitz kommen, und zwar zu meiner freien Verfügung. Ich habe das kostbare Kollier noch nie gesehen, ja, ich weiß gar nicht, wo es aufbewahrt ist. Aber ich werde es durch Schmeicheln und Bitten von der Mutter herauslocken — unb dann verkaufen oder versetzen wir es, Norbert — unb Gerda Douglas hat ihr Geld wieder, unb du bist ihr nichts mehr schuldig, und wir heiraten, Norbert, und —"
„Das wolltest du wirklich für mich tun, Licy?" unterbricht Barrington ihren Redestrom.
„Ich würde alles für dich tun, Norbert."
„Aber wenn deine Mutter es dir nicht erlaubt?"
„So tue ich cs ohne ihre Erlaubnis. Das Kollier gehört mir; ich kann damit machen, was ich will . . . Hier sind wir zu Hause angelangt, Norbert. Küsse mich noch einmal zum Abschied! Und bann leb' wohl! Morgen Abend hast du das Geld!"
tonnt wird, den Entschluß gefaßt, wegen Ueber« bürdung fein Landtagsmandat niederzulegen. Auf Ersuchen der Vertrauensmannerversamm« lung des Bundes der Landwirte vom 23. März jedoch hat sich der Doppelmandator entschlossen, das Landtagsmandat Cassel-Witzenhausen bis zum Schlüsse der Legislaturperiode beizubehalten.
— Einführung der Junggesellensteuer. Dir zweite hessische Kammer hat, wie wir schon mitteilten, ein Gesetz über den Wohnungsgeldzn- schuß der Staatsbeamten verabschiedet, in dem bestimmt wird, daß der Wohnungsgeldzuschuß in den 5 größten Städten bei einem Maximaleinkommen von 2000 Mark 12 Hundertteile dieses Einkommens, bei einem höheren Einkommen 8 Hundertteile, mindestens aber 240 Mark, in den übrigen Orten 8 bezw. 6 Hundertteile, im letzteren Fall aber mindestens 160 Mark beträgt. Der Wohnungsgeldzuschuß ist nicht pensionsfähig. Das Gesetz tritt mit dem 1. April d. I. in Kraft. Die bei der Debatte am meisten bekämpfte Bestimmung des Gesetzentwurfs ist die sog. Junggesellensteuer. Der 8 3 bestimmt nämlich: „Staatsbeamte, welche weder verheiratet sind noch verheiratet waren, erhalten nur die Hälft« des sich nach vorstehenden Bestimmungen berechnenden Wohnungsgeldzuschusses." Die Kammer nahm schließlich einen Antrag an: denjeni- gen ledigen Beamten, die einen eigenen Haus stand haben, b. h. Eltern, nahe Anverwanbti ober Pflegekinder in ihrer Haushaltung aufge- nommen haben, bas volle Wohnungsgelb zu gewähren. Staatsminister Ewald erklärte hierzu, der Regierung sei dieser Antrag nicht sympathisch, weil sie gezwungen werde, sich fortwährend in einer für beide Teile unangenehmen Weise um die Privatverhältnisse bet Beamten zu kümmern. Di« Regierung möchte also eine binbenbe Erklärung nicht abgeben, doch würde sie, falls auch die ersteKammer einen entsprechenden Wunsch äußere, die Vorlage daran nicht scheitern lassen. Die Bevorzugung bet verheirateten vor ben unverheirateten Beamten ist jedenfalls um so berechtigter, als die Ehelosigkeit gerade in ben oberen Beamtenkreisen immer mehr zunimmt.
— Der Riesenkampf der Holzarbeiter Bit ihren Arbeitgebern scheint für bie ersteren von vornherein aussichtslos zu sein. Bisher ist bie Aussperrung in Berlin, Kiel unb Burg erfolgt, doch dürste die allgemeine Aussperrung über ganz Deutschland in kürzester Zeit nachfolgen. Der Holzarbeitetverband hatte am 1. Januar ein Gesamtvermögen von 2,3 Millionen Mark; eine Summe, die bei 70 0Ö0 Mitgliedern die Aufnahme eines derartigen Massenkampfes als geradezu leichtfertig erscheinen läßt. Der Verband muß im Laufe von wenigen Wochen mit seinen Mitteln am Ende sein und steht dann vor der Notwendigkeit der bedingungslosen Unterwerfung. Gin neues Beispiel dafür, wohin die Arbeiterschaft unter bet sozialdemokratischen Führung gerät. '
III.
Felicie Mackays Natur ist eine überaus leidenschaftlich«. Ohne jede Spur von Selbstbeherrschung, ist sie doch einer tiefen Selbstentäußerung fähig. Für die Personen, die sie liebt^ würde sie willig jedes Opfer bringen.
Ihr ganzes Hetz ist augenblicklich erfüllt von der Liebe für zwei Personen — von der Liebe für ihre Mutter und für Norbert SarringtonJ
Es gab eine Zeit, da hatte sie gekämpft für bie geliebte Mutter wie eine Heldin, da hatte das halbwüchsige Kind die gute, aber schwache Frau beschützt vor den Roheiten des Stiefvaters.^
Wenn Thomas Mackay des Nachts betrunken nach Hause kam, war jede menschliche Regung in ihm erstorben. Wie ein wildes Tier schlug er um sich. Und wenn seine arme Frau schluchznd' unb weinend sich unter seinen brutalen Schlägen wand — dann wat es bie kleine Felicie, die sich ihm furchtlos entgegenstellte.
Und merkwürdig — vor dem vorwurfsvollen, verächtlichen Blick bet großen Kinderaugen schreckte bet Trunkenbold zurück. Er fürchtet diese Augen; aber er haßt sie auch zugleich, haßt sie mit der ganzen Wut des Bösen, der sich von der Unschuld bezwungen sieht. Dem Mädchen einmal einen bösen Streich spielen, es recht unglücklich machen — das ist einer seiner größten Wünsche. . .
In Felicies Adern pulsiert etwas von dem Theaterblut der Großmutter. Kaum sechzehnjährig, trat sie bereits in einem New-Yorker Vorstadttheater auf.
Da hörte durch Zufall der Direttor des „Monopol-Theaters" daß die kleine Felicie Mackay die Enkelin der einst berühmten Rahel Simson sei, unb engagierte sie für kleinere Partien.
Ihr frisches, natürliches Wesen, der kindliche Blick ihrer großen, schwarten Augen, gewann ihr sofort die Herzen jämtlicher Kollegen anb Kolleginnen.
(Fortsetzung folgt.)