allmählig die Frage dringlich, ob nicht ein festerer Zusammenschluß der konservativen Partei wünschenswert sei. Diesen Erwägungen hat sich denn auch der konservative Eesamtvorstand nicht länger verschlossen, sondern die Notwendigkeit einer festen Organisation erkannt, welcher andere politische Gruppen ihre Erfolge verdanken. Man hat erkannt, daß die Schaffung großer Parteiorganisationen nicht allein taktische Vorteile bietet, sondern daß diese auch geeignet find, das politische Interesse auf große Fragen zu lenken. Darum ist für den Herbst ein allgemeiner konservativer Delegiertentag anberaumt worden, auf dem die Frage des Ausbaues der konservativen Parteiorganisation eingehend beraten werden soll. Es wird sich insbesondere darum handeln, ein System von Ortsvereinen ins Leben zu rufen, nm überall einen festen Zusammenschluß aller Konservativen herbeizuführen. Die vorbereitenden Maßnahmen hierzu sind bereits eingeleitet worden. Provinzielle Delegiertentage werden sich mit der wichtigen Frage beschäftigen und ihre Entschließungen treffen, die dann dem bereits erwähnten allgemeinen Delegiertentage im Herbste vorliegen werden. So hält der konservative Verein der Provinz Hessen-Nassau Dienstag, den 2. April, in Marburg einen Delegiertentag ab, der dieselbe Frage zum Gegenstände hat. An die Beratung der konservativen Delegierten wird sich eine öffentliche Versammlung schließen, deren Programm aus dem lokalen Teile der heutigen Ausgabe zu ersehen ist.
Drunches Reich.
— Vom Bundesrat. Der „Reichsanzeiger" berichtet über die Mittwochsitzung des Bundesrates noch, daß die bereits erfolgte Ueberweisung des Antrages von Bauern, Württemberg und Baden, betr. die Entschädigung der Schöffen und Geschworenen für Zeitversäumnis an die zuständigen Ausschüsse die Zustimmung der Versammlung fand.
— Zur Braunschweiger Frage. Nach Meldungen aus Hannover soll der Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg bereits vor dem Antritte seiner Reise nach dem Süden die Dienerschaft befragt haben, ob sie gewillt sei, mit nach Braunschweig Lberzufiedeln. Sollte sich diese Meldung bewahrheiten, so würde daraus hervorgehen daß Herzog Johann Albrecht sicher glaubt, zum Regenten von Braunschweig gewählt zu werden.
— Dementi. Die auch von uns in Zweifel gezogenen Meldungen freisinniger Blätter über eine Audienz des Frankfurter Oberbürgermeisters Adickes wird jetzt von der „Köln. Ztg." widerlegt. Das Rheinische Blatt schreibt: „Wie wir entgegen anderen Zeitungsmeldungen zuverlässig erfahren, ist von einer kürzlichen Anwesenheit der Oberbürgermeisters Adickes in Berlin an amtlichen maßgebenden Stellen nichts
ren ihm gestorben, kein Engel würde ihm den Stein wälzen von des Grabes Tür!
Als er nach Hause kam, suchte er Cläre überall. Einer sagte sie sei im Keller, ein Anderer er habe sie in der Küche gesehen, ein dritter auf dem Hof. Aber sie war. nirgends zu finden. Endlich ging er in den Garten, auch dort war sie nicht. Tief verstimmt setzte er sich auf eine versteckte Bank, um seinen Gedanken nachzuhängen, doch er sprang wieder auf. Ueber ihm in den Bäumen schmetterten die Finken und sangen die Drosseln ihr süßes Tirüli, die Veilchen dufteten stark und der Frühlingshimmel stand in goldenem Glanz. Ein namenloses Sehnen zog durch des einsamen Mannes Herz, doch plötzlich wurde sein Blick starr und sein Gesicht erdfahl. Vorsichtig drückte er sich hinter einen Baumstamm. Er sah von fern aus einem kleinen Pavillon, der ganz mit Ranken und Reben bedeckt war, Cläre treten, gefolgt von einem Herrn. Es war kein anderer wie Schönstedt aus Bukenhagen und er entfernte sich eilig mit einem Sprung über die Hecke. Cläre aber ging ruhig dem Hause zu.
Bleich vor Zorn vertrat ihr Schöttler den Weg.
Fräulein Römer, Sie werden noch heute mein Haus verlassen! Ich bedaure unfreiwillig Zeuge Ihrer Heimlichkeiten geworden zu fein “
Mehr konnte er nicht sagen, die Worte versagten ihm. Cläre war mit einem leisen Aufschrei fast zusammengebrochen, er wandte ihr den Rücken und ging. Nach kurzer Zeit war er auf dem Wege nach Bukenhagen.
Als er Schönstedt Auge in Auge gegenübcr- stand, erzählte er ihm, auf welche Weise er Kenntnis von seinem Verhältnis zu Fräulein Röwer erhalten habe. „Sie werden vielleicht so gut sein, Ihre Braut unter Ihren Schutz zu
bekannt geworden, auch haben amtliche Verhand»- lungen mit Herrn Adickes wegen der Ueber« nähme eines höheren Staatsamtes bisher nicht stattgefunden. Während der Abwesenheit de« Reichskanzlers und so lange ein hohes Staatsamt überhaupt frei ist, sind auch derartige Verhandlungen mit irgend einer Persönlichkeit nicht zu erwarten."
— Wegen Wahlbetrugs verurteilt. D ü s f e lt dorf, 27. März. Die Strafkammer verurteilte den Arbeiter Schnock, der bei der Reichstagsstich- wahl doppelt sozialdemokratisch zu wählen versuchte, zu 8 Tagen Gefängnis.
— Der Stadthaushaltungsetat Berlins. Die Stadtverordnetenversammlung von Berlin nahm am Mittwoch den Stadthaushaltsetat für 1907) an, der in Einnahme und Ausgabe auf 147 502 734 M festgesetzt ist.
— Ueberleitung der Rilchzentrale. Berlin, 28. März. Wie aus sicherer Quelle verlautet, schreibt die „Deutsche Tagesztg.", sind bereit» entscheidende Schritte getan worden, die Milch- zentrale in eine „Gesellschaft m. b. H." überzuleiten, um die Milchproduzenten in bei weitem größeren Umfange in dieser Gesellschaft zu einigen. — Pflicht eines jeden Landwirts ist er deshalb, die jetzt laufenden Pachtverträge, so- bald als möglich und erforderlich zu kündigen, damit er über seine Milchproduktion frei verfügen und an den Vorteilen des Zusammenschlusses, event. auch an einem höheren Milchpreise teilhaben kann. — Am 1. Oktober ablaufende Verträge mit halbjährlicher Kündigung müssen also unbedingt vor dem 1. April gekündigt werden.
— Abgewiesene Gäste. Die Gesuche mehrerer wegen des polnischen Schulstreiks von preußischen Gymnasien verwiesenen Schüler um Aufnahme in bayerischen Gymnasien wurden von den zuständigen Stellen abschlägig beschieden.
— Eine zeitgemäße Reform im Schulwesen wird, wie aus Dresden verlautet, jetzt in Sachsen eingeführt. Das Ministerium des Kultur und des öffentlichen Unterrichts hat nämlich verfügt, daß mit Beginn des neuen Schuljahres in allen sächsischen Realschulen der Spiel zwang eingeführt wird. Danach hat jeder Schüler mindestens einmal in der Woche an den allgemeinen Schulspielen teilzunehmen. Die Anordnung macht es notwendig, zur Gewinnung der Spielzeit die wissenschaftlichen Unterrichtsstunden an vier Vormittagen auf 40 und die sogenannten einstündigen Unterrichtsfächer auf 50 Minuten zu verkürzen. — Man erwartet auch für die Volksschulen eine ähnliche Verfügung. Vielleicht findet diese gute Maßnahme, bemerkt hierzu die „Rheinisch-Westf. Ztg.", auch außerhalb Sachsens bald Nachahmung.
— Zur Mädchenschulreform, deren Erund- züqe jüngst veröffentlicht wurden, erfahren die B N N." weiter, daß das Reformprogramm möglicherweise noch eine Erweiterung erfahren soll Es wird nämlich geplant, auf den neun« bezw. zehnklassigen Unterbau der höheren Töchterschulen neben dem vierklassigen wissenschaftlichen Oberbau, der zum Universitätsstudium nehmens sie verläßt noch heute mein Hans", fügte er eisig hinzu.
„Wo denken Sie hin, Herr Nachbar, das Fräulein und ich haben nicht im Entferntesten dergleichen Beziehungen zu einander", rief Schönstedt lachend, als handle es sich um eine« guten Witz. Die Reitpeitsche .zuckle in Schöttlers Hand, die Adern schwollen an seiner Stirn.
„Also nur ein Verhältnis?" fragte er drohend.
„Nicht im Geringsten, bewahre", sagte der Andere ausweichend. Da packte ihn Schöttler an der Brust. „Schurke!" keuchte er, die Peitsche erhebend. Aber der junge, kräftige Mann siel ihm in den Arm. „Ich sehe, ich muß Ihnen die Wahrheit sagen, Sie sollten es so wie so recht- zeittg erfahren, damit Sie sich nicht an die Person wegwerfen. Ich habe von meinem Vater ein Schriftstück geerbt, das den alten Röwer als Betrüger brandmartt. Es ist bei seinem Bankerott damals nicht mit rechten Dingen zugegangen, er hat meinen Vater betrogen. Dieses Schriftstück wollte die Tochter von mir zurückhaben mit dem Versprechen des Schweigens. Ich versprach ihr neulich in der Konditorei, es ihr heute selbst zu bringen. Da sie aber die Gegenbedingung nicht erfüllen wollte, hat sie es nicht bekommen"
„Und welches war die Gegenbedingung?" fragte Schöttler atemlos.
„Run, ich sage es offen, sie sollte mtt den Weg bahnen zu Ihrer Fräulein Tochter, ich kenne ihren Einfluß in Ihrem Hause durch die Leute. Ich weiß, sie kann alles bei Ihnen."
„Ich danke Ihnen für Ihre Offenheit", sagte Schöttler mit einem Leuchten im Blick, „es tut mir leid. Ihnen zu sagen, daß meine Tochter nicht mehr frei ist. Sie wird einmal den jungen Werkner heiraten. Wenn ich hinzusüge. daß ich
mit dem Kreisblatt für die maf e Marburg und Kirchhain. *
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M 76
Vierteljährlicher Bezugspreis: bet ver ExpÄition 2 Mk., bu allen Postämtern 2,25 Mk> <cicL Bestellgeld).
Marburg
ZnsertionSgebühr: di» gespaltene Zelle oder deren Raum 15 Pfg.
Reclamen: di» Zeile 30 Pf«.
Sonntag, 31. März 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck mtb Berlage Joh. Ang. Koch, Universitäts-Buchdruckers Marburg, Markt 2L — Telephon 55.
42. Jahrg.
Zweites Blatt
(Nachdruck verboten.)-
Selige, fröhliche Osterzeit.
■ Von Marie Stahl.
(Schluß.)
„Wer ist der Herr?" fragte Schöttler rauh.
„Den kenne ich nich, er muß noch «ich lange in die Irgend sein, ich habe ihn heut zum ersten Mal jesehen, aber das kann ich bald erfahren, wenn der gnädige Herr wissen wollen —" £ „Danke, nein", war die kurze Antwort. » Nach zehn Minuten war Schöttler wieder im Sattel und aus dem Heimweg. Spionieren wollte er nicht, das lag feiner geraden, offenen Natur fern. Er floh die Stadt mit dem Gefühl als könne er dort einen Mord begehen. Sein Gesicht war aschfahl und fast verzerrt, als er fein Heim wieder betrat. Was sollte er tun? War es möglich, daß sie ihn betrügen wollte? Sie wußte ja wie es um ihn stand und was er beabsichtigte! Spielte sie ein doppeltes Spiel? Nein! es war nicht möglich, daß diese Augen logen! Abwarten wollte er, sie mußte aus freien Stücken bekennen, wenn noch ein Funken Ehre und Wahrhaftigkeit in ihr war! Jedes erzwungene Geständnis hatte keinen Wert!
Er sah sie an dem Abend nicht mehr. Als sie aus der Stadt kam, zog sie sich gleich auf ihr Zimmer zurück. Edda sagte, sie habe heftiges Kopfweh.
Der Karfreitag kam und lastete trüb und schwer auf dem Haus. Kläre ging wie ein Schatten umher, bleich mit tiefen Ringen unter den Augen. Sie besorgte nur ihre notwendigsten Geschäfte und brachte die übrige Zeit in ihrem Zimmer auf dem Sofa liegend zu. Schöttler ßieß sie durch Edda fragen, ob sie einen Arzt
OsterßoffkMüken.
Das beseligende Gefühl, das in allen gläubigen Herzen die frohe Botschaft der Osterglocken Erweckt, die uns verkünden, daß der Welt- jerlöser siegreich die Macht des Todes überwunden Hat und uns vorangeschritten ist auf dem Pfade «um ewigen Licht, vereint sich in germanischen Ländern mit der innigen Freude am Wieder- Erwachen der Natur nach langem Winterschlafe. sEs muß doch Frühling werdend»Diese Lenzes- vewißheit, die sich diesmal so rechtzeitig erfüllt Kat, verleiht den Ostertagen zugleich den Cha- jtafter eines echten Frühlingsfestes und erinnert tuns daran, daß nach der Auffassung unserer Altvordern dies Fest der Licht- und Lenzgöttin Ostara geheiligt war, deren Namen ja noch jheute die Oster tage tragen. Dieser Ratur- pnn, der das religiöse Empfinden der alten Ger- jmaiten erfüllte, ist erfreulicherweise auch heutzutage unserm Volke nicht verloren gegangen; irr ist im letzten Grunde die Quelle seiner Kraft ]unb seiner Begeisterungsfähigkeit für alles Edle !Und Schöne. Nach den langen Wintermonden znit Eis und Schnee, nach den Lenzesstürmen und Regenschauern atmen wir freudig auf, wie befreit von einem schweren Druck, der auf unserm Geist und Gemüt gelastet, wir schauen das ge- T)eimnisoolle Sprießen und Sprossen in Gottes -weiter Natur und fühlen auch uns verjüngt durch -all' das Wachsen und Werden. Neue Hoffnungen sregen sich in uns und neue Gedanken als Keime zu späteren Entwürfen und Plänen für die fZukunft. Das ist die Zeit, von der uns der Dichter sagt: Es ist eine Lust zu leben!
Solche Lebenslust aber genügt sich nicht an -untätigem Genießen, sie drängt zu frischem, fröhlichen Schaffen und Wirken. Wohl dem Knaben lind Jünglinge, der solche Lebenslust in sich fühlt, er wird mit frischem Mute an sein Lebenswerk ^eiantreten und sich mit voller Kraft dem Berufe widmen, für den er sich entschieden hat. Much in dieser Hinsicht bezeichnet ja Ostern eine bedeutungsvolle Wende im menschlichen Leben! ^Unzählige Gebete aus liebevollen Mutterherzen steigen in diesen Tagen zum Himmel empor, und Hoffnungen über Hoffnungen regen sich in jugendlichen Seelen, die nicht selten vor Erwar- itung fiebern, den Schritt aus dem Vaterhause iin die Welt zu tun. Wohl jeder noch hat sie 'empfunden und durchgekostet diese Lenzesfreude rind Osterhoffnung; möge sie sich immer erneuen 'als ein Merkmal der unerschöpflichen Jugend- ckrast und des ewigen Lenzes unseres Volkstums! ! Auf dieser Jungmannschaft, die jallährlich zu Ostern aus dem Frieden des Elternhauses hin-
austritt in den Kampf und die Unrast des Lebens, beruht die Hoffnung des deutschen Volkes; sie frisch und wehrfähig zu erhalten, mutz daher die erste Aufgabe aller derer sein, die von Amtes und Berufes wegen dazu bestimmt sind, die Jünglinge fortzubilden und für ihre künftige Aufgabe als deutsche Staatsbürger vorzubereiten, damit nicht die deutsche Jugend körperlich und geistig verlottett, wie vielfach der Nachwuchs alternder Nationen romanischen Geblütes. Das beste Rüstzeug aber für den jungen Mann gegenüber den vielseitigen Gefahren und lockenden Jrrgängen des neuzeitlichen Lebens ist bas treue Festhalten an christlicher Gesinnung und echter Vaterlandsliebe. Wer sich diese bewahrt, der wird sich immerdar zurechtfinden in dem Labyrinth der wirtschaftlichen und politischen Fragen, die unser Tagesleben beherrschen, und wird nie irre werden an sich selbst, wenn er durch die Verhältnisse vor wichtige Entscheidungen gestellt wird. Möge hierfür das treue Pflichtbewußtsein des „Alten im Sachsenwalde", dessen wir, wie immer am 1. April gedenken, für jeden deutschen Jüngling vorbildlich sein!
Organisatorische? Zusammenschluß der Konservativen.
Wenn wir der Zeiten gedenken, wo das deutsche Vaterland in kläglicher Zerrissenheit ein Cpielball fremder Mächte war, so können wir heute stolz unser Haupt erheben in dem Bewußtsein Söhne und Bürger eines geeinten mächtigen Reiches zu sein. Damit aber das deutsche Reich seine vorherrschende Stellung trotz aller Anfeindungen und Machenschaften feindlicher Nationen behaupte, ist es nötig, daß unserem Volke der deutsche vaterländische Geist erhalten bleibt, der es befähigte, zu solcher Macht zu gelangen. Darum gilt es, unablässig all' jene gefährlichen Bestrebungen zu bekämpfen, die mit tönenden Schlagworten das nationale Empfinden unseres Volkes verwirren und zerstören und die den Kern aller nationalen Wohlfahrt, die gesunden Grundlagen der Wirtschaftspolitik beseitigen möchten. Unter den Parteien im deutschen Reichstage und in den Volksvertretungen der deutschen Bundesstaaten find es anerkanntermaßen die konservativen Elemente, die sich dieser Aufgabe mit Eifer und Nachdruck widmen. Darum bilden auch die Konservativen die Kerntruppe der nationalen Phalanx, welche den Sturmläufen der internationalen Sozialdemokratie energisch Halt gebietet. Indessen, die Partei der Deutschkonservativen ist kein in sich abgeschlossenes, festgefügtes Gebilde, wie ein Felsblock in tosender Wasserflut, und darum wurde angesichts der maßlosen Propaganda, die während der letzten Wahlen von linksliberaler und sozialdemokratischer Seite betrieben worden.
wünsche, aber sie lehnte ab, es sei nur eine Migräne.
Der Hausherr selbst glich einer Gewitterwolke, so finster und schwer lag es über seinen Brauen. Er wurde wenig sichtbar und in seinen Gemächern hörte man ihn rastlos auf und ab« gehen, auf und ab. Edda war ganz verschüchtert. Sie hatte entsetzliche Angst, ihr Vater sei böse auf sie. In ihrer Not schlich sie zu Cläre, saß auf einem Schemelchen neben ihrem Lager und lehnte den blonden Kopf gegen ihre Schulter. Und dann stammelte sie ein Bekenntnis, sie liebe Gert Werkner mehr als ihr Leben und wenn sie ihn nicht haben solle, dann wolle sie lieber gleich sterben! Sie fei so traurig und fürchte sich vor Ostern, denn da solle Herr Schönstedt aus Bukenhagen kommen und sie merke wohl warum. Ob bann Cläre nicht helfen könne?
Unb Cläre richtete sich plötzlich auf, nahm den blonden Mädchenkopf zwischen beide Hände, küßte ihn auf die Stirn unb sagte: „3a, ich will dir helfen? sei ruhig, bu brauchst Schönstedt nicht zu fürchten."
Am stillen Sabbath war Kläre wieder wohlauf, sie ging umher wie immer unb tat ihre Arbeit mit einem Ausdruck von Ruhe unb Entschlossenheit. Schöttler beobachtete sie vom Fenster aus, bann ritt er auf bas Vorwerk hinaus unb ließ sagen, er käme nicht zu Mittag. Es war dies nicht auffällig, benn es kam ein oder zwei Mal im Jahre vor. Am Nachmittag, mitten in feinen Geschäften, überkam es ihn wie Verzweiflung. Er konnte es nicht länger ertragen, er wollte gehen unb Cläre Auge in Auge fragen unb bie Wahrheit hören! Das Osterfest war vor der Tür, das herrliche Jubelfest der Auferstehung, aber Glück und Hoffen wa«