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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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Jti. 75

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Neclamen: die Zeile 80 Pfg.

Marburg

Freitag. 29. März 1907.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck imb Verlag» Job. Sug. Koch, UniverjitStS-BuchdruckerÄ Marburg, Markt 21. Telephon 55.

42. Jahrg.

Zweites Blatt.

Das Abonnement auf dieOberheffifche Zeitung", daS -rötzte, meistgelesenste «ad weit« -verbreitetste Blatt MarbnrgS und EvAk Umgegend kostet vierteljährlich nur 2.25 Mk. Inserate habe« besten Erfolg.

Deutsches Reich.

Frauen als Professoren? Berlin, 26. März. Die Zulassung der Frauen zum akademi­schen Lehrberuf wird, wie gemeldet, gegenwärtig pon sämtlichen preußischen Universitäten er­wogen. Den Anlaß hierzu gab das Gesuch der Zoologin Gräfin Linden, zur Habilitation bei der Universität Bonn zugelassen zu werden. Man war dort über die Frage verschiedener Meinung und wandte sich an den Kultusmini­ster, der seinerseits alle preußischen Universi­täten um ihre Meinung darüber anging, ob es jmit den bestehenden gesetzlichen Bestimmungen vereinbar sei, Frauen zum akademischen Lehr­beruf zuzulassen, und ob dies wünschenswert sei. Der Minister hat damit, wie dieKöln. Volks» sstg." hervorhebt, den Universitäten nicht nur die Frage der Habilitation von Damen vorgelegt, sondern die ihrer Zulassung zum akademischen Lehrberuf überhaupt, also auch die Frage, ob Frauen Professoren werden können, wie dies gum Teil bereits in der Schweiz, in Frankreich Sind in Schweden vorgekommen ist.

i Polnische Propaganda in Schlesien. Ge­wisse erfreuliche Erscheinungen, die im Rahmen sder preußischen Ostmarkenpolitik in den Provin­zen Posen und Westpreußen allmählich hervorzu­treten beginnen, dürfen darüber nicht hinweg­täuschen, daß das Deutschtum in Ober« fchlesien von Jahr zu Jahr mehr gefährdet wird. Man kann, um die bisherigen Erfolge der dortigen grotzpolnischen Agitation in ihrer gan­gen Bedeutung zu würdigen, sich nicht oft genug den Ausgang der bisherigen Wahlkämpfe in den oberschlesischen Wahlkreisen vor Augen hal­ten. Das Zentrum mit seiner schwankenden, auch in der Polenfrageunberechenbaren" Poli­tik hat dem energisch vordrängenden Polentum gegenüber wirksamen Widerstand nicht leisten Annen, hat sich vielmehr durch die systematische Bearbeitung der oberschlesischcn Bevölkerung in Kiner Presse, die ganz und gar radikalpolnischen Einflüssen untersteht, ans seiner früheren Stel­lung mehr und mehr verdrängen lasten. Die großpolnische Propaganda in Oberschlesien ist

(Nachdruck verboten.);

Selige, fröhliche Osterzeit.

Von Marie Stahl.

Guten Abend, Fräulein Cläre", rief eine Männerstimme über die Feldsteinmauer in den großen Obstgarten, hinter dem Eutshaus von Wegelank, in desten Treibbeeten, an der Son­nenseite der Mauer, ein junges Weib beschäftigt war, Salat zu schneiden. Gleich darauf trat der (Gutsherr, ein stattlicher Vierziger, mit Büchse (und Jagdtasche, durch die Pforte, folgte seinem Hühnerhund, der freudig wedelnd zu Kläre sprang, und setzte sich ausruhend auf einen urn- sgestülpten Schubkarren neben sie, die seinen Gruß freundlich erwiderte und in ihrer Arbeit fortfuhr. Seine Augen ruhten mit einem (eigen Wohlgefallen auf der kräftig schönen Ge­stalt des fast dreißigjährigen Mädchens, deren blühendes Gesicht noch volle Jugendsrische zeigte.

Gut, daß ich Sie hier treffe, ich suchte Sie, (um Ihnen zu sagen, daß wir Ostern Besuch be­kommen. Der junge Schönstedt ist kürzlich aus Afrika zurückgekehrt, um nun sein Erbe, unser Rachbargut Bukenhagen, anzutreten. Ich be­gegnete ihm heute an der Grenze und merkte ihm an, daß er sich dort ein bischen verlasten fühlt in dem leeren Haus. Er nahm auch meine Einladung sofort an."

Kläre Röwer beugte sich tiefet auf die Salat- . Pflanzen, um die Purpurglut zu verbergen, die ihr ins Gesicht gestiegen. Großer Gott, einmal mußte es ja so kommen aber jetzt, zum Fest das hatte sie nicht erwartet!

Sie tat einige sachliche Fragen inbetreff der Bewirtung des Gastes, wie der Hausherr das wünsche. Seit einem halben Jahr nahm sie die Stells der bereits längst verstorbenen Hausfrau Bin, die so lange von der Mutter vertreten wurde, bis auch diese der Tod abrief.

Nachdem die wirtschasilichen Fragen erörtert waren, bemerkte Herr Schöttler sich etbebeBb:

aber mit diesen Erfolgen nicht zufrieden. Wie von ihr gearbeitet wird, um die Maßnahmen zur Erhaltung des Deutschtums zu hintertreiben, beweist die Tatsache, daß fortwährend neue Mit­tel angewandt werden, um die Bevölkerung im radikalpolnischen Sinne zu beeinflusten. Die polnische Presse allein ist augenscheinlich nicht imstande, in dem Sinne den Haß gegen das Deutschtum zu schüren, wie es den Wünschen der führenden Agitatoren entspricht. Der Versuch, den Schulstreik auf Oberschlesien zu übertragen, ist mißlungen: dazu ist es dank der entschiedenen Haltung des Fürstbischofs Kopp nicht gekommen. Ein neues Agitationsmittel mußte also gefun­den werden, und es ist gefunden. Es hat sich in Katowitz ein Komitee gebildet, das mit Hilfe unentgeltlicher Vorttäge auf die breiten Masten einzuwirken sucht. Die in diesen Vorttägen be­handelten oder zu behandelnden Themata sind durchweg geeignet, die Erinnerung an die frü­here Unabhängigkeit Polens zu beleben und das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit aller Bolksteile polnischer Zunge zu stärken. Dem Komitee gehört u. a. der Reichstags- und Land­tagsabgeordnete Albert Korfanty an.

Neuerung in der Zahlung des Dienstbe- kleidungszuschustes. Der preuß. Finanzminister hat im Einvernehmen mit der Oberrechnungs­kammer unter Abänderung einer früheren Ver­fügung für die Zahlung des Dienstbekleidungs- zuschustes Folgendes bestimmt: 1. Die Dienst­bekleidungszuschüsse sind künftig vierteljährlich im Voraus zu zahlen. 2. Bei Todesfällen ist von der Wiedereinziehung des für das Kalender­vierteljahr gezahlten Dienstbekleidungszuschustes abzusehen. 3. Beim Ausscheiden eines Beamten aus dem Staatsdienste hat er nur Anspruch auf den Dienstbekleidungszuschuß für die Zeit bis zum Tage des Ausscheidens. Darüber hinaus gezahlte Beträge sind wieder einzuziehen. 4. Wird ein Beamter im Laufe des Vierteljahres in eine andere Stelle versetzt, so haben die an der Versetzung beteiligten Hauptämter wie bet den Gehaltsbezügen abzurechnen. Zuviel ge­zahlte Beiträge sind wieder einzuziehen.

Die Heuschreckenplage in Deutsch-Süd- westafrika. Wie dieDeutsch-Südwestafrikanische Zeitung" berichtet, zeigen sich in diesem Jahre die Heuschrecken wieder in einer Menge, wie seit langem nicht. Auf der Staatsbahn und auf der Otavibahn wurden Masten vonFußgän­gern" (d. h. junge Heuschrecken ohne Flügel, die gefräßigsten) beobachtet. Wiederholt sind Eisenbahnzüge durch die Heuschrecken zum Stehen gebracht, indem die zermalm­ten Körper die Reibung zwischen Schienen und Rädern aufgehoben haben. Wohin die Züge der gefräßigen Insekten sich ergossen, haben sie gro­ßen Schaden angerichtet; ft haben namentlich auch die Gärten von Klein-Windhuk schwer ge­litten.

Im Vertrauen sage ich Ihnen, es würde mich freuen, wenn Edda Herrn Schönstedt ge­fiele. Das wäre eine recht passende Partie für sie und ich behielte sie in brr Nähe. Vielleicht helfen Sie ein bischen dazu. Sie verstehen schon, wie ich das meine. Frauen haben stets Talent zum Heiratsstiften."

Mit einem tieferschrockenen Blick sah Kläre Röwer auf.

»Ich glaube, Eddas Herz ist bereits ver- schentt", sagte sie saft vorwurfsvoll.

Das ist es ja grade, was mir nicht patzt", tief Heit Schötttler heftig.Diese Liebelei mit dem jungen Fax, meinem Wirtschaftseleven, sehe ich schon lange mit Mißvergnügen. Der Sache mutz ein Ende gemacht werden, das sitzt ja bei einem so jungen Ding noch nicht tief."

Warum wollen Sie denn Edda so früh ver­heiraten? Lasten Sie doch das Kind erst aus- reifen", warf Kläre ein.

Man kann Mädchen nicht früh genug in Sicherheit bringen und hm ich habe viel­leicht itvch besondere Gründe dafür--es wäre

besser, sic nicht mehr im Hause zu haben, wenn na, ich bin doch auch noch kein alter Mann ich könnte mich ja vielleicht noch mal verheiraten wollen. Was denken Eie davon, Fräulein Kläre?"

Der hohe, stattliche Mann beugte sich über sie und versuchte ihr in die Augen zu sehen und als ihm das nicht gelingen wollte, hob er ganz sanft ihn Kinn in die Höhe und wandte ihr Ge­sicht sich zu. Ein banger, feuchter Blick traf ihn aus ihren großen Aurikelaugen. Um sie her war die wundervolle Stille und die tiefe Frieden des lichten Frühlingsabends, mit leise verklingenden Vogelstimmen und dem schweren Duft der tau­feuchten Gartenerde voll keimender, knospender Triebe.

Kläre" sagte er noch einmal leise, ganz leise, mit einem Zittern in der Stimme,liebes Kind!" Eine Welt tiefet, starker Mannesliebe war in diesen Motten.

Marburg nnd Umgegend.

(Nachdruck aller Otigmalartiktt ist gemäß $ 18 bei Urheberrecht! nur mit der deutlichen Quellenangabe

.Oberhefl. Ltg.- gestattet)

TOfltlmr«, 28. März.

)( Ein neuer Führer durch Marburg und seine Umgebung ist von der Eeschäftsleitung der Marburger Ferienkurse herausgegeben worden. Das handliche Büchlein, das in vornehmer Aus­stattung in der Universitäts-Buchdruckerei von Joh. Aug. Koch hergestellt wurde, enthält autzer einem sehr leicht auch für jeden Fremden ver­ständlichen Stadtplan eine Anzahl Illustra­tionen aus Marburg und Umgebung, die sich dem kurz zusammengefatzten Inhalt würdig an« passen. Jedenfalls Dürfte das Merkchen wieder viel dazu beitragen, immer weitere Kreise auf Marburg aufmerksam zu machen.

* Bon bet Wertzuwachssteuer. Die Wert­zuwachssteuer, deren Ertrag im städtischen Haus« Haltplan von Köln 1907/08 mit 8000 Matt und tm Jahre vorher mit 20 000 Mark eingesetzt war, hat wider Erwarten bis jetzt schon nahezu 20 000 eingebracht. Auch der Eemeinderat von Jena beschloß nahezu einstimmig die Einführung einer Wertzuwachssteuer in Verbindung mit einer Befitzveränderungsabgabe. Die erstere Steuerart ist bisher im Eroßherzogtum Sachsen noch nirgends eingeführt, so daß man auf die Entscheidung des Staatsministeriums gespannt ist. Der Grundsteuer nach dem gemeinen Wert, die ursprünglich von der Stadt Jena in Aussicht genommen war, hat das Ministerium die Zu­stimmung versagt.

* Konzesfionssteuern. Der Westdeutsche Wirte­verband, dem die rheinisch-westfälische Zone des deutschen Gastwirteverbandes und der rheinisch­westfälische Castwirteverband angehören, be­schloß, bei den Oberpräfidenten der Rheinpro­vinz und Westfalen persönlich vorstellig zu wer­den, um diese zu bitten, ihren Einfluß geltend zu machen gegen die Einführung der Konzes­sionssteuer in den einzelnen Kreisen und Städ­ten Westdeutschlands.

* Die Zentralstelle für Bolkswohlfahrt. (An­trag Douglas.) Das Bedürfnis nach einem Zusammenschluß aller Wohltätigkeits- und Wohlfahrtsvereine ist feit langer Zeit empfun- ven worden. Eine Heilung der zahlreichen Schä­den, an denen unsere Zeit krantt, eine Hebung der gesamten Volkskultur ist nur möglich durch gemeinsame großzügige Arbett. DerAntrag Douglas", der seit Jahren das Preußische Abge­ordnetenhaus und die gesamte deutsche Presse vielfach beschäftigt hat, führte zur Schaffung einer Zentralstelle für Volkswohlfahrt, die ihre Tätigkeit über das ganze Reich ausdehnen soll. Alle für das Wohl des Volkes auf irgend einem Gebiete tätigen Vereine, Körperschaften und

Das junge Weib erschauette, aber es zog sich scheu zurück. Er faßte nach ihrer Hand, die voll Tau und Spuren ihrer Arbeit war und küßte sie ehrerbietig, als berühre er etwas Heiliges. Wir wollen mal recht vergnügt Osten» feiern und helfen Sie mit nur, unser Kind unter die Haube zu bringen"; et sagte es fast lachend, es klang wie eine Verheißung kommenden großen Glücks. Dann ging er und pfiff seinem Hund.

Kläre taumelte und stützte sich auf den Schubkarren. Sie preßte die Hände vor die Augen und es kam wie Schluchzen und ersticktes Jauchzen aus ihrer Brust.

Zur selben Stunde war ein kecker, junger Bursche mit der Spielhahnseder am grünen Hut, Über die Fliedethecke in den entlegensten Teil des Baumgattens gesprungen, wo ein lelles Mädchenkleid und ein blaßgoldnes Haar durch die Büsche schimmetten. Ein leiser Jubelruf und dann wurde es still, ganz still hinter den Sträuchern, wo zwei junge Herzen in seliger Lust aneinander schlugen. Die Amsel in der Hecke sang ihr süßestes Lied dazu und durch den alten baumversteckten Garten ging ein leises Rauschen und Schauern Frühlingsweben, Oster grüßen!

Es war am grünen Donnerstag. Am frühen Nachmittag fuhr Kläre Röwer nach der Stadt, um notwendige Einkäufe zum Fest zu besorgen. Schöttler mußte heute seinen Kaffee allein trin­ken, Edda hatte ihr Lesekränzchen bei Pastors.

Er tarn sich schrecklich vereinsamt vor, der Kaffee wollte ihm gar nicht schmecken. Ver­stimmt ging et im Zimmer auf und ab, Klärens leerer Stuhl fiel ihm auf die Nerven. Er warf sich in den alten ausgesessenen Lederfauteuil am Fenster und sah immer nach dem leeren Stuhl. Gott, wie viel Licht und Wärme kann doch von einem einzigen Menschenkind ausgehen! Das trauliche Zimmer mit der gemütlich altmodischen Blumentapete, dem Altväterhausrat und den blühenden Priemeln und Veilchen im Fenster.

Einzelpersonen, einerlei welcher politischen oder religiösen Richtung, sollten sich im Interesse der Sache und in ihrem eigenen Interesse dieser Zentralstelle anschließen, die voraussichtlich Ende März unter Mitwirkung aller bis dahin beigettetenen Vereine oder Einzelpersonen in einer Generalversammlung ihre vorläufige Aus­gestaltung erfahren soll. Warum dieser An­schluß wünschneswert ist. darüber gibt ausführ­liche Auskunft ein treffliches Schriftchen, das soeben im Verlage der Schristenvertriebsanstalt E. m. b. H. in Berlin SW. 13 erschienen und für 30 Pf. durch den Buchhandel zu beziehen ist^ Die Zentralstelle für Volkswohlfahrt." (Antrag Douglas.) Ein Aufruf an alle für das Wohl des Volkes tätigen Vereine im Deutschen Reiche, im Auftrage des von ihnen gewählten vorbereiten­den Ausschusses herausgegeben. 30 S. Knapp und übersichtlich werden darin die Geschichte des Antrags Douglas bis zur jetzigen Entwicke- lungsstufe, Ziele und Aufgaben der neuen Zen­tralstelle, Die Bedenken, die zur Zeit in Vereins­kreisen gegen die von der Regierung gewählt! Form der Zentralstelle noch bestehen, dargelegt und die gegenwärtigen Satzungen der neuen Zentralstelle mitgeteilt. Bon besonderem Inter­esse ist der AbschnittWelche Vorteile bietet der Anschluß an die Zentralstelle für Volkswohl­fahrt in Berlin?

* Der Wett des Turnens für das weiblich« Geschlecht. Der Frauenarzt Dr. Skeue in Kiel bekundet, daß mindestens zwei Drittel bet Kranken, die ihn zu Rate gezogen, nicht nötig ge­habt hätten, ihn zu befragen, wenn sie in ihrer Jugend regelmäßig geturnt hätten. Auf Grund seiner genauen Beobachtungen beweist er, daß die überwiegende Mehrzahl aller unheilbaren Frauenkrankheiten in der unvollkommenen Kör­perentwicklung und der daraus entspringenden Arbeitsstörung der inneren Organe ihren Ur­sprung haben; es gibt fein Mittel, das zur He­bung von chronischen Krankheiten der inneren Organe besser und wirksamer ist als bas regel­mäßige Turnen. Die einseitige Körpertätigkeit hat Auszehrung oder Verkümmerung des Ner­vensystems und des Gehirns zur Folge. Es soll­ten deshalb junge Menschen in den Jahren ihrer Entwickelung regelmäßig turnen, nicht nur, weil dadurch ihr körperliches Wohlbefinden befördert, sondern weil dadurch auch ihr Geist gehoben, ihre Denkkraft geschärft, ihr moralisches und sittliches Bewußtsein gehoben wird, und sie in Wahrheit an Leib und Seele tatkräftige Menschen werden. Diese Darlegungen sollten alle jene beherzigen, die es noch nicht für passend halten, daß die Töch­ter turnen, und sie lieber imbeschäftigten Müßiggang" seelen- und leibeskrank werden lassen. Die Natur ist etet unerbittlich, wo ihre strengen Gesetze verletzt «erden, da rächt sie sich auch an ihren schönst« Blüten.

war heute finster und leer, trotz des verklären­den Sonnenlichts, das durch die Mullgardinen fiel.

Er sprang auf, es war nicht zum aushalten i Ihm war eine gute Idee gekommen! Er wollte in die Stadt retten, ihr nach. Dann konnte der Kutscher das Pferd zurückbringen und er fuhr mit ihr allein in dem Einspänner heim! Der Vorwand einer notwendigen Besorgung lietz sich wohl finden.

Wie ein Jüngling trabte et bald darauf bet Stadt zu, das Herz voll glücklicher Gedanken und Bilder.

Er hatte das Pferd tm Gasthof dem Kutscher übergeben und gefragt, wann und wo Fräulttn Röwer abgeholt sein wollte. Der Kutscher nannte eine etwas entlegene Konditorei. Er wunderte sich. Wie kam sie denn dahin? Btt Frerich in der Hauptstraße gab es doch viel bes­seren Kaffee und Kuchen! Vielleicht war es dort billiger, sie zeichnete sich immer durch zu große Bescheidenheit aus.

In der kleinen, obskuren Kondtrorei fand et sie nicht, et fragte Frau Möhring, die In­haberin, ob sie schon dagewesen sei. Die Fran, die ihm keinen angenehmen Eindruck machte, weil sie gemein und salopp aussah, verzog da» Gesicht geheimnisvoll und wintte mit den Augen nach einet verschlossenen Tür.

Sie is da btinne", flfiftertn sie,es is 'n Herr bei ihr, 'n' ganz feinet Herr!"

Sie irren sich wohl in der Person?" fragte Schöttler, dem es wie kaltes Grauen übet ben Rücken ging.

I, wo wär' ich denn? Ich kenne das Fräu­lein wie mir selber. Sie tat ja immer so seht vornehm und man sagt, sie wolle gern gnädige Frau werden, aber nu fitzt sie schonne ganze Stunde da mit ihm und ich darf niemand rinn lassen. Dem gnädigen Herrn kann ich es aber nicht verheimlichen, es is recht jut, daß Sie M wissen, wat fot 'ne Person sie ist"

(Schluß folgt.).