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AnserttonSgrbühr: die gespaltene Zeil« oder deren Raum 15 Pfg.
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Marburg
Kreitaa 29. MSrz 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Zoh. klug. Noch, UntverfitLtS-Buchdruckerek 42. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon ob.
Elftes Blatt.
Ein Blick in« Ausland.
Während bei uns, im deutschen Reiche infolge des Ausfalls der parlamentarischen Rede- Dämpfe, die Karwoche, in der wir jetzt leben, auch iin Mlitischer Beziehung eine stille Zeit be- steuteH zumal auch in der Ostmark, die von pol- .niMem Fanatismus entflammte Brandfackel des Schulstreiks mählig verglimmt, sind leider die politischen Verhältnisse des Auslandes von der wehmütigen Stimmung der Passionszeit unberührt geblieben.
Tagtäglich noch bringt der Telegraph schreckliche Kunde von der Valkanhalbinsel, wo in dem bisher als wohlgeordnet geltendeil Rumänien der Aufruhr rast und durch Mord und Brand schreckliche Opfer fordert. Wie schon angedeutet wurde, sind es nicht so sehr Rassegegensätze, die den blutigen Aufstand hervorgerusen haben, als vielmehr wirtschaftliche Notstände schlimmster Art, durch welche die rumänischen Bauern zu wilden Ausbrüchen der Verzweiflung getrieben werden. Infolge einer gänzlich verkehrten Wirtschaftspolitik sind die rumänischen Kleinbauern, die etwa 80 Prozent der Bevölkerung des Königreichs ausmachen, in eine an Leibeigenschaft gemahnende wirtschaftliche Abhängigkeit von Großgrundbesitzern u. von beutegierigen Wucherern geraten, daß sie keinen anderen Ausweg aus ihrer fürchterlichen Not erblickten, als die bewaffnete Empörung. In dieser Beziehung hat die rumänische Bauernbewegung eine unverkennbare Aehnlichkeit mit den mittelalterlichen /Bauernaufständen in Deutschland, die von dem sog. Bundschuh hervorgerusen wurden. Als ein bedenkliches Zeichen für die Sicherheit der rumänischen Staaiseinrichtuirgen mutz es angesehen werden, daß die Truppen sich vielfach weigerten, nachdrücklich gegen die Aufrührer vorzugehen, sodaß sich die Bewegung bis in die nächste Nähe der Hauptstadt Bukarest ausbreiten konnte. Zwar wird es wohl schließlich den scharfen Maßnahmen des in der Moldau kommandierenden Generals Teil gelingen, den ungeordneten und verwilderten Haufen blutige Niederlagen beiz», -ringen, allein das würde nur für den Augenblick der Bewegung Halt gebieten, ohne eine dauernde Besserung der Verhältnisse herzustellen. Nur eine tiefgreifende N form kann hier Rettung schaffen. Ob das von dem alten Parlamentarier Demeter Sturdza neuge- bildete Ministerium geeignet sein wird, dies Ziel zu erreichen, erscheint sehr fraglich, zumal dem neuen Kabinett eine Person, wie Earp 'angehört, dessen politische Vergangenheit darauf
2 (Nachdruck verboten.)
In der Schule des Leidens.
Roman aus dem New-Porker Leben
von Erich Friese«.
ft^ortsetzung.'
„Du Lieber!" flüstert sie mit ihren, gewohnten Grübchenlächeln, seine Hand fest zwischen die ihren presiend. „Wenn ich nur erst deine Frau wäre! Dann würde ich auch nicht mehr eifersüchtig sein. Ach ich bin ja so schrecklich glücklich, daß ich manchmal denke irgend ein Er- eignis muß eintreten, das mein ganzes Glück zerstört!"
„Unsinn, Kleine! Ich liebe dich: wir heiraten sobald wie möglich — was soll da unser Glück stören? Nach meinem heutigen Erfolg brauchst du nicht einmal mit verdienen zu Helsen. Du kannst hübsch zu Hause sitzen —“
„Nein, nein!" fällt sie mit solch' entsetztem Ausdruck in den lieblichen Zügen ein, daß er verwundert inne hält. „Wie könnt« ich ruhig ruhaufe fitzen, wenn ich weiß, du spielst mitGerda Douglas! Lieber in ganz, ganz kleinen Rollen austreten, aber wenigstens dir nah« fein!“
„SBie du willst, Närrchen. Aber da sind wir an deinem Hause angelangt. Leb' wohl, mein
Erschrocken hält sie seine beiden Hände fest.
„Nein, Norbert, du kommst mit herauf — ganz bestimmt. Die Mutter hält für uns beide Abendessen bereit. Wenn du nicht mitkommst, denkt sie. du haft mich schon satt!"
„Natürlich komm' ich mit!" erwidert er freundlich: doch liegt es auf seiner klaren Stirn wie eine Wolke. Also auch die Mutter teilt Felicies törichte Eifersucht! . . .
Hastig zieht er die Glocke am Eingang eines unscheinbaren Häuschens in der Kanalstraße.
Sofort öffnet eine ältliche Frau. Man sieht, sie hat die beiden schon erwartet. Ihr bleiches, vergrämtes Gesicht drückt Sorge und Bestiedi-
hindeutet, daß er jener gewinnsüchtigen Klique nahesteht, durch die eben die trostlosen Verhält- niffe hervorgerusen worden find.
Wenn wir den Blick von der Balkanhalbinsel, wo es auch andrernorts, zumal in Bulgarien und in den türkischen Provinzen gährt, wegwenden, so wird unsre Aufmerksamkeit gefesielt, durch die Ereignisse in Marokko. Auch in dem letzten noch unabhängigen Maurenstaate ist es wieder einmal zu Blutvergießen gekommen. Ein französischer Arzt, Dr. Mau- champ, jedenfalls ein verkappter Emissär der französischen Regierung, ist in Marakesch von Beduinen umgebracht worden. Als eigentliche Ursache seiner Ermordung wird die abergläubische Furcht der Berbern vor der Einrichtung der drahtlosen Telegraphie bezeichnet, welcher der französische Arzt dadurch Nahrung verliehen hatte, daß er auf dem Dache seiner Klinik und Apotheke einen Signalmast für die in der marokkanischen Hauptstadt beschäftigte französische Vermessungsexpedition unter Befehl des Majors Eentil errichtet hatte. Als sich ein tobender Haufe von Eingeborener vor seinem Hause versammelte, mc- Mcuchamp vor die Thür getreten, um die aufgeregte Menge zu beruhigen. Dies« aber drang in heller Wut auf den verhaßten Fremdling ein und tötete ihn durch Steinwürfe und Mesierstiche.
Diese Gewalttat, welche: der französische Arzt zum Opfer fiel, ruft bei uns die Erinnerung an die Ermordung eines deutschen Landsmannes, des Dr. Genthe, wach, der bekanntlich in der Nähe von Fez erschlagen und ausgeraubt wurde. Während aber die deutsche Regierung dem beklagenswerten Vorfälle keinerlei politische Bedeutung beimaß und als einzige Sühne die Errichtung eines Leichensteines auf dem Grabhügel des Ermordeten verlangte, beeilt sich Frankreich, aus dem „Fall Mauchamp" politisch Kapital zu schlagen. Die strengen Sühneforderungen aber, welch« die Deputiertenkammer in Paris zu erheben beschlossen hat: Bestrafung der Mörder, Absetzung und Bestrafung des Gouverneurs von Marakesch und Geldentschädigung für die Familie Mauchamps, wollen nicht so viel bedeuten, als die vom Minister Pichon angekündigte Besetzung von Udschda, der Hauptstadt des marokkanischen Grenzgebietes im Nordwesten von Algerien, welches man als Pfand solange besetzt halten will, bis Marokko für die Ermordung Mauchamps völlige Genugtuung gegeben hat. Natiirlich ist die Pfändung nur ein durchsichtiger Vorwand, diese marokkanische Erenzprovinz dauernd in Besitz zu nehmen und somit abermals aus dem „Schweif des Pfauen", wie der Marokkaner fein Heimatland nennt, eine schöne Feder für sich herauszureitzen. Auffällig bei diesem Vorgehen der Franzosen ist es, daß sie hierbei im vollsten Einverständnisse mit England handeln. Und dies trotz der Akte von Algeciras, durch die doch die Integrität des scherifischen
gung zugleich aus beim Anblick des jungen Paares. Das graumeliert«, dünn« Haar ist fast versteckt unter einer schwarzen Spitzenhaube. Der Ausdruck des ganzen Gesichtes mit seinen unbestimmten, nichtssagenden Zügen trägt den Stempel des Unfertigen. Nur di« schwarzen Augen — Felicies Augen — zeigen noch Feuer und Willenskraft.
„Willkommen, Barrington!" ruft sie erfreut, dem jungen Mann die Hand entgegenstreckend. „Ein guter Bissen erwartet euch. Und — Te« hab' ich gemacht — Tee! Niemand in ganz New- Pork weiß den Tee so zu bereiten wie ich. Und der Kuchen —"
„Ist der Vater zu Haus.'?" unterbricht Felicie den Redeschwall ihrer Mutter.
„Nein mein Herzblatt. Und er kommt auch heute nicht mehr — Gott sei Dank!“
Ein Seufzer der Erleichterung hebt Felicies Brust. Hastig reißt sie sich den kleinen, runden Hut vom Kopfe, fo daß das glänzend schwarze Lockengeringel frei über Schultern und Rücken herabwallt. Dann faßt sie ihren Bräuftgam bei den Händen und tollt mit ihm im Zimmer herum, bis sie erschöpft und außer Atem in einen Sessel sinkt.
„Aber Licy —
„Laß mich, Norbert! Ich bin heute fo glücklich — so glücklich —“
Barringtons Augen überfliegen die dürftige Einrichtung des Zimmers schweifen zu der alten Frau in ihrem abgeschabten, schwarzen Kleid hinüber und bleiben an Felicies Anzug hängen. Sein verfeinerter Künstlergeschmack empört sich gegen die überall zur Schau getragene Armut und Nachlässigkeit.
„Nimm das Ding ab, Licy!" befiehlt et dem jungen Mädchen mit einem mißbilligenden Blick auf ihren schlanken Hals, an dem sich eine übergroße, unechte, mit Simili-Diamanten verzierte Brosche brüstet — ihr Theaterschmuck. „Und nun zum Abendessen, Frau Mackay! Ich habe fürchterlich«« Hunger!"
Deutsches Reich.
— Der Kaiser konferiert« gestern mit bem Staatssekretär v. Tschirschky. Von 11 Uhr ab hörte das Kaiserpaar in der Technischen Hochschule in Charlottenburg einen Vortrag bei Geh. Regierungsrats Prof. D. Slaby über drahtlose Telegraphie und einen Vortrag des Professors Dr. Korn über elektrische Fernphotographie. Später empfing der Kaiser im Schloß den Leutnant z. S. Prinzen Heinrich XXXVIL Reutz zur Meldung und nach der Frühstückstafel den Herzog von Rativor und den Grafen SierMorpff zum Vortrage.
— Keine Zweikaiserbegegnung. Die „Süddeutsche Reichskorrespondenz" läßt sich aus Berlin melden, daß man weder am Berliner, noch am Wiener Hofe von einer bevorstehenden Zusammenkunft des deutschen Kaisers mit dem Kaiser von Oesterreich etwas weiß. *
— Das Reichsbeamten-Penfionsgefetz. Wil die „Neue politische Korrespondenz" bestätig^ wird die angekündigte Novelle zum Reichsbeamtengesetz und ein neues Hinterbliebenen-Ver- sorgungsgesetz für Beamte und Offiziere bem Bundesrate bereits in allernächster Zeil zugehen; die Verabschiedung dieser Vorlagen wird demgemäß noch in dieser Session zu erwarten sein. Das neue Hinterbliebenen-Versorg« ungsgesetz wird eine Erhöhung des Mindest« Witwengeldes vorschlagen. Voraussichtlich wird dies in derselben Weise geschehen, wie es di- preußische Regierung in dem dem Herrenhaufe vorliegenden Gesetzentwurf« getan hat, der bekanntlich eine Erhöhung des Mindest-Witwen« gelbes von 216 auf 300 Mark vorsieht.
— Bon der Wörsensteuer. Die Börsensteuer hat im Februar eine so erhebliche Einnahme geliefert, daß es nunmehr doch wahrscheinlich tft, sie werde am Jahresschluß die bisher höchste Einnahme des Finanzjahres 1905 noch Übertreffen. In den ersten elf Monaten des laufenden Etatsjahres hat sie eine Einnahme von 49 Millionen Mark abgeworfen, wozu die Wertpapiersteuer 33,8 und der Kaufstempel 15,2 Millionen Mark lieferten. Mit diesen Summen ist di« erstere Steuer über den Ertrag *bes gleichen Zeitraumes des Vorjahres um 6 Millionen Mark hinausgewachsen, während die letztere um nahezu 4 Millionen Mark zurückblieb. Daß der Etatsansah von der Börsensteuer überschritten werden wird, ist sicher. Er ist für das ganze Jahr auf 484 Millionen Mark normiert, also schon in den ersten elf Monaten um 0,9 Millionen Mark überschritten. Es handelt sich nur noch um das Maß des Ueberschusses. Entspricht die März, einnahme auch nur entfernt dem Februar ertrag^ so würde der Ueberschuß ganz bedeutend fein, et würde auch die Jahreseinnahme von 1905, noch beträchtlich überschritten werden. Aber 'cudk wenn nur noch bet Monatsdurchschnitt in der
Reiches von allen Signatarmächten anerkannt wurde! Das ist ein neuer Beweis dafür, daß den Franzosen bi« „friedliche Durchdringung" Marokkos, von der früher die Rede war, zu lange dauert. Eine Feder nach der anderen möchten sie aus dem Schweif« des Pfauen rupfen, bis sie ganz Marokko haben. John Bull aber, der doch sonst nichts leicht „um Gottes Lohn" tut, schaut nicht allein geruhig zu, sondern Hilst sogar durch entrüstete Erklärung über die Ermordung des französischen Staatsangehörigen dem Vorgehen der Franzosen den Anschein politischer Berechtigung zu verleihen. Das läßt erkennen, daß geheime Abmachungen zwischen den beiden Mächten vorhanden sind, die sich vielleicht nicht ganz mit dem Programm der bevorstehenden Haager Friedenskonferenz vereinigen lasten?
Kehren wir nach Europa zurück, so erregt unsere Aufmerksamkeit der beklagenswerte Mordprozeß gegen die Russin Tatjana Leontjew, di« überspannte Revolutionärin, die sich durch di« Ermordung des ehemaligen Ministers Durnowo, des „Henkers des Zaren", „unsterblichen Märtyrerruhm" erringen wollte und doch nur einen harmlosen Rentner aus Paris erschoß. Die unselige Tat der russischen Revoluttonärin bildet nur ein Glied in der Kette von politischen Morden und Bombenanschlägen, die von Zeit zu Zeit die Machthaber Rußlands in Schrecken setzen. Mag uns das Streben des russischen Volkes nach freiheitlicher Ausgestaltung der staatlichen Einrichtungen des ungeheuren Zarenreiches sympathisch berühren, so muß es alle Wohlmeinenden abstoßen, wenn verwirrte Fa- nattker dieses Ziel durch heimtückische Bluttaten zu erreichen streben und den politischen Mord als berechtigte Handlung proklamieren. Eharak- teristisch für die in den Kreisen bet russischen Studierenden herschenden Stimmung war di« Meldung, daß 250 russische Studenten benachbarter Hochschulen die Absicht hatten, den Verhandlungen in Thun gegen ihre Landsmännin beizuwohnen. Sie sind abgewiesen worden, weil man wohl mit Recht befürchtete, daß sie der Verbrecherin geschmacklose Huldigungen bat« bringen würden.
Die Unreife und Unklarheit aber, die als häufiges Kennzeichen des Bildungsgrades in der russischen Studentenschaft festgestellt wurde, erklärt sich außer aus gewistenStammeseigenschaften des Russentums vor allem wohl auch aus der geistigen Zwingherrschaft, die der kürzlich zu St. Petersburg verstorbene ehemalige Ober« proknrator Pobjedonoszew so lange Zett ausgeübt hat. Möge der „neue Kurs" in Rußland im Bunde mit der neuen Volksvertretung für ordentlichen Volksschulunterricht und für Aufklärung sorgen, bann wird vielleicht auch die unklare Halbbildung der mittleren Bolkskreise schwinden, durch welche der verworren« Fana« tismus der Revolutionäre immer neue Nahrung erhält.
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Bald sitzen alle drei um den sauber gedeckten Teetisch.
Hier wenigstens spürt man nichts von Armut und Entbehrung. Lustig flackert die Flamm« unter dem kupfernen Teekessel. Zucker- und Sahnennapf sind aus echtem Silber — ein Zeichen vergangener, besserer Tage; auf weißen Porzellanplatten thronen gekochte Eier, kaltes Fleisch, geröstetes Brot und Käse.
„Ein fürstliches Mahl!" wie Felici« jubelnd ausruft.
„Wie war's heut' im Theater?" fragt Frau Mackay voll Interesse, während st« den aroma- ttsch duftenden Tee in die zierlichen Tassen gießt.
„Großarttg!" Felicie klatscht in di« Hände. „Ein einziger Triumphzug für Norbert! Sein Glück ist gemacht!"
In den müden Augen der alten Frau leuchtet es auf. Voll unendlicher Zärtlichkeit ruht ihr Blick auf dem lachenden Gesichtchen der Tochter und schweift dann forschend zu Barrington hinüber.
„Dann könnt ihr wohl bald heiraten? Lange Verlobungen sind Unsinn!"
„Das mein' ich auch, Frau Mackay," stimmt Norbert bei, indem er behaglich ein Ei aus« schlürft. „Ich lass« mich gern in Fesseln legen. Den Tag mag Licy bestimmen!"
„O. ich hab' keine Eile!"
Felicie blickt auf ihren Teller nieder. Ein reizender Ausdruck von Schüchternheit und Zurückhaltung spiegelt sich in ihren beweglichen Zügen.
In diesem Augenblick ist Felicie Mackay wunderbar schön — ein echtes, glückverklärtes Mädchenbild.
Auch Norberts Augen ruhen voll Begeisterung auf dem lieblichen Mädchen. Wie schön muß sie erst sein, wenn ihre schmalen Wangen sich runden, wenn die jetzt noch kindliche Figur an Fülle und Reife gewinnt!
„Gewiß hat es Eile!" eifert die alt« Dame. »Licy ist nur bescheiden und schamhaftig. wie es
pch für ein junges Mädchen ziemt. Sie weist auch, daß — warum soll ich es Barrington nicht sagen?" unterbricht sie sich plötzlich, als Felicie eine ängstlich abwehrende Bewegung macht, „Einmal muß et es ja doch wissen —"
Felicie steht auf und schiebt nervös ihre« Teller von sich fort.
„Aber noch nicht jetzt!"
„Warum noch nicht jetzt?"
„Wir haben schon so viel gelitten, Mutter! Ich fürchte, das Glück — entschwindet uns wieder!"
JD’rum wollen wir es festhalten — gleich, sofort!"
Noch zögett Frau Mackay einige Augenblicke; bann wendet sie sich entschlossen zu dem fangen
„Sie haben sich mit Licy nicht verlobt, roetl Sie glaubten, wir seien reich, nicht wahr, lieb« Schwiegersohn?"
„Nein, Frau Mackay. Wie kommen Sie darauf?"
„Hm, ich meinte nur —•
Wieder stockt sie . . . . _
Felicie hält ihr Köpfchen tief gesenkt. Die ganze Haltung ihres Körpers drückt eine Spannung und Unterwürfigkeit aus, als ermatte sie soeben den Richterspruch über Leben und Tod.
„Wollen Sie damit anbeuten, daß Licy nichts mit in die Ehe bringt?" fragt Norbert ernst.
Die alte Dame nickt.
„Mein Mann ist in Geldkalamitaten —“
„Das geht fast allen Menschen so, Fran Mackay. Darum machen Sie sich keine Sorge! Ich liebe Felicie nicht um ihrer Mitgift, sondern um Ihrer selbst willen. Komm her zu mir, Licyk Ich muß mit dir sprechen!"
Er lehnt sich in einen Stuhl zurück und schlagt ein Bein über bas andere. Die Bewegung sein« Hand, der Ausdruck seiner Augen, der Ton seiner Stimme — alles hat etwas Gebietendes, Hebet« legenes.
lFortfetzung folgt.)