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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchkain.
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3nkrü»tt»gt6ü6r: di« gespaltene Zeüe oder ocrcn Raum 15 Pfg. Reclamen: die .»teile 80 Pfg.
Marburg
Donnerstag. 28. März 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. »ug. Koch, UmverfttätS-vuchdruckerei 42. Jahrg.
Marburg, Markt 2L — Telephon 55.
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D. Naumann und die Sozialdemokratie.
Dr. Theodor Barth, den die Wähler des Wahlkreises Kolberg-Köslin am 25. Januar zum zweiten Male abgelehnt haben, wird dieser Tage seine Amerikareise antreten. Er fühlt selbst, daß er mit seiner Schwärmerei für ein liberal-sozial- demokratisches Bündnis in die Politik der Gegenwart nicht mehr hineinpaßt, und besitzt Takt genug, seinen näheren Freunden im Zeichen des Zusammengehens von Konservativen und Liberalen nicht unnötige Schwierigkeiten zu machen. Herr Barth geht, doch die Herren Eo- thein und Naumann sind geblieben. Von den beiden wird auf Seite der Sozialdemokratie der ehemalige Bergrat Eothein am glimpflichsten behandelt, und das ist für feine politische Haltung kennzeichnend genug. In wirtschaftlichen Fragen hat ja der Freisinnige Eothein stets am selben Drang gezogen, wie die Sozialdemokratie, und ^während der Wahlkämpfe hatte er sich wieder- shokt damit gebrüstet, daß seine Rede bei der Aleischirotinterpellation von den Sozialdemokraten mit stürmischem Beifall ausgenommen sei. Nun liebt aber die Sozialdemokratie, wenigstens leinen van denen, die ihr mit Eifer Schleppendienste keiften, mit besonders kräftigen Fußtritten zu bedenken. Dieser eine war bisher Dr. Barth und wird, wie es scheint, in Zukunst D. Naumann sein.
*, In der „Hilfe" hat der national-soziale Abgeordnete ausgesprochen, Eraf Posadowsky habe erklärt, Fürst Bülow habe mit der Reichstagsauflösung um Kopf und Kragen gespielt. Hätte er keine Mehrheit für die Kolonialpolitik bekommen, so hätte er gehen müssen. Das sei eine Annäherung an die parlamentarische Regie- .rungsform in England, Amerika und Frankreich. V- In der Sache hat gewiß — ausnahmsweise der „Vorwärts" recht, wenn er bezweifelt, daß wir im Deutschen Reiche neuerdings uns der parlamentarischen Regierungsform etwa Englands nähern. Der „Vorwärts" glaubt nicht da- tttn, daß beim Zustandekommen einer Antiblock- mebrheit die neue Regierung aus den Reihen der Blockgegner gebildet worden wäre. In einem solchen System wechsel, in dem Uebergange der Regierungsgewalt an die jeweilige Parlamentsmehrheit bestehe das Wesen des parlamentarischen Systems, n i ch t in der Ersetzung einer Per- nr g......-
j lNachdruck verboten.).
In der Schule des Leidens.
Roman aus dem New-Yorker Leben von Erich Friesen.
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„Bravo? Bravo!"
„Großartig! Wunderbar?"
„Hat sich heute selbst übertroffen!" „Barrington 'raus! "raus?"
Wohl schon ein Dutzend Mal hat sich der Vorhang gehoben, und noch immer beruhigt sich das Publikum nicht. Applaudieren Rufen Schreien, Trampeln allüberall — in Logen, auf den Rängen, im Parkett ...
I Und immer und immer wieder zeigt sich „Romeo"- der begeisterten Menge, bis endlich der Vorhang unten bleibt und der gefeierte Künstler lies aufatmend in die Kulissen tritt.
, Sofort stürzen der Direktor sowie verschiedene Kollegen auf ihn zn.
i „Gratuliere, alter Junge! Bist jetzt ein gemachter Mann! Hast wirklich Rüssel gründlich ausgestochen —"
: Ungeduldig wehrt der junge Künstler ab.
„Unsinn! Wozu soviel Aufhebens? Rüssel bat mich, ihn heute abends zu vertreten. Bin froh, daß ich ihm keine Schande machte. Morgen ist er wieder zurück und ich —"
Seine soeben noch leuchtenden Blicke verfinstern sich. Rasch tritt er ans Fenster und öffnet es. Ein scharfer Luftzug weht ihm entgegen.
„Hu, die Kälte! Sollen wir alle die Schwindsucht kriegen?" kreischen ein paar Frauenstimmen hinter einer Kulisse hervor.
Aergerlich schlägt Barrington das Fenster zu.
..Es ist hier zum Ersticken schwül," murmelt er, sich über die erhitzte Stirn jährend. „Ah, da bist du ja, Felicie?"
son durch eine andere, „die das gleiche System vertrete". Diese sachlichen Auseinandersetzungen interessieren jedoch weniger, als die gewiß nicht freundliche Form, in der das sozialdemokratische Organ seine Belehrung bringt. Es fragt: „Sollte Herr Naumann diesen Kern der Frage wirklich nicht zu erfassen vermögen? Oder ist es nicht nur das böse Gewissen, das ihn jetzt nach rabulistischen Beschönigungsgründen der freisinnigen Korruptionshehlerei suchen läßt?"
Und endlich schreibt der „Vorwärts" Herrn Naumann ins Stammbuch: „Wenn er durch gekünstelte Naivität die napoleonischen Allüren Bülows in eine Konzession an demokratische Regierungsformen umdeutet, so beweist das nur, daß e r, von dem man hie und da eine politische Blutauffrischung des senilen Freisinns erwartete, an grundsatzloser diplomatischer Eiertänzerei und Schönfärberei mit einem Bassermann zu konkur- rien vermag!"
Es geht also Herrn Naumann genau, wie Herrn Dr. Barth. Je mehr diese Illusionisten die Sozialdemokratie umschmeicheln, mit um so kräftigeren Scheltworten werden sie abgewiesen. D. Naumann wird gewiß trotzdem seinen demokratischen Anschauungen entsprechend, sein Liebeswerben fortsetzen, und man kann unter diesen Verhältnissen lediglich darauf gespannt sein, welche Wirkung dieses Verhalten auf seine Beziehungen zu den Liberalen haben wird, die es mit dem Gedanken der konservativ-liberalen Paarung ernst zu nehmen entschlossen sind.
TenischrS Nüch.
— Der Kronprinz als Ehrenmeister. Am letzten Samstag Abend wurde der Vorstand der Berliner Drechsler-Innung im kronprinzlichen Palast zu Berlin von dem Kronprinzen empfangen, dem er den Ehrenmeisterbries mit Rolle und Ständer übergab. Nachdem die Vorstellung der Mitglieder erfolgt war, wurde der Ehrenmeisterbrief vom Kronprinzen in Empfang genommen, der sich höchst lobend über die künstlerische Arbeit aussprach. Ganz besondere Beachtung des Kronprinzen erregten Rolle und Ständer, die Arbeit eines Ausgelernten als Gesellenstück. Der Kronprinz hat bekanntlich selbst nach der im Hoh«i- zollernhause seit Alters üblichen Sitte, das Drechslerhandwerk erlernt.
— Zwei preußische Prinzen in Deutsch-Ost- afrika. Prinz Joachim Albrecht von Preußen wird auf der Reise von Deutsch-Südwestafrika nach dem Kiautschougebiet in Deutsch-Ostafrika Station machen. Der Prinz wird dort unter anderem auch den von seinem verstorbenen Vater, dem Prinzregenten Albrecht, angelegten Plantagen Kwamkoro, Sankarawe und Kihuhui, wo Kaffee und Sisalagaven gebaut werden, einen Besuch abstatten. Ferner verlautet, daß auch der älteste Sohn des verstorbenen Regenten von Braunschweig, Prinz Friedrich Heinrich, der sich zur Zeit in Assuan in Aegypten aufhält, eben-
Ein zierliches, junges Mädchen eilte auf ihn zu. Wartend hat es schon eine Zeitlang dagestanden, mit großen, sprechenden Augen jeder seiner Bewegungen folgend.
Da öffnet sich die Tür der Damengarderobe. Eine hohe, schlanke Frauengestalt in enganschließendem grünen Tuchkostüm steht auf der Schwelle.
„Ihr wollt doch nicht schon gehen? Ich dachte, wir würden zusammen zu Abend essen — brüben in meiner Wohnung. Ich lade euch beide ein — Sie, liebe Felicie, und auch Norbert Barrington."
Ein forschender Blick aus den großen, dunklen Augen der Kleinen gleitet über die eblen, ruhigen Züge der schlanken Blondine.
Einen Moment zögert sie. Dann entgegnet sie hastig:
„Danke, Fräulein Douglas! Aber meine Mutter ist unwohl: ich muß sogleich nach Hause. Was Norbett anbelangt —"
Sie stockt. Unruhig blickt sie von Barrtngton aus die Kollegin und wieder auf Barrington.
„Ich begleite dich natürlich, flieg! Will mich nur erst rasch umziehen."
Und schon ist er hinter der Tür der Herrengarderobe verschwunden.
Die Augen der beiden Mädchen folgen seiner hohen, kräftigen Gestalt. Dann blicken sie einander forschend an, diese beiden so verschiedenen Augenpaare: milde, seelenvoll, ruhig überlegen das eine — flammend, angstvoll, durchdringend das andere.
Doch nur wenig Sekunden — dann senken sich die Lider der Kleinen vor dem klaren, hoheitsvollen Blick jener leuchtend-grauen Augensterne.
Nervös zupfte Felicie ihre weiße Boa zurecht und zieht an dem dunklen Pelzjäckchen, vergebens bemüht, ihre Verlegenhett zu verbergen.
Schon nach kurzer Zeit kehrt Barrington zurück. Statt des blendenden Romeo-Kostüms trögt
falls unser ostafrikanisches Schutzgebiet besucht, vielleicht gleichzeittg mit seinem Bruder.
— ». Studts Nachfolger? Von unterrichteter (Seite will der „Franks. Een.-Anz." erfahren haben, daß die Aussichten der Uebernahme des Kultusministeriums durch Herrn Adickes sich doch bereits nahezu bis zur Gewißheit verdichtet haben. — Diese auch von anderen Blättern er- ötterten Kombinationen gewinnt dadurch an Wahrscheinlichkeit, daß nach Mitteilung der „Franks. Ztg." Oberbürgermeister Adickes vorgestern telegraphisch nach Berlin berufen und vom Kaiser in Audienz empfangen worden ist.
— Der neue Oberbefehlshaber in Deutsch- Südwestafrika. Aus Berlin wird gemeldet, daß Oberst von Deimling seiner Stellung als Kommandeur der Schutztruppe unter gleichzeitiger Beförderung zumEeneralmajor enthoben wurde. An seine Stelle'tritt der ebenfalls aus Südwest- afttka bekannte Oberstleutnant von Estorff, der sich als Truppenführer und Forscher große Verdienste um unsere Kolonien erworben hat und zu den hervorragendsten Kennern des Landes zählt.
— Eine Bertrauenskundgebung für General Keim. Die Ortsgruppe des Deutschen Flottenvereins in Elberfeld hat folgenden Beschluß gefaßt: „Die Tätigkeit des Generals Keim im Wablkampf steht nicht im Gegensatz zu den Bestrebungen des Flottenvereins. Die Ortsgruppe Elberfeld verurteilt die gehässigen Angriffe gegen General Keim, die teilweise auf unwahren Behauptungen und Fälschungen beruhen, und spricht die Hoffnung aus, daß General Keim noch lange dem Flottenverein in leitender Stellung erhalten bleiben möge."
— 7vjähriger Gedenttag. Der in Berlin im Ruhestande lebende Generalleutnant z. D. Eraf Siegmar zu Dohna-Schlobitten beging gestern den siebzigjährigen Gedenttag seines (Eintritts in das Heer. Graf Dohna ist am 29. Dezember 1818 in Bonn geboren und trat am 26. März 1837 beim Garde-Dragonerregiment auf Beförderung ein, bei dem er am 17. Januar Leutnant wurde. Von 1842 bis 1845 besuchte er die allgemeine Kriegsschule (fpätere Kriegs-Akademie), war dann wiederholt zum Großen Eene- ralstab kommandiert und wurde in diesem am 1. November 1853 Hauptmann. Die folgenden Jahre kam et zum Eeneralstabe des 3. Armeekorps und int August 1857 als Major und Kompagniechef der 2. Kompagnie sowie als Kommandeur der 1. Eskadron zum Regiments der Gardes du Corps. Im Mai 1858 wurde er etats- mäßiger Stabsoffizier. Don 1860 an wat Eraf Dohna als Major Kommandeur des 3. Kiiras- sierregiments in Königsberg, rückte am 25. Juni 1864 zum Obersten auf und machte an der Spitze des Regiments den Ktteg gegen Oesterreich mit Auszeichnung mit. An dem deutsch-französischen Kriege nahm Generalmajor Eraf Dohna als Kommandeur der mobilen 7. Kavalleriebrigade in der 3. Kavalleriedivifion teil und erwarb sich das Eiserne Kreuz 1. Klasse. Nach dem Kriege wurde er Kommandeur der 13. Kavalleriebrigade
et jetzt einen grauen Cheviotanzug. Das dunkle Haar ist kurz geschnitten, die Gesichtsfarbe bleich mit einem Anflug ins Bräunliche. Nur die Augen find dieselben geblieben — diese großen blauen Augen mit dem Feuetblick einer gottbegnadeten KLnstlerseele.
Et wendet sich zuerst an Gerda Douglas.
„Gute Nacht, liebe Kollegin! Es tut mit leid, Ihrer Einladung nicht folgen zu können: aber ich habe Felicie versprochen —"
„Schon recht, Barrington,' also ein andermal!" Gerda unterdrückt einen leisen Seufzer. „Uebrigens —" ihre Stimme sinkt fast zum Flüsterton herab — „ich habe Ihnen noch nicht gratuliert. Ihr Spiel war vollendet. Ich bin stolz auf meinen Schüler."
Lebhaftes Rot färbt die soeben noch bleichen Wangen des jungen Mannes.
„Ohne Ihre „Julia" —"
„Nein, mein Freund," wehtt sie lächelnd ab, „meine Kunstleistung stand weit hinter bet Ihren zurück."
Wieder öffnet Barrington die Lippen zu einer Entgegnung: doch das unruhige Flackern in Feliciens Augen läßt ihn schweigen. Mit kordialem Händedruck verabschiedet et sich von Gerda Douglas.
Dann verläßt er mit seiner Braut das Theater.
Eine Weile schreiten beide stumm nebeneinander her. Die schmalen Wangen des Mädchens brennen vor Erregung.
Endlich hält sie es nicht mehr aus.
„Du konntest zu Abend essen, mit wem du wolltest, Norbert. Ich hindere dich nicht. Ich bin schon manchmal allein nach Hause gegangen und werde es auch noch öfter tun —“
„Hoffentlich nicht!" fällt Barrington in so bestimmtem Ton ein, daß Felicie nicht wagt
die er schon von 1868 bis 1870 befehligt hatte. Am 16. November wurde et in Genehmigung seines Abschiedsgesuches als Generalleutnant zur Dispositton gestellt.
— Kirchlich-soziale Konferenz. Berlin, 26. März. Die 12. Hauptversammlung bet kirchlich- sozialen Konferenz findet vom 2 bis 4. April in Karlsruhe in Baden (Städtische Festhalle) statt» In der ersten Hauptversammlung hält Prof. D. Seeberg einen Vortrag übet die Aufgabe der Theologie in der sozialen Frage.
— Handwerker und Fabrikarbeiter. Eine einfache Eegenüberstellung der Zahlen der Handwerker und bet Fabrikarbeiter lehrt schon, daß die letzten Jahre eine Ueberschätzung bet letzteren und eine unberechtigte Unterschätzung bet ersteren mit sich gebracht haben. Nach ben zuverlässigen Berechnungen Hampkes <Conrads Jahrbücher 1903) betrug die Zahl bet selbständigen Handwerker im Jahre 1902 im Deutschen Reiche 1,3 Millionen: zählt man hierzu die Gesellen und Lehrlinge, nach dem Durchschnitt berechnet, so kommt man für Deutschland auf 3 Millionen dem Handwerkerstände angehörende Personen. Der Eewerbeaufsicht waren aber im Jahre 1902 männliche Arbeiter (von 14 Jahren ungerechnet) 3.87 Millionen unterstellt. Es stehen also 3 Millionen im Handwerk beschäftigten Personen 3,87 Millionen Industriearbeiter gegenüber! Auch aus dieser Statistik erhellt, daß das deutsche Handwerk keineswegs auf dem Aussterbeetat gesetzt ist, wie von seinen Neidern und Feinden immer von neuem behauptet wird. Zu dem erhalten die obigen Ziffern, wie bet „Hannov. Courier" bemerkt, noch eine besondere Bedeutung, wenn man berücksichtigt, was das Handwerk für die gewerbliche Ausbildung zu leisten hat. Gerade das wird nur allzuhäufig von Nichtfachleuten übersehen. Dabei aber darf auf Grund mehrfacher Erhebungen — besonders im Herzogtume Braunschweig — als bestimmt angenommen werden, daß die Kosten bet Ausbildung der Handwerkerstand trägt, während die F r ü ch t e hiervon bet — Industrie zufallen: denn eine erhebliche Anzahl der im Handwerk ausgebildeten jungen Leute geht späterhin in die Fabriken. Durch eine ausreichende Unterstützung bet Handwerks- und Gewerbekammern kann von Staatswegen dem Handwerkerstande ble Ausbildung der gewerblichen Jugend wesentlich erleichtert werden. Ein diesbezüglicher Antrag ist bekanntlich vor einigen Wochen von national- liberaler Seite im preußischen Abgeordnetenhause eingebracht worden. Dieser lautet: Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen: die Königliche Staatsregierung zu ersuchen, die ben preußischen Handwerkskammern gewährten staatlichen Beihilfen, entsprechend ihrer zunehmenden Tätigkeit, namentlich auf dem Gebiete des Fort- bildungs- und Fachschulwesens, des gewerblichen Genossenschaftswesens und des Lehrlingswesens, allmählich zu erhöhen und bei der Verteilung
fortzufahren. „Uebrigens — du benimmst dich wie ein recht albernes Kind, Felicie. Soll ich wirklich annehmen, daß du eifersüchtig bist?) Eifersüchtig auf Gerda Douglas?"
Trotzig hebt sie die tränenfeuchten Lider.
„Ja, ich bin eifersüchtig. Heute ben ganzech Abend mußte ich wieder zusehen, rote du ihr ewige fliehe und Treue schworst —*
„Auf der Bühne, Felicie!«
Ja auf der Bühne. Aber du tatst es so na«, tätlich, daß ich fast verging vor Angst. Als Julia" in deinen Atmen lag — o, ich darf fiat nicht daran denken! Norbert, ich ertrüge es nicht, wenn du mich nicht mehr liebtest!"
Ein konvulsivisches Zittern iröerfhegl die ganze zierliche Gestalt. Besorgt blickt Barring, ton in das erregungsbleiche Antlitz feinet Braut.
Du weißt, ich liebe dich mit aller Kraft meiner "Seele, Felicie!" ruft et fast feierlich. „Da fälltest dich freuen, daß ich heute als »Romeo solchen Erfolg hatte Ohne Rüssels plötzliche Abreise zum Begräbnis feinet Mutter wate ich nie zu dieser Rolle gekommen. Heute habe ich gezeigt, was ich kann. Du weißt, ich bin ehrgeizig. Ich hoffe, von jetzt ab größere Rollen und damit auch mehr Gage zu erhalten. Dann heiraten wir sogleich, nicht wahr, mein flieb? Und dann bilde ich dein Talent immer mehr und mehr, bis du selbst „erste Liebhaberin« wirft. Und wenn dann andere aus der Buhne dir ihre Liebe schwören — dann werde ich auch eisersüch- tig fein und dir Szenen machen, gerade rote btt heut, mein kleines dummes Schäfchen.
Felicies Gesichtchen hat sich merklich aufge- heitert. Die schwarzen Augen ersttahlen wieder in ihrem alten Glanz. .
(Fortsetzung Hat.)