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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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JnsertionSgebuhr: die gespaltene Zeile oder veren Raum 15 Pfg.

Rcclainm: die Zeile 30 Pfg.

Marburg

Mittwoch, 27. Mär, 1907.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Dntck Md Verlag' Joh. Aug. Koch, UmversitätEuchdrucketti 42. Jahrg.

Marburg, Markt 2L Telephon 55.

Erstes Blatt.

Die »tue Lage i» Südweftastika.

Mit der vom Oberst Deimling gemeldeten Unterwerfung von Simon Coppers, dem Kapi­tän der Franzmann-Hottentotten, scheint man :nuu doch endlich der letzten Schwierigkeiten in Siidwestasrika Herr geworden zu sein. Mögen nun auch noch einzelne Splitter aufständischer Banden das Land durchstreifen, so darf man doch Nnnehmen, daß sie immer mehr von der Aus­sichtslosigkeit eines weiteren Widerstandes durch­drungen werden, und sich zum aufrichtigen Frie­den entschließen. Allerdings werden sie diesen nur solange halten, als eine hinreichend starke Macht in der Kolonie bleibt. Nichts wäre ver­hängnisvoller, als wenn man lediglich einer Po­lizeitruppe die Ueberwachung des Landes über­lassen wollte; denn klar erkennbar zeigt die Haltung des Kapministeriums, daß man aus eng­lischer Seite die Hoffnung, Südwestafrika früher oder später doch wieder englisch zu sehen, nicht aufgegeben hat. Der jetzige Premierminister der Kapkolonie, Dr. Jameson, der nämliche, der einst denHeldenritt" nach Johannesburg unternahm, und durch seinen mißglückten Zug in so wenig ehrenvoller Weise die Aufmerksamkeit der Welt auf sich lenkte, hat noch im Juli 1905 im Par­lamente gar keinen Zweifel daran gelassen, daß auch er gleich Gordon Spriggs die Hoffnung auf Wiedergewinnung der deutschen Kolonie teilt. Denn man muß immer im Auge behalten, daß vor der Besitzergreifung durch Lüderitz das Land bereits einmal unter englischer Flagge stand, und » die Kapkolonie, als sie Damaraland einst­weilen sich selbst überließ, es doch immer als ein ihrem Interessengebiet gehöriges Land betrachtet hat. Eben gegen diese Auffasiung richtete sich ja die Depesche, die Fürst Bismarck seiner Zeit an den Generalkonsul in Kapstadt richtete, und in der er ihn ausforderte, den kapländischen Be­hörden zur Kenntnis zu bringen, daß das Gebiet unter dem Schutze des Deutschen Reiches stehe.

Leider hat man diesem Schutze in Deutschland jahrzehntelang keinen praktischen Inhalt zu ge­ben verstanden, und die Engländer, die nur mur­rend vor Bismarcks Festigkeit zurückgewichen wa­ren, benutzten die deutsche Verständnislosigkeit, tim in dem Lande, auf das sie politisch hatten verzichten müssen, wirtschaftlich Fuß zu fassen. Unter dem Einflüsse des verstorbenen Kolonial- direktors Dr. Kayser kam die nachbismarckische Regierung diesen Bestrebungen in einer be­dauernswerten Weise entgegen. Unter dem ab­geschmackten Vorwande, daß das deutsche Kapital für Anlagen in den Kolonien nicht zu gewinnen sei, verschenkte man die besten Teile des Landes in der Form von Konzessionen an englische Ge­sellschaften, die samt und sonders sich als Unter-

51 lNachdruck verboten.i

Schatten.

-.a?*,. Roman von B. v. d. Lancken.

l Schluß.!

Rupert küßte der alte» Dame die Hand ohne ein Wort der Entgegnung: sie ging heim, und wie jeden Abend, so- war auch heute Felsenbach zugegen, als Rita ihre Suppe bekam und ins Bett gebracht wurde, dann faltete er die kleinen Hände, sprach ein kurzes Gebet und saß an dem Lager des Kindes, bis es einzeschlafen war. Es hatte etwas ungemein Rührendes, wenn der große stattlicke Mann an dem Bettchen saß und mit ernsten, liebevollen Blicken den Schlummer seiner kleinen Tochter behütete, den Fliegen wehrte, die leise summend um den blonden Lok- kenkopf schwirrten, oder mit sanfter Hand die Kissen oder die Decke zurecht zupfte.

Rupert war ungehalten über jede Störung; diese stillen Abendstunden gehörten ihm und sei­nem Kinde, und nie fühlte er sich in seinem Be­sitze sicherer, als wenn es unter seiner Obhut schlief und peinigende Angst überfiel ihn, wenn dann zuweilen der Gedanke in ihm auftauchte, es könne eine Zeit kommen, wo auch Gabi ihre Rechte wieder geltend machen und ihm das Kind nehmen werde.

Diese und ähnliche Sorgen mochten ihn auch eben beMftigen, als er mit unwilligem Kopf­schütteln sich gegen die Tür wandte, die leise ge­öffnet wurde; die Dämmerung im Zimmer ließ die Gestalt auf der Schwelle nur undeutlich er­kennen, aber als sie näher trat und die Tür leise hinter sich ins Schloß zog, sprang er mit einem unterdrückten Ausruf des Erstaunens, nein, des Schreckens empor: sein Weib stand vor ihm. Die jhand auf den Bettpfosten gestützt, verharrte Ru­dert regungslos, Gabi aber trat langsam, schlich«

gesellschasten derDe Beers-Company" darstell­ten. Die hauptsächlichste dieser Gesellschaften war dieSouth-Westafrica-Company" Ltd., de­ren ungemein schädlicher Einfluß die Besiedelung des Landes bisher vollständig hintangehalten hat. Die Gründer der South-Westafrica-Com- pany, deren Aufsichtsrate auch neun deutsche Herren alsRenommier"mitglieder angehören, waren zugleich Vorstandsmitglieder der bekann­ten Diamantengesellschast in Kimberley, der Rhodesschen De Beers-Company. D i e s e ist das R ü ck g r a t der in Südwestafrika allmächtigen und die ganze englische Politik beherrschenden Rhodesschen Finanz- gruppe, deren Hauptbeteiligte Wernher, Beit u. Co. sind. Ihre Macht beruht besonders auf dem Diamantenmonopol, das der De Beers Company jährlich 80 Millionen Mark Reingewinn bringt. Nur dadurch hat sie es durchsetzen können, in Form der mit Hoheits­rechten ausgestatteten, daher kurz Chartered Company" genanntenBri­tish S.-A. Company" unter ungeheuren Eeld- opfern das ganze nördliche Südafrika, die Rho­des-KolonieRhodesien", für England zu erwerben und zu kolonisieren.Afrika eng- l i s ch v o m K a p b i s z u m N t l!" ist ihr Ziel, dem sie mit echt englischer Beharrlichkeit zustrebt. Als Mittel dazu benutzte sie die Grün­dung von Tochtergesellschaften in den portugiesischen und deutschen Gebie­ten Südafrikas, u. a. auch der South-Westafrica- Company. Die Rhodes-Gruppe hat eine be­denkliche Machtstellung in der deut­schen südwe st afrikanischen Besitz­ung gewonnen. Durch den Vertrag mit der South-Westafrica-Company vom 12. April 1899 sicherte sich die De Beers-Company das Dia­mantenmonopol auch für unser Da­maraland.

Es ist klar, daß von einer ersprießlichen Besiedelung des Landes solange keine Rede sein kann, alsdieunerhörtenMonopole dieser englischen Gesellschaften sort- bestehen.

Nun hat der Reichskanzler bekanntlich auf Ersuchen des Reichstages zur Untersuchung der Nechtsgültigkeit dieser Konzessionen eine Reichs- Landkommission ernannt, die sich am 10. Dezem­ber dahin schlüssig wurde, daß die Konzession der Siedelungsgesellschaft für ver­wirk t zu erklären sei. Dieser Beschluß war in hohem Grade präjudiziell auch für die übrigen Gesellschaften, namentlich für dieSouth-West­africa-Company". Deshalb erregt es in den ko­lonialpolitischen Kreisen eine tiefgehende Beunruhigung, daß diese Reichs- Landkommission immer noch nicht wie­der einberufen ist. Man erzählt sich, daß die deutsche Negierung entschlossen sei, die tat­sächlich hundertmal verwirkte Konzes­sion jener Gesellschaft trotzalledem f o r t b e -

tern näher und sank mit dem leisen, in Tränen fast erstickten Ausruf:Verzeih' mir, Rupert!" vor ihm auf die Knie. Ihre Hände streckten sich flehend zu ihm empor, ihr Haupt aber ist aus die Brust gesenkt, sie schluchzt heftig.

Ein tiefes, unendliches Glücksgefühl zuckt durch des Mannes Seele, auch unaussprechliche Angst kommt sie schon, um ihm auch das Letzte zu nehmen, sein Kind? Er steht wie in einem Traum befangen, und nur eine einzige Frage ringt sich über seine Lippen?

Du, Gabi? Was willst du?"

Da hebt sie das Haupt, da schlägt sie die trä­nenschimmernden Augen zu ihm auf, da um­schlingt sie seine Knie.

Dich, Rupert, nur dich und dein« Vergebung: halte mich, mein Geliebter, nimm mich noch ein­mal an dein großes, edles Herz! Sieh', Rupert, ich glaube ja an dich, und meine Seele hat dich umfangen gehalten, auch als ich nicht bei dir war, als törichte Verblendung mich von dir trieb. Dieselbe Liebe, die dir das Mädchen ent­zogen, nur tiefer, inniger und gefestigt, bringt dir dein Weib entgegen, Rupert

Sie kann nicht weiter sprechen. Er aber beugt sich hinab und zieht die Kniende empor an seine Brust und hält sie sanft in seinen-Armen, wie man ein bittendes, weinendes Kind ans Herz nimmt.

Gabriele!" sagte Rupert leise,ich kann dir nichts vergeben, denn ich zürnte dir nie, ich habe nur unsagbar gelitten das könnte ich nicht zum zweitenmal, und so sehr ich dich liebe, es wird mir schwer, zu glauben, daß du alles, was trennend zwischen uns getreten ist, wirklich und für immer überwunden hast."

Ja, Rupert, ich habe es überwunden, aber du hast recht," und sie schmiegt sich errötend an ihn.Deine Gabi ist ein so schwaches Geschöpf, das jetzt noch nicht allein den Weg zurückgefun-

stehen zu lasten. Von dem Reichsjustizamt soll ein Gutachten eingefordert sein, das sich in dieser Richtung ausspräche. Es würde in hohem Grade bedauerlich sein, wenn der Reichstag sich hierdurch in der klaren und nachdrücklichen Ver­folgung dieser Angelegenheit beirren ließe. Selbstverständlich kann er nicht einseitig über die Aufhebung der Konzession beschließen, aber ebensowenig kann und darf dies der Bundesrat tun, zumal nicht auf Grund einer ungenügenden Information. Der Reichs-Landkommisfion liegen seit Dezember die Referate ihrer Berichterstatter über die sämtlichen in Betracht kommenden Ge­sellschaften vor, und es geht aus dieser mit zwin­gender Notwendigkeit hervor, daß die sämtlichen Konzessionen als verwirkt zu betrachten sind.

Was die Bergbaurechte anlangt, so sind sie wegen formell ungültiger Verlängerung der Fristen zum Abbau erloschen. Die Land- rechte sind w e g e n V e r l e tz u n g der in der Konzession auferlegten Pflicht zum Besie­deln verwirkt, da namentlich die S. W. A. Company wiederholt die sich meldenden deut­schen Ansiedler einfach aus Spekulations- rücksichten abgewiesen hat. Die Company hat diese V e r f e h l u n g in ihrem Jahresbericht vom 23. Juni 1903 s e l b st z u g e st a n d e n, und neuerdings sind geradezu unerhörte Fälle nachgewiesen in dem amtlichen Material, das die Kolonialregierung der gegen die Landgesellschaf­ten eingesetzten Untersuchungskommission zugäng­lich gemacht hat. Die Landrechte können auf jeden Fall wegen groben Mißbrauchs der Konzession zum Schaden der Kolonie der Company entzogen werden. Die Berg­rechte mag man, da hier die Frage der Verwir­kung zweifelhaft ist, ihr belasten, aber nur unter der Verpflichtung des Abbaus gemäß dem Berg­gesetze. Durch die Entziehung der Landrechte würde die Company keineswegs in ihrem Be­stände bedroht oder an ersprießlicher wirtschaft­licher Tätigkeit in der Kolonie behindert sein.

Es würde nicht nur eine Rechtsbeugung ohne­gleichen sein, den jetzigen Zustand fortbestehen zu lasten, sondern die besten Kräfte des deutschen Volkes würden zweifellos durch eine fernere Be­günstigung der Konzestionswirtschaft der Kolo­nialpolitik innerlichst entfremdet werden. Denn rote tonn man dem deutschen Volke zu­mute», die ungeheuren Aufwendun­gen, welche die N i ed e r w e r f u n g des A us- stander gefordert hat: mehrere Tau­send Menschenleben und längst bereits mehr als 500 Millionen Mark, lediglich als Opfer für spekulierende englische Landgesellschaften gebracht zu haben! Mit Recht ist in der Preste und in Versammlun­gen wiederholt darauf hingewiesen, daß hier der Punkt sei, an dem Dernburg seinen Be­fähigungsnachweis für eine wahr­haft nationale Kolonialpolitik zu erbringen habe. Denn wichtiger als alle noch jo

den hätte. Zürne mir deshalb nicht halb war ich schon bekehrt, meine Liebe zu dir und Rita und das Pflichtbewußtsein, euch beiden gegen­über hatten einen großen Teil jener krankhaften Gewissensskupel überwunden, aber trotzdem wäre ich heute noch nicht hier, denn ich wollte nicht eher kommen, bis ich endgültig gebrochen mit den Schatten der Vergangenheit."

Und ist das nun geschehen?"

5a aber außerdem o, Rupert, es be­glückt mich doch, es sagen zu dürfen: Du bist nicht schuld an Leos Tod du nicht."

Gabi!"

Er tritt einen Schritt zurück, in seinem Blick liegt eine erstaunte, ungläubige Frage.

Nein nein, Geliebter, komm' setz' dich zu mir, ich will dir alles sagen aber erst laß mich Rita küsten. Meine süße, klein« Rita, die nun wieder Vater und Mutter hat. Liebling" und sie beugt sich hinab und hebt leise das Kind empor, das schlaftrunken seine Aermchen um den Hals der Mutter schlingt, küßt es und ergreift Ruperts Hand und flüstert:

O, ihr Zwei mein Liebstes, mein Heilig­stes, was mir Gott gegeben, wie konnte ich euch lasten wie könnt' idj?"

Sie reicht ihm das kleine Mädchen, und er küßt es und dann legt sie es behutsam in das Bett und deckt es zu, so leise und sorgsam, wie nur Mutterhände ein Kind betten können. Rita schläft bald wieder ganz fest, aber an dem Lager sitzen eng umschlungen Mann und Weib, und sie erzählt ihm alles, was Isa Tromsau ihr gesagt und was vorher und nachher ihr Herz bewegt hat, und weiß es jetzt, wie ihre arme Seele ge­rungen und rote schwer andere sich an seinem und ihrem Glück versündigt haben. Als er von Isas Tod hört und daß man im geheimen mutmaßte, sie habe sich selbst das Leben genommen, sagte er:

6ie steht vor Gott, Gabi, und wenige sind

schönen Reden ist und bleibt die ErundforderunU die von sämtlichen Kolonialreformern erhoben wird: daß mit eisernem Besen die Korrupttons­wirtschaft der Konzessionsg^ellschaft endlich aus- gekehrt werde.

Deutsches Reich.

Der Kaiser hatte gestern Vormittag ein« Besprechung mit dem Staatssekretär v. Tschirschkq hörte im Schloß die Vorträge des Generalstabs­arztes der Armee, des Ministers des Innern, des Justizministers und des Chefs des Zivilkabinetts und empfing um 12% Uhr im Beisein des Staatssekretärs des Auswärtigen Arnis den ne« ernannten siamesischen Gesandten in Antritts­audienz.

Eine Begegnung Kaiser Wilhelms mit Kaiser Franz Joseph. Das Gerücht, daß Kaiser Franz Joseph gelegentlich seines bevorstehenden Aufenthaltes in Prag eine Begegnung mit Kai­ser Wilhelm haben solle, ist nicht neu und tauchte schon lange vor der vielbesprochenen Reise des Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand nach Berlin auf. Wie neuerdings aus Dresden be­richtet wird, gewinnt die angekündigte Begeg­nung des deutschen Kaisers mit Kaiser Fran; Joseph von Oesterreich auf dem Schlösse des Gra­fen Thun bei Tetschen eine gewisse Wahrschein­lichkeit durch den Umstand, daß ein Gegenbesuch des deutschen Kaiserpaares bei den Prinzlich Johann Georgschen Herrschaften in Dresden für Anfang Mai zu erwarten steht, und daß man bei dieser Gelegenheit auch auf einen Besuch der kai­serlichen Majestäten auf der vom 4. bis 12. Mai in Dresden stattfindenden Internationalen Gar­tenbau-Ausstellung rechnet. Befindet sich als« das Kaiserpaar anfangs Mai in Dresden, dann dürfte ein Abstecher des Kaisers nach Tetschen, wofür kaum eine Stunde Bahnfahrt in Betracht kommt, sich bequem in das Reiseprogramm ein­fügen lassen, falls es nicht schon von vornherein einen solchen Abstecher vorfieht.

Der Bundesrat tritt am morgigen Mitt­woch zu einer Plenarsitzung zusammen, um noch vor den Osterfeiertagen über Beschlüsse des Reichstags Stellung zu nehmen.

Reichskanzler Fürst BLlo« hat am Sonn­tag Abend die Reise nach Rapallo angetreten, wo er bekanntlich einen etwa vierzehntägiger! Osterurlaub zuzubringen gedenkt. Der Besuch des italienischen Ministers des Aus- wättigen Tittoni beim Reichskanzler ist, roh dieAgenzia Stefani" berichtet, auf den 27. d Mts. festgesetzt: die Rückreise des Ministers er­folgt am Freitag, den 29. März.

Dr. Adickes, preußischer Minister? Aus Frankfutt a. M. wird derTägl. Rundsch." vo« gut unterrichteter Seite gemeldet, daß der dortig« Oberbürgermeister Dr. Franz Adickes für einen preußischen Ministerposten ausersehen sei, und

es, die ihre Erinnerung in liebendem Herzen be­wahren «verschwunden ist sie aus dem bunten Reigen des Lebens, ausgelöscht ist ihr Name; sie hat schwer gefehlt, aber sie hat wenigstens ver- sucht, gut zu machen, so weit sie es vermocht. Daß -eine Frau von dem Charakter Isas nicht weiter leben konnte, nicht weiter leben wollte, verstehe ich, Gott möge ihr auch dafür ein gnädi­ger Richter fein. 4

Dann streichelte er Eabttelens schmales Ge­sichtchen und sagte lächelnd:

Also dir ist es wirklich eine Beruhigung, zu wissen, daß Leo nicht durch mich gestorben? Nun um deinetwillen bin ich ja mit der Lösung zu­frieden, aber ich persönlich habe mir nie einen Vorwurf darüber gemacht, und ich gebe dir mein Wort, daß ich heute genau ebenso handeln würde wie damals. Und nun komm, liebes Weib, wir

wollen Frau von Führen aufsuchen." , O, sie hat mich schon gesehen und begrüßt!

und mich hierher geschickt, und Evi ist auch hier mit ihrem Buben, aber trotzdem, ich will ihr; noch einmal danken, daß sie dir so treu zur 6dte gestanden hat in deiner Vereinsamung, will ihr die lieben Hände küssen, die für mein Kind ge­sorgt und geschafft haben, und will ihr sagen, daß ich den rechten Weg roiebet gefunden habe zu dir, mein einziger Mann, und nun mit dir bin bis ans Ende."

Zu derselben Stunde fast fitzt Gräfin Natalie Neuchlin wieder in ihrem Boudoir vor dem Schreibtisch, und ihre Blicke ruhen wieder auf dem Bilde des toten Sohnes; aber nicht starr; und tränenlos ist der Schmerz, der ihr Mutter-, herz erzittern macht, nicht Haß erfüllt mehr bie: Gefühle, die daneben Raum haben. Die Frau, hat das Haupt, das noch immer bie Witwen­haube trägt, in bie Hanb gestützt, tinb ihre Ge­danken schweifen zurück in die Vergangenheit?