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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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Marburg

DimSta« 26. MSrz 1907.

Effchemt wöchentlich siebe« mal.

Druck irnb Verlag' Zoh. Äug. Koch, UmversitätS-Buchdnickerei 42

Marburg, Markt 2t. Telephon 55.

Erstes Blatt.

- ......

Kolonial- und FlotLenvolitik.

Werken wir einen Blick auf die Weltgeschichte, so machen wir die eigenartige Wahrnehmung, daß bei allen Völkern, von den Griechen des Altertums angefangen bis zu den Amerikanern der Neuzeit, der Kolonialtrieb erwachte, sobald sie ein in sich gefestigtes Staatswesen ge- tzriindet und ausgebaut hatten. Die Lebenskraft eines sich stark fühlenden Volkes treibt cs über hie Grenzen der engeren Heimat hinaus, treibt es an, anderen Völkern seine Eigenart, seinen kharakter aufzuprägen, seine Kultur zu bringen und andere Länder unter die Botmäßigkeit sei­ner Zivilisation zu zwingen. So zogen einst die Athener, Korinther usw., nachdei. sie ihr heimat­liches Ctädtewcsen ausgebaut hatten, über das Aegäische Meer und die Jonischen Inseln nach Kleinasien und errichteten überall blühende Ko­lonien, Ephesus, Milet usw.,zogen nach Unter- Italien und gründeten Groß-Griechenland mit blühenden Städten, wie Tarent usw. Im Mit­telalter sehen wir die Spanier und Portugiesen, dann die Holländer, die Engländer und Fran­zosen und zuletzt die Deutschen und die Ameri- kaner. Und überall können wir beobachten, daß gerade nach einem das Volk einigenden Kriege, Freiheitskriege oder Revolutionskriege der Kolo- uisationstrieS besonders stark erwachte, so bei den Spaniern nach Vertreibung der Mauren und Vereinigung beider Castilien die Fahrt des Ko­lumbus, nach Amerika, fo bei uns nach dem Kriege 1870/71 die Lust in Afrika zu kolonisieren.

Auf der anderen Seite bemerken wir aber auch, daß der Niedergang und Kräfteverfall eines Volkes sich am ersten dadurch zeigt, daß es keine Lust mehr an seinen Kolonien hat, sie verfallen läßt, verkauft oder machtlos dem Feinde abgeben muß, wie wir dies wieder recht deutlich an den Spaniern sehen. Es ist ja nur zu klar: Ein ab­sterbendes Volk, das an Greisenschwäche leidet, hat nicht mehr so viel frisches und überflüssiges Blut in den Adern, daß es an andere Völker und Länder abgeben könnte. Seine Mission ist er­füllt, Klio zieht mit ehernem Griffel den Strich unter das Fazit, und ein ander Volk tritt in un- geschwächter Jugendkraft in die Lücke ein.

^Jst das deutsche Volk schon so weit? Ist es schon so alt und schwach? Sind die Arterien schon verkalkt? Ist keine Lebenskraft mehr über­schüssig vorhanden, daß der Ruf, der in letzter Zeit hie und da erscholl:Weg mit den Kolo­nien!" seine Berechtigung hätte?

zg (Nachdruck verboten.)

Schatten.

Roman von B. ». d. Lancken.

(Fortsetzung).

Zu Ende, wirklich zu Ende, vorbei alles, alles," schreit sie plötzlich,' sie breitet die Arme aus, ein unaussprechliches Sehnsuchtsgefühl durchströmt sie; Sehnsucht nach wem wonach? Rach ihm, der eine andere liebt und sie verachtet nach der kurzen Zeit ihres Lebens, in der sie ohne Schuld war: ihre Finger wühlen sich in das reiche Haar, ihre Blicke irren wie um Hilfe flehend gegen Himmel aber Isa Tromsau ist nicht eine von denen, die Gott mit dem Ver­stände begreifen motten, ihrem Herzen ist er ewig fremd geblieben, und darum findet sie auch den Frieden nicht, den die Welt einem zagenden Gemüt nie zu geben vermag. Darum kann sie auch nicht vorwärts blicken, darum kann sie des Daseins drückende Bürde nicht weiter tragen.

Sie erhebt sich von ihrem Ruhebett und vc- läßt das Gemach; langsam, mit müde schleppen­dem Schritt durchwandert sie die breiten Prunk­gemächer. Hier und da bleibt sie stehen, ein Gemälde, ein kostbares Kunstwerk betrachtend sie erreicht die Zimmer des Prinzen, ihre Hand bebt, als sie sie auf den Drücker der Tür legt, aber mit Entschlossenheit überwindet sie die Schwäche und tritt ein. Die Vorhänge an den Fenstern sind herabgelassen, Dämmerung er­füllt den Raum: es ist am heutigen, vielleicht auch an *en vorhergehenden Tagen nicht gelüftet worden, die Atmosphäre hat etwas Bedrückendes, Schwüles. Isa steht in der Mitte des Gemachs, angstvoll suchend gleiten ihre Augen von einer Ecke in die andere dir Stille, die Einsamkeit gerade inmitten der prachtvollen Umgebung hat etwa« Schreckhaftes für sie. Noch einen scheuen Blick wirft sie umher und eilt zurück in ihre eigenen Gemächer, die seit dem Tode des Fürsten in den anderen Flügel verlegt sind; sie hatte ge­meint. es würde ihr weniger schauerlich sein

Auf diese ernsten Fragen, die Dr. Gerhard- Berlin im Monatsblatte des Deutschen Flotten­vereins aufwirft, gibt er selbst in seinem treff­lichen Aufsatze, den wir hier in den hauptsäch­lichsten Ausführungen zur Kenntnis unserer Le­ser bringen, die richtige Antwort

Nimmermehr!" sagt Dr. Gerhard,Nie hat das deutsche Volk bester seine Lebenskräfte und sein Recht zu leben deutlicher bewiesen, als gerade in dieser Zeit." Das deutsche Volk steht noch in voller Jugendkraft, es hat eine glänzende Zukunft noch vor sich und diese Zukunft muß ihm sicher gestellt werden!"

Wo und wie geschieht das? Die erste Frage beantwortet unsere Kolonialpolitik, die zweite aber unsere Flottenpolitik: beide greifen so eng in einander, daß eins ohne das andere gar nicht lebensfähig ist.

Unsere Kolonialpolitik geht dahin, einmal dem deutschen Handel Absatzgebiete zu eröffnen, die nicht von dem guten oder bösen Willen eines Konkurrenzvolkes abhängig sind, zum anderen eigenen Boden zu gewinnen, auf dem wir das Rohmaterial für die mächtig auf- blühende deutsche Industrie selber bauen können, ehe uns die anderen Völker, von denen wir bis jetzt noch die Rohstoffe beziehen müsten, durch maßlose Preissteigerung konkurrenzunfähig zu machen, zum dritten aber, Platz zu haben für unsere überschüssige Bevölkerung als Ansiedler, Farmer usw.

In unseren Kolonien ruht also die Zukunft unseres Volkes. Wollen wir konkurrenzfähig bleiben, müsten wir uns wirtschaftlich so viel als möglich von der Gnade des Auslandes unab­hängig machen. Wir müsten aber auch im stände sein, unsere Kolonien zu schützen und uns zu erhalten! Und dies ge­schieht allein du kleine kräftige und zielbewußte Flottenpolitik.

Nach unseren Kolonien können wir nur zu Schiff gelangen. Was wir dorthin importieren, was wir von dort exportieren, geschieht alles zu Schiff. Darum müssen wir uns den Weg nach unseren Kolonien offen halten. Dazu genügen aber nicht 6 Schiffe, wie kürzlich in Frankfurt a. M. behauptet wurde.

Wir müssen aber auch unsere Handelsschiffe, die den Verkehr mit unseren Kolonien vermit­teln, und in denen viele Millionen deutschen Ka­pitals auf dem Wasser schwimmen, schützen. Dazu gehören wiederum Kriegsschiffe, denn nur diese allein können unserer Handelsflotte Sicherheit verbürgen.

Schließlich aber müsten wir unsere Kolonien selbst vor einem lüsternen Liebhaber zu schützen im stände sein. Wer von den deutschen Kapita­

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aber sie weiß es längst, es ist überall dasselbe, Die Erinnerungen, die Schatten der Vergangen­heit bleiben und gehen mit ihr, und wenn sie entflöhe bis ans Ende der Welt umsonst.

Nur im Schlafe noch gibt es Vergessenheit, in jenem tiefen Schlaf, der aus höchster körper­licher und seelischer Vergessenheit entsteht aber auch ihn findet sie nicht mehr, und wenn er kommt, dann kommen mit auch die entsetz­lichen Träume. Und sie sehnt sich nach Schlaf, nach einem festen, traumlosen Schlaf und endlich, endlich nach Ruhe, nach Frieden. Ein Ausdruck finsterer Willenskraft tritt in das noch immer schöne, stolze Antlitz, und sie mischt mit sicherer Hand den gefährlichen Trank, nach dem sie so oft gegriffen, ein wenig nur zu viel und--aus,

aus all die Verzweiflung, zu Ende die Reue das Ziel der Freiheit!

Sekundenlang noch zögert sie, noch sträubt sich die Lebenskraft gegen die kalte Gewalt des Todes aber da, da kommen sie wieder die schreckvollen Bilder: Arwed Sebera auf seinem Schmerzenslager, die Stunde am Krankenbett des Gatten, als er unbewußt das Glas zurück­stieß, in dem das eigene Weib ihm den Todes­trank reichen wollte sein Sterben o, dies furchtbare Sterben und daneben das Bewußt­sein von Rupert Felsenbachs Verachtung, zu der sich heute noch das gesellte, wie klein, wie gering sie dastehe vor Gabriele

Nein, sie erträgt es nicht längerRuhe, Freiheit? schreit es in ihrer gemarterten Seele, und wenn diese Ruhe auch das Ende bringt um so besser. Noch ein sekundenlanges Zögern, noch einen Blick rings umher auf den Glanz und die Pracht, dann setzt sie das Glas an die zitternden Lippen und leert es in hastigen Zügen, sucht ihr Ruhebett auf und hüllt sich fröstelnd in die weichen Decken.

Die Kammerfrau blickt durch die Türspalte, sie wagt bte schlummernde Herrin nicht zu stören, sie hat strengen Befehl und zieht sich leise zurück.

listen möchte wohl sein Geld in ein Unterarmen stecken, dessen Zukunft jeden Moment in Frage gestellt ist? Haben wir aber eine starke, kriegs­tüchtige Flotte in der Nordsee schwimmen, haben wir auf unseren Auslandsstattonen schnelle mo­derne Kreuzer, dann können sich auch unsere Ko­lonien in Ruhe und Sicherheit entwickeln.

Durchaus richtig ist daher die Behauptung, daß unsere Kolonien an unserer Küste in der Nord- und Ostsee verteidigt werden müssen. Ha­ben wir hier eine starke, moderne Flotte, dann wird es ein Gegner sich wohl dreimal überlegen, ehe er einen Handstreich gegen unsere Kolonien unternimmt. Umgekehrt aber: Wird unsere Flotte infolge ihrer Schwäche in der Nordsee ver­nichtet, so sind damit unsere sämtlichen Kolonien im selben Momente rettungslos verloren.

Nun ist aber gewiß: Gelegenheit macht Diebel Bleiben wir in unserer Flottenrüstung zurück und Stillstand i st Rückschritt, wäh­rend die anderen Mächte voran rüsten, so geben wir eben die Gelegenheit, ja reizen sozusagen den Gegner, die günstige Gelegenheit wahrzunehmen. Nur der Starke wird respektiert, den Schwachen tritt man. Das haben wir doch in der Geschichte unserer Vergangenheit genugsam erfahren. Will das deutsche Volk wieder Amboß spielen für die anderen Völker wie in früheren Jahrhunderten? Wir sollten doch reichlich durch eigenenScha- ben klug geworden sein.

Wollen wir also unsere Kolonien behalten? Wollen wir, daß sie entwickelt und ausgebaut werden? Wollen wir, daß die Zukunft unserer Volks- und Wehrkraft sichergestellt werde? Dann müssen wir für unsere Kolonien auch eine starke Flotte haben. Die Kosten unserer Flotte bilden nichts anderes, als die Versicherungsprämie für die Zukunft unserer Kolonien und damit auch, wie oben nachgewiesen, für die Zukunft unseres Volkes. Kolonien und Flotte, Kolo- nialpolitik und Flottenpolitik sind unzertrennli ch. Und darum muß das deutsche Volk die Konsequenzen daraus ziehen. Unsere Zukunft liegt heute mehr denn je auf dem Wasser!

Reich.

Prinz August Wilhelm von Preußen, der vierte Sohn des Kaiserpaares, der zurzeit in Bonn a. Rh. seinen Studien obliegt und soeben eine Studienfahrt nach den Niederlanden unter­nommen hat, wird, wie derMil.-pol. Korre­spondenz" mitgeteilt wird, am 1. Oktober die Universität Straßburg i. E. beziehen.

Keine Krisis. Berlin, 24. März. Gegen­über den mannigfachen Krisengerüchten wird der Dffch. Tagesztg." bestätigt, daß, abgesehen von

Dämmerung bricht herein und füllt das Ge- m-d), ihre Schatten breiten sich aus, Schatten, die die stille Schläferin so sehr gefürchtet, die ihr glanzvolles Leben verdunkelt haben und denen die gequälte Seele nun entflohen ist, um vor dem ewigen Richter ihr Utteil zu empfangen über das, was sie gesündigt im irdischen Leben. Die Welt weiß es nicht--

Tiefer sinkt die Dämmerung Schatten rings um die Toten, Schatten--

Malerisch am linken Ufer der Ilm und am nordöstlichen Ende des Thüringer Waldes liegt das freundliche Gebirgsstädtchen Ilmenau, an der Süd- und Westseite ragen prächtige, mit dunklen Kiefern bewachsene Berge, nach der Nord- und Ostseite dehnen sich anmutige Hügel, fruchtbare Felder und üppige Wiesen: zahlreiche wohlgepflegte Promenadenwege durchkreuzen den Wald, der sich bis dicht an die Stadt heran- zieht. Die frische Wald- und Gebirgslust hat Ilmenau einen Rus als Luftkurort erworben, und viele Tausende von Erholungsbedürftigen suchen hier Stärkung oder lassen sich aus Tage aus dem lieblichen Fleckchen Erde nieder, um die reizende Umgegend zu durchstteifen. Hierher in dies waldumrauschte Städtchen hatte das Ehe­paar Führen, hatte Felsenbach sich zurückgezogen um lebte unbekümmert um die übrigen Frem­den und die an- und abschwärmenden Touristen in stiller, fast ländlicher Beschaulichkeit.

Der Mittelpunkt für die drei Menschen war natürlich Rita: im täglichen Zusammensein mit dem Kinde fühlte Rupert erst, wie unaussprech­lich er es liebte, und empfand es bitter schmerz­lich, daß die Kleine ohne den segensreichen Ein­fluß einer Mutter aufwachsen sollte.

Meine arme Kleine," sagte Rupett, als er eines Tages mit Frau von Führen einen Spa­ziergang nach dem Göthehäuschen hinauf machte, und während sie sich beide auf einer Bank nie­derließen, beobachteten sie das Kind, das, in einem Wagen sitzend, mit einem grünen Zweige spielte, den die Wärterin im entgegenhielt.

dem Kultusminister, keinpreußischerMt- nister und kein Staatssekretär im Reiche zur­zeit daran dentt, aus seinem Amte zu scheiden.

Zum Professorenaustausch. Auf Wunsch des Kaisers wird der Professor der Augenheil­kunde an der Universität zu Würzburg, Dr. Karl Heß vom April bis Juli an den Universitäter von Newyork, Chicago und Philadelphia Fach­vorträge halten.

Die deutsch-amerikanischen Handelsbezieh­ungen. Aus Washington wird derKöln. Ztg." vom 23, berichtet: Das Handelsabkom men scheint gesichert zu sein. Die Wünsche Deutschlands sind angenommen, mit Ausnahme eines Punktes, der eine günstigere Gesetzesaus­legung betrifft und der Entscheidung des Justiz­ministers unterbreitet wird.

Deutsche Armee-Instrukteure für Argen­tinien. Zwei Hauptleute im Eeneralstabe der Armee, Perrinet von Thauvenay und Freiherr von der Goltz, sind aus dem preußischen Heeres verbande ausgeschieden und gehen, nach einer Berliner Meldung vorläufig für einigeJahre al; Instrukteure mit dem Range als Oberstleutnant« nach Argentinien.

Dernburgs Afrikareise. Wie aus Berlin verlautet, hat Dernburg seinen afrikanischen Reiseplan in sehr wesentlichen Punkten umge- staltet. Er wird nun doch Südwestafrika be­suchen, aber ohne größere Reisebegleitung. Er wird sich voraussichtlich am 20. Mai in Lissabon einschiffen und zunächst nur mit einem Begleiter in Swakoprnund an Land gehen. Von dort aus wird er mit der Otawibahn nach Otawi fahren, sich dann nach Lüderitzbucht wenden und dort das Schiff nach Kapstadt besteigen. Von Kapstadt ge­denkt er mit der Bahn Laurenco-Marquez zu er­reichen. Erst in Dar-es-Salaam wird er mit den Reisegenossen zusammentreffen, die mit ihm Ofiasrika bereisen sollen. Gemeinsam mit ihnen wird er mit der llgandabahn den Viktoriasee aufsuchen und dann durch das Kilimandscharo« gebiet nach Dar-es-Salaam zurückkehren. Fest­lichkeiten und Empfänge soll sich der Kolonial­direktor dringend verbeten haben .

Die Freunde der Arbeiter! Der gothaisch« Speziallandtag hat einen Antrag angenommen in dem die herzogliche Staatsregierung ersucht wird, in dem Entwürfe eines Nachtragsgesetzes zum Einkommensteuergesetze eine Bestimmung aufzunehmen, die die zwangsweise Beitreibung der Einkommensteuer auf steuerpflichtige Ein­kommen bis einschließlich 500 Mark untersagt Von Interesse war, wie dieFreis. Ztg." schreibt, daß gegen diesen Antrag nur die sechs Sozialdemokraten stimmten, die dem Gothaer Landtag angehören.

Ja, Rupert, Ihr Los ist ein außerordentlich schweres," bestätigte Frau Wilhelm«,aber ich glaube, wenn irgend etwas imstande ist, Gabi erkennen zu lassen, wo ihre Pflicht sie hinweist, so ist es die Trennung von Rita. Ein Mutter- Herz kann ja sein Kind nicht lassen: fassen 6i< Mut, lieber Freund, Gabi wird zu Ihnen zu- rückkehren."

Felsenbach schüttelte müde das Haupt.

Ich glaube es nicht," sagte er.Gnädige Frau," fuhr er nach einer kleinen Pause fort, ich hätte es nie für möglich gehalten, daß eine Tat, bei der wir uns selbst und vor aller Wett frei von Schuld sind, noch nach Jahren derartig ihre Schatten aus unseren Lebensweg zu werfen vermag, daß dieser dadurch dunkel und freudlos wird für alle Zeit."

Nein, Rupert, nicht für alle Zeit: aber ein Dasein, das sich nicht im engen Rahmen des all­täglich Hergebrachten abspielen kann, und ein Mensch, der durch inneren Trieb oder durch äußere Veranlassungen aus dem alten Geleise gedrängt wird, muß immer etwas mit in dev Kauf nehmen, was oft schwer zu tragen ist. Kommt dann noch eine so ganz besondere Ver­knüpfung der Umstände dazu, wie in diesem Falle, so find Konflikte eigentlich unvermeidlich. Schwache Charattere, wie der Gabis, finden sick» schwer darin zurecht, aber trotzdem hoffe ich, fi< wird fertig werden damit. Gräfin Natalie ha, glücklicherweise überwunden, ihr starker Geist und ihr unbestechlicher Gerechtigkeitssinn haben den richttgen Weg gefunden. Ulrike ist ein Überspanntes Persönchen, sie kommt nicht in Be­tracht, und Sie, Rupert, Sie haben ja gegen keine Schatten zu kämpfen, die aus Ihrem Ge­müt und Ihrem Gewissen Hervorwachsen.-

Felsenbach dachte an Isa Tromsau, an das düstere Geheimnis, um das außer ihm und ihr niemand wußte, an ihre einst gemeinsame Ver­gangenheit und seufzte tief auf: nun, wenigstens darüber, daß sie einst seine Braut gewesen, dar­über hätte er nach dem Tode des Prinzen, we­nigstens Gabi gegenüber, nicht mehr so ängstlich