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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchkain.

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Marburg

Sonnabend. 23. März 1907.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck mtb Verlag' Joh. Lug. Koch, UmversitLtEuchdrucker^ 42. Jahrg.

Marburg, Marft 2t. Lelephon »5.

Erftes Blatt.

Die -sterreichisch- ungarische Rcichsk, fis.

- Ausgleich oder Trennung? Diese, die Wiener Hofburg sehr unangenehm berührende Frage, deren Beantwortung man österreichi- fcherseits darum immer wieder hinauszuschieben versuchte, ist gegenwärtig wieder brennend ge- Vorden. Alle Anzeichen deuten dabei darauf Ki», daß die große und schwere Reichskrisis, welche während des Kampfer der ungarischen Koalition gegen die Krone die Grundlagen der Doppelmonarchie zu erschüttern drohte, fort­dauert und einen noch bedenklicheren Charakter angenommen hat. Die magyarische Unabhän­gigkeitspartei, die z. Z. intLande der Stefans- trone" das Heft in beit Händen hat, will von einem wirtschaftlichen Ausgleich zwischen Oesterreich und Ungarn nichts wissen, sondern dringt auf völlige wirtschaftliche Trennung beider Reichshälften. Aber auch in Oesterreich haben sich gewichtige Stimmen gegen den Aus­gleich erhoben. Besonders muh hervorgehoben werden, dah die österreichische Industrie das Interesse am Fortbestände der wirtschaftlichen Gemeinschaft mit Ungarn so ziemlich eingebüht hat. Dies kam auch in den ausgleichsfeind- lichen Kundgebungen der Landtage der beiden Industriell am höchsten ausgebildeten Provinzen Böhmen und Mähren zum Ausdruck. Unter solchen Umständen muh es begreiflich erscheinen, dah die neuen Ausgleichsverhandlungen, über deren Beginn schon berichtet wurde, nicht von Erfolg zu Erfolg, sondern von Mißverständnis zu Mihverständnis geführt haben. Natürlich ist dieses Mihverständnis auf ungarischer Seite ein Nichtverstehenwollen, was auch aus der Doppel­züngigkeit des ungarischen Ministerpräsidenten mit dem recht deutsch klingenden Namen Meckerle erhellte. Während nämlich im vorigen Monat Weckerle in Wien mit dem österreichi­schen Ministerpräsidenten Baron Beck Verein­barungen über den weiteren modtis proce- 'dendi bei den Ausgleichsverhandlungen getrof­fen hatte, gab nach seiner Rückkehr nach Ofen- Pest Handelsminister Kossuth namens der un­garischen Regierung eine Erklärung ab, die in Wien peinlichste Ueberraschung erregte. Er ver­sicherte nämlich, dah man beschlossen habe, die Ausgleichsverhandlungen derart zu beschleuni­gen, daß bis zum Ostersonntag entweder ein erfolgreicher Abschluß oder der Ab­bruch der Konferenzen zu erfolgen habe.

48 (Nachdruck verboten.)

Schatten.

Roman von v. v. d. Lancken.

(Fortsetzung).

,Kun bist du wieder ganz unser", sagte Ul­rike, ,chte letzte sichtbare Ennnerung an diese unselige Ehe oerläht uns mit Rita."

Mit einer raschen Bewegung wandte sich Gabi der Schwester zu, ihre Augen leuchteten seltsam.

Meinst du, dah es der sichtbaren Erinnerung bedarf, um nicht zu oergesien, was wir wirklich lieben?" fragte sie. Dann die Hände der anderen mit festem Druck fassend, fuhr sie fort:Ulrike 7 Rupert und Rita leben in meinem Herzen weiter, bis es seinen letzten Schlag tut."

Wundersam erschien es Gabriele, daß von dein Tage an, da sie ihr Kind an Rupert abge­geben, ein gewisser Friede über sie kam: nicht, dah ihre Sehnsucht weniger groß gewesen wäre, nein, Re litt geradezu schmerzlich, und viele Stunden des Tages und der Nacht verweinte sie in bren­nendem Verlangen, aber sie erfuhr zum ersten Male, welcher Trost für ein echtes Frauenherz darin liegt, selbst das Schwerste zu tragen, um denen, die es liebt, Weh zu ersparen. Und wenn es ihr unmöglich war, bei Rupert zu sein, was sie einst gelobt das, was sie ihm noch an Glück geben konnte, muhte sie geben, und sie gab es mit jener Opferfreudigkeit, zu der nur die Liebe die Kraft verleiht. Nun, da sie selbst erfuhr, was es bedeutet, losgetrennt zu sein von Mann und Kind, nun wußte sie auch, was er gelitten. Es kommen Augenblicke, in denen die Verantwor­tung, die sie auf sich genommen, riesengroß und fast zu schwer erschien, und je mehr diele Re- flexionen in den Vordergrund ihres Denkens traten, desto klarer traten auch ihre Pflichten den Lenbenden gegenüber hervor und es vollzog sich in ihr allmählich eine Verschiebung der Auf­fassungen. Die Schatten, die jetzt auf ihren Lebensweg fielen, sie entsprangen nicht der Ver-

Jn Wien protestierte man sofort dagegen, dah für die Beendigung der Verhandlungen ein Praeklufivtermin vereinbart worden sei, da es ganz unmöglich scheinen muhte, bis zum Oster­sonntag, also bis 31. März, das riesige Material zu prüfen und zu beraten. Daraufhin hat man in Ofen-Pest die Aenderungen Kossuths, die den Anschein erwecken muhten, als rechne man schon sicher mit dem Scheitern der Verhandlungen, korrigiert und sie so gedeutet, dah Kossuth nur angedeutet habe, Ungarn werde die Jnartiku- lierung seines selbständigen Zolltarifes been­den, wenn bis Ostern kein Abschluh der Aus­gleichsberatungen erfolgt sei, aber es wolle auch nachher weiter verhandeln.

Nach diesemRückzieher" gibt es also z. Z. noch keine Fallfrist für den Ausgleich. Aber die Aussichten auf sein Zustandekommen sind täglich geringer und schlimmer und die Gegensätze schroffer und schärfer ge­worden. Wie die letzten Meldungen aus Ofen- Pest besagen, dah das Ergebnis der dreitägigen Ausgleichsverhandlungen dahin festzustellen, daß diese Verhandlungen als gänzlich gescheitert anzusehen find. Es soll über­haupt nicht mehr über einen Ausgleich verhan­delt werden, sondern nur noch über ein aus meh­rere Jahre abzuschliehendes Handelspro­visorium. Nach Ostern sollen die gemein­samen Verhandlungen über einen solchen pro­visorischen Vertrag in Wien wieder ausgenommen werden.

Die Situation wird aber dadurch verschärft, dah nunmehr auch über die Fragen der prag­matischen Gemeinsamkeit, insbesondere über die Vertretung der Monarchie im Aus­lande und über die militärischen Fra­gen die Entscheidung fallen muß. Wie aus Wien berichtet wird, ist man in mahgebenden militärischen Kreisen darauf gefaßt, dah auf die Lösung der wirtschaftlichen Gemein­samkeit der beiden Reichshälften mit Notwen­digkeit die Trennung der gemein­samen Armee folgen werde. Man wendet freilich dagegen ein, dah die Krone dies aus dynastischen Gründen und Rücksichten auf die Erohmachtstellung niemals zugeben werde und knüpft daran die Befürchtung, daß sie daher wieder ihren Einfluh in die Wagschale werfen werde, um Oesterreich und seine Regierung zur Nachgiebigkeit gegen Ungarn und wie schon so oft zur Kapitulation zu bewegen. Aber jene, die so sprechen, vergessen, daß das neue österreichische Parlament des allgemeinen Wahlrechtes für derlei sicherlich nicht zu haben sein wird und daß in diesem neuen Abgeord­netenhause auf eine Preisgebung der wirtschaft­lichen Interessen Oesterreichs auch den dynasti-

gangenheit, sondern der Gegenwart, und die Gegenwart ist nichts Bleibendes.

Gräfin Natalie sprach mit Gabriele weder über die Gegenwart noch über die Zukunft, sie ließ bei Entwicklung der ganzen Sache ruhigen freien Lauf und konnte dies umsomehr, als man sich von der Gesellschaft seit einem Jahre zurück­gezogen hatte. In der raschlebigen Jetztzeit, in dem wechselnden hastenden Trubel der modernen Geselligkeit genügt das, um bald genug von der Liste derjenigen gestrichen zu werden mit denen man spricht, denen man Interesse schenkt. Wie man sich seinerzeit mit der unter etwas abson- derlicyen Verhältnissen geschlossenen Vermäh­lung Eabrielens abgesunden, so hatte man es jetzt bei der Trennung der Ehegatten getan: man sprach nicht mehr davon, höchstens, dah hier und da einmal die Frage auftauchte:Werden sie sich scheiden lassen?"

Außerdem gehörte Gräfin Natalie nicht zu den Menschen, die sich um das Urteil und die Reden der Leute kümmern, sofern sie vor sich selbst mit aller Ehrlichkeit das Eingeständnis machen können, ihrem Gewissen nach das Rechte getan zu haben. Die drei Damen lebten in stiller Zurückgezogenheit und sahen nur das Ehe­paar Ebert und Herrn von Führen hin und wie­der bei sich. Gräfin Isa Tromsau war auf Schloß Yvonne; ihren früheren Bestimmungen nach wollte sie für lange Zeit nicht nach Berlin -ur>'ckkebr-... Um so überraschter waren die Gräfin und ihre Töchter, als eine Abends zur Teestunde die Equipage der Baronin vorfuhr und Isa Tromsau dem meldenden Diener auf dem Fuße folgte und die Veranda betrat. Isa, in tiefer Witwentrauer, hatte sich erschreckend verändert: sie war auffallend mager geworden, ihre Eesi-^tsfarbe von krankhaftem Gelb, ihre Bewegungen hatten etwas hastiges, ihre Blicke etwas Unstätes, die Augen glänzten unnatür­lich.

Es duldete mich nicht länger auf Yvonne, sagte sie, nachdem die erste Begrüßung vor­über war.

scheu Rücksichten zu Liebe nicht gerechnet werden kann. Dann bliebe freilich noch der Weg, sich über das Parlament wie an der Donau schon öfters geschehen htnwegzusetzen und der öster­reichischen Reichshälfte einen schlimmen Aus­gleich mit Hilfe des bekannten Paragraphen 14 aufzuzwingen. Aber ein solcher Versuch wäre nunmehr ebenfalls bedenklicher, als früher, weil es seine Gefahren hat, ein auf dem allgemeinen Wahlrecht fußendes Parlament zu ignorieren. Ganz abgesehen von der Lächerlichkeit, die darin läge, wenn man zuerst mit Hilfe des allgemei­nen Wahlrechtes ein neues Parlament schafft und sich unmittelbar darauf Über seine Existenz hinwegsetzt!

Preußischer Landtag.

(39. Sitzung vom 21. März.)

Nach Erledigung des Verzeichnisses ungeeig­neter Petitonen wurde die zweite Lesung des Kultusetats beim Kapitel Elementar­unterrichtswesen fortgesetzt.

Abg. Rzesnitzek (fkons.) begründete einen Antrag, den Titel Remunerationen für Volks- schullehrer in den gemischtsprachigen Landestei­len von 550 000 auf 850 000 «M. zu erhöhen und empfiehlt zugleich eine Resolution, nach der künftig auch in den gemischtsprachigen Teilen der Provinz Schlesien Ostmarkenzulagen gewährt werden sollen.

Ministerialdirektor Schwarhkopff gab zu be­denken, daß die Ostmarkenzulagen erst auf Ober­schlesien ausgedehnt, auch Ostpreußen und Pom­mern nicht vorenthalten werden können. Die Regierung werde aber erwägen, ob künfttg nicht die in Betracht kommenden Fonds zu erhöhen sind.

Abg. Boltz (natl.): Die Ostmarkenzulagen find in Oberschlesten so notwendig wie in Posen und Westpreußen. Aus etatsrechtlichen Gründen dürfen notwendige Ausgaben nicht umgangen werden.

Abg. Dittrich (Ztr.) erklärte sich gegen die Resolution.

Der Antrag Rzesnitzek wurde hierauf aus etatsrechtlichen Gründen zurückgezogen, die Resolution wurde gegen die Stimmen des Zentrums und der Polen angenommen.

In der weiteren Debatte brachten die Abg. Ernst (frf. Vgg.) und Dr. Arendt (flonf.) eine Erhöhung des Fonds zur Unterstützung der aus dem Dienst geschiedenen Privatlehrer und -Leh. rerinnen in Vorschlag. 20 000 Jt feien zu wenig.

Ein Regier» ngskommissar vertrö­stete auf das Reichsgesetz über die Privatbeam- tenverstcherung.

Abg. Eickhoff (frs. Vp.) forderte eine Erhöh­ung des Fonds zur Unterstützung der Witwen und Waisen von Elementarlehrern.

»Ich glaube es," bemerkte Gabriele unbefan- fen,es haften schmerzliche und aufregende Er- nnerungen daran."

Aufregend?" fragte Isa, einen angstvoll lauernden Blick auf die Sprecherin richtend, aufregend wie meinen Sie das, Frau von Felsenbach?"

Nun, wegen des Todes Ihres Herrn Ge­mahls

Wegen ? Ach ja ja," sie fuhr mit der mageren Hand über die Stirn,es wareir schreck­liche Tage des Alleinseins das Alleinsein ist entsetzlich." Sie schauderte zusammen.

Es ist schwer, sich daran gewöhnen zu müssen, aber man lernt auch dies, wie so vieles tm Leben," sagte Gräfin Natalie ruhig.

Ich werde es nie lernen, nie," protestierte Sia,und nicht wahr?" fügte sie, sich an die drei amen wendend, hinzu,Sie besuchen mich öfter, die eine oder die andere."

Man gab das erbetene Versprechen und Grä­fin Natalie und Ulrike bemühten sich, das Ge­spräch auf irgend ein neutrales Gebiet hinüber zu lenken, freilich ohne irgend einen anderen Erfolg, als daß Isa oberflächlich darauf ein­ging und durch Antworten überraschte, die mit dem berührten Gegenstand nicht im Geringsten in Zusammenhang standen. Als sie stch verab­schiedet batte, atmeten die Zurückbleibenden wie erlöst auf.

Isa Tromsau hatte auf alle einen unheim­lichen Eindruck gemacht, und es war daher wohl nur natürlich, daß Gabriele der wenige Tage später an sie ergehenden Aufforderung der Baronin, sie zu besuchen, nur ungern Folge lei­stete. Sie hatte stets eine Abneigung gegen diese Frau gefühlt und jetzt mehr denn je. Trotz­dem fuhr sie hin und wurde von der sie erwar­tenden Kammerfrau zu ihrem Erstaunen in das Schlafzimmer Isas geführt.

Die Baronin lag in einem Negligee von weißer Wolle auf der Chaiselongue: das schwarze reiche Haar fiel, in zwei halbgelöste Zöpfe ge-

Ein Regierungskommissar sagte Erwägung zu. Die Erfahrungen nur eines Jah­res reichen nicht aus.

Abg. Dr. Arendt (fkonf.) unterstützte die An­regung Eickhoff.

Das Kapitel wurde bewilligt, ebenso die Kapitel Kultus und Unterricht gemeinsam, Allgemeine Fonds, Evangelischer Oberkirchenrat, Bistümer und katholische Geistliche.

Beim Kapitel Provinzialschulkollegien schil­derte Abg. Dippe (natl.) einen Fall, in dem in Naumburg ein zum Stadtverordneten wiederge­wählter Eymnasialprofessor auf den Bericht des Magistrats vom Provinztalschulkollegium ge­zwungen wurde,freiwill^" sein Mandat nie­derzulegen. Er warf dabei folgende Frage auf: Hat das Provinzialschulkollegium überhaupt das Recht, die einmal grundsätzlich erteilte Genehmi­gung zur Erwerbung des Stadtverordneten­mandats zurückzuziehen? Oder dürfen Professo­ren nur dann ein solches Mandat bekleiden, wenn sie artig find? Billigt der Minister das Verhalten des Vorsitzenden des Provinzialschul- kollegiums?

Minister Dr. v. Studt sagte Untersuchung zu.

Das Kapitel wurde bewilligt, ebenso das Ka­pitel Prüfungskommissionen.

Damit war die Tagesordnung erschöpft.

Mittwoch, 10. April: Kultusetat (Uni­versitäten und höhere Lehranstalten). Schluß 12 Uhr.

Herrenhaus.

(5. Sitzung vom 21. März.)

Auf der Tagesordnung stand zunächst der mündliche Bericht der Kommission für Handels­und Eewerbeangelegeheiten über die Nachrichten vom Betriebe der unter der Preußischen Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung stehende» Staatswerke während des Etatsjahres 1905. Be­richterstatter war Dr. Wächter.

Oberberghauptmann v. Belzen berichtete über das Grubenunglück im Mathil- denfchacht im Saarrevier. Das Seil sei am 19. Februar zuletzt abgehauen worden. Du Erneuerung sei vierteljährlich erfolgt. Aller­dings sei festgestellt worden, daß das Seil in der Bruchstelle sehr schadhaft gewesen. Noch nicht sei festgestellt, ob die übliche tägliche Revision mu­sterhaft vorgenommen worden ist.

Der Bericht wurde durch Kenntnisnahme er­ledigt.

Es folgte die Beratung der beiden Entwürfe auf Abänderung des Pensiongesetzes vom 27. März 1872 sowie auf Abänderung des Gesetzes, betreffend die Fürsorge für die Witwen und Waisen der unmittelbaren Staatsbeamte» vom 20. Mai 1882.

Abg. v. Manteuffel beantragte, den Staats­beamten, die aus dem Kommunaldienste über­nommen sind, die Dauer ihrer Dienstzeit i» Kommunen bei der Festsetzung des Dienstalters voll anzurechnen.

flochten, über ihre Brust und ihre Finger spiel­ten damit.

Als Gabriele eintrat, grüßte Isa sie mit- einem leichten Neigen des Hauptes und deutete auf einen Sessel an ihrer Seite; ein Wink ent­ließ die Kammerfrau, die ihre Herrin mit einem traurigen und besorgten Blick streifte.

Minutenlang herrschte Schweigen in dem Zimmer, in dem durch die herabgelassene» Store» nur eine gedämpfte Helle herrschte. Js» sah vor stch nieder, sie schien die Anwesenheit einer zweiten Person vollständig vergessen zu haben, und erst, als Eabi eine leichte Bewegung machte, zuckte sie zusammen und sah sie mit gro­ßen Augen an.

Verzeihen Sie, ich bin so zerstreut," sagte sie langsam,und nehmen Sie zunächst meinen war» men Dank, daß Sie gekommen sind. Sie tun eit. gutes Werk damit, Sie erweisen mir einen Dienst, den ich Ihnen nie vergessen werde und einigermaßen vergelten zu können hoffe. Gabriele," rief sie. sich plötzlich aufiichtend und nach der Hand der jungen Frau greifend,' Gabriele, Sie kommen wie ein Engel des Lich­tes und wie ein guter Geist zu mir. Seit Mo­naten, nein, was sage ich, seit Jahren ringe ich mit tausend seelischen Qualen, sehe zurück auf ein trostloses, sündhaftes Leben, ein Leben, In dem alles Sünde war, und aus der Sünde sind die Schatten hervorgewachsen, die meinen verdunkelt haben und ihn immer noch verdun­keln aber nicht den meinigen allein, O diese Schatten der Vergangenheit wenn ich sie bannen könnte sie bringen mich dem Wahn­sinn nahe! Ich will mich kurz, ganz kurz fasse» ich will Ihnen alles gestehen, ich will gut machen, was ich noch gut machen kann, vielleicht, daß bann auch der Friede, einmal Friede in dies Herz kommt."

Sie ergreift Gabis Hand: <

Gabi, wissen Sie, was es heißt, friedlos zu fein? Was es heißt, von seinem Gewissen, von nagender Reue gepeinigt zu werden? Nein* sie schüttelte leise das Haupt,Sie können et