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MchW Zeitung

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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Birrtkljätzrlichrr Bezugspreise da oet ExpOitürn 3 Mk, btt all« PostLmlem 2,25 M. «.epi. Bestellgeld).

Jnsertt»n»gebühr: dl« gespaltene Zeile oder oeren Raum 1b Psg.

Reclamen: die Zeile 80 Psq.

Marburg

Freitag 22. MSrz 1907.

Erscheint wScheutlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Ang. Koch, UmversttLtr-Buchdruckerel 42. Jahrg.

MaiLurz, Markt 2L Telephon o5.

Das Avonuement auf dieOberheffische Zeitung", daS größte, meistgelesenste und weit- verbreitetste Blatt MarbnrgS «nd der Umgegend kostet vierteljährlich nur 2.25 Mk. Inserate haben beste« Erfolg.

S»;lalLem»kr«tische Gemütlichkeit".

_ Die gestern auch von uns wiedergegebene Mitteilung, daß die Staatsanwaltschaft gegen die sozialdemokratische Fraktion des Reichstages ein Strafverfahren wegen Verletzung des Ver­einsgesetzes anhängig gemacht habe, hat sich, wie in der Sitzung des Seniorenkonvents festgestellt Wurde, als nicht zutreffend erwiesen. Dagegen scheint es sich zu bestätigen, daß die Polizei gegen sozialdemokratische Abgeordnete wegen des oben bezeichneten Delikts vorgegangen ist. Hiergegen nun hat der Reichstagspräsident Graf Stolberg beim Reichskanzler Beschwerde erhoben, da nach der Geschäftsordnung des Reichstages die Polizeigewalt im Hause dem Reichstagspräsidenten zusteht, ohne dessen Ge­nehmigung die staatliche Polizei im Reichstage nicht vorgehen darf außer, wenn es sich um Verbrechen handelt.

So sehr nun auch der Eifer des Reichstags- präsideuten, die Rechte und Freiheiten der Reichrtagsmitglieder zu schützen, anerkannt zu werden verdient, mutz man es andererseits be­dauern, daß dieser verfassungsmäßige Schutz auch Abgeordneten zu Gute kommt, die durch die Unverfrorenheit ihrer Handlungsweise nur all­zudeutlich bewiesen haben, daß sie jederzeit be­reit sind, von den den Mitgliedern des Reichs­tages zustehenden Vorrechten einen, dem Geiste der Verfassung widersprechenden Gebrauch zu machen. Man mutz wissen: die Redatteurkon- ferenz, die, wie schon mitgeteilt, auf Einladung der sozialdemokratischen Fraktion im Reichstags­gebäude abgehalten wurde, ist nicht die einzige Parteiveranstaltung der Genossen im Wallot- dau gewesen, ach nein, sie haben schon eine ganze Anzahl derartiger Versammlungen im Reichstagshause abgehalten, ohne eine poli­zeiliche Anmeldung für nötig zu er­achten. Um ungestörter zu tagen und wohl auch, weil man sich bewußt war, nicht geradekorrekt" zu handeln sind die Ein­ladungen zu solchen Sitzungen nicht durch öf­fentliche Aufforderung imVorwärts" oder anderenroten" Parteiblättern erfolgt, son­

dern vielmehr durch Eeheimzirkulare verbreitet worden. DieLeipz. Reuest. Rachr." find in

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(Nachdruck verboten.), Schatten.

Roman von B. e. d. Lancken.

(Fortsetzung).

Gabriele überlegte ei« paar Minuten, dann rasch entschlossen, stand sie auf:

Verzeih', wenn ich dich schon verlasse, Evi," sagte fie,aber ich möchte gleich zu deinen Eltern fahren gleich: meinst du, datz ich sie treffe, um das mit ihnen zu besprechen und Ru­pert vorbereiten zu lassen?"

Die Eltern sind um diese Zeit stets zu Hause, und Übelnehmen weißt du gibt es in diesem Falle bei mir nicht."

Gabriele fuhr fort. Als der Doktor, der sie his an ihren Wagen begleitet hatte, zu Evi zurückkehrte, fiel sie ihm glückselig lächelnd um den Hals:

Ich hoffe wieder, Georg ich hoffe, daß, datz noch alles gut wird."

Eabrielens Herz klopfte stürmisch wie nie zu­vor in ihrem Leben, während sie durch die volk­reichen Straßen Berlins nach Moabit hinaus­fuhr und dann vor der kleinen, freundlichen VillaFelicitas" hielt. Das Mädchen sagte ihr, di; Herrschaften seien im Garten und so eilte sie, ohne sich weiter melden zu lassen, durch das wohlbekannte Eartenzimmer ins Freie. Ehe sie den langen Weg entlang schritt, der zu der Laub« führte, wo sich die Familie in früherer Zeit versammelte, blieb sie sekundenlang stehen. Zu mächtig waren die Erinnerungen, die sich in ihrer Seele zu regen begannen. War es nicht ein Fruhsommertag just wie dieser, als vor we­nigen Jahren zum ersten Male sie dieses Haus und diesen Garten betreten hatte und hier dem Manne begegnete, der so bedeutungsvoll für ihr Leben röurde, wie sie für das seinige?

Der leichte Schritt auf dem feinen Kies

der Lage, den Wortlaut zweier derartigen Rundschreiben mitzuteilen. Das eine lautet:

Werter Kollege!

Namens des Fraktionsvorstanders lade ich Sie zu der am 15. d. M. nach dem Plenum ftatt- findenden Fraktionssitzung ergebenst ein.

Gegenstand der Beratung soll eine Besprech­ung über dieMaifeier" sein, mit der sich der am 22. Mai d. I. in Köln abzuhaltende Gewerk- schaftskongretz beschäftigen wird.

An den Verhandlungen werden die Mitglie­der der Generalkommission der Gewerkschaften teilnehmen. Für den Fraktionsvorstand.

I. A.: W. Pfannkuch.

Das zweite Zirkular lautet folgendermaßen: Werter Genoss«!

Am 18. und 19. März soll in Berlin im Reichstagsgebäude eine

Zusammenkunft der Geschäftsleiter der Partei- und derjenigen Druckereien

stattfinden, in welchen Parteiblätter hergestellt werden. Als Eegestände der Besprechung sind in Aussicht genommen:

1. Mitteilungen über die Ergebnisie der sta­tistischen Aufnahmen, den Personalbestand der sozialdemokratischen Vuchdruckereien betreffend:

2. § 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches und dessen Anwendung in unseren Anstalten:

3. Tariffragen. (Gewisses Geld, Berechnen):

4. Ferien:

5. Gemeinsamer Papierbezug.

Um nun für diese Besprechung eine materielle Grundlage zu haben, bitten wir Sie, umstehende Fragebogen gefl. bis zum 5. März ausgefüllt an R. Fischer, Berlin SW. 68, Lindenstratze 69, zu. rücksenden zu wollen, damit die Aufgaben dieser Fragebogen bis zum Tage der Konferenz noch geordnet und bearbeitet werden können.

Mit Partrigrutz

Der Varteivorstand."

Das zitierte Blatt hat gewiß Recht, wenn es sagt: Aus diesen beiden Eeheimzirkulare« geht klipp und klar hervor, daß das Reichstagsgebäude systematisch zur geheimen Agitationsstätte der So­zialdemokratie gemacht worden ist.

Zur Umgehung des Vereinsgesetzes aber ist das Reichstagsgebäude nicht geschaffen worl rn, deshalb dürfte es sich empfehlen, wenn seitens des mit der Polizeigewalt im Hause betrauten Reichstagspräsidiums in Zukunft den sozial­demokratischen Fraktionssitzungen im Wallot-. bau einige Aufmerksamkeit gewidmet werden würde.

Deutscher

(23. Sitzung vom 20. März, 1 Uhr.)

Im Reichstage fand am Mittwoch zunächst die entgültige Wahl des Präsidenten, sowie der Vizepräsidenten statt. Bei der Wahl des Prä­sidenten wurden insgesamt 325 Stimmen abge­

mutzte von den Insassen der Laube wohl bemertt worden sein, denn eine Gestalt erschien in dem Eingang, eine hohe, stattliche Männergestalt Eabrielens Fuß wurde gebannt, sie stand Rupert Fessenbach gegenüber. Welch ein Zusammen­treffen nach einem Jahre freiwilliger Trennung, einem Jahre so leidvoll für ihn wie für sie das las einer aus der anderen Züge, das er­füllte des einen wie des anderen Herzen mit tiefem, unaussprechlichem Weh.

Gabriele!"

Rupert!"

Sie streckte ihm die Hände entgegen, sie sah ihn an, bittend, flehend er trat einen Schritt näher und nahm ihre Hände in die seinen, aber er zog fie nicht an sein Herz und sagt« kein Wort weiter.

Vergib mir, Rupert," flüsterte Gabi leise, ich habe schwer gegen dich gefehlt, aber ich will gut machen, soweit ich es vermag"

,I>as willst du tun, Gabi?" fragte er, müh­sam seine Ruhe bewahrend, während sein Atem die breite Brust rascher hob und senkte.

Ich will dir dein Kind zurückgeben, Rupert du liebst es ebenso wahr, ebenso treu wie ich, du hast dieselben Rechte, ich bitte dich, Rupert, nimm es. Dein Leben wird dann weniger trostlos und weniger einiam sein, solch ein Kind ist ein großer, großer Schatz."

Ihre Äugen füllten sich mit Tränen, und ihr Herz zittert. Sie kämpft einen schweren Kampf: sie fühlt, daß sie diesen Mann unendlich liebt, mit derselben Liebe wie einst, sie meint, daß sie sich an seine Brust werfen könne und all das Weh, das die Seele zerreißt, und all die Liebe, die ihr Herz erfüllt, da ausweinen und ausjubeln müsse, und daß in diesem Augenblick das Leid der Vergangenheit ausgelöscht und die Schatten gewichen seien.

Ihre Finger zucken leise in seiner Hand, fie steht herab und furchtbar furchtbar da

geben; davon entfielen 192 auf den Grafen Stolberg. Graf Stolberg war somit wtedergewählt und erklärte, die Wahl mit Dank anzunehmen. Bei der Wahl des 1. Vizepräsidenten entfielen von 279 abgegebenen Stimmzetteln 191 auf den Abg. Dr. Paasche (natl.), der somit gleichfalls wiederge­wählt war und die Wahl annahm. Zum 2. Vizepräsidenten wurde Abg. K a e m p f sfrs. Vp.) mit 180 von 318 abgegebenen Stimmzetteln wiedergewählt. Abg. Kaempf nahm gleichfalls die Wahl an.

Darauf ging das Haus über zur zweiten Lesung des Notetats für die Schutz­gebiete. Die Budgetkommisston hatte auf Antrag Dr. Semlers der Vorlage binzugefüqt: soweit die pro 1907 geforderten Titelsummen niedriger sind, als die pro 1906, solle nur je ein Znwsftel der ni"driaeren Summe verausgabt werden dürfen. Auch seien Neubauten nicht vor Bewilligung de? SSrivptetatg in Anariff zu neh­men. Unterffttots-fefretör Twele erklärte namens der verbündeten Regierungen, daß gegen diesen Zusatzantraa erhebliche Banken obwalten und bat das Haus um unveränderte Annahme der Vorlage. Werde mehr ausaeaeben, so dürfe sich die Regierung ni<fit mefir auf den Notetat be­rufen, sondern die betreffenden Angabe« be­dürfte« dann al« cptrft<5üfcf,rM'r<Mh<nrt<nt der nachträglichen Bewilligung und des Nachweises ihrer Notwendigkeit. Abg. Dr. Vack»nicke (frf Ngq.) meinte, der Zusah der Kommission schaffe in der Tat für die Folge ein Vräivdiz, welches unter Umständen unbeauem werden könne .seine Partei habe deshalb schon in der Kommission gegen den Zusatz gestimmt und H für Wieder­herstellung der Vorlaoe. A<m. Snabn (Ztr.) legte dem Znsaü keine grobe Bedeutung bei. be­merke jedoch, daß das <Saus mit der Bewillig­ung des Notetats auch für etwa über den ordent- ktiben hina-*-"-'^e'-^» ss.<«^^den v>t<» Ver­antwortung zu übernehmen habe. Auch Abg. Frhr. v. Richtbofe« (konl.) erklärte, seine Partei lege der t^-fie keine besonder" Bedeutung bei und werde sich abweichend von ihrer Stellung in der Kommission verhalten, schon im Interesse der Neubauten. Schließlich wu^de die Vorlage unter Ablehnung des von der Kommission bean­tragten Zusabes anaenommen.

Es folgte die d r i 11 e L e s u n g des H a u p t- notetats. Auf Antrag derBlockpar- teten wurde die Vorlage angenommen und zwar wurde dabei entgegen dem Beschlüsse der zweiten Lesung auch die Forderung zum Er­werb eines Grundstückes in Berlin genehmigt. Weiter wurde die Vorlage betreffend den Kontingentsfuß für landwirt­schaftliche Brennereien in dritter Le­sung endgültig angenommen. Letzter Gegenstand der Tagesordnung war die Inter­pellation über das Grubenunalück in Rösseln. Da Staatssekretär Graf Poiadowskq die Beant- wortuna erst für spätere Zeit ankündiqte, war dieser Gegenstand für beute erledigt. Am Schlüsse der Sitzung teilte Vrästdent Graf Stol­berg mit, datz nach Mitteilung des Reichskanz-

ist er doch, der schreckliche Gedanke:Diese Hand war's, diese Hand tat's!"

Der Schatten.

Cie macht ihre Finger frei.

Nimm das Kind, Rupert ich bitte dich!" Das ist alles, was fie sagt, sonst nichts.

Das Kind? Sein Kino!

Der starke Mann bebt und legt di« Hand über die Augen und Stirn. Ein« Weil« ist es still um die beiden, nur der Sommerwind be­wegt leise die Blätter, und ein Bienchen schwirrt summend von einer Blume zur anderen.

Gabriele," bricht Felsenbach endlich das Schweigen,du liebtest Rita sehr, was treibt dich jetzt, dich von ihr zu trennen? Gabriele er tritt dicht an sie heran und sieht ihr ernst in das erregte, tränenfeuchte AntlitzGabriele, liebst du auch das Kind nicht mehr, weil es mein Kind ist--

.Rupert, um Gottes Barmherzigkeit, nicht weiter," flehte sie, feinen Arm umklammernd. Rupert," schluchzte fie,begreife, glaub« es doch, ich gebe dir Rita, weil ich weiß, was für ein Sonnenstrahl fie ist und weil ich dich über alles alles in der Welt liebe---"

Gabriele!"

Rupert fährt wie aus einem Traume empor, seine Stimme zitterte vor Entzücken, er öffnet die Arme, die Frau zu empfangen, aber sie streckt die Hände gegen ihn aus wie abwehrend und flieht durch den Garten zurück ins Haus. Rupert von Felsenbach steht regungslos und folgt der Davoneilenden mit den Augen Todestraurig­keit übermannt ihn er wankt in die Laube und finkt schwer auf eine Bank.

Umsonst alles Hoffen umsonst umsonst die Macht der Liebe. Die Schatten find mäch­tiger!"

Eine Wolke zieht über die strahlende Sönne der kleine Garten sieht öde und düster aus.

Es war gut, daß bald, nachdem Gabi fort i

lers wegen der im Reichstage abgehaltenen so­zialdemokratischen Versammlung di« Polizei zwar Ermittelungen angestellt habe, daß aber, sofern die Angelegenheit nicht bereits erledigt Um 4% Uhr hielt der Reichstag noch ein« sei, dem Präsidenten des Reichstags von der Polizei Mitteilungen noch zugehen werden.

zweite Sitzung ab, um den Vertrag mit Luxemburg, den Notetat der Schutzgebiete und die Brennereivorlage in dritter Lesung zu er­ledigen. Die Vorlagen wurden ohne Erörterung endgültig angenommen.

Darauf traten die Osterferien ein, die bis zum 10. April dauern.

Preußischer Landtag.

Das Abgeordnetenhaus erledigte am Mittwoch zunächst den Antrag des Abg. Frhr. von Erffa (kons.) auf Schaffung eines Etatsnot­gesetzes in erster Lesung und führte dann «ach Annahme zweier kleinerer Entwürfe, die zweite Lesung des Kultusetats beim Kapitel Giemen« tarunterrichtswesen fort, wobei zahlreiche Ein­zelheiten berührt wurden. Für eine Besser­stellung der Vorsteher der Präparandenanstalten traten die Abg. Dr. Dahlem (Ztr.) und Dr. Arendt lfkons.) ein, die Abg. Eickhoff (frs. Vp.), Ernst (frs. Vgg.) und Dr. Krüger-Marienburg (kons.) für Besserstellung der Kreisschulinspek» toren. Die Abg. Dr. Biereck (ftons.) und Hirth (kens.) baten, den Lehrern die Teilnahme an Kreis- und Vezirkskonferenzen weiter zu erleich­tern. Zu einer längeren Besprechung kam es über einen Antrag des Abg. Dr. Zderhoff (frei« kons.), bei der Erhöhung der Grundgehälter und Alterszulagen der Volksschullehrer auch die In­haber der mit einem Kirchenamt verbundenen Stellen ohne Rücksicht auf die mit diesem Kir­chenamt verbundene Entschädigung zu berück­sichtigen. Ministerialdirektor Schwartzkopft bat zu bedenken, daß es sich hier nur um die provi­sorische Aufbesserung notleidender Stellen handle,und empfahl deshalb Ablehnung des An­trags. Hingegen war Abg. v. Pappenheim (kons.) mit der Tendenz des Antrages einver­standen. Nach längerer Erörterung wurde der Antrag Jderhoff der Budgetkommiffion überwie­sen. Zur BeGrechnng gelangten weiter zwei Anträge bet Abg. Stand« (kons.) und Lusensky (natl.) auf Erhöhung bet Ostmarkenzulage der Lehrer. Ein Regierungskommissar erklärte es für unstatthaft, bei einer solchen Maßnahme eine einzelne Beamtenkategorie zu bevorzugen. Die Abstimmung über bie beiben Anträge wurde schließlich bis zur dritten Lesung zurückgestellt. Darauf trat Vertagung ein.

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Deutsches Reich.

Die llklaubeelse des Reichskanzlers. Wie aus Berlin verlautet, wird der Reichskanzler seine Urlausreise nach Rapallo am nächsten Sonnabend antreten.

wat, Frau v. Führen zurückkehrte. Fessenbach, dem sie längst in mütterlicher Freundschaft nahe stand, schüttete ihr fein Herz aus und teilte ihr Gabis Absicht mit, ihm das Kind zu geben. Frau Wilhelma wiegte nachdenklich das Haupt bei dieser Mitteilung.

Rehmen Sie die Kleine, lieber Fessenbachs sagte sie nach einer Weil«.Jetzt gerade, wo Sie Berlin verlallen, wo Sie bie ländliche Einsam» leit einer thüringischen Sommerfrische aufsucheu wollen, finde ich, ist ein ganz geeigneter Zeit­punkt dafür. Rita ist etwas übet ein Jahr alt, ein kräftiges, gesundes Kind, die Wärterin er­probt und zuverlässig, Sie werben in Ilmenau doch nicht arbeiten, haben also Zeit genug, sich mit dem Kinde zu beschäftigen, und außerdem werden mein Mann und ich Ihnen ja bald fol­gen, und ich kann meine Augen auch darüber wachen lassen,"

Wie ein Schimmer der Freude huschte es übet feine Züge, bann barfite et an sein Weib.

Und Gabriele?" fragt« et.Sie ist so jung, fo wie soll ich sagen haltlos, wird fie es ertragen ohne Rita?"

Sie muß sehen, wie sie sich zurechtfinbet, so ober so," sagte Frau von Führen fast schroff.

Damit wat bie weitere Diskussion über bett Gegenstand erledigt, und als Rupert von Fessen­bach acht Tage später Berlin verließ, war nur insofern eine Aenberung des Planes ei«getreten, als Herr unb Frau von Führen sich Rupert gleich anschlossen. Als Rita von ihrer Wärterin hin­unter in ben Wagen getragen würbe, bet Beide zum Bahnhof führen sollte, staub Gabi am Fen­ster und verließ mit keinem Blick bas Kind bis es im Wagen untergebracht war und die Pferbe anzogen. Gräfin Reuchli« beobachtete fie genau, aber sie konnte aus Gabis Zügen nicht heraus­lesen, was in ihrer Seele «erging, sie hatte fie nie so gefaßt gesehen.

^Fortsetzung folgt)