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Erstes Blatt.
tNachdrnck verboten.)
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ruhe des Hauses zunächst unverstanden. Als jedoch Vizepräsident Dr. Paasch« erklärte, damit sei dieser Gegenstand erledigt, erhob sich bei den Polen und Sozialdemokraten großer Tumult. Vizepräsident Dr. Paasch« widerholte seine Frage und das Haus beschloß darauf mit den Stimmen des Zentrums, der Sozialdemokratie, sowie einiger Nationalliberalen und Freisinnigen die Besprechung der Interpellation. Abg. Seyda (Pole) meinte, der Gegenstand der Interpellation interessiere das gesamte Reich. Als Redner die Maßnahmen der preußischen Regierung, Gymnasiasten, deren Eltern am Schulstreik beteiligt sind, zu entlasten, als barbarische Maßnahmen hinstellte, verfiel er der Rüge des Präsidenten Grafen Stolberg. Die Abg. v. Oertzen (Rp.) und v. Rormann skons.) lehnten die Beteiligung an der Besprechung ab, da es sich um eine preußische Angelegenheit handele. Abg. Fritzen (Ztr.) mißbilligte die Schulverweisung von Gymnasiasten, da diese Maßnahme nur Großvolen züchten könne. In längerer Rede wandte sich Abg. Orte! (natl.) scharf gegen die Polen und bearüßte die Festigkeit der preußischen Polenpolitik. Abg. Ledebour (Soz.) nahm sich der Polen an: wenn eine Nation drangsaliert werde, greife sie eben zu allen Mitteln der Agitation. Nachdem noch zwei Polen zu 9ßorte gekommen waren, schloß die Besprechung. Persönlich wandte sich Abg. Graf Mielzinski «Pole) aeqen verschiedene Ausführungen des Abg. Ortet
Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr. Tagesordnung: Dritte Lesung des Notetatgesetzes, zweite Lesung der Vorlage wegen des Kontingents der landwirtschaftlichen Brennereien, Interpellationen, betreffend das Grubenunglück in Kl.-Rosteln.
Schluß 6N Uhr.
vierteljährlicher Bezugspreis^ bet vei ExxHition 2 SRL, bet allen Postämtern 2,25 M. ^ejeu Bestellgeld), Insertton-gebübrr-die gespaltene Zeile oder Deren Raum 15 Pfg. Reclamen: die Zeile 80 Psg.
Deutsches Reich.
Berlin, 20. März.
— General Werder f. Der General der Infanterie, Bernhard v. Werder, Generaladjutant des Kaisers und Chef des reitenden Feldjägerkorps, früher Botschafter in St. Petersburg, ist gestern vormittag in Berlin gestorben. Werder wurde am 27. Februar 1823 in Potsdam geboren. Nach einer gründlichen militärischen Ausbildung stieg er bald vom Adjutant zum Flügel adjutanten des Königs empor: 1866 erwarb er sich als Kommandeur des Eardefüfilierregi« ments den Orden pour le tnlrite und ging 1869 als Militärattache« nach Petersburg, wo es ihm gelang, das Vertrauen des Zaren Alexander II. zu gewinnet^ In desten Umgebung nahm er auch an dem Türkenkrieg 1877/78 teil. 1886 wurde Werder zum Gouverneur von Berlin ernannt, welchen Posten er bis 1892 bekleidet^ um dann als Botschafter des Deutschen Reicher wiederum an den russischen Hof zurückzukehre«. Gerade damals kam nämlich für Deutschland viel darauf an, an der Newa einen Diplomaten als Vertreter zu besitzen, der bei Hofe persona gratissima war: denn unsere Gegner suchten auf jede Weise die deutsche Politik zu verdächtigen. Dem General Werder gelang es denn auch meistens, die deutschfeindlichen Quertreibereien zu durchkreuzen. Kurz nach dem Tode der Zaren Alexander III. (f 1895) kehrte General Werder nach Deutschland zurück.
— „Alte Herren" akademisch«» Korporatia. ntn im Reichstage. Der biographische Teil des eben erschienenen „Kürschnerschen Reichstages",
Schalten.
Roman von B. v. d. Lancken.
(Fortsetzung?.
„Er leidet sehr," schrieb Evi, „und trägt es wie ein Mann in dem Bewußtsein, daß sein trostloses Geschick ihn ohne sein Verschulden trifft. Aber wie willst du, Gabi, es vor deinem Kinde verantworten, daß du ihm den Vater nimmst, wie vor Gott, daß du die heiligsten Bande zerreißest, einem edlen Vater sein Kind raubst."
Diesen Brief hatte Gabi erhalte», als Ulrike abwesend war, und sie hatte ihn ihr nicht gezeigt. Das Jauchzen der kleinen Rita ließ sie sich umwenden und in die geöffnete Tür treten. Das Kind saß auf dem Teppich und griff nach einem bunten Ball, den die Wärterin ihm entgegenhielt: als Gabi eintrat, lachte es der Mutter zu und langte mit de» dicken weißen Händchen »ad) ihr. Gabriele kniete nieder und drückte das Kind leidenschaftlich an die Brust — wie liebte sie es! Um seinetwillen vermeinte fie ja das größte Opfer bringen zu müsten, dessen ein Frauenherz fähig ist: freiwilliges Entsagen des geliebten Mannes.
„Mamm — Mamin," lallte die Kleine und tätschelte mit den weichen Fingerchen Gabis Wange. Süßes, wonniges Empfinden durchrieselte sie — „welche Gottesgabe solch Kind," dachte sie — aber in demselben Moment erinnerte sie sich an Evis Bries. „Wie willst du es vor deinem Kinde vertreten, daß du ihm den Vater nimmst, wie vor Gott, daß du einem edlen Pater sein Kind raubst.'"
„Rauben —" dies Wort traf sie wie ein Donnerschlag, heiß, glühend heiß stieg ihr das Blut zum Herzen, in die Schläfe — ein furchtbares Angstgefühl beinächtigte sich ihrer, ihre Arme lösten sich vo- Rita, sie sprang auf und floh auf
mit -em Kreisblatt für -ie Kreise Marburg rmd Kirchhain.
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Halter höchst vergnügt auf allen Vieren umher,« kroch und auch sein Teil an Liebkosungen und sogar Bewunderung von der „Tante" erntet«. Nachdem die erste Erregung des unverhoffte« Wiedersehens vorüber war, sagte Gabi ganz unvermittelt: ' „
„Nun, erzähle mir, Evi, wie geht es Rupert? Wo ist er und was treibt er? Weißt du, daß dein Brief eigentlich die Ursache meines Kommens ist?"
„Gottlob," riefen beide Gatten rote auf einem Munde.
„Das heißt," fuhr Gabi errötend fort, „zn- rückkehren zu Rupert kann ich nicht — ich glaube, ich würde dazu nicht im Stande sein, aber ich will gut machen, so viel ich kann, ich will und darf ihm sein Kind nicht rauben. Wollen Sie, lieber Doktor," sie sah Ebert flehend an, „wollen Sie mit ihm darüber sprechen?"
Der Doktor bemerkte eine bedeutungsvoll« Bewegung von Evis Köpfchen, die er sich nicht recht zu deuten wußte, und sagte:
„Ja, wie meinen Sie denn das, gnädig« Frau, das alles sind und bleiben doch Halbheiten, zwilchen denen, die sich nie zurecht finden werden. ,, . ,,
Eva bewegte jetzt nrcht nur das Köpfchen, sondern winkte ihrem Eheherrn auch mit de» Augen- er schwieg überrascht, und die Gattin nahm statt seiner das Wort:
„Freilich sind es Halbheiten — indesien, ich finde Gabis Idee nicht so übel — im Eegentert, die Auffassung ist eine sehr gerechte, und sie würde noch mehr in ihrem Vorhaben bestärkt werden, wenn sie sähe, rote Rupert unter dieser gänzlichen Vereinsamung leidet."
„Ja und um nichts und wieder nichts, nef Georg Ebert, ganz gegen seine sonsttge Gewohnheit heftig und den Respekt vor Gabi vollständig aus den Augen lastend, berut er war zu fenr Felsenbachs Freund, um in dieser Sache Nichts ganz und voll für ihn einzukretrn. *
„Georgi"
tation gegen den Religionsunterricht an Volksschulen hervorgetan. Abg. Dr. Heisig (Ztr.) redete bett Vorzügen der geistlichen Schulaufsicht das Wort. Abg. Ernst (frs. Vgg.) forderte ganze Arbeit bei der Lehrerbildung. Abg. Dr. Friedberg (natl.) forderte gleiche Berücksichtigung der beiden evangelisch-theologischen Richtungen bei der Besetzung von Universitätsprofessuren. Kultusminister Dr. Studt erwiderte, er sei dem von jeher gerecht geworden. Geheimrat Elster führte aus: Bei der Besetzung der evangelisch-theologischen Profesturen müste auf die Bedürfnisse der Gemeinden Rücksicht genommen werden. Mit statistischem Material sei hier nur wenig anzufangen. Seit dem 1. April 1891 seien 40 Ordinate besetzt, davon 23 mit Positionen. Unter dem jetzigen Minister feien 16 Ordinariate berufen, davon 9 Positive, weiter 22 Ertraordi- nariate und zwar mit 10 Positionen. Abg. v. Oldenburg (kons.) erklärte namens seiner Partei, daß sie sich im Vorjahre hinsichtlich der Lehrerbesoldung nicht festgelegt habe. Aufgabe der Profestoren sei es, solche Geistliche heran- znbilden, wie fie. die Gemeinden haben wollten. Man müste verlangen, daß die positive Richtung an allen Universitäten die Ueberhand hat: denn die Mehrheit des evangelischen Volkes stehe auf positiver Grundlage. Wenn ein Kultusminister daher die positive Richtung nicht bevorzuge, tauge der Minister nichts, und wenn es eine konservative Partei gebe, die auf einem anderen Standpunkt stehe, so tauge eine solche Partei nichts. In der Rede des Abg. v. Oldenburg ro. rbe auch Marburgs gedacht: denn der konservative Abgeordnete äußerte u. a.: „Ich will Seiner Exzellenz dem Herrn Minister nicht vorenthalten, daß es nicht unerhebliche Beunruhigung in positiven Kreisen hervorgerufen hat, daß in Marburg eine ordentliche Professur, die ausdrücklich der positiven Richtung vorbehalten war, besetzt worden ist durch einen Professor kritischer Richtung."
Nach persönlichen Bemerkungen Friedbergs und v. Oldenburgs wurde die Weiterberatung auf Dienstag vertagt. Schluß 5 Uhr.
Am Dienstag führte das Abgeordnetenhaus zunächst die allgemeine Besprechung des Kultusetats zu Ende. Abg. Dr. Porsch (Ztr.) nahm feine Partei noch einmal gegen die Angriffe des Liberalismus in Schutz und legte dagegen Verwahrung ein. daß der Liberalismus in der Frage der Schulaufsicht den „nationalen" Standpunkt gewahrt habe. Nach einer unwesentlichen Erwiderung des Abg. Castel (frs. Vp.) wurde ein Schlußantrag angenommen und der Titel Ministergehalt, sowie das ganze Kapitel Ministerium bewilligt. Beim Kapitel Elementarunterrichtsroesen bedauerte Abg. Kreth (kons.), daß jetzt das Brennmaterial den Lehrern angerechnet werden müste. Ministerialdirektor Schwartzkopff erwiderte, diese Anrechnung entspreche dein Schulunterhaltungsgesetz. Auf eine Anfrage des Vorredners erwiderte der Regierungsvertreter, die Unan
nehmlichkeiten der provisorischen Lehrergehalts» erhöhungen seien zuzugeben. Auf eine Be- ’ schwerde des Abg. v. BÜlow-Homburg (natl.) . betonte ein R?gierungskommistar, der Minister habe die Frage, ob in Hessen-Nassau neben beit Simultanschulen noch Konfessionsschule» gesetzlich zulässig seien, dem Oberverwaltungsgericht unterbreitet. Abg. v. Kardorff (fkons.) legte nochmals dar, warum seine Partei für di» fachmännische Schulaufsicht eintrete, und ba^ bei Schulfragen alle politischen Momente «szw- schalten. Nachdem Abg. Faltin (Ztr.) Erteilung des Religionsunterrichts in der Muttersprache empfohlen hatte, erklärte auf Anregung; des Aba. Grafen v. b. Gröben (kons.) der Ministerial« direktor, durch die Gehaltsneuregelung follev auch die Seminardirektoren nirgends schlechter gestellt werden. Gegenüber den Ausführungen der Abg. Kopsch (frs. Vp.) und Werner (D.Rfp.) über den Lehrermangel legte Ministerialdirektor Schwartzkopff seine Anschauung noch einmal dahin- fest, der Lehrermangel könne nut durch Vermehrung der Lehretbil» dungsan st alten beseitigt werden. Mittwoch 11 Uhr: Fortsetzung.
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Gabi antwortete nicht und beugte sich zu Rita hinab, die am Boden mit einer kleinen Photographie in einem Rahmen spielte.
„Wer ist das, Rita?" fragte Gabi leise.
„Papa — Papa!" lallte die Kleine.
„Was soll das Gabi?" fragte sie hart, „warum lernst du Rita einen Namen, mit dem sie nie jenen Mann nennen wird?"
„Jenen Mann?" Gabis Augen funkelten, und die zarte Gestalt richtete sich hoch auf. „Er ist ihr Vater und er hat nichts g tan, was ihn der Liebe seines Kindes unwert machte, und wenn ich selbst auch nicht zu ihm zurückkehren werde, sein Kind will und darf ich ihm nicht nehmen — fein Kind soll ihn kennen und lieben, soll ihm gehören und" — ihre Stimme brach — „doch lassen wir das," fuhr fie plötzlich in verändertem Ton fort, „wir — bu Und ich — werden uns in dieser Sache ja doch nimmer verstehen."
„Rein, nimmer!" versetzte Ulrike bitter.
Es war einige Wochen später. Doktor Georg Ebert, von der Redaktion zurückgekehrt, saß in dem Sessel vor seinem Schreibtisch und wiegte fein Bübchen auf den Knien, während Eva, ein glückseliges Lächeln auf den frischen Lippen, die beiden beobachtete, als das Mädchen eine Dame meldete. Soa verließ das Zimmer, die Fremde zu begrüßen, aber ein Jubelruf veraulaßte auch Ebert, ihr zu folgen, und fand sein Weibchen in den Armen Gabrielens.
.Frau von Felsenbach," rief nun auch er, die ihm entgegengeftredte Hand der jungen Frau warm drückend, welche Ueberraschung, welche Freude!" .
„Es ging nicht mehr in der Fremde, ging absolut nicht mehr, lieber Doktor," rief Gabi, unter Träne» lächelnd, „feit gestern bin ich in Berlin, und zu dir Evi, mußte ich zuerst, du Liebe, Gute." -
Das Ehepaar führte den Gast in das Arbeitszimmer des Hausherrn, wo der kleine Stamm«
Preußischer Lun-lga.
Das Abgeordnetenhaus setzte am Montag in der 36. Sitzung die allgemeine Besprechung des K u l t u s e t a t s fort. Erster Redner war 3lbg. Frhr. von Zedlitz (fkons.), der sich nach dem Inhalt des angekündigten neuen Lehrerbesoldungsgesetzes erkundigte. Ministerialdirektor Schwartzkopff konnte genaue Auskunft »och nicht geben, teilte aber mit, der Entwurf werde die Nektorenfrage nicht berühren. Abg. Metzenthiu (kons.) rechtfertigte die am Sonnabend vom Abg. Dr. Friedberg bemängelte Zusammensetzung der Konsistorien. Abg. Cassel (frs. Vp.) forderte, im Zeichen der konservativ- liberaleit Paarung müße dem Liberalismus auch im Landtage entgegengekommen werden. Minister Dr. v. Studt stellte die neuerlichen Angriffe gegen ibn als Husarenfieber hin, gab aber bekannt, die Entlastung seines Resiorts müße in absehbarer Zeit durchgeführt werden. Ministerialdirektor Schwartzkopff begründete die Nichtbestätigung des Dr. Penzig als Mitglied der Smuldeyutation zu Cbarlottenburg: Dr. P. habe sich durch eine schroffe und unziemliche Ägiden Balkon hinaus. Sie hatte ein Empfinden, als könne sie dem Kinde nicht mehr in das unschuldige, lachende Auge schauen, als habe sie eine Schuld gegen dasselbe auf dem Herzen. Wie einsam mochten für Rupert die Tage dahingehen, er war ganz allein — sie hatte Rita — er hatte nichts — nichts — und sie konnte nicht den Entschluß fassen, zurückzukehren — sie konnte nicht! —
Scheu blickte sie nach der Tür, horchend neigte sie den Kopf vor — die Kleine spielte wieder auf dem Teppich und Ulrike? — Sie schien noch zu ruhen, im Nebenzimmer blieb alles still: behutsam zog Gabi Evis Brief aus der Tasche und las ibn aüfmertfam von Anfang bis zu Ende. Wie glücklich mußte Eva sein, wie schön das innige Familienleben, das sie mit ihrem Gatten und einem kleinen Sohn führte--dasselbe Glück
hatte Gott ihr gegeben, und wohin war es gekommen? Zerstört, vernichtet — weshalb? —
Von diesem Tage an bemerkte Ulrike eine Wandlung im Wese» der Schweller: Gabi verschloß ihr Empfinde» mehr in sich, sie sprach wenig über die Vergangenheit, war still und nachdenklich, aber nicht gerade kopfhängerisch.
„In zwei Wochen ist die Zeit zu Ende, die wir hier zubringen wollten," sagte Ulla eines Nachmittags, als di« Schwestern zusammen in ihrem Zimmer saßen, „welche Pläne hast du gefaßt?"
„Ich gehe nach Berlin," antwortete Gabi fest- .
„Nach Berlin? — Jetzt gerade, wo in nächster Zeit die ersten einleitenden Schritte wegen deiner Scheidung getan werden sollten?"
Eine tiefe Röte färbt« Gabis Gesichtchen.
„Scheidung," rief sie fast unwillig, „wer sprach von Scheidung? — Genügt diese Trennung nicht zunächst vollkommen?"
.Zunächst — ja, aber für immer?“ Ulrike zuckte spöttisch mit den Schultern. „Du bist — Gabi, nimm es mir nicht übel — ein Charakter ohne jeden Halt, du weißt nicht, was bu willst."
Deutscher Reichstag.
22. Sitzung vom 19. März.)
Der Reichstag genehmigte am Dienstag in erster unb zweiter Beratung ohne Erörterung den Vertrag zwischen dem Reiche und Luxemburg, über den Beitritt Luremburgs zur norddeutschen Brausteuergemeinschaft, und trat dann tn die Fortsetzung der Besprechung übet die Interpellation Albrecht (Soz.), betr. Eingriffe non Behörden in die Reichstagswahl. Abg. Liebermann von Sonnenberg (wirtsch. Vgg.) bemerkte, seine Partei habe jede Unterstützung bei der Wahl aus Mitteln der Regierung abgelehnt, und würde es auch für verwerflich gehalten haben, wenn Fonds von Parteien gestärkt worden wären durch von der Regierung zusammenge- brachte Mittel: mit aufklärenden Aeußerungen in die Wahlbewegung einzugreifen, dies Recht könne man jedoch der Regierung nicht absprechen. Abg. Bebel (Soz.) polemisiert gegen den Flot- tenverein und meinte, durch den Brief des Fürsten Bülow an den Reichsverband sei dieser Verband der offizielle Wahlrevräsentant der Re- gicrung geworden, dem bei den Behörden alle Türen aufflogen: trotzdem bestreite Herr von Siebert, offizieller Regier»ngskaudidat geweien zu sein. Abg. Zimmermann (Rfp.) erklärte die Klagen des Abg. Bebel über unzulässige Wahlbeeinflussungen für unberechtiat unb meinte, mit persönlichen Verunglimpfungen sei gerade die Sozialdemokratie vorausgegangen. Abg. Baren- horst (Rp.) bemerkte, die einzige Wahlbeeinflussung sei die Reichstagsauflösung gewesen. Die Sozialdemokratie habe sich mit ihrenVer- hetzuttgen bei dieser Wahl jedoch balbiert, fahre sie auf diesem Wege fort, io werde die Zeit tticht ausbleiben, wo das Bürgertum sie vierteile. Abg. Wagner (kons.) wandte sich gegen die Äusfübrungett des Aba. Bebel und bemerkte, die Sozialdemokratie vergifte die Seele des Volkes indem sie die alte deutsche Treue aus ihr herausreiße. Abg. Hermes (frs. Vp.) bemerkte, er selbst habe sich anläßlich eines gegen ihn gerichteten Flugblattes irnnifierenber Weise als Regierungskanbibat bezeichnet, hätte Herr Bebel sich vorher darüber genauer informiert, so hätte er nicht die Behauptung aufstellen können, er (Redner) habe sich den Mählern als Regierungskandidat präsentiert. Darauf wurde ein Schlußantrag angenommen.
Es folgte die polnische Interpellation betr. Ausweisung polnischer Schüler von höheren und mittleres Lehranstalten. Staatssekretär Graf Posadowsky erklärte, bet Reichs^ anler lehne bis Beantwortung bet Interpellation ab, weil sich diese auf eine rein preußisch« Angelegenheit beziehe. Die Frage bas Vizepräsidenten Dr. Paasche, ob Besprechung der Interpellation beantragt sei, blieb bei der Un-
Erscheint wöchentlich sieben ataU _ . .
Druck und Verlag' Loh. Aug. Koch, Umversitätr-Buchdruckerti 42. Jahrg.
Dannerdtast 21. Marz 1907. Warb»^. M«« «. — sdww os.