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mit -em Kreisblatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhain.

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vierteljährlicher Bezugspreis; bei oti Expedition 2 AL, bei allen Postämtern 2,26 Mk. <ejcl. Bestellgeld).

AnsertlonSgebiihr: die gespaltene Zeile oder vrren Raum 16 Psg.

Reclamen: die Zeile SO Pfg.

Marburg

Mütwoch. 20. MSr, 1907.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck imb Verlag- Joh. Äug. Koch, UniversitätEuchdruckerei 42 Jahrg.

Marburg, Warft LU - Telephon 55.

Erstes Blatt.

Diear«e«, gek«echtete»"Polrn!

Im preußischen Abgeordnetenhause lassen die polnischen Vertreter bei der Beratung des Kul­tusetats wieder rührende Klagelieder erklingen. Sie stellen die polnische Bevölkerung Preußens, die ja solangmütig" und so harmlos sei, als vergewaltigt in ihren heiligsten Gefühlen hin und tun, als seien die Deutschen Barbaren, die Sprache und Art der Polen unterdrücken wollten. Da war es, wie uns nachträglich berichtet wird, «in Vorgang von starker und die Polenfraktion verblüffender Wirkung, als der Abgeordnete Etrosser am letzten Freitag einmal ein Bild von den Polen entrollte, wie sie sich verhalten, wo sie unumstrittene Herren im Hause sind. Das ist, roie wir schon kürzlich darlegten, in Galizien der Fall, wo unter noch nicht 4 Millionen Polen 211 000 Deutsche und über 3 Millionen Ruthenen wohnen. Der Abgeordnete Strosser führte in seiner Rede aus, daß gegen diese Deutschen, wie gegen die Ruthenen teils unter direktem Bruch, teils unter Umgehung der österreichischen Verfas­sung, in der die Gleichberechtigung aller landes­üblichen Sprachen in Schule, Amt und öffent- lichenr Leben vom Staate gewährleistet ist, sei­tens der Polen ganz gewalttätig verfahren wird. Gerade den 12 000 katholischen Deutschen wird der deutsche Gottesdienst ebenso, wie der deutsche Unterricht überall in Galizien von den polnischen Behörden verweigert. Ihnen stehen nur polnische Geistliche zur Verfügung. Man sucht sie in jeder Weise zu polonisieren. Ja, so sind dieedlen ritterlichen Polen", für di« sich immer wieder Be­wunderer und Verteidiger in den Reihen unserer Freisinnigen finden, die nicht bedenken, daß durch Cympathieäußerungen, wie sie hin und wieder in ihren Parteiblüttern zu lesen sind, die Unbot- mätzigkeit und die Begehrlichkeit der Pollacken noch gesteigert werden muß. Man braucht nur über die Grenze zu gehen, um zu sehen, welche Ziele die polnischen Bestrebungen verfolgen? So wird jetzt der polnische Schulstreik mit seinen be­dauerlichen, aber infolge der offenen Auflehnung der Polen gegen die Autorität der Behörden un­vermeidlichen Begleiterscheinungen von deni aus­ländischen Polentum als ein willkommenes Agi­tationsmittel aufgegriffen, um die Beziehungen zu den Polen preußischer Staatsangehörigkeit fester zu knüpfen und so die letzten Ziele der pol­nischen Bewegung praktisch zu fördern. So hat in Lemberg eine polnische Versammlung statt­gefunden, in der den streikenden Schulkindern im preußischen Anteil" Hochachtung und Aner-

45 (Nachdruck verboten.),

Schatten.

Roinan von B. v. d. Lancken.

(Fortsetzung).

Tage kommen und Tage gehen, und jeder stei­gert die Qualen des Kranken, jeder führt den Greis ein Stück weiter auf dem dunklen Wege des Todes bis der letzte anbricht.

Ein stiller, warmer Sommertag hält die er­kaltende Hand des Prinzen, Doktor Lentheim steht am Fußende, tie Baronin Tromsau sitzt in einem kleinen Sessel zur Seite des Bettes; die voraufgegangenen Leiden haben die Kräfte des Kranken erschöpft das Ende wird leicht sein, hat Doktor Lentheim gemeint.

Prinz Adolf ruht regungslos in den Kissen, ein leiser, röchelnder Atem verrät, daß noch Le­ben in dem abgezehrten Körper ist, die Augen, halb geschlossen, sind matt und stier.

Sekundenlang setzt der Atem ganz aus. Isa beugt sich vorwärts, mit einem seltsamen un­ruhig forschenden Ausdruck ruhen ihre Blicke auf dem Antlitz. Wie fahle Schatten gleitet es da­rüber hin, Kinn und Nase treten scharf hervor, die Augen sinken tiefer in die Höhle». Schau­dernd weicht sie zurück, fragend blickt sie auf Fel- fcnbach, dann zu dem Arzt empor.

Welche Veränderung," flüstert sie kaum hörbar,wie ein Schatten liegt es auf dem Ge­sicht."

Fassen Sic sich, Baronin, es ist gleich vo­rüber; die Schatten des Todes sinds," sagt Lent­heim ebenso leise.

Isa wird wachsbleich, ihre Hände krampfen sich um die Lehne des Sessels, sic biegt den Kopf 'nach hinten, ober wie durch geheime Macht gs- 'bannt, haften ihre Blicke auf dem Sterbenden. Ein tiefes Röcheln, dann leiser und tiefer, nach zehn Minuten ist alles vorüber. Rupert Felsen- bach drückt dem fürstlichen Freunde sanft die Augen zu, dann verläßt er, von Lentheim ge- f-'lgt, ,dgs Gemach, Die Witwe ist mit der Keichs

kennung ausgesprochen wurden. Gleichzeitig wurde beschlossen, den Veranstaltern und Füh­rern des Schulstreiks mit einer Maßregel zu Hilfe zu kommen, die eine Schädigung der deutschen Interessen auf wirtschaftlichem Gebiete anstrebt. In einer von dieser Versammlung angenom­menen Resolution wird unter Hinweis darauf, daß die Handelsbeziehungen zwischen der polni­schen Gesellschaft" und preußischen Firmen der deutschen Nation und dem Deutschen Reiche ma­terielle Mittel zur Verzögerung der politi­schen Wiedergeburt Polens in die Hand spiele, die polnische Eesamtbevölkerung, insbesondere die kaufmännisch und industriell tätige Bevölkerung aufgefordert, die Maßnah­men der preußischen Regierung zur Unter­drückung des Schulstreiks mit einem allge­mein Boykott der preußischen Waren und mit Anwendung der polnischen Sprache im kaufmännischen Briefwechsel zu beantworten.

Bemerkenswert ist an dieser Aufforderung, die ja nicht neu ist und lediglich das System, wel­ches in den preußischen Provinzen Posen und Westpreußen bereits in großem Umfange seitens der Polnischsprechenden Bevölkerung angewandt wird, auf die nichtpreutzischen Nachbargebiete übertragen will, doch immerhin die Offenheit, mit der eingestanden wird, daß zu den sonstigen Mitteln der allpolnischen Propaganda der wirt­schaftliche Boykott zu Hilfe genommen werden soll, um die politische Wiedergeburt Polens zu beschleunigen. Daß der­artige Gedanken und Bestrebungen bereits der Heranwachsenden Jugend zu eigen gemacht wer­den, beweist die Aeußerung eines Redners in der genannten Versammlung, der nach demDziennik Polski" den streikenden Schulkindern eine Hul­digung darbrachte, welchein den preußischen Zuchthäusern" folgendes Gebet zu Eott dem Herrn verrichten:Vater unser, der Du bist im Himmel, gib uns Mut und Kraft zur Ueberwin- dung der Henkertyrannei, damit ein freies und unabhängiges Polenreich erstehe." Wenn die polnischen Schulkinder in der Tat ein solchesGe­bet" im Munde führen und wenn gleichzeitig von polnischer Seite die Erteilung des Religions­unterrichts in polnischer Sprache verlangt wird, ist der Verdacht nicht von der Hand zu weisen, daß die polnische Sprache im Religionsunterricht hauptsächlich deshalb gefordert wird, um für die Aufreizung zum Hochverrat den sichersten und be­quemsten Weg zu finden.

Deutscher Reichstaft.

(21. Sitzung am 18. März.)

Vor stark besetztem Hause wurde am Montag in dritter Lesung der Gesetzentwurf über die

allein, und sie, die alles verspottet und für nichts geachtet ,was das Höchste und Heiligste ist im Leben, jetzt allein an diesem Sterbebett, allein mit diesem Toten überkommt sie eine furchtbare Angst, ein Entsetzen, das sie bis ins Innerste er­beben läßt. Es ist ihr, als müßten diese blassen Lippen sich öffnen und ihr das WortMörde­rin" enigegenschreien und als müßten diese kal­ten, abgezehrten Hände sich wie abwehrend gegen sie ausstrecken, denn zur Mörderin war sie ge­worden an diesem Greise, wenn nicht gnädige Fügung ein Zufall, wie sie es nannte ihr freventliches Tun zu Schanden gemacht hätte. And nun ist er tot und wenn die Heimgegan­genen es vermögen, in die Herzen derer zu schauen, die da zurückbleiben, dann wußte er jetzt alles: ihr Fehlen, ihr Heucheln und ihre Sünde, die furchtbare Sünde, daß selbst sei» halbver­löschtes Leben ihr nicht heilig gewesen. Drau­ßen zog eine Wolke über die strahlende Sonne, der lichte Glanz, der das Gemach erfüllt, erlosch; es wurde dunkler um Isa, und wieder zog es wie ein Schatten über das starre Totenantlitz, ein Ausdruck ernster Strenge lag auf der hohen Stirn.

Isa schlug die Hände vors Gesicht.

Barmherzigkeit, Eott Barmherzigkeit! Vergib, Adolf vergib o!" Ei» wilder Aufschrei entrang sich ihren Lippen, sie brach neben dem Lager zusammen. Doktor Lentheim, der sich im Vorzimmer aufhielt, hatte den Schrei gehört; mit Hilfe der Kammerfrau wurde Isa in ihr Schlafzimmer gebracht und auf eine Chaiselongue gebettet.

Als sie aus ihrer Ohnmacht erwachte, richtete sie sich auf.

Zieh' die Vorhänge zurück," ries sie angst­voll ihrer Dienerin zu,cs ist so dunkel im Zim­mer. Es soll hcl! um mich sein, ganz hell. So" sie atmete wie befreit, als der Sonnenschein zu ihr hereinfluteteso ists schön. Licht Lust o! Das tut gut!" und, sich angstvoll um­schauend, flüsterte sie:

_. »Nur keine Schatten w keine Schütten!*

Vornahme einer Berufs- und Betriebszählung im Jahre 1907 beraten. Eine Generaldebatte entstand nicht. Zum § 3 ging ein Antrag Witt (Ztr.) ein, die Bestimmung wieder aufzuneh­men, daß in den Fragebogen eine Frage nach der Religion eingesügt werde.

Der Präsident des statistischen Amtes van der Borght ersuchte um Ablehnung des Antrages, da ein besonderes Ergebnis aus einer solchen Fragestellung doch nicht zu erzielen sei, und da der Fragebogen ohnehin schon kompliziert mit Fragen überlastet sei.

Abg. Schack (wirtsch. Vergg.) stellte fest, daß 1895 die Frage nach der Religion widerspruchs­los gestellt worden sei. Der Anteil der jüdischen Bevölkerung an den verschiedenen Berufen brauche nicht erst festgestellt zu werden, der sei schon bekannt. Dagegen könnten die Erhebungen wertvolleres Material bringen über das Auf- steigen in die höheren Berufsarten, und hier biete sich Gelegenheit, mit den Erhebungen da­rüber einmal einen Anfang zu machen.

Der Antrag Witt wurde gegen die Linke an­genommen.

Im übrigen gelangte die Vorlage un­verändert zur entgültigen Annahme. Die Frage nach der Religion wurde also in den Fragebogen ausgenommen.

Hierauf folgte die zweite Lesung des Etats­notgesetzes, d. i. des Gesetzentwurfes über die vorlöufiae Regelung des Reichshausbaltes für die Monate April und Mai 1907. Die Frage der Teuerungszulage, die in der Kom­mission den größten Teil der Verhandlungen in Anlvruck genommen hatte, wurde zunächst zu- rückoestellt.

Die Budoetkommission empfahl Annahme des Gesetzentwurfes mit folgenden drei Aenderungen:

1. ist bei den einmaligen Ausgaben des Post­etats der Titel für Erwerbung eines Grund­stücks in der Französischen Straße in Berlin ge­strichen worden,

2. ist gestrichen worden der Betrag zur Ge­währung außerordentlicher einmaliger Beihilfen an die geringste besoldeten Unterbeamten des Reichsdienstes.

Dafür fchluq die Kommission, welche die be­treffenden Beihilfen für zu niedrig erachtet hatte, eine Resolution vor betr. Einstellung wesentlich höherer Beihilfen (100 Mk. für die llnterbeamten, sowie 150 Mk. für alle übrigen Beamten mit böMens 4200 Mk. Gehalt) in den Etat bei der dritten Lesung. Die Regierung wird ersucht, bis dahin ihr Einverständnis aus­zusprechen.

3. ist der Anleihekredit von 200 auf 150 Mk. herabgesetzt worden.

Der Schatzsekretär Frbr. v. Stengel empfahl die Resolution als den Weg zur Verständigung. Der Reichskanzler, so führte er unter stürmischem Beifall der Blockparteien aus, sei für seine Per­son bereit, formell und materiell aus den Boden

Zehntes Kapitel.

Nach tagelang wütenoen Stürmen, die die Insel Eapri umdraust und den Verkehr mit dem atienischen Festlande abgeschnitten hatten, war nun vollständige Windstille gefolgt; das Meer, das gestern noch wild brandens in tollem Wirbel seine Wogen in überstürzender Hast dis weit auf den Strand der Marina hinausjagte, lag still und friedlich, und der blaue Himmel spiegelte sich darin. Und welch' ein Himmel von welch' intenstv leuchtendem Blau, über einem wunder­bar schönen Landschajrsdilde gewölbt. Schars zeichneten sich die Küstenlinien des Meerbusens von Neapel ab, friedlich lag der Vesuv, eine dünne, kerzengerade Rauchsäule ausstoßend, auf der Landzunge zwischen Zitronen- und Orange­wäldchen weiße, glänzende Häuser; weiterhin gleitet der Blick über den Golf von Salerno, über die Ruinen von Pästum und all' dieses ist überflutet vom hellsten Sonnenlicht, um­schmeichelt von lauer, weicher Frühlingsluft.

Hierher auf dies entzückende Eiland, hatte sich Gabriele v. Felsenbach geflüchtet, um in der göttlich schönen Statur, ungehemmt durch ge­sellige Pflichten, neugierige Blicke und mehr oder minder boshafte Bemerkungen, Erholung für ihre überreizten Nerven und Ruhe für ihr krankes, totmüdes Herz zu finden; sie hatte ihr Kind bei sich und Ulrike begleitete sie. Im Hotel bewohnten sie einige elegante Zimmer, speisten an der tobte d'hote, lebten aber im übri­gen mehr zurückgezogen und standen nur mit we­nigen Bewohnern des Hotels auf oberflächlich freundlichem Verkchrsfuß.

Gabi litt unsagbar unter der Trennung von ihrem Gatten; mehr denn je war sie in einer schwankenden, hilflosen Eemütsstimmnng, und aus dieser Stimmung heraus lehnte sie sich nur um so fester an Ulrike, die ihren ganzen Einfluß aufbet, Gabi in dem einmal gefaßten Entschluß einer vollständigen Lösung ihrer Ehe zu bestär­ken. Ulrike Reuchlin stand unentwegt in ihrem Laß «ich in ihrrviLivdleli-enEmvfindunaenRu-

dieser Resoluttion zu treten. Er werde auf« ernsthafteste bemüht sein, mit allen ihm zu Ge­bote stehenden Mitteln bei den verbündeten Re-i gierungen auf die alsbaldige Vorlegung eine» Ergänzungsetats hinzuwirken (lebhafter Bei­fall), durch welchen die Bewilligung der zur Durchführung der Resolution erforderlichen Ausgabebeträge von diesem hohen Hause erbeten wird. (Lebhafter Beifall.) Ferner: Der Reichs­kanzler sei fest entschlossen, die Frage einer organischen Gehaltsaufbesserung im Zusammenhänge mit der Regelung des Woh^ nungsgeldzuschusses für den Etatsentwurf füt 1908 in Angriff zu nehmen, den »erbfiiu beten Regierungen die dazu erforderliche Bor- läge seinerzeit zugehen zu lasten und diese Vor« läge bei den verbündeten Regierungen auch mit allem Nachdruck zu vertreten. (Lebhafter Bei­fall.) Andererseits gebe der Reichskanzler sich der bestimmten Erwartung hin, daß es gelingen werde, im Hinblick auf die sehr erheblichen fi­nanziellen Aufwendungen, welche dem Reich« durch die Ausführung jener Ausgaben erwachsen werden, für das Rechnungsjahr 1908 mit dem hohen Hause zu einer befriedigenden Lösung deg Frage nach der Deckung dieser Aufwendungen zii kommen. Dementsprechend könne er die An­nahme der Resolution nur wärmstens empfehlen.

In der Debatte stellte Abg. Beck (natl.) fest, daß man nach dieser Erklärung vor einer ganz veränderten Sachlage stände und gab seine Freude über diese Erklärung Ausdruck. Das­selbe tat Frhr. v. Richthofen (kons.) welcher fol­gendes sagte: Seit langen Jahren ist den Be­amten noch nicht eine derartige Freud« bereitet worden, wie jetzt durch die Erklärung des Reichskanzlers. Wir geben unserer Genug­tuung darüber Ausdruck; aber wir erklären, die Aufbesserung kann lediglich durch die Re­gierung geschehen, nur dort ist die Uebersicht über alle Verhältnisse, nut dort kann die Sache ganz unparteiisch gemacht werden. Der Redner erläuterte dann diesen staatsrechtlichen Stand­punkt unter lebhaftem Beifall der Rechten.

Dr. Arendt (Rp.) polemisierte gegen Singer (Soz.), dem der Schatzsekretär durch seine Er­klärung das Konzept verdorben habe und wies nach, daß nicht die Zollpolitik, wie Singer be­hauptet, die Notlage der Beamten verschuldet habe, sondern die Steigerung der Kosten der allegemeinen Lebenshaltung.

Nachdem Abg. Speck (Ztr.) hierauf unke« heiteren Zurufen des Hauses den Antrag Eroe- ber zurückgezogen hatte, stellte der Präsident di« Resolution der Kommission zur Abstimmung. Es erhob sich das ganze Haus für dst> Resolution. Der Rest des Etatnotqefetzes wurde nach den Vorschlägen der Kommission ge­nehmigt, wodurch die Anleihevollmacht von 200auf 150 Millionen Mark herabgesetzt wurde,

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peri gegenüber, und sie betrachtete das Leid, da» ihn nun durch Gabi traf, als gerechte Sühne für das durch ihn vernichtete Leben Leos.

Gräfin Natalie lebte indessen in Berlin; st« korrespondierte gewistenhast mit den Töchtern, doch hatte sie den Vorschlag, dieselben zu beglei­ten, entschieden abgelehnt. Sie konnte Gabis Handlungsweise weder verstehen, noch billigte sie diese, und da es ihrem stolzen, groben Sinn widerstrebte, anders zu sprechen, als sie dachte, ober auch nur durch Schweigen eine ihr miß« fällige Handlung anscheinend zu sanktionieren, so hätte das Zusammenleben sich zu einem für alle Teile peinlichen und aufregenden gestaltet, und um dies zu vermeiden, blieb sie den Töchtern fern. Auch Eberts hatten sich von Gabriele mehr zurückgezogen, und sie konnte es sich nicht ver­hehlen, daß man ihre Trennung von Rupert hart verurteilte. Wie litt sie selbst aber darun­ter, wie liebte sie den Gatten, und wie war ef ihr doch immer wieder unmöglich, sich ein fer­neres Zusammenleben mit ihm zu denken.

So hatten sich in aualvoller Seelenpein Wo­chen an Wochen gereiht, und Gabi stand eines Abends lebensmüde auf dem Balkon ihres klei­nen Salons und blickte auf bas herrliche Land­schaftsbild hinaus. Der Nachmittag war schon ziemlich weit vorgerückt, in zwei Stunden sank der Sonnenball ins Meer, und es wurde im Hotel die Mittagstafel zugerichtet; Ulttke hatte sich zu kurzer Ruhe in ihr Zimmer zurückgezogen, die Wätterin spielte auf dem kleinen Teppich des Salons mit der kleinen Rita. Gabi hatte am Morgen einen Brief von Erna Ebert erhalten, und er war die Ursache, daß jetzt langsam Träne um Träne aus den Augen der jungen Frau roll­ten. Zum ersten Male hatte Evi in diesem Briefe Ruperts Erwähnung getan, es geschah nur mit wenigen Worten, aber sie hatten Gabt tief und schmerzlich berührt.

(Fortsetzung folgt.)