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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Marburg
DienStag. 19, Mär, 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag- Joh. Äug. Koch, UniverfitLtll-Buchbruckmi Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
42. Jahrg.
Das Abonnement mit die „Oberhesfifche Zeitung", daS .ßrStzte, meistgelesenste und wett- 'verbreitetste Blatt Marburgs und -er Uiusl kostet vierteljährlich nur 6.25 Mk. Jnserore habe« beste« Erfolg.
Der Eindruck der Erklärung des Reichskanzlers.
_ Die Rede, die Fürst Bülow bei dem Fest- Wahle des Deutschen Landwirtschaftsrates hielt, steht im Vordergründe der politischen Erörie- tung, wie das nicht anders sein kann. Der Kanzler bekannte sich darin auf die Erfahr hin, daß verschiedene seiner Aeußerungen von denen mißdeutet werden dürften, die außer Acht lassen vor welcher Hörerschaft Fürst Bülow gesprochen hat, als unbedingter Schützer der Landwirtschaft und sprach gleich eingangs seiner Ausführungen di« Ueberzeugung aus, daß das Vertrauen zwischen hem deutschen Reichskanzler und der deutschen Landwirtschaft nicht erschüttert sei. Dies Vertrauen werde auch keinen Wandel erfahren durch feine Bereitwilligkeit, eine Reform des Vereinsund Versammlungsrechts und der Strafprozeßordnung durchzuführen. Das wirtschaftliche Programm, das er seit bald sieben Jahren vertrete, Schutz der nationalen Arbeit (nicht jfn t er national.!!, wie völlig sinn widrig in verschiedenen Llätttern zu lesen war!) und Erzeugung wirtschaftlicher Werte solle unangetastet hlriben. Die Landwirtschaft möge überzeugt sein, daß ihre sozialpolitische und politische Bedeutung von den verbündeten Regierungen verstanden und gewürdigt werde.
Mit dieser Erklärung verknüpfte der Kanzler die Hoffnung, daß der Bund der Landwirte bei seinem auf die Förderung der Landwirtschaft gerichteten Bestrebungen auch die berechtigten Forderungen anderer Erwerbs« stände respektieren werde. Unter diesen Forderungen versteht der Reichskanzler in erster Linie die Reform des Börsengesetzes, durch die, er dem linken Flügel der gegenwärtigen Reichs« tagsmehrheit eine Freude machen möchte. Eine diesbezügliche Vorlage sucht er dadurch anzu- empfehlen, daß er ausführte: Auch die Landwirtschaft habe ein Jnteresie daran, daß die Börse als hochwichtiges Wirtschaftsinstrument erhalten und l e i st u n g s fähig erhalten werde. Nuch die Landwirtschaft habe ein Interesse daran, daß unsere Börse gegenüber den Börsen des Auslandes nicht in den Zustand der Inferiorität gerate, daß der hohe Bankdiskont, der mit eine Folge unserer Börsengesetzgebung ist, erniedrigt werde.Auch die Landwirtschaft habe ein Jnteresie btt ran, daß verhindert wird, daß die Börsen von Paris und London die Berliner Börse ganz überflügeln,' ein Jnteresie, daß das deutsche Kapital abgehalten wird, in das Ausland zu jvandern; ein Jnteresie, daß die kleinen Banken tticht ausgesogen werden durch die großen.
> Die Rede des Fürsten Bülow, die abermals sein Meisterstück diplomatischer Kunst, ist natürlich in den Parteiblättern sehr verschieden be- ärteilt worde. Von den rechtsstehender Blättern ußert unbedingte Zustimmung allerdings, nur hie „Post", welche hinsichtlich der Börsenfrage sich folgendermaßen ausspricht: „Man wird hoffen dürfen, daß die Ausführungen des Reichskanzlers die Vorurteile, die in Bezug auf die Bedeutung der Börse und die Reform des Bör- stngesetzes bisher vielfach in landwirtschaftlichen Kreisen noch bestehen, beseittgt oder wenigstens Erheblich gemildert haben werden, und daß dem- tzufolge auch die Aussichten auf eine über die Reparierung von Treu und Glauben hinaus- tzehende Aenderung der jetzigen Börsengesetz- aebung im Reichstage wesentlich günstiger ge- jroorben sind."
v Dagegen klingt es wie verhaltener Groll aus her Aeußerung der „Kreuzztg." und auch die ^Deutsche Tageszeitung", die sich ziemlich zurück- ßaltend äußert, bemerkt u. a.: „Gerade weil wir Ken Wert einer tüchtigen und richtigen Börse erkennen und anerkennen, haben wir uns mit iattet Entschiedenheit gegen jede Abschwächung hes Gesetzes gewandt, das bestimmt und bis zu einem gewissen Grade geeignet war die Börse ju reinigen und ihre Tätigkeit auf das wirtschaftlich notwendige und gedeihliche Maß zurückzuführen."
' Wenn man die Urteile der rechtsstehenden Presse mit den Äußerungen linksliberaler Blätter vergleicht, so muß man freilick den Eindruck gewinnen, daß die Ankündigung einer „Rück- wärtsrevision" des Börsengesetzes unter Umstän- ben den Bestand des nationalen Blockes gefährden könnte. Jedoch fo tragisch braucht man diese Diffonaim für's Erste nicht zu nehmen. Fürst Bülow hat die .zwischen der Rechten und den
Gruppen des Freisinns bestehenden Gegensätze wohl abzuwägen gewußt, als er die jetzige Reichstagsmehrheit zur Mitarbeit berief. Der vollständig unverbindliche Hinweis auf eine mögliche Vörsenreformvorlage ist gewiß nur ein Versuchsballon gewesen, die Stimmung der nationalen Parteien zu erforschen, um festzustellen, wie weit diese der Reichsregierung Gefolgschaft zu leisten bereit find.
Deusscher Reichst««.
In seiner 20. Sitzung am Sonnabend erledigte der Reichstag zunächst ohne Erörterung die dritte Lesung der Vorlage betr. der Hinterbliebenen - Versicherungsfonds, und trat bann in die zweite Lesung des Gesetzentwurfs betr. die Vornahme einer Berufs, und Betriebszählung im Jahre 1907. Hierzu lag vor ein Antrag Dove (fis. Vgg.), der die Ausdehnung bet Fragestellung auch auf die Religion gestrichen wissen wollte, sowie ein Antrag Albrecht sSoz.), bet eine ausführlichere Behandlung bet Fragen in- bezug auf die Berufs-, landwirtschaftliche Betriebs- und gewerbliche Betriebszählung wünschte. Zu den Resolutionen der Kommission bemerkte Staatssekretär Graf Posadowskq, er erkenne an, daß eine Erhebung über eine Eigen- tumsverteilung durchaus erwünscht sei, er müsse jedoch davor warnen, sie in die jetzige Berufsund Betriebszählung mitaufzunehmen, weil es den Eindruck erwecken könne, als fei ein Eindringen in die Vermögensverhältnisie beabsichtigt; auch würde dadurch die Zählung erschwert w'erden. Die Resolution der Kommission wurde darauf angenommen, ebenso der Antrag Dove; der Antrag Albrecht wurde abgelehnt. Es folgte die erste Beratung des Gesetzentwurfs bett. Maßnahmen gegen den Rückgang des Ertrages der Maischbottichsteuer, in Verbindung mit bet ersten Beratung de- Gesetzentwurfs, betr. die Bemessung des Kontingentfußes für landwirt- schaftliche Brennereien. Reichsschatzsekretär Frhr. v. Stengel bemerkte, die den Konttngenifuß betreffende Vorlage habe schon im Vorjahre dem Hause vorgelegen und damals eine sympathische Aufnahme gefunden; er werde auf diese daher nicht näher eingehen. Was die andere Vorlage betreffe, so sei bekannt, wie die Erträge der Maischbottichsteuer im Laufe der Jahre abge- bröckelt seien, infolge der Steigerung der Ausbeute; es sollte jedoch vor 1912 nur eine vorläufige Vorsorge im Interesse des Fiskus getroffen werden. Die 41/» Millionen, die den landwirtschaftlichen Brennereien nach § 2 der Vorlage als Fixum zugewendet werden sollen aus dem Ertrage bei Maischbottichsteuer seien vollständig ausreichend, um sie für das zu entschädigen, was ihnen die Vorlage entziehe. Abg. Pachnicke (frf. Vgg.) bemerkte, seine Partei könne der Kontingents-Vorlage auch in diesem Jahre nicht zustimmen; bei der anderen Vorlage könne sie die Herabsetzung der Prämie nur begrüßen, die Verweisung der Maischbottichsteuer an eine Kommission werde seine Partei schon deshalb wünschen, um gleichfalls den Versuch zu machen sie zu verbessern. Abg. Speck (Ztr.) erklärte, feine Partei habe gegen die Kontingentsvorlage keine prinzipiellen Bedenken. Die im Jahre 1912 in Aussicht gestellte Aufhebung der Maischraumprämie wünschten im Prinzip auch seine Freunde. Auch Kamp (Rp.) befürchtete von der Festsetzung der Vergütung auf 12 Mk. für den Hektoliter eine Schädigung der kleinen Brennereien und erklärte den 4V? Millionen- fonds, der jährlich zu Zuschüssen für ausgeführ- ten und denaturierten Branntwein verwendet werde soll, für durchaus nötig. Er sei der Meinung, daß man die Vorlage im allgemeinen an« nehmen könne. Abg. Sieg (natl.) hielt den 4V2 Millionenfonds für berechtigt, weil et bestimmt fei, die Produktion, die mit der Notwendigkeit der Erhaltung des Kartoffelbaues in Verbindung stehe, auf der Höhe zu erhalten. Abg. Abg Südekum (Soz.) sprach sich gegen eine Entschädigung der Brenner aus. Abg. Dietrich (kons.) trat für die Kontingentsfußvorlaae ein, ebenso für den Ausgleichfonds in der Maisch- bottichsteuer. Man solle nicht vergessen, wie groß die Gesamtbelastung des landwirtschaftlichen Brennereigewerbes sei; da solle man ihnen den Ausgleichfonds doch nicht zu nehmen versuchen. Abg. Schweickbardt ssüdd. Vp.) bedauerte, daß die Regierung bei der Maischbottichsteuer auf halbem Wege stehen bleibe und nicht gleich gänzlich mit den Prämien aufräume. Abg. Boigt-Hall (B. d. L.) wandte sich gegen die Ausführungen der Linken und trat gleichfalls für den Ausgleichsfonds ein. Hierauf wurde die Vorlage betr. Maischbottichsteuer einer Kommission überwiesen.
Montag 2 Uhr: Etatsnotgesetz, Berufszäh- lungsgesetz, Fortsetzung der Besprechung betr. Wahlbeeinflussungen. Schluß 3% Uhr.
Preußischer Landtag.
Das Abgeordnetenhaus fetzte am Sonnabend die zweite Lesung des Kultusetats bei der Beratung des von den Freikon« fervativen, Nationalliberalen und Freisinnigen eingebrachten Antrag» auf Einführung der fachmännischen Schulaufsicht fort. Erster Redner war Abg. Funck (frs. Vp.), der von der Annahme des Antrages eine Umgestaltung des Religionsunterrichts erhoffte und gerade hier Entgegenkommen der Regierung auch für liberale Forderungen forderte. Abg. Hecken- roth (kons.) trat diesen Anschauungen unter lebhaftem Beifall der Rechten entgegen. Beseitigt man erst die geistliche Ortsschulinsvektion, dann werde die Kreisschulinspektion bald nachfolgen. Seine Freunde werden allen Bestrebungen entgegentreten, die letzten Endes auf die Trennung von Kirche und Staat hinauslaufen. Abg. Frhr. v. Zedlitz (kons.) wandte sich mit großer Schärfe gegen den Minister, dem et schöpferisches Wollen ablvrach. Die preußische Volksschule müsse vorbildlich gemacht werden. Ministerialdirektor Schwartzkövft betonte, der Lehrermangel habe mit der geistlichen Ortsschulinspektion nichts zu tun. Gerade unter dem gegenwärtigen Minister sei dem Lehrermangel durch neue Lehrerbelol- dunasanstalten mit Erfolg entgegengetreten. Minister Dr. v. Studt wies nach, daß in den sieben Jahren seiner Tätigkeit manche der gro- ßen Aufgaben erfüllt worden sei, deren Lösung vorher vergeblich angestrebt sei. Abg. Schiffer (natl.) meinte, im preußischen Landtage könne nicht eine andere Politik gemacht werden, als im Reichstage, auch hier müsse der Minister- prästdent den liberalen Forderungen entgegen- kommen. Den Angriffen des Frbrn. v. Zedlitz trat unter gespannter Aufmerksamkeit des Nau- ses der konservative Führer Abg. Dr. v. Hende- brand mit großer Deutlichkeit entgegen. Die Dinge der Reichsvolitik können nicht ohne weiteres auf die Geschäfte des Landtages übertragen werden. Den Ministern in ihrer erponierten Stellung müsse man mit Hochachtung gegenüber- treten. Durch den schroffen Ton des Abg. Frbrn. v. Zedlitz werde das Ausammenaeben der Parteien gefährdet. Die Konservativen seien mit der Amtsführung des Ministers einverstanden und wünschen sein Verbleiben im Amte. Der Antrag wolle Religion und Ebristentum in bei Schule zurückdrängen: daher sei er abzulebnen. Die Konservativen begleiteten diele Ausiüb- runaen mit demonstrativem Beifall. Nach weiteren Reden der Abg. Dr. Norsch kZtr.), Dr. Friedberg (natl.), Frhr. v. Zedlitz sfkons.) u a. wurde der Antrag gegen die Stimmen der Freikonservativen und Liberalen ab gelehnt. Darauf trat Abg. Dr. Porsch (Ztr.) noch für die angegriffenen Franziskanerniederlassungen in Oberschlesien ein. Die Weiterberatung wurde vertagt.
TentscheS Mich.
— Bundesrat. In der letzten Bundesrats- sttzung, die unter dem Vorsitz des Grafen Posa- dowsky abgehalten worden ist, wurde, wie der „R.-A." ergänzend meldet, den Anschlußanträgen, betr. die Regelung des Radfahrver- kehrs, betr. die Besteuerung zigarettenähnlicher Erzeugnisse und betr. Aen- berung der Zuckerausführungsbestimmungen, die Zustimmung erteilt. Ferner wurde angenommen die Vorlage, bett, einen Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und Luxemburg über den Beitritt Luxemburgs zur norddeutschen Brau- steuergemeinschttst. Der „Oftafrika-Kompagnie" wurden die in § 11 des Schuhgebietsgesetzes vorgesehenen Rechte verliehen. Von bet Vorlage bett, den Geschäftsbericht des Reichsver- ficherungsamts für bas Jahr 1906, nahm die Versammlung Kenntnis. Schließlich wurde über mehrere Eingaben Beschluß gefaßt.
— Parlamentarischer Abend. Am Samstag abend fand beim Minister v. Bethmann-Hollweg bet eiste parlamentarische Abend statt, wozu eine große Anzahl Patlamentatiet, darunter zahlreiche Zentrums - Abgeordnete, .erschienen waten.
— Der Deutsche Landwirtschastsrat beriet in feinet letzten Sitzung weitethin übet eine Vereinfachung bezw. Verlegung der militärischen Konttollvetsammlungen für die ländliche Bevölkerung. Hierzu gelangte der nachstehende Antrag der Landwirt- schaftskammer für Waldeck-Pyrmont zur Annahme: „Der deutsche Landwirtschaftstat wolle an höherer Stelle darauf hinwirken, 1. daß eine Vereinfachung der Kontrollversammlungen in bet Art stattfindet, daß bet kontrollierende Offizier die kontrollpflichtigen Mannschaften in deren Wohnorten selbst kontrolliert, soweit eine noch näher zu bestimmende durchschnittliche Anzahl kontrottpflichtiger Personen vorhanden ist,
ober, falls dieser Vorschlag unausführbar ist. dahin wirken zu wollen, 2. daß die Kontrottversammlungen sowohl im Frühjahr als auch tm Herbst nicht in die Hauptbestellzeit fallen. — Endlich stand noch das Aussaatquantum der deutschen Getreideernte und die Gleichstellung Agrikulturchemiker mit den übrigen Vertreter» bet Landwirtschaftswissenschasten an den deutschen Hochschulen zur Erörterung. — Damit schlossen die diesjährigen Verhandlungen de» Landwirtschaftsrates ab.
— Der Zusammentritt de» Börsen-Aur- schusses zu den Vorarbeiten für bie von bet Regierung angekündigte Börsengesetz-Novelle steht, wie von bet „Tägl. Rundschau" gemeldet wird, unmittelbar bevor. Obwohl es der dringende Wunsch des Reichskanzlers ist, di« Novelle noch vor den Sommetfetien dem Reichstage votzulegen, ist es zur Stunde noch zweifelhaft, ob dies gelingen wird. Jedenfalls ist tun« lichste Beschleunigung bet Vorarbeiten angeordnet worden.
— Die Denkschrift über die Eehaltsverhält- niffe der Privatbeamten. Die Denkschrift über bie Eehaltsverhältnisse der Privatbeamten ist vorgestern dem Reichstage zugegangen. Es ist ein umfangreicher Band, der die Resultate eine» im Jahre 1906 veranstalteten Enquete zusam- menfaßt.
— Deutsche Kolonialgesellschaft. Die Sommer-Tagung der Deutschen Kolonialgesellschaft findet am 22. und 23. Mai in Worms statt.
— Die Ernte im Reich 1906. In dem erster Vierteljahrsheft zur Statistik des Deutscher Reichs 1907 wurden die Ergebnisse der Ernte statistik für das Iaht 1906 mitgeteilt. — Geerntet wurden im Jahre 1906:
Dem Vorjahre gegenüber beträgt die M e h r» ernte an Brotgetreide 230 488 Tonnen oder 4- 1,7 v. H. Sommergerste und Hafer, die hauptsächlich zur tierischen, in gewissen Umfange aber doch auch zur menschlichen Ernährung dienen, ergaben zusammen ebenfalls eine Mehr- ernte von 2 074 233 Tonnen ober + 21,9 v. tz. Auch Klee-, Luzernen- und Wiesenheu ergab einen Mehtetttag von 5114 355 Tonnen oder + 13,7 v. H. Dagegen betrug die Minderernte an gesunden Kartoffeln 3774 445 Tonnen oder — 8,4 v. H.
— Zum Diebstahl bet Keim-Briefe. Au» Berlin wird gemeldet: In der Affäre des Diebstahls der Briefe Keims ist gegen den Registrator Janke ein Haftbefehl erlassen, weil et drin« gend verdächtig ist, sich einen Teil bet Briefe im Original mittelst Erbrechens eines Behältnisse» angeeignet zu haben.
• — Einkommensteuerfrei waren in Preuße» im Steuerjahre 1906 nicht weniger als 22225247 Personen. Von diesen entfielen 13 931 351 auf das Land und 8 293 896 auf die Städte. Einkommensteuer hatten im ganzen 14 604 477 Personen zu zahlen. Von diesen fand sich die überwiegend größte Zahl, nämlich 12 896 663 in der Einkommengruppe von 900 bis 3000 Mark. Uebet eine Million Personen, nämlich 1124165, fanden sich noch in der nächsten Gruppe, der Gruppe von 3000 bis 6000 Mark zusammen. Schon die nächste Gruppe aber von 6000 bi» 9500 Mark weist eine bedeutend geringere Zahl, nur 287 219 auf. Gering ist die Differenz zwischen dieser Gruppe und der nächsten 9500 bi» 30 500 Mk.-Gtuppe, denn sie weist immer noch 237107 Personen auf. Die beiden nächsten Gruppen schwinden dafür wieder recht beträchtlich zusammen. Nut 49 321 in der Gruppe von 30 500 bis 100 000 Mark und gar nut 9972 ttt der Gruppe übet 100 000 Mark.
— Dämmernde Erkenntnis bei den »Genossen." In einer am letzten Dienstag zu Die», den abgehaktenen sozialdemokratischen Versammlung, kam es nachdem der verflossene Reichstags- abgeordnete Dr. Gtadnauer gesprochen Hatte, zu einer längeren Debatte, in der „Genosse" Höhn« eine so deutliche Sprache redete, daß darob alles starr vor Erstaunen war. Höhne sagte, daß die Sozialdemokratie sich ihre Niederlage selbst zu« zuschteiben hätte. Viele Stimmen von den drei Millionen seien au» wirtschaftlichen Gründen für die Sozialdemoktafte abgegeben worden. Die Sozialdemokraten hätten aber trotz ihrer großen Anzahl für die Minderbemittelten nichts getan; auf die Dauer könne man die Arbeiter auf den Zukunstsstaat nicht vertrösten, man müsse etwas für die Lebenden tun! Die Sozialdemokraten hätten da, wo die Regierung etwas geboten habe, dagegen gestimmt. Dürfe man sich da noch über den Ausfall der Reichstagswahl wundern? — „Dieser Genosse", so bemerken hierzu die „Leipziger Neuesten Nachr.", denen wir dies entnehmen, „hat das zum Ausdruck gebracht, was Hunderten und Tausenden von Arbeitern schon längst zum Bewußtsein gekommen ist. Die Parteileitung wird sicherlich keine Freude über diese Deutlichkeit haben und de»