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mit dem Kreis-Latt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Lonntaa-beUaaer SHMtetetel
Erstes Blatt
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lNachdruck verboten.)
Durch das ganze Mittelalter sehen wir dann über ganz Polen sich ein Retz deutscher Siedelun- gen ausspannen: freies und betriebsames deutsches Bürgertum inmitten slavischer Hörigkeit. Ohne den Zerfall unseres Reiches, zumal im Gefolge verlorener Glaubens-Einheit sowie blutiger Bruderkriege, die unsere völkische Kraft lähmten, wäre Polen heute halb deutsch.
Alsdann geschah, nach Ueberwindung tatarischer und mongolischer Fremdherrschaft, eine Wiedergeburt des russischen Reiches, und zwar seit dem Zaren Peter, wesentlich durch deutsche, geistige und gewerkige Kraft, durch ihre Betätigung in Kunst und Wissenschaft. Und die Träger solcher Sittigung waren nicht nur etwa ausschließlich Balten, sondern Deutsche aller Stämme und Gaue. Ebenso waren es vor allem deutsche Männer, im Staatsrate wie im Heere, die 1812 Rußland über den korsischen Vergewaltiger triumphieren ließen.
Tief nach Rußland hinein finden sich heute noch deutsche Siedelungen: in der Krim, die einst gothische, noch bis um 1580 dauernde Bevölkerung hegte, sowie an der Wolga in zwei großen Gruppen, bei Saratow und Sarexta. Mit der Kenntnis der deutschen Sprache wird man jedenfalls in russischen Städten durchkommen: wenn auch nicht überall auf dem platten Lande. Irrtümlich ist die Ansicht, als ob die französische Sprache für Handel und Wandel, für allen Verkehr im Osten von vorwaltendem Belange wäre. Diese Sprache hat nur in ganz bestimmten mehr höfischen Eesellschaftsschichten, sozusagen, diplomatische Giltigkeit. Russische Bürger verstehen wohl etwas Deutsch, selten jedoch Französisch. Das fand ich bestätigt bei Hunderten russischer Studenten, mit denen ich während dreier Jahrzehnte als Dozent in Fühlung kam.
Vor solches Vorwiegen deutscher Sprache im Osten tritt noch ein Umstand hinzu. Jüdische Bevölkerungen, die Hebräisch als Muttersprache nicht länger beherrschen, reden untereinander ein allerdings nach Ländern verschieden beeinflußtes und gefärbtes Deutsch. Solches gilt weiterhin durch Europa. Juden aber gibt es in Rußland wohl drei Millionen von der Weichsel bis zum Urals.
So erzählt H u m b o l d t, ihn hätten einst in Mittelasien seine sprachlichen Kenntnisse im Stiche gelassen; da habe er einen jüdischen Handelsmann getroffen, der habe Deutsch verstanden und ihm als Dolmetscher gedient. — Zu Fuße wandernd mag man, mit ausschließlicher Kenntnis der deutschen Sprache bis Kasan und Warna, vielleicht sogar bis Konstantinopel gelangen. Hier verständigten sich vor etlichen Jahren einmal Türken und Japaner, indem man beiderseits auf Deutsch die Unterhaltung führte. Solcher Geltungsbereich unserer Sprache wäre, ohne eigene völkische, erbliche Schwäche, noch weiter erstreckt und mehr vertieft worden. Aber keine andere Rasse verrät, bei Berührung mit
ftemden Völkern, gleiche schwächliche Demut wie unsere'seit des Mittelalters stotzen Tagen Volks- tümlich entartete Ratton.
So müssen uns erst Fremde belehren, daß, wie die deutsche Sprache, so auch die deutsche Buchstaben-Präge im Auslande bekannt sei. Wir selbst mißachten ja unser Erbe und Eigen, unserer Ahnen Ruhm. Staatliche Verhältnisse und die gesamte wirtschaftliche Enttvick- lung haben gleichermaßen das Deutschtum zur Führerschaft im Osten berufen. In Rußland herrscht für das erloschene Geschlecht der Romanows heute das Haus Oldenburg: der Zar ist Vollbluts-Deutscher; in Rumänien waltet ein Hohenzoller; zu Sofia sitzt ein Koburger: in Griechenland wiederum herrscht ein Oldenburger. Wie in Rußland ist es auch hier der holsteinische Zweig des Oldenburgischen Gesamt- Hauses, das ebenso auf den dänischen Thron gelangte.
Deutsche Betriebsamkeit als Trägerin alles gewerblichen Fortschrittes, findet weithin durch Polen, Rußland, auf der Balkan-Halbinsel, sowie in Kleinasien ihre Absatzgebiete. Und mit solchen Waren und geistigen Erzeugnissen darf auch die deutsche Sprache ihren Siegeszug vollenden, im Wettbewerbe mit anderen Zungen, als Verständigungsmittel für Länder und- Völker im östlichen Europa.
Geistige Abhängigkeit Rußlands von deutschem Wissen hat überhaupt seit den beiden letzten Jahrhunderten bis zur Stunde nicht aufgehört. Man mustere doch nur die namentliche Aufstellung seiner besten Staatsmänner und Heerführer! — Wie viele deutsche Namen!
Erscheint wöchentlich sieben mal. ,
Druck und Verlag' Joh. Kug. Koch, UmverfitAS-Buchdruckerei 4a.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Sonntag. 17. Mirz 1907.
wird man in Deutschland nur allseitig Freud« darüber empfinden, daß die Begeisterung, mt( der Prinz Heinrich vom holländischen Volke tu jenen Tagen begrüßt wurde, wo immer er sich zeigte, zur Festigung seines Eheglückes beitrage« dürfte. Wenn aber nun jede Ordensverleihun- als erster Faden einer englisch-holländische« Naht benutzt wird. Einigermaßen befremdlich muß es auch berühren, daß man in England jetzt auf Louis Bothas Transvaal-Ministerium all ein Moment der Versöhnung zwischen Hollah und England htnweist. Gerade dieses Mini» sterium ist doch die Antwort des holländische« Elementes in Südafrika auf die Vergewaltiguna die England dem Transvaallande angetan hak
Noch sonderbarer berühren die englischen B» mühungen, Rußland vor den Wagen ^iner deutschfeindlichen Ränke zu spannen. Hierzu soll- ten in letzter Zeit namentlich zwei Vorfälle dienen' das rnssilch-enalische Poroeben in Persie« und der Besuch der Kaiserin Maria von Ruß, land in England. Die hohe Frau hatte sich glei? bei ihrer Ankunft in Dover aegenüber den zt ihrem Empfange anwesenden Persönlichkeiten in äußerst liebenswürdiger Weise Über die große Aufmerksamkeit ausgesprochen, die ihr vom Kaiser Wilhelm und der kaiserlichen Familie bei ihrem kurzen Berliner Aufenthalt erwiesen sei, und sie hatte damit am besten jeder deutsch-feind lichen Deutung ihres Besuches vorgebeugt, Gleichwohl haben die Blätter von der Richtung der „Times" und „Daily Mail" den Besuch der Kaiserin in der genannten Richtung polittsch verwertet. So wenig sachlich dies gegenüber Deutschlands unbezweifelter Friedensliebe sein mag, so läßt sich das große politische Geschick nicht verkennen, das hier zum Ausdruck gelangt, und da muß man allerdings zugestehen, daß di, deutsche Presse keineswegs durchweg so wachsam auf ihren Posten ist, wie für die Interessen unseres Vaterlandes wünschenswert wäre. Man darf in Deutschland nie ermüden, aufmerksam auf diese Wetterseite unserer nationalen Politik zu blicken. "
Verschütten von dem ausströmenden Wasser mit fortgeführt, an dem Glase entlang. Rupert stutzt — zu lange mit der Pflege des Fürsten vertraut, weiß er, daß derselbe nie einen Zusatz von Zucker zum Wasser genommen noch irgend ein Medikament in Pulverform erhalten hat: feine Augen richten sich unwillkürlich auf die Baronin, es liegt zunächst nichts darin als eine stumm« Frage, der Frau aber ist es, als ob diese Blicke ihr tief in das sündige Herz hineinschauten, als ob sie das Geständnis ihrer Schuld von ihren Mienen lasen.
„Geben Sie," sagt Isa, die Hand nach dem Glase ausstreckend. Felsenbach sieht, daß dies« Hand zittert: noch ahnt er das Furchtbare nicht, aber instinktiv entzieht er das Glas ihrer Berührung, schellt, befiehlt dem eintretenden Diener, frisches Wasser zu bringen und bei Sr. Durchlaucht zu bleiben, dann wendet er sich zur Tür, die in das Vorzimmer führt. Der Prinz ist matt in die Kiffen zurückgesunken, teilnahmslos gegen das, was sich um ihn herum zuträgt, aber Isa hat die Situation begriffen. Mit fliegenden Schritten folgt sie Felsenbach: er steht am Fenster, um den Inhalt des Glases genauer zu prüfen.
„Merkwürdig, Baronin," wendet er sich zu ihr, „das Wasser war mit irgend einer weißlichen Substanz vermischt; ich werde Doktor Leutheim", so hieß der Leibarzt des Prinzen, „bei seiner Rückkehr von Straßburg die Wahrnehmung mitteilen, und den Rest zur Untersuchung übergeben."
Und wieder ruhten seine Augen auf ihr, und dieses Mal wirklich forschend, erstaunt — das Frauenantlitz da vor ihm erscheint schreckhaft verzerrt, und es ist ihm, als höre er die Zähne Isas wie im Fieberschauer an einander schlagen.
"Nein, nein — nicht Leutheim geben," ringt
Deutsches Reich.
— Die Berggesetznovelle. Die Kommission des Abgeordnetenhauses zur Vorberatung der Berggesetznovelle nahm in ihrer Sitzung am Mittwoch den grundlegenden § 2 der Regierungsvorlage in folgender Fassung an: „Die Aufsuchung und Gewinnung der Steinkohle, des Steinsalzes, sowie der Kali-, Magnesia- und Vohrsalze nebst den mit diesen Salzen auf der nämlichen Lagerstätte vorkommenden Salze« und Solquellen steht allein dem Staat zu. Der Staat kann das Recht zur Aufsuchung und G» winnung des Steinsalzes, der Kali-, Magnesia, und Bohnsalze und der Solquellen an ander« Personen übertragen. Die Uebertragung soll i« der Regel gegen Entschädigung und auf Zeit erfolgen. — Da» Bergwerkseigentum an den Steinkohlenfeldern bleibt bem Staate bis zum Höchstbetrag« von 250 Maximalfeldern vorbe« halten. Dasselbe wird ihm durch den Mini- nichts, was dich zu mir zurückführen kann — nichts?"
„Nichts, Isa!«
Ein krampfhaftes, unterdrücktes Schluchze« entringt sich ihrer Brust. ,, , ,
„Isa", sagt er ernst, aber nicht hart, „ich hab« dich einst geliebt, du wußtest nicht, wie sehr, und du selbst bist schuld, daß diese Liebe in meinem Herzen gestorben ist. Die Erinnerung an die« kurze Glück, das du mir gegeben, ist nicht aait| erloschen, es läßt mich ein milder Richter sei«, und das Enffetzlichste dieses Tages soll mit bei« Sinken desselben begraben werden zwischen dir und mir. Den Prinzen werde ich zu schütze« wissen —"
Sie hat sich aufgerichtet; Schmerz und Stotz kämpfen auf ihrem Antlitz.
„Keine Sorge um seinetwillen," sagt st« bebend, „für meine Liebe hätte ich zur Verbre, cherin werden können, deinen Besitz wollte ich erringen, und wenn nicht anders, meine Seligkeit hätte ich dafür gegeben — das ist nun vorbH ganz und für immer. Meine Zukunft wird qualvoll bleiben, ob an feiner Seite, ob ohne ibn) was kann fein Tod mir nützen — was sein Leben mir schaden?"
Rupert antwortet nichts; er tritt an be« Tisch, auf ben er bas Glas gestellt, ergreift es und schleudert es in weitem Bogen hinaus auf den Schloßhof — es zerschellt auf der Stein- Pflasterung, und der herabströmende Gewitterregen verlöscht die verhängnisvollen Spuren, die noch an den Scherben haften.
Das Wetter ist vollends heraufgezogen; vom dunklen Himmel zucken die Blitze in leuchtendem Zickzack hernieder, der Donner rollt, und bet: Sturm wühlt in ben Fluten der Jll und zerzaust die Kronen der Parkbäume.
(Fortsetzung folgt.)
Schatten.
Roman von B. v. b. Lancken.
(Fortsetzung).
Der Kranke regte sich, ein kaum merkliches Zucken der Lider, wie es hin und wieder dem Erwachen vorangeht, bann schlägt er die Augen auf und sieht mit mattem, glanzlosem Blick um sich, richtet sich langsam, auf den Ellenbogen gestützt, auf und greift nach dem vor seinem Bette stehenden Glase.
„Trinken," sagt et matt. Roch ehe Felsenbach ihm das Gewünschte reichen kann, ist Isa heran- Ketreten und reicht ihm das Glas. Der Prinz führt es an die Lippen und trinkt, aber schon Nach dem ersten Schluck schiebt er es zurück.
„Es ist nicht frisch — ist abgestanden," sagt er hüt einem verdrießlichen Ausdruck in Ton und Blick.
„Das ist nicht möglich, Adolf — vor kaum einer Viertelstunde habe ich es aus der Karaffe dort frisch gefüllt," drängte Isa.
Ihre Pulse klopfen, ihre Brust hebt und senkt sich in stürmischer Erregung, und sie tut, was sie bei ruhiger Ueberlegung nicht getan hätte, sie Nähert das Glas von neuem ben Lippen bes Fürsten. Zu dem Eigensinn des Kranken gesellt sich bei dieser Nichterfüllung seines Wunsches eine gewisse Heftigkeit, mit einer raschen, ungeduldigen Bewegung stößt er die Hand der Baronin zurück, das Glas entfällt ihr und ergießt seinen Inhalt über ihr Kleid und den Teppich. Unwillkürlich weicht Isa zurück, und Felsenbach springt rasch herzu, zu rasch, als daß es ihr möglich ge- weseil wäre, ihm zuvorzukommen, bückt er sich, hebt das Glas auf und wirft zufällig einen Blick hinein — ein kleiner Rest des Pulvers war ungelöst und zieht sich über den Boden und, beim
Deutsche Verkehrssprache im Oste«.
- Unter diesem treffenden Titel veröffentlicht Hermann v. Pfister-Schwaighusen in bet „Deutschen Tageszeitung" einen Aufsatz, bem weiteste Verbreitung zu wünschen ist. Der verdienstvolle Vorkämpfer und Förderer des Deutschtums weift in der Einleitung zu seiner Betrachtung auf die geschichtliche Bedeutsamkeit der deutschen Sprache in der gesamten slavischen Welt hin, insbesondere auf die Tatsache, daß Deutsch als Verständigungsmittel mehrzüngiger slavischer Stämme untereinander gilt, und fährt dann fort: „Bei ihren, in regelmäßigen Fristen wiederkehrenden, gemeinsamen allslavischen Tagungen müssen Moskowiter, Polen, Tschechen, Slowenen, Serben usw. wohl oder übel sich de u t s ch e r Sprache für ihre Verhandlungen bedienen. Es ist dieser Umstand ein l aunischer Trick des Schicksales; denn die Gegenstände für ihre Zusammenkünfte kehren ihre Spitze ja vielfach gerade wider deutschen Einfluß; sei es auf wirtlschaftlichem, fei es auf staatsmäßigem Gebiete. So konnte jüngster Zeit sich ein Redner nicht des sauersüßen Scherzes enthalten, die Muttersprache für alle Slaven scheine Deutsch zu fein. Ebenso ist ja auch ein führendes Blatt der Tschechen zu Prag die in deutscher Sprache geschriebene deutschfeindliche „Politik". — Die Macht der tatsächlichen Verhältnisse zwingt auch widerstrebende Geister in ihren Bann. Wir wollen davon die Geschichte zeugen lassen, wie bem brutschen Volke in slavischem Bereiche doch gleichwohl eine Führers-Rolle zufiel. Rassenhaft sind sich ja Deutsche und Slaven nahe verwandt; nur fehlt bem Slaven eine gewisse geistige Spannung unb gemütsame Entschiedenheit. Ihm haftet etwas Zerfahrenes und Träumerisches an.
In die Weltgeschichte treten die Slaven unter einem Abhängigkeits-Verhältnisse ein vom großen Gothen-Reiche Kaisers Ermenrichs (Air- mananreiks), das vorm Anpralle zahlloser hunnischer Horden zerfiel (375 n. Ehr.). Vier und ein halbes Jahrhundert später gründeten baltische Germanen, die Russen, deren deutscher Name bann auf die Unterworfenen überging, germanische Reiche zu Naugard (Nowgorod), Moskau, Kijew. So schloß die Völkerwanderung gewissermaßen auch dort ab, wo sie begonnen hatte, im Osten. Eigentümlich, daß sowohl Eal- liet als Moskowiter als Besiegte heute noch den tarnen ihrer einstigen germanischen Herren tragen und Franken, beziehentlich Russen heißen.
Vierteljährlicher BezugSpreiSi bet oet Erküition 2 Mk, •w» /es b« allen Postämtern 2,25 Mk. <ejcUBestellgeld).
«/VX Du AnserilonSgebühr: die gespaltene Zeile oder veren Raum 15 Pf«.
Reclamm: die Zeile 80 Pfg.
Englische Ranke.
Man muß es der englischen Presse lassen, daß sie es meisterlich versteht, auf bestimmte politische Ziele mit planmäßiger Einheitlichkeit hin zu arbeiten. Seit Jahren ist nun das vornehmste politische Ziel der dünnen Oberschicht, die Großbritanniens Geschicke bestimmt die Einkreisung und völlige Vereinzelung Deutschlands. Zu dieser fehlen im Augenblick nur noch zwei Gruppen: die holländisch-belgische und Rußland. Obwohl man es nicht für glaubhaft halten sollte, daß bei ben herzlichen Beziehungen, die zwischen den Höfen vom Haag und von Berlin bestehen, und bei dem geschichtlichen Gegensätze zwischen den Niederlanden und England, eine Verdächtigung Deutschlands gerade dort den englischen Jntri- aanten gelingen könnte, so sind doch zweifellos geschickten Hände in dieser Richtung am Werke. Die tapfere Haltung, die Prinz Heinrich der Niederlande bei der Rettung der Schiffbrüchigen von der „Berlin" am Hoek »an Holland bewiesen hatte, veranlaßte ben König Eduard, bem Prinzen einen Orden zu verleihen. Das war an sich umso natürlicher, als die „Berlin" ja von einem englischen Kapitän geführt war, der fein Leben mit feinem guten Schiffe gelassen hat. Auch er^sich endlich über ihre Lippen, „nicht Leut« heim —“
„Isa?"
Er sagt nur dies eine Wort, es liegt eine angstvoll entsetzte Frage darin, ihr aber klingt daraus eine entsetzliche Anklage entgegen, und wie ihr Richter erscheint ihr die Hobe, stolze Männergestatt, ein Richter, vor dem keine leeren Phrasen, kein Leugnen Stand hält; die Arme gegen ihn ausstreckend, bricht sie zusammen, unb in verzweiflungsvollem Stöhnen flüstert sie:
„Gnade, Rupert, Gnade — Barmherzigkeit!« Sie sinkt vornüber, ihre Stirn berührt den Boden: jetzt erst kommt Felsenbach eine Erkenntnis bet Wcchrheit.
„Isa — um Gottes willen, bas, bas kann ja nicht möglich fein, Jage, daß es nicht ist," ruft er.
Er erhält keine Antwort; ber herrliche, stolze Frauenkörper liegt regungslos wie gebrochen zu feinen Füßen. Er beugt sich hinab und hebt sie auf unb trägt bie Lieblose zu einem Sessel, ihr Haupt finkt schwer in die seidenen Polster, sie schlägt die Augen auf, und diese Augen sagen ihm alles. Er schaudert, und doch kann er eines eigenartigen Gefühls sich nicht erwehren. Diesen zuckenden, halb geöfneten Mund hat er geküßt, biefet Mund hat Worte süßer, hingebender Liebe zu ihm gesprochen, diese tiefen, unergründlichen Augen waren seine Welt — in diesem Werbe sah er die Verkörperung alles dessen, was schon, gut und edel und dies Weib — eine Verbrechern! — es durchrieselt ihn eiseskalt; von allen schweren Stunden seines Lebens ist dies die schwerste, die dunkelste — er weicht langsam zurück und lehnt sich an bie Wand. . .
„Rupert, vergib," bittet ^|a, „rch habe ja nie geahnt, wie sehr ich dich liebte. — Was ich tat — ich tat es um dich. Sag' es, Rupert," rief sie mit plötzlich ausbrechender Leidenschaft, „sag'. Hast btt ganz aufgehört, mich zu lieben, gibt es