MchW ZeilitU
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
SonntaLsbeilaaer StHufhMed * *
Jto 64
Vierteljährlicher Bezugspreis^ bet oer Expedition 2 Mk^ bet allen Postämtern 2,25 Mr. KejcU Bestellgeld).
JnserttonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum iS Pfg.
Reclamen: die -seile 3" Pfg.
Marburg
Sonnabend. 16. März 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UntvcrsitSts-Buchdruckerei
Marburg, Marft 21. — Telephon 55.
42. Jahrg
Zweites Blatt.
Das Kriegervereinswesen in Elsaß- Lothringen.
Welchen Aufschwung das Kriegervereins- toejen in Elsaß-Lothringen gewonnen hat, ergibt sich aus der vom Elsaß-Lothringischen Krie- ger-Verbandsblatt mitgeteilten Tatsache, das! seit der Gründung des Elsaß-Lothringischen Krieger-Landesverbandes im Jahre 1891 die Zahl der Mitglieder von 13 000 auf rund 35 000 , gestiegen ist. Ebenso ist es jür die Zusammensetzung der Vereine hochbedeutend, daß die Mitglieder jetzt zu 80 v. H. aus gedienten Eingeborenen und zu 20 v. H. aus Altdeutschen bestehen, wahrend 1891 das Verhältnis umgekehrt war. Der Zuwachs an Vereinen steigert sich von Jahr zu Jahr, in gleichem Maße aber auch die Leistungen des Landesverbandes auf dem Gebiete der kameradschaftlichen Nächstenliebe, deren Betätigung bekanntlich einen Hauptpunkt in dem Programm der deutschen Kriegervereine bildet. Die Unterstützungseinrichtungen des Elsaß-Lothringischen Krieger-Lande,sverbandes find im ganzen deutschen Reiche als , vorzüglich anerkannt. In erster Linie gewähren die einzelnen Vereine ihren notleidenden Vereinsmit- aliedern und den Witwen in Unglücksfällen aller Art, bei Todesfällen, Arbeitslosigkeit, zur Erziehung der Kinder usw. Unterstützungen, welche im Vorjahre, den Betrag von rund 80 000 Mark erreicht haben. In zweiter Linie wird den Bezirksverbänden aus den Beiträgen ein nach der Kopfzahl bemessener Betrag zu Unter» stützungszwecken zur Verfügung gestellt. Der Betrag (im Jahre 1906 rund 5000 <40 ist für diesen Winter wegen der ungewöhnlichen Steigerung der Preise aller Lebensbedürfnisse noch um 2100 M erhöht worden. In dritter Linie verfügt der Landesverband über eine Witwen» und Waisen-Stiftung, deren Grundkapital bereits auf 90 000 M angewachsen ist. Aus dieser find vom Verbandsvorstande für das Jahr 1907 soeben angewiesen worden für 192 Witwen mit 824 Kindern und für 13 Vollwaisen 11539 M, welcher Betrag durch Nachbewilligungen im Laufe des Jahres auf 13—14 000 Ist sich erhöhen wird. Die Mittel werden aufgebracht aus feststehenden Beiträgen, freiwilligen Sammlungen (sogen. Fechterträgnissen), Wohltätigkeitsveranstaltungen, Lotterieen, Anstchtspostkarten-Ver- trieb usw. Hiernach stellen sich die Leistungen der Kriegervereine in Elsaß-Lothringen zu Un- terstützungszwecken jährlich auf über 100000 dt, ein Ergebnis, auf welches die Kriegervereine wahrlich stolz sein können, und welches die Behauptung der Gegner, die Kriegervereine könnten nur Feste feiern und Hurra rufen, glänzend widerlegt. Möge diese Darstellung zugleich dahin wirken, daß den Veranstaltungen der Krie- gervereine zu Wohltätigkeitszwecken in den weitsten Kreisen der Bevölkerung ein lebhaftes Interesse entgegengebracht werde.
a==~i' _____
Nachdruck verboten.
Als der FrMing kam.
Von Hans Albrecht- Cassel.
(Schluß.)
Ein dumpfes Stöhnen entrang sich Wießners Brust. Wie deutlich hat ihn die Erinnerung zu jener Stunde zurückgeführt und es sind nun doch schon zehn Jahre, zehn volle Jahre seitdem vergangen! Jahre der Arbeit im vollsten Sinne des Wortes und doch hat er in allen Kämpfen und Stürmen des Lebens das heißgeliebte Mädchen nicht vergessen. War's dock sein liebster Gedanke, sein höchster Stolz, daß er auch für Erna arbeitete und entbehrte, daß auch ihr all sein Streben galt!
Anfangs hatten sich die Liebenden ost geschrieben, lange, zärtliche Briefe — dann plötzlich erhielt Max Wießner kein Lebenszeichen von Erna mehr. Besorgt forschte er nach — vergebens. Sein Verdacht, daß der strenge Vater Ernas den Briefwechsel entdeckt und eine Fortsetzung desselben unmöglich gemacht habe, gewann an Wahrscheinlichkeit. Und dann ' war eines Tages ein schweres Geschick über Max hereingebrochen: man sandte ihm eine Zeitung aus Ernas Wohnorte zu — anonym und vielleicht mit boshafter Schadenfreude — denn das Blatt enthielt die Namen des geliebten Mädchens und eines adeligen Offiziers der benachbarten Garnison — als Vermählte!
Da hatte ein wilder, leidenschaftlicher Schmerz sich aufgebäumt in der Brust des jungen
Hessen-Nassau und Nachbargebiete.
Cassel, 14. März. Die Eröffnung des Kommunallandtages des Regierungsbezirks Cassel wird im Saal des Ständehauses am Montag, den 29. April, nachmittags 5 Uhr, durch Se. Exzellenz den Herrn Oberpräsidenten von Windheim und die Eröffnung des Provinziallandtages für Hessen-Nassau am Mittwoch, den 1. Mai, nachmittags 5 Uhr, erfolgen.
Eschwege, 13. März. Zu den Aufforstungsarbeiten auf dem Eichsfelde, die in diesem Jahre ausgeführt werden sollen, ist die Heranziehung von Gefangenen geplant. Zu diesem Zwecke soll, wie verlautet, das Gerichtsgefängnis zu Eschwege als Sammelpunkt dienen und sollen die Gefangenen von hier aus morgens durch Aufseher nach den Aufforstungsbezirken gebracht und abends wieder rücktransportiert werden.
Fulda, 12. März. Laut „Fuld. Ztg." wollen eine Anzahl Mitglieder der Schreiner-Innung, meistens aus dem Kreise, abermals den Antrag auf Auflösung der Innung stellen. Die Innung besteht seit dem 1. Juli 1904.
Aus der Rhön, 12. März. In Fuchsstadt bei Hammelburg sind vier gefüllte Scheunen nebst Stallungen abgebrannt. Wegen Verdachts, diesen Brand in der Scheune des Bauern Fabian Pfülb verursacht zu haben wurde der 18jährige Sohn des Bauern Michael Keller in Fuchsstadt sestgenommen. Einige Tage vor dem Brande hatte er im Walde ein fremdes Mädchen Überfällen, das ihn in der Kirche erkannte und Anzeige erstattete. Auch ein Diebstahl wird dem Keller zur Last gelegt.
Frankfurt a. M., 12. März. Die Stadtverordneten erklärten die angefochtene Wahl Dr. Quarcks für gülttg, und ersuchten bei der Etatsberatung den Magistrat, die in Bockenheim noch bestehenden Verbrauchsabgaben am 1. April 1908 aufzuheben.
Offenbach, 12. März. Die Wahl des Sozialdemokraten Weipert zum unbesoldeten Beigeord- neten ist vom Eroßherzog nicht bestätigt worden.
Groß-Gerau, 11. März. Im besten Mannesalter verschied der Rektor der hiesigen höheren Bürgerschule, Herr Professor Ludw. Kircher (geb. 1863 zu Nidda als Sohn des Eerichtsschreioers Kircher, verließ das Gymnasium in Büdingen 1888, studierte zu Gießen und Marburg klassische Philologie, seit 1892 Dirigent und Rektor der hiesigen höheren Bürgerschule, (jetzt Realschule mit Progymnastum) an einem Schlaganfall. Prof. Kircher war hier und in der Umgegend eine sehr beliebte und hochgeachtete Persönlichkeit.
Darmstadt, 12. März. Der Landtag bewilligte zur Bekämpfung der Reblausgefahr 45 000 Ji, zur Hebung des Kleinwinzerstandes in Hessen 2000 M und zur Bekämpfung des Heu- und Sauerwurmes 1000 Jt. Letztere Summe kann auch zur Bekämpfung der Reblaus verwandt werden.
Warburg, 12. März. Ein vierzehnjähriger Schüler aus Fredenburg lockte einen sechsjährigen Knaben in den Wald, ermordete ihn mit Beilhieben und warf die Leiche ins Wasser. Der Mörder wurde verhaftet. (Diese Notiz geht augenblicklich durch die Blätter. Wir glauben, daß es sich um den kürzlich aus dorttger Gegend bereits gemeldeten ähnlichen Fall und nicht um einen neuen handelt.)
Eisenach, 11. März. Zu der int Juli 1907 stattfindenden Siebenjahrhundertfeier des Sän-
Mannes, er hatte mit der Vorsehung, der Wett und sich selbst gehadert — und so sehr er auch Erna der Untreue zieh, in seiner Brust sprach ihr ein beredter Anwalt das Wort, die Liebe!
Gewiß, Erna hatte dem Willen des Vaters, der stets „eine standesgemäße Partie" für seine Tochter gewünscht, nachgeben müssen, mit blutendem Herzen wobl, denn sie liebte ja den talentvollen Dichter, liebte ihn mit ganzer Seele und würde ihn lieben bis zum letzten Hauch! — Stand es nicht so und in vielen Variationen in den Briefen, die er als kostbares Gut aufbewahrte?
Max hoffte von Tag zu Tag, daß Erna ihm schreiben, das Geschehene erklären werde — umsonst! Da faßte es ihn wie Verzweiflung und in einer von trüben Ahnungen erfüllten Stunde sandte er der Geliebten, die jetzt die Erwählte eines andern war, ihre Briefe und alle die nichtigen, kleinen Geschenke zurück, die nur die Liebe des Gebenden weiht. Er erbat sich ein Gleiches von Erna. Und dann war ein langes, ausführliches Schreiben von ihrer Hand gekommen, in dem sie mit flehenden Worten Wießners Verzeihung erbat. Sie klagte sich selbst in harter Weise an, daß sie dem starren Willen des Vaters, der ihr mit Verstoßung gedroht, wenn die Tochter ihre Existenz mit der eines aussichtslosen Literaten verbände, nachgegeben habe. Nicht aus Liebe! Und ihre Ehe war keine glückliche — das las Max aus den erregt hingeworfenen Zeilen. Sie mußte Abschied von ihm nehmen, chrieb Erna, sie fürchte den Zorn ihres Gatten, wenn et von dieser Korrespondenz erfahre. Ihre
gerkrieges auf der Wartburg ist u. a. die Veranstaltung historischer Festzüge von Eisenach zur Wartburg, die Aufführung des „Tannhäuser" durch die Weimarer Hofoper, ferner sind Wartburgfestspiele im Burghofe der Wartburg und die szenische Darstellung des Rosenwunders der hl. Elisabeth am Elisabethbrunnen geplant. Der Großherzog von Sachsen-Weimar bekundet für die Festlichkeiten lebhaftes Interesse. Die endgültige Festsetzung des Programms bleibt einem Komitee überlassen, in dem auch die ersten deutschen Künstler, Gelehrte und Dichter vertreten sein sollen.
Wissenschaft, Kunst und Leben.
* Magdeburg, 12. März. Flüssiger Sauerstoff unter Zuführung von Mischgasen als Anttiebmittel für Kraftwagen wurde vor einigen Tagen in Magdeburg einer Versammlung von Fachleuten vorgeführt und erregte allgemeines Erstaunen, da sich weder Rauch noch Geruch dabei entwickelte und die Kosten dieses Antriebmittels sich auf den zehnten Teil des Benzinpreises stellen sollen. (?) Außerdem ist noch zu erwähnen, daß die Zylinder bei schärfster Gangart kühl blieben und keinerlei Rußansatz zeigten.
# Eine bedeutsame archäologische Entdeckung wurde nach dem „B. T." in Cattolica Eraclea auf Sizilien gemacht. Man fand dort das Erundgemäuer eines großen, prächtigen, antiken Theaters. Es sind Ausgrabungen großen Stils angeordnet.
* Gelsenkirchen, 13. März. Rach den vom Institut für Hygiene und Batteriologie herausgegebenen Bericht über den Stand der ansteckenden Krankheiten im Ruhrkohlengebiet vorn 3. Februar bis zum 2. März ist die Anzahl der zur amtlichen Meldung gekommenen Typhusfälle nicht sehr hoch: sie beträgt im ganzen 66, dazu kommen 4 Verdachtsfälle. An Ruhr kamen 7 Erkrankungen vor. Im ganzen kamen 498 Scharlachfälle in den 4 Wochen der Berichtszeit zur Meldung: die Zahl ist nach wie vor sehr hoch. Noch immer steht Dortmund-Stadt mit 59 Fällen an der Spitze. Nicht weniger als 567 Diphtheriefälle kamen zur amtttchen Kenntnis; das bedeutet, daß selbst die als sehr hoch bezeichneten Zahlen des Vorberichts noch überschritten wurden. An Kindbettfieber kamen 38 Fälle zur Meldung, die sich ziemlich gleichmäßig auf 19 Stadt- und Landkreise verteilen. Todesfälle an Lungentuberkulose sind diesmal recht zahlreich verzeichnet, im ganzen 201. Die hohe Zahl ist wohl mit den Witterungsoerhältnissen in Zusammenhang zu bringen. Leider ist die Befürchtung, daß die nächsten Monate ein Ansteigen der Erkrankungen an Genickstarre geben würden, in Erfüllung gegangen. Im Dezember waren einschließlich der Verdachtsfälle 14 Erkrankungen gemeldet, im Januar (fünf Wochen) 49 Erkrankungen: diesmal sind für vier Wochen 100 Erkrankungen im Ruhrkohlengebiet verzeichnet. Von diesen sind 83 als sichere Erkrankungen und 17 als Verdachtsfälle bezeichnet. 27 sichere und 3 Verdachtsfälle kommen auf den Landkreis Bochum, 7 außerdem noch auf den
letzte Bitte an den Geliebten sei die — um feine Vergebung!
* *
Der einsame Mann sieht längst nicht mehr die Schönheit des Frühlingsmorgens, er hört nicht mehr die jubelnden Vogelstimmen, die in den Wipfeln des Hochwaldes ertönen. Er fühlt heute den ganzen Schmerz, die nagende Qual jenes Tages wieder, da er die letzte Nachricht von Erna Romberg empfing. In den seither vergangenen Jahren hat er sich tapfer gegen die rnnere Stimme gewehrt, die noch immer von Liebe zu der, die das Versprechen der Treue nicht gehalten, zu ihm sprach. Und doch war diese mächtige Fürsprecherin Siegerin geblieben, und wieder und wieder hat Max sich gesagt, daß er Erna liebt, trotz Allem, was geschehen.
Fast gewaltsam richtete sich der Schriftsteller aus seinen Träumen auf. Ein Blick auf die Uhr überzeugte ihn, daß es Zeit sei, zu gehen. — Nachmittags wollte er in der Stadt einige Besuche abstatten und hierbei näheres von Erna zu erfahren suchen.
Max Wießner wandte sich zum Gehen. Noch einmal nahm et das schöne Landschaftsbild im Tale drunten in sich auf — dann verließ er den stillen, traulichen Platz. — Geräusch und laute Stimmen wurden vernehmbar, das Nahen von Fremden verratend. Mit schnelleren Schritten, als er gekommen, schlug Max den Rückweg ein.
„Wunderschöner Tag heute, meine Damen! Und Frau Baronin sehen charmant aus! Geht nichts über solche Fußtour am Morgen, gesund.
Stadtkreis Herne, der vor kurzem aus der Landkreis Bochum ausgeschieden ist. 13 Fälly »kamen in Duisburg, 7 in Hörde, 5 in Ruhrort-
Land, 6 sichere und 4 Verdachtsfälle im Landkreis Dortmund, 6 sichere und 2 Verdachtsfäll« im Landkreis Recklinghausen zur Beobachtung. | Die Stadt Recklinghausen meldete 1 sicheren und I 4 Verdachtsfälle, Witten 4 Erkrankungen, die I übrigen ereigneten sich in den Kreisen Essen- I Stadt und Land, Mülheim-Land, Hagen-Stadt, I Gelsenkirchen-Stadt und Land, Bochum und I Dortmund-Stadt. Zu betonen ist dabei, daß I die Krankheit, wenn die Zahlen auch mit Aus- I nähme von Bochum-Land und Herne noch nicht I sehr hoch sind, doch recht an Ausbreitung gewon- I nen hat, da diesmal 18 Kreise des Ruhrkohlen- I gebiets befallen find gegenüber 11 Kreisen des I vorigen Berichts.
Vermischtes.
Ergebnis der Untersuchung des gesunkene« Dampfers „Berlin." Der „Magdeburger Ztg." wird aus Rotterdam gemeldet: Bei den Sprengarbeiten zur Hebung des gesunkenen Dampfers „Berlin" ist durch Taucher festgestellt worden, daß sämtliche oberen und mittleren Kabinen freiliegen und keine Passagiere mehr bergen. Da in den oberen Kajüten der Königliche Kurier Herbert und der Vertreter einer Londoner Juwelenfirma mit Diamanten im Werte von zehn Millionen Schilling sich befanden, so ist ein Wiederauffinden der Königlichen Aktentasche und der versunkenen Diamanten innerhalb des Schiffes ausgeschlossen. Auch die Hoffnung auf Zutageförderrmg der noch ungeborgenen Opfer der Schiffskatastrophe, welche man in den Schiffskabtnen befindlich glaubte, ist damit endgültig zerstört.
Kampf mit Kirchendiebe«. Nach einer Mel- düng des „Daily Chronicle" aus Newyork fand in der römisch-katholischen Kirche Immaculata Conception ein Kampf zwischen Geistlichen und Einbrechern statt. Die Kirche ist mit den angrenzenden Wohnungen der Geistlichen durch elektrische Klingeln, die jeden Einbruch sofort melden, verbunden. In der Nacht auf Sonntag wurden die vier Geistlichen plötzlich durch die Alarmglocken aus dem Schlaf geweckt. Sie ergriffen Revolver und eilten zur Kirche. Dort tzinden sie sechs Einbrecher an der Arbeit. Dies« waren gerade dabei, die wertvollen Gegenstände vom Altar zu entfernen. Die Geistlichen machten von ihren Schußwaffen Gebrauch, die Einbrecher erwiderten das Feuer. Es entstand ein Kampf, der mit der Flucht der Einbrecher endete.
Ueberfahren. Ein schauriger Fund wurde nach dem Eintreffen des fälligen Schnellzuges auf Bahnhof Kandrzin in Oberschlesien gemacht; in dem Aschenkasten der Lokomotive fand man die blutigen Beine eines Mannes. Die sofort angestellten Ermittelungen ergaben, daß es sich um einen Unfall handelte, dem ein aus Galizien gebürtiger Reisender bei der Station Eogolin zum Opfer gefallen ist. Der Unglückliche war mit dem Personenzuge von Ratibor abgefahren. Um den Schnellzug passieren zu lassen, muß der vorerwähnte Zug vor Gogolin kurze Zeit halten. Vermutlich hat der Galizier in der Annahme, daß der Zug bereits in der Station eingelaufen sei, sein Abteil verlassen und war auf das Neben-
nervenstählend," tönte ein sonores Organ- herüber, „guter Vorschlag von mir gewesen, wie?"
„Du bist aber wieder so schweigsam, Erna! So sei doch mit uns vergnügt, nur einmal ist Frühling im Jahr!" tief eine silberhelle Mädchenstimme, und dann klangs, fröhlich gesungen:
Nur einmal blüht im Jahr der Mai, Nut einmal im Leben die Liebe —"
„Du solltest das Lied nicht so oft fingen — du weißt doch, ich finde diese Wotte melancholisch — sie stimmen mich traurig!"
Max Wießner wat jäh zusammengefahren. Diese weiche, volle Frauenstimme, sie ist ihm wohlbekannt — so sprach nur Eine, die er heiß geliebt — und Erna hatte man gesagt — gütiger Gott, wenn sie es wäre.--Zum Nachdenken
blieb keine Zeit mehr. Im nächsten Augenblick standen die Ankömmlinge vor ihm — eine junge, in tiefes Schwarz gekleidete, blasse Frau und in ihrer Begleitung eine anmutige Blondine von etwa 16—18 Jahren und ein stattlicher Herr, dessen äußeres, trotz vornehmem Zivilanzug, den Offizier verriet.
Wießner war bis in die Lippen erblaßt beim Anblick der jungen Frau vor ihm. Vergeblich suchte er sich zu fassen, ein Zittern überflog seine Gestalt, denn das sind dieselben Züge, wenn auch nicht mehr so jugendfrisch wie einst, das find dieselben seelenvollen Augen, die ihn einst bezaubert. — Die ältere der beiden Damen war stehen geblieben. Ein Blick auf ihre feinen Ge- fichtszüge, auf denen die Farbe in jähem Wechsel ging, der seltsam starre Ausdruck ihres Auges lieft Max wahrnehmen, daß auch ste ihn erkannt