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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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Erstes Blatt

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sein.

Deutscher Reichstag.

(18. Sitzung vom 14. März, 1 Uhr).

Am Bundesratstisch: Graf ». Posadowsky, Frhr. v. Stengel.

Der Reichstag erledigt« am Donnerstag nach kurzer Erörterung die erste und zweite Beratung des Gesetzentwurfs bett, den Hinterbliebenen- Versicherungsfonds und den Reichsinvaliden­fonds. Staatssekretär Frhr. v. Steugel bemerkte, die Vorlage bezwecke, die Verwaltung des anzu­sammelnden Fonds möglichst einfach und billig zu gestalten: ste solle deshalb dem Reichsinvali- denfonds übertragen werden. Abg. Camp (Rp.) erklärte sich namens seiner Freunde mit der Vor« läge einverstanden und sprach den Wunsch aus, auch die Verwaltung des Reichsinvalidenfonds

billiger zu gestalten. Darauf ging das Haus über zur Interpellation der Abgg. Frhr. Heyl zu Herrnsheim und Dr. Etresemann (natl.) betr. eine eventuelle staatliche Penstons- und Hinter- bliebenen-Versorgung für die Privatbeamten. In der Begründung der Interpellation bemerkte Abg. Frhr. Heyl zu Herrnsheim, wenn die Re­gierung über eine Flut von Anträgen klage, so sei sie selber daran Schuld. Arbeitnehmer und Arbeitgeber brauchten sich nicht immer noch feindlich gegenüberzustehen, wären die in der kaiserlichen Botschaft verheißenen Arbeitskam- mern geschaffen. Während am Rhein schon seit Jahren der LMündige Arbeitstag für männ­liche Arbeiter geschaffen sei, erkläre sich erst jetzt die Regierung mit dem Zehnstundentag für Ar­beiterinnen einverstanden. Das praktische Le­ben gehe vorwärts, die Regierung aber hinke nach. Eine Denkschrift genüge hier nicht, es müsse auch eine Vorlage gebracht werden. Staats­sekretär Graf Posadowsky meinte in der Beant­wortung der Interpellation, erst habe man der Regierung vorgeworfen, sie schlage in der Sozial­politik ein Automobiltempo ein, jetzt heiße es wieder, man hinke nach. Die Denkschrift werde dem Reichstage noch heute zugehen, es werde aber zu prüfen sein, ob nicht eine Zwangsver­sicherung in bedenklicher Weise in die private Versicherung eingreife und die Privatbeamten werden sich namentlich zu fragen haben, ob ste imstande sind, die hohen Beiträge zu zahlen. In der Besprechung der Interpellation gab Abg. Sittart (Ztr.) der Hoffnung auf ein schnelles Vorwärtskommen der Sache Ausdruck. In glei­cher Weise äußerten sich die Abgg. Pauli-Pots­dam (konf.) und Dr. Potthof (freis. Vp.). Abg. Heine (Soz.) erklärte, seine Partei sei sachlich mit der Fürsorge für die Privatbeamten ein­verstanden, man solle aber dabei nicht den Zu­sammenhang mit den Arbeiterversicherungsge­setzen lösen.

Abg. Linz (Rp.) führte aus, seine Partei halte die Privatversicherung für eine der wichtigsten Aufgaben. Die Privatbeamten hätten sich ge­rade bei den letzten Wahlen wieder als eine Stütze der bürgerlichen Gesellschaft erwiesen, um so mehr hätten die bürgerlichen Parteien die Pflicht, sich ihrer anzunehmen. Die Abgg. von Saß-Jaworski (Pole) und Bruhn (Rfpt.) spra­chen gleichfalls für die Vorlage. Abg. Streese- mann (natlib.) bestritt gegenüber dem Abg. Sittart, daß die Nationalliberalen früher Geg­ner einer solchen Vorlage gewesen seien: auch seine Freunde seien stets aus wahrem Interesse für die Sozialpolitik eingetreten.

Abg. Hormann (freis. Vp.) wünschte, die So- zialpolitik möchte im Interesse der Privatbeam­ten mit demselben Eifer eingreifen wie für die

mehr untergräbt, müsse daher das Tschechentum mit aller Kraft und Entschiedenheit auftreten. Auch gegen die wirtschaftliche Expansion Deutsch­lands nach Osten; denn auch sie sei nur ein Mit­tel jener allmählichen Absorbierung Oesterreichs durch Deutschland.Wir und mit uns ganz Oesterreich, schloß Kramarcz seine Rede, liegen auf der Linie zwischen Deutschland und Klein­asien. Unsere Interessen decken sich mit denen Oesterreichs,ja mit den Interessen von ganz Europa, insofern es nicht will, daß Deutschland das größte und stärkste Reich der ganzen Welt werde."

Offenherziger und ungeschmintter ist selten ausgesprochen worden, was man das Dogma der jungtschechischen Politik nennen kann. Es er­übrigt sich für uns, die Haltlosigkeit einer Theorie nachzuweisen, die mit dem Gespenst der deutschen Gefahr als einer politischen Realität rechnet. Wer bet uns i Deutschland politisch von ge­sunden Sinnen ist, hat mit Tendenzen nichts zu tun, wie sie Dr. Kramarcz in seiner Rede un­serer öffentlichen Meinung in ebenso grundloser wie perfider Weise unterschiebt. Können uns darum diese Anwürfe kalt lassen, so verdienen sie doch niedriger gehängt zu werden als der Ausdruck eines unbelehrbaren Hasses gegen alles, was deutsch heißt. Und wir meinen: die jung- tschechische Partei zeigt eben mit dieserProgramm- rede ihres Führers, daß sie rückständig ist und mit Werten operiert, die keinen realen Gehalt haben. Wir können nur wünschen, daß die Neu­wahlen zum Reichsrate bei den Tschechen, wie es den Anschein hat, eine Richtung obenauf bringen werden, die einem Ausgleich mit dem Deutschtum in Böhmen nicht mehr jenen ver­bohrten nationalen Haß entgegenstellt, in dem die jungtschechische Politik ihrer Weisheit Schluß zu finden scheint.

Industriearbeiter. Im weiteren Verlause bet Debatte verwies noch Staatssekretär Graf Po« sadowsky zur Beurteilung der vorliegende» Frage auf das außerordentlich reichhaltige Ma­terial. Schließlich konnte die Besprechung ge­schlossen werden.

Freitag 1 Uhr: Interpellation übet Wahlbeeinflussungen.

Preußischer Landtag.

Das Abgeordnetenhaus begann in seiner 33. Sitzung am gestrigen Donnerstage die zweite Lesung des Kultusetats mit einer Be­sprechung des polnischen Schul­streiks. Die Beratung eröffnete Abg. Stychel (Pole), der, häufig vom Widerspruch der Kon­servativen und Nationalliberalen unterbrochen, nachzuweisen suchte, der passive Widerstand der polnischen Kinder gehe auf edle Motive zurück. Schuw an der ganzen Entwickelung sei die preu­ßische Regierung, die den Religionsunterricht nicht in der Muttersprache erteilen lasse. Dem­gegenüber betonte Kultusminister v. Studt, die Urheber des Schulstreiks seien die großpolnischen Agitatoren. Die schädlichen Folgen des jede Autorität untergrabenden Schulstreiks treffen die polnische Bevölkerung selbst. Dank des gro­ßen Taktes der Lehrer und der Festigkeit der Re­gierung gehe der Streik mehr und mehr zurück. Auf Seiten der Regierung fei nicht nur di« Macht, sondern auch das gute Recht. Die Dar­legungen des Ministers machte sich in einer meisterlichen und mit stürmischem Beifall auf­genommenen Rede der Abg. Dr. ». H^ydebrand (kons.) im wesentlichen zu eigen. Er stellte als Kern der Angelegenheit die Frage hin, ob die Schulverwaltung oder aber ob die Schüler ent­scheiden sollen, in welcher Sprache der Religions­unterricht erteilt werden solle. Die konservativ» Fraktion werde hier, wo es sich um die Stärkung der Autorität handle, unbedingt die Regierung unterstützen. Die Polen aber haben allen An­laß, sich für die ihnen vom preußischen Staate erwiesenen Wohltaten dankbar zu erweisen. Abg. Dittrich (Ztr.) empfahl zwar eine Verständigung zwischen Staat und Kirche über den Schulstreik, mißbilligte aber, daß die Kinder in einen schwe­ren Konflikt gebracht worden seien. Gegenüber dem Abg. Dr. v. Jadzewski (Pole) wies Kultus­minister v. Studt nach, daß die katholische Kirche nicht die Erteilung des Religionsunterrichts in der Muttersprache verlangt. Nachdem sich noch die Abgg. Dr. Friedberg (natl.) und Frhr. vo« Zedlitz (fkons.) mit großem Nachdruck gegen die polnischen Redner gewendet hatten, trat Per­tagung auf Freitag 12 Uhr ein.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag- Iah. Äug. Koch, UniverMEuchdruckerck 44.

Marburg, Markt 2L Telephon 5b.

lNachdruck verboten.) Schatten.

Roman von B. ». d. Lancken.

(Fortsetzung).

Marburg

Sonnabend 16. März 1907.

Windhauch straucht durch das halbgeöffnete Fen­ster, ein leiser, grollender Donner trifft ihr Ohr sie schreckt empor, sieht wild um sich sieht den noch immer schlummernden Greis, und mit einem Male sind die Traumbilder verschwunden, die schmeichelnd ihre Sinne umfangen gehalten haben, die Wirklichkeit, die schreckliche Wirklich­keit tritt in ihr Recht, und das Herz des junge« Weibes bäumte sich auf in Trotz in Haß und: Freiheit Freiheit Glück!"

Es gibt Augenblicke, wo oft nur eine einzig« Stimme im Innern maßgebend ist für die Hand­lung, die der Mensch zu begehen im Begriff ist. und diese Stimme übertönte in Isas Brust jeb« andere: rücksichtslos und von kaltem Egoismus geleitet, hatte sie stets gehandelt, unbekümmert um die Geschicke derer, die ihren Weg gekreuzt, sie fühlte auch die Kraft in sich, den letzten Schritt zu tun, den furchtbarsten, wenn er sie ans Ziel führte, das ihr seit Monaten als oe-' gehrenswert vorgeschwebt. Und was sie tu» wollte, war es denn so unverzeihlich? Was be­deutete das Leben, das kaum noch flackernde Le­ben dieses alten Mannes? Für ihn selbst war es nichts, täglich Schmerzen, ein langsames, qual­volles Siechtum, und doch zuletzt der Tod, und welcher Tod vielleicht? . . . Die Baronin stand auf und blickte mit über der Brust gekreuzte« Armen in das allmählich heraufziehende Wetter hinaus, erst das Oeffnen und Schließen der Tür ließ sie sich umwenden. Felsenbach trat eim tief Atem schöpfend, wie jemand, der sehr rasch gegangen. Bei seinem Anblick zuckt Isa zusam­men, ihr Gesicht wird noch bleicher.

Wo kommen Sie her?" fragte ste tonlos fast heiser.

Ich habe einen kurzen Gang durch den Part gemacht und bin zuletzt etwas schnell gegangen, um beim Erwachen des Prinzen wieder hier zn

zuckte ste schreckhaft zusammen, es war, als ob ein fremdes Antlitz ihr daraus entgegen geschaut bleich, totenbleich und der Blick seltsam starr. Sie stürzte weiter, wie von einem Gespenst ge­scheucht. --

Der Prinz schien zu schlafen, als sie durch die halb angelehnte Tür blickte. Felsenbach war fort, nur der Kammerdiener saß am Bett. Die Ba­ronin nickte befriedigt mit dem Kopfe, stellte das Glas auf ein Tablett neben eine Flasche mit Wasser im Wohngemach des Fürsten und betrat leise die Krankenstube. Der Kammerdiener stand auf:

Sie können eine halbe Stunde gehen, Lo­renz," sagte Isa,wann muß Seine Durchlaucht einnehmen?"

Der Diener gab die gewünschte Auskunft und verließ das Gemach.

Die Blicke der allein zurückbleibenden Frau ruhten mit einem seltsamen Ausdruck auf dem ' Schlummernden. Leise trat sie über die Schwelle zurück, streckte die Hand nach dem verhängnis­vollen Glase aus und setzte es auf das Tischchen, bas neben dem Bette des Fürsten stand: Adolf Schwarzenstein schlummerte ruhig weiter, wäh­rend am Fußende des Lagers sein Weib mit in einander geschlungenen Händen und fliegendem Atem saß, keinen Blick von ihm wendend.

Ob Isa Tromsau sich momentan dessen klar bewußt war, was ste begehen wollte? Waren die wenigen edlen Regungen, deren sie fähig ge­wesen, wirklich vollstäiüiig untergegangen in den wilden, leidenschaftlichen Wünschen ihres Her­zens? Sie lehnte sich in den Sessel und schloß die Augen, und die Erinnerung trug sie weit zurück in eine längst vergangene Zeit. Da ist sie einmal einmal glücklich gewesen freilich unbewußt aber jetzt weiß sie es: es war wonnig wie von einem süßen Rausch sind ihre Sinne um­fangen, die Gegenwart, die sie bis hart an die Schwelle des Verbrechens geführt, ist versunken, wachend, träumt sie, träumt sich jung gut ' --und glücklich in Ruperts Armen. Ein

Und ein Gedanke, so furchtbar und geheuerlich er ihr anfangs erschienen, ein Gedanke, der sich zuerst kaum merklich geregt, hierauf wieder- und immer wiedergekehrt war, den ste mit Grausen von sich gewiesen, bei dem sie dann doch verweilt hatte, um ihn wieder mit Abscheu zu verwerfen dieser eine Gedanke tauchte plötzlich mit er­schreckender Lebendigkeit vor ihr auf, und heute verwarf sie ihn nicht. Sie blieb stehen, ihre Augen hefteten sich, den Kopf leicht vorgeneigt, auf den Teppich, die bunten Arabesken zu ihren Füßen verwirrten sich zu einem Chaos, das Zim­mer schien sich im Kreise zu drehen, das Blut stieg ihr siedend heiß in die Schläfe, das Herz pochte stürmisch, ihre Hände wurden kalt.

So stand sie sekunden-, minutenlang, und im­mer lebendiger, immer deutlicher rang sich aus dem wildgährenden Leben ihrer Gedanken ein einziger ein einziger---

Wie von einer inneren, treibenden Macht ge­drängt, bewegte sie sich dann langsam vorwärts und entnahm aus einem Schubfach ihres Toilet­tentisches eine Schachtel und dieser ein, zwei weißliche Pulver, die sie in ein halbhohles Kry- stallglas schüttete. Einen Augenblick überlegte sie, die Hand, die das Glas hielt, zitterte sie mußte es auf den Tisch stellen und stützte sich schwer auf denselben o diese Schwäche.

Aber das ging vorüber, mußte vorüber gehen. Ihre Zähne knirschten leise zusammen, mit einer energischen Bewegung richtete sich die königlich schöne Gestalt zu ihrer vollen Höhe empor und die Hand, die jetzt den beiden Pulvern noch drei weitere hinzufügte, zitterte nicht mehr. Sorg­fältig beobachtete Isa die Auflösung der Misch­ung, als sie nach und nach das Glas halb mit Wasser füllte, rührte mit einem silbernen Löffel- chen darin, bis alles zergangen war und der In­halt vollständig farblos erschien. Das Gewissen in ihrer Brust schwieg. Festen Schrittes ging sie den Weg zurück, den sie eben gekommen. Als sie in ihrem Salon an dem hohenPfeilerfpicgel vor­überging und zufällig den Blick dahin wandte.

DieMisste»" der Tscheche».

Imgoldenen" Prag sind wieder einmal die Führer der jungtschechischen Partei znsammen- getreten, um über neue Richtlinien zu be­raten, welche die jungtschechische Parteipolitik tm Wiener Reichsrate einschlagen soll. Das Er­gebnis dieser Beratungen ist freilich sehr dürftig gewesen: denn neue Richtlinien sind nicht ent­deckt und ein neues Programm ist nicht aufge- ftellt worden. An und für sich interessiert uns darum dieser jüngste jungtschechische Parteitag iinb die vergeblich auf ihm angestrebte Reorga­nisation einer alternden Partei nur mäßig. Wir möchten in diesen Bemühungen um einpositi- - ves" Programm nur ein Symptom mehr sehen für das unruhige Suchen nach neuen Parteizie­len, wie es die politische Lage Oesterreichs heute vor den Wahlen Überhaupt kennzeichnet. Aber ganz ohne Interesse sind die Reden, die auf dem Prager Parteitage gehalten wurden, doch auch für uns im Reiche nicht. Gerade für uns nicht. Was vor allem der anerkannte Führer des Jung­tschechenklubs, Abg. Dr. Kramarcz, aus» führte, verdient alle Aufmerksamkeit. Dieser glänzendste Sprecher und zugleich gewandteste Taktiker der Partei hat bekanntlich vor Jahren ei» bitterböses Wort über den Dreibund ge­prägt, indem er ihr einabgespieltes Luxus­klavier" nannte. Auch feiner neuesten Rede gibt wieder die Furcht vor dem Deutschtum Einschlag und Gepräge. Gegen diedeutsche Ge­fahr" innerhalb und vor allem außerhalb Oester­reichs will er das Tsthechentum mobil machen. Die Unabhängigkeit Oesterreichs zu gewähr­leisten, das ist nach Kamarcz die historische Mission des tschechischen Volkes, eine Mission, die feine geographische Lage ihm auferlegt hat. Ohne die Existenz eines national starken Tschechentums, das sich wie ein mächtiger trennender Block in nordwestlicher Richtung in das deutsch. Völkermeer hineinschiebt, wäre Oesterreich der allmählichen Absorbierung durch das Deutsche Reich ausgesetzt. Es sei ganz na­türlich, daß der Starke den Schwachen absorbiere, daß also Oesterreich nur dann selbständig und unabhängig bleiben werde, nicht wenn es deutsch Tein wolle, sondern wenn es ein Hort aller in ihm vereinigten Völker fei und ihnen als Zu­fluchtsstätte vor der deutschen Gefahr diene. Gegen den germanisierenden Zentralismus in Oesterreich, der die Widerstandskraft des Reiches gegenüber jener deutschen Gefahr mehr und

(Fortsei-, -' .Wall

Vierteljährlicher Bezugspreis; ba sei ExpHitwn 2 3RL, lz> bei allen Postämtern 2,25 Mk. kejcl. Bestellgeld).

Jl2. ZnsertlonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfg.

Reclmnen: die Zeile 80 Pfg.

Ein schwüler, drückend heißer Augusttag neigte sich feinem Ende entgegen, da verließ Baronin Tromsau das Krankenbett ihres Gat­ten, an dem ste mit Felsenbach gemeinsam wäh­rend der letzten zwei Stunden geweilt. Rupert »atte dem Prinzen vorgelesen, während Isa mit einer leichten Handarbeit in der tiefen Fenster­nische saß. Von den schweren Vorhängen den Blicken der im Zimmer Weilenden halb verbor­gen, war es ihr um so leichter, unbemertt zu be- S dachten. Die beiden Männer, der eine lesend, er andere hörend, schienen ihre Gegenwart ver­sessen zu haben, sie war sich selbst überlasten, ind die Dämonen ihrer Leidenschaft, deren Op­er sie von Tag zu Tag mehr geworden, begatt» ien aufs neue, mit unheilvoller Macht auf sie zu »itten, bis sie sich unfähig fühlte, noch länger in dieser erzwungenen äußeren Ruhe zu verharren. Sie faltete die Stickerei zusammen und verließ saft unhörbar leise das Gemach ihr letzter Blick streifte Felsenbach, und unwillkürlich traf »r auch das kranke, greisenhafte Antlitz des bürsten.

Isa eilte in ihr Schlafzimmer hinüber. Hier Jtanben die Fenster geöffnet, wetterschwere Wob en hingen am Himmel, der Horizont war düster, ieinzelne Windstöße fuhren um bas Schloß, und das Rauschen der Bäume im Park mischte sich Mit dem Aufbrausen der Fluten des Stromes, druckend war die Atmosphäre draußen. Isa Tromsau atmete lief und schwer, mit unruhigen Schritten durchmaß ste das Zimmer, die Arme Über der wogenden Brust verschränkt, die dunk- len Augen glühend, die Lippen halb geöffnet; khre Blicke schweiften im Vorüberschreiten ziel­los in die Ferne.

!Freiheit!" schrie es in ihr,Freiheit und dann Glück