mit dem Keeisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Marburg
ftreita« 15. M«r, 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UniversitätS-vuchdruckerÄ 42. Jahr-.
Marburg, Markt 21. — Telephon o5.
Polen und Rnlhene«.
Um den idealen Schwärmern, die im Namen der Humanität und freiheitlichen Volksentwicke« lung wehklagende Schluchzleute vernehmen lassen, wenn das Wort „Polen" genannt wird, weil sie kritiklos nachbeten, was in polenfreundlichen Blättern über angeblich nichtswürdige Unterdrückung der edlen polnischen Nation im deutschen Reiche gefaselt wird, zu zeigen, wie sich die „armen" Polen benehmen, wo sie als Herrschende austreten, möchten wir unsere Leser bitten, mit uns einen „Ritt ins alte romantische Land" der „Schlacht«" (Bezeichnung des alt- polnischen Adels) nach Galizien zu unter- nehmen. In diesem Lande der habsburgischen Krone hat sich bekanntlich Dank der österreichischen Politik des „Forstwurstelns", das Polen- tum am kräftigsten in seiner Eigenart entfaltet, dort ist die „polnische Wirtschaft" am meisten ins Kraut geschossen. Dort werfen die „Franzosen des Ostens", wie man die Polen in oberflächlicher Anerkennung gesellschaftlicher Fertigkeiten bezeichnet hat, das Mäntelchen nationaler Trauer ab, mit dem sie sich bei uns so gerne drapieren, und zeigen sich in ihrer wahren Eigenschaft als brutale Unterdrücker jeglichen fremden Volkstums. Besonders haben die Ruthe- nen oder Kleinrusfen, die ja in Galizien das stärkste Element der Bevölkerung bilden, unter der polnischen Unduldsamkeit zu leiden.
Das arme ruthenische Volk, das sich, wie uns geschrieben wird, erst ganz allmählig von der Tyrannei wirtschaftlicher Blutsauger befreit hat, liegt politisch desto ärger in den Fesseln seiner polnischen Bedrücker. Die Wiener Zentralregie- rung, di« ja wohl auf den Polenklub angewiesen ist, hilft den Unterdrückern der Ruthenen, und so kommt es, dass di« Letzteren trotz ihrer gewaltigen Ueberzahl nur wenig Vertreter in den Wiener Reichsrat und den Lemberger Landtag senden können. Auch an der Lemberger Univer- fität herrscht der gleiche Terrorismus, und die Ruthenen hat deshalb eine bis zur Verzweiflung gehende Entschlossenheit ergriffen. Als zweiundsechzig ruthenische Studenten, die man ihrer an- jiipolnischen Gesinnung wegen gemaßregelt und unter dem lächerlichen Vorwande eines Fluchtverdachts eingesperrt hatte, in der schwärmerischen Wildheit ihres an Selbstaufopferung grenzenden Freiheitsdranges die Nahrung verweigerten, erkannte man zu spät, was man ange- richtet hatte, und der polnischen Obrigkeit blieb schließlich nichts Hveiter übrig, als die Begnadigten, die die Begnadigung verweigerten, mitsamt den sogenannten Hauptschuldigen gewissermaßen gewaltsam aus dem Gefängnisse hinauszuwerfen, in das man st« hineingesperrt hatte. Der
42 (Nachdruck verboten.),
Schatten.
Roman von v. v. d. Lancken. "WM (Fortsetzung).
Sekundenlang fand Rupert kein Wort der Entgegnung, und ein eigenartiges Empfinden durchschauerte ihn, war es doch das Weib feiner ersten Liebe, welches wieder an seinem Herzen ruhte,' aber nur sekundenlang währte dies Ge- ffihl, dann richtete er sich auf, und sie mit sanfter Entschiedenheit zurückdrängend, sagte er:
Lasten Sie sich, Baronin Tromsau, Sie vergessen, daß Sie und ich gebunden sind."
Isa trat von Ruppert fort und sah ihn starr an, rote entgeistert. Ihre leidenschaftliche Er- 'regurig war jäher, unheimlicher Ruh« gewichen. Er achtete sie nicht, er liebte sie nicht mehr. — Aber — er hatte sie einst geliebt, er sah, daß sie unglücklich war, und daß seine Worte sie schmerz, lich, vernichtend getroffen hatten. Er konnte dem Mitleid nicht wehren, das ihn schon — wider seinen Willen — so ost bewegt hatte — Mitleid, aber auch kein Atom mehr als das. Isa schauerte in sich zusammen, sie schlang mit zitternden Händen ihr Tuch um die Schultern, Rupert griff danach, ihr behilflich zu sein — sie wehrte ihm mit leichtem Kopfschütteln, weiter von ihm zurücktretend. Sie mußten noch ein Stück gemeinsam gehen und verhartten schweigend, bis sie das Ende der Allee erreichten. Hier stürzte ihnen ein Lakai in fliegender Hast und atemlos entgegen mit der Meldung, daß der Prinz einen heftigen Schinerzensanfall habe und der Leibarzt nicht unbesorgt sei. Unwillkürlich suchte Isas Blick Rupert, wie der {einige sie — ihre Augen begegneten sich---
Die Baronin eilte mit beflügelten Schritten dein Schlosse zu, daß Rupert und der Diener kaum zu folgen vermochten, sie flog die Treppe hinauf, durch die Flucht der Zimmer bis zum .Schlafgemach des Prinzen. >
sonderbare Kampf ist damit nicht beendet, sondern spielt fich nun in der Universität weiter. Dort kam es am letzten Montage zu argen Skandalszenen seitens der Polen; und die Universitätsbehörden erwiesen sich ebenso parteiisch, als die Gerichtsbehörden es getan hatten. Die ruthenischen Studenten wurden von den Polen aufgefordert, die Univerfität zu verlaffen. Diejenigen, die sich weigerten, wurden trotz ihres Widerstandes einzeln aus den Hörsälen hinaus und von dort auf die Straße getragen und nicht wieder in das Universitätsgebäude hineingelassen. Dies wurde nicht nur von den akademischen Lehrern geduldet, sondern auch die Polizei umstellte das Universitätsgebäude und half damit den polnischen Studenten. Anstatt den Polen mit Relegation zu drohen, beschränkte sich der Rektor Gricyecki darauf, die Vorlesungen einstweilen einstellen zu lassen. Professor Elantacz teilte diesen Beschluß den polnischen Studenten „in schonendster Weise" mit der Bemerkung mit, daß die Ruthenen fich verpflichtet hätten, auf der Straße nicht zu provozieren. Die polnischen Studenten fügten sich dieser Aufforderung indessen nicht, sondern schritten zu einer „Selbstverteidigungsorganisation" und umzogen dann mit dem Rufe: „Hoch die polnische Univerfität!" die Straßen von Lemberg, wobei es natürlich zu den üblichen Schlägereien mit Ruthenen kam.
Man muß sich diesen Terrorismus in Galizien vergegenwärtigen, um die innersten Züge der Komödie des polnischen Schulstreikes zu verstehen. Die sentimentale Heuchelei, die sich selbst gern die Märtprerkrone flicht, wohnt int Charakter des Polen hart neben der rücksichtslosesten Brutalität gegen die Schwächeren. Diesen Vorgängen sollte man im preußischen Abgeordnetenhause und nötigenfalls auch im Reichstage größere Aufmerksamkeit schenken, um der üblichen Litanei der Polenklagen die entsprechende Antwort zu erteilen.
Deutscher Relchstaq.
(17. Sitzung vom 13. März.)
Der Reichstag erledigte am Mittwoch zunächst nach kurzer Beratung die erste und zweite Lesung des Berner Zusatz- Übereinkommens vom 19. September 1906 zu dem internationalen Uebereinkommen über den Eisenbahnfrachtverkehr vom 14. Oktober 1890, und setzte die tagszuvor abgebrochene Besprechung der Interpellationen des Zentrums und der Nationalliberalen, betr. di« Reform der Strafprozeßordnung, fort. Abg. Dr. Müller-Meiningen (frf. Vp.) sprach seine Genugtuung darüber aus, daß die Schwurgerichte bestehen bleiben sollen; et hoffe jedoch, daß es
In der Türe schon trat ihr der Arzt entgegen, seine angstvollen Mienen ließen sie das Schlimmste ahnen.
„Herr Rat, wie steht es mit dem Prinzen?" rief sie ihm entgegen.
„Schlecht, gnädigste Frau, sehr schlecht, wenn auch nicht hoffnungslos."
„Mein Gott--“
Sie warf Schirm und Tuch zur Seite und trat an dem Arzt vorüber in das Krankenzimmer. Der Prinz lag stöhnend, mit geschlossenen Augen; seine Hände waren wachsgelb und krallten sich krampfhaft in die Decke, das graubleiche, schmale Antlitz zeigte schmerzverzertte Züge.
„Adolf!" sagte die Baronin leise.
Der Kranke schlug die Lider auf und sah sie an mit einem matten, verlöschenden Blick. Sie ließ fich auf dem Stuhl an seiner Seite nieder und legte ihre Finger auf seine zuckende Hand, aber erschrocken zog sie sie leise roieber zurück — die Hand war feucht, von kaltem Schweiß bedeckt — ein Grauen vor dem Kranken überkam fie, es duldete sie nicht mehr in seiner Nähe. Unter dem Vorgeben, ihre Toilette wechseln zu wollen, ging sie in ihr Ankleidezimmer hinüber, wo sie die kostbare Spitzenrobe gegen ein schlichtes, dunkles Wollenkleid vertauschte; dann trat sie in ihr Boudoir. Die Fenster desselben gingen nach der III hinaus, sie konnte in die vom Abendsonnenscheine vergoldeten Fluten schauen; hinter dem Fluß dehnte sich die Landschaft mit ihren saftigen Wiesen und den in sanften Hügeln auf- und absteigenden, im reichsten Nehren- schmuck prangenden Feldern, Schwalben schoflen pfeilschnell durch die Luft, und der Horizont war mit Purpurwolken umsäumt.
Tiefer Eottesfriede lag über der Welt. Die Frau in dem Bogenfenster des alten Schlosses empfand nichts davon; ein Heer stürmisch wilder Empfindungen tobte in ihrer Brust, dunkle Gewalten, die, miteinander ttngend, jedes bessere Gefühl untergruben und töteten. Zorn über sich
nicht Schein-Schwurgerichte werden sollen, und trat für Abschaffung des Zeugniszwangs für Redakteure, für Reform des Eidesverfahrens und Abschaffung des Gewissenszwanges gegenüber Difledenten ein. Auch die Jmmunitäts- frage für die Abgeordneten müsse berückfichttgt werden. Es dürfe nicht mehr vorkommen, daß ein einzelner Abgeordneter das Parlament blotz- stelle, wie dies in letzter Zeit geschehen sei. Staatssekretär Dr. Rieberding betonte, daß die Regierungen dabei seien, die Strafprozeßord- nung zu reformieren. Was die Schwurgerichte anlange, so beabsichtige die preußische Regierung, dieselbe in derselben Verfassung rote früher bestehen zu lassen. Abg. Barenhorst (Relchsp.) wandte sich gegen die gestrigen Ausfiihrungen des Abg. Stadthagen und trat für eine stärkere Heranziehung der Laien bei Rechtsprechungen ein, die die Richter entlaste und das Vertrauen zur Rechtsprechung erhöhe. Ein Mangel an Schöffen werde sich höchstens in den östlichen Provinzen ergeben. Abg. v. Miecyzowski (Pole) erklärte wiederum, seine Partei müsse sich dem Mißtrauen der Sozialdemokraten gegen di« Rechtspflege anschlleßen, besonders wegen der Härte der Strafen gegen poln. Redakteure. Abg. Roth (Wirtsch. Vgg.) war gleichfalls mit der stärkeren Heranziehung des Laienelementes einverstanden. Er forderte Gewährung von Diäten für Schöffen und Geschworene, die Berufung gegen Urteile auch von Sttafkammern und eine minder häufige Verhängung der Untersuchungshaft. Abg. Dove (freis. Vgg.) glaubte, das Hauptmoment für die Verzögerung der Reform liege in Preußen. Gerade hier könne der Reichskanzler der bürgerlichen Linken durch eine Ihr zusagende Gestaltung der Reform Entgegenkommen zeigen. Abg. Werner (Resormp.) fügte zu den von den Vorrednern vorgetragenen Wünschen noch die Forderung auf eine Reform der Polizeiaufsicht Über entlassene Strafgefangene hinzu. Rach einer weiteren Rede des Abg. Stotty (südd. Vp.) wurde ein Schlußantrag eingebracht. Bei der Abstimmung über diesen Antrag blieb das Bureau zweifelhaft; es mußte also die Auszählung (Hammelsprung) stattfinden. Hierbei wurde der Antrag mit 133 gegen 121 Stimmen abgelehnt. Dieses Ergebnis verschaffte dem Abg. Stadthagen (Soz.) noch einmal das Wort, der sich gegen einzelne Vorredner wandte. Kurze Bemerkungen des Abg. Heckfcher (freis. Vgg.) fühtten zu einer lebhaften Aussprache über die Frage, wie weit schon jetzt die Arbeiter zu Schöffenämtern herangezogen werden. Abg. Dr. Wagner (kons.) meinte, die Arbeiter würden schon jetzt in Sachsen ausgiebig zu diesen Aemtern herangezogen, während Abg. Günther (freis. Vgg.) dies nur als Ausnahme anerkennen wollte. Die Er-
selbst, Groll gegen die Menschen, ein wildes Verlangen und ein trotziges Auflehnen gegen die Fesseln, dl« ihr doch einst so begehrenswert erschienen.
Sie vergegenwärtigte sich Felsenbach und den Prinzen. Jener in der Blüte seiner Jahre, schön, klug, jeder Zug seines Antlitzes, jede Bewegung stolze, kraftvolle, selbstbewußte Männlichkeit — und der Fürst? Ein alter Mann, dessen siecher, gebrochener Körper ihn grämlich und hypochondrisch machte, ein Mann, um deflentwillen fie von Jahr zu Jahr mehr allen Genüssen des Leben» würde entsagen müssen, der einem langsamen Tode entgegenging. — Sie schauderte und sie haßte ihn, seitdem Felsenbach das unselige Wort gesprochen: „Sie sind durch unlösliche Bande gebunden."
In ihrer Verblendung hatte fie aus diesen Motten herausgehött, was sie hatte hören wollen und mehr, als sie in Wahrheit enthielten; sie zermarterte ihr Gehirn, indem sie fich alle Stunden des Zusammenseins mit Felsenbach, alle Worte, die er gesprochen, vergegenwärtigte. War es denn unglaublich, daß unter all der nach außen hin gezeigten Kälte und Schroffheit nicht doch noch ein Atom jener alten Glut schlummerte, mit der er sie einst geliebt?
Di« Scheidung Felsenbachs von seiner Gattin bettachtete fie so gut wie gewiß, wenn der Prinz stürbe.
Ihre Hand zuckte nach dem Herzen, fie schloß di« Saugen. — Sollte es möglich, auch für fie noch einmal möglich sein, in Wahrheit das zu werden, was st« so oft bespöttelt, was sie fiir eine Chimäre gehalten hatte und was fi« jetzt ersehnte mit jeder Fiber ihres Herzens----
glücklich, durch Liebe glücklich?
Der Entschluß zu reisen, der bei Felsenbach nach jener Begegnung im Gatten unwiderruflich festgestanden, wurde durch die Erkrankung des Prinzen unausführbar. Er lieft Rupert an sein
örterung verwandelte fich in diesem Zusammenhänge zu einer allgemeinen Ausein- a4idersetzung zwischen der neuen Mehrheit und der Svzialdemokra« t i e. Dabei trat Abg. Dr. Wagner (Kans.) dem Abg. Singet (Soz.) unter dem Beifall der Mehrheit entgegen. Dr. Wagner gab dabei folgende Erklärung ab: „Wir sächsischen Richter legen keinen Wert darauf, vom Abg. Singer gelobt zu werden. Wir werden auch künftig objektiv Recht sprechen. (Lachen bei den Sozial- demokraten.) Wir wissen sehr wohl zu unterscheiden zwischen unfern im innersten treu deutsch gesinnten Arbeitern und ihren Verführern. (Lebh. Beifall.) Wir werden auch künftig die wirtschaftlich Schwachen schützen." (Lebh. Beifall.) Abg. Dr. Müller-Meiningen (fr. Vp.): „Wie kann Abg. Singer behaupten, die neue Mehrheit habe die Arbeiter beleidigt? Wir haben die Interessen der Arbeiter besser vertreten, als die Sozialdemokraten." (Lebhafter Beifall.) Nach weiteren Bemerkungen der Abgeordneten Stadthagen (Soz.) und Singet (Soz.) betonte Abg. Kreth (kons.), die Sozialdemokraten, insbesondere die Herren Singet und Stadthagen, könnten nicht als die Vettteter der Arbeiter gelten. Der Richt er st and bedürf« nicht einer Verteidigung gegen die Angriffe der Herren Stadthagen und Genossen. Abg. Dr. Müller-Meiningen (frf. Np.) stellte noch gegenüber der Bemerkung Singers, et habe nicht die neue, sonder» die heutige Mehrheit gemeint, fest, Ginget selbst gehöre zur heutigen Mehrheit. (Heiterkeit). Abg. Junck (natl.) legte seine Erfahrungen dahin fest, daß die Arbeiter durchaus zum Schöffen- amt sich eignen.
Damit schloß die Besprechung. Das Haus vertagte sich.
Donnerstag 1 Uhr: Rest der Tagesordnung.
Preußischer Landlan.
DasHerrenhaus ehrte in bet 3. Sitzung vom 13. b. Mts. zunächst bas Andenken der seit der letzten Tagung verstotbenen Mitglieder in bet üblichen Weise.
Nach bet Erledigung der Wahl von drei Mitgliedern in die Staatsschuldenkommission wurde der Entwurf übet die Auflösung des Depositalfonds der Hauptverwaltung der Staats- schulden ohne Etöttetung angenommen, ebenso die Vorlage über die Erweit«. rung des Landespolizeibezirkei Berlin.
Die Novelle zum Gesetz über den Erlaß polizeilicher Strafverfügungen wegen Ue6ertretungen wurde in einmaliger Schlußbetaiung ebenfalls ange -
Bett rufen und nahm ihm das Versprechen ab, ihn nicht zu verlassen und schlimmsten Falle» der Baronin mit seinem Rat zur Seite zu stehen.
So blieb er, aber das Bleiben war ihm eine Qual. Isa erschien ihm wie ein neues Rätselwesen. Et hatte geglaubt, sie genau zu kennen, er hatte sie weder einer echten Leidenschaft, noch irgend eines tiefet gehenden Gefühls für fähig gehalten und nun? Doppelt vorsichtig und zurückhaltend mußte et fein, doppelt schwierig war feine Stellung. Er besaß das volle Vertrauen des Fürsten, feine Freundschaft — und er mußt« fich von der Gattin dieses Mannes geliebt? Sobald der Zustand des Patienten sich nut etwa» gebessert hatte, mutzte und wollt« er gehen, und wie sehnt et diesen Tag herbei!
Die Genesung des Fürsten machte aber kaum einen merkbaren Fortschritt; der Kranke litt viele Schmerzen und war, seinem sonstigen Wesen entgegen, gereizt, verstimmt, ungeduldig. Er sah es vorzugsweise gern, wenn Felsenbach und die Baronin um ihn waren, und so führte di« ganze Sachlage sie jetzt mehr als vordem zusammen, waren sie mehr als in frühere» Tage» auf de» gegenseitige» Vettehr angewiesen, und nichts hätte mehr im Stande sein können, Jia» Gefühl« zu nähren, als Rupetts fast frostige Zn- rückhallung — fi« bewunderte und liebte ihn mehr denn j«. Die Stunden, i» denen alle bi« unselige Kämpfe in ihr auflebten, die fie an jenem Nachmittag bewegt, fie wurden häufig und häufiger und sie selbst — die Frau sühtte es mit geheimem Schauder — denselben gegenüber widerstandsloser . . . Ruhelos waren ihre Tage, schlaflos die Nächte, und nut durch immer verstärkte Dosen Morphium gelang es ihr, auf Stunden einen künstlichen, erquickungslose» Schlummer zu erzwingen. Ihre Nerven befanden sich in einer krankhaften Reizbarkeit: körperlich und seelisch fühlte sie sich elend wie nie zuvor, - ------r—(Fortsetzung folgt.)