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vietteljährlicher Seiugipreil; btt oei Expedition 2 M, brr offen Postämtern 2,25 M. <qcL Bestellgeld).
Jnsertlonbgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum iS Psg.
Neclamen: die Zeile 30 Psg.
Marburg
Mittwoch. 13. MSr, 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck Md Verlag' Joh. Kug. Koch, Umverfitäts-Buchdruckerei 42 Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
LonutaaSbetlase: StönfMriea
Erstes Blatt.
Pu.iriSasiS ..........
Aur Sicherung der Streckenarbeiter auf den preußisch-hessischen Staats-
Bahnen.
I» neuerer Zeit sind mehrfach mit der Gleis- uniethaltung beschäftigte Arbeiter durch vor- Aberfahrende Züge getötet oder schwer verletzt worden. Der Eisenbahnminister steht sich daher veranlaßt, den Erlaß vom 8. Dezember 1904 in Erinnerung zu bringen und es den Königlichen Eisenbahndirektionen zur besonderen Pflicht zu machen, auf die genaueste Befolgung der Unfallverhütungsvorschriften durch die Aufsichtsbeam- ten und Arbeiter fortgesetzt hinzuwirken, hierbei wird bezüglich der Bahnunterhaltungsarbei- ter der jeweiligen Oertlichkeit und den Witte- rungsverhältnissen ganz besonders Rechnung zu tragen sein. Ist z. B. der Ausblick auf di« Strecke durch Nebel, trübes Wetter, ntederschla- genden Rauch, Gleisverkrümmungen, Ueberbau- ten oder Fahrzeuge behindert, so sind auf den mit schnellfahrenden Zügen belegten Strecken «nd auf allen Strecken mit dichter Zugfolge zur Sicherheit der Arbeiter mindestens je zwei Posten nach .jeder Seite aufzustellen. Wenn zwei oder mehr Posten aufgestellt werden, so hat der erste, der Arbeitskolonne zunächst stehende Posten (Jnnenmann) das von dem andere», der Arbeitsstelle entfernter stehenden Posten (Außenmann) rechtzeitig zu gebende Signal sofort weiierzugeben. Der Jnnenmann muß so nahe der Arbeitsstelle stehen, daß er die Kolonne stets im Auge behalten kann und seine Signale von der Kolonne nicht überhört werden können. Unter besonders ungünstigen Verhältnissen sind außerdem Langsamfahrsignale zur Sicherung der Rotten aufzustellen. Bei plötzlich eintretender unsichtiger Luft (Nebel, nieder- schlagendem Rauch und dergl.) ist die Arbeit an den Gleisen einzustellen, bis die beschriebenen Sicherheitsmaßregeln getroffen sind. Erforderlichenfalls ist die Arbeitsstelle inzwischen durch Haltesignale zu decken. Die Auswahl der Sicher- heitsposten muß mit besonderer Sorgfalt erfolgen. Sie' müssen auf Seh-, Farbenunterscheidung und Hörvermögen geprüft sein und sind, sofern sie nicht Bahnpolizeibeamte sind, zu verpflichten.
Der Jnnenmann ist in der Regel an der Seite der Gleise aufzustellen, nach der die Arbeiter beim Ertönen des Signals heraustreten sollen. Vor Beginn der Arbeiten müssen die Rottenarbeiter in jedem Falle zur besonderen
10 lNachdrmk verboten.)
Schatten.
Roman von Bi v. d. Lancken.
(Fortsetzung'.
llud dann, nach abermals einigen Wochen, tarn das Scheiden. Gabi, so hieß es, solle an der See Erholung von der eben überstandenen Krankheit suchen — die näher Beteiligten wußten es besser. Gabi war es, die zuerst reiste — ihr Abschied von Rupert war kurz, aber tief schmerzlich. er stand ihrer Handlungsweise noch immer wie etwas Unfaßbarem gegenüber, aber er hatte nicht mit einem Wort versucht, sie um- znstimme«. Ulrike begleitete die Schwester Die Kleine blieb noch jür kurze Zeit in Berlin in der väterlichen Wohnung; erst wenn auch Rupert mit dem Prinzen nach Hvonne abgereist war. wollte Gräfin Reuchlin mit dem Kinde folgen.
Als Felsenbach von einem Ausgang heim- kehrte, war Gabi fort, Gräfin Natalie bei der Kleinen im Hinterzimmer. Wie von Betäubung umfangen, durchschritt er die bekannten, trauten Räume, in denen ihn alles, alles an Gabi erinnerte. Der Platz vor dem Kamin — wie oft hatten sie in heiterem, glückseligen Plaudern dort gesessen, neben dem Blumentisch die kleine Gießkanne — wie reizend hausfraulich hatte Gabi ausgesehen, wenn sie. diese in der Hand, über die Blumen gebeugt stand, ihr süßes, weiches Gesicht selbst wie eine frisch erblühte Blume.
Vorbei — vorbei jür immer.
..Großer Golt — gib Kraft, gib Kraft — es ist zu schwer. C, mein Weib!"
Felsenbach sank in einen Stuhl und legte den einen Arm auf den danebeiistehenden Tisch und preßte die Siir» darauf.
Jeder Sonnenschein war aus seinem Leben versihivuicden ringsumher nur Schatten — Schatten.
Gift Rascheln von Frauenkleidern läßt ihn astfschauen. Gräfin Natalie Reuchlin steht auf
Vorsicht ermahnt und genau unterrichtet werden, nach welcher Seite herauszutreten ist, wenn das Signal hierzu gegeben wird. Der Rottenführer hat sich auf geeignete Weise zu überzeugen, daß die Signale der Sicherheitsposten an der Arbeitsstelle gut zu hören find. Um die Sicherheitsposten bei größter Aufmerksamkeit zu erhalten, sind sie in angemessenen Pausen abzulösen.
Deutsches Reich.
— Die hundertjährige Stiftungsfeier beging am Montag das unter dem Protektorat der Kaiserin stehende Friedrichsstift zur Erziehung armer Soldatenkinder in Steglitz bei Berlin. Der Feier wohnte die Kaiserin und Kriegs- mintster v. Einem bei.
— Prinz Heinrich von Preuße« ist an Bord des Lloyddampfers „Prinz Eitel Friedrich" mit seinem Sohne, dem Prinzen Waldemar, in Gibraltar eingetroffen und sofort nach Algeciras weitergereist.
-r Zur braunschweigische« Frage. Entgegen dem auch von uns wiedergegebenen Gerüchte schreibt der „Hann. Eour.", daß auf keinen Fall Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg, der erst dieser Tage eine längere Reise angetreten hat, in Frage kommt. Das Gleiche gelte vom Prinzen Max von Baden, der wohl nur um seiner Cumberlandchen Verwandtschaft willen in die Kombinationen ausgenommen worden sei. Im übrigen könne nur immer wieder betont werden, daß von Preußen aus und von dessen regierender Stelle keinerlei Beeinflussungen unternommen werden. Wie die Braunschweiger ihre Regentschaftsfrage lösen, sei und bleibe ihre eigene Sache. Die Zustimmung des Kaisers würde überhaupt nur in dem Falle eingeholt werden müßen, wenn die Braunschweiger einen preußischen Prinzen sich zum Regenten erwählten. In dem Falle müßte allerdings der König von Preußen als Ehef des Gesamthauses Hohenzollern um seine Zustimmung ersucht werden.
— Der Postetat für 1907, mit dem sich bereits die Budgetkommission beschäftigte, sieht den wiederholt auch im Reichstage geäußerten Wünschen entsprechend auch eine Aufbesserung des Einkommens für Ortsinspektoren und Hilfsreferenten bei den Osterpostdirektionen vor, deren Anfangsgehalt »i n 2100 auf 2500 Jt erhöht werden soll. Diese Maßnahme hängt, wie die „Tägl. Rundschau" erfährt, mitderNeuschaffungvonStel« len für Oberpo st Praktikanten (geprüfte Anwärter der höheren Laufbahn) zusammen. Letztere wurden bisher in den Etatsftellen
der Schwelle, si>. hält ihm Rita — sein Töchterchen — entgegen, unwillkürlich streckt er die Arme nach dem Kinde aus; die Gräfin tritt näher und legt es ihm hinein, heiß drückt er es an sein Herz, sein umflorter Blick sucht das Auge der Frau---
Wundersame Fügung des Schicksals — in der Stund- da alles ihn verläßt, ist sie — der er alles geraubt — die Einzige, die an seiner Seite steht.
Der bittere Schmerz ihres Lebens ist verklärt und gesänftigt, und der stolze, feste Gerechtigkeitssinn dieser Seele hat den Haß besiegt. Das fühlt er und diese Erkenntnis fällt in all das Leid dieser dunklen Stunde wie ein Lichtstrahl des Trostes.
Neuntes K ap i t e l.
Das konnte in der Gesellschaft nicht lange verborgen bleiben, daß die Abreise Eabrielens in Begleitung der Schwester und ohne ihren Gatten im Zusammenhang stehe mit internen Familienangelegenheiten, und daß die Abreise das Vorspiel ober der Schluß eines ehelichen Konfliktes sei. Die meisten befreundeten Familien waren freilich schon auf ihren Gütern oder in Bädern, und so kam es, daß das Ereignis nicht zum Tagesgespräch und dadurch noch besonders aufgebauscht wurde.
Klar in der Cache sahen nur die Allernächsten. und zu diesen gehörte der Prinz und seine Gemahlin, ersterer stand ihr teilnehmend, letztere triumphierend gegenüber. Sie mußte sich sagen, daß sie sehr geschickt operiert hatte, daß Ulrike ihr — wenn auch aus anderem Grunde — unbewußt gute Dienste geleistet, als sie in Gabis leicht beweglichem Gemüt Zweifel und Ee- wisiensbisse weckte. Die Samenkörnlein waren über Erwarten rasch aufgegangen. Daß sie dadurch zum zweitenmal zerstörend in das Leben desjenigen eingrift, gegen den sie schon so schwer gesündigt, darauf legte sie keinen Wert, hoffte sie doch im geheimen, daß von dem Auaenblick
der Bureaubeamten erster Klasse, zum Teil auch kn denen der Obersekretäre versorgt (2100 bis 4200 -ll). Entsprechend dem Maße ihrer für die Post- und Telegraphenoerwaltung wichtigen Tättgkeit sollen sie nunmehr zu einer besonderen Klasse (2500 bis 4200 <40 herausgehoben werden. Die Erwägung, daß das Dienstalterstufensystem die Aufrückungsausfichten hier besonders verschlechtert habe, war nicht mit maßgebend. Sonst hätte zahlreichen anderen Beamten ähnliches bewilligt werden müssen, da jenes System allgemein neben den Vorteilen, die es herbeiführte, den früher Vorangeeilten zugleich Nachteile brachte. Für die jetzige Mehrbewilligung hat der angeführte besondere Grund genügt, zumal es sich um eine ganz spezielle, schon von 1907 ab allmählich wegfallende Beamtengruppe handelt. Folgerungen würden auch zugunsten der künftigen, durch die akademische Vorbildung hindurchgehenden Anwärter nicht gezogen werden können. Die gleiche Heraushebung im Anfangsgehalte wie den Oberpostpraktikanten mutzte aber auch de« aus ihnen hervorgehenden Ortsinspektoren und Hilfsreferenten ohne weiteres zufallen. Die Aufrückungsfrist wird für die Zukunft um drei Jahre (von 18 auf 15 Jahre) mit der Maßgabe abgekürzt, daß das Besoldungsdienstalter der vorhandenen Oberpostpraktikanten, Hilfsreferenten und Inspektoren im Hinblick auf den Wegfall der bisherigen ersten Gehaltsstufe in der Weise neu feftzusetzen ist, daß angenommen wird, das Anfangsgehalt von 2500 <M. hätte schon zu dem Zeitpunkte bestanden, an dem die Beamten in eine Stelle für Bureaubeamte erster Klasse oder Obersekretäre eingerückt find.
— Die Beamtenpenfionsnovelle«. Berlin, 11. März. Die Beamtenpenfionsnorwkken, die dem Herrenhause zugegangen find, werden am nächsten Donnerstag vom Plenum des Herrenhauses beraten werden und der Finanzkommis- ston zur Einzelberatung überwiesen werden.
— Interpellation der Pole« über de« Schulstreik. Berlin, 11. März. Die polnische Fraktion des Reichstages hat mit Unterstützung einiger Zentrumsabgeordneter folgende Interpellation im Reichstage eingebracht:
„Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß im Bundestaate Preußen aus höheren und mittleren Lehranstalten, vielfach Schüler lediglich wegen der Stellungnahme ihrer Eltern in der Frage der Erteilung des Religionsunterrichtes ausgewiesen werden, so daß ihnen dadurch der Bollgenuß der durch Reichsgesetze gewährleisteten staatsbürgerlichen Rechte unmöglich gemacht wird? Was gedenkt der Herr Reichskanzler demgegenüber zu tun."
an, wo Rupert frei sei, fein Herz sich ihr wieder zuwenden werde.
Sie war ihrer in Yvonne beschlossenen Taktik treu geblieben, hatte eine gewisse Zurückhaltung bewahrt, ihren Gatten mit liebender Sorgfalt umgeben, dabei hin und wieder — nur Felsenbach verständlich — verraten, daß sie die Fehler ihrer Jugend bereue und daß sie durch treue Pflichterfüllung sühnen wolle, so weit dies in ihrer Macht stehe, und es entging ihr nicht, daß die kühle, fast an Verachtung streifende Zurückhaltung, die Rupert in der ersten Zeit ihres Verkehrs ihr gegenüber beobachtet hatte, sich nach und nach mit einem Gefühl von Mitleid mischte, das der richttge Boden ist, in dem oft genug ein ganz anderes Pflänzlein Wurzel schlägt. Daß Rupert Mitleid für sie empfand, dies bedeutete einen nicht zu unterschätzenden Fortschritt.
Daß sie selbst sich durch bas gefährliche Spiel neue, von Tag zu Tag wachsende Qualen schuf, beachtete Isa zuerst nicht — erst, als ihr ganzes Denken sich unausgesetzt mit Rupett beschäftigte, als ihr Fühlen und Empfinden nur noch nach ihm Verlangen trug, als sie mit fieberhafter Ungeduld seinem Kommen entgegensah und bei längerem Fernbleiben unter einer unbeschreiblichen Vereinsamung litt, da erkannte sie mit geheimem Schreck, daß Rupert von Felsenbach der einzige Mann sei, dem ihr Herz mit allem, was es an Liebe barg, gehörte, daß ihr das Leben an der Seite des Fürsten eine drückende Last, daß das Band, welches sie an ihn fesselte, eine schwere Kette sei, von der sich zu befreien sie keine Möglichkeit sah. Und wenn auch — welche Vorteile wären ihr daraus erwachsen, was hätte sie dadurch erreicht? Rupett war vermählt, hatte ein Weib, welches er liebte, hatte ein Kind und im Besitz bet Seinen ein reines, ungetrübtes Familienglück. Von bem Moment an, wo sie bemerkte, baß Gabriele nicht bie Charakterstärke besaß, fremden Einflüsterungen gegenüber unberührt zu bleiben, von dem Moment an regten sich in ihr geheime, weitergehende Wünsche, und
„Liebte sie ihn?"
(Fortsetzung folgt.)
Mit Recht wird von einigen nationalen deutschen Blättern auf die Unmöglichkeit dieser In« terpellation hingewiesen, da die Reichsgesetze keinem Staatsbürger das Recht verleihen, unbedingt zu fordern, daß feine Söhne auf höhere« und mittleren Lehranstalten der Einzelstaate« unterrichtet werden müssen.
Deutscher Reichstast.
(15. Sitzung vom 11. März).
Die Besprechung der Trimbornschen (Zentr.) Interpellation über die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine, den kleinen Befähigungsnachweis, das Ausverkaufswesen, die Arbeitszeit der Fabrikarbeiterinnen und die Arbeitskammern wurde fortgesetzt.
Dr. Mugda« (Frs. Volkp.) kritisierte die Sozialpolitik des Zentrums und sprach sich am Schlüsse seiner Rede über die neue Mehrheit aus, wobei er folgende Erklärung gab: „Herr Trim- born tief uns (den Linksliberalen) höhnisch zu, wir wittetten Morgenluft. Ach nein, Herr Trim- born, die neue Mehrheitsbildung entspricht nicht bem Wunsch des Reichskanzlers, sie ist geboren aus der Rot der Zeit, weil es kein anderes Mittel gibt, das deutsche Volk davor zu behüten, daß Zentrum und Sozialdemokratie ihm feinen Willen aufzwingen (Beifall. Hohngelächter im Zentrum.) Der schweren Verantwortung, die unsere Stellung in der Mehrheitsbildung uns auferlegt, sind wir uns wohl bewußt, wir werde« ihr gerecht zu werden suchen im Geiste unseres verewigten Führers Eugen Richters, dessen Gedächtnis wir gestern gefeiert haben." (Beifall.)
v. Dirksen (Reichspartei) erklärte, aus der Rede Trimborns habe Aschermittwochstimmun- hervorgeklungen. Er und feine Freunde aber Hätten bas Gefühl der Befreiung; sie hätten positive Sozialpolitik getrieben ohne und g e g e n die Sozialdemokratie. Redner warf die Frage auf: „Was haben bie republikanisch regierten Staaten, auf die unsere Sozialdemokraten immer Hinweisen, in der Sozialreform geleistete im Vergleich mit uns? Auch in bem „verrotteten, reaktionären Preußen" fei in ben letzten Monaten und Tagen große Arbeit geleistet worden. So habe im „Berliner Tagebl." Herr v. Bodelschwingh darauf hingewiesen, daß bas Wanderarbeitsstätten-Ee- s e tz nicht eine Ergänzung bes Armenrechtes fei, sondern ein sozialpolitisches Gesetz von größter Tragweite. Redner polemisierte alsdann gegen die angebliche Mittelstandsfreundlichkeit der „Genossen", wobei er auch die Angriffe gegen de« Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie zur Sprache brachte. Er äußette sich darüber, wie folgt: „Den Namen „Reichslügen
au bem Tage, als Gabriele Felsenbach Berlin verließ, wurden aus diesen Wünschen Hoffnungen, bereit Erfüllung — so meinte sie — nur in ihrem Willen, in ihrem mehr ober minbet geschickten Handeln lag.
In der gutgemeinten Absicht, den jüngere» Freund der Einsamkeit zu entreißen, und in bet richtigen Voraussetzung, daß es bei großem Schmerz wohltuend ist, sich unter Menschen zu befinden, die die ganzen Verhältnisse kennen und denen man fein ganzes Herz ausschütten kann; hatte Prinz Schwarzenstein nicht nachgelassen, in Felsenbach zu bringen, daß er ihn nach Yvonne begleite. Der Prinz suchte Felsenbach selbst auf, ihm seine Bitte vorzutragen. Gräfin Natalie war einige Tage zuvor mit bem Kinde abgereift und Rupett fühlte erst jetzt die Vereinsamung in ihrem vollen Umfang und ergriff die sich ihm bietende Geleoenheit, ihr zu entfliehen, mit einer gewissen Hast — er dachte dabei nicht einmal an Isa Tromiau, er hatte nur einen Wunsch: fort, nur fort aus diesen Räumen? Er würde in dieselben nicht wieder zurückkehren, er wollte wieder einfach und bescheiden leben wie in seiner Junggesellenzeit; Professor von Führen hatte ihm die früher von ihm bewohnten Zimmer zur Verfügung gestellt. Die Dienerschaft wurde entlassen und bet Leibjäger bes verstorbenen Grafen Reuchlin von Priebisdorf nach Berlin berufen, um dir Aufsicht über die Wohnung zu übernehmen. Alles das war in wenigen Tagen erledigt und nichts hinderte ihn, sich bem Prinzen und seiner Gemahlin anzuschließen. Er war wieder frei. — Frei? — Aeußet- lich ja — aber seine Seele wat gebunden an Weib und Kind und sie — das wußte er — würde sich nie von ihm lösen können. Von Tag zu Tag wurde ihm Gabrielens Handlungsweise unverständlicher, und er kam bei allem Grübeln schließlich doch auf bie Frage, die et anfangs mit voller Ueberzeugung zurückgewiesen hattet