mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.»
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Marburg
Dienstag 12 März 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck uttb Verlag' Ioh. Lug. Koch, UniverjitätS-Buchdnickeret Marburg, Markt 2t. — Telephon 55.
42. Jahrg.
Erstes Blatt.
Deutschlands ausländische PoAbeziehungen.
v Die jedes Jahr wiederkehrende Reichspoft- Statistik gibt einen interessanten Ueberblick dar- Aber, in welcher großartigen Meise sich die ausländischen Postbeziehungen Deutschlands seit der Gründung des Weltpostvereins im Jahre 1874 verbreitert haben. Das erklärt sich allerdings euch aus der Tatsache, daß das Gebiet des Weltpostvereins jetzt 113 Millionen Quadratkilometer mit 1134 Millionen Einwohnern umfaßt. Nur wenige Gebiete in Asien und Afrika, darunter allerdings noch das große chinesische Reich, Belutschistan, Afghanistan, Arabien und Abessinien harren noch des Beitritts; aber der Betrieb in diesen Ländern wickelt sich schon jetzt in Anlehnung an die Vorschriften des Weltpostvereins ab. Ueberdies hat Deutschland mit China einen besonderen Vertrag abgeschlossen, > um zur Erleichterung des sehr erheblichen deutsch-chinesisihen Verkehrs zu erreichen, daß jener Staat die in Deutschland nach den Weltportosätzen frankierten Briefe ohne eine Zu- schlagstaxe, die er bisher erhob, befördert. Wie sehr unter dem günstigen Einfluß der Weltpostoereinstaxen einerseits und dem Aufschwungs des auswärtigen Handels andererseits, der besonders auch über Bremen eine immer größere Bedeutung erlangt, der ausländische Briefver- kshr Deutschlands gestiegen ist, läßt sich aus einer Gegenüberstellung der betreffenden Zahlen der letzten acht Jahre leicht entnehmen. Im Jahre 1898 waren fast 274 Millionen Briefsendungen nach und von Vereinsländern versandt worden; in 1905 aber waren es schon 460 Millionen Stück, was die gewaltige Zunahme von 68 Prozent bedeutet. In diesem großartigen Verkehr besonders, soweit es sich um den überseeischen außereuropäischen Dienst handelt, sind in Erster Reihe die von Bremen ausgehenden .Schnelldampferlinien des Norddeutschen Lloyd nach den Vereinigten Staaten von Amerika, sowie dessen Reichspostdampferfahrten nach Asien und Australien durch den Suezkanal beteiligt. Naturgemäß überragt der auswärtige europä- ische Briefverkehr Deutschlands sehr erheblich denjenigen mit anderen Weltteilen. An erster Stelle steht wegen der zahlreichen nachbarlichen Beziehungen der Austausch mit Oesterreich-Un- zgarn; es entfallen auf ihn 140 Millionen. Dann ckolgen England mit 50 Millionen, Frankreich mit 49 Millionen, Rußland mit 3V • Millionen, die Niederlande mit 31 Millionen, dis Schweiz Mit 29 Millionen, Belgien mit 21V. Millionen, ^Italien mit 14 Millionen, Schweden mit 7% Millionen, Norwegen mit 5 Millionen, Spanien mit 4 Millionen, die Türkei mit 2% Millionen «riefe.
89 (Nachdruck verboten.)
Schatten.
, Roman von B. v. d. Lancken.
(Fortsetzung).
In-kurzen, ergreifenden Worten entrollte Nupert der Gräfin ein Bild von seiner und Gabrielens Ehe. Er sprach von den lichten, son- «rigen Tagen und von den trüben, unheilschwangeren; er sagte, wie sich alles so allmählich vorbereitet habe, wie er selbst, aber nicht im Ernst daran hätte glauben können, bis nun seit gestern durch Gabrielens geplante und fast zur Ausführung gelangte Flucht ein Blitzstrahl der lErkenntnis in seine Seele gefallen sei, und er wisse, daß es keinen Ausgleich zwischen ihnen und kein Zurück für seine Gattin mehr gebe.
Sie stand nun vor ihm in dem stillen Zim- itnet, diese Frau, die einst so bitteren Groll gegen ihn gehegt; jetzt sprach aus ihren Augen etwas anderes zu ihm und jetzt — Rupert wagte es Nicht zu glauben —- traten in diese Augen Tränen, ihre Hand legte sich auf seine Schulter, und ihre Stimme klang weich und tröstend: , ..Es ist eine schwere Prüfung, aber sie wird vorübergehen; Gabi kann ja nicht dauernd in diesem Irrtum verharren, Rupert —"
• Es war das erstemal, daß sie ihn bei seinem Vornamen nannte, — und er fühlte sich eigentümlich davon berührt. Ein Gefühl unaussprechlicher Verehrung und Hingebung gegen die Gräfin erfüllte seine Brust, und hingerissen davon sank er vor ihr aufs Knie, preßte seine Stirn gegen die Hand, und stammelte: „Gräfin, Gräfin, wie soll ich Ihnen, gerade Ihnen, für diese Morte danken?"
i „Stehen sie auf, Rupert," sagte Natalie Reuchlin bewegt. Die Schatten, die wie Wolken Gabrielens klares Urteil und damit ihr beiderseitiges Glück verdunkeln, sie werden vorüber- ziehcn."
„Rein. Gräfin, neul^ das werden sie nicht. Ich selbst bin derselbe nMt mehr und das Band.
Es find hier nur die hauptsächlichsten europäischen Länder genannt, mit denen Deutschland, und besonders auch Bremen, lebhafte Beziehungen unterhält. Erfreulich ist die Tatsache, daß auch die deutschen Schutzgebiete in Afrika, die in letzter Zeit mehrfach politisch in den Vordergrund getreten sind, schon einen recht ansehnlichen Briefaustaufch mit Deutschland aufzuweisen haben; es sind int Jahre 1905 nicht weniger, als sechs Millionen Briefsendungen (beide Richtungen zusammengenommen) ausgewechselt worden. Bei den außereuropäischen Staaten nehmen bezüglich des Briefverkehrs mit Deutschland die erste, alle anbr n Länder weit zurücklaffende Stelle dis Vereinigten Staaten von Amerika ein, was sich einerseits aus der zahlreichen deutschen Einwanderung, andererseits aus bem lebhaften Handel zwischen beiden Ländern erklärt. Es handelt sich hier nämlich um die hohe Zahl von fast 24 Millionen Briefe, bei deren Beförderung der Löwenanteil auf die Schneid am pfer des Norddeutschen Lloyd entfällt. In weitem Abstande folgen dann die Argentinische Republik und Brasilien mit je 13/, Millionen, ganz Australien mit 114 Mill., Britisch - Indien mit 1% Mill., Aegypten, China, Japan, Chile. Mexiko mit % Millionen Briefe, denen die anderen Staaten mit weit geringerem Verkehr nachstehen. Man kann naturgemäß bei dem in die fernen Weltteile sich erstreckenden Verkehr nicht solche Riesenzahlen erwarten, wie wir sie in den inländischen Beziehungen gewobni sind; es ist aber zu bedenken, daß es sich bei den außereuropäischen Versendungen fast ausschließlich um die so wichtige Handelskorrespondenz bandelt, die den größten Wert in sich birgt. Nicht unerwähnt soll noch bleiben, daß das Schutzgebiet von Kiaukschou, dessen Verkehr zum Teil die Reichspostdampferlinien des Norddeutschen Lloud bis Shanghai vermitteln, postalisch schon recht hervorgetreten ist, indem der Briefumfatz 1905 etwa 1% Mill, betragen hat. Welchen hoben Rang Deutschland unter den europäischen Staaten mit seinem Posiverkehr überhaupt entnimmt, ist daraus zu ersehen, daß in 1905 auf den Kopf der Bevölkerung 113 Postsendungen entfallen sind, während dann folgen Belgien mit 93, Dänemark mit 92, die Niederlande mit 77, Frankreich mit 76, Schweden mit 62, Oesterreich mit 54, Norwegen mit 54, Italien r‘t l \ Ungarn mit 21, Spanien mit 20, Portugal mit 16, Rumänien mit 15, Griechenland mit 10 Postsendungen auf den Kopf der Bevölkerung. Abgesehen von England vielleicht, in Bezug auf welches die statistischen Zahlen nicht vorliegen, nimmt Deutschland demnach unter allen größere" Staken die erste Stelle ein und wird nur übertroffen von der kleinen Schweiz, wo auf bet Kopf der Bevölkerung 145 Postsendungen entfielen. Das ist aber nicht dem einheimischen Verkehr, sondern lediglich dem bekannten ungeheuren Fremdenverkehr zuzuschreiben.
welches uns bisher miteinander verknüpft, ich fühle es, würde zur drückenden Fessel werden."
„Und Ihr Kind?"
„Mein Kind — o, mein Kind —"
Der starke Mann zitterte und legte die Hand über das Gesicht; Gräfin Natalie ging leise hinaus — aber es war Rupert, als ob ihre Finger sanft über sein gebeugtes Haupt glitten.--
Es folgten nun Wochen angestrengter und sorgenvoller Pflege für Gabrielens Umgebung. Die Nachtwachen übernahm fast regelmäßig Rupert mit einer barmherzigen Schwester, er war von einer hingebenden Aufopferung, und nur am Tage gönnte er sich stundenweise eine kurze Ruhe.
Die kleine Rita hatte sich Eva Ebert erbeten, besuchen konnte Felsenbach sie in Rücksicht auf die damit verbundene Gefahr der Ansteckung nicht, und schon in dieser Zeit, wo doch die Sorge um Gabriele seine Gedanken fast ausschließlich beschäftigte. schon in dieser Zeit vermißte er das Kind schmerzlich, wie sollte das werden, wenn es erst ganz fort war? Denn es erschien ihm außer' Zweifel und auch am natürlichsten, daß Gabi die Kleine zunächst mit sich nahm. Und wenn et sich alle aus einer Trennung mit seiner Frau erwachsenden Eventualitäten vergegen- wärttgte, wenn er sich klar machte, wie öde das Leben ohne Kind und Weib sein würde, bann meinte er aufschreien zu müssen vor ' oergroßem Weh — tonn meinte er, e» sei ja cht möglich, und Gabis Sin« müsie sich wo-' :, sie könne nicht, um einer „Idee" willen so nannte er es — die heiligsten Bande zu losen.
Vach drei Wochen wurde die Macht bet Krankheit gebrochen, Gabriele trat in das Stadium der langsam fortschreitenden Genesung, und mit dieser zugleich kam ihr nach und nach ein klares Erinnern an die Zeit, die ihrer Erkrankung votausging und an jenen schrecklichen Abend. Sie sprach nicht darüber, aber sie dachte desto mehr daran, und wenn sie im Halbschlum, mer yor sich hinträumte, bann war ihr ganzeik _
Deutscher Reichstag.
(14. Sitzung vom 9. März).
Im Reichstage eröffnete am Sonnabend Präsident Graf Stolberg die Sitzung mit der Mitteilung, er werde an der Bahre des Staatsministers v. Bötticher einen Kranz niederlegen lassen. Die den ersten Gegenstand der Tagesordnung bildende Interpellation der Freifinni- gen und Sozialdemokraten über Schiffahrtsab- gaben wurde darauf abgesetzt, da Staatssekretär Graf Posadowsky erklärte, der Reichskanzler sei bereit, die Interpellation zu beantragen; und er werde dem Präsidenten den Tag der Beantwortung noch mitteilen. Es folgte die Interpellation Trimborn (Ztr.) und Dr. Hitze (Ztr.) über die Rechtsfähigkeit der Berufsvsreine und den kleinen Befähigungsnachweis. Nachdem Staatssekre- töt Graf Posadowsky sich bereit erklärte, die Interpellation zu beantworten, wurde diese durch den Abg. Trimborn (Ztr.) begründet, der meinte die Thronrede habe die Fortführung der Sozialpolitik angekündigt, der Herr Reichskanzler habe positiv aber nur die Reform des Vereins- und Versammlungsrechts erwähnt, aber nicht den kleinen Befähigungsnachweis. Eingehend beschäftigte sich der Redner mit der Frage der Ar- beitskammern und richtete an den Staatssekretär die Frage, wie er sich das Verhältnis zwischen Berufsvereinen und Arbeitskammern denke. Dem Zentrum genüge eine Reform des Vereins- und Vetsammlungsrechres nicht; damit werde es sich nicht abspeisen lassen.
Staatssekretär Graf Posadowsky erklärte, die Verbündeten Regierungen seien fest entschlossen, in der Sozialpolitik fortzufahren; wenn die Regierung jedoch ptattische Politik treibe und vorwärts kommen tsolle, müsse sie einzelne große Aufgaben herausgreifen, um sich mit diesen wirklich ernst zu beschäftigen. (Sehr richtig). Dann komme man weiter, wie mit zahllosen Anträgen. (Zustimmung). Von dem Berufsvereinsgesetz könne er aus vollster lleberzeugung sagen, es war wie Maria Stuart, besser, wie sein Ruf. Die Forderung auf Einführung der Rechtsfähigkeit der Berufsvereine sei doch von der Grundlage ausgegangen, die betreffenden Bestimmungen des bürgerlichen Gesetzbuches zu beseitigen und ein anderes Verfahren einzuführen. Diese Forderung sei den Brufsvereinen angenehm gewesen. Aber man habe die Forderung daran geknüpft, die früher nicht in Verbindung mit der Aende- rung des bürgerlichen Gesetzbuches erhoben war, man wolle eine Neuregelung des Koalitionsrechtes und des gesamten Vereins- und Versammlungsrechtes, Dinge, die auf einer wesentlich anderen Grundlage stehen. Nach dem Standpunkt,
Sinnen nur immer auf den einen Punkt gerichtet — es mußte sein.
An einem Spätnachmittag saß Gräfin Natalie neben ihrem Bett. Das Fenster war geöffnet, milde Juliluft strömte herein, bet Himmel war blau unb leuchtend, und kleine, rosig angehauchte Wölkchen strebten dahin. Das Zimmer lag nach hinten heraus, der Wein, der die Veranda umrankte, zog sich am Hause entlang über das Fenster, eine Rebe schaukelte sich zitternd in dem Sonnenstrahl, der schräg über sie hin in die Stube fiel, und das schmale, bleiche Gesicht der jungen Frau im Bette mit rötlichem Schimmer verklärte. Gabi folgte eine Zeitlang mit halbgeschlossenen Augen dem Sonnenstrahl, betrachtete die leise schaukelnde Rebe, ließ den müden Blick durch das Gemach gleiten und ihn schließlich auf der Gräfin ruhen:
„Mama," sagte sie mit leiser Stimme, „wo ist Rupert — wo ist die Kleine?"
„Rupert? — Der Arzt hat ihn hinausgeschickt, sich durch eine Spazierfahrt zu erfrischen und zu stärken. Er hat über seine Kräfte hinaus geleistet während deiner Krankheit. Die Kleine ist bei Eva."
„Bei Eva?" — Gut — gut. Mama," fuhr sie dann etwas lebhafter fort, der Mutter das Gesicht zuwendend, „du sagst „Rupert" — ftüher tatest du das nie.“
„Dein Gatte ist mit in diesen Wochen täglichen Verkehrs ganz besonders lieb und wert geworden, Gabi, seit dieser Zeit will das kalte, förmliche Herr von Felsenbach nicht mehr über meine Lippen."
„Er ist gut und edel — o, wie danke ich dir, daß du auch es erkannt haft. Hat Rupert — sie stockte — mit dir über alles gesprochen, was zwischen uns ----“
Sie hielt wieder inne, und Gräfin Natalie vollendete den Satz.
,.Ja -- es kam von deinem Bcsinden, deine Nerven waren überreizt, gottlob, daß es vorüber. Der Arzt meint Ihr sollt nun beide zur Erholung ein paarWochen in die Schweiz gehen.
den die verbündeten Regierungen bei der Vor« läge des Gesetzes gehabt, solle das Gesetz betreffend die Arbeitskammern nicht angebaut werden auf dem Gesetz über die Rechtsfähigkeit der Be« rufsvereine. Es solle mit dem Gesetz über die Berufsoereine in keinen inneren Zusammenhang gebracht werden. Was das Gesetz über die Be- rufsvereine anlange, so sei es selbstverständlich, daß nach der Kritik, die das Gesetz von verschiedenen Parteien erfahren habe, die verbündeten Regierungen von neuem Erwägungen anstellen würden, ob und welche Modifikationen daran vorzunehmen seien und ob und wann das Gesetz wieder einzubringen sei. Wegen des Gesetzes über die Arbeitskammern habe er sich bereits mit den zuständigen Stellen in Verbindung gesetzt. Di« kommifsarischen Verhandlungen ständen bevor und soweit er sich allgemein und unverbindlich äußern könne, nehme er an, daß in der nächsten Session des Hauses dem Reichstage ein Gesetzentwurf über Arbeitskammern vorgelegt werde. (Lebhafter Beifall). Heber den Gesetzentwurf betr. den kleinen Befähigungsnachweis werde sich der Bundesrat bald endgülttg schlüssig werden. Was die Arbeitszeit der weiblichen Personen betreffe, so hoffe er, daß die Verbündeten Regierungen ihr Einverständnis zur Einführung des zehnstündigen Arbeitstages geben werden.
In der Besprechung der Interpellation bemerkte zunächst Abg. Dr. Hiebet (natl.), die wichtigste Aufgabe der Sozialpolittk wäre die Fortbildung im Innern, die Erweiterung des Koalitionsrechts, die Beseitigung der rückständigen Bestimmungen im politischen Vereins- und Versammlungsrecht, Anerkennung der Berufsvereine, Errichtung von Arbeitskammern, sowie Ausbau und Einreihung der Tarifverträge in unsere bürgerliche und wirtschaftliche Gesetzesordnung. Abg. Henning (ksns.) erinnerte an das Wort Bismarcks: „Die orientalische Frage darf nur etappenweise gelöst werden." Dies geflügelte Wort gelte auch für unsere Sozialreform. Mit einer Herabsetzung des Normalarbeitstages für weibliche Arbeiter sei auch seine Partei einverstanden« Abg. Hue (Soz.) polemisierte gegen die Rechte, und glaubte mit der Behauptung Eindruck zu machen, die Sozialpolitik sei nut begonnen worden, weil erst die Sozialdemokratie dazu gedrängt habe. Ihm erwidette sehr treffend Abg. Bruhn (wirtsch. Vgg.), keine Partei habe so mit leeren Versprechungen gewirtschaftet, wie die Sozialdemokratie; ihr fef es nur um das Mandat zu tun gewesen. De« Handwerk könne nur der allgemeine Befähigungsnachweis helfen. Darauf beschloß das Hau« die Fortsetzung der Besprechung am Montag uni vertagte sich.
Jählings richtete sich Gabriels empor und legte ihre Hand auf die der Gräfin, die Augen waren weit geöffnet, ihr Ausdruck angstvoll erregt.
„Nein, nein — nicht das — o, Mama, nicht das, sage es Rupert ,daß ich es nicht kann."
Sie sank erschöpft in die Kissen zurück, Gräfin Natalie beugte sich über sie.
„Törichtes Kind," sagte sie, und ihre Blicke ruhten mit strengem Ausdruck auf bet Tochter, „Rupert wird deinen Wunsch erfüllen — fürchte keinen Zwang — er hat mich beauftragt, dir dies zu sagen. Jener Vorschlag einer gemein« samen Reise kam von mir, ich konnte nicht glauben, daß du diesen Mann verlafien würdest. Ich habe kein Verständnis für dein ganzes Eebah- ren, Gabriele, rege dich aber nicht weiter darüber auf — wir Menschen sind eben verschieden geartet, ich mache dir deshalb auch keine Vorwürfe."
Sie rückte Gabi die Kissen zurecht und legte ihr die Hand auf die Stirn; die Hand war schwer und kühl, sie tat Gabi wohl. Nach ein paar Sekunden griff sie darnach, zog sie herab und küßte sie. —
„Seid mir nicht böse — bitte — ich kann nicht anders."
„Ich habe dir nicht böse zu fein und Rupert? Er wird deiner Schwäche, deiner Charakterschwäche Rechnung tragen." Das Letzte klanx wider ihren Willen hart.
Es war viel, was Gräfin Natalie der Rekonvaleszentin zumutete, als sie in dieser Weiss zu ihr sprach, aber die Empörung riß sie hin und ließ sie die sonst so streng bewahrte Selbstbeherrschung vergessen. \
Gabi war noch zu schwach, andernteils aber t gab ihr die Zusicherung besten, was sie so angstvoll ersehnte, mehr Ruhe, als sie sonst bewahrt« haben würde. Sie entgegnete nichts und drehte sich nach der anderen Seite. Sie fühlte es, hier wie bei Rupert fand sie kein Verstehen dessen,; was sie bewegte und quälte. /
(Fortsetzung folgst.^