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Marburg
Donnerstag 7. März 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck ttttb Verlag' Joh. Avg. Koch, UmverfitStS-Buchdruckttci Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
42. Jahrg.
Erstes Blatt.
Die ZMelastung lm „Freihandelslande" L»«la»d.
Den Deutschen im. allgemeinen find hervorragende Fähigkeiten eigen, kraft deren sie anderen Kulturnationen voranschreiten. Jedoch es find ihnen auch mancherlei Neigungen angeboren, die ihnen im Wettbewerbe mit anderen Völkern znm offenbaren Nachteile gereichen. Eine dieser schon oft beklagten Untugenden ist die kritiklose Bewunderung alles Fremden, die sich auch in dem bekannten Volksworte aus- prägt: Das ist nicht weit her. Darum werden auch vielfach die politischen und wirtschaftlichen Zustände des Auslandes über Gebühr bewundert und sehr zu Unrecht unfern heimischen Einrichtungen gegenüber als mustergültig und nachahmenswert angepriesen. So ist es eine bekannte Gepflogenheit linksliberaler Parteiführer und sonstiger Freihandelsschwärmer, in Bezug aus die Zollbelastung auf das „Freihandelsland" England als ein zollpolitisches Muster hinzuweisen. Daß diese Behauptung unrichtig ist, hat am Freitag im Reichstage, wie in dem betr. Reichstagsberichte kurz mitgeteilt wurde, der Staatssekretär des Innern dem Abgeordneten Singer gegenüber dargelegt. Der Wichtigkeit des beregten Themas wegen feien an dieser Stelle diese wertvollen Darlegungen ausführlich wiedergegeben. Graf von Posadowsky sagte:
„Wer eigentlich das Märchen aufgebracht hat, daß England ein Freihandelsland ist, das zu wiAeik, wäre mit außerordentlich interessant. Ich erlaube mir zunächst, um den Urkunden- Leweis meiner Behauptungen «nzutreten, auf die Verhandlungen des englischen Unterhauses über die Adreßdebatte vom 19. Februar d. I. hinzuweisen. Dort sagte der Hauptberichterstatter Mr. Hills, in Durham gewählt, folgendes:
„Natürlich, meine Herren, wir find nicht ein Schutzzollland,' aber der Betrag, der per Kopf an Zöllen in England bezahlt wird, ist höher als in irgend einem anderen Lande der Welt. Hier wird per Kopf 12 Schilling 2 Pence, in den Vereinigten Staaten 11 Schilling 8 Pence und in Deutschland 8 Schilling 2 Pence bezahlt. Die zollbelasteten Artikel find solche allgemeinen Gebrauchs."
Wenn solche Zahlen in parlamentarischen Verhandlungen genannt werden, ist es aber immer nützlich, eine objektive Probe auf dieselben anzustellen, und das habe ich auch im vorliegenden Falle getan. Ich habe nachrechnen
85 lNachdruck verboten.)
Schalen.
Roman von B. v. k Lancken, ''■v.r
(Fortsetzung).
„So ganz hingenommen von der Lektüre? Ei, das muß ja etwas sehr interessantes sein," siherzte die Baronin nahertretend, und während sie ihren Arm um Gabrielens Schulter legt, einen Blick in das Buch werfend.
„Historie der Gräfin Kunigunde von Yvonne, so ihres leiblichen Bruders, des Grafen For- catier Mörder freiete," las ste halblaut. „O, Sie wollen noch Genaueres über die Sage erfahren, die uns Pastor Hagedorn gestern zum Besten gab," fuhr sie dann fort. „Wissen Sie, Gabi, daß ich gestern eigentlich recht böse auf den geistlichen Herrn war?"
„Warum?" fragte Gabi, die Augen senkend.
„Warum — nun — weil er diese dumme Geschichte erzählte,' er hätte lieber bei seinen armen Kranken noch länger weilen sollen, anstatt so schnell zu uns zurückzukehren und diese gruselige Geschickte zu erzählen. Meinen Sie nicht auch? Ich fürchte, diese Erzählung scheint mehr Eindruck auf Sie gemacht zu haben als gut ist. Arme Gabi!"
Gabi fühlte etwas wie Empörung in sich aufwallen. aber nicht mehr tote im Sommer fand sie den Mut, der Versucherin stolz und mit Energie entgegen zu treten; ihr ganzes Denken und Empfinden war ja schon seit langer Zeit beherrscht von jenen qualvollen Zweifeln, auf die Z'a mit ihren Worten hinwies.
..Ich verstehe Sie ltichk," brachte sie endlich mühsam heraus, ..was fürchten Sie? — warum bedauern Sie mich? Diese Geschichte — eine alte Sage — ich interessiere mich für dergleichen, weiter ist es nichts."
Und nun schlug sie doch mit einer fast heftigen Bewegung den schweren Deckel LU und trat
lassest, wie viel in Großbritannien und in den Vereinigten Staaten von Amerika auf den Kopf der Bevölkerung an Zöllen entfällt, und da habe ich auf Grund sehr eingehender Berechnungen festgestellt, daß in Großbritannien zur Zeit auf den Kopf der Bevölkerung an Zöllen 15,80 <M. gezahlt werden, in den Vereinigten Staaten von Amerika 14,95 J*. und in Deutschland 10,49 Jt. Also in Deutschland ist der Verbrauch pro Kopf mit weniger Zöllen belastet, als in dem sogen. Freihandelsland England.
Auch ist die Zollbelastung in Deutschland in den letzten Jahren wesentlich weniger gewachsen, als in England. In Großbritannien, um mich richtig auszudrücken, ist die Zollbelastung pro Kopf der Bevölkerung seit dem Fiskaljahre 1899/1900 bis zum Fiskaljahre 1905/06 von 11,20 <Jl auf 15,80 <AL gewachsen, in den Vereinigten Staaten von Amerika ist sie in demselben Zeitraum gewachsen von 12,64 M. auf 14,95 <Al, und in Deutschland ist sie nur gewachsen von 8,89 J*. auf 10,15 cK und für das Kalenderjahr 1906 aus 10,15 X
Nun werden in Großbritannien bekanntlich die Zölle, die dort den Charakter der Finanzzölle tragen, erhoben auf Tee, auf Zucker, auf Wein, auf Tabak, auf Kakao, auf Kaffee und auf getrocknete Früchte. Die meisten dieser Gegenstände sind bei den englischen klimatischen Verhältnisien und bei den Ernährungsverhält- nisien der dortigen Bevölkerung unzweifelhaft notwendige Lebensrnittel. — Aus welchen wirtschaftlichen Gründen der Steuerpflichtige belastet wird — und die Zölle, wie der Redner int Pa^amertt selbst zugibt, werden dort alle erhoben direkt vom Verbraucher —, das ist für den Unbemittelten selbstverständlich vollkommen gleichgültig; ob er die Zölle zu tragen hat als Schutzzoll oder als Finanzzoll, darauf kommt es nicht an, sondern die entscheidende Frage ist die, ob er Zölle zu tragen hat, durch welche die Gegenstände, die für ihn ein notwendiger Gegenstand zum Verzehr sind, belastet und eventuell in ihrem Preise erhöht werden. Und ich glaube hier den Beweis zu führen, daß in Deutschland die Zollbelastung der unbemittelten Klassen wesentlich geringer ist, als in dem so häufig gepriesenen Freihandelsland Eng« l a n d. Das sind Zahlen, die Sie nicht bestreiten können, und diese Behauptung, meine Herren, ist meines Erachtens um fo zutreffender, weil in Deutschland sich die Zollbelastung von 10,15 J*. pro Kops der Bevölkerung auf eine große Reihe von Verbrauchsartikeln verteilt, die gar nicht Gegenstand des Verbrauchs der unbemittelten Volksklasien find, und weil die Zölle nur zum Teil Finanzzölle, überwiegend aber Schutzzölle find, während sich in Großbritannien die Zollbelastung eigenttich nur aus Gegenstände ver-
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von Isa fort, der auf ihrer Schulter ruhende Arm der Baronin glitt herab und diese verbarg ein gehässiger Aufblitzen ihrer Augen unter den langen Wimpern.
„Eine Sage ist es nicht, Gabriele," sagte sie hart und rücksichtslos, .die Geschichte beruht auf Wahrbeit, sic hat sich zugetragen. Freilich, was der ttltt Chronist de weiter schreibt von der Heimsuchung der Kinder für die Sünden der Väter — das ist Unsinn, nicht wahr?" wiederholte sie lauter, als Gabi schwieg, „das halten Sie auch für Unfinn? Und ich kann es der seliger Kunigunde sehr wohl nachempfinden, daß sic sich der ihr auferlegten Sühne nicht unterzog, nämlich sich von ihrem Gatten zu scheiden, als Gräfin Pvonne weiterlebte und starb, und lieber ihrem Enkel es überließ, eine Sühnekapelle zu bauen. Aber, nun gehen Sie, liebes Herz, die Post ist da und der Diener hat eine Menge Briefe in Ihr Zimmer hinüber getragen."
„Ist mein Mann beim Prinzen?" fragte Gabi im Hinausgehen.
,.36r Mann? Ich weiß es nicht; vermutlich — bitte, warten Sie nicht auf mich," sagte die Baronin, al» Gabriele in der Tür stehen blieb, „ich will noch ein paar Fenster öffnen."
Als die Tür hinter der jungen Frau ins Schloß gefallen war, rang sich ein tiefer Atemzug aus Isas Brust, die schlanke Hand ballte sich zur Faust, und ein böses, verächtliches Lächeln legte sich um ihre Lippen.
„Kindisches, unselbständiges Geschöpf," murmelte sie, warf sich in einen der tiefen Ledersessel und. den Kopf weit zurückkehnend, ließ sie ihre Augen über den reichgeschnitzten Eichenplafond schweifen. Sündhafte Gedanken und leidenschaftliches Begehren beherrschten Herz und Sinn. Sie machte sich selbst kein Geheimnis daraus, daß das, was sie für Rupert Felsenbach gefüllt und was sie längst erstorben gewähnt, in ihrer Brust weiter gelebt hatte, mochte sie es auch um Eitelkeit und äußere Vorteile willen für
teilt, die unentbehrliche Gegenstände des Verbrauchs der unbemittelten Klaffen bilden. Ich behaupte also, daß die A n n a h m e eine vollkommen irrige ist, daß in Deutschland durch unsere Zolltarife das Volk mehr belastet sei, als in anderen großen Kulturstaaten."
Deutsches Reich.
Berlin, 6. März.
— Der Kaiser über das Wahlrecht. Wie kürzlich behauptet worden war, sollte der Kaiser beim Empfange des Reichstagsprästdiums u. a. gesagt haben, daß das Reichstagswahlrecht sich bei den letzten Wahlen durchaus bewährt habe. Wie nun aber der „Deutschen Tagesztg." mitgeteilt wird — vermutlich von dem Reichstagspräsidenten Grafen Udo zu Stolberg —, hat der Kaiser sich anders geäußert. Er hat gesagt, das jetzige Reichstagswahlrecht fei scharf angegriffen worden, die letzten Wahlen hätten aber doch bewiesen, daß damit auszukommen sei.
— Bundesrat. In der Plenarsitzung des Bundesrats am Montag wurden die Ausschußberichte über den Entwurf eines Gesetzes, betr. die vorläufige Regelung des Reichshaushalts für die Monate April und Mai 1907, angenommen. — Danach sind also sowohl,für den eigentlichen Reichshaushalt wie auch für den Kolonialhaushalt EtatsAotgesetze beabsichtigt.
— Ins Herrenhaus berufen. Rittergutsbesitzer Rich. «Blankenburg zu Schötzow wurde in das preußische Herrenhaus berufen.
— Zur braunschweigischen Angelegenheit. Zur braunschweigischen Frage hött die „R. Pol. Korresp.", daß für die Thronfolge ober die Regentschaft den Intentionen des Kaisers gemäß keinesfalls ein preußischer Prinz in Aussicht genommen werden wird.
— Die deutsche Reformpaktei, von der einige Mitglieder bisher in losem Kartellverhältniffe mit der Wirtschaftlichen Vereinigung standen, hat aus dieser Gruppe korporativ ihren Austritt vollzogen und sich, um in der Kommission Vertretung zu finden, der Reichspartei an- geschlossen.
— Eine interessante Unfallstatistik. Wie die „Statistische Korrespondenz" mitteilt, beläuft sich die Zahl der in Preußen im Jahre 1905 tödlichen Unfälle — ohne die Fälle von Mord und Totschlag — auf 14714, von denen 2922 weibliche Personen betrafen. Nach sozialen Lebensstellungen abgegrenzt, entfallen die meisten tödlichen Verunglückungen auf die Arbeiterklassen: vom Hundert 28,71 auf Gehilfen, Gesellen, Lehrlinge und Fabrikarbeiter, 14,73 auf Tagearbeiter und ähnlich Beschäftigte, 4,02 auf Dienstboten und 9,56 auf selbständig Erwer-
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Achtes Kapitel.
Als nach einem rauhen Winter endlich Sonne und Wärme wieder zum ihrem Rechte gelangt waren, die Blumen sproßten und die Sträucher sich in frisches Grün kleideten, da wiegte Gabriele von Felsenbach ein kleines, rosiges Mädchen in ihren Armen und Rupert faß, jeden freien Moment benutzend, an der Wiege seines Kindes; feine Blicke schweiften dann von ihm zu Gabi und von dieser zurück zu dem Liebling, er war so überglücklich und dankbar, er sehnte sich, von diesem Glück auch einen Schimmer auf dem Antlitz feines Weibes zu finden, aber r ergebens. Er hatte so viele Hoffnungen an die Geburt des Kleinen geknüpft, nicht in der allgemeinen Weise, wie dies jeder Vater tut, nein, im ganz Besonderen, im Hinblick auf Gabi. Er hatte gemeint, die traurige Seelenstimmung, die sie den ganzen Winter beherrscht, werde verschwinden, wenn das Kind da sei; er hatte mit dem Arzt darüber gesprochen und dieser seine Ansicht geteilt. Mit großer Liebe hatte Felsenbach sein Weib umgeben, hatte es in traurigen Stunden durch den freundlichen Zuspruch zu zerstreuen versucht und war nie mit Fragen in Gabriele gedrungen, warum sie so seltsam verwandelt sei; als aber auch jetzt nicht die ersehnte Wendung zum Besseren eintrat, als nach wie vor ein Hauch stiller Schwermut über ihr Wesen gebreitet blieb, jetzt, nachdem sie körperlich sich ganz frisch und kräftig fühlte, da alle ihre Wünsche Erfüllung geworden, da drückte die Sorge schwer auch auf sein Herz und eine Vorahnung wie von etwas Schmerzlichem ergriff ihn.
Die stumme Frage seiner Augen schien Gabi
bende, zusammen 57,02. Dem entsprechend finden wir die tödlichen Unglücksfälle bei Rentnern, Pensionären, Altsitzern und Almosenempfängern — ihre Angehörigen eingeschlossen — nur mit 4,28 o. H. und außerdem sehr niedrig (0,83 v. H.) im stehenden Heere und auf der Kriegsflotte. Wenn ferner von 14714 tödlich Verunglückten wiederum nur 2922 (19,86 v. H.) weibliche waren, so weist auch dieser Umstand aus die große Bedeutung hin, welchen die Art des Erwerbes bei den bezeichneten Todesfällen hat. Hinsichtlich der einzelnen Beschäftigungen verunglückten von Männern aus dem Bereich, der Land- und Forstwirtschaft 2938 oder 24,91 v. H., aus dem des Bergbaues und Hüttenwesens 1833 oder 15,54 v. H., aus dem der Industrie 3471 oder 29,44 v. H., aus dein Bereiche d« Handels- und Verkehrs 1597 ober 13,54 v. H. — Erwähnenswert ist auch, baß biejenigen Ee> werbe, welche bie höchsten hier besprochenen Bet. lüste zu verzeichnen haben, zum Teil auch hohl Verhältniszahlen für biejenigen zeigen, welch, als erwerbtätig löblich verunglückten. Es ist jebenfalls sehr beachtenswert, baß im Bergbau unb Hüttenwesen ber niedrigste Prozentsatz tödlicher Unglücksfälle, dagegen ein fast doppelt so hoher in bet Jnbustrie vorkommt. In ber Land- unb Forstwirtschaft ist bet Prozentsatz ebenfalls unerwartet groß; doch bürsten babei hauptsächlich wohl lonbwirtschoftliche Jnbuftrien in Betracht kommen. Freilich muß bei bieser Statistik betrachtet werben, baß sie biejenigen Berufsklassen im unaiinstigsten Lichte erscheinen läßt, bie an Kopfzahl am stärksten finb. Unter ben verschiebenen Arten, durch welche die tätlich verunglückten Personen vom Schicksal ereilt werden, kommt Ertrinken verhältnismäßig bei weitem am häufigsten vor: denn ungefähr ein Viertel aller tödlichen Unfälle wird alljährlich hierdurch herbeigeführt. An zweiter Stelle stehen bie durch Sturz aus ber Höhe, an britter bie durch lieber« fahren verursachten Fälle. Unter ben durch Sturz verursachten tödlichen Verunglückungen dürften auch diejenige noch von Interesse sein, welche das Radfahren als bedauerliche Begleiterscheinung zeigt. Co sind im Berichtsjahre 53 Todesfälle von ebensoviel männlichen Personen zu verzeichnen, deren Ursachen Sturz mit dem Fahrrade war. Von den der Anzahl nach an dritter Stelle stehenden 2385 tödlichen Verun. glückungen durch Ueberfahren treffen auf bei Landespolizeibezirk Berlin 190 Fälle, bas sinl 7,97 v. H. aller biesbezüglichen Unfälle _ im Staate. Betroffen würben hierbei 144 männliche unb 45 weibliche Personen. Von biesen sind 75 m., 27 w. durch Fuhrwerke, 28 m., 7 w. durch Straßenbahnen und 16 m.. 2 w. durch bie Eisenbahn überfahren. Von letzteren waren 14 Eisenbahnbeamte bezw. -Arbeiter unb 3 an« bete Personen. Nickt unerwähnt sollen biejenigen löblichen Verunglückungen von 40 m., 10 w. Personen — im Staate — bleiben, welche im Kraftwagenverkehr burch Ueberfahren herbei- gefiihrt würben, soweit Angaben darüber Vorgelegen hoben. Der Landesvolizeibezirk Berlin ist hier mit 7 m., 3 w. Personen vertreten. Noch । -------------------■ j "'1
nicht zu verstehen ober — wollte sie es nicht? Heber bas alles zermarterte er sein Gehirn, es nahm ihm bie Lust zur Arbeit, es verbitterte ihm die Freube an jeder geistigen Anregung, die von Außen an ihn herantrat, an jedem geselligen Verkehr. Gabriele sah dies alles, sie guälte sich darüber in gleicher Weise, es raubte ihr Stunden der nächtlichen Ruhe, und trotzdem fand sie weder ben Mut, mit ihren Wahnvorstellungen zu brechen, noch ben, sich ihrem Gatten zu entdecken. Sie lebte bahin, ein in sich gekehrtes, traumhaftes Leben, bis ihr ganzes Empfinden unb Denken gefangen gehalten würbe von einem Netz peinigenber Zweifel unb Fragen, aus betten sie sich nicht zu befreien, auf die sie feine Antwort zu finben vermochte. So verging für bie beiben Menschen bie Zeit in stiller Selbstmarter, bis ber Zustanb anfing, geradezu unerträglich zu werden, unb Felsenbach feinem ganzen Wesen unb Charakter entsprechend den Entschluß faßte, unter allen Umständen eine Klärung herbeizuführen.
Mit diesem Vorsatze suchte er Gabriele eines Nachmittags in ihrem Zimmer auf und fand sie, wie meist in der letzten Zeit, im Schaukelstuhl lehnend, eine Arbeit in ben Hänben unb boch unbeschäftigt, in träumerisches Sinnen versunken, sie schien seinen Eintritt nickt einmal zu bemerken. Rupert blieb in ber Tür, halb verbeckt von bet Portiere, stehen, sie aufmerksam beob- achtenb, unb mit Schrecken nahm er wahr, wie bleich, wie abgezehrt ihr Gesicht geworben, wie' gebrochen die Haltung der sckönen, jugendlichen Gestalt — ein unbeschreibliches Webeoefühl überkam ihn. Leise nannte er ihren Namen. Die Frau zuckte erschrocken zusammen und wandte langsam das Haupt; als ihre Augen denen des Garten begegneten, überzog eine tiefe Röte ihre langen, und wie auf einem Unrecht ertappt, senlte sie die Wimpern. Rupert zog die Tür hinter sich ins Schloß, unb rasch näßer tretend, sagte et: