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Marburg

Mittwoch 6. MSrz 1907.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Ioh. Aug. Koch, Ümverfitäts-Buchdruckdrei

Marburg, Markt 2t. Telephon 55.

42. Jahrg.

Zweites Blatt.

Die Siebenbürger Sachsen «nd die andern Deutschen in

Ungarn.

Im Deutschen Reiche pflegt man die Zahl der Siebenbürger Sachsen ebenso zu überschätzen, Wie di der andern Deutschen in Ungarn za unterschätzen. Man ist erstaunt zu hören, daß die einen nur 219 000, die andern weit über 2 Millionen zählen. Diese Unkenntnis ist be­dauerlich, aber immerhin verständlich. Sind doch die Sachsen die einzigen Deutschen in Un­garn, die politisch mitsprechen, und ragen sie doch mit ihrer achthundertjährigen deutschen Kultur hoch heraus über alle Völkerschaften der Stephanskrone. Die Hochachtung, mit der man bei uns allgemein von den Sachsen spricht^ ist wirklich wohlverdient. Aber ein Vorwus kann ihren Führern nicht erspart bleiben: der einer betrübenden Jntcreffelosigkeit gegenüber dein Schicksal aller andern vaterländischen Deutschen. * *,

Das Jahr 1867, das ganz Ungarn den Mad­jaren auslieferte, traf unter allen Deutschen des Landes nur die Sachsen gerüstet und orga­nisiert. Und in den seitdem verflossenen vierzig Jahren hat das kleine Völkchen es wacker ver­standen, seine Sprache, Kirche und Kultur gegen Rumänen und Madjaren zu behaupten; aber hat es stillschweigend mit angesehen, wie der madjarische Chauvinismus mittlerweile gegen das unbewehrte Deutschtum in Westen und Sü­den des Landes, in Stadt und Land rücksichtslos zu Felde zog. Man wollte es mit den Mad­jaren nicht verderben, deren Hülfe man in Siebenbürgen gegen die Rumänen brauchte. Man trieb nicht deutsche, sondern nur sächsische Politik.

Hat diese Kantonspolitik, die wir nicht ver­dammen denn sie ist politisch nur zu verständ­lich, da ja die Sachsen nicht in der Lage waren, direkt für ihre Stammesgenossen im übrigen Ungarn mit Aussicht auf Erfolg einzutreten, hie wir aber wegen ihrer Wirkungen lebhaft bellagen, den Sachsen auf die Dauer geholfen? Wir müssen diese Frage verneinen. Sie hrt die Sachsen weder vor vielfachen Angriffen aff ihre Schulen, noch vor der Madjarisierung ihrer Ortsnamen geschützt. Und wie wird es ihnen erst ergehen, wenn einmal die versprochene Wahlreform und wäre sie noch so schlecht - durchgeführt wird? Die sächsischen Wahlkreise gehören zu den kleinsten in Ungarn. Die Sachsen können bei der Wahlreform nur ver­lieren, nicht gewinnen. So sinkt ihr Einfluh indes der madjarische Chauvinismus immer höher anschwillt. Wo ist noch eine Stütze, eine Hülfe für sie, wenn nicht bei den andern ungar- lüu-tschen Deutschen?

' Wir denken vor allem an die Banater Schwaben, jene mehr als eine halbe Million tüchtiger deutscher Volksgenosien, die eben aus ihrem nationalen Schlummer erwachen. Die Schwaben sind reich, sind unternehmungslustig und vermehren sich rasch; aber ihnen fehlt jede Organisation, sie haben keine Banken, keine Gymnasien, keine Tageszeitung, keinen politi­schen und keinen kirchlichen Verband. Die Sachse» dagegen kämpfen wirtschaftlich vielfach schwer um ihr Dasein, ihre Zahl wächst langsam, und der Pessimismus ist leider sehr weit ver­breitet unter ihnen; doch sie sind musterhaft organisiert von einer großen Zahl fähiger und gebildeter Männer, sie nennen hunderte von Volksschulen, neun höhere Schulen, eine statt­liche Anzahl blühender Banken (Sparkassen'" drei Tageszeitungen und eine sturmerprob: Evangelische Landeskirche ihr. eigen. Den ischwaüen ist in den letzten 30 Jahren fast ihre gesamte gebildete Jugend ourch Majarisierung ir. Cymnafiun und Universität verloren ge- gangeu, den Sachsen dagegen wächst mehr In­telligenz auf, als sie beschäftigen können, und viele ihrer tüchtigsten Söhne suchen sich in Deutschland und Oesterreich ihr Brot. Bei den Schwaben sind lebenskräftige Volksmassen, aber teilt Führer, bei den Sachsen nur eine schmale Volksbasis, doch Führer in Hülle und Fülle: sind diese beiden deutschen Volkssiämme n.cht geradezu auf einander angewiesen?

i Wir wissen wohl, daß es auch Trennendes gibt. Die Sachsen sind ätherisch, die Schwaben Eeist katholisch. Aber so gut wie Viktor Lrendi.

d"r wackre Sachse, der in Temeschwar den , Deutschungarischen Volksfreund" herausgibt, eine Brücke ins Banat hinüberfand, müssen die sächsischen Führer sie auch finden. Die Jugend ist ja schon vorangegangen. In derVereini­gung deutscher Hochschüler aus den Ländern der ungarischen Krone" in Wien fanden sich Schwa­ben und Sachsen zusammen, und in Klause i- burg scheint eine ähnliche Verständigung bevor­zustehen. Der gute Anfang ist also da, uyd ein Fortschreiten auf diesem Wege wird sich <n dem Deutschtum ganz Ungarns walwlich lohnen!

Lauterbach, 22. Febr Der hiesige Turn­verein hat eine Turnhalle erbaut, die im Som­mer eingeweiht werden soll. Die Turnhalle er­hält zum Andenken an den hier geborenen Adolf Spiest, dem Schöpfer des deutschen Schulturnens, den Namen Spiestturnhalle. Der große stattliche Bau enthält außer dem Turnsaal, einen Eesell- schaftssaal, Kegelbahn u. a. Räume auch zwei Wohnungen. Das Gebäude kostet 50 000 Mark. Die Stadt hat jährlich 800 Mark zum Bau be­willigt. Die Einweihe soll mit einem Turnfest verbunden werden, zu dem die Vereine des Gaues Hessen eingeladen werden sollen.

Deutsches Reich.

Wertsteuer und Ertragswert. Die Abge­ordneten Herold und v. Pappenheim haben im Abgeordnetenhaus« beantragt, die Staatsregier­ung zu ersuchen, dahin zu wirken, daß bei Ein­führung einer Wertsteuer des Grund und Bodens in den Gemeinden für Grundstücke, welche dauernd land- oder forst wirtschaftlichen Zwecken zu dienen bestimmt sind, nur der Ertragswert zugrunde gelegt wird.

Das finanzielle Verhältnis der Einzel­staaten zum Reiche. In der nunmehr bereits eine Woche andauernden ersten Lesung des Reichshaushaltsetats für 1907 ist hin und wie­der auch von den Reichsfinanzen die Rede ge­wesen, leider nicht derart, daß ein für sie höchst wichtiges Moment, das Verhältnis der Einzel­staaten zum Reiche, die nötige Erörterung und Beleuchtung gefunden hat. Der Reichsschatz­sekretär hatte durch die Bemerkung, wonach die im Etat für 1907 als Ausgabe für den Witwen- und Waisenversicherungsfonds angesetzten 48 Millionen eigentlich von den Einzelstaaten ge­zahlt werden würden, die Aufmerksamkeit auf den in Rede stehenden Punkt gelenkt, leider gab man seiner Anregung nicht in einer den Inter­essen der Einzelstaaten dienenden Richtung Folge. Es dürfte deshalb notwendig sein, da­rauf aufmerksam zu machen, daß das finanzielle Verhältnis zum Reiche sich für die Einzelstaaten in einer für diese recht ungünstigen Weise ent­wickelt. Der Staatssekretär des Reichsschatzamtes hat in seiner die Etatsberatung einleitenden Rede auch eine Schätzung des finanziellen Er­gebnisses des Jahres 1906 ausgemacht und ist da­bei zu dem Schlüsse gekommen, daß alles in allem die Wirklichkeit wohl dem Etatsanschlage entsprechen werde. Das ist wenig tröstlich für die Einzelstaaten. Nach dem Etat für 1906 sollen sie nämlich nicht weniger als 82 Millionen Mark ungedeckter Matrikularumlagen an das Reich zahlen. Und wie sieht der Reichshaushaltsetat für 1907 aus? Er ist ja noch Entwurf und wird im Reichstage sicher Aenderungen unterzogen werden. Ob man aber umgreifende Umgestal­tungen wird vornehmen wollen oder können, ist recht fraglich. Jedenfalls beläuft sich die Summe der nach dem Etatsentwurfe für 1907 von den Einzelstaaten zu zahlenden ungedeckten Matri­kularumlagen auf 63 Millionen Mark. Der den Einzelstaaten für zwei Jahre zugemutete Betrag erreicht demgemäß die Höhe von 145 Millionen Mark. Nun ist ja gewiß im Neichssinanzreform- gefetz Vorsorge dahin getroffen, daß die Erheb­ung der 24 Millionen Mark übersteigenden un­gedeckten Matrikularumlagen erst nach drei Jahren erfolgt. In der Zwischenzeit können die tatsächlichen Mehreinnahmen des Reiches zur Beseitigung oder Beschränkung der den Einzel­staaten rechnerisch aufgelegten Lasten dienen. Ob jedoch solche Mehreinnahmen und gegebenenfalls in welcher Höhe sich einstellen werden, ist unge­wiß. Mit finanziellen Ergebnissen, wie sie das Reichsfinanzjahr 1905 aufwies, die dazu aus­reichten, nicht bloß die gestundeten Matrikular- beitrüge sämtlich zu beseitigen, sondern noch an den 24 Millionen nicht gestundeter Abstriche zu machen, wird man gut tun, nicht mehr zu rech­nen. Das Jahr 1905 bildete infolge des in seine Dauer fallenden Zeitpunktes des Inkrafttretens des neuen Zolltarifs eine Ausnahme. Was aber dann, wenn gar keine Mehreinnahmen mäßigend auf die Höbe der ungedeckten Matrikularum­lagen wirken? Der Trost, daß sich die Einzel­staaten infolge der erwähnten Bestimmung des Reichsfinanzreformgesetzes eher in ihren Bud­gets auf die Uebernahme der Last einrichten können, ist doch recht prekär. Es wäre deshalb

wirklich erwünscht, ja es muß im Interesse der Einzelstaaten gefordert werden, daß bei Er­örterungen über die Reichsfinanzen auch das finanzielle Verhältnis der Einzelstaaten zum Reiche berücksichtigt wird und daß man sich be­wußt wird, daß die Einzelstaaten zwar 40 Pfg. pro Kopf der Bevölkerung an ungedeckten Ma­trikularumlagen noch tragen zu können erklärt haben, mehr aber nicht.

Die Auflösung der »Milchzentrale". Am 27. Februar fand zu Berlin in denGermania- Sälen" eine Generalversammlung der Milch­zentrale statt, welche mit überwältigender Ma­jorität die Auflösung der Genossenschaft beschloß. Nicht die geschäftlich ungünstige Lage der Milch­zentrale ist die Ursache dieses Beschlusses ge­wesen, sondern der Umstand, daß am 1. Oktober 1906 6000 Geschäftsanteile aus der Genossen­schaft ausgeschieden sind und daß 4000 weitere Anteile zum 1. Oktober 1907 gekündigt haben. Der Vorstand und Aufsichtsrat durfte es nicht zulassen, daß die Zahl der Mitglieder immer geringer wurde, so daß schließlich die Unkosten nicht mehr hätten gedeckt werden können. In­folge der Liquidation bleiben jene 6000 Anteile in der Genossenschaft und tragen gemeinsam mit den Mitgliedern der Zentrale die Kosten der Liquidation. Allerdings muß ja noch eine zweite innerhalb 30 Tagen zu berufende Gene­ralversammlung den ersten Auflösungsbeschlutz bestätigen; aber es unterliegt keinem Zweifel, daß auch die zweite Generalversammlung so stimmen wird wie die erste. Aus diesen natür­lichen Vorgängen hat die liberale Presse ganz ungerechtfertigte Folgerungen gezogen: Die Milchzentrale soll zusammengebrochen sein und die Mitglieder würden große Summen verlie­ren. Alle diese Mitteilungen sind, wie von autoritativer Seite versichert wird, unzu­treffend und nur dazu bestimmt, Verwir­rung und Uneinigkeit in die Reihen der Land­wirte und Genossenschafter zu tragen.

Phosphatlager in der Südsee. Wie unsere zum Marschall-Archipel gehörige Insel Nauru, enthält auch die ost-siid-östlich davon gelegene, seit 1900 den Engländern gehörige Ozean-Insel (auch Paanopa genannt) reiche Phosphatlager. Während aber von unserer Seite nichts zur Nutz­barmachung dieser Reichtümer geschieht, werden die Phosphate von Paanopa seit einigen Jahren abgegraben und gelangen in ganzen Dampfer­ladungen zur Versendung. Bisweilen liegen wohl eine halbes Dutzend Dampfer bei der Insel vor Anker. Die Ladungen gehen zumeist nach Australien, Neu-Seeland, Japan und Borneo. Sollten wir nicht mit allem Ernst auch an die Ausnutzung unserer Phosphatlager auf Nauru und auf den zu den Admiralitäts-Inseln gehöri­gen Purdy-,Inseln gehen können? Denn wenn man Kolonien hat, so soll man sie auch nützen!

Marburg nub Umgegend.

(Nachdruck aller Origmalartikel ist gemäß § 18 Del Urheberrecht» nur mit der deutlichen Quellenangabe _ «Oderhefl. Zig.' gestattet!

^ardua, 5. März.

* Wissenschaftliche Ballonaufstiege. Am Don­nerstag, den 7. März, finden in den Morgen­stunden internationale wissenschaftliche Ballon- ausstiege statt. Es steigen Drachen, bemannte und unbemannte Ballons in den meisten Haupt­städten Europas auf. Der Finder eines jeden unbemannten Ballons erhält eine Belohnung, wenn er der, jedem Ballon beigegebenen In­struktion gemäß, den Ballon und die Instru­mente sorgfältig birgt und an die angegebene Adresse sofort telegraphisch Nachricht sendet.

* Verein Seemanns-Erholungsheim. Wir erhalten folgende Zuschrift: Am 27. Februar 1907 hielt der VereinSeemanns-Erholungs­heim" e. V. die Sitzung seines Vorstandes in der Reichsbank unter Vorsitz des Herrn Admirals v. Hollmann ab. Es wurde beschlossen, in die Vorarbeiten zur Errichtung eines Seemanns- Erholungsheims einzutreten. Das zu errichtende Heim, das in der Nähe von Berlin seinen Platz haben soll, ist dazu bestimmt, den Angehörigen der Kriegs- und Handelsmarine, sowie den im überseeischen Auslandsdienste Verwendung fin­denden Schutztruppen eine Stätte der Erholung zu bieten, wenn sie nach schwerer Krankheit aus der ärztlichen Behandlung entlassen find. Es ist bereits ein Kapital von 200 000 oK gesammelt, doch reicht diese Summe nicht aus, um das Heim dauernd in Betrieb zu halten. In Anbetracht des Umstandes, daß für zahlreiche Südwest- afrikakrieger ein derartiges Heim außerordent­lich segensreich wirken würde, bittet der Ver­ein, ihn mit weiteren Mitteln zu unterstützen. Etwaige Spenden find zu richten an die Depo-

fitenkasse A der Deutschen Bank, Berlin W., Mauerstraße 29/32, auf das KontoSeemanns- Erholungsheim" oder an das Geschäftszimmer des Vereins, Berlin SW., Bernburgstraße 351.

* Postkarten, die ihr Ziel nicht erreichte«. In letzter Zeit mußten vielfach gewöhnliche Postkarten von der Beförderung durch die Post als unzulässig ausgeschlossen werden, weil die Vorderseite außer der Adresse noch schriftliche Mitteilungen enthielt. Hieraus geht hervor, daß ein großer Teil des Publikums der irrige» Meinung ist, die Vorderseite gewöhnlicher Post­karten könne in derselben Weise zu Mitteilungen benutzt werden, wie es bei den Ansichts-Postkar­ten gestattet ist. Da auf den meisten der obigen Postkarten nur der Vorname des Absenders an­gegeben ist, fallen sie wegen ihrer Unanbring- lichkeit nach der vorgeschriebenen Lagerfrist der Vernichtung anheim, falls sie nicht vorher zu­rückverlangt werden. Es wird deshalb nochmals besonders darauf hingewiesen, daß auf der Vor­derseite der gewöhnlichen Postkarten äußerten die Beförderung betreffenden Angaben nur noch der Name und die Adresse des Absenders ver­merkt werden darf; schriftliche Mitteilungen find auf der Vorderseite dieser Postkarten nicht zulässig.

* Die angeblichen Waldoerwüstunge« im Dammelsberg und in der Kirchspitze. Von man­chen Seiten werden unberechtigte Klagen dar­über geführt, daß in den genannten Waldbezir­ken von der Stadt zu viel Holz geschlagen und dadurch den Waldspaziergängen ihre Schön­heiten genommen würden. Zur Aufklärung diene daher folgendes: Die Distrikte Kirchspitze und Dammelsberg waren bis vor kurzem fis­kalisch; es durften aus Gründen, die hier aus­einander zu fetzen, zu weit führen würde, keine Kahlhiebe, d. h. Abholzen von ganzen Flächen stattfinden, wie es bei jeder regelrechten Forst­bewirtschaftung geschieht. Hierbei unterblieb aber auch das unbedingt nötige Ausholzen, und so ist es denn im Lause der Jahrzehnte so weit gekommen, daß sich die Bäume aus Mangel an Licht und Luft gegenseitig in die Höhe getrie­ben und lange kahle Stämme, aber keine Kro­nen gebildet haben. Die so lang in die Höhe geschossenen Bäume können dem Wind keinen Widerstand mehr bieten und fallen jedem Sturm durch Entwurzelung zum Opfer. Würde also der Wald in dem früheren Zustand unan­getastet bleiben, so würde in kurzer Zeit der Fall eintreten, daß die Bäume (namentlich in der Kirchspitze) aus Mangel an Licht und Nah­rung abständig oder durch Winddruck ganze Flächen umgclegt würden. Um dieses rechtzeitig zu verhindern, ist von der Stadt eine Kommis­sionzur Verwaltung des Dammelsberges, der Kirchivitze und des Götzenhains" gebildet wor­den mit der Aufgabe, jeden einzelnen Baum, der entfernt werden soll, zu bezeichnen und dahin zu wirken, daß so viel Licht und Lust geschaffen werde, um neue Anpflanzungen vor­nehmen zu können. Im Laufe der nächsten Jahre sollen Dammelsberg und Kirchspitze in Wa l d p a r k s mit Gehölzgruppen verschiedener Zusammensetzung und Laubfärbung umgewan- delt werden. Die bis jetzt vorgenommenen Ab­holzungen sind nach dem Urteile alter Sachver­ständigen und Forstleute, die deswegen zu Rate gezogen wurden, unbedingt nötig. Auch für An­lage von Abfuhrwegen mußte gesorgt werden. Daß diese jetzt während des Abholzens nicht im besten Zustande fein können, ist selstverständlich. Das wird in der Kirchspitze auch noch im nächsten Winter der Fall sein. Der Dammelsberg wird aber schon in diesem Jahre fertig gestellt wer­den können. Es soll alles geschehen, um durch Wegenerbesserungen, Anlage von Ruheplätzen und Schubhütten, beide Waldungen in einen musterqiltigen Zustand zu bringen. Aber nut ein bißchen Geduld! So lange noch Holz geschla­gen und abgefahren wird, können die Wege mit dem besten Willen nicht in einem tadellosen Zu­stand gehalten werden. Aber nach Vollendung der ganzen Anlagen sollen die Spaziergänger Marburgs an diesen Vergwaldnngen ihre helle Freude haben.

* Aus je 1000 Einwohner ei« Schutzmann so lautet bekanntlich für die preußischen Städte und Landgemeinden ein allgemeine Verfügung des Ministers des Innern. Gegenwärtig finden nun eingehende Recherchen nach der Richtung hin statt, ob dieser Verfügung auch nachgekom­men wird. Zahlreiche Städte und Gemeinden haben bereits die amtliche Aufforderung erhal­ten, bis zum 1. April der ministeriellen Ver­fügung Folge zu leisten, da sonst die zwangs­weise Ergänzung des Sicherheitspersonals er­folgen werd«. Für manche Gemeinde bedeutet die Verstärkung ihrer Schutzmannschaft eine große Ausgabe, welche dadurch Ausdruck gefun­den hat, daß die Sätze für die Gemeinde-Ein­kommensteuer ganz beträchtlich erhöht worden find.

* Hesseuland. Der Inhalt der Nr. 5 des ..Hessenland" ist folgender: Erotefend, Emmy Luise. Aequinoktien. (Gedicht). Schöner. &