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Md Kirchhain.

Erstes Blatt

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Zentrum in Aussicht stellt«, ließ die Herren von derblaßroten Couleur" gänzlich kühl. Ihre Redner im Reichstage stimmten darin vollstän­dig überein, daß dies vom Reichskanzler warm empfohlene Zusammenarbeiten von Konserva­tiven und Linksliberalen ganz undenkbar sei, da zwischen beiden Richtungen eine Kluft gähne, die sich nimmer überbrücken lasse viel eher könne sich der Freisinn mit dem Zentrum verständigen. Daß aber gerade den Konserva­tiven, wie auch den, jetzt von linksliberaler Seite so viel geschmähten Nationalliberalen der Linksliberalismus wenigstens die freis. Ver­einigung und die freis. Volkspartei einen guten Teil seiner Wahlerfolge zu verdanken hat, das ist schon längst vergessen. Aber das war eben v o r der Wahl! Jetzt heißt's, die links­liberale Parole befolgen, und die geht dahin, den durch die ewige Neinsagerei Eugen Rich­ters verlorenen politischen Einfluh wiederzu­gewinnen. Das Mittel, um zu diesem Ziele zu gelangen, besteht darin, dah man ebenfalls Nein sagt. Und an dieser Neinsagerei beteiligt sich nicht zum wenigsten auch diefreisinnige Vereinigung", die ehedem den Gewohnheiten ihrer Geldgeber entsprechend mit sich handeln lieh und in diesem Sinne als regierungsfreund­lich galt, was dieser Fraktion in parlamentari­schen Kreisen den auf die Hofkleidung deutenden Spitznamen desWadenstrumpfes" eintrug.

Hatte in jenen Zeiten, wo derweibliche Freisinn", wie man diese, in erster Linie die Interessen des Erohkapitals und der Börsen­jobber vertretende, phrasenreiche, aber taten­arme Gruppe der Linksliberalen, auch noch be­zeichnete, durch seine scheinheilige Maske oft­mals die Entrüstung aller vaterländisch em­pfindenden Kreise erregt, so kann man heute bet derFreisinnigen Vereinigung" in dieser Be­ziehung einen gewaltigen Umschwung feststellen aber nicht zum Besseren! Ein zurückgewie­sener Schnorrer wird vielfachrauhbeinig", wie Bruder Studio sagt. So auch die Herren vom Freisinn! Weil sie nicht kriegten, was sie woll­ten, fangen sie zu schimpfen an.

Den Vortritt hat in dieser Beziehung wie könnte es auch anders sein Herr von G e r l a ch, der in hämischer WeiseBülows Kreuzungspolitik", wie er's nennt, kritisiert und allen Freunden einer wirklich nationalen Po­litik durch seine Nörgelei diese Freude zu ver­leiden sucht. Der unter dieser Ueberschrift am ersten Tage des Lenzmonds im hiesigen links­liberal-nationalsozialen Parteiblatt abgedruckte v. Eerlachsche Originalartikel macht allerdings durch die von Herrn Hello beliebte Manier, all' und jedes im neuen Regierungsprogramme her­unterzureihen, auch das, was selbst auf geg­nerischer Seite anerkannt werden mühte, ganz den Eindruck, als ob dem zornsprühenden Autor nicht allein parteipolitische Kritikasterei, son­

dern auch persönliche Gereiztheit (vielleicht we­gen des verlorenen Reichstagsmandats) die Fe­der geführt habe. Dabei urteilt Hello, der Allesbesserwisser, mit einer verblüffenden Sicherheit über Fragen, die von sehr weisen und dabei welterfahrenen Männern als überaus schwierige Fragen jahrelangen Studien unter­worfen worden sind. Nachläsiig von oben herab bemäkelt er das Programm des Reichs­kanzlers, wobei er sich erkühnt, die angekündig­ten Reformen, die doch umfangreiche und ein­gehende Vorarbeiten erfordern, wie die Reform des Strafrechts (Strafprozesses), mit einem ein­zigen wegwerfenden Worte abzutun. Bei Er­wähnung der angekündigten Weiterführung der Sozialreform gedenkt er natürlich mit keinem Worte der Arbeiterversicherung, hinsichtlich deren nach dem Urteile aller Kenner das deutsche Reich an der Spitze aller Kultur­nationen schreitet.

Die mahlose Schärfe, mit der sich die Links­liberalen gegen die Blockpolitik des Reichskanz­lers erklären und ein Zusammenhang mit den Konservativen (von denen Herr Gothein meint, dah sie in Preuhen noch gefährlicher, als die Sozialdemokraten seien) ablehnen, läßt klar erkennen, dah es nicht sachliche Motive sind, die den Freisinn zur Obstruktion bewogen, sondern lediglich die ehrgeizigen Bestrebungen der linksliberalen Frakttonsführer, die den Linksliberalismus, der in den Parlamenten so viel an Bedeutung verloren hat, wieder hoch bringen möchten. Die Herren glauben, daß bei der gegenwärtigen parlamentarischen Situation der Augenblick gekommen ist, der Reichsregier­ung zu beweisen, dah ohne die Linksliberalen nichts zu machen sei. Vielleicht aber überschätzen die Herren Linksliberalen wie schon so oft denn doch ihre Machtmittel!

Erscheint wöchentlich Heben mal. _ ,

Druck und Verlag- Joh. Slug. Soch, UmverMS-vuchdruckerei 42. Jayrg. Marburg, Markt 2L Telephon 65.

Marburg

Mittwoch. 6. März 1907.

(Nachdruck V2tbo;;n ' Schatten.

Roman von B. v. d. Lancken.

(Fortsetzung).

Pastor, sonst würden unsere Damen noch am Ende das Fürchten lernen."

Ein Jahr darauf vermählte sich die Schwe­ster des Erschlagenen, die Gräfin Kunigunde von Forcatier, mit dem Mörder. Als aber bi« ersten beiden Kinder ihrer Ehe kurz nacheinan­der vom Tode dahingerafft wurden, und sie in Tränen der heiligen Jungfrau und ihrem Beichtvater ihr Leid klagte, da sagte ihr der­selbe, dah dies die Strafe sei, weil sie den Mör­der ihres Bruders geheiratet habe, und dah Gott diese Sünde heimsuchsn würde an ihre» Kindern. Es müsse sich auch jetzt noch eine Chronik über diese Begebenheit im Archiv be­finden. Das Gluck, das so lange mit den Grafen von Yvonne gewesen, verlieh sie wirklich feit jener Zeit. Ein Sohn jener Gräfin Kunigunde baute zwar zur Sühne für das Vergehen seiner Eltern diese Abtei, aber es war alles umsonst, es ging zu Ende mit dem Geschlecht. Als die wilden, grausamen Horden Ludwigs des Vier­zehnten so barbarisch in der Pfalz hausten, fiel ihnen auch die Abtei zum Opfer und der letzt« der Grafen von Yvonne blutete unter der Guillotine."

Der Geistlich« hatte, mit den näheren Ver­hältnissen der Anwesenden unbekannt, in voll« fter Unbefangenheit gesprochen, aber sein«^ Er­zählung hatte jeden Einzelnen peinlich berührt, obgleich der Prinz mit großer Gewandtheit über die finsteren Zeiten desAberglaubens", wie er es nannte, lächelnd seine Scherze machte. Isas Augen batte» verstohlen, während Hagedorn sprach, Gabis Antlitz gestreift: das bewegliche Minenspiel der jungen Frau hatte deutlich ver­raten, was in ihrer Seele vorging, und sie konnte eine Heimlichs Regung des Triumphes darüber nicht unterdrücken: ebenso wenig war ihr der Ausdruck von Sorge und leiser Miß- billigung entgangen, mit dem Rupert seine Gat- tin betrachtet^ 1

Chronist hatte einen junge» Ritter aus dem mächtigen Geschlecht der Grafe» von Forcater erschlagen," fuhr Hagedorn fort,wegen Erb- sachfisfehde. Hier gerade auf dem Platze, wo roir sitzen, soll die Untat geschehen sein."

Hu, das ist ja ordentlich gruselig," lächelte der Prinz.Nur gut, dah Sie Ihre Geschickt Ab. RittrqrsfomwMeitz Mahlen,, lieber H

bloße Erzählung hin den Namen eines Beamten durchaus falscherwetse bloßzustellen.

Darauf trat das Haus in die Fortsetzung der Etatsberatung ein. Abg. Behren« (christl.-soz.) meinte, die Nationalliberalen hab ten im Preußischen Abgeordnetenhause bei d«t Bergarbeiter- und Knappschaftsnovelle eine we« nig sozial-fortschrittliche Gesinnung gezeigt: auch im Reichstage müsse man ihre Taten erst abwar­ten. Die Sozialdemokratie sei nur zu überwin­den, wenn man dem christlich-monarchischen Ar­beiter volle Bewegungs- und Koalitionsfreiheit gewähre. Seine Partei werde ernstlich an de« Sozialreform Mitarbeiten.

Abg. Graf Mielezynski (Pole), der die üb­lichen polnischen Beschwerden erneuerte, erhielt vom Vizepräsidenten Dr. Paasche einen zwei­fachen Ordnungsruf, weil er der preußi­schen Regierung nachsagte, sie wolle die Revolu­tion in den gemischtsprachigen Landesteilen der Ostens, und dem preußischen StaateVerfassung» bruch zum Vorwurf machte.

Staatssekretär Graf v. Posadowskq führt« folgendes aus: Einer der Redner hat gefragt, was die Regierung tun will gegen die Nachteil« eines zu hohen Diskontsatzes. Der Zinsfuß ist die Folge der wirtschaftlichen Entwickelung. Was will man, wenn man dagegen die Reichs­bank aufruft? Soll sie den Diskont niedrig hal­ten? Dann würde jeder seinen Geldbedarf bet der Reichsbank zu decken suchen, und der niedrig« Diskont würde dann doch auf die Dauer nicht aufrecht erhalten werden können! Die wirtschaft­liche Konjunktur hat sich 1906 noch erhöht. Der Wechselumsatz ist stark gestiegen. Daß die Kredit­ansprüche bei solcher Konjunktur anwachsen, dar liegt in der Natur der Verhältnisse. Daß der Diskont von 6i/2 pEt. nicht über das Bedürfnis hinausging, erhellt aus der Tatsache, daß di« Ansprüche an die Dank auch selbst bei so hohem Diskont noch zunehmen. Wir stehen ja jetzt un- mittelbar vor der Verlängerung des Vankprivi- legiums. Es würde sich vielleicht empfehlen, diese Frage in einer Kommission von Sachver­ständigen zu beraten, zu der auch Nichtfachleute hinzugezogen werden könnten. Es könnte ge­prüft werden, was zu geschehen habe, ohne zu erschüttern. Gegenüber Gamp stellte Redner fest, wie gründlich seinerzeit die Frage des Er­lasses der Bäckerei- und ähnlicher Verordnungen erwogen worden sei. Auch das preußische Ab­geordnetenhaus habe einen Antrag auf Abände. rung der Verordnung ausdrücklich abgelehnt! Es spielten da also nicht bloß ideologisch« Momente hinein sondern praktische Er­wägungen.So lange ich auf dieser Stell« stehe," schloß der Staatssekretär,werde ich mick durch keine noch so giftigen und verleumderische« Angrifte abhalten lassen, auf diesem Gebiet meine Pflicht zu tun." (Bewegung.)

Abg. Frhr. v. Hertling (Ztr.) faßte noch ein­mal die Beschwerden des Zentrums zusammen und bedauerte, daß trotz des Anwachsens der Sozialdemokratie der katholische Volksteil in d!« Opposition gedrängt werde.

Abg. Dr. David (Soz.) prophezeite der kon- seroativ-liberalen Mehrheit nur eine kurze Le«

Felsenbach führte Gabriele, Isa stützte liebe- völl den Prinzen, während sie den schmalen, gewundenen Pfad emporklommen. In der Mitte des ehemaligen Klosterüofes stand ein alte Linde, schützend ihre Aeste über einen rohgezim­merten Tisch und ebensolche Bänke breitend. Die kleine Gesellschaft nahm Platz. Die Strah- len der Oktobersonne fielen durch die teilweise schon entlaubten Zweige des Baumes und war­fen eine» goldig verklärenden Schimmer über die halbgestürzteil, zerborstene» Mauer», aus denen hier und da lustig grünende Krasbüschel hervorsproßte», sich anmutig, von leichtem Winde bewegt hin- und herneigend und ein neckisches Spiel treibend mit de» schlanken Brombeerranken, die das altersgraue Gemäuer umkränzten.

*Wer baute diese Abtei?" sagte Isa Trom- sau den Geistlichen.

rDer Sage nach, wenn wir einer solchen Glauben beimessen wollen," erwiderte Pastor Hagedorn lächelnd,wurde diese Abtei als Sühne erbaut."

-Als Sühne?"

Die Blicke aller richteten sich auf den Spre­cher, Felsenbach runzelte flüchtig die Stirn. 'Ein Graf von Yvonne so erzählt der

Die Obstrukti»« der Anks- Hbtraitn.

l Der Dreibund nicht der von Bismarck beschaffene, der amtlichen Versicherungen nach ja jnoch immer zurechtbesteht sondern der Drei­bund der taktisch geeinten Linksliberalen iist es, der jetzt von sich reden macht. Da dieser 'Dreibund" Positives nicht zu schaffen vermag, sweil infolge der Weigerung der realpolitisch den­kenden Parteileitung der Nationalliberalen der ^Gedanke an dengrohliberalen Block", den der Nationalsoziale Naumann so eifrig vertrat, auf- !gegeben werden mußte, so versucht man es nach ''altfreisinnigem Rezepte, in Erinnerung an :Eugen Richter, den kanstante» Neinsager, mit idem Negativen. Die linksliberalen Gernegroße ! haben sich, ganz erfüllt von den, durch Nau- lmanns schimmernde Nebelbilder von der groß- ftiberalen Partei geweckten Träumen, noch nicht {an den Gedanken gewöhnen können, daß die l bürgerliche Linke auch nach ihrer taktischen .Einigung noch nicht als der Machtfaktor ange- 1 sehen wird, für den sie sich selber halten und in ihrer Presse ausgeben. Nach Ansicht der ;linksliberalen Fraktionshäuptlinge müßte die SKunde von dem vereinbarten Zusammengehen sder drei linksliberalen Gruppen, einem poltti- /schen Ereignisse vonso gewaltiger Bedeutung", ^doch eigentlich den Erfolg haben, daß sich alles in Ehrfurcht vor dengenialen" Strategen der .freisinnigenTrippelallianz" neigt und daß tiitott ihnen als äußeres Zeichen dieser Gesinnung ibel der Präsidentenwahl im Reichstage bereit- willigst denpützöbersten" Sitz eingeräumt hätte. Dies aber ist nicht geschehen, vielmehr hat ein '.Konservativer nach Herrn v. Gerlachs Ansicht .sogar noch dazu ein vollkommen unfähiger Ee- ! schäftsleiter den Ehrenplatz im Reichstage eingenommen, und der Linksliberalismus hat sich mit dem dritten Platze begnüge» müssen, da ihm bei der Präsidentenwahl nur die Stelle eines zweiten Vizepräsidenten zugestanden wurde. Eine derartigeMißachtung", die ge­wiß nur den Anfang dauernder Zurücksetzung bedeutet, darf man sich nicht gefallen lassen, die 'große linksliberale Partei" wenn sie auch b l 0 s taktisch geeint ist läßt sich so etwas nicht bieten, sondern bleibt dem alten freisin­nigen Grundsätze getreu: E r st die P a r t e i, dann unter Umständen das Vaterland! t Der Jubelruf, der aus den Reihen all:r national empfindenden Deutschen drang, als Fürst Bülow seine Programmerklärung ge­geben hatte, die eine entschlossene Abkehr von der bisherigen Liebedienerei gegenüber dem

Deutscher Reichstag.

(9. Sitzung vom 4. März, 2 Uhr.)

Im Reichstage nahm am Montag vor Ein­tritt in die Tagesordnung der Chef der Reichs­kanzlei v. L 0 e b e l l das Wort zu einer Richtig­stellung auf eine imBayrischen Courier" unter der SpitzmarkeEine prächtige Antwort" er­schienene Notiz, nach welcher eine hohe Persön­lichkeit aus der Umgebung des Fürsten Bülow vor der Präsidentenwahl an den Abg. Spahn herangetreten sei, in der Absicht, ihn zu sprechen; Herr Spahn habe diesem Herrn bedeutet, er sei in Zukunft für ihn nur noch vor Zeugen zu spre­chen. Daraufhin habe sich dieser Herr entfernt. Diese Darstellung sei, soweit sie seine (Herrn v. Loebells) Person betreffe, von A bis Z erfunden, er überlasse Herrn Spahn die Richtigstellung, die er für angemessen erachte. Es sei jedoch eine eigentümliche Kampfesweise desBayrischen Courier", anscheinend auf eine

Nach einer Stunde ungefähr brach man auf, und während der Prinz sich beim Hinabsteigen auf Baron Eorup stützte, und der Geistliche im Gespräch mit Gabi diese führte, schritt Isa wie zufällig neben Felsenbach. Sie hatte ihr weißes Reitkleid graziös mit der linken Hand geschürzt, kurz genug, um ihre schönen Füße zur Geltung zu bringen, die Rechte hielt spielend die kurze, englische Reitgerte.

,Her Weg ist steil, Baronin, darf ich Ihnen meinen Arm bieten?" fragte er kühl, ohne ste anzusehen.

Ich danke, Herr von F«lsenbach, ich kann mich ganz gut auf mich selbst verlassen," lächelte sie harmlos liebenswürdig.Ein reizender Fern­blick von hier über die Jll nach Schloß Yvonne," fuhr sie dann fort, ihren Schritt hemmend und mit der Peitsche in die angegebene Richtung zei­gend. Sie hatte de« gelben Stulphandschuh ab­gestreift und dis Sonne ließ die Juwele« der Ringe hell aufblitzen. Welch' wunderbar schöne, blendend weiße Frauenhand es war, der sie zum Schmuck dienten, und während Rupert darüber in di« Ferns schaute, kam ihm unwillkürlich der Gedanke, wie er diese schöne Hand einst mit war­men Druck in der seinen gehalten, wie die könig­liche Gestalt, die jetzt so hoch aufgerichtete, so fremd neben ihm stand, einst so hingebend an seinem Herzen geruht.

Isa Tromsau wandte langsam das Haupt ein klein wenig Über die Schulter zurück und beider Blicks begegnete» sich, und einer wußte vom anderen, was et dachte und daß die Ge­danken längst verklungenen Zeiten galten.

I» Isas Augen lcktz weder ein Begehren, noch eine Frage, nur tiefe Traurigkeit, die Ru- pert seltsam berührte, und je sicherer er seiner selbst war, uni so unbefangener gab er sich dem Gefühl hin, das ihn zum erstenmal, seit er mft ihr in Yvonne zusammen war, beschlich: Mitleid -- diese Frau war glücklos und friedlos, und sie

trug nicht leicht an den Folgen ihrer Schuld. Das erkannte Felsenbach in dieser Stunde deut­lich. Sie wechselten kein Wort miteinander, bis sie die übrigen eingeholt batten, aber als Fel- senbach die Baronin auf ihr Pferd hob, und sich ihre Blicke wieder flüchtig trafen ,da meinte Isa Tromsau, daß aus demFremden" vielleicht doch noch einFreund" werden könnte.

Gabi verbrachte die Nackt in wirren, un­ruhigen Träumen und am nächsten Morgen eilte sie heimlich in die Bibliothek, suchte jene un- selige Chronik hervor und vertiefte sich aber, malz in die Tragödie des Erafenhauses von Yvonne.

Er wird dis Sünde der Väter Heimsuchen an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied."

Diese Worte gruben sich mit Flammenschrift in ihre Seele, und hierüber grübelnd, den Kopf in die Hand gestützt, das Buch aufgeschlagen vor sich traf sie die Baronin: Gabriele hatte rhr Kommen nicht bemerkt. Isa stand sekunden­lang beobachtend zwischen den dunklen Por­tieren, und als sie die junge Frau still und ge­dankenvoll, in den mächtigen Folianten vertieft erblickte, leuchtete etwas wie dämonische Genug­tuung aus ihren dunklen Augen.

Leise trat sie heran und das Rauschen ihres Seidenkleides ließ Gabi aufschauen. Eine tiefe Röte Überzog ihr feines Gesichtchen, nichts hätte ihr peinlicher sein können, als von Isa, gerade von Isa, bei dieser Lektüre überrascht zu wer­den und doch war sie nicht entschloßen genug, das Buch rasch zu schließen sie stützte nur di« Hand darauf, erhob sich und stotterte, ihre Ver­legenheit hinter einem erzwungenen Lächeln verbergend.

Ach, Sie sind es, Isa mein Gott ich hatte Sie nicht kommen hören."

(Fortsetzung folgt.)

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