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mit dem

und Kirchhain.

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Marburg

Diensta« 5. MSrz 1907.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Aug. Loch, UmverfitätS-Buchdruckerrl

Marburg, Markt A. Telephon 65.

42. Jahrg.

Zweites Blatt.

Deutscher Reichstag.

(8. Sitzung vom 2. Marz.)

Fortsetzung der er st en Lesung des E t a t s.

Erster Redner war Dr. Schädler (Ztr.). Die­ser führte aus: Man mutz dem Reichskanzler eigentlich für die Auflösung dankbar sein. Denn wir haben jetzt, was im alten Reichstag gefehlt hat: einen Oberhofmeister, einen Oberscharf­macher und einen Oberzeremonienmeister. Herr Winckler wünschte so eine neue Auflage des Zuchthausgesetzes. Die neuen Bundesgenoffen da drüben, die um Payer und Schrader, werden hoch entzückt feilt. Herr Semler klagte über unsere Rechthaberei, unsere wenig urbanen Formen, unsere schlechte Behandlung der Natio­nalliberalen. Hätte Dr. Semler dem vorgestri­gen 40. Jahresfeste beigewohnt, so würde ich sa­gen, seine Rede war der Niederschlag der vor­gestrigen Feststimmung; so war es also Stim­mung, die die Rede Gräbers in ihm erweckt hat. (Ah! ah! bei den Nationalliberalen.) Herr Semler meinte, es gehe bei uns mit gedämpftem Trommelschlag. Oh nein! Herr v. Liebert hat uns ja in Aussicht gestellt, datz wir fünf Jahre beisammen bleiben (Heiterkeit), und bei seiner genauen Kenntnis der Verhältnisse wird es ja stimmen. (Sehr gut! im Zentrum.) In den fünf Jahren wird es noch Gelegenheit geben, zu sehen, ob unser Trommelschlag so gedämpft ist. Herr Dr. Semler leugnete die Kulturkampfab- sicht der Nationalliberalen. Aber sie haben auch nicht gesagt, jetzt machen wir Kulturkampf, son­dern sie haben es getan. Auch seinerzeit hat man nicht gesagt, datz nian Kulturkampf mache, aber man hat es getan. Und jetzt beginnt im preußischen Abgeordnetenhause der Sturm gegen die Franziskaner Niederlassung in Schlesien, die Umfrage nach den klösterlichen Niederlassungen der Krankenpflegeschwestern und der Ruf nach der Entfernung des Herrn v. Studt. Und hat nicht die Nationalzeitung im Wahlkampf die in­fame Bestechungsgeschichte mit dem Papst 'Leo XIII. gebracht? (Hört, hört! im Zentrum.) Redner sprach weiter von glühenderorientali­scher" Phantasie, die Herr Dernburg als Mär­chenerzähler entwickelt habe. Das Zentrum habe nur gefordert, datz Vorbereitungen dafür geirof- ifen werden, datz am 1. April nur noch 2500 Mann drautzen find. (Lachen.) Das Zentrum mache keinen Eingriff in die Kommandogewalt und fei kein Feind des Kaisertums, denn es sehe im Kaisertum einen Hort zum Schutze des Rechts und der christlichen Ordnung. Das Zen­trum überlasse es den neuen Freunden des Reichskanzlers und vor allem der Deutschen Volkspartei, jetzt Regierungspartei, die in ihrem Programm von 1895 das kaudinische Joch auf- gerichtet hat:Mitwirkung des Reichstages bei Erklärung von Krieg und Frieden" (Hört, hört! im Zentrum), die dem Kaiser gegebenen Befug- nijfe zu schmälern. Das Reich habe keine stehende Truppe in den Schutzgebieten; diese beruhe auf Freiwilligkeit. Es bestehe also-keine gesetzliche Verpflichtung für den Reichstag, Gelder für die Unterhaltung einer bestimmten Truppenzcchl in den Schutzgebieten zu bewilligen; vielmehr hänge dies von der Mitentscheidung des Reichs­tages ab, wieviel er bewilligen will. (Sehr rich­tig! im Zentrum.) Wenn man versuchen wolle, die nach der Reichstagsauflösung in denHam­burger Nachrichten" angeregte Außerkraftsetzung des bisherigen Wahlrechtes für die nächsten

Ein langes Leben.

_ Meßet die verstorbene Prinzessin Clementine von Koburg schreibt Hugo Wittmann in der Neuen Fr. Presse":Von der alten Frau, die soeben die Augen geschloffen, kann man wirklich sagen, datz sich ein ganzes Jahrhundert in ihrer Erscheinung verkörperte. Neunzig Jahre ist sie alt geworden, und davon entfallen dreiundacht­zig auf das vorige Säkulum. Was dieses den Menschen zutrug, ihnen langsam ans Ufer spülte oder in eilendem Strome vorüberschwemmte, sie hat alles gesehen, alles genossen und erlitten, alles von der Tribüne der Höchstbevorzugten mitanschauen zu dürfen. Nur das napoleonische Epos hat sie nicht erlebt, nur die rauschende, glänzend instrumentierte Eroika zu Beginn der Epoche nicht gehört, sonst alles, alles. Sie war das leibhaftige neunzehnte Jahrhundert, soweit überhaupt in einer einzigen Persönlichkeit eine ganze Zeit zur Anschauung kommen kann. Als Französin geboren, ist sie durch Heirat Oester- reicherin, Wienerin geworden. Nicht weniger als vierundsechzig Jahre hat sie in Wien in feuern Palais Koburg zugebracht, das, auf der alten Wasserkunstbastai erbaut, von den vor- rnärzlichen Wienern dieSpargelburg" genannt wurde und wenn sie zuweilen zurückdachte an

Wahlen zu verwirklichen, so möge man den Bo, gen nicht zu straff spanne«, sonst springe et! Redner warf dann die Frage auf, wie es sich verhalte mit den Geldern, die dem Reichskanzler zur Verfügung gestellt worden seien, um gute Wahlen zu machen und wem denn eigentlich diese Gelder zu Gute gekommen wären. Der Reichskanzler treibe Politik mit doppeltem Bo­den. Zuerst werfe er das Zentrum in seinem Sylvesterpunschbrief mit der Sozialdemokratte zusammen, und dann beschwere er sich, datz die beiden gegenseitig helfen. Baffermann habe in Duisburg gesagt, datz die Sozialdemokratte un­ter die Soutane geschlüpft sei, er gebe es ihm zu­rück, datz der Block sich an den bischöflichen Hir- tenstab geklammet und sich an ihm über Waffer gehalten hat. (Heiterkeit im Zentrum.) Das Bürgertum stehe nicht allein hinter ihnen. Er wolle mit seinen Freunden sehen, wie die Regie­rungsmehrheit arbeiten wird. Was der Reichs­kanzler gebracht habe, seien Kapitelüberschrif­ten, unter die man noch setzen könne, was man wolle. Jetzt tue er so, als ob die Parole nur gegen die Sozialdemokratie ausgegeben sei. Je­denfalls, dem Zentrum habe es nichts geschadet. Dieses stehe auf dem alten Standpunkte. Unter lebhaftem Beifall im Zentrum schloß der Redner mit den Worten: Versuchen Sie es nur, die Weise noch einmal zu blasen.

Abg. Gothei» (freif. Vgg.) verwahrte sich ge­gen die Unterstellung, datz die Freisinnigen eine Einmischung der Bischöfe in den Wahlkampf ge­wünscht hätten. Diese wünsche man ebenso wenig, wie die Wahlbeeinflusiung der Kapläne. Genau so stehe es mit der Unterstellung wegen des Reichslagswahlrechts. Ob denn Herr Schäd­ler nicht wisse, datz bei den Nationalliberalen ein Abgeordneter gewesen ist, der für die Aende- rung des Reichstagswahlrechts eingetreten sei, und datz diesen deswegen die Partei aufgefordett habe, seinen Platz wo anders zu suchen? Und ob das Zentrum im Preutzischen Abgeordneten - hause jemals für diese freisinnigen Anträge auf Wahlrechts-Verbesserung gestimmt habe! Rein, immer habe es diese abgelehnt. Der Wahlerfolg sei der, datz jetzt statt des Zentrums die Regierung die Führung hat. Der Un­wille des Volkes habe sich gegen die geheime Nebenregierung, gegen das Gefühl ge­richtet, datz die Zentrumspartei bei jeder Ab­stimmung ein Entgelt haben wollte. (Sehr richtig! links.) Das Zentrum habe nicht nach lleberzeugung für Heer und Kolonien Gelder bewilligt, sondern habe Forderungen ge­stellt. (Lärmender Widerspruch im Zentrum.) Man wisse noch, wie beim Zolltarif der Kuh­handel zu stände gekommen. (Lärm im Zent­rum und Widerspruch.) Der Reichskanzler habe jetzt eine Zwickmühle in der Hand, und da könne es sehr leicht vorkommen, datz ihn die Zwickmühle selber zwicke. Das würde eine neue Wahl zur Folge haben, was et im Interesse aller hier Anwesenden nicht wünsche. (Heiter­keit.) Es sei so viel von der konservativ-libera­len Paarung und dem nationalen Blocke ge­sprochen worden. In den Wahlen feiner Gegend sei von diesem Block überhaupt nicht die Rede, und von feiner Partei seien vier Mitglieder gegen Sozialdemokraten und 10 gegen Konser­vative gewählt worden. In verschiedenen Din­gen, die Fürst Hatzfeld erwähnt, lasse sich ein gemeinsames Zusammengehen wohl ermöglichen; das, was er über die Wahlen zu den Einzellandtagen gesagt habe, müsse er allerdings entschieden bekämpfen.Da­gegen", fuhr der freisinnige Redner fort,sind für uns die Konservativen nach der gestrigen Rede des Abg Winckler gänzlich ausgeschlossen. Soweit es sich um fort«

den Tag, wo sie. als die junge Frau eines öfter» reickischen Kavaliers zum erstenmal bei der Ma- riahilferlinie hereinsuhr, wieviel Tasten der Er­innerung sprangen ihr in die Höhe, wieviel ver- blatzte Farben wieder zu blicken I Dann gar, wenn sie noch weiter rückwärts sann, in die Zeit vor der Brautschaft, bis in die Tage der Kindheit zurück, wag das eine schimmernde, flimmernde Märchenwelt gewesen sein, die vor ihr aufging! Dann sah sie nichts als goldene Uniformen, bie sich vor ihr, dem Königskinde, bückten, hörte nichts als Lobgefänge, die so feierlich als lang­weilig tönten, und vor ihren inneren Augen entfaltete sich wieder die strenge Pracht des bourbonifchen Tuilerienhofes, und ihre Gedan­ken burdjroanberten bie herrlichen Säle bes Palais Royal, bes altberühmten Richelieu- Palastes, wo sie anno 1817 als Tochter Ludwig Philipps, Herzogs von Orleans, das Licht der Welt erblickte, einer Welt, wo die güttgsten Feen ihrer harrten, um ihr Glück und Glanz in die Wiege zu legen. Durch ihre Mutter, eine Toch­ter der Königin von Neapel, war sie in gerade­ster Abstammung eine Urenkelin der Kaiserin Maria Theresia. In einem Alter, wo das Kind schon beobachtet und begreift, erlebte sie fast die ganze Zeit der Restauration. Sir hatte ihren Platz in der Kathedrale vor. St. Denis, als Lud­wig XVIII. dort beigesetzt wurde, in der Kaihe-

schttttliche Dinge handelt, wird es uns nicht genieren, wenn die Polen, das Zentrum, die ja etwas mehr soziales Empfinden haben, als die Konservattven, mit uns stimmen. Das Zentrum hat jetzt die schönste Gelegenheit, zu beweisen, datz es eine sozialpolitisch und freiheitlich emp­findende Partei ist. Ich nehme nieman­den in der Welt ein Wahlbündnis mit den Sozialdemokraten Übel. (Lautes Aha! im Zentrum.) Das Zentrum ist fa so vielseitig, in der einen Gegend für die Sozialdemokraten, in der anderen für die Kon­servativen zu stimmen. Wenn die Sozialdemo­kraten Quidde, Blumenthal und Hautzmann nicht wählen, sondern einen Zentrumsmann da­für, so halte ich das für noch viel schlimmer, als wenn die Freisinnigen Oldenburg v. Januschau gewählt haben. Sie täuschen sich, wenn Sie glauben, datz das Zentrum ein Gegner der Ko­lonialpolitik ist. Wie könnten Sie da mit dem Zentrum Hand in Hand gehen? Ich brauche wohl nicht' zu betonen, datz wir auch nicht das allergeringste aus dem sogenannten, nationalen Fonds bekommen haben. Wir würben uns auch hundertmal bedenken, aus einem solchen Fonds Gelder zu nehmen, wenn wir wüßten, daß bet Reichskanzler und die Regierung Einflutz auf diesen Fonds hatten. Herr Winckler verlangt eine Zuchthausvorlage. Wenn Sie da auf Zusammenhalt der konservativ- liberalen Paarung rechnen, so ver­rechnen Sie sich. Unsere gesamten drei Fraktionen lehnen es mit Ent­schiedenheit einstimmig ab, und ich habe auch das befte Zutrauen zu den Na­tionalliberalen (!). Mit einer Zucht­hausvorlage gewinnen wir die Arbeiter nicht für die bürgerliche Gesellschaft."

Staatssekretär Graf Posadowsky:Es ist nicht meine Sache, bie Parteien gegen den Vor­wurf, sie wollten das Wahlrecht ändern, zu ver­teidigen. Aber worauf wird dieser Vorwurf begrünbet? Darauf, datz ein großer, sehr ange­sehener Schifssreeber seine Ansicht übet das all­gemeine Wahlrecht ausgesprochen hat, ein Mann, der, was man bei feiner weittragenden wirtschaftlichen Kenntnis fast bedauern konnte, nicht Mitglied dieses hohen Hauses ist. Der Verdacht wirb ferner barauf begrünbet, datz in dem Memoirenwerk des verstorbenen Fürsten Hohenlohe eine Unterhaltung wiebergegeben ist, mit bem ebenfalls verstorbenen Herrn v.Miquel, in bet er einmal allgemeine Eebanken über eine etwaige Aenderung ausgesprochen haben soll. Nehmen Sie es mir nicht übel: für geschworen nehme ich nicht alles an, was in Memoiren da­rin ist (Sehr gut!), Propria scripta sind be­kanntlich im Prozeßverfahren nicht beweiskräf­tig (Sehr richtig?); und dann habe ich immer den Eindruck bei Memoirenwerken, die ich dnrch- geblättert, nicht gelesen Habs, datz der Schrift­steller immer recht hat, immer alles vorausge- fagt, immer das richtige Urteil hatte und der andere, mit dem er gesprochen hat, immer das Falsche. Herr v. Miguel war ein Mann, von einer seltenen Berfabilität des Geistes und einer Fähigkeit, einzelne Projekte durchzudenken, das Für und Wider zu erwägen; aber daraus folgt noch lange nicht, datz er jemals bereit gewesen ist, eine Vorlage auf Abänderung des allge­meinen Wahlrechts zu vertreten. Jedenfalls geht das aus dem Memoirenwerk nicht bervor. Aber überhaupt seien Sie nicht so nervös! Es wird ja über Verfaffunasfragen viel diskutiert, warum nicht auch über das Wahlrecht. Der Herr Reichskanzler hat doch klar ausgesprochen, datz das Reichstagswahlrecht in seiner jetzi­gen Gestalt aufrechterhalten wer»

drale von Rheims, als man Karl X. zum Herr­scher salbte, und sie war schon dreizehn Jahre alt, ein hübsches, aufgewecktes Prinzeßchen, als ihr eigener Vater zum König der Franzosen ausge- tufen und von Lafayette alsbie beste der Re­publiken" dem Volke vorgestellt wurde. So weit zurück und wohl noch weiter reichte das Gedächt­nis dieser alten Dame, und wenn sie den Deckel dieser Schatztruhe lüftete, mag ihr oft Hören und Sehen vergangen sein vor dem buntgefiederten Schwarm, der da herausgeflattert kam......

Seit 1881 Witwe, begann sie jetzt mehr ber- vorzutreten, und als es galt, ihren Jüngsten nach Sophia zu bringen und dort zu halten, er­wachte auf einmal der alte orleanifttfche Fa- miliengeift In ihr, jener Geist der jüngeren Linie, der so gern in den Bezirk der älteren Linie hinübergriff, und verband sich mit bem friedlichen Eroberungstalent bet Koburger. Nun merkte sie plötzlich, batz in dem fürstlichen Haus­rat den sie aus Paris mitgebracht, das wichtigste Stück fehlte, ein Thron. Itnb bie Geschichte wirb einmal sagen, daß bie alte Frau siebzig war sie jetzt schon diesen Thron mit eigener Hand sich gezimmert hat. Das ganze diplomatische Europa hat sie ausgescheucht, um ihren Willen durchzusetzen. Dort unten regiert nun bas aus Koburg und Orleans gemischte Blut, und das ist ihr Werk. Ihr Erotznesfe ist König von Por-

b en soll, lieber bie Notwendigkeit der Reichs­tagsauflösung am 13. Dezember hat im Bundes, rat nur eine Stimme geherrscht. Was die B» merfung des Herrn Eothein in bezug auf Enz land betrifft, so ist die Bevölkerung Eng < lands pro Kopf durch Zölle auf not« wendige Gebrauchsartikel (dazu ge­höre in England der klimatischen Zustände we­gen auch der Alkohol), höher belastet, als in Deutschland."

Darauf trat Vertagung ein.

In einer persönlichen Bemerkung bezeichnete Abg. Erzberger (Ztr.) die Nottz des Chefs der Reichskanzlei, nach der er (Redner) eine« Druck auf die Regierung versucht habe, als Un­wahrheit (!).

Präsident Graf Stolberg rügte diesen Ausdruck.

Montag 2 Uhr: Fortsetzung.

Hessen-Nassau und Nachbarorte.

Caffel, 2. März. In der am gestrigen Abend imKaufmannshause" abgehaltenen öffent­lichen Sitzung der Stadtverordneten wurde bi( Beratung bes Haushaltsetats der Stadt Caffel für 1907 durch Erledigung des Hauptetats i« Ordinarium wie im Extraordinarium fortge fetzt und schließlich der gesamte Etat genehmigt Die Steuersätze für bas Jahr 1907 sind folgende: 110 Prozent Zuschlag zur Staatseinkommen­steuer, 2,7 Proz. Grundsteuer vom gemeinen Wert, 5,4 Proz. Gebäudesteuer vom Nutzungs­wert, 150 Proz. Gewerbesteuer und 100 Proz Betriebssteuer.

Mühlhausen i. Th., 1. März. Eine auf regende Jagd entspann sich auf bem Untermarkt Der Fleischer Martin, ein Komplize des in Nordhausen entsprungenen Fleischers Hohn, war in Holland festgenommen und hierher beförbed worben. Als der Beamte vor bem Eerichtsge- fängniffe klingelte, zerbrach Martin feine Fes­seln und eilte bavon. Der Genbarm und ei« Polizeibeamter nahmen die Verfolgung auf Durch bie Signalpfeife des Schutzmanns würbe« noch brei Beamte herbeigerufen. Es gab nun ein Klettern und fortwährendes Springen über Mauern, Zäune und Bäume. Martin war zu­letzt über bie 4 Meter hohe Mauer eines Gar­tens geklettert und hatte sich unter einem Holz- hanfen versteckt. Einer bet Beamten, der zuerst über bie Mauer kletterte, sprang von oben herab auf ben Reiserhausen unb verspürte so ben da­runter liegenden Menschen. Mit Hülfe der übri­gen Beamten wurde der Ausreißer gefeffelt und ins Gefängnis gebracht.

Hochsckulmchrichten.

X Rostock. Wie bereits gemeldet, ist der frühere nationalliberale Reichstagsabgeordnete, Geh. Finanzrat Büsing, von der hiesigen Uni­versität zum Ehrendoktor ernannt worben. Man wirb, solange bie Begründung dieser Ehrung nicht vorliegt, annehmen dürfen, daß sie wegen der Verdienste erfolgt ist, die sich der frühere Vizepräsident des Reichstags um das Zustande­kommen der großen Reichsfinanzreform von 1906 erworben hat. Dr. Büsing hat vor allem die schwierigen, subtilen und sich lange hin­ziehenden Arbeiten der Reichssteuerkommission als deren Vorsitzender mit hingehender Aufopfe­rung tatkräftig gefördert. Unoergeffen bleibt aus seiner Reichstags tätig leit aber auch feine Rede vom 14. Februar 1906 gegen bie Sozial-, bemofratic mit der von allen nationalen Par­teien jubelnd gebilligten Versicherung, daß attc revolutionären Versuche der Sozialdemokratie

tugal, und sie hat ihn mit einer Tochter des Gra­fen von Paris verehelicht Koburg und Or-; lcans. Auch erlebte sie die Freude, daß die be-t fcheidene württembergifche Heirat ihrer Schwe­ster Marie unversehens zu hoher Bedeutung er­wuchs: der Enkel des Herzogs Alexander ist heute württembergischer Thronfolger, und s» wirb ein Abkömmling bes Bürgerlönigs eines Tages im Schwaben lande regieren. Orleans blüht, und Koburg triumphiert. Die kluge Fran hat nie etwas übereilt, sondern ließ alles in Ee duld betanreifen. Sie gestikulierte wenig aut bei Schaubühne unb wat umso tätiger hinter den Kulissen, immer um bas Glück ihrer Familie, ben Glanz ihres Hauses emsig besorgt, immer im stillen. Sie gehörte zu den hoppelt starken Na­turen, die nie vor ben Vorhang treten und um Beifall werben, wenn sie etwas ausgeführt ha­ben, zu der Gilde der fettenen Puppenspieler, welche Tatkraft mit der Kraft der Entsagung verbinden. Sie bat das von ihrem Vater ge­lernt. Ludwig XVIII. klagte über die Umtriebe des Herzogs von Orleans:Aber", sagte er,wke kann man einem Manne beikommen, der immer in Bewegung ist unb nie einen Schritt zu mache« scheint?" Klementine von Koburg war die echt« Tochter ihres Vaters." (Fr. Z.)