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Marburg
Sonntag. 3. MSrz 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag- Joh. «ug. Koch, UmversttätSÄuchdnickerei
Marburg, Markt 2L — Telephon 55.
42. Jahrg.
Zweites Blatt.
,A» den Kalmus ziepe» wir «ich!"
Unter dieser eigenartigen Ueberschrift ist uns ein Aussatz zugegangen, in welchem die Haltung der Linksliberalen gegen die Sammelpolitik des Reichskanzlers einer kritischen Betrachtung Mterzogen wird. Da durch diese Ausführungen das Wesen des Linksliberalismus recht schön klargestellt wird, geben wir den Aufsatz in Folgendem wieder. Der Verfasser sagt:
Es ist nicht gerade das beste Deutsch, aber von einer gewissen . schnodderigen Deutlichkeit, das in der alten Berliner Redensart liegt: „An den Kalmus ziepen wir nid)!" Und deshalb könnte man auch kein besseres Wort zur Kennzeichnung der Gesinnung wählen, die der Links- Liberalismus der Sammelpolitik des Fürsten Bülow cntgegenbringt. Wenn der Herr Reichskanzler geglaubt hatte, mit gewinnenden Worten die Linke bezaubern zu können, so wird ihm jetzt klar gemacht, wie weit die Anmaßung ihres Parteiegoismus entfernt ist von der schonen Selbstlosigkeit. die er ihr nachgeriihmt hatte. Die Herren fordern, wie es auf Berlinisch heißt: „wat Reelles".
Dao „Berliner Tageblatt" gab dem in folgender Zartheit Ausdruck: „Wenn Fürst Bülow mit seinem Bekenntnis zu der Ueberzeugung von der Lebenskraft des Liberalismus etwa ge- glanbt hat, sich bei den Liberalen lieb Kind machen zu fönen, so ist er auf dem Holzwege. Fürst Bülow hat in seiner gestrigen Rede mehrfach volkstümlich - drastische Redewendungen gebraucht. Wir wollen auf keine liebenswürdige Perbeugung vor dem Liberalismus ebenfalls etwas drastisch antworten und mit dem Berliner, sagen: „An den Kalmus ziepen wir n ich!" Der Herr Reichskanzler soll uns zeigen, daß er die von ihm selbst gerühmte Lebenskraft des Liberalismus nicht nur gegen Herrn Bebel im Munde führt, sondern daß er auck; in seiner Führung der Reichsgeschäfte Genüge tun will. Tut er das nicht, so wird er vermutlick) die Le- l»enskraft des Liberalismus am eigenen Mini- sterleibe in einer Weise erfahren, die ihn wün- ichen lassen müßte, der Liberalismus wäre weniger lebenskräftig."
Ungefähr so sagte es am Mittwoch im Reichs- -age Herr Wiemer auch, nur mit ein bißchen anderen Worten. Es ist lehrreich, sich den Kern- bunkt seiner Forderungen noch einmal in Erinnerung zu rufen: „Wir werden nicht versagen, wo es gilt, die Jnteresien der Nation wahrzu- ßehnien; wir werden positiv Mitarbeiten, freilich nur da, wo cs fiä) nach unserer Ueberzsu- gung wirklich um eine Förderung des Liberalis- inus handelt.... Der Herr Schatzsekretär scheint sehr zu bedauern, daß er zurzeit nicht mit neuen Steuern kommt. Hoffentlich bleibt es dabei. Sollten sie aber sich als notwendig erweisen,
Stadttheater
19. Abonnementsvorstellung.
Einen Höhepunkt dieser Saison dürfen wir wohl die Aufführung von Shakespeares Lustspiel „Was Ihr wollt" nennen, die gestern Abend einem zahlreichen Publikum ein paar genußreiche Stunden bot.
Das Stück ist nack) den Feststellungen der meisten Chakespearesforscher um 1601 entstanden und gehört somit der dritten, mittleren Schaffungsperiode des großen Briten an. Der Entstehungszeit nach ist es nur ein paar Jahre iiiuger als „Der Widerspänftigen Zähmung", vas die Forschung teils auf 1594 (Delius), teils nur 1596—97 (Furnival), teils gar auf 1603 tFlcay) festlegen möchte?) Wir wollen nicht auf die Quellenfrage eingehen, die schon Eer- vinus in seinem „Shakespeare" (3. Bd. S. 93/94, Leipzig 1849) fast völlig löste, sondern nur mit diesem Forscher hervorheben, daß allerdings der Stoss nicht Shakespeares Eigentum war, daß er es aber wurde durch die Formung, die sein Genie ihm zuteil werden ließ. Denn gerade das lustige Spiel in diesem Stücke, das gebieterisd) unsek Hauptinteresse für sid) fordert, atmet durchaus Shakeioearischen Geist.
Es hairdelt sid) darin um eine recht verwickelte Geschichte. Ein Bruder und eine Schwester sind durch Schiffbruch verunglückt. Jedes glaubt den andern Teil in den Wellen versunken. Beide kommen in dieselbe Stadt, wenn and) erst der Bruder nach Monaten. Die ebenfalls aus den Wellen gerettete Schwester hat, um allen Gcfahrn zu entgehen und sich dem Her-
*) Sehr empfehlenswert zur Orientierung ist die Einleitung zu dem interesianten Buche Max I. Wolff. William Shakespeare, Studien und Aufsätze. Bertin. 1903. F. Fontane & Co. br 3,50 JL
nun, so hoffe ich, daß sich auch dann die konservativ-liberale Paarung wirksam erweisen wird. (Heiterkeit.) Wir präsentieren für diesen Fall in erster Linie die Reform der Branntweinbesteuerung, die vor allem auch ein Gebot der ausgleichenden Gerechtigkeit ist."
Dis ungeheuere Heiterkeit, mit der diese Behauptung auf der Rechten ausgenommen wurde, wird Herrn Wiemer darüber belehrt haben, daß man etwas anderes trotz aller schönen Versicherungen nicht von ihm erwartet hatte. Denn warum sollte gerade der Freisinn über Nacht sich geändert haben. Etwa dem Wangengrübchen des Herrn Reichskanzlers zuliebe? Wenn man den Anfang der schönen Rede des Herrn Wiemer hörte, hätte man freilich beinahe auf den Gedanken kommen können, der Freisinn sei zeitlebens der allertreueste Schildhalter aller nationalen Politik gewesen. Stolz erinnerte er daran. daß die deutsche Fortschrittspartei als erste die Forderung der Einigung Deutschlands unter Preußens Führung ausgenommen habe, und daß der entschiedene Liberalismus immer vollständig für den Ausbau des Reiches eingetreten sei.
Der erste Teil dieses Satzes ist so wahr, wie der zweite unwahr ist. Gewiß hat der Fortschrittsmann Ziegler das schöne Wort gesprochen, daß „das Herz der preußischen Demokratie stets da schlagen werde, wo Preußens Fahnen wehen."
Mit diesem Fortschritte könnte heute nodj konservativer Geist sich, wenn auch nicht paaren, so doch verständigen. Aber mit dem Freisinn von heute, wie Herr Wiemer ihn versteht, fällt die Verständigung doch recht schwer. Denn es stimmt eben nicht, daß der Liberalismus immer vollständig für die Einigung des Reiches eingetreten sei. Wo Preußen-Deutschlands Fahnen wehten, daheim und in den Kolonien, da hat das Herz dieser Demokratie schon lange nicht mehr geschlagen. Es war eine unerlaubte Redensart, wenn Herr Wiemer mit noch so schönem Brusttons ausrief: „Wo es sich um Ehre und Machtstellung des Deutschen Reiches handelt, da haben wir niemals versagt. Aud) bei der Auflösung des Reichstages haben wir uns auf feiten der Regierung gestellt, nicht entgegen, sondern gemäß unseren bisherigen Anschauungen."
Wie ist es eigentlich möglich, daß dem deutschen Reichstage und dem deutschen Volke solche Flausen geboten werden können? Am 13. De^ zember hat allerdings, zum ersten Male leit 40 Jahren der Freisinn für eine militärische Reg ierungsfo rde r- gung gestimmt. Aber noch im Frühjahre 1906 hatte derselbe Freisinn gegen genau dieselben Regierungssorderu n- gen gestimmt, und aus welchem Grunde? Das „Berliner Tageblatt" brachte damals einen Aufsatz, in dem von einer „militärischen Autorität", die es selber als solche bezeichnete, die Ablehnung der Bahn Kubub-Keetmannshoop der erhöhten Transportkosten wegen als eine schwere Verletzung der Finanzinteressen des Reiches und der Sicherheit der Kriegführung bezeichnet wurde. Das freisinnige Blatt gab dies
zog Orsino nähern zu können, Männerkleidung angelegt. Sie wird freudig am Hof des Herzogs aufgenommen; sie, Mola, liebt den in Liebe für eine spröde Gräfin Olivia entbrannten Orsino. Viola (als Freund und Bote des Herzogs Eesario genannt) aber findet Gefallen bei Olivien als sie für ihren Herrn wirbt. Die Verstrickung der Verhältnisse scheint zu einem traurigen Ende führen zu sollen, als der Bruder Violas, Sebastian austaucht, der seiner verkleideten Schwester so ähnlich sieht, daß Olivia sogar ihn als ihren Geliebten anerkennt und zu ihrem Gatten macht. Mit diesem Geständnis muß Orsino seiner Liebe entsagen. Als er seinem erwachenden Haß freien Laus lassen will, bekennt sich Viola zu ihrem Geschlecht, der Bruder erkennt nun aud) in ihr feine Schwester, und in Orsino erwacht die echte Liebe zum Weibe, während bis dahin eine unechte, konventionelle, gefühlsschwache Empfindelei ihm eine Liebe zu Olivia vorgetäuscht hatte. So löst sich der tragisch zugespitzte Knoten in eine Doppelheirat auf.
Aber das ist nur der rote Faden der reich verschlungenen und durck) ein Sprühfeuerwerk von Narrheit und Lustigkeit ausgezierten Handlung. Das Schwergewicht dabei liegt unbedingt bei dem nie nicht unnüchternen Oheim Oliviens, Tobias von Rülp, feinem Kumpan Junker Christoph von Blcichcnwang. dem Narren und Malvolio, Oliviens Haushofmeister: alle sind Typen von äußerst ergötzlichem Kaliber.
Die Darstellung hatte denn auch in diesen luftigen Personen die glücklichsten Momente. Was das edle Kleeblatt Junker Tobias (Hr. Bakoff), Junker Christoph (Hr. Gronert) und Fabio (Hr. Krauß) unternahm, hatte durchaus zwerchfellerschütternde Wirkung auf der Bühne und im Zuschauerraum. Ganz hervorragend war Hrn. Bakofs Leistung; die vorzügliche Darstellung des allezeit durstigen und stets fidelen junkerlichen Gauches Tobias mit feinet ganzen
vollkommen zu, erklärte aber: „Es mag (für die Truppen und die Reichsstnanzen) bedauerlich fein, daß der Reichstag die Bahn abgelehnt hat. Aber höher, als alle anderen Rücksichten, steht das Ansehen und das Budgetrecht der Volksvertretung l Oberst Deimling hat den Reichstag gereizt durch feine Erklärung, daß er nur den Befehlen des Kaisers gehorchen werde. Darauf war die Ablehnung (der Bahn und des Kolonialamtes) die einzig mögliche Quittung der Volksvertretung."
Nicht genug damit: Das leitende Parteiblatt, die dem Herrn Dr. Wiemer doch wirklich recht sehr nahestehende „Freisinnige Zeitung" machte noch während der Wahl mit Stolz darauf aufmerksam, daß die Freisinnige Volkspartei von Anfang an unentwegt die beutime Kolonialpolitik überhaupt bekämpft habe, und daß sie dementsprechend bis zum 13. Dezember stets gegen alle diese „unsinnigen Eeldopfer für unfruchtbare Kolonialgebiete" gestimmt habe. Man braucht nur an Eugen Richters Anödung aller Kolonialvolitik zu erinnern, um die unbestreitbare Richtigkeit dieser Tatsache zu erkennen. Der Rückfall der „Freisinnigen Zeitung" bewies also, wie wenig es ihr am 13. Dezember sachlich um die Bewilligung kolonialer Forderungen Ernst und wie sehr ihre Zustimmung von rein parteitaktischen Gesichtspunkten bestimmt gewesen ist. Die öde Verneinung nationaler Forderungen bat sich bei der freisinnigen Volkspartei auch keineswegs auf die Kolonialpolitik beschränkt, und sie rühmt sich ihrer ablehnenden Kalkung gegenüber notwendiger Lebensbedürfnisse der Reichspolitik, z. V. der Reichssteuerreform, noch heute ganz offen.
Die Abstimmung vom 13. Dezember stellte für den Freisinn eingestandenermaßen den „psncho- logischen Moment" dar, in dem er zu der ersehnten Negierungsfähigkeit zu gelangen hoffte. Die taktische Einigung der drei linksliberalen Gruppen war der zweite Schritt auf diesem Wege; nun, meint man, fei es an der Regierung, Entgegenkommen zu zeigen und Bürgschaften dafür zu bieten.
Dem Anschein nach erwartet man diese am meisten von Herrn von Arnim-Criewen. Das Lob des Herrn Wiemer mag ihm am Mittwoch recht seltsam in den Ohren geklungen haben. Aber leider entsprach es den Tatsachen, wenn Herr Wiemer bebauvtete: „Was der preuütWe LandWirtschaftsministor im Abgeordnetenhaufe gesagt hat, insbesondere von der Steigerung der Grilndstücksoreise und der Verschuldung der Landwirtschaft durch die Getreidezölle, entspricht vollkommen unseren Anschauungen und dem, was wir stets behauptet haben."
Kann man bei dieser Sachlage sich wirklich wundern über die von Herrn Wiemer gezogenen Folgerungen? Natürlich fühlt er sich berechtigt zu der Erwartung, daß „nunmehr wohl auch die Erkenntnis weiterwachsen wird, daß die agrarische Schutzzollpolitik für die Landwirtschaft nicht von Vorteil gewesen ist. Vielleicht wird man sich entschließen, den provisorischen Wall abzutragen oder doch wenigstens zu erniedrigen."
Breite und Tiefe kontrastierte brillant gegen Hrn. Eronerts dünnen, spitzen, sagen wir sogar hirnlosen Humor, der seiner Rolle aufs beste entsprach. Hrn. Krauß' Fidulität war noch zu überlegt, zu gemacht, als dah sie hätte einschlagend wirken können.
Man hätte glauben sollen, daß die Vertreter weiterer komischer Rollen einen schweren Stand gegen diese fidele Gesellschaft gehabt hätten. Aber Hrn. Lipperts Malvolio war so fein durchgearbeitet, so überlegt in der Maske, so dumm- schlau imBenebmen. Io sehr der denEeck spielende grauhaarige, hochnäsige Kammerdiener counne il faut, das er ein völlig anderes Gewächs war wie die junkerlichen Narren und wie der Narr von Profession, den Hr. Reimer-Schlegel mit fabelhafter Routine gab. Shakespeares Narren sind nicht Spaßmack)er im gewöhnlichen Sinne des Wortes: sondern sie übernehmen das schwierige Amt, die Personen genau zu erforschen und bann zu gelegener Zeit ihre Pfeile gegen alle ihreSchwächen abzusenden. Sie vertreten, könnte man sagen, in ganz modernem Sinn den Chor der Antike. Gerade der Narr in „Was Ihr wollt" erfüllt diese Bedingung, die Shakespeare in dem Sttick ihn selbst aussprechen läßt, in besonders treffender Weise. Er weiß fick jeder Situation vorzüglich anzupaffen und fügt sich jeder in anderer Form, aber stets genau ein. Der ganzen Vielseitigkeit dieses Narren wurde Hrn. Reimer-Schlegels Kunst in vollem Maße gerecht. Ueberall fein, ja überlegen in seinem Spiel bot er geradezu eine Glanzleistung.
Gegen ein solches lustiges Spiel hatten die Vertreter des ernsten einen schweren Stand. Hr. Goll gab die unbedeutende Rolle des Herzogs Orsino mit Geschick, seine Partnerin Viola, Frl. Donecker, war frisch und keck in ihrem Auftreten, kehrte den Lustspielcharakter auch der ernsten Szenen hervor, suchte sogar im Spiel sich in manchen typischen Bewegungen dem Vertreter
Wen soll das überraschen? Sie haben sich nicht geändert, diese Neupatrioten vom 13. Dezember. Sie schwärmen nach wie vor für die Freiheit, die sie meinen: die Freiheit der Börsenjobber und Ausbeuter, den Freihandel auch mit geistigen Werten, die Freiheit der Surrogate. Und diese Freiheit meint der Kern bes deutschen Bürger- und Bauerntums nicht! Und darum wird ihnen von der Rechten des Reichstages auch die einzig mögliche Antwort: „An den Kalmus ziepen wir nich!"
Deutscher Reichstag
7. Sitzung vom 1. März, 1 Uhr.)
Auf der Tagesordnung stand die Weiterbe, ratung der ersten Lesung des Etats. Konteradmiral Capelle erklärte auf die gestrige Anfrage des Abg. Gröber, ob es wahr fei, daß Ordonnanzen und Kanzleibeamte zur Wahltätigkeil des Flottenvereins kommandiert worden feien, der Sekretär des Flottenvereins habe sich an einen Kanzleidiener gewendet und ihn gefragt ob er in seiner freien Zeit beim Flottenverein tätig sein und einige Kollegen mitbringen wolle. Dies fei geschehen; der Staatssekretär habe es jedoch, als er davon erfuhr, sofort untersagt. Abg. Fürst Hatzseldt (Rp.) meinte, unsere heutige Parteipolitik nehme in den Verhandlungen des Hauses leider einen breiteren Raum ein als die eigentliche große Politik, und alte Parteien sündigten in ihrer Haltung mehr oder weniger. Di« Sozialdemokratie sündigte, indem sie dem Staate und der Gesellschaft ihre Todfeindschaft erklärte, das Zentrum fehlte in feiner Abstimmung vom 13. Dezember, und wenn es damals feine Stellung zur Abstimmung nur einer Lapalie wegen geändert habe, dann habe es sich erst recht versündigt. Warum solle also nicht auch der Flottenverein ein bischen sündigen? Die Aufhebung des Terminhandels in Getreide habe nach seiner Meinung nicht günstig gewirkt, eine Revision des Krankenkaffengefetzes fei notwendig. Einen Kulturkampf wolle auch feine Partei nicht. Abg. Semler (natlib.) meinte, trotz des dem Abg. Gröber zur Verfügung stehenden Humors und trotz seiner scharfen Worte sei doch ein elegischer Ton durck) seine Rede gegangen. Er habe mit der ganzen Kraft seiner Veredtsarnkeit versucht darzulegen, daß seine Partei ungeschwächt, ja verstärkt aus den Wahlen herausgekommen sei. Wichtiger würbe jedoch der, leider vermißte Nachweis gewesen sein, daß das Zentrum mit seinem früheren Verhalten auch innerlich dem Vaterlande gegenüber im Rechte gewesen sei. Unannehmbar fei für die Regierung gewesen, dem Zentrum die Entscheidung darüber zu taffen, wieviele Truppen noch nötig seien, um die Kolonie sicher zu halten. Hier handelte es sich am einen Abstrich von größter Bedeutung, und um eine wirklich nationale Frage. Abg. Singet
ihres Bruders Sebastian, Hrn. Kober, anzupaf- fen und fand infolge ihres selbständigen Humors großen Beifall; sogar ein Kranz der Anerkennung warb ihr zu teil. Hr. Kober schien im Anfang recht unbeteiligt an der Aufführung, erst nach und nach kam ein ganz wenig Stimmung in fein Spiel.
Frl. Schuster stand in der Rolle der SDliolä leider am unrechten Platze; es kann tatsächlich einer Soubrette nicht zugemutet werben, daß sie trauernde Gräfinnen gut spielt. Immerhin sei anerkannt, daß Frl. Schuster bas Beste gab, was sie in einer solchen Rolle geben konnte. Ueberrascht hat uns offen gestanden die ganz vorzügliche Leistung der Maria, die Frl. Win- berstein mit solcher Lebendigkeit, mit soviel Talent und Temperament gab, daß ihr geradezu ein großer Teil des flotten Spiels und damit atlerbinas etwas sehr gutes zu danken ist.
Die kleineren Rollen lagen in guten Händen, wenn wir auch Hrn. Käsemann lieber nicht in feiner ernsten Rolle gesehen hätten, Hr. Ereeff und Hr. Schlottau ließen manches zu wünschen übrig, doch hatte Hr. Schlottau noch einige gute Momente. Hrn. Ries' Sviel war, wie immer. den Rollen recht angemessen.
Der Regie ist für das flotte Spiel und füi die Einrichtung des Stuckes besonderer Dank zu wissen. Allerdings hat die Vereinfachung des Schauplatzes ihre Nachteile, aber bei unseren Theaterverhältnissen war die schnelle Folge der Szenen und die Kürze der Pausen eine überraschende und vollen Beifall des Publikums findende Neuerung. Hrn. Direktor Steingoetter sei an dieser Stelle aber nicht nur für die Ausstattung sondern auch für die Aufführung eines so wertvollen Stückes der Dank wiederholt, bet in bem reichen Beifall des Publik»: - ' ern
Abend spontanen Ausdruck fand.
Marburg, den 1. März 1907,