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mit dem Kreis-latt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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ZnserttonSgebühr: die gespaltene Zelle oder oercn Raum 15 Pfg.

Reclmnen: die Zeile 80 Pfg.

Marburg

Sonntag 3. März 1907.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag- Joh. Aug. Koch, NniverjitätS-BuchdrucktrÄ Marburg, Markt 21, Telephon 55.

42. Jahrg.

Erstes Blatt.

Die Lage des Deutschtums im Balteulande.

Die Volkszählung im russischen Reiche vorn Jahre 1897, bereit Ergebnisse erst im Vorjahre der Oeffentlichkeit übergeben worden sind, er­gab für die baltischen Provinzen: Livland, Kur­land und Esthland bei einer Eesamtbevölkerung von 2 386 000 Seelen 165 600 Deutsche. Ob diese amtliche Feststellung auch wirklich die Stärke des Deutschtums in den russischen Ostseeprovinzen korrekt angibt, könnte bei dem deutschfeindlichen Geiste, der die russische Verwaltung beherrscht und bei der notorischen Unzuverlässigkeit ihrer Organe vielleicht Anlaß zu Zweifeln geben, immerhin aber würde selbst die mitgeteilte Zif­fer erkennen lassen, daß sich trotz aller Russi- fizierungsmatznahmen und Vergewaltigungen das baltische Deutschtum mit seiner alten Kultur bis auf den heutigen Tag lebenskräftig und widerstandsfähig erhalten hat.

Das Baltenland ist um die Wende des 12. Jahrhunderts von hanseatischen Kaufleuten ent­deckt und von deutschen Rittern und Priestern dem Deutschtum gewonnen wor­den. Die slavisch-finischen Bewohner des Landes, dis Letten und Esthen hatten nach verschiedenen blutigen Aufständen sich der deutschen Kultur angeschlossen. Die baltische Ritterschaft hob be­reits 1819 also ein halbes Jahrhundert früher, als die Russen die Leibeigenschaft auf und gab dem Lande eine Agrarverfassung, die eine zahlreiche und wohlhabende Bauernklasse schuf und eine Proletarisierung der Landbevöl­kerung unmöglich machte. Das Schulwesen wurde derartig gehoben, daß es bereits vor mehr als vierzig Jahren kaum noch Analphabeten gab. Die UniversitätDorpat und das Poly­technikum zu Riga verbreiteten den Ruhm deutsch-baltischer Wissenschaft in der ganzen zivilisierten Welt.

Gegen diese deutsche Kultur wurde der schwerste Schlag durch die 1883 beginnende g e - waltsame Russifizierung geführt. In ihrem Gefolge verbreiteten sich s o z i a l i st i s ch e und anarchistische Ideen unter den Letten und Esthen, und diese führten schließlich zu Ge­walttaten, die sich nicht gegen die r u s s i s ch e n Bedrücker, sondern gegen das Deutschtum richteten. Wieder, wie zur Zeit Jwait's des Schrecklichen, wurden die Eutshöfe durch Mord­brenner vernichtet, Gutsbesitzer, Pfarrer, Lehrer, Verwalter, Förster und sonstige Deutsche hinge- tnordet. Einelettische Republik" wurde erklärt

$2, (Nachdruck verboten.)

Schatten.

Roman von B. v. d. Lancken. (Fortsetzung).

Von diesein Zwischenfall erfuhr Gräfin Na­talie nichts, zumal er auch ohne nachteiligen Folgen für Gabi blieb, aber die böse Saat ,keimte in Gabis Seele weiter. Ulrike hatte die Binde von ihren Augen gerissen, und wenn sie ihr auch in der Not der Abwehr zugerufen:Du lügst" sie wußte es nur zu gut, daß sie wahr gesprochen, und daß in ihr tausend widerstre­bende Gewalten rangen, die noch mehr in den Vordergrund getreten, seit der Aufenthalt an der See die Erinnerung an jene Lebensrettung £co5 wachgerufen.

Stundenlang saß Gabriele in ihrem Strand­korb, zeichnete mit der Spitze ihres Sonnen­schirmes Figuren in den Sand oder blickte aufs Meer hinaus, und in ihr sehnsüchtiges Wün­schen, Rupert möchte bei ihr sein, mischte sich eine geheime Bangigkeit vor seiner Rückkehr.

Oft schon hatte sie den Entschluß gefaßt, ihm zu schreiben, ihm alles zu sagen, was ihr Herz erfüllte, ihm ihre Zweifel, ihre Kämpfe zu ent­hüllen, aber die Furcht, ihn zu kränken, ließ sie schweigen. Wie wurde Rupert ihre Liebe zu ihm beurteilen, wie kleinlich, wie schwach müßte sie ihm erscheinen. Sie bemühte sich redlich, Herrin ihrer trüben Gedanken zu werden, fand auch so weit Kraft, um ihre Gemütsstimmung wenigstens einigermaßen vor Ulla zu verbergen, und die Zeit in Misdroy verging den drei Frauen äußerlich ruhig in der so wohltuenden Ungezwungenheit eines einfachen Ostseebades.

Seit vier Wochen war Fclscnbach mit dem Prinzen auf Schloß Pvonne, seit vierzehn Ta­gen war auch Isa Tromsau eingetroffen. Ein Umstand kam zum anderen, um Ruperts an­fänglich getroffenen Dispositionen zu verschie­ben. Wie so oft im Leben, so war cs auch jjicr;

und als deren erste Aufgabe die v ö llige Ber­ni ch t u n g und Vertreibung der Deut­schen hingestellt.

Die Entwickelung der Industrie in den grö­ßeren baltischen Städten hatte eine zahlreiche Fabrikarbeiterschaft entstehen lassen, die im Ge­heimen schon lange von der internationalen Sozialdemokratie sorgfältig organisiert war. In großen Banden durchzogen die Revolutionäre mit roten Fahnen das Land, in wenigen Tagen vernichtend, was in jahrhundertelanger Kultur geschaffen war. Schmachvollerweise wurden diese Mordbrennerauchvonderdeutschen Sozialdemokratie mit Rat und Tat unter st ützt, und ihre Presse ist bemüht, die Schandtaten ihrer lettischen Gesinnungsgenossen durch zynische Verleumdungen der unglücklichen Opfer zu bemänteln. Die Bewohner des flachen Landes mußten zahlreich in die Städte flüchten und die Rot der dortigen deutschen Bevölkerung vermehren, die schon seit langem durch die poli­tischen Unruhen und wirtschaftlichen Krisen in ihrem Wohlstand zurückgekommen war. In we­nigen Tagen wurden in Kurland ungefähr 50, in Livland und Esthland je etwa 100 Eutshöfe fast völlig zerstört und dadurch nicht allein deren deutsche Eigentümer um Millionen geschädigt, die von den Versicherungsgesellschaften keines­wegs ersetzt werden, sondern auch Hunderte deut­scher Förster, Inspektoren, Gärtner und andere landwirtschaftliche Angestellte brotlos gemacht. Viele von ihnen haben auch ihre Treue gegen ihren Dienstherrn mit dem Leben bezahlen müssen.

Denn neben Brandstiftung, Raub und Er­pressung war es vor allem der feige Meuchel­mord, durch den diese Unholde ihre Weltverbesse­rung herbeiführen wollten. Ueber hundert deutsche Familien sind durch die ost grausame Ermordung ihres Ernährers in Trauer und Rot versetzt worden. Selbst acht Frauen und vier Pfarrer fielen als Opfer der Meuchelmörder.

Trotz alledem ermutigte die herzliche Teil­nahme an ihrem schweren Schicksal, die überall im alten Mutterlande zutage tritt, die Balten zum tapferen Ausharren. Die neue Staats­ordnung gewährt ihnen die Möglichkeit, die alten deutschen Schulen wieder aufleben zu lassen und der Heranwachsenden Jugend dadurch eine deutsche Erziehung zu sichern. Es sind bereits über 100 deutsche Schulen eröffnet worden. Auch die russische Regierung beginnt einzusehen, daß die Deutschen die treuesten Stützen staatserhal­tender Ordnung bilden und daß gerade ihre deutschen Eigenschaften sie zu einem loyalen und wichtigen Bestandteil der russischen Bevölkerung machen.

In den größeren baltischen Städten entstan­den Notstands-Komitees. Zur Vereinheitlichung

man läßt alle gut erkannten Pläne fallen, um bessere an ihrer Stelle zur Ausführung zu brin­gen und erkennt meist zu spät, daß die ersten Entschlüsse doch die richtigen waren.

Schloß Pvonne, einige Stunden von Straß­burg gelegen, am rechten Ufer der Jll, deren Fluten seine uralten Fundamente umspülten, war ein imponierender Bau aus dem Ende des sechzehnten Jahrhunderts. Es besaß eine präch­tige Kapelle, die noch viele Bilder der früheren Besitzer des Schlosses enthielt, und einen Ban­kettsaal mit kunstvollen Freskomalereien, außer­dem barg es verschiedene Kunstschätze von hohem Wert und eine bedeutende Bibliothek. Die Gra­fen von Bvonue waren ein gewalttätiges, über­mütiges Geschlecht gewesen, der Letzte des alten Hauses hatte unter der Guillotine der französi­schen Revolution geblutet, und das Schloß hatte seine Besitzer verschiedene Male gewechselt und war fast in Verfall geraten, bis es der Prinz Adolf von Schwarzenstein vor drei Jahren er­warb und mit großem Kostenaufwande glanz­voll restaurieren ließ. Die Lage des Schlosses und seines großen Parkes an dem Ufer der Jll war malerisch schön, die starken, altersgrauen Mauern und Türme, die prächtigen Bäume re­präsentierten ein Stück Vergangenheit, und der Prinz liebte das Alte. Die Stille und Ab­geschiedenheit taten ihm bei seinem körperlichen Leiden wohl, es hatte in letzter Zeit zugsnom- men, er fühlte es mehr, als er seiner Umgebung gegenüber eingestand, und dadurch war der Wunsch in ihm besonders rege geworden, die Kunstschätze, die Bibliothek von Schloß Poonne nach seiner Anleitung geordnet zu sehen. Felsen­bach mit seinen frischen Geisteskräften, seinem Kunstsinn und literarischen Verständnis war ganz die geeignete Persönlichkeit, nach jeder Richtung hin eine fördernde Tätigkeit zu ent­wickeln, zudem verband beide Männer gegen­seitige persönliche Sympathie, und der Prinz be­handelte Rupert wie einen jüngeren Freund. So angenehm der Aufenthalt nun für Felscn-

der Organisation wurde darauf das V a l t i s ch e Zentral- Notstands-Komitee zu Riga gebildet, dem sich die Landes- und Orts-Aus­schüsse unterstellten und dem sie über die vom Berliner Hilfsausschuß" erhaltenen Spenden Rechnung legen. Das Baltische Zentral-Not- stands-Komitee erhielt fortan alle weiteren Spenden desBerliner Hilfsausschus- s e s", dem es fortlaufend über die Verwendung derselben Bericht erstattet.

Im ganzen erhielten die drei russischen Ost­seeprovinzen bis November 1906 vomBcrli - ner Hilfsausschuß" 238 310 Mk. Hier­von sind, wie wir dem Berichte des schon mehr­fach erwähnten BerlinerH i l f s a u s s ch u s - f es für die notleidenden Deutschen Rußlands" entnehmen, bis November 1906 1750 Familien mit zusammen 200 202 Mark un­terstützt worden. Aus die Familie entfallen also durchschnittlich etwa 115 Mark.

In allen drei Ostseeprovinzen haben sich auch deutsihe Schul- und Hilfsvereine gebildet, mit der Aufgabe, alle Deutschen wirtschaftlich und kulturell zu stärken und zu fördern und insbe­sondere jede Abwanderung von Deutschen nach Kräften zu verhindern. Ein flammender Auf­ruf an die im Auslande weilende baltische Ju­gend, zur Verteidigung des heimatlichen Herdes heimzukehren, hatte güten Erfolg.

Berechtigt diese energische und umfassende Tätigkeit zu den besten Hoffnungen für die Er­haltung des baltischen Deutschtums, so muß an­dererseits scharf betont werden, daß die Krisis noch lange nicht überwunden ist und jeder Tag den Balten die schwersten Gefahren bringen kann. Die deutsch-feindlichen Elemente können nur durch die schärfsten Maßregeln von den russischen Truppen niedergehalten wer­den. Wie ungenügend aber selbst den russischen Statthaltern dieser militärische Schutz erscheint, acht aus der Tatsache hervor, daß die russischen Behörden der gefahrvollen Lage der Deutsch- Balten dadurch Rechnung getragen haben, daß sie die Bildung von Selbstschutz-Organisationen dringend an rieten und die Einfuhr der erforderlichen Waffen und Munition ge­statteten!

Inzwischen scheint es ja der russischen Mili- tärgewalt gelingen zu wollen, der Anarchie in den baltischen Landen Herr zu werden, sodaß das dortige Deutschtum wenigstens für den Augenblick vor der Vernichtung durch lettische und esthnische Mordbrennerhorden gesichert er­scheint. Dafür aber droht den Deutsch-Balten eine andere Gefahr, die nicht gering einzu­schätzen ist, die Gefahr des Verlustes der altbe­währten Verfassung, die in den ritterschaftlichen Landtagen dem deutschen Grundbesitz einen maßgebenden politischen Einfluß auf die Ver­waltung der drei Ostseeprovinzen gestatteten. Diese Gefahr ist jetzt sehr nahe gerückt, weil von deutschfeindlicher Seite alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, die Entscheidung über die balti-

bach sich gestaltet hatte, so konnte er doch ein im­mer lebhafter werdendes Verlangen nach Gabi nicht aus feinem Herzen verbannen, und als er eines Vormittags nach Aufhebung der Früh- stückstafel in sein Zimmer zurückkehrte und dort einen ganz besonders traurig klingenden Brief seiner Frau fand, wuchs dies Verlangen in ihm gewaltig, alle anderen Gedanken und Gefühle überwiegend. Ja, in feinem eigenen Empfinden glaubte er plötzlich den Schlüssel für Gabis selt­same Stimmung gefunden zu haben. Sie sehnte sich nach ihm, wie er nach ihr.

Armes Kind," flüsterte er, ihr Bild aus seinem Portefeuille nehmend und das süße, weiche Antlitz betrachtend,jetzt verstehe ich dich. Aber sei ruhig, mein Liebling, die Zeit der Trennung soll vorüber fein."

Er begab sich direkt nach den Gemächern des Prinzen und ließ sich melden. Adolf Schwarzen­stein empfing ihn wie immer mit freundschaft­licher Begrüßung, obgleich diese Stunde für Fel­senbachs Besuch ungewöhnlich war.

Was gibts, mein lieber Felsenbach?" rief er ihm entgegen.

Hoheit waren so überaus gnädig, meine Fran mit einer Einladung nach Schloß Pvonne zu beehren," sagte Felsenbach.Die Gründe, welche uns damals zwangen, dieser gütigen Er­laubnis nicht Folge zu leisten, sind jetzt hin­fällig geworden und wenn Euer Hoheit es gnä- digft gestatten"

So möchte Ihre charmante Frau Gemahlin uns jetzt noch die Freude machen" unterbrach ihn der Prinz.Bedarf es einer Versicherung, daß dieser Entschluß der Baronin und mir einen langgehegten Wunsch erfüllt? Schreiben Eie Ihrer Gemahlin, Herr von Felsenbach, daß ich mich auf ihren Besuch so freue, wie dies eben nur ein alter Mann von beinahe sechzig Jahren darf."

Und an Rupert herantretend und ihm ver­traulich auf die Schultern klopfend, fuhr er fort:

War eine harte Probe für Sie, Freundchen,

schen provinziellen Reformen der Reichsdum« zu überweisen. Das würde so viel heißen, rot< die Reformen auf unbestimmte Zeit hinausschio« teil und der von reaktionär russischer Seit« schon längst geplanten Oktroyierung der untaug- lichen russischen Semstwo- (Landschafts-) Ver« fassung die Wege zu bahnen.

Wie aber auch in dieser Frage die Entschel- bung fallen möge, so darf die Hoffnung nicht ausgegeben werden, daß es dem Deutschtum in bett russischen Ostseeprovinzen gelingen wird, auch diese neue schwere Gefahr zu überdauern, wenn es nut glückt, das deutsche Schulwesen im Baltenlande lebensfähig zu erhalten. Dazu aber wird fürs Erste die Kraft der wirtschaftlich so schwer geschädigten Balten nicht ausreichen. Unter diesen Umständen möchten wir abermals den Aufruf desHilfsausschusses für die notleidenden Deutschen Ruß - lands zu Berlin" in Erinnerung bringen, der zur Sammlung von nationalen Spenden für un­sere bedrängten Volksgenossen in Rußland auf- fordert. Ein ansehnlicher Teil des Ertrages würde ja den Deutsch-Balten zu Gute kommen und dazu beitragen, ihr Schulwesen, die beste Schuhwehr gegen die Verrussung aufrecht zu er­halten.

Drittes Reich.

Der Reichstagsabgeordnete für Leipzig- Land, Genosse Geyer, als Unternehmer. Der Korrespondent", Organ der Buchdrucker, brachte folgende lehrreiche Betrachtung:Wenn dar Wort Demagogie jemals eine greifbare Gestalt angenommen hat, dann mit der Beschimpfung der organisierten deutschen Buchdrucker alsdies« Sorte Gewerkschaftler" durch den Unternehmer Geyer intTabakarbeiter". Wer angesichts der vom Tabakarbeiterverbande festgestellten Tat­sachen es wagt, die Ergebnisse unserer Tarif­revision, welche für die Gehilfen Lohnerhöhun­gen bis zu 5, 6, 7 und sogar 8 Mark gebracht $at, Erhöhungen, die den Wochenlohn Tausender von Tabakarbeitern ausmachen! herunterzn- reißen, muß ein ganz ausgemachter Demagoge fein. Mit solchenverzweifelten und zweifel­haftesten Mitteln" zu arbeiten, ist das hervor­stechendste Merkmal unserer Ultras, denen jede positive gewerkschaftliche Arbeit ein Dorn im Auge ist, und die in diesem Falle sich als außer­ordentlich prädestiniert für eine aufbauende ge­werkschaftliche Tätigkeit erweisen! Als Unter­nehmer bezahlte Fritz Geyer nach der vorliegen­den Statistik seinen 9 männlichen und 3 weib­lichen Arbeitern folgende Wochenlöhne: Für Formarbeit 8,50 bis 11 <W, für Roller 14 -ll, für Zurichter 6,50 M. Die Arbeitszeit im Betriebe der Firma Geyer u. Co. betrug täglich 10 Stun­den."Auch bei Herrn Geyer" bemerken hierzu dieLeipz. Reuest. Nacht.",scheint also seine sozialdemokratische Arbeiterfreundlichkeit,

sich so lange von Ihrer jungen Gattin zu tren- nen ich danke Ihnen für das Opfer, welches Sie mir gebracht haben. Die Baronin ist übri­gens int Nebenzimmer wir wollen ihr gleich die angenehme Mitteilung machen, kommen Sie."

Et zog seinen Atm durch den Nuverts und führte ihn zu Isa in das anstoßende Zimmer.

Wenige Tage später traf Gabriele auf Schloß Pvonne ein, und Rupert nahm mit wachsender Bekümmernis wahr, wie ernst, wie umdüstert seines Weibes bis dabin so jugendlich fröhliches Gemüt geworden. Gabi wich feinen teilnehmen­den Fragen aus und fand weder den Mut, noch das Vertrauen, sich ihm gegenüber auszuspre­chen, ja, als er einige Male mit Ernst und Liebe in sie drang, sich ihm zu offenbaren, unterdrückte sie mühsam die auffteinenben Tränen und ver­mied von da an, so viel cs sich tun ließ, jedes Alleinsein mit ihm. Wenn er geahnt hätte, mit welch finsteren Möchten die Seele seiner Gattin rang; wie Gabi in Misdroy oft stundenlang starr auf das Meer hinausgeschaut hatte, ohne sein Rauschen zu hören, ohne auf das Spiel sei­ner Wogen zu achten, so suchte sie hier täglich eine einsame Bank des Parkes auf, sah in den Fluß ober verfolgte die voriiberziehenden wei­ßen Wölkchen am tiefblauen Herbsthimmel und quälte ihre Seele immer wieder mit der einen Frage, die sie bewegte, seit jenem unseligen Tage, da Ulrike die Erinnerung an Leos Le- bensrettung in ihr wachgerufen.Ist cs Sünde?" Und doch, wie liebte sie ihn, ihren Gatten, wie schlug ihm ihr ganzes Herz ent­gegen, wie trieb sie oft ein kaum bezwingbares Verlange», an seiner Brust all ihr Leid auszu- schütten, und fand doch nimmer den Mut dazu.

Eines Tages hotte Rupert sie gebeten, ihm in der Bibliothek Gesellschaft zu leisten, derl Prinz und Isa machten eine Spazierfahrt, so ging sie mit ihm in den Seitenflügel des Schloss«, fes, in dem sich die Bibliothek befand, hinüber.' (Fortsetzung folgt.) *