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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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»ietteljährlicher B«»us»pr«i»- bet der Expedition 2 ML» bet alle» Vastämtern 2,26 ML ^ct. Bestellgeld).
Anserttansgebühn die gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Psg.
Reelamen: die Zeile 80 Pfg.
Marburg
Freitag 1. März 1907.
Erscheint wöchentlich siebe» mal.
Druck m» «erlag- Jo». Keg. «och, UmversttStEtchdruckerei
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
42 Jahr-.
Erstes Blatt.
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Bestellungen für bett Monat März auf btt
«vberhesstsche 3 < i tune" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch Hain, Reustadt und Wetter, sowie von allen Postanstalten und Landbriefträgern ent» gegengenommen.
Staatsno!recht.
Heber die Notwendigkeit einer Fortführung »er 1886 von Bismarck eingeletteten und in den letzten Jahren mit Entschiedenheit und wachsenden Erfolgen betriebenen Ansiedlungspolitik in den Ostmarken ist sich unsere öffentliche Meinung wohl nachgerade klar geworden. Auch im preußischen Landtage wird es kaum einen nationalen Parlamentarier geben, der sich der Forderung einer erneuten Auffüllung des An fiedlungsfonds gegenüber ablehnend verhalten möchte. Eine andere Frage ist es, ob mit diesen Mitteln allein und auf die Dauer wird auszukommen fein, ob wir nicht vielmehr unserer Regierung schließlich doch Waffen werden in die Hand geben müssen, die es ihr ermöglichen, den auf die Durchkreuzung ihrer Anstedlungspolitik gerichteten Willen der Polen im Einzelfalle butdf — uii* wihuvv |viiitu»wicb> '
Eta « Ls notrecht zu brechen. Solche Erwägungen werden nahegelegt durch Derhältnisie und Borgänge, über die uns von sehr gut unter- richtetet Seite ein Bericht zugeht.
„Liegt da, so schreibt ein Gewährsmann der „Ostdeutschen Korrespondenz", der wie diese Betrachtung entnehmen, im Kreise Schroda das Städtchen Kostschin, da» 1900 310 Deutsche und 2026 polnische Einwohner zählte. Um in dieser Stadt die Reste des Deutschtums in Handel und Gewerbe zu erhalten und zu stärken, erwarb die Ansiedlungs-Kommission in der näheren Umgebung etwa 2000 Hektar und begann ste zu be- fiedeln. Das hatte wenigsten» den Erfolg, daß sich die Zahl der Deutschen von 1900 bis 1905 auf derselben Höhe hielt, während freilich die Zahl der Polen von 2026 auf 2566 anwuchs. Bei fortschreitender Besiedelung de» bereit» erwor-
30 lRachdruck verboten.)
Schatten.
Roman von B. v. b. Lancken.
(Fortsetzung).
- „Also wirklich — das sagte er Ihnen? — Er ist rührend gut. Sie sehen mich so fragend an, Herr von Felsenbach — nun, hier kann ich wohl ohne Rückhalt plaudern, bleibt es doch in der engsten Familie. Mein Mann will auf diesen Lieblingsplan verzichten, aus Rücksicht für Sie und Ihr junges Frauchen, um Sie nicht zu trennen. Sie lächeln, meine Herrschaften — aber es ist, in allem Ernst gesprochen, der Grund."
„Wie gütig vom Prinzen und wie dankbar bin ich ihm dafür," rief Gabi.
„Und wie richtig er Sie beurteilt, kleine Frau! — Aber — ich habe einen prächtigen Ausweg, — Sie gehen mit uns nach Yvonne."
Gabriele war mehr erschrocken als erfreut über diesen Vorschlag, und sie äußerte sich ziemlich unsicher und befangen, als sie der Baronin dafür dankte. Felsendach aber sah Isa mit seinen großen, sprechenden Augen fest an und sagt« mit Entschiedenheit:
„So überaus liebenswürdig und verlockend Ihre Einladung ist, gnädigste Baronin, so müssen Sie uns doch gestatten, dieselbe noch einer kleinen Erwägung zu unterziehen, da Gräfin Reuchlin schon die ziemlich sichere Zusage hat, daß Gabi sie nach Misdroy begleiten wird."
„Unter diesen Umständen würde ich Gabi von ihrem Versprechen entbinden," bemerkte die Gräfin.
„Nein, liebe Mama, das nehme ich nicht an," rief" jetzt Gabriels lebhaft und sichtlich erfreut über diesen Ausweg. „Ich nehme es nicht an, Und Isa darf mir deshalb nicht böse sein — ich habe es dir schon lange versprochen."
„Vielleicht läßt sich in diesem Falle das eine tun und man braucht doch deshalb das andere nicht zu lassen," bemerkte Ulla. „Gabi geht erst mit uns an die See und holt dann Herrn von Felsenbach von Schloß Yvonne ab."
„Wenn es nicht anders geht, muß ich mich
bene» und de» noch anzukaufenden Ansiedlung»« besitzes durfte man sich immerhin der Hoffnung hingeben, das Deutschtum bald wieder zu einem Machtsaktor zu machen. Aber der Graf Mel« czynski auf Jwno denkt ander» darüber. Vor kurzem hat dieser Vorkämpfer des Polentums fein in Russisch-Polen ielegenes Gut für etwa zwei Millionen Rubel verkauft. Und nun benutzt er dies Geld, um seinen nahe Kostschin belesenen Besitz zu vergräßern — natürlich auf Kosten des Deutschtums — und alle Ankaufspläne der Ansiedlungs-Kommission zu durchkreuzen. In wenig Wochen hat er hintereinander zwei deutsche Bauern in dem Nachbardorf von Kostschin, Elinke, mit insgesamt 500 Morgen ausgekaust und ferner die Güter Busch- kowitz, 350 Morgen groß, und Libartowo, 450 Morgen groß, erworben. Jetzt soll er auch über das Gut Falkenrode von 1000 Morgen Größe abgeschlossen haben. Er vergrößert also seinen schon 12 000 Morgen großen Besitz Jwno in kurzer Zeit um 2300 Morgen. Was hilft e» nun, daß der Staat aus der einen Sette der Stadt mit großen Opfern von Staatsmitteln deutsche Bauern ansetzt, während der Pole aus der anderen Seite die deutschen Besitzer verdrängt?! Soll wirklich der Polengraf aus Jwno oder der preußische Staat Herr sein in der Stadt Kostschin?"
Und dieser Fall Kostschin steht nicht verein- zelt da. Im Gegenteil, er ist typisch für die Ver- hältnlffe in vielen kleinen Städten der Provinz Posen. Da thront der polnische Graf auf seinem Schlöffe über der Stadt, ste ist wirtschaftlich von ihm abhängig, seine ost Zehntausende von Hektaren umfaffenden Besitzungen umkreisen di« Stadt und drohen die schwachen Reste des ?an"g" zu" erfinden. °Bollen"wir' wirklich untätig zusehen, bis er sein Werk vollendet hat?" — Der Notschrei des Deutschtum» in der Ostmark scheint diesmal nicht ungehört zu verhallen. Wie es heißt, geben« die preußisch« Regierung dem Landtage in n ä ch st e r Zeit einen Gesetzentwurf vorzulegen, der diesen trostlosen Zuständen Ab- hülf« schaffen soll. Die geplante Vorlage, welch« der Ansiedelungskommission in den polnischen Landesteilen ein Enteignungs- recht nicht nur gegen polnischen, sondern formell auch gegen deutschen Grundbesitz verleihen soll, ist, wie in parlamentarischen Kreisen zuverlässig verlautet, in den Erundzügen schon fertig gestellt und den Führern der Konserva- tiven, der Freikonservativen und der national- liberalen Partei des Abgeordnetenhauses vertraulich mitgeteilt worden. Außerdem wird die in der Thronrede bereits angekündigte Ber
auch damit zufrieden geben," sagte Isa Tromsau, „schließen wir also ein Kompromiß: erst Misdroy und dann Yvonne. Sind Sie damit einverstanden, Herr von Felsenbach?"
Sie streckte ihm die Hand hin.
„Diese schöne Hand nicht zu küffen, wäre unverzeihlich, Baronin, aber ein bindende» Versprechen auf so lange Zeit im voraus gebe ich nie,“ antwortete Rupert, mit seinen Lippen ebenso leicht, kaum fühlbar, Isa» Hand berührend, wie bei seiner Ankunft.
„Wie ängstlich Sie find," spöttelte die schöne Frau.
„Herr von Felsenbach hat recht," mischte sich Gräfin Natalie in das Gespräch, .wer selbst derartige Höflichkeitsversprechungen ernst nimmt, erweckt das Vertrauen, daß er es doppelt und dreifach tun wird, wo es sich um andere Dinge handelt."
Bis ihre Gäste sich verabschiedet hatten, hielt Baronin von Tromsau die liebenswürdige 'Heiterkeit auf ihren Zügen fest, ja, sie trat sogar noch an das Fenster und verwandte keinen Buck von den unten Einsteigenden, nickte und winkte ihnen zu, sah, wir Rupert die Gräfin an ihren Wagen führte, wie er sich von Ulrike verabschiedete und wie er Gabi sorgsam auf den hohen Selbstfahrer hob, sich an ihre Seite schwang, ein Tuch um ihre Schulter legte, sich fragend zu ihr beugte und lächelte. Als er dann noch einmal nach oben s--l war der Ausdruck in seinen Zügen steinern kalt, Gabi grüßte, mit den Händchen winkend, Rupert senkte tief die Peitsche.
Die prächtigen Apfelschimmel griffen aus und die Equipage, das große Rasenrondel des eleganten Vorgartens umkreisend, rollte durch die weitgeöffneten gußeisernen Torflügel aus die Tiergartenstraße hinaus. Str waren längst nicht mehr zu sehen, da stand die Baronin noch immer am Fenster, ihre Blicke nach der Rrchtung gewandt, wo sie verschwunden.
Er liebt sie — dies Kind — und ich Haffe sie um "dieser Liebe willen! — Ste hat ein weiches Gemüt, iw dem sich leicht ein Samenkörnlein ausstreuen lätt und Wurzel schlägt. Freilich.
mehrung be» Anfiebelungsfonb» um 100 Millionen ober mehr bem Abgeordnetenhause sofort zugehen.
Deutscher Reichst«,!.
(5. Sitzung, Mittwoch, 27. Februar.
Als erster Redner trat Dr. Wiemer (Fr. Vp.) auf. Bon seinenAurfithrungen war besonders der erste Teil von Interesse. Der „freisinnige Volksparteiler" führte aus: Rach altem germanischen Rechtsbrauch darf bet Unterlegene bas Urteil eine Zeitlang schelten. Von biefet Befugnis haben die unterlegenen Parteien reichlich Gebrauch gemacht (Sehr gut!), aber bie Rückschau auf die Wahlen muß doch schließlich ein Ende haben. Die freisinnige Volkspartei und auch die beiden anderen Gruppen de» entschiedenen Liberalismus haben Mandate gewonnen. (Lärm bei den Sozialdemokraten. Singer ruft: Mit Hilfe bet Sozialdemokratie!) Der Liberalismus verfügt über 50 Mandate und die Regierung wie di« Parteien werden damit zu rechnen haben, daß diese Stimmen in vielen Fragen entscheidend in die Wagschale fallen werden. Meine Freunde find durchaus bereit, positive Arbeit zu leisten, aber es wird darauf ankommen, welche Vorlagen die Regierung dem Reichstage machen wird. (Lebhaftes Aha! bei den Konservativen und im Zentrum). Die deutsche Fortschrittspartei hat als erste der Parteien die Forderung einer Einigung Deutschlands unter Preußens Führung ausgenommen, und der entschiedene Liberalismus ist immer vollständig für den Ausbau des Reiches eingetreten. Das werden wir auch in Zukunft tun. Aber im Laufe der Fabr« ist »l« lerer Meinung nach nur Zweckmaßigkeitsfras»», aber nicht Postulate nationaler Eefinnung gr-
Von seinen Ausführungen war besonders der Ehre und Machtstellung be» Deutschen Reiches handelt, da haben wir niemals versagt. Andauerndes Lachen recht« und im Zentrum). Auch bei bet Auflösung bes Reichstages haben wir uns auf di« Seite der Regierung gestellt, nicht entgegen, sondern gemäß unseren bisherigen Anschauungen. Wit werden nicht versagen, wo es gilt, die Interessen der Nation wahrzunehmen; wir werden pofitiv Mitarbeiten, freilich nut da, wo e» sich nach unserer Ueberzeugung wirklich um eine Förderung des Liberalismus handelt. Der Reichskanzler spricht von einer Paarung konservativ-liberalen Geiste». Was er dabei in Aussicht gestellt hat, werden wir unbefangen prüfen: eine Einschränkung der Majestätsbelei- digungsprozeffe, Reform des Strafprozesses und
er kennt fein Weib und et weiß es zu hüten vor schädlichen Einflüssen, aber trotzdem —"
Sie versinkt wieder in Nachdenken und schlägt die Hände vor das Gesicht. Allmählich gleiten sie langsam herab, und wie ihre Blicke jetzt durch das Gemach irren, liegt nichts darin von der stolzen Genugtuung, die noch vor kaum zwei Stunden sie so übermütig leuchten gemacht, nichtig und hohl erscheint Isa die Pracht, die ihr einst wert schien, als Preis ihr ganzes Leben einzusetzen — ihr Leben? Wenn es nut das gewesen wäre — die Frau schauert zusammen und springt aus. „
„Vorüber — es muß vorüber fein, es wate Wahnsinn, wäre —“
Sie erschrickt vor dem Laut der eigenen Stimme, sie mag nicht mehr allein sein und eilt hinüber in das Zimmer ihres Gatten. Zu lange schon hat sie ihre Gedanken von den Eindrücken der Vergangenheit gefangen halten lassen.
Die Vergaiigenheit! Wenn doch aus ihren Ereignissen nicht so lange, so unendlich lange, oft ein ganzes Leben hindurch, gespensterhaft die Schatten hervorwüchsen, die Tage der Gegenwart verdüsternd —
Und Isa Tromsau ist nicht die einzige, die diese Schatten fürchtet und deren Dasein sie verdunkeln. Während sie aus dem einsamen Prunk- geniach vor ihnen flüchtet an die Seite des alternden, kränklichen Gatten, sitzt auch Rupert Felsenbach mit finster gefalteten Brauen unter dem Kastanienbaum seines Gattens. Die Zähne knirschen aufeinander und doch! — wie ohnmächtig, wie machtlos ist der Zorn, der die Brust des Mannes erfüllt gegenüber der dunklen Gewalt, welche dies unselige Weib, Isa Tromsau, in seinen Weg führt, wie ohnmächtig gegenüber den Geboten der Ehre, die ihn zwingen, zu schweigen. Er muß schweigen, gegen Gabi, gegen jedermann oder die Stellung einer Frau preisgeben, und Isa hat sein Wort: „Ein Schandbub', der ein Weib verrät!" —
Er hatte gemeint, daß es ihm ein Leichtes fein müsse, einen näheren gesellschaftlichen Verkehr mit dem Prinzen und der Baronin zu vermelden. aber auch hierin zeigte es fich, daß bie
Strafrechts — hoffentlich macht bet Reichskanzler jetzt etwas mehr Dampf dahinter. Redner kam bann zum Etat, bet bei bet bisherigen Aussprache zu kurz gekommen sei. Er äußerte zu. nächst Zweifel an ber richtigen Veranschlagung bet Zolleinnahmen. Der Schatzsekretär scheine zu bebauetn, daß er zur Zelt nicht mit neuen Steuern komme. Im Weiteren präsentierte bet Redner eine Anzahl freisinniger Wünsche, bie von der Rechten und vom Zentrum zum Teil mtt Gelächter begrüßt wurden. Der freisinnige Redner verflieg sich dabei sogar zu der — mit gebührender Heiterkeit aufgenommenen — Be« hauptung, daß die Schutzzollpolitik für die Landwirtschaft nicht von Vorteil gewesen sei. Der Freisinnsmann äußerte hierzu den Wunsch — die alte Sehnsucht der „liberalen" Börsenleut« — daß man den „provisorischen Wall" abtrage« oder doch erniedrigen möchte. Alsdann bemängelte er die Tätigkeit des Flottenvereins während der Wahlzeit, und übte auch Kritik an dem Eingreifen der Regierung in den Wahlkamps und an den Worten, mit denen der Reichskanzlei dies rechffertigte:
Abg. Camp (Rpt.) gab zunächst dem Bedauern Ausdruck, daß das älteste Mitglied be» Reichstages, Herr v. Kardotff nicht wiederum als Etatsredner auftreten könne. Die Budgetkommission habe fich auf den Standpunkt gestellt» daß in Zukunft keine neuen Ausgaben bewilligt werden dürfen, ohne daß gleichzeitig für Deckung gesorgt würde. Herr von Stengel sagt, der hohe Bankdiskont komme von der Geldknappheit her. Das erinnert mich an das Wort Onkel Bräsigs: Die Armut kommt von der Powerteh her. Di« ReübsbMj hat ein Grundkapital von 180 Mil« ® . ---- Ae/eroe von 64 Millionen «tm
geradezu zwangsweise nr« o»».*Sm Seit 1875 hat sich der Verkehr der Reichsbank um das Siebenfache erhöht, das erfordert weit größere Mittel. Durch das Börsengesetz muß di« Jnanspruchnahme unseres Geldmarktes für das Ausland unter Schädigung unserer inländischen Kredite unmöglich gemacht werden. Erst in diesen Tagen ist mir ein Prospekt zugegangen über eine 4>/^prozentige siamesische Anleihe von 30 Millionen Pfund Sterling. Nun hat in den letzten drei Jahren das siamesische Budget mehr oder weniger mit Unterbilanz gewirtschaftet und in bem Etat finden sich Millionen Einnahmen aus Spielhöllen (hört, hört!), Opium usw. Dem Publikum zuzumuten, zu 4y2 Prozent die Papiere zu kaufen, finde ich geradezu unerhört. Ich ersuche bie Regierung, in bezug auf die amerikanischen Bahnen ihre Augen aufzumachen. Wi«
Macht der Verhältnisse oft größer ist, als man annimmt. Der Prinz wollte ihm wohl und suchte ihn bei jeder nur irgend sich darbietenden Gelegenheit in seine Nähe zu ziehen.
Seine freundliche Bitte, das Ordnen der Bibliothek auf Yvonne zu übernehmen, hatte Felsenbach nicht ablehnen können, ohne den alten Herrn zu verletzen oder zu seltsamen Vermutungen Anlaß zu geben; so zog das eine das andere nach sich, und kaum merklich hatte fich ein freundschaftliches Verhältnis zwischen rhm und Schwarzenstein entwickelt, welches ihm jedes Zurückziehen zur Unmöglichkeit machte.
Er fürchtete ein Zusammensein mtt der Baronin nicht, sein Herz ist gefeit gegen ihren gefährlichen Zauber, aber Gabriele, fein junges Weib möchte er bewahren vor ihr, soweit es in seine Macht gegeben, und es steht bei ihm fest, Gabis Besuch auf Schloß Yvonne so lange wie möglich hinauszuschieben. Die Trennung wird ihm schwer, sehr schwer — und wie wird Gabi sie ertragen? Gleichviel — es muß fein. Auch möchte er Gräfin Nataliens Wunsch berücksichtigen, er ging allen anderen voran. Seine Verehrung für diese Frau war ebenso groß, wie die Liebe zu Gabriele, unerreicht in ihrem Edelsinn stand Gräfin Reuchlin vor ihm. Von einem kurzen, schönen Glück war ihr nichts geblieben als ein einziges Kind, ein Sohn, das Abbild des Vaters und ihres Lebens Sonne — sie hatte ihn verloren, verloren durch Rupert, und ihre große Seele hatte es vermocht, das geliebte Kind zu verurteilen und ihn freizusprechen. Wie sehnt« sich Felsenbach, ihr nur etwas von dem Leid zu vergüten, das er ihr gezwungen hatte zufügen müssen, doch nie — doch nie — das sagte er sich — würde er dazu imstande sein. Sie wehrte jeder Annäherung seinerseits, nicht verletzend, nicht mit zur Schau getragener Zurückhaltung, aber er empfand es doch und — so weh es ihm tat, er konnte ste darin wohl verstehen.
Alle diese Betrachtungen beschäftigten ihn besonders heute, während er allein unter bet Kastanie saß, und zum erstenmal warf auch in sein Glück, in leine Seele die Vergangenhelt ihre Schatten. (»orts, folgt.)