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Erscheint wSchrntüch sieben mal.
Druck und Verlag' Ioh. Sag. «och, Universitätr-Buchdruckerei 42. Jahrg.
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Donnerstag 28. Februar 1907.
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Zur Programmrede des Reichskanzlers.
Die ungemein schwierige Lage, die in unserer inneren Politik durch die Wahlen geschaffen ist, fand einen bezeichnenden Ausdruck gleich in der ersten sachlichen Auseinandersetzung bei der Etatsberatung. Der Abg. Spahn hatte das Gefecht eröffnet mit einem in der Form zwar sehr höflichen, in der Sache aber desto schärferen Angriffe auf die Politik der Regierung, die zu der Reichstagsauflösung geführt hatte. Seine Ausführungen liefen auf nichts Geringeres hinaus als auf die Forderung, daß der Reichskanzler die Ehre seiner Partei vor dem Auslande wiederherstellen solle. Wenn parlamentarische Reden Tatet: wären, so würde der Reichskanzler, der kurz darauf das Wort zur Widerlegung des Zentrumsführers nahm, eine Schlacht gewonnen haben. Aber leider war es auch diesmal wieder lediglich ein Wortgefecht, bei dem allerdings Fürst Bülow seine Waffen mit einer hervorragenden tteberlegenheit und Geschicklichkeit führte. Vielleicht noch nie zuvor hat er mit solcher nachdrücklichen Ruhe die Gründe eines Gegners zerbrochen als am Montage. Das Bild, das er auf Grund der Tatsachen von dem Parteiterrorismus des Zentrums entwarf, war geradezu vernichtend für Herrn Spahn; insbesondere die Darlegung von den Verhandlungen, die in seinem Beisein zwischen dem Kob"ialdirektor Dernburg und zwei Zentrumsführer,. stattgefun- bcn hatten, und bei denen der damals ausschlaggebenden Partei alle in früheren Zeiten von der Kolonialabteilung begangenen Fehler klar dargelegt wurden und deren Abstellung zugefichert ward in der Erwartung, daß das Zentrum die Bedürfnisse des Reiches in Südwestafrika pflicht- mäßig befriedigen helfen werde. Diese Erwartung sei getäuscht und das Zentrum habe mit Hilfe der Sozialdemokratie die Regierung zwingen wollen, durch das kaudinifche Joch zu gehen. Im Haufe löste es einen wahren Beifallssturm aus, als der Reichskanzler Herrn Spahn antwortete, nicht die Regierung habe das Zentrum tu einen Topf mit der Sozialdemokratie gewor-
29 (Nachdruck verboten.)
Schatten.
Roman von B. v. d. Lancken.
Fortsetzung).
Isa rafft die Schleppe ihres Seidenkleides zusammen und gleitet leise an dem Prinzen vorüber in das Gemach. In der Mitte desselben bleibt sie stehen und läßt ihre Blicke umherschweifen über die kostbaren Gemälde, die seidenen, kunstvoll gerafften Vorhänge an Türen und ffenstern, den weichen, schwellenden Teppich, der eben lauten Schritt dämpft, die unzähligen elegante Sachen und Sächelchen auf Etageren, Tischchen und Kamin — der hohe Spiegel wirst ihr eigenes Bild zurück in dem zariheliotrop- farbenen Kleid, um die schönen Arme einfache und doch so kostbare Reifen, in den rosigen Ohren kleine, buntschillernde Tautropfen von Brillanten. in dem schwarzen Haar, ganz diskret, halb versteckt angebracht, der goldene Pfeil mit demselben edlen Stein besetzt. Nirgends Talmi, alles echt, gediegen, fürstlichen Rang, fürstlichen Reichtum repräsentierend und alles einst ihr Eigentum--Pah! — Das lohnt sich schon ein
paar Jahre der Sklaverei, das lohnt sich schon einer Lüge--. Wenn jene zwei müden Augen
ffch geschloffen haben zum ewigen Schlummer, dann ist fie frei, ganz frei und reich und vornehm pnd unabhängig, dann ist sie — am Ziel. —
Am Ziel? — Die schöne Frau zuckt, wie das so ihre Art ist, leicht die Achseln, es liegt etwas wie Selbstironie in dieser Bewegung und auf Krem Gesicht. In diesem Augenblick meldet der Kammerdiener:
„Herr und Frau von gelsenbach!"
Sie zuckt leicht zusammen.
Seine Hoheit schläft," sagte fie halblaut mit
fen, sondern zu seinem Bedauern habe er eines Tages das Zentrum im Topfe der Sozialdemokratie gefunden. Es ging auch am Montag wieder etwas von dem nationalen Aufatmen durch den Reichstag, das mit der Verlesung der Auf- lösungsorder am 13. Dezember sich erhoben und die Stimmung des Wahlkampfes besttmmt hatte. Diese zuverfichtssrohe Stimmung wird auch sicher ebenso wie am 13. Dezember im Volke geteilt und auch nicht durch die Erwägung getrübt werden, daß schließlich doch der Reichskanzler für die jahrelange Mißwirtschaft in der Kolonialabteilung letzten Endes die Verantwottung zu tragen hatte. Das Sprichwort sagt: „Gut Ding, das sich beffert!"
Aber über diese Freude an der kräftigen Abrechnung, die der Reichskanzler mit dem Zentrum hielt, wird man doch nicht vergessen dürfen, daß die Zukunft unserer inneren Politik damit nicht eben geklärt worden ist. Gewiß, Fürst Bülow hat am Montag Herrn Spahn in den Sand gestreckt. Aber er hätte sich der Worte entsinnen sollen, die Fürst Bismarck auf dem Schlachtfelde von Königgrätz sprach: „Der Sieg ist nun erfochten, jetzt gilt es, den geschlagenen Sieger zu versöhnen I"
Der hinter uns liegende Wahlkampf unterscheidet sich aber, von einigen anderen Kleinigkeiten abgesehen, auch darin von der Schlacht bei Königgrätz, daß nicht das Zentrum, sondern nur deffen Vundesgenossin, die Sozialdemokratie, besiegt ist. Und für die Zukunft der deutschen Politik ist die Partei des Herrn Spahn mindestens so wertvoll, wie Oesterreich es 1866 für Bismarcks weitere Pläne war. Wenn es dem Reichskanzler Ernst ist mit feiner Versicherung, daß an der bewährten Politik des wirksamen Schutzes der nationalen Arbeit aller Erwerbsstände, besonders auch des vollen Schutzes der Landwirtschaft nicht gerüttelt werden soll, so kann er die Mitwirkung des Zentrums für diese Politik nicht entbehren. Auch in mancher anderen Hinsicht hatte das Zentrum in letzter Zeit doch bewiesen, daß es ein wertvoller Faktor für die Reichspolitik geworden war. Und die Aufgabe des leitenden Staatsmannes muß mindestens jetzt darin bestehen, das Zentrum zu einer wahrhaft nationalen Politik zu erziehen. Dieser Gedanke ist bedauerlicherweise in der Rede des Reichskanzlers mit keiner Silbe angedeutet, obwohl er den Schlüssel zur eigentlichen gegenwärtigen Lage bildet.
Run wird man ja freilich zu der Einsicht der Zentrumspartei selbst das Vertrauen haben dürfen, daß sie schon aus Rücksicht auf die Interessen ihrer Wähler bei allen wichtigen wirtschaftlichen Fragen mit den rechtsstehenden Parteien auch im neuen Reichstage zusammengehen wird. Wollte das Zentrum anders handeln und etwa nach trotziger Knabenatt erklären, nicht mehr mitspielen zu können, so würde es im Hinblick auf seine in letzter Zeit begangenen Mißgriffe,
einer Bewegung nach dem Prinzen. „Führen Sie die Herrschaften in meinen gelben Salon." Nachdem der Mann das Zimmer verlassen, preßte sie die gefalteten Hände krampfhaft zusammen, ihr Herz klopfte ungestüm, ihre Zähne gruben sich tief in die Unterlippe. Als sie wenige Minuten später in den gelben Salon tritt, ist ihr Blick freundlich, ihr Lächeln sonnig, sie streckt Gabi beide Hände entgegen, zieht die sanft Widerstrebende an ihre Brust und reicht dabei Felsenbach ihre Rechte. Er faßte sie kaum merklich und seine Lippen hauchen nur einen flüchtigen Kuß auf die rosigen Fingerspitzen. Isa entgeht die kühle, ablehnende Höflichkeit seiner Begrüßung nicht, aber ihr Blick bleibt freundlich und ihr Lächeln sonnig: sie führt Gabt zum Sofa, Felsenbach nimmt an ihrer anderen Seite Platz.
„Der Prinz schläft, Sie müssen schon noch ein Weilchen mit meiner Gesellschaft fürlieb nehmen," wendete sie sich an ihn und lenkt das Gespräch in das Fahrwasser einer leichten anregenden Konversation, die aber doch schließlich fast allein von ihr und Gabriele geführt wird. Felsenbach fitzt ziemlich teilnahmslos neben den beiden Frauen, er ist eben kein Weltmann und versteht es nur mangelhaft, fein innerliches Empfinden unter einer gesellschaftlichen Maske zu verbergen: es ist ihm deshalb lieb, als der Kammerdiener erscheint und ihn zu dem Prinzen entbietet.
..Sie müssen meinen Gemahl entschuldigen, liebste Gabriele," sagte Isa lächelnd, „er ist wirklich recht angegriffen."
Und als Rupert gegangen, nicht, ohne vorher einen innigen Blick, einen flüchtigen Händedruck mit Gabi getauscht zu haben, legt sie ihren Arm um die Schulter der jungen Fra« und flüstert:
„Sie glauben nicht, Herz, wie ich mich Ihres reinen Glückes freue. Wer hätte das für möglich gehalten! — Ich selbst, mutz ich Ihnen ge-
die ihm so schwere Borwürfe eingetragen haben, geradezu einen politischen Selbstmord begehen. Der Reichskanzler hat dem Zentrum auch seinerseits hierzu Brücken gebaut, die dem Herrn Spahn mehr als der Regierung dienlich sein werden. Er versprach einmal wieder, es allen recht zu machen, der Landwittschast wie der Börse, dem Mittelstände wie der Sozialpolitik. Wie im schönen Liede vom Mädchen aus der Fremde, teilt er „Jedem eine Gabe, dem Früchte, jenem Blumen aus; der Jüngling wie der Greis am Stabe, ein jeder ging beglückt nach Haus!" Nur daß auch diesmal wie immer die Rechte ihre Blumen bekam, an denen sie riechen mag, und der Linken die saftigen Früchte zuteil werden sollen: das Börsengesetz und eine Sozialpolitik nach dem Herzen der äußersten Linken? Denn immer wieder — so wird von konservativer Seite geschrieben — muß Verwahrung dagegen eingelegt werden, daß die angekündigte Weiterfüh- rung der in letzter Zeit eingeschlagenen Sozialpolitik im Geiste der alten kaiserlichen Botschaft sei! Bereits die Thronrede ließ bedauerlicherweise jede Andeutung vermissen, daß den Arbeitern der Vorteil einer weiteren Fürsorge für sie nicht etwa ohne jede Gegenleistung in Aussicht gestellt werden könne. Statt dessen vernahmen alle ernsthaften Kenner der Sozialdemokratie aus der Thronrede den seltsamen Satz: „Daß die Fortführung der Sozialreform unabhängig davon erfolgen werde, wie sich die Arbeiter zu der sozialdemokratischen Agitatton stellen." Wenn in dieser Weise der sozialdemokratisch geführten Arbeiterschaft die bedingungslose Gewährung solcher Forderungen in Aussicht gestellt wird, so wird man nicht erwarten dürfen, daß fie von ihren Führern sich abwendet. Und wenn gerade jetzt nicht nur eine Aenderung des Börfengesetzes sondern die freie Ausgestaltung des Vereins- und Bersammlungsrechts, Sparsamkeit in der Armee u. a. in Aussicht gestellt wird, so wird der Links- liberalismus die letzteren, von allen Parteien als gerecht geforderten Reformen, für sein Werk bezeichnen und als sein Verdienst für sich in Anspruch nehmen. Dieser Sachlage sollte man sich in allen ernsthaften nationalen Kreisen bewußt werden, um die notwendigen Folgerungen daraus ziehen können. Es stünde schlimm um Preußen-Deutschland, wenn dem linksliberalen Neupatriotismus in Wahrheit die Entscheidung über unsere Zukunft anheimgestellt werden müßte. Diese Entscheidung ruht vielmehr glücklicherweise bei der Rechten: den beiden konservativen Parteien, der wirtschaftlichen Vereinigung, und der Mehrheit der Nationalliberalen. Ihre Aufgabe wird es daher sein, die Regierung bei bet Stange zu halten, und zum Glücke haben sie alle ja auch durch ihre Initiativanträge und Interpellationen bereits dafür gesorgt,- daß der neueste Kurs unseres Staatsschiffes nicht auf die Felsen und Klippen des Doktrinarismus gerät.
stehen, hatte anfangs meine Bedenken, als ich die näheren Umstände erfuhr, und ich kann nicht anders — als Sie bewundern!"
Gabi fühlte eine angstvolle Beklommenheit in sich aufsteigen.
„Bewundern ? — Weshalb bewundern Sie mich, Isa?" fragte sie zaghaft.
„Nu»t — ich meine —“ die Baronin zupfte verlegen an den kostbaren Points ihrer halblangen Aermel, „ich meine, für manche Frau würden doch hin und wieder Momente kommen, wo ihr Gewissen —"
„Isa---"
Gabis Stimme zitterte.
„Verzeihung, Liebste, ich wollte Sie ja nicht kränken, nein, gewiß nicht, ich erkenne ja nur ihre Selengröße an und war vielleicht ungeschickt im Ausdruck" verteidigte sich Frau von Tromsau.
„Sie scheinen Eines zu vergessen, Baronin Isa, daß ich meinen Mann liebe und ihm schrankenlos vertraue."
Bei diesen Worten richtete sich Gabriele mit einer ihr sonst fremden Energie auf, aber vor dem seltsamen Ausdruck im Blick bet Baronin senkt sie trotzdem die Wimpern, und so viel sie sich bemüht, unbefangen zu scheinen, es gelingt ihr nicht und wurde auch nicht besser, als eine Viertelstunde später ihre Mutter und Ulrike eintrafen.
Gräfin Reuchlin hatte ein großes Opfer gebracht, als sie dem Glück des Mannes kein Hindernis in den Weg legte, der ihr den einzigen Sohn geraubt hatte: sic hatte es gebracht nach schwerem Kampf mit ihrem Mutterhetzen, und es lag nicht in ihrem Charakter, etwas einmal Getanes zu bereuen oder sich fruchtlosen und quälenden Reflexionen darüber hinzugeben, aber eines wurde ihr trotz aller Willenskraft, trotz aller Achtung vor Felsenbach namenlos schwer: das junge,Paar ittjeinem trauten Heim
Deutscher Reichstag.
4. Sitzung vom 26. Februar.
Bei Eintritt in die Tagesordnung ertnner-<l Präsident ErafStolberg daran, daß nach 8 63 der Geschäftsordnung von den Tribünen aus Zeichen des Beifalls ober des Mißfallens überhaupt nicht oeaeben werden dürfen.
Darauf trat das Haus in die Fortsetzung bet ersten Lesung des Etats ein.
Das Wo*t erhielt als erster Redner Bebel (Soz.), bet drei geschlagene Stunden sich über die Sßttf ' n und die Ursachen der sozialdemokratischen Niederlage aussprach. Oft von Zwischenrufen und Gelächter der Rechten unterbrochen, polemisierte der greise „Genosse" gegen den Reick"-'eniler und die rechts^ehcnden Parteien. Echt sozialdemokratische Logik enwickelte er bei Besprechung der kolonialen Frage. Er erklärte nämlich: „Wir lehnen die Kolonialpolitik ganz ab. Herr Bassermann zittert Bernstein und Kairoer aus den „Sozialistischen Monatsheften". Das war die Februarnummer. Aber inzwischen ist schon die Märznummer erschienen, und da lehnt Calwer auf das allerentschiedenste die Kolonialpolitik ab. (Schallendes Gelächter.) Herr Dernbnr^ millMillionenanlaaen in dieKolonien hinein haben, als et noch Direktor bet Darmstädter Bank wat, ist ihm das nicht eingefallen. (Beifall im Zentrum.) Da hatte er nicht hunderttausend Mark für Südwe^. (SSeiteretSBeifatt im Zentrum.) Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch den nötigen Verstand (große Heiterkeit), und ihm hat der liebe Gott nicht nur den Kolonialverstand gegeben, sondern auch die nötige Kolonialpbantasie. (Lärmender Beifall im Zentrum.) Wer einer Versammlung von Sachverständigen aus einet verlorenen Dattelkiste V-^enh 'ne herauswachsen läßt, der hat für mich das Recht verloren, überhaupt noch ernst genommen zu werden. (Schallende Heiterkeit.) Wir sollen intolerant sein! (Große 5>eit"rkeit.> Daß die Calw-- nnb B-rnstein das hier schreiben dürfen — Bebel klopft mit dem Lieft der „Sozialistischen Monatshefte" auf das Pult —, zeigt doch, wie tolerant wir sind. (Rufe: ach, ach!)' Ra, sie find doch bis jetzt noch drin bei uns. (Zuruf: Bis ietet noch! Heiterkeit.) Kairoer und Bernstein sind wirtschaftlich die größten Gegner, aber wir haben für alle Platz. (Gelächter.) Ist es mit den und dem Zmttrum ni t ebenso? Noch heute gibt es Nationalliberale, die sofort den Kulturkampf wieder anfangen würden. (Lärmende Zustimmung im Zentrum.) Wenn man ^errn Bassermann und Herrn Snabn mit e;*ianher tierhcitt^e1« sab. das sah aus. wie ein Herz und eine Seele. (Heiterkeit.) Gleiche Brüder, gleiche Kappen! Und wenn ich die^s <m«^'irdi"*eit lab. d""n rovr^e mir ganz schummerig. (Große fietterfeit.) Ich sagte mir, unsere Jnaut wird dabei geteilt. Ilnd es. war ja auch im allerschönften Gange--Her.
Gröber nickt mit zu: es ist so. (Heiterkeit.)
Im weiteren Verlauf bet Rebe gab Herr Bebel eine Reihe von Behauptungen aus vor- aufzusuchen unb Zeuge seines Glücks zu fein. 6« war sie feit Eabrielens Vermählung erst zweimal bei ihr gewesen, und so wenig diese sich in früherer Zeit zu bet kalten, wenig liebevolle« Frau'hingezogen gefühlt hatte, so schlug Uji jetzt, von Dankbarkeit und Bewunderung bewegt, das ganze Herz entgegen. Sie fühlte oft ein innerliches Verlangen, dies bet Mutter zu zeigen, und empfand es in ihrem weichen Gemüt schmerzlich, daß es ihr, durch die Verhältnisse bedingt, versagt war. Jedem Zusammentreffe« Ullas mit ihrem Gatten sah sie mit heimlichem Bangen entgegen, es lag zwischen beiden immer ein etwas, das, wie eine unsichtbare Schranke zwischen ihnen aufaerWet. keinen Ausgleich und keine Annäherung möglich machte. Ruoett und Gräfin Natalie verkehrten wie Menschen, die die größte Hochachtung vor einander haben' beide bedeutend, hatten sie viele Berührungspunkte und fanden sich in ihren Gesprächen meist auf den Gebieten geistigen Lebens, aber jener Ton natürlicher, warmer Herzlichkeit, wie ei eigentlich mit dem Begriff „Familie" verbun- ben ist, fehlte bem ganzen Verkehr unb ließ die Gefühle naher verwandtschaftlicher Beziehungen nicht aufkommen.
Auch heute, als man bei der Baronin zum Fünfuhrtee vereinigt war, wäre einem unbefangenen Beobachtet schwerttch die Vermutung gekommen, wie nahe die Anwesenden teilweise zu einander standen, nur Baronin Isa war von entzückender Heiterkeit.
„Was haben Sie mit dem Prinzen wegen der Reise nach Pvonne verabredet?" fragte sie. Rupert eine Tasse Tee reichend, als et von ihrem Gemahl zuriickkehrte.
„Hoheit meinte, daß er den Plan zunächst noch nicht g'!'zusüyren gedenke."
(Fortsetzung folgt.)