deutschen Regierung und erkennen deren Herrschaft an. Eie geben das Versprechen, fortan treu und gehorsame Untertanen zu sein: 2) die Bondelzwarts-Hottentotten liefern alle Gewehre und die noch in ihren Händen befindliche Munition ab. In Zukunft dürfen sie weder Gewehre, noch Munition führen. Zu Jagdzwecken können ihnen jedoch auf einige Tage von den Auffichtsorganen einige Gewehre leihweise überlassen werden; 3) die Bondelzwarts-Hottentot- ten erhallen zur Ansiedelung die Plätze Warmbad, Haib, Eobis, Draihuk und Vortel. Die Bondelzwarts sollen auf allen Plätzen als freie Männer leben. Freie Bewegung innerhalb der Plätze ist ihnen gestattet. Nach außerhalb dürfen sie nur mit Püffen gehen. Von den ihnen über- wiesenen Plätzen dürfen sie ohne Genehmigung weder etwas verkaufen noch verpachten; 4) zum Lebensunterhalt erhalten die Bondelzwarts 1500 Bockies (Ziegen und Schafe, hauptsächlich Mutterschafe), die bei der Gestellung von Zu- rückkehrenden nachzuliefern find. Der Kapitän der Bondelzwarts erhält etwa 300 Stück Kleinvieh und ein Gespann Ochsen. Die 1500 Bockies bleiben Eigentum der Regierung, der Nachwuchs gehört den Bondelzwarts. Das dem Kapitän überwiesene Gespann Ochsen ist nach und nach von den Erträgnissen des Frachtfahrens abzu- tragen. Die 300 Stück Kleinvieh find freies Eigentum des Kapitäns. Bis Vieh herangeschafft worden ist und so lange die Bondelzwarts sich noch nicht selbst ernähren können, bekommen sie Verpflegung von der Negierung; 5) von der Regierung wird sofort bei der Kap-Regierung die Rückkehr der noch auf englischem Gebiet befindlichen Männer, Weiber und Kinder verlangt werden; 6) vorliegende Abmachung wird auf alle Bondelzwarts, welche sich noch stellen werden, ausgedehnt, z. D. Morris, Josef Chri- pian mit Anhang, aber auch diese müffen ihre Gewehre abliefern; 7) den Stuurmannsleuten wird freigestellt, nach Schmidtkovf zu gehen; 8) für die Bondelzwarts wird ein Offizier oder ein Beamter — vorerst Graf Kraqeneck — bestimmt, der ihre Jntereffen vertreten soll, und an den sie sich in allen Fragen wenden können.
— Zur Einführung der Schulpflicht ht Deutsch-Südwestaseika. Laut einer Verordnung des kaiserlichen Gouverneurs in Windhuk, von Lindeguist find, wie der jüngsten Nummer der ..Südwcstairikanischen Zeitung" zu entnehmen ist, ab 1. Dezember 1900 die Kinder der weißen Bevölkerung vom vollendeten 6. bis zum vollendeten 14. Lebensjahre zum regelmäßigen Besuche der Regierungsschulen desjenigen Ortes, an dem sie fich aufhalten, verpflichtet. Diele Verpflichtung besteht auch dann, falls ihr Aufenthalt rn- nerhalb eines Umkreises von 4 Kilometern an einem mit einer Regierungsschule versehenen Orte liegt. Wegen verschuldeter Nichtbefolgung der Vorschriften können Eltern oder deren Stellvertreter mit Geldstrafen bis zu 150 <M. oder mit Hast bis zu sechs Wochen bestraft werden.
Messen-Nassau und Nachbarqsblete.
Allmuthshausen bei Homberg, 22. Febr. Am Schluß der heutigen hier abgehaltenen Holzauktion kam es zwischen Holzhauern und -Käufern zu einer Schlägerei, bei welcher Messer, Latten und andere gefährliche Werkzeuge in Anwendung kamen, sodaß das Blut in Strömen floß. Schon wollten die Ortseinwohner tätlich Eingreifen, doch das energische Halt des Bürgermeisters hatte den Erfolg, daß die Streitenden von einander abließen.
Cassel, 23. Febr. Die Handelsschleifer in dem "rnlda- und Werratale find gezwungen, die Holz- lchleifereibetriebe still liegen zu lassen, weil die Turbinen in Stauwaffer liegen. Es wird mehrfach über schwere Betriebsschäden berichtet. Heiteres, windiges Wetter hat gegen mittag das Schneegestöber abqelöst, so daß ein weiterer Rückgang des Hochwaffers zu erwarten steht. —
Feldhüter des Dorfes Asterode verirrte sich t-cm Heimwege, blieb im Schnee stecken und elftor.
Hersfeld, 21. Febr. Dem Turnverein Hersfeld sind zwei ansehnliche Spenden zuteil geworden. Herr Juwelier Karl Keulmann in Erfurt, ein alter Hersfelder schenkte dem Verein ein Darlehn von 500 Mark, welchen Betrag er seiner Zeit zum Bau der Turnhalle gezeichnet hatte. Ein gleiches tat ein hiesiger Einwohner, der aber nicht öffentlich genannt sein will, der zum Turnhallenbau 1000 Mark als Darlehn gezeichnet hatte. Er schenkte aus Anlaß der Lingg- feier dem Verein den erwähnten Betrag.
Eisenach, 24. Febr. Die Meerschäumen brikation im benachbarten Ruhla ist in Gefahr. Der echte Meerschaum ist beinahe nicht mehr aufzutreiben. Am einzigen Fundort in den Gruben von Eski-Schehir, Provinz
flehentlich, ihr doch wenigstens noch eine münd- liche Unterredung zu gewähren, ich antwortete nicht. O, wie oft und wie lange habe ich später meinen Starrsinn bereut! Schreckliche Tage, Wochen, Monde gingen langsam dahin. War ich an einem Tage etwas ruhiger geworden, so führten mich die Träume der Nacht wieder mit der Geliebten zusammen, und dann erwachte ich zu neuen Qualen. Nur mein Stolz, der feste Wille, mich nicht unterkriegen zu laffen, hielten mich aufrecht. Ich suchte Trost in der Einsamkeit. Ein andrer an meiner Stelle hätte fich vielleicht in Vergnügungen zweifelhafter Natur gestürzt; ich konnte und durfte es nicht; es wäre mir wie eine Entweihung des Bildes der immer noch Heißgeliebten vorgekommen und nach Stunden des Rausches und Vergeffens hätte mich der Ekel am Leben vollends erwürgt. Damals machte ich auch, um mich zu zerstreuen, verbitterte, resignierte Verse. Endlich hatte ich mich wenigstens soweit gefaßt, daß ich zu einem vernünftigen Entschluß kommen konnte. Das enge Leben in Deutschland widerte mich an: ich sah ein, ich mußte hinaus, weit weg, wenn ich nicht zu Grunde gehen wollte. Aber wohin?
Ein Einfall kam mir zu Hilfe. Ich hatte als Schüler des Gymnasiums viel mit einem Portugiesen verkehrt, der mit mir bei demselben Lehrer in Pension war, und war des Portugiesischen Ärmlich mächtig. Und so beschloß ich meine Schritte nach Brasilien zu lenken. In Rio de
«nakolk (Kletafien), wird vte «usveure im«« kleiner, während sich der Bedarf, besonder« in England und Nordamerika, ständig vergrößert. Infolgedessen haben die Preise in den letzten Jahren mehrmals angezogen. Die letzte Sendung aus Brussa, die in diesen Tagen eintraf, brachte eine abermalige Preiserhöhung um 80 Prozent. Die Seltenheit des Meerschaums und die rapide Verteuerung des Rohmaterials bedrohen die ganze Ruhlaer Meerschaumindustrie.
Hochschulnachrichten.
X Tübingen, 25. Februar. Der Professor für katholische Kirchengeschichte, Funk, ist gestern, 66 Jahre alt, an einem Herschlag gestorben.
Wissenschaft, Kunst und Leben.
# 43 Millionen Dollar für Unterrichtszwecke haben John D. Rockefeller, Vater und Sohn gespendet, 32 Millionen soeben, 11 Millionen schon früher. Es feilt nicht die Stimme des Predigers in der Wüste, welcher behauptet, die Rockefellers wären nur deshalb so freigebig, weil sie die Anti-Trustbewegung, die ihnen gern in ihren Oeltrust hineinreden will, auf diese Weise mundtot machen wollen. Jedenfalls haben die Rockefellers ihren Reichtum auf dem Boden der amerikanischen Gesetze erworben, und er gehört ihnen in aller Form Rechtens zu. Die Spende selbst ist wohl das Ungeheuerste, was in dieser Hinsicht je geleistet worden ist. Da« Gesamt- kapital wirft jährlich etwa 2 Millionen Dollar oder 8 Millionen Mark Zinsen ab, die ausschließlich dem Untericht der Heranwachsenden Jugend zugute kommen. Die Zinsen der ftü- heren Spenden sind meist auf die Unterstützung landwirtschaftlicher Schulen und Betriebe in den Südstaaten verwandt worden. Es hat fich herausgestellt, daß dort im Vergleich zu dem gedeihlichen Norden eine wirkliche Agrarnot herrscht. Den unmittelbaren Anlaß dazu hat der unglückliche Krieg und das durch ihn bedingte Aufhören der Sklavenarbeit gegeben. Eine weiters Ursache ist in der Rückständigkeit der landwirtschaftlichen Arbeitsmethoden im Süden zu suchen. Durch Schulen und die Errichtung von landwirtschaftlichen Musterbetrieben hat man angefangen, der genannte Agrarnot zu steuern. Die neue Spende von 32 Mill. Dollar wird vornehmlich den höheren Schulen und der Hebung des roct&lifcn Unterrichtswesens zuflicßen. Die Art, wie die Gelder verteilt werden, verrät praktischen Blick. Dis ganze Verwaltung der Gelder untersteht einem General Educcation Board, deffen Hauptgrundsatz lautet: kein Institut zu unterstützen, das die Hauptsumme zu seinem Unterhalt nicht auf andere Weise beschafft. Sie wurden beispielsweise dem Wofford College in Spartanburg 25 000 Dollar in Aussicht gestellt unter der Bedingung, daß es weitere 100000 Dollar anderweitig austreibe. Das hat das College denn auch richtig vollbracht. Es ist nicht schwer, die tieferen Gründe dieser Maßregel zu erkennen. Auf diese Weise wird nämlich den einzelnen Instituten das Interesse der zumeist aus Einheimischen Mitzahler gesichert, das Institut ist kern Fremdköper von Rockefellers Gnaden, sondern ein bodenständiges Unternehmen, das durch die Zuwendung Rockefellers nur einen höheren Grad der Leistungsfähigkeit erlangt bat.
* Eine Forschungsreise in China hat soeben der Forschungsreisende Dr. Georg Wegener, der fich seit November 1905 auf einer neuen, insbesondere kolonialen und wirtschasts- geographischen Studien gewidmeten Astenreise befindet, vollendet. Sie verdient besondere Beachtung, insofern fie großenteils durch noch unbetretene, wissenschaftlich neue Gebiete führte. Er hat die südlich vom Pangtsekiang gelegene Provinz Kiangfi in einem großen, ihre wesentlichsten Teile umfaffenden Ring durchzogen, zum Teil auf Pfaden, die abgesehen von Miffiona- ren, überhaupt noch kein weißer Mann gezogen ist. Die Provinz, die im wesentlichen das Stromgebiet der beiden in den seltsamen, im Winter zur Dürrezeit austrocknenden Poyang- See mündenden Flüsse Kan-kiang und Fuho ist, bildet eine wirtschaftliche Einheit von großem Interesse. Insbesondere ist sie eine der großen Reiskammern Chinas. Der Reis wird nicht nur auf den großen Ebenen gebaut, die fich vom Koyang-Sse aus nach dem Süden, Westen und Osten erstrecken, sondern auch mittelst einer erstaunlich entwickelten Terrassenkultur bis hoch auf die Berghänge hinauf. Auch Tee bringt der Norden und Nordosten der Provinz hervor,
Janeiro, wo ich mich niederlietz, ging es mir anfänglich schlecht genug. Mit Privatstunden erwarb ich mühsam mein Brot; doch allmählich fand ich Eingang in vornehmen einflußreichen Häusern, und durch die Bemühung von Freunden gelang es mir, Direktor eines großen Instituts zu werden, das auch reichen Gewinn abwarf. Ich habe Sie, verehrte Herren, allzu lange mit der Erzählung meiner Studentenzeit und meiner Liebe aufgehalten und muß nun eilen, daß ich zu Ende komme.
Mehr und mehr verblaßte die Erinnerung an das Leid, das mir widerfahren, hatte ich doch auch gehört, daß meine ftühere Braut die glänzende Partie — so sagen ja die Philister in solchem Falle — mit dem reichen Verwandten gemacht, verblaßte selbst die Sehnsucht nach der Heimat. Ich lächelte manchmal über meine frühere Weichheit und fand den Spruch: coelnm, non animam mutant, qni trans mare cur- raut, absurd. Ich hatte alles, was ich begehrte, Geld, Einfluß, Ansehen, angenehmen Verkehr mit liebenswürdigen Leuten in einem Lande, das geradezu paradiesisch schön ist. E» schien mir unmöglich, daß ich Brasilien je wieder dauernd verlassen könnte.
Und doch sollte ich bald gewahr werden, daß alle di« Gefühle, die ich aus meinem Herzen ausgerottet wähnte, nur geschlummert hatten.
Eines Abends faß ich auf der Veranda einer Wirtschaft, von der aus man einen herrlichen
suaer ver vuven; Holz, tm waivarmen Tyr na eine besonder« Kostbarkeit, kommt in ungeheuren Mengen den Kanfluß hinab. Bei King-te- tschönn im Nordosten ist die alte Quelle der chinesischen Porzellankunst. Außerordentlich ist der Fischreichtum seiner Gewässer, inbesonder« des Poyang-Seer, und an der Ostgrenze bei dem soeben durch einen rasch unterdrückten Putsch der Bevölkerung weiteren Kreisen bekannt gewordenen Pinghsianghflen liegen Kohlenminen, die zu den ergiebigsten und bestgeleiteten Chinas gehören. Die ganze Provinz ist, von dem am Pangts« gelegenen Verkehrshafen Kiukiang abgesehen, dem europäischen Handel und Verkehr noch verschlossen. Die Reise bot deshalb ein ganz besonderes Bild noch echt chinesischen Lebens, Doch zeigen fich unverkennbar auch hier schon die Vorboten einer Aenderung, im geistigen sowohl wie im materiellen Sinne, und es ist dttngend zu raten, daß unsere kaufmännischen Kreise sich in diesem, unzweifelhaft bald fich eröffnenden Gebiete nicht von rührigeren und wagemutigeren Kräften den Vorsprung abgewinnen lassen.
# Medizinische Seltsamkeiten. Die „Deutsche Medizinische Zeitung" berichtet nach dem „Bri- ttsh Medical Journal" über einen Fall von Zurückbleiben chirurgischer Geräte in der Bauchhöhle eines Kranken nach erfolgter Operation: 10y3 Jahre nach einem Eingriff wurden aus der Bauchhöhle des Operierten eine 12 Zentimeter lange Zange entfernt, die Darm- und Blasen- störungen verursacht hatte." — In der Medizinischen Gesellschaft zu Leipzig zeigte Dr. Schmidt Fremdkörper im Magen und zwar 126 Stück Dlechstreifen. eine Hosenschnalle, eine Nadel und eine Schraube, welche Gegenstände sämtlich von einem Dienstmädchen in Selbstmordabfichten verschluckt worden waren. Die Entfernung erfolgte durch Oesfnung der Bauchhöhle. Die Kranke befindet fich wohl.
# Eine neue Durchquerung Afrika». Der Afrikaforscher Franko Seiner meldet durch Kabetelegramm aus Windhuk nach Wien, daß ihm die Durchquerung Afrikas von den Viktoriafällen nach Südwestafrika und im Auftrage der Deutschen Kolonialegsellschast die Ausforschung des kürzesten Verbindungsweges von Südost- nach Südwestafrika gelungen ist.
Vermischte?.
Wölfe in der Eifel. Wie gemeldet wird, machen sich in einzelnen Eifeldörfern die Wölfe, die durch den strengen Winter bis in die Dörfer kommen, in unangenehmer Weise bemerkbar. Der Pliestermeister Trentz aus Elsenborn wurde vor kurzem auf dem Heimwege vom Truppcn- übungsplatz Elsenborn von zwei Wölfen angefallen, und rettete fich, indem er einen Baum bestieg, während die Wölfe unter ihm Wache hielten. Auf seine Hilferuf« eilten drei Soldaten von der Wache des Truppenübungsplatzes herbei, die ihn aus seiner Lage befreiten. Unterhalb Dauns fiel ein Wolf ein Karrenpferd an, durch das Dazwischentreten mehrerer Landwirte wurde er verscheucht. In den Ardennen zeigen sich kleine Rudel, die fich bis in Einzelgehöfte wagen.
Ein „ansehnlicher" Konkurs. In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Rechtsanwalts Dr. Richard Löwy in Berlin soll demnächst die Cchlußverteilung erfolgen. Es sind 241 823 Mark nicht bevorrechttgte Forderungen zu berücksichtigen; denen ein verfügbarer Massebestand von 17 930 Mark gegenübersteht, mithin erhalten die Gläubiger eine Quote von 7,3 Prozent. Dr. Löwy hat während seines Sommer- aufenthaltes in Aussig Selbstmord verübt.
Große Sprotten- und Herivgsfänge sind in den letzten Tagen an der Schleswig-Holsteinischen Küste gemacht worden. In Apenrade wurden in einer Nacht 13 000 Wall Sprotten und Heringe gefangen. Schon seit Jahren stellen sich zu diesen Fischzügen die pommerschen Fischer ein. In diesem Jahr find sie in ganz besonders großer Anzahl mit ihren Booten und Netzen eingetros- fen. Ueberall an der Kieler Förde, in Möltenort, Laboe und anderen Küstenorten sitzen pom- mersche Fischer, die nicht nur die nächste Umgebung befischen, sondern auch die weiter nördlich gelegenen Gewässer bis Alsen und der Apen- rader-Förde aufsuchen. Durch diesen Zuzug der pommerschen Fischer ist an manchen Küstenorten Wohnungs- und Unterkunstsmangel. An maßgebender Stelle ist daher schon erörtert worden, ein großes Fischerheim zu bauen.
Blick auf die wunderbare Bucht von Rio, die Sie ja alle aus Reiseschilderungen kennen, genießt. Ein Brief, den ich „von drüben" empfangen, von einem lieben Freunde, der in seiner Treue gegen mich nicht wankte, und mir immer wieder schrieb, selbst wenn ich monatelang auf Antivort watten ließ, hatte mich doch in nachdenkliche Stimmung versetzt, und zum ersten Male wieder, vielleicht seit Jahren, beschäftigte fich meine Seele eifrig und rege mit der deutschen Heimat. Aus dem berauschenden Dufte erotischer Pflanzen sehnte sich mein Herz nach dem feinen Geruch des alten Lindenbaumes daheim auf dem Marktplatze, und die prächtigen Sternbilder am Himmel, das Kreuz des Südens, und wie sie alle heißen mögen, schienen mir allzu grell gegenüber dem innigen Glanz« der lieben nordischen Sterne.
Plötzlich ttaten vor die Veranda zwei Männer, die einige Lieder in schlechtem Portugiesisch vottrugen, sodaß man an ihrer Aussprache sofort den Ausländer erkannte. Sie schienen mir sogar Deutsche zu sein, und ich redete sie darauf an. Mit Freuden bekannten sie sich als Landsleute von mir, und als ich ihnen eine große Silbermünze zugeworfen, sangen sie zum Danke: Es zogen drei Burschen wohl über den Rhein.
Wie oft hatte ich als Schüler und als Student die Weise gesungen, aber niemals hatte mich die erschütternd« Tragik, die in den einfachen Worten steckt, annähernd so ergriffen,
Vom Büchermarkt.
" ° Ein Bild wn höchstem Interesse gibt di« mit gewohnter Pünktlichkeit sofott nach den letzten Wahlen erschienene F r e y t a g a Reichstagswahlkarte des Deutschen Reicks 1907 (Preis 60 Pf., mit Postzusendung 70 Pf., Verlag von G. Freytag & Berndt, Wien VII/., und Leipzig). In übersichtlichster Form gibt sie die Zusammensetzung des neuen Reichstags durch eine Karte Deutschlands, auf der jeder Wahlkreis durch seine Farbe di« Parteizugehörigkeit des Gewählten zeigt, dessen Name überdies dem Bezirke aufgedruckt ist. Als besonders interessant sei von dem Inhalte der Karte noch die „Vergleichende Größe der Frak- ttonen des Reichstages seit 1877". die „Anzahl der abgegebenen Stimmen", die „Wahlbeteiligung", Daten über Zölle, Heeres- und Marine- Ausgaben, den Handel des Reichs und der Kolonien rc. ic. erwähnt. Die Karte ist gegen Einsendung von 70 Pf. (auch in Briefmarken) franko durch alle Buchhandlungen, wie auch durch den Verlag G. Freytag & Berndt, Wien VII/,, zu erhalten.
“ Der neue Reichstag tritt am 19. d. Mts, zusammen. Wenige Tage später wird auch diesmal der rührige Verleger Hermann Hillger, Berlin W. 9 „Kürschners Deutscher Reichst« g", herausgeben, dieses interessant« und für jeden Deutschen unentbehrliche Handbuch, wie es keine andere Nation der Erde besitzt. Wie immer enthält es die Porträts und Biographien der Abgeordneten, die Wahlergebnisse, die Zahl der Wahlberechtigten, die Zahl der abgegebenen Stimmen, die Geschäftsordnung des Reichstags und ein reichhaltiges statistisches Material. Neu hinzukommen wird auf vielfachen Wunsch eine farbige Karte über das Wahlergebnis und ein Uebersichtstableau des Sitzungssaales mit Platzangabe der einzelnen Aegeordneten. Gegen früher wird das ottqinelle Büchelchen wesentlich besser ausgestattet und im Formate etwas vergrößert worden und trotzdem zum Preise von 60 Pf. durch jede Buchhandlung zu beziehen sein. Die beste Empfehlung für das Buch ist wohl die Tatsache, daß von den bisherr- gen 4 Ausgaben 455 000 Exemplare abgesetzt wurden. — Wir werden nach Erscheinen auf dasselbe ausführlich zurückkommen.
Maschinen - Strickerei
S. Botz, J«h. Freu Bremer.
--------- Darsüßerstratze 24. ■
Vergnügungs-Anzeiger Nep-rtoir-Entwurf der strantfurte» Stadttheater.
Stlin 11 p t e l b a u 8.
Mittwoch, 27. Febr., 7 Uhr: „Der heimlicht
König". _
Donnerstag, 28. Febr., M>8 Uhr: „Uriel Acosta^ Freitag, 1. März, 7 Uhr „Alt-Heidelberg".
Samstag, 2. März, 7 Uhr: „Medea".
Sonntag, 3. März, 3'/s Uhr: „Husarensiebe:", 7 Uhr: „Zapfenstreich".
Montag, 4. März, 7 Uhr: „Hofgunst".
Dienstag, 5. März: „So ist das Leben'.
Opernhau». _
Mittwoch, 27. Febr., 7 Uhr: „Zehn Mädch 1 und kein Mann", hierauf: „Bergißmsiunichtc
Donnerstag, 28. Febr., 7 Uhr: „Rienzi." Freitag, 1. März: Geschlossen.
Samstag, 2. März, %8 Uhr: „Salome".
Sonntag, 3. März, %4 Uhr: „Der Zigeunrr- baron", 7 Uhr: „Das Glück", hierauf: „Di« En Führung aus dem Serail". I
Montag, 4. März, -W Uhr „Die lustige Witwe".
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Man weiss wirklich nicht mehr, was man machen soll!
— Jcht scheint die Sonne, und man schwitzt; bann heult der Wind und e8 schneit und reanct — und man hat die schönste Erkältung weg. Wie soll man fick da hütens — Ganz eiwach. Verehrtester: man steckt eme Schachtel äckte Sodener Mineral-Pastillen in bie — Tasche und lutscht Pastillen, wenn man in — solchem Wetter draußen lein muß. Zehn gegen Ein«: Sie erkälten fich nicht, wenn Sie nicht direkt leichtsinnig sind. Mich sehe» Sie; nie ander«, als frisch und gesund, denn ich aebrauche immer Fahs ächte Sodener. Siel kosten nur 85 Pfg, die Schachtel und man — kann sie überall haben.
Verantwortlich für di« Redaktion: '» Dr. Johannes Otto in Marburg, f
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wie hier, fern vom Vaterland. Heiße Tränen rannen über meine Wangen, und ich flüstert^ die Verse Baumbachs vor mich hin:
„Aber wie gerne vertauschte Palm' ich und Meeresstrand Gegen das tannendurchrauschte Nordische Heimatland!"
Seit jenem Abend ließ mich das Sehnen nach der Heimat nicht mehr los. Ich löste in den soll genden Monaten, so rasch es ging, meinen Kom trott, und nach einem Jahre war ich wieder in Deutschland. Noch einmal blutete daheim bi< alte Wunde, und tausend schmerzliche Erinne^ rungen wurden wach. Es war mir zu Mut«, wi« dem armen „Friedel" in dem Volksbuchs, —< als er mit Schätzen beladen und doch innerlich verwaist aus Afrika heimkehrte, — seine Worts paßten auch auf mich. „Ich besaß mehr, als ich je zu erringen hoffen durfte, und doch war ich arm und fühlte jetzt tiefet als je, wi« wenig Geld und Gut dem Herzen geben können. Diq Liebe ist die Sonne des inwendigen Lebens- Fehlt sie, so ist's dunkel, kalt, stille, arm — ti ist Nacht. Auch dies ging vorüber. Es getanes mir, hier im Staatsdienst anaestellt zu werden und mich in meinem Berufe glücklich zu fühlew Meine frühere Braut aber habe ich nie wicdet gesehen, obwohl ich Gelegenheit dazu gehabt hätte, und ich bin, wie Eie wissen, unuermählk geblieben."