mit -em Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Marburg
Mittwoch 27. Februar 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UmversttätS-Buchdruckera
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
42. Jahrg.
Erstes Blatt.
Znitiaiidantrage der konserdativen Reichstgstssraktio«.
Aus der konservativen Reichstagsfraktion find in dieser Session Initiativanträge in erheblich größerer Zahl, als jemals vorher einge- Lracht worden. Dieses Heraustreten aus einer Zurückhaltung, die bei den kons. Parteimitgliedern im Lande kein rechtes Verständnis fand, war notwendig und ist mit Genugtuung zu begrüßen. Wollte die konservative Fraktion sich — angesichts des leider immer schlimmer sich gestaltenden Wettrennens mit Massenanträgen — nicht dem Scheine der Tatenlosigkeit oder Indolenz aussetzen, so durfte sie, ohne freilich an eine Beteiligung an diesem politisch bedenklichen und praktisch nutzlosen Manöver zu denken, doch nicht länger in ihrer gänzlich ablehnenden Zurückhaltung verharren. Die Konservativen werden naturgemäß auch hierbei noch immer möglichst enge Grenzen wahren: das kann man daraus ersehen, daß sie sich als zweitstärkste Fraktion mit dem Einbringen von zwölf Anträgen begnügt haben, während es die um fast zwei Drittel schwächere „Wirtschaftliche Vereinigung" schon auf achtzehn Anträge gebracht hat.
Die konservativen Initiativanträge sind in der Hauptsache sozialpolitischer Natur: denn auch die den Schutz des gewerblichen Mittelstandes betreffenden Anträge müssen naturgemäß unter den Begriff Sozialreform gefaßt werden, wenn man darunter nicht einseitige Jndustrie- arbeiterpolitik verstehen, sondern auf dem Boden der kaiserlichen Novemberbotschaft vom Jahre 1881 beharren will. Die konservative Partei aber hält an den Grundlinien, die in jenem historischen Dokument klar und deutlich gezeichnet find, nach wie vor entschieden fest und ist insonderheit entschlossen, den christlichen Charakter unserer Sozialreform stets und allenthalben zur Geltung zu bringen.
Ueber den Inhalt der zwölf Initiativanträge der konservativen Fraktion sei folgendes mitgeteilt: 1. Es wird ersucht, daß die Verbündeten Regierungen zu den Vorberatungen über die Regelung des Ausverkaufswesens bezw. Abänderung des Gesetzes zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs Sachverständige aus den Kreisen des Handwerks und des Kleinhandelsgewerbes zuziehen möchten. 2. In der zu erwartenden Eewerbeordnungsnovelle sollen Bestimmungen ausgenommen werden, um zu verhindern, daß sich die großen Handwerksbetriebe mehr und mehr von der Beitragspflicht für die Handwerkskammern losmachen und um die mit handwerksmäßig ausgebildetem Personal arbeitenden Fabrikbetriebe zu den Kosten dieser
28 lRachdruck verboten.),
Schatten.
Roman von B. v. d. Lancken.
(Fortsetzung).
Rupert, mit einer großen Arbeit besMstigt, Hatte sie in den letzten Tagen viel sich selbst überlassen müssen: He fühlte sich überhaupt etwas abgespannt und erregt. Diese törichten, schreckhaften Gedanken würden schon wieder verschwinden — gewiß — und sie wollte nicht durch unnötiges Alleinsein und Grübeln noch mehr sich hineinleben. Rasch entschlossen trocknete sie «ie Tränen, gab dem Diener, der gerade hereintrat, ihre Befehle und ging wieder zu Rupert.
' Er saß noch unter der Kastanie und schien ihr Kommen nicht zu bemerken: er hatte den Strohhut abgenommen, und die letzten Strablen der sinkenden Sonne spielten auf seinem vollen, dunkelblonden Haar und glitten auch über die hohe, weiße Stirn. Gabi stand lange in seinen Anblick versunken, sie fühlte mehr denn je, wie sie ihn liebte. Ein leises Knirschen des Sandes unter ihren Sohlen verriet ihm ihre Nähe. Er stand auf und kam ihr entgegen, und wie er auf sie zuschritt in seiner stolzen Haltung, klar und frei der Blick, da jubelte ihm ihr Herz entgegen, da schwanden die bösen Gedanken, da wußte sie, daß sie recht getan, ihre Zukunft und ihr Lebensglück diesem Mann anzuvertrauen, und sie empfand jeden Zweifel, jede Anklage gegen ihn wie eine Sünde. Ans diesem Empfinden heraus Ilog sie ihm entgegen, schlang beide Arme um hn und sich innig an seine Brust schmiegend, ßlüsterte sie:
„Mein Rupert, mein Rupert!"
Er strich leise über das goldblonde Haar.
Kammern heranzuziehen. 3. Es wird eine organische Neuregelung der Eehaltsbezüge sämtlicher Reichsbeamten gefordert und bis zu deren Jnslebentreten die Einstellung von Mitteln zur Gewährung vorläufiger, prozentweise zu berechnender Gehaltszulagen für die unteren und mittleren Reichsbeamten in den Etat verlangt. 4. In der in Aussicht gestellten Vorlage betreffend die Verschmelzung der sozialpolitischen Versicherungsgesetze soll festgesetzt werden, daß die Altersrente fortan schon bei Vollendung des fünfundsechzigsten Lebensjahres gewährt werde. 5. Der Invalidenversicherung soll eine neue Lohnklasse für Selbstverficherer mit einem Einkommen über 2000 Mark eingefügt werden.
Der Reichskanzler wird ersucht, auf den Erlaß einheitlicher Bestimmungen der Bundesregierungen dahin zu wirken, daß die Zeit der diätarischen Beschäftigung der Militäranwärter auf höchstens zwei Jahre festgesetzt und den Anwärtern ein Teil ihrer Militärdienstzeit auf das Besoldungsdienstalter angerechnet und während ihrer diätarischen Beschäftigung eine Hinterbliebenenfürsorge gesichert werde. 7. Die Verbündeten Regierungen werden um eine Vorlage ersucht, wodurch die Bestimmungen über die Gewährung von Beihilfen an Kriegsteilnehmer dergestalt abgeändert werden, daß die Beihilfen auf Antrag der Beteiligten nach Vollendung des GO. Lebensjahres und bei einem Einkommen von weniger als 900 Mark ohne weitere Prüfung der Bedürftigkeit zu gewähren sind.
8. Ein weiterer Gesetzentwurf wird erbeten, worin die Unfallfürsorge für die bei Rettung oder Bergung von Personen oder Sachen verunglückenden Personen, insbesondere der freiwilligen Feuer- und Wasserwehren gewährleistet wird. 9. Es sollen die Vorarbeiten für den Gesetzentwurf betreffend die Hinterbliebenenver- sicherung der Privatbeamten so gefördert werden, daß er bei dem Beginn der nächsten Reichs- tagssession vorgelegt werden kann. 10. Es wird die Herabsetzung der Zuckersteuer von 14 auf höchstens 10 Mark für den Doppelzentner beantragt. 11. Ein Gesetz soll den Kraftwagenverkehr in Deutschland einheitlich regeln und die Bildung einer Zwangsberufsgenossenschaft der Automobilisten vorsehen zum Schutze der Bevölkerung gegen Schädigungen durch unbemittelte Kraftführer: und 12. In das Bürgerliche Gesetzbuch soll eine Bestimmung eingefügt werden, wodurch die Ersatzpflicht des Tierhalters analog der Ersatzpflicht von Automobilisten usw. gestaltet wird.
Es ist bei der Kürze der laufenden Reichs- tagssession jedenfalls ausgeschlossen, daß auch nur die Hälfte dieser sehr wichtigen Anträge zur Verhandlung gelangt. Um prattische Ergebnisse zu erzielen, hätte es genügt, wenn die konservattve Fraktion nach alter Gepflogenheit drei oder vier Initiativanträge eingebracht
„Du bist so bewegt, Gabi, — du hast wohl geweint — was?"
„Ich bin so glücklich, Rupert, weil ich deine Frau bin," antwortete sie selig lächelnd und tief errötend.
„Du bist ein Kind, Gabi — und wie bei einem solchen wechselt Regen und Sonnenschein in deinem Gemüt. Der Sonnenschein ist mir aber lieber, trübe Tage liegen genug hinter mir. Du bist wie ein echter Sonnenstrahl in mein Dasein hineingefallen, und ein solcher sollst du mir bleiben, du Süße!"
„Wie denkst du über unsere Reise nach Pvonne?" fragte Isa von Tromsau ihren Gemahl, als er eben einen Bericht seines Administrators von dort gelesen, der ihm die Vollendung der baulichen Arbeiten meldete.
Der Prinz hatte den Winter schlecht überstanden, und wie er jetzt in seinem Lehnstuhl an der geöffneten Balkontür saß, machte der lichte Frühlingstag seine gelbliche Hautfarbe und die eingesunkenen Augen nur noch deutlicher wahrnehmbar.
„Wie ich über Pvonne denke?" wiederholte er die Frage seiner Gattin. „Offen gestanden, liebes Kind, habe ich noch keinen bestimmten Zielpunkt ins Auge gefaßt. Mein körperliches Befinden ist so wenig gut und — was die Hauptsache ist —" setzte er, ihre Bewegung der Ungeduld bemerkend, hinzu — „Fclsenbach kann uns jetzt noch nicht begleiten —“
„Weshalb nicht?" fragte sie scharf.
„Weshalb nicht, Hsa? — Ei, ei — hast du so ganz vergessen, wie einem seit drei Monaten vermählten jungen Paar ums Herz ist? Er würde sich nicht von seinem reizenden Weibchen trennen und mir einfach einen Korb geben," lächelte der Prinz. ,
hätte. Aber die Konservativen dürfen sich bei dem allgemeinen Wettrennen um die Gunst der Massen nicht vollkommen überrennen lassen, sondern müßten beweisen, daß sie auch noch ihren Mann stehen. Jedenfalls verbürgen denn auch die Stärke der konservativen Fraktion und ihre Beschränkung auf erreichbare, in den Grenzen der Möglichkeit sich haltende Forderungen einen günstigen Erfolg der konservativen Jnttiativvorgehens.
Deutscher Reichstag.
(3. Sitzung vom 25. Febr.).
Am gestrigen Montage begannen die Etatsberatungen im Reichstage. Es war sozusagen eine Jubtläumssitzung des
Reichstages: denn am 24. Febr. 1867, also vor 40 Jahren, hatte die konstituierende Sitzung des Norddeutschen Reichstages stattgefunden.
Natürlich war der Reichstag bei seiner ersten Sitzung, die der eigentlichen Arbeit gewidmet war, soweit die Tttbünen in Betracht kommen, bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. Auch die Diplomaten- und die Hofloge zeigte einen weit stärkeren Besuch als es sonst üblich. Graf Udo zu Stolberg-Wernigerode eröffnete als erster Präsident kurz nach V/4 Uhr die Sitzung und übermittelte zunächst die Wünsche, die der Kaiser anläßlich des Empfangs des Reichstagsprä- sidiums für die Arbeiten des Reichstages ausgesprochen. Ferner teilte er mit, daß Graf Ballestrem für die Dienstwohnung des Reichs- tagspräsidenten ein vom Professor William Pape gemaltes Kaiserbild gestiftet hat. Unter dem lebhaften Beifall des Hauses nahm der Präsident dieses prächtige Geschenk des früheren ersten Präsidenten entgegen. Sodann teilte er das Ergebnis der Schriftführerwahlen mit. — Bezeichnender als die positiven Ergebnisse der Wahl sind für die politische Situation die Stimmenzahlen, die auf die unterliegenden Kandidaten gefallen sind, nämlich 193 auf den polnischen Heißsporn Graf Mielzynski und 176 auf den Sozialdemokraten Fischer - Berlin. Rur wenige Stimmen mehr, und der Pole wäre gewählt worden! — Auf der Tagesordnung stand die erste Lesung des Reichshaushaltsetats.
Schatzsekretär Freiherr v. Stengel leitete die Verhandlungen mit der üblichen Ueberstcht über den Stand der Reichsfinanzen ein. Er wies vor allem auf die Tatsache hin, daß die Einnahmen aus den Zöllen den Etatsvoranschlag um 90 Millionen Mark überschritten haben. Die Einnahmen aus der Fahrkartensteuer müßten allerdings hinter dem Voranschlag sehr erheblich Zurückbleiben, bei der Zuckersteuer werde durch eine Mehreinnahme von 8—9 Millionen Mark ein Ausgleich herbeigeführt werden. Die Regierung müßte eigentlich mit neuen Vorschlä«
„Diese Heirat ist mir durchaus unbegreiflich," sagte Isa, ohne auf den Scherz einzugehen, „sie konnte eben nur von einem Mädchen eingegangen werden, dessen Charakter so unfertig ist, wie der Gabrielens —“
„Du bleibst bei deinem Vorurteil, trotzdem wir jetzt die Sachlage genau kennen. Gabriele liebt ihren Gatten und kann ihn achten. Felsenbach hat ja nur korrekt gehandelt, und außerdem bestand nicht das mindeste blutsverwandtschaft- liche Verhältnis zwischen den beiden Geschwistern.
Jedenfalls trifft Felsenbach weniger ein Vorwurf als den Prinzen, und wenn ich gefragt würde, so würde ich sagen, daß ich zehnmal lieber meine Tochter — und wäre sie selbst des Getöteten rechte Schwester — einem Manne wie Rupert von Felscnbach anvertraue, als daß ich in die Heirat meines Sohnes mit einem Weibe willigte, welches als Braut ein so ftivoles Spiel spielte und bar sein mußte jedes sittlichen Wertes."
Isa zwang ein spöttisches Lächeln auf ihre Lippen.
„Verzeih, aber du hast merkwürdige pedantische Ansichten in der Sache," sagte sie kühl, „und machst es nicht besser, wie die Welt im allgemeinen. Der Hauptteil einer Schuld wird immer dem Weibe beigemessen."
„In diesem Falle allerdings."
Die Baronin steht auf und tritt auf den Balkon hinaus, sie lehnt sich mit bett Händen auf die Brüstung, heftig, fast angstvoll atmend. Es ist, als ob der Boden unter ihr schwanke, als ob 6te lachende, schöne Welt sich rings umher mit einem grauen Nebelschleier umzöge, und als ob aus demselben eine bleiche, schelmenhafte Gestalt, Mit blutender Wunde in der Brust, die Hand gegen sie ausstrecke. Sie schließt die Augen, dem schrecklichen Bilde zum entrinnen. Umsonst! Nur
gen wegen Deckung des Defizits an den Reichs» tag herantreten, sie habe sich aber entschlossen, einstweilen von anderen Steuer# forbetungen abzusehen. Der Staatssekretär schloß mtt bem Ausdrücke bet Hoffnung, baß es gelingen werbe, die Sanierung der Finanzen, die einen mächtigen Schritt vorwärts getan habe, ganz durchzuführen.
Abg. Spahn (Zentr.) beschäfttgte sich zunächst mit Einzelheiten des Etats. Während seiner Rede betrat der Reichskanzler den Saal,
Die Ausführungen des Zentrumsführers bereiteten auf die veränderte Haltung des Zentrums nach den Wahlen vor: denn aus Spahns dumpfer Stimme, die vielfach schwer verständlich war, klang scharfe Opposition. Nach Besprechung der einzelnen Positionen des Etats berührt« der Redner die wirtschaftliche Konjunktur und ging alsdann auf die Thronrede ein, in der besonders die Ankündigung Freude erweckt hab«!, daß die soziale Gesetzgebung im Sinne Kaiset Wilhelms fortgeführt werden solle. Alsdann ging Herr Spahn auf die Aeußerungen des Reichskanzlers über die innerpolitische Lage ein, und bekrittelte den Ausspruch des Reichskanzlers von der Paarung des konservativen und liberalen Geistes. Ein anderes Wort des Reichskanzlers, daß dem Zentrum im Wahlkampfe die Religion nur zur Sicherung seiner politischen Macht gedient habe, wies er mit der Bemerkung zurück, daß es das Zenttum gar nicht nötig habe, den Kampf konfessionell zu führen und polemi-- sierte alsdann unter Bezugnahme auf die Keim Briefe gegen den Flottenverein und gegen die Reichsregierung, wegen angeblich unzulässiger Beeinflussung des Wahlkampfes. Es fei eine Wahlbeeinflussung gewesen, wie in napoleonischen Zeiten. Gegenüber dem Ausspruche des Reichskanzlers: der Reichstag sei gewählt gegen die a n t i nationale Arroganz betonte er, daß die Zentrumspartel nach wie vor den ruhenden Pol in der Erscheinungen Flucht dar- stelle. Der Reichskanzler hätte auf das Empfinden dieser Partei, die wieder als die stärkst« in den Reichstag zurückgekehrt fei, etwas Rück- sich nehmen müssen, zumal er dieser Partei seine bedeutendsten Erfolge zu verdanken habe-
Mit tapferen Worten und gutem Humor trat dem Zentrumsführer Herr Baffermann von den Nationalliberalen entgegen. Herr Spahn, so führte et aus, hätte über die Flottenvereinsagitatoren geklagt. Nun, gegen die Zentrumsgeistlichen seien die noch die reinen Waisenknaben. Und was dir Herkunft der Keimbriefe anlange, so seien die zweifellos gestohlen, und das halte er, Bassermann, ganz einfach für eine Gemeinheit. Was würde der interessante Herr Müller-Fulda sagen, wenn seine Wahlkorrespondenz so eines schönen Tages veröffentlicht würde. Kein Mensch denke auf nationallibera- ler Seite an Kulturkampf. Aber das Zentrum möge nur auch die gleiche Probe versöhnlicher
noch deutlicher, noch schreckhafter tritt es hervor, nicht die Gestalt, nein, die ganze Umgebung. Ein Zimmer, groß, prunkvoll ausgestattet — matt erleuchtet durch den Schein einer Nacht- lampe, das breite Fenster verhangen von schweren grünen Seidenvorhängen in dem Sessel daneben die barmherzige Schwester vom Orden der Elisabetherinnen. Die Uhr auf dem Kami« tickt leise, der Kranke schlummert ruhig, die Tür, die in das Nebenzimmer führt, ist halb ange, lehnt. Alles still — nur ein schnarchender Torr wie von einem in tiefen Schlaf Verfallenen bringt von dort an ihr Ohr — sie nickt befriedigt, sie beugt sich über den Kranken und berührt seine Schulter: erschreckt zuckt er zusammen und dann--Die Frau auf dem Altan reißt mit
einer gewaltsamen Anstrengung die Lider auf, ein halbunterdrückter, leiser Schrei entringt sich ihren Lippen. Entsetzliche Wahnvorstellungen fort — fort —. Es ist ja nicht Nacht um sie her, die Erde prangt im herrlichsten Frühlingsschmuck, die Vögel singen und die Sonne scheint, und sie selbst steht in lichter, rauschender Seite mitten in dieser schönen Welt auf den Höhen des Lebens, die vornehme, die gefeierte Frau — unantastbar in ihrer Stellung, die Gemahlin eines Fürsten. Sie zwingt ihren Mund zu lächeln — aber es ist ein verzerrtes, unnatürliches Lächeln — und wendet sich rückwärts. Der Prinz ist in feinem Lehnsessel eingeschlafen — das Lächeln verschwindet von ihren Lippen und etwas wie Haß schimmert in den tiefdunklen Augen der Frau, während sie auf dem mageren, schlaffen, gelblichen Antlitz des Schlafenden ruhen.
Wie lange noch wird sie zu einem Leben «I seiner Seite verdammt sein, wie lange werben ihr Munb unb ihre Augen Gefühle heucheut müssen, von denen ihr Herz nichts weiß, nie eN was gewußt hat? -Forts. folgt.)