mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Marburg
Sonntag 24. Februar 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag- Iah. «ug. Koch, Umversttätr-Buchdruckekri
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
42. Jahrg
Zweites Blatt.
Der Traum bam liberale» Block.
Gleich nachdem sich der neue Reichstag konstituiert hatte, ist er auf vier Tage in die — Ferien gegangen. Dies entspricht einem alten Brauche, der sich wohl darauf gründet, daß den neugewählten Volksvertretern Zeit und Gelegenheit gegeben werden soll, sich in das parlamentarische Getriebe einzufügen und mit ihren politischen Freunden und Fraktionsgenossen Vereinbarungen über die programmatischen Betrachtungen zu treffen, die man den eingehenden Erörterungen der einzelnen Gesetzesvorlagen Vorauszuschicken beliebt.
Die kleine Pause vor dem Beginn der Reichs- lagsarbeit scheinen sich vor allem die drei Gruppen der bürgerlichen Linken zu Nutze gemacht zu haben, um das hohe Haus mit einer Ankündigung zu überraschen, deren Bekanntgabe schon seit geraumer Zeit — erwartet wurde. Laut genug hatten ja die Herren Barth und Friedrich Naumann, die Herolde des groß- liberalen Einigungsgedankens, ihre Posaunen- stötze erschallen lassen, um ja alle am politischen Leben interessierten Kreise auf dieses in Bälde zu erwartende Phänomen aufmerksam zu machen. Allein Woche um Woche verstrich, ohne dass das angekündigte „hochpolitische" Ereignis zur Tatsache wurde. Der ideale Gedanke jener beiden Jllusionspolitiker war, worauf wir schon mehrfach hingewiesen haben, auf unvorhergesehene Schwierigkeiten gestoßen.
Zunächst hatte man mit dent Sang vom HMeralen Block" kein Glück bei den Nationalliberalen, die als praktisch denkende Politiker eine Gemeinschaft mit den drei linksliberalen Gruppen wohlweislich ablehnten, was ihnen die Gegnerschaft der für die „Sozis" eintretenden Freisinnigen bei der Reichstagswahl in Jena, sowie heftige Angriffe der freisinnigen Blätter eintrug. Nach diesem Fehlschlage mußte das Ziel des Strebens etwas eingeschränkt werden. Die Parole lautete nunmehr: Verschmelzung der drei linksliberalen Gruppen, zu denen bekanntlich auch die Nationalsozialen als Mitläufer oder „Hospitanten" der Freisinnigen Vereinigung gerechnet werden. Die Verschmelzungsarie wurde denn auch mit größter Zuversicht an- gestimmt, und in einigen Blättern schwoll sie bereits zum Triumphgesange tut; denn man wähnte sich dieses Erfolges sicher. Wenn auch nicht das Pantheon des Liberalismus, das Herr Naumann im Geiste bereits aufgerichtet sah. so
Marburger
Studenten - Erinnerungen.
Von L. Müller.
(Forttetzung.)
12. Der Korpshund.
Das Korps Hasso-Nasspvia hatte einen großen Hund „Bruno" oder „Braun" mit Namen. Ernes Nachts kommen nun 3—4 Mitglieder dieses Korps auf ihrem Heimwege über den Markt zur Barfüßerstratze an dem Hause des Böckers Bersch vorüber, dessen obere Stockwerke Lberge- baut sind und hervorragen. Stud. Stöber dem dieses auffiel, niachte die anderen darauf aufmerksam, daß das Haus umzufallen drohe und es ihre Pflicht sei, um ein Unglück zu verhüten, es zu stützen. Das geschah sofort, indem sich alle mit dem Rücken an das Haus lehnten und, um die Stützkraft zu vermehren, wurde der mitgebrachte Korpshund auch an den Vorderpfoten in die Höhe gezogen und gegen das Haus gestellt. Da dieser nun immer wieder herunterrutschte und von Neuem in die Höhe gezogen wurde, fing er ein schreckliches Geheul an und legte Verwah- xung ein. Da nun die Sache nicht ohne Lärm verlief, so wurde der auf Patrouille sich befindende Pedell aufmerksam und machte Anzeige beim „Akademischen" wegen nächtlicher Ruhestörung.
Nach einigen Tagen standen wir vier Sünder vor dem akademischen Gericht, welches aus dem Prorektor Nasse und bei» Syndikus Plattner bestand. Der Prorektor eröffnete die Sitzung mit folgenden Worten: „Meine Herren, es ist gegen Sie die Anklage wegen nächtlicher Ruhestörung erhoben worden. Ich werde Ihnen das Protokoll rorlesen lassen und mache Sis aufmerksam, daß Sie etwaige Irrtümer berichtigen wollen, da spätere Einreden keine Berücksichtigung finden. Bitte, Herr Syndikus, lesen Sie vor." Der Syndikus erhob sich, putzte die Brille, räusperte sich und las: „Actum Marburg, den und den, erschien der Universitätspedell Naumann und gab
glaubte man doch bestimmt ein Tempelchen des Freisinns zu gründen, dem alle Linksliberalen zuströmen würden. Allein der Zweifel, den wir jüngst äußerten, als eine Meldung von der Einigung der Linksliberalen zu einer Fraktion durch die Blätter lief, hat sich als zutreffend erwiesen. Das alte Lied: „Sis konnten zusammen nicht kommen, das Wasser war viel zu tief." Der Fraktiönligeist hat stch stärker erwiesen, als der unklare liberale Gedanke? Die Verschmelzung der drei Gruppen der bürgerlichen Linken ist abgelehnt worden, nur zu einer „Fraktionsgemeinschaft" hat man sich entschlossen, bei der aber die Selbständigkeit der drei einzelnen Fraktionen gewahrt bleiben soll. Diese „Gemeinschaft" soll nach dem in gemeinschaftlicher Sitzung der drei Fraktionshäuptlinge gefaßten Beschlüsse durch einen Ausschuß vertreten werden, der sich aus zwei Mitgliedern der Freisinnigen Volkspartei, einem Mitglied der Freisinnigen Vereinigung und einem der Süddeutschen Volkspartei zusammensetzt. Vorsitzender des Ausschusses soll ein Vertreter der Freisinnige» Volkspartei sein, der stellvertretende Vorsitzende soll aus der Freisinnigen Vereinigung oder der Süddeutschen Volkspartei genommen werden, um ein gemeinschaftliches Auftreten im Reichstage herbeizuführen. Also nur um ein taktisches Zusammengehen wird es sich in Zukunft handeln, das bei der Verschiedenheit der Meinungen der temperamentvollen Frci- sinnshelden gar leicht wieder in die Brüche gehen könnte! Tant de bruit pour une Omelette, sagt der Franzose, im Deutschen heißt es dafür: Viel Geschrei und wenig Wolle!
Interessant ist es, daß selbst der begeisterte Verkünder des Gedankens der liberalen Vereinheitlichung und Verschmelzung Fr. Naumann jetzt zu dem, seiner bisherigen Haltung direkt widersprechenden Schlüsse gelangt: Die Selbständigkeit der Parteiorganisationen auf der Linken müsse so lange erhalten bleiben, bis es zur inneren Selbstverständlichkeit und Notwendigkeit geworden sein werde, sie ineinander aufgehen zu lassen. Dieser Zeitpunkt aber sei jetzt noch nicht da.
Dieser — wenn auch zunächst nur unter Vorbehalt geäußerten — Verzicht des freisinnignational-sozialen Politikers auf Durchführung seines Lieblingsgedankens ist überaus bezeichnend. Auch Naumanns schwungvoller Geist erlahmt an dem Sisyphuswerke, dem Linksliberalismus wieder auf die Beine zu helfen! Wie weit aber diese unklare und zersplitterte Richtung herabgekommen ist, das lehrt ein kleiner geschichtlicher Rückblick, den wir der „Breslauer Zeitung" entnehmen, die ihn zu Nutz und From-
zu Protokoll: „Als ich in der Nacht vom 10. zum 11. Juli 1856 auf meinem Rundgange in die Nähe des dem Bäcker Bersch am Markt gehörigen Wohnhauses kam" nsw., etwa so waren zwei Bogen beschriebe», wobei besonders hervorgehoben wurde, daß der Lärm dadurch besonders groß geworden sei, weil der Korpshund „Bruno" immer vom Studiosus Eitler mit den Vorderpfoten hoch gezogen und wieder ans Haus gestellt wurde. Nach Verlesung des Protokolls fragte der Prorektor Nasse: „Nun, meine Herren, haben Sie etwas zur Anklage zu sagen?" Bloß Giller hatte etwas zu bemerken und sagte dss- ?alb: „Magnifizenz, es hat sich allerdings ein keiner Irrtum eingeschlichen. Es ist zwar nicht von Belang, doch möchten ich ihn zur Ehre der Wahrheit berichtigt wissen, und da ich meiner Sache nicht ganz sicher bin, so dürfte ich darum bitten, daß das Protokoll noch einmal vorgelesen wird." Natürlich geschah das. Der Prorektor sagte zu Giller, als dieser noch zögerte, ärgerlich, beit Irrtum doch berichtigen zu wollen. „Ja," sagte dieser nun, „unser Hund ist im Protokoll mehrmals unter dem Name» „Bruno" angeführt, der gehört nicht unser. Der Hund, beit wir haben, bei heißt „Braun". Eitler erhielt vier Tage, bie anderen Drei erhielten feder drei Tage Karzer beim Karzerwärter Weiter im alten Kreuzgang.
13. Die Tretvögel.
So lange die Landesuniversität Marburg hessisch war, hatte man ein gutes Teil Gemütlichkeit bei derselben. Sie besaß ihre eigene Polizei und akademische Gerichtsbarkeit. Andere Gerichte hatten mit den Studenten nichts zu schaffen. Wenn ein neues Semester begann, erinnere ich mich, schwärmten die Tretvögel, wie man die Philister nannte, aus. Noch mit Vergnügen denke ich an ein Erlebnis mit dem alten Kürschner Heuer aus der Wettergasse. Ich be- woynte mit meinem Freund zusammen zwei Studentenwohnungen auf der Ketzerbach. Dis Wohnzimmer lagen nebeneinander nach vorn und hatte jedes einen besonderen Eingang, hin-
men der liberalen Verschmelzungsenthusiasten mitteilt. Dieses freisinnige Parteiblatt weist auf den Verschmelzungsprozeß hin, bet int Jahre 1884 ftattfanb. Damals würbe die Verschmelzung der alten „Fortschrittspartei" mit der „Liberalen Vereinigung" vollzogen. Die Liberale Vereinigung bestand aus unzufriedenen Nationalliberalen, die ihrer Partei den Rücken gekehrt hatten. Die Verschmelzung geschah auf Grund bestimmter Einigungspunkte, die in mancher Hinsicht an das Frankfurter Einigungsprogramm erinnern, das jetzt die Grundlage für den Zusammenschluß der drei freisinnigen Parteien bilden sollte, i- Fusion bei erwähnter beiben Gruppen, bte sich ben Namen „Deutsche freisinnige Partei" beilegten, hatte neun Jahre Bestand. Ihre Geschichte ist eine fast ununterbrochene Reihe schwerer innerer Krisen innerhalb der Partei. Als die Fusion vollzogen wurde, zählte die „Fortschrittspartei" 59, jte „Liberale Vereinigung" 47 Vertreter im Reichstage: von diesen traten 100 zur „Freisinnigen Partei" über. Wenige Monate nach der Verschmelzung fand die Reichstagswahl sta'ft, und die neue Partei verlor ein Drittel ihres Bestandes, sie kam auf nur 6 6 Mann. Die Zwistigkeiten innerhalb der eigenen Partei waren so stark, daß die Parteileitung überhaupt nicht daran denken konnte, einen Parteitag ein- zuberufen. So wurstelte unter fast stetigen Verlusten die Partei bis 1893 weiter, bis die Rickertleute (d. i. die jetzige Freisinnige Vereinigung) wiederum sezessionierten. Der Bestand war auf 14 Mann der Srzesfionisten und 23 Mann der „Freisinnigen Volkspartei" gesunken.
Wenn auch diese Ziffern durch die letzten Rfichstagswahlen eine kleine Aufbesserung erfahren haben, so kann uns dieses nicht über die Tatsache täuschen, daß der Linksliberalismus trotz des national-sozialen Einschlages eine wegen ihrer politischen Unfähigkeit ständig abwärtsgleitende Bewegung barstellt.
Deutsches Mich.
— Braunschweig und der Bundesrat. Die braunschweigische Angelegenheit beschäftigt zurzeit ben Justizausschuß des Bundesrates, in welchem, wie schon früher mitgeteilt, der sächsische Gesandte am preußischen Hofe, Bundesratsbe- vollmächtigte Graf Vitztum von Eckstädt, bas Referat übernommen hat. Die Tätigkeit bes Ausschusses besteht i» bei Erörterung, ob bte Mitglieder eines Fürstenhauses derart ein geschlossenes Ganzes bilden, daß die Behinderung des Herzogs von Cumberland, fein Erbrecht in Braunschweig auszuüben, bte gleiche Wirkung für feinen Sohn nach sich ziehen mutz, selbst wenn
ter biefen lag eine kleine Kammer. Mein Hauswirt hieß Baum unb war Weitzbinber. Je nachdem die beiden Bewohner miteinander standen, war zwischen beiden Zimmern eine Berbin- bungstüt geöffnet ober geschlossen. Wir bewohnten hauptsächlich meine Stube, die im Winter nur geheizt würbe. Mein Freund B. batte einen schlechten Wechsel unb immer seine Last, um sich die Tretvögel von dem Hals zu schaffe». Da wir nun morgens in meinem Zimmer den Kaffee einnahmen, so schloß B. immer seine Stube zu und kam zu mir. Nach einiger Zeit hörten wir leise Schritte, die sich von denen des Eeldbriefträgers unterschieden. Gleich darauf wurde bei B. angeklopft. Dann stand B. auf und machte die Verbindungstüte zu und ging leise in sein Zimmer, wo sich bas Klopfen, an Stärke zunehmend, wiederholte. Dann wurde die Türe geklintt, und da sie verschlossen, wurde an meiner Türe geklopft. Nachdem ich „Herein" gerufen, entstand folgende Unterhaltung: „Gute Morgen, Herr Z., nehme Sie es nicht vor übet, wohnt hier nicht der Herr Studiosus V.?" „Ja, bet wohnt nebenan." Hierauf zog der Tretvögel ab, kam iwch einmal herein und fragte, ob ich nicht wüßte, wo er fei. „Ja, bann muß er im Kolleg sein." Hieraus zag dieser ab und B. kam wieder herüber, aber es dauerte nicht lange, so wiederholte sich dasselbe durch einen anderen Tretvögel. Eines Morgens nun wurde ich munter durch ein sehr lautes Klopfen und dann ein Gespräch bei B. Neugierig springe ich aus dem Bette und sehe von meiner Stuben durch die Verbindungstür, daß der Kürschner Heuer in B.'s Schlafsiubcntüre steht und fortwährend immer lauter wiederholt: „Gute Morge, Herr B., Gute Morge, Herr B., Gute Marge, Herr B.," dazwischen hörte ich nur ein furchtbares Schnarchen, was mir um so auffälliger war, da B. einen leisen Schlaf hatte. Mit einemmate machte Heuer Anstalten, sich rückwärts zu begeben, was ich ebenfalls, damit er mich nicht bemerkte, mit einem großen Satze nach meinet Kammer tat. Heuer geht durch B.'s Stube, unb ich höre, wie et die Stubentüte auf- und atu
dieser zum Aufgeben seiner vetmeintlichei» Rechte auf Hannover bereit sein sollte. Es handelt sich also um eine grundsätzliche Feststellung aus dem Gebiete des Staats- oder Fürstentechts, über die das Plenum, nach Beendigung bet Vorarbeit im Justizausschusse, stch schlüssig zu machen haben wirb. Daß die Frage im Plenum nnt überwältigender Mehrheit zu ungunsten des Hauses Cumberland beantwortet werden wird, darf jetzt schon als unzweifelhaft gelten: ob dies aber mit Einstimmigkeit geschehen wird, erscheint freilich weniger wahrscheinlich.
— De« Reichstage ist der Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Vornahme einer Berufs-und Betriebszählung in Jahre 1907, zugegangen.
— Die Kreis- und Provinzialbesteuerung. Noch ist kein Jahr verflossen, seitdem das Gesetz über die Kreis- unb Provinzialbesteuerung in Kraft trat, und doch hat es schon recht bemerkenswerte Früchte getragen. Die „B. P. N." äußern sich darüber: Das Gesetz bezweckt in erster Reihe, das Besteuerungsrecht der Kreis« mit Rücksicht auf ihre sich stetig erweiternde tarn« munale Wirksamkeit ähnlich dem Besteuerungsrecht der Gemeinden auszubilden. Namentlich ist auch den Kreisen das Recht beigclct-i werben, gewisse inbirette Steuern, wie bte Umsatzsteuer für Erunbstücke und die Steuer für Erteilung der Schankkonzessionen, einzuführen. Von diesen neuen Befugnissen haben die Kreise bereits im weitesten Umfange Gebrauch gemacht. 170 Kreis« haben die Steuer auf die Erteilung der Schankkonzessionen eingeführt und erzielen daraus recht beträchtliche Einnahmen, obwohl bei bet Bemessung bet Steuer darauf Bedacht genommen worben ist, baß sie nicht, bet Gewerbeordnung widersprechend, die Errichtung neuer Schanfftätten hindert. Die Steuer auf ben Umsatz von Grundstücken ist in 150 Kreisen ein- gesührt worden, namentlich in Kreisen mit besonders hohen Kreissteuern. Jir vielen Fällen sehen die Kreis-Steuerordnungen vor, daß in ben Eemeinben, bie eine ebensolche Steuer ein« geführt haben ober noch einfiihren werben, eine Ermäßigung der Äteisfteu<*r rnntretcn soll. Mr! Rücksicht auf bie günstigen :; folge, welche die Landkreise mit bet Einführung bet Steuer auf die Erteilung von Schankkonzessionen erzielt haben, ist auch eine Reihe von Stadtkreisen bet Einführung der gleichen Bestrebung näher getreten. Diesen Bestrebungen bereiten bie Auf- s tsbehörden keine Schwierigkeiten. Auch treten die Aufsichtsbehörden den Gemeinden bet Landkreise, die solche Besteuerungsatt einführen, nicht grundsätzlich entgegen, nur wird dabei bie Berechtigung bet Kreise, bie gleichen Steuern einzuführen, voll berücksichtigt.
machte. Sofort sprinae ich wieder vor und kommt aus seinem Bett, aber im nächst. Augenblick steht der alte Heuer zwischen uns, et war im Zimmer geblieben unb hatte nut zum Schein die Türe auf- unb zugemacht unb seine Freube baran, baß wir beide wie auf ein Kommando im Hemde erschienen waren. Er sagte weiter nichts, als: „Gute Morge, Herr B.," worauf ihn dieser erstaunt fragte: „Wer sind Sie denn und wie komme» Sie dazu, mich bei nachtschlafender Zeit in meinem Zimmer zu stören?“ (Es war natürlich morgens 8 Uhr.) „Ei, ich bin der Kürschner Heuer und habe biet so ein kleines Rechnung'che." V. nahm bie Rechnung mit einem imponierenden Anstand entgegen, sah sie durch und gab sie mit rühmen Worten zurück. Da steht eine Mütze angeschrieben. Ich habe am 15. Oktober keine Mii^e erhalten, es mutz ein Irrtum in ihrer Buchführung vorgefallen sein, sehen Sie mal nach. Der o^- Heuer zog mit seiner Rechnung ab. B. r vc^'^tnismäßig jung in geachteter Stell nachdem er seine Schulden bis zum letzten Heller bezahlt batte.
Zahlte man damals zu Semesters Anfang nicht, so konnte man mit ziemlicher Sicherheit rechnen, von dem ..Akademischen" einen Zrh- lungsbefebt zu erhalten, mit »erbältnisma&ig kurzer Ftisi. an den ßch ein zweiter anschloß, bann folgte Stubenarrest, wobei man sich bloß 2 Stunden von Marburg entfernen durfte. Das konnte natürlich, wenn wieder Ferien kamen, sehr lästig fein. Trotzdem vom Baier oder Vormund ein Revers ausgestellt werden mutzte, daß sie für die Schulden bes Stubenten haften würden, hatten die Gläubiger noch ein weiteres Mittel in Händen, indem sie Arrest auf das Universitätsabgangszeugnis legten. Einer meiner Bekannte» half sich dadurch heraus, daß er sämtliche Gläubiger zum Abendbrot eintud, wobei der Wein nicht gespart würbe; als et nun die Stimmung für geeignet fand, legte et ihnen' einen Reve->- vor, wo sie sich verpflichteten, sein Zeugnis fre" Später bekamen alle ihr
Geld _ .
'(Fortsetzung folgt.)