mit -em Krers-latt für die Kreise Marburg und Kircküain
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Erstes Blatt
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politische Lage berechtigt zu der Zuversicht, da« «ns der Friede weiter erhalten bleiben wird. Zu unseren Verbündeten unterhält die Regierung die alten herzlichen, zu anderen Mächten gute korrekte Beziehungen. Die Thronrede erwähnt den mit Dänemark zur Regelung der Verhältnisse der Optantenkinder abgeschlossenen Vertrag. der hoffentlich das freundliche Verhältnis zu diesem Staate kräftige» werde, erwähnt ferner die Annahme der Einladung zur zweiten Haager Friedenskonferenz und schließt mit dem Wunsche, daß das nationale Empfinden und der Wille zur Tat, aus dem der neue Reichstag her- vorgeganaen. auch über seinen Arbeiten walten möge, Deutschland zum Heile.
Rede des jugendlichen Feusrkopfes machte uns die Gefahr deutlich, die durch ähnliche Veranstaltungen für unsere Studentenschaft geschaffen werden kann. Die schnelle Begeisterung, die der Jugend eigen ist, könnte nur allzu leicht dahin führen, daß unsere Studenten sich Hals über Kopf in den Strom unklarer sozialistischer Ideen stürzen, aus deren unheilvollem Banne fle sich infolge der stratnmen sozialdemokratischen Organisation nur sehr schwer befreien könnten. Bei dem idealen Sinne, der auch heute noch — trotz Cand. Kösters wenig schmeichelhaften Behauptungen — die Mehrzahl der deutschen Studenten beseelt, würde es vielleicht wortgewaltigen Schwärmern oder berufsmäßigen Agiir- toren gelingen, die noch nicht gefestigte Begrifss- welt der jungen Studenten mit unklaren oder übertriebenen Vorstellungen zu verwirren. Es gilt aber zu bedenken, daß das glänzende Idealbild des Sozialismus, das uns gestern abend entworfen wurde, nicht den Verhältnissen der rauhen Wirklichkeit entspricht. In der Praxis — und die bleibt doch der entscheidende Prüfstein aller Theorieen und Weltanschauungen, zu- nml bei einer in so hohem Maße wirtschaftlichen Frage — nimmt sich der Sozialismus ganz anders aus. Da schwindet das Goldflitterwerk, mit dem jugendliche Schwärmerei ihr Idol drapiert hat, da werden die schweren Gefahren ! unzweideutig offenbar, die der Sozialismus der Menschheit bringen muß, wenn ihm nicht beständigere und zuverlässigere Kräfte die Wage halten. Dies aber zu erkennen, fordert schon eine gereiftere Weltkenntnis und Lebenserfahrung,
als sie für gewöhnlich jungen Musensöhnen 1 eigen ist. Darum auch möchten wir die sozial- I demokratische Propaganda, wie solche trotz des I wissenschaftlichen Mäntelchens der öffentlichen | Disputation über ausgestellte Thesen gestern I abend von mehreren Rednern ganz ungescheut I betrieben wurde — auch Herrn Kösters so bei- | fällig aufgenommenen Ausführungen waren bot) I im Grunde nur das, was der Student als eine I „Keilrede" bezeichnen würde, nämlich eine I direkte Werbetätigkeit für die internationale I Sozialdemokratie —, von unserer deutschen Stu- I dentenschast ferngehalten wissen. Mit der bur- I schenschaftlichen Bewegung in der ersten Hälfte I des vor. Jahrhunderts aber würde diese sozia- 1 listische Strömung, welche die sozialdemokrati- I schen Führer unter unseren Studenten zu er- I regen hoffen, nichts gemein haben; denn so viele I Unklarheiten auch jener voll edelster Begeist r- I ung erfüllten Studentenbewegung unserer na- | tionalen Sturm- und Drangperiode anhaften I mochten, das eine werden selbst kritische Beur- I teilet ihr zuerkennen: sie hatte ein ideales, aber I politisch erreichbares Endziel, die Durch- I
noch viel schwerer geprüft als sie selbst, weil mit den harten Sorgen der Existenz ringend, verbittert, gereizt, vereinsamt und liebearm, bis sich die rechte Erkenntnis in ihrer Seele Bahn gebrochen, bis unter tausend Schmerzen und Kämpfen ihr starkes Gerechtigkeitsgefühl siegte. Natalie Reuchlin richtete sich jählings auf, rang die Hände ineinander und hob sie gegen den Himnrel empor.
„Allmächtiger, du dort oben," flüsterte sie, „erbarme dich über mich, die zu dir schreit in der Ratlosigkeit ihres Herzens, der du die Kämpfe siehst, die meine Seele zerreißen. Herr lehre mich tun nach deinem Willen."
Und dann nach einer Weile, während welcher sie schweigend verharrt, sinkt die stolze, hohe Gestalt auf die Knie und birgt das Antlitz in die gefalteten Hände.---
Den Tee tranken die beiden Komteffen an diesem Abend allein. Ulrike entging es nicht, daß Gabi bleich und schweigsamer war als sonst; sie beobachtete sie heimlich, aber um so aufmerksamer, war aber zu stolz, eine Frage zu tun, wo die Schwester sich ihr nicht selbst offenbarte.
Am nächsten Morgen brach man früh auf. Die Damen nahmen ihr Frühstück, wie gewöhnlich an diesem Reisetage, in ihren Zimmern. Als die Kammerfungfer bei den jungen Mädchen eintrat, fragte Ulrike, ob die Gräfin schon wach sek. —
„Die Frau Gräfin sind schon vor einer Kunde nach der Gruft gegangen und haben hin- hin?sien, die Komteffen möchten ihr nicht da- DckZkommen," antwortete das Mädchen.
Gabi gewän. seltsam," bemerkte Ulrike gegen „Weißt du en.nachdem die Dienerin gegangen, weise?" * ®runi> zur diese Handlungs-
„Jch kann es mir u
ich muß es dir doch fa^enkeu! — Ach, Ulla — ihre Arme um den HaM, schluchzte Gabriele, „Ulla — ich liebe Rupert Schwester legend.
Eine öffentliche Disputation.
Marburg, 19. Februar.
Eine eigenartige Veranstaltung war es, eine echt deutsche Idee, entsprungen in dem Kopfe eines wohlmeinende», als guter Christ auch den Feind liebenden Mannes, die gestern abend einen schier unendlichen Strom Neugieriger und Wissensdurst iger nach dem Restaurant Höck gelenkt hatte, dessen großer Saal bis zum letzten Plätzchen gefüllt war. In wissenschaftlicher Erörterung sollten zwei Weltanschauungen in ihrer Beziehung zur Studentenschaft klargelegt werden: Sozialismus und Nationalismus. Vertreter beider Richtungen wiesen darauf hin, daß es jetzt an der Zeit sei, bajj. auch der akademische Bürger sich eingehend mit diesem Problem beschäftige und insbesondere der Frage näher trete, die heute unser wirtschaftliches wie kulturelles Leben bewege, der Frage des Sozialismus. In begeisterten Worten, die ihres jugendfrischen Schwunges wegen auch von Vertretern der nationalen Studentenschaft durch Beifall ausgezeichnet wurden, hat ein Kandidat der Theologie, Herr K ö st e r, der großen Corona, die außer Studenten auch Vertreter verschiedener Berufsstände in großer Zahl, ja sogar einige Frauen, vereinte, den Sozialismus als das künftige politische Ideal der deutschen akademischen Jugend angepriesen. Im Gegensätze zu den beiden anderen Referenten, die sich den Anschein gaben, ihre Thesen auch wirklich wissenschaftlich zu erörtern, appellierte Cand. theol. Köster von Anbeginn feiner Rede an das Gefühl, an die Empfänglichkeit unserer deutschen Jugend für große, Phantasie und Mitempfinden anregende Gedanken.
Gerade der Eindruck dieser glänzenden, allerdings auch von mancherlei Phrasenwerk erfüllten
Marburg
Mittwoch. 20. Februar 1907.
^Nachdruck verketten.) Schatten.
Roman von ». v. d. Lancken.
(Fortsetzung).
führung des deutschen Reichsgedankens. Die I sozialdemokratische Bewegung, wie man an» I besten unverhüllt Bestrebungen der radikalen I Arbeiterfreunde bezeichnet, aber ermangelt trotz I all' der phantastischen Nebelbilder, welche uns I phantasievolle Führer der „Genossen" vor- I zaubern, dieses festen Zieles, das, wenn auch nur I 'n einigermaßen absehbarer Zeit, erreichbar er- I scheint. „Wi r werden mit Versprechungen ge- I Ä“ roie der Dichter sagt, und neidische I Wünsche werden fortgesetzt erregt, deren Erfül- I iung wir ebensowenig, wie unsere Söhne und I Enkel erleben werden, wodurch wiederum bei I den Nichtbesitzenden die quälende Unzufrieden- I beit gesteigert wird. Der Traum vom schönen I sozialistischen Zukunftsstaat kann ja nie Wirk- I lichkeit werden; denn er gleitet über unabänder- I liche Erscheinungen des menschlichen Daseins I hinweg und läßt vor allem die individuelle Ver- I schiedenheit der Menschen nach Körperbeschaffen- I heit, geistiger Begabung und Charakter außer I Acht, wodurch bis in alle Zukunft soziale Gegen- I sätze hervorgerufen werden müssen.
I Trotz aller Bestrebungen die diesen lieber« rumpelungsversuchen des Studententums, wie wir das gestrige Vorgehen der beiden Vertreter der marxistischen Weltanschauung bezeichnen möchten, jedenfalls folgen werden, um die akademische Jugend, die begeisterte Hüterin des nationalen Gedankens, ins sozialdemokratische La- ger hinüberzuziehen, glauben wir aber, daß die I deutschen Studenten sich und ihrem Vaterland« treu bleiben werden, ohne sich von wortgewalti- gen „Genossen" die Köpfe verdrehen zu lassen. Auch von vaterländischer Seite aber kann den akademischen Bürgern der Rat erteilt werden, sich streng wissenschaftlich — nicht in fruchtlosen Wortgefechten in öffentlichen Versami-.^ - mit der sozialen Frage zu beschäftigen, um igre“ Kenntnisse zu vertiefen und befähigt zu sein, auf Grund eigener Ueberzeugung Stellung in dieser Angelegenheit zu nehmen!
Nach diesen Darlegungen glauben wir, uns in unserem Referate über die gestrige Versammlung, die von 8 Uhr abends bis gegen 2 Uhr währte, etwas kürzer fassen zu dürfen. Der erste Vortragende, Dr. Michels, bekannte sich, wie schon angedeutet, als Anhänger der marxistischen Weltanschauung und unterzog den „Patriotismus" einer kritischen Würdigung, wobei er, von der Voraussetzung ausgehend, daß „Vaterland" ein historisch wandelbarer Begriff sei, zu dem Schlüsse gelangte, daß der Begriff des Staates, wie des Vaterlandes durchaus unhaltbar sei. Der Korreferent und Vertreter des nationalen Gedankens, Dr. Christlieb, beschränkte sich in seiner von Humor gewürzten Erwiderung lediglich auf die Defensive. Er ekkannte an, daß
lind er liebt mich — und — von Felsen
. Sie stockte, ihr ganzer KöUnd —■"
-gtt bebte. <
„Und," wiederholte Ulrike kalt, „nur weiter —"
„Er war es, der Arwed im Duell tödlich verwundet."
Ein Schrei, kurz, schrill, schmerz- und haßerfüllt zugleich, entfloh Ulrikens Lippen, unb
ihre Hände stießen Gabriele von sich, daß diese taumelnd sich gegen . den Tisch lehnen mußte. Ulrike blieb stehen, die Hände noch gegen sie erhoben, Entsetzen und Abscheu in ihren Mienen.
„Es ist Wahnsinn," sagte sie endlich. „Wahnsinn, — es ist eine Sünde gegen den Toten, eine Unnatur, die sich furchtbar rächen würde, wenn —"
„5>alt ein, Ulrike!" rief jetzt Gabi mit einer Entschlossenheit, die Ulla überraschte, „du wirst anders urteilen, wenn du alles weißt. Leo trifft alle Schuld, nicht Rupert."
„Fluch," rief das leidenschaftliche Mädchen, ihrer Sinne nicht mehr mächtig, aber Gabi stürzte auf sie zu und schloß ihr den Mund mit der Hand, in diesem Moment wurde die Tür geöffnet und Gräfin Natalie stand auf der Schwelle.
„Gabriele, Ulrike, was geht hier vor?"
Ihre majestätische Gewalt zu voller Höhe aufrichtend, ließ sie ihre Augen fragend von einer zur anderen gleitend. Gabi wußte noch nicht, wie sich die Mutter ihrer Liebe zu Rupert gegenüber stellen, aber sie wußte, daß sie sie vor I dem leidenschaftlichen Zorne Ulrikens schützen würde, und nur von dem Gedanken erfüllt, den Geliebten zu verteidigen, flog sie auf die Gräfin zu, warf sich vor ihr nieder unb rief, angstvoll ihre Hänbe erfassend: |
„Mama, Mama, sage du ihr, wie alles ge- I kommen, damit sie ihm nicht flucht, ihm und | mir." I
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Die Thronrede.
Berlin, 19. Februar.
- Sei der Eröffnung des Reichstages verlas der Kaiser folgende Thronrede.
Mit der Erklärung, daß Ich das deutsche Bolt aufgerufen habe zur Entscheidung über den Zwiespalt zwischen de» verbündeten Regierungen und der Mehrheit des vorigen Reichstags, bekundete Ich, daß Zch die Ehre als das höchste Gut der Ration ohne kleinlichen Parteigeift treu und fest gehütet wisse» will. In solcher, alle Bürger. Bauern und Arbeiter einigenden Kraft des Rationalgefühls ruhen des Baterlandes Geschicke wohlgeborgen. Wie Ich alle verfassungsmäßigen Rechte und Be- sugriisse gewissenhaft zu achten gewillt bin, so h'gc Ich zum neuen Reichstag das Vertrauen, daß er es als feine höchste Pfl' ^t erkennt, unsere Stellung unter den Kulturvölkern verständnisvoll unb toteren zu bewähre» und zu befestigen. Die Thronrede kündigt als erste Vorlagen im Etat des Jahres 1907 einen Nachtragskredit für Siidwestafrika an unb den Bahn- bttu Ketmanshop—Kubub und erklärt die schwere, durch die Aufstände in Südwest- und OjMrifa hereingebrochene Krisis für überwunden. In Ostasrika sei der Aufstand völlig unterdrückt. in Südwestafrika ebenfalls bis auf wenige Ueberreste, sodaß eine erhebliche Verminderung ber dortigen Schutztruppe voraussichtlich möglich fein werde. Der Dank des Vaterlandes ist de» Tapferen sicher, die in jahrelangen schweren Kämpfe» den Ruhm der deutschen Waffen hoch- gehalten habe». Die Thronrede kündigt für die Kolonie» einen Ausbau der Verkehrswege, Vereinfachung des Rechnungswesens, Ordnung der BraintenverhLltniffe, Errichtung eines Kolonialamts und Beihilfe» für die schwergeschädigten Ansiedler i» Sudwestafrika an. Der Wahlkampf hat der alles Gute verneinenden Bewegung Halt geboten, dis sich gegen Staat und Gesellschaft richtet. Die verbündete» Negierungen sind entschlossen. das soziale Merk im erhabenen Geiste Äaifer Wilhelms des Große» fortzusetzen. Die Thronrede kündigt eine Vorlage a», durch welche ,ben Bestrafungen wegen Majestätsbeleidigungen gesetzlich engere Grenzen gezogen werden sollen. Die Thronrede fährt dann fort: Die allgemeine
TuS « Frage, die lahrelang ungelöst ihr traurige» Gemüt beschäftigt, hatte nun heute plötzlich ungeahnt die Antwort gefunden, unb biese Ant- ra delt ein Schuldig« für den eigenen Sohu, und wenn ihre Liebe auch tausend Entlastungsgrunde für ihn fand, ihr Gerechtigkeits- e5t n d^' "ad das eben schmerzte sie.
Mochte Rupert auch gefehlt haben, er war durch Sebeia — gekränkt in seinem heiligen •“vtT". gereizt. Nicht verletzte Eitelkeit, - mcht kleinliche Rachsucht hatten ihn jene Worte "'rechen lassen und ihm die Waffe in die Hand --drucks »ein, was er sprach und was er tat, ne .an verwundere, mißachtete Mannesehre gebrachten be,n
neu er erzogen waf," 1«^,^^egrrfteii, in de- als mit dem Bluie des Geg?., anders reinwaschen lübccmute kecklich um die ^rs, der in frivolem »er Verlobten buhlte. Ihr Liebe sei-
Manne bas Liebste geraubt. —— - hatte diesem Sie vergegenwärtigte sich die Er,.. .
Ruperts; bie Art seines Auftretens, seine^Eng 'zu sprechen, hatte sie von Anfang sympathisch A* ,rührt. Sie konnte sich diesem Eindruck auch jetzt' !nicht entziehen, sie würbe nie in ihm den Mann gesucht haben, dessen sie seit langen Jahren nur .Wit Groll gedacht hatte. Jetzt begriff sie auch erst voll unb ganz, wessen Leben er in seinem s„Johann Grothus" geschildert hatte, unb sie er- ischrak! fast vor der Schärfe der Charakteristik, ^mit der er die Mutter des Verlorenen, bie Char- iiotte Höft, mit der er jenen in all seiner Liebenswürdigkeit, seinem Leichtsinn unb seinem -Hebetmut gezeichnet hatte. Er hatte sie damals snoch nicht gekannt, aber seinem dichterischen ,Geist mochte gerade so und nicht anders die Mut- Her dieses Sohnes vorgeschwebt haben, ein Mib,'
ihre Augen ruhten »och i» unheimlichem Feuer lodernd auf der in ihrem Jammer rührenden Mädchengestalt, bie vor bet Gräfin kniete, so bittenb, so hülfesuchenb. Die kraftvolle stolze Frau konnte sich biefem Eindruck nicht verschließen, sie legte ihre große, schöngeformte Hand wie schützend auf Gabis blondes Köpfchen und sagte mit einer Milde im Ton, die ihr sonst fremd war:
„Steh auf, mein Kind, und laß mich mit Ulrike allein."
Sie hob dann selbst das zitternde Mädchen empor und führte es zur Tür. Als sie sich in das Zimmer zurückwandte, stand Ulrike noch ebenso regungslos wie vorher, nur ihre Blicke waren gesenkt unb verbargen der Gräfin, was in diesem Moment in ihrer Seele vorging.
„Du verstehst meine Handlunasweise nicht," sagte Natalie Reuchlin, ,hu wirst sie mißbilligen, wenn ich der Verbindung Felsenbachs mit deiner Schwester nichts in den Weg legen will, wen» er der Mann ist, wie ich bis jetzt ihn kennen gelernt habe."
„Mutter--«
Ulrikens Stimme bebte. — „Du wärest imstande, bie Hanb beiner Tochter dem Mörder Leos zu geben?"
Gräfin Natalies stolz geschwungene Braue» zuckten und über ihr Antlitz ging eine schmerzliche Bewegung.
„Er ist kein Mörder," sagte sie langsam, „er tat nur, was ein Ehrenmann tun mußte — so schwer es ihm ward — ich — kann — Arwed nicht mehr — freisprechen —e
Da Ulrike nichts entgegnete, fuhr sie fort:
„Als ich deines Vaters Gattin wurde, sagte ich mit{ daß es eine heilge Pflicht meines Lebens fei, euch — dir und Gabi — die verlorene Mutter zu ersetzen . Als solche — nur als solche werde ich mich i» erster Linie dieser Frage gegenberstellen, nachdem ich mit Felsenbach gesprochen habe — und dies wird geschehen, sobald wir zurück find.-
r- (Fortsetzung folgt.)
Ulrike stand totenbleich und regungslos, ihre Haltung verriet stolze Unnahbarkeit, der feine Mund, der eben noch das furchtbare Wort her« vorgestoßen, schürzte sich zu einem haßerfüllte» i Lächeln, aber bie Gegenwart Nataliens legte _ auch tütet maßlosen Erregung Zügel an, und
Erscheint wöchentlich sieben tmL
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Marburg, Markt 21. — Telephon 55. <O**V*H»