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und Kirchhain.
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Marburg
Sonnabend 16. Februar 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck rmd Verlag' Jo h. Aug. Koch, UmverfitStr-Bnchdruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 65.
42. Jahrg.
Der neue Reichstag.
Der „Reichsanzeiger" gibt mit Bezugnahme j»uf die im „Reichsgesetzblatt" verkündete Kaiserliche Verordnung vom 4. Februar, durch die der Reichstag auf den 19. Februar einberufen wird, gekannt, daß die Eröffnung an diesem Tage um 11 Uhr vormittags im Weißen Saale des Kö- Mglichen Schlosses stattfindet. Der Kais«' dürfte persönlich die Thronrede verlesen. Am 18. Februar bereits werden im Reichstagsbureau die Legitimationskarten für die Eröffnung ausge- geben und alle sonstigen erforderlichen Mtttei- lungeit gemacht, die namentlich für die neuen Männer des Reichstages von besonderem Werte sein werden. Und dieser neuen Männer sind nicht wenige: denn cs ist ein bemerkenswerter Personenwechsel durch die Wahlen vollzogen. Insbesondere gilt dies von der national- liberalen Partei, von der viele ihrer bewahrten Vertreter nicht wiederkehren. Jedoch behält die nationalliberale Partei in ihren beiden Flügeln nach wie vor eine Reihe erprobter Parlamentarier: Bassermann, Bolz, Dr. Hieber einerseits und andererseits Graf Oriola und Fahr. Heyl zu Herrnsheim, zwischen denen die Herren Dr. Semmler, Hagemann, Held und der gewandte Herr Dr. Paasche ausgleichend vermitteln. In dem Dr. Arning hat die Partei einen guten Kenner der ostafrikanischen Kolonie gewonnen, der sich namentlich durch seine Befürwortung der Besiedelung von Uhehe in kolonialpolitischen Kreisen seit Jahren einen guten Namen erworben hat. Die neugewählten Na- lionalliberalen aus Sachsen sind noch zu wenig bekannt, als daß man ihre nähere Stellung fest bezeichnen könnte. Der Vertreter für Leipzig- Stadt, Dr. Junck, soll aber zu einer starken Betonung linksliberaler Wünsche neigen, und wird für diese Richtung einen starken Gewinn darstellen.
Die freisinnige Volkspartei wird, von Schmidt-Elberfeld abgesehen, ihre sämtlichen Führer wiedersehen: denn sie alle sind ja Führer, die Herren Kaemps, Müller-Meiningen, Dr. Mugda», Traeger und Dr. Wiemer, nicht zu vergessen Herrn Profesior Eickhoff, der nunmehr die Wahl in Lennep-Remscheid angenommen und damit sein Mandat für Mühlhausen-Langensalza niedergelegt hat. Auch die freisinnige Vereinigung besteht aus lauter Generalen ohne Armee: Man denke nur an die Namen Cothei», Mommsen, Dr. Pachnicke und Schrader! Und nun kommt gar noch Herr Friedrich Naumann und wünscht die Führerschaft nicht nur in dieser freisinnigen Vereinigung, sondern in dem ganzen Block der Lincken zu übernehmen!
Bei den Freikonservativen kehrt Abg. v. Tiedemann, der ehemalige Mitarbeiter des Fürsten Bismarck und spätere Regierungspräsident von Bromberg nicht wieder, und schwer
22 (Nachdruck verboten.^
Schatten.
-w Roman von B. v. d. Lancken. v (Fortsetzung).
" ' Die Hand, die das Blatt hielt, sank auf den »Tisch, und die Augen des Mannes richteten sich Ftgrr auf die bunten Arabesken des Teppichs. »Nur wenige Minuten des Ueberlegens bedurfte !<s, um sich über das, was er tun wollte, klar zu -fein.
। Er setzte sich an seinen Schreibtisch und schrieb »mach kurzem Besinnen:
i „Die Vergangenheit ist tot. Der Baronin T. jbegegnete ich vor zwei Tagen zum erstenmale — ein Fremder. R. F.„
s Er überlas die wenigen Zeilen, kouvertierte uns adressierte sie und übergab das Briefchen der Baronin den Flammen, die munter im Ofen flackerten. Als auch das letzte Stückchen davon in Asche zusammen gesunken war, kleidete er sich an und verließ seine Wohnung und fuhr nach Berlin, um selbst das Schreiben zur Beförderung in den Kasten zu werfen. Dann wanderte er planlos die Königgrätzerstraße hinunter, und da er am heutige» Lormittag sich weder zum Arbeiten, noch zu irgend einem anderen ernstlichen Tun aufgelegt fühlte, so kam ihm der Gedanke, während der zwei Stuilden bis zur Mittagszeit das Gewerbemuseum zu besuchen. Ebert speiste gewöhnlich gegen drei Uhr am Dönhofsplatz. Sie hatten sich dort schon oft ohne vorherige Verabredung getroffen, und es war Felsenbachs Absicht, auch heute sozusagen „auf gut Elück" hinzugehen. Er war in einer Stimmung, die bei ihm zu den Seltenheiten gehörte. Das heißt, er tat alles ohne rechtes Zielbewußtsein, da seine Gedanken nach den verschiedensten Richtungen hin angeregt und sein Herz daneben durch Verlangen
bedauert wird im ganzen Reichstage der Verlust des alten Führers dieser Partei werden, des Herrn von Kardorff. Er hat noch am Dienstag in der Sitzung der Steuer- und Wirtschaftsreformer in einem Vortrags über die geradezu unerträglichen Reichsbankzinsen bewiesen, daß er die alte Schlagfertigkeit und Frische des Geistes sich bewahrt hat, und es wird ihm ewig unver- gesien bleiben, wie er einst an dem Tage, da der Reichstag dem Fürsten Bismarck den Geburtstagsgruß versagte, der Mehrheit zürnend zuries: „Ich kann Sie nicht daran hindern, sich gegenüber ganz Europa, der ganzen Welt, vor der Gegenwart und allen Jahrhunderten der Zukunft unsterblich lächerlich zu machen." Sein geschichtliches Verdienst bleibt es, daß er in seiner Schrift „Gegen den Strom" bereits für die Schutzzölle zu einer Zeit eintrat, als das Manchestertum wie ein alles erstickender Nebel noch über Deutschland lagerte. Freilich bleibt auch mit seinem Namen jener unheilvolle Antrag vom Dezember 1902 verknüpft, der in di« Reihen der Anhänger des Schutzes der nationalen Arbeit einen so beklagenswerten Zwiespalt trug und in den späteren Kämpfen um die Gerstenzollinterpellation und vieles andere noch nachzitterte. Heber diese Gegensätze hinweg aber folgt dem scheidenden Führer der Freikonservativen die rückhaltlose Wertschätzung auch seiner damaligen Gegner. Auf dem besonderen Gebiete der Doppelwährung wird das freftonservative Banner weitergetragen vom Abg. Dr. Arendt- Mansfeld, während die landwirtschaftlichen Fragen neben einigen braven Stützen wie den Abgeordneten Nauck und Doercksen, hauptsächlich von dem Abg. Gamp vertreten sein werden, dem nach Gründung zweier Fideikommisse jetzt vom Kaiser der Freiherrentitel verliehen worden ist. Eine Neuwahl ist durch solche Standeserhöhung bekanntlich nicht bedingt.
In den Reihen der Sozialdemokratie wird natürlich große Betrübnis herrschen. Aber ein süßer Trost ist den „Roten" geblieben: der bewährte Dauerredner Arthur Stadthagen kehrt zurück, und der „gebildetste" Wahlkreis von Groß- Berlin, Beeskow-Storkow-Charlottenburg wird nach wie vor durch die berühmte Lungenkraft des Herrn Zubeils vertreten sein.
Die meisten Sitze dürste die Wirtschaft- licheVereinigung gewonnen haben, deren einzelne Gruppen fast durchweg verstärft in den Reichstag wieder einziehen. Sie hat in Herrn Liebermann von Sonnenberg ihren bewährten Agitator und im Amtsgerichtsrat Lattmann eine starke Arbeitskraft sich erhalten. Mit Dr. Karl Böhme, der in Marburg den Nätionalfozialen v. Eerlach verdrängt hat, zieht ein Mann von gründlichem volkswirtschaftlichem Wisien in den Reichstag ein. Bisher bestand die Wirtschaftliche Vereinigung hauptsächlich aus Anhängern des Bundes der Landwirte, und auch in Zukunft
und Sehnsucht nach Gabriele erfüllt war. So schlenderte er denn, auch mehr mit sich selbst beschäftigt als für seine Umgebung interessiert, durch die Säle und hatte es nicht bemerkt, wie schon seit einiger Zeit Prinz Schwarzenstein, seine Gemahlin am Arm und begleitet von seinem Kammerherrn, ihm folgte und ihn lächelnd beobachtete. Als er nun zufällig vor einer alten Staatskarosie aus der Zeit August des Starken Halt macklle, fühlte er einen leichten Schlag auf die Schultern und erstaunt umblickend, sah er sich dem Prinzen und der Baronin gegenüber.
„Verzeihen Sie. Herr von Felsenbach-Führen", sagte Prinz Adolf lächelnd, „wenn wir Sie in Ihren ernsten Betrachtungen oder vielmehr Studien stören. Es wäre mir aber doch gar zu sonderbar vorgekommen, wenn ich Ihnen nicht einmal hätte „Guten Tag" sagen sollen, wo wir so dicht an einander vorbeistreiften."
„Hoheit sind außerordentlich gnädig und ich kann in voller Ehrlichkeit die Versicherung geben, daß ich durchaus nicht zum Studium oder aus irgend einem ernsten Anlasse mich heute hier befinde."
„Wirklich?"
Der Prinz hob scherzhaft drohend Len Finger.
„Wirklich, nein, gnädigster Herr. Ich habe mich im wahrsten Sinne des Wortes hierher verirrt, weil ich durchaus nichts mit dem heutigen Tage anzufangen wußte."
Ueber Isa Tromsaus schönes, durch einen Schleier leicht verhülltes Gesicht huschte ein flüchtiges Erröten, und ihre tiefschwarzen Augen streifte» unter den halbgesenkten Wimpern flüchtig Ruperts Züge.
„Nichts anzufangen? — Haha? — Das ist prächtig, das trifft sich gut," lachte der Prinz, „dann möchte ich Sie für uns mit Beschlag be
wirb sie mindestens in den Grundzügen die wirt,- schaftlichen Anschauungen des Bundes vertreten. Eine wesentliche Verstärkung aber wird diese wirtschaftspolitische Richtung naturgemäß erfahren durch die wiedererfolgte Wahl der Abgg. Dr. Diederich Hahn und des Bundesvorsitzenden Dr. Rösicke-Kaiserslautern. Namentlich bei der bevorstehenden Regelung der für unser Wirtschaftsleben entscheidenden letzten Handelsverträge wird die Mitarbeit dieses ernsten, emsigfleißige» und sachkundigen Wirtschaftspolitikers von hohem Werte sein.
Die Deutsch konservativen sehen mit Bedauern ihre» bewährten Streiter, den Grafen Limburg-Stirum, nicht wiederkehren. Im übrigen wird die um einige Mandate verstärkte Fraktion dasselbe Bild wie früher bieten.
Daß das Zentrum unter keinen Umständen viele Sitze verlieren würde, konnte man sich von vornherein sagen: doch auch der Gewinn an Mandaten, mit dem es wiederkehrt, war eben nur erreichbar durch das nicht genug zu verurteilende Bündnis mit der Sozialdemokratie. Im übrigen ist die Wählerschaft des Zentrums klar begrenzt, während die Sozialdemokratie mindestens selbst in dem Wahne eines unbegrenzten Vorwärtsmaschierens lebte, bis die Wahlen diesen so gründlich zerstört haben. Auch in der Zusammensetzung ist das Zentrum im wesentlichen sich gleich geblieben: vielleicht wird die demokratische Richtung der Zahl nach noch eine gewisse Verstärkung erfahren haben. Andererseits haben die Vorgänge bei der Wahl gezeigt, wie sehr der aristokratische und bäuerliche Flügel der Partei, der auch in Handwerkerfragen bestimmend ist, sich auf seine Aufgaben besinnt. In dieser Beziehung wird es für die Zukunft der Zentrumsvarlei vielleicht von Bedeutung sein, daß Dr. Bachem, der bisherige Vertreter von Krefeld, nicht wiederkehrt, der Herausgeber der „Köln. Volksztg", die man nicht ohne Grund als „Ga- zetta Bachemska" bezeichnet hat. Er war es hauptsächlich, der innerhalb der Partei Forderungen für das Polentum auf Kosten der deutschen Katholiken begünstigte. Woh^n diese Politik geführt hat. beweist die Tatsache, daß selbst der bisherige Reichstagspräsident Graf Balls- strem selbst, dem Anstürme des Polentums weichend, auf eine Wiederwahl verzichtet hat.
Die polnische Fraktion wird neben einer Reihe neuer Männer, die auf Kosten des Zentrums gewählt sind, am meisten aekennzeich- net sein durch die Männer ihrer Heißsporne, Dr. v. Jagdzewski und Wojciech Korfanty.
Deutsches Reich.
— Der Kaiser wird voraussichtlich am 16. April an der silbernen Hochzeit des Fürsten zu Schaumburg-Lippe in Bückeburg teilnshmen. Von Bückeburg will der Kaiser, wie verlautet, auf einige Zeit nach Homburg fahren.
legen. Kommen Sie mit, Herr von Felsenbach, und essen einen Teller Suppe bei uns."
Nichts hätte Rupert unwillkommener sein können als diese Einladung, und er verwünschte heimlich seine Offenheit, sah aber die Ungewöhnlichkeit ein, die so liebenswürdig ausgesprochene Aufforderung abzulehnen; einen letzten derartigen Versuch mit dem Hinweis auf seine einfache Straßentoilette, ließ der Prinz nicht gelten.
„Darüber kein Wort, wir sind ja ganz unter uns." ergänzte Isa die Rede ihres Gemahls, aus einem so rein äußerlichen Grunde dürfen Sie dem Prinzen die Einladung nicht abschlagen."
So blieb ihm kein Ausweg und er schloß sich dem hohen Paare an. Neben dem Kammerherrn, diesem folgend, stieg er mit ihnen die breiten Treppen zu den oberen Räumlichkeiten hinauf, und hier in der Galerie waren es zunächst die kostbaren Points und venetianischen Spitzen, die das Interesse der Baronin erregten. Ihren Arm aus dem ihres Gemahls ziehend, vertiefte sie sich in den Anblick dieser wunderbar schönen, kunstvollen Nadelarbeiten, und wandte sich dabei mit einer Frage an Felsenbach.
„Das lange Stehen greift mich etwas an," bemerkte Prinz Schwarzenstein. „Ich übergebe die Baronin Ihrem Schutz, Herr von Felsenbrch, und werde mich inzwischen auf jener Bank ein Weilchen ausruhen. Kommen Sie, Helmsberg!"
Felsenbach verneigte sich, für die ihm gewordene Ehre dankend, und trat respektvoll an Isas Seite. Diese wandte sich rasch zu ihrem Gemüht und machte Miene, sich ihm anzuschlietzen.
„Du bist sehr gütig, Adolf, erlaube, daß ich mich zu dir setze," sagte sie mit einem holden, bittenden Lächeln.
— Ins Herrenhaus berufen wurde der Oberbürgermeister der Stadt Essen, Geh. Reg.-Rat Wilhelm Holle, auf Präsentation dieser Stadt an Stelle des verstorbenen Oberbürgermeisters Zweigert.
— Der preußische Finanzminister hat die iit den Brau st euer - Ausführungsbe- stimmungen getroffene Anordnung, nach bet das Hauptamt, abgesehen von der in § 69 behandelten Abfindung kleinerer Brauereien, zur Anordnung von Abfindungen und zur Festsetzung der Abfindungssummen der Genehmigung der Direktivbehörde bedarf, auf-, gehoben.
— Die Hauptaufgabe des neuen Reichstages. Die erste größere Debatte des neuen Reichstages wird voraussichtlich die Reichsfinanzen betreffen. Der Reichshaushaltetat für 1907 wird in der Gestalt, wie er an den alten Reichstag gelangt war, wieder vorgelegt werden und da die technischen Vorbereitungen bereits dem Ende zugeführt sind, so ist es sicher, daß die Einbringung sofort nach dem Zusammentritt des Reichstages erfolgen wird. Wie gewöhnlich, wird die Generaldebatte über den Etat durch eine Rede dos Staatssekretärs des Reichsschatzamts eingeleitel werden, in der dieser sich über das zuletzt abge- schlosiene, über das laufende und über das nächste Finanziahr äußern wird. Besonderes Interests beansprucht dabei regelmäßig die Aus- lasiunq des an der Spitze des Reichsschatzamts stehenden Beamten über die voraussichtliche Gestaltung der Finanzen des laufenden Jahres. Den Abschluß für 1905 kennt man aus den bereits Ende August vorigen Jahres veröffentlichten Zahlen, die Auffassung der verbündeten Regierungen über die finanzielle Gestaltung des Jabres 1907 sieht man aus dem voraelegten Etat, über die Verhältnisie des Jahres 1906 ist man aber nur durch die monatlich veröffentlichten Nachweise über die Ergebnisse einzelner Ein- nahmeauelten lückenhaft unterrichtet, der Reichsschatzsekretär allein kann in umfassender und genügender Weise die finanzielle Entwicklung des laufenden Finanzjahres abschätzen. Die Schatzung wird nun diesmal besonders wertvoll sein, weil, wohl zum ersten Male, dem Schatzsekretär dazu die tatsächlichen Ergebnisie von neun, viel« leicht gar zehn Monaten als Unterlage zur Verfügung stehen. Gewöhnlich wird der Etat Anfang Dezember in der ersten Lesung beraten. Dann hat der Schatzsekretür eine Uebersicht über die finanziellen Ergebnisse von 7 Monaten. Vor ein paar Jahren fiel die erste Lesung tn den Anfang Januar, wo der Schahsekretär bereits mit der tatsächlichsten finanziellen Entwicklung von 8 Monaten vertraut war, jetzt sind ihm sicherlich 9, vielleicht sogar schon 10 Monate In ihren Ergebnissen bekannt, er wird denn auch noch weit bester als in früheren Jahren den Abschluß für das laufende Finanzjahr schätzen und damit auch den Etatsberatungen selbst eine bessere Unterlage als sonst bieten können. Dm Finanzen bilden das Rückgrat des Staates, und der neue Reichstag kann gar nicht genug daran gemahnt werden, daß er ihnen mehr Interests, als verschiedener seiner Vorgänger entgegen-
Prinz Schwarzenstein hob leise abwehrend die Hand. _ .
Bleib, Isa, ich bin kein Tyrann und wer sich mit der Jugend umgeben will, muß ihr auch Konzessionen machen. Beschau dir ruhig dctn« Spitzen — hoffentlich werden dadurch nicht allzu große Wünsche in dir rege," setzte er scherzend $in|us die Herren sich bereits mehrere Schritte entfernt hatten, standen Felsenbach und dm schöne Frau ,toch immer stumm, ohne auch nur einen Blick zu wechseln, oder eine Bewegung zu machen, neben einander.
„Welch Zusammentreffen!" sagte Isa Trom- sau endlich leise.
Felsenbach antwortete nichts, er strich über seinen Bart und blickte gerade aus auf die Spitzen. Isas feine Nasenflügel zuckten
„Haben Sie meinen Brief erhalten? fragte sie mit vibrierender Stimme.
„Vor ungefähr drei Stunden.
„Und bereits beantwortet?"
„Ja!"
Sie trat ihm einen Schritt näher und sich anscheinend mit den kostbaren Points beschäftigend, fragte sie, mühsam ihre Erregung kämpfend:
„Freund oder Feind?"
„Keins von beiden," sagte er, sie ruhig ansehend. „Ich habe die Baronin Tromsau erst vor wenigen Tagen kennen gelernt, ich bin ihr ein Fremder —"
Ein halbunterdrücktee „Ha!" kam, zwischen den Zähnen hervorgestoßen, zischend über ihre Lippen, und sekundenlang wechselten Röte und Bläste auf ihrem Eesicht. Felsenbach schien cs nicht zu bemerken.
„Sie hassen unversöhnlich — ich hätte es den« ken können," flüsterte sie.
sFortsetzung folgt.)