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mit dem Kreisblatt für die Kneife Marburg und
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Marburg
Freitag, 15. Februar 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Ang. Koch, UmverfitätS-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
42. Jahrg.
Der Kamps gegen to englische Oberhaus.
Das höchste Staatsorgan im britischen Reiche, »ausgestattet mit einer rechtlich unbeschränkten .Machtfiille, ist das Parlament in London. !Es ist die Verkörperung der Herrschaftsgewalt 'des Reiches.
* Das Parlament zu Westminster setzt sich be- ckanntlich aus dem Oberhaus und dem Unterhaus zusammen. Im Laufe der verfassungsge- schichtlichcn Entwickluirg bildete sich allmählich >das politische und rechtliche Uebergewicht des Unterhauses, namentlich auf finaitziellem Gebiete, heraus, so wie es heute besteht, aber trotz- dein ist der Einfluß des Oberhauses auf den 'Gang und die Gestaltung des staatlichen Lebens nicht gering anzuschlagen. Das Oberhaus, oder «Haus der Lords, setzt sich aus etwa 500 Mitgliedern zusammen, die teils erblich von der Krone ernannt sind, teils , von dem schottischen und irischen Adel gewählt werden. Außerdem »kommt noch eine Anzahl hoher kirchlicher Würdenträger und Staatsbeamten hinzu. Das Ober- ,haus ist auf Grund der historischen Rechtsent- ' Wicklung der höchste britische Gerichtshof als Berufungsinstanz, und ferner zuständig zur Ab.urteilung der Pairs, sowie der Minister und höheren Staatsbeamten wegen Verfassungsverletzung und anderer Vergehen gegen den Staat. Das Oberhaus besitzt gleich wie das Unterhaus ein unbeschränktes Initiativrecht, 'nur bei Finanzgesetzen nicht, die es in der Form, wie sic vom Unterhaus angenommen sind, entweder gleichfalls annehmen muß, oder unverändert zurückweisen kann. Das Zustandekommen der Gesetze beruht auf der Willensübereinstim- 'mung des Oberhauses und des Unterhauses.
Naturgemäß verkörpert das Oberhaus wie -alle erste Kammern das konservative Element, und ist als Hemmschuh gedacht gegen den oft iallzu schnellen Fortschritt eines radikalen Unter» thauses. Das lange Zeit leidliche Verhältnis zwischen dem Hause der Lords und bett Gemeinen ] !hat in der letzten Zeit eine starke Trübung erfahren, seitdem die Lords dem liberalen Kabinett Campbell-Vannermann Opposition zu Machen begonnen haben. Das Volksschulgesetz, won dem zu Ende des vorigen Jahres so viel die plebc war, ist von betn Oberhaus abgelehnt wor- !den, obgleich bas Kabinett sehr daran hielt und 8>ie Ablehnung als persönliche Demütigung empfand. Ebenso wurde eine Vorlage, die die Ab- jschafsung des Pluralstimmrechts forderte, abge- I Lehnt. Für die jetzt eröffnete neue Session I pst eine Homc-Rule-Bill angekündigt, ferner ein I Temperenzgesetz, und beide Vorlagen der libe- I jralen Regierung werden im Oberhause auf Wi- I jderstand stoßen. Infolgedessen herrscht unter den I
bl t Nachdruck verboten.)
Schatten»
Roman von B. v. d. Lancken.
(Fortsetzung).
; - ..Nach der ihm angetanen Beschimpfung tau- Melte der Prinz wie vom Schlage getroffen ein spaar Schritte zurück, ttnb was geschehen wäre, wenn sich nicht die beiden Offiziere schlichtend, ;UM Aufsehen zu vermeiden, ins Mittel gelegt chatten, ich weiß es nicht. Meine erste heftige Aufwallung war vorüber, der Prinz faßte gewaltsam, man ließ uns allein. Die wenigen ierklärenden Worte, die wir wechselten, Seberas ^übermütiges, herausforderndes Wesen, alles das llrug nicht dazu bet, meine Meinung über ihn zu wefsern. Ich verließ sofort beit Ball, ohne meine .Braut noch einmal aufzusuchen oder ihr selbst ■ein erklärendes Wort zu sagen. Ein Freund, wer mit auch als Sekundant am folgenden Mor- >gen zur Seite stehen wollte, hatte ihr und ihrer Mutter nur mitgeteilt ich sei gezwungen, das ;Fest plötzlich zu verlassen, über die Gründe piirbe sie morgen nähere Mitteilung erhalten. Er sagte mir später, sie sei erbleicht und keiner .Entgegnung, keiner Frage mächtig gewesen.
„Ich verbrachte die Nacht, die meine letzte ssein konnte mit dem Ordnen meiner persönlichen Angelegenheiten, so weit dies in so kurzer Zeit Möglich, schrieb einige notwendige Briefe und suchte gegen 4 Uhr mein Lager auf, wo ich vor Ermattung, wie sie großen Seelenqualen zu folgen pflegen, bald einschlief. Im Laufe des näch- ssten Vormittags wurde» alle die einem Duell svorausgehendcn Formalitäten erledigt, und riachmittags um 2 Uhr standen Ihr Stiefbruder stind ich uns mit der Pistole in der Hand gegenüber. Aus seinen Augen leuchtete heißer, unver- Mihnlicher Haß.
’ „Er zielte — und wollte treffen, um zu töten, pci es nun, daß die Erregung seins Hand nn-
Liberalen eine große Mißstimmung gegen die konservativen Lords des Oberhauses, und man denkt allen Ernstes daran, einen Kampf gegen die Pairskammer zu eröffnen, der mit der Verminderung ihrer verfassungsrechtlichen Befugnisse enden soll. Die in den letzten Tagen be- I könnt gewordenen Erklärungen der führenden liberalen Rsgierungskammer lassen keinen Zweifel, daß man vor allem dem Oberhaus das Recht der Zurückweisung von Eesetzesvor« lagen beschneiden will.
Verfassungsänderungen sind an sich in England nicht schwierig. Die englische Ver- I fassung ist nicht in einer Urkunde zusammenge. faßt, zwar nach Traditionen und Gewohnheitsrecht eng begrenzt, aber nicht starres Recht, sondern biegsam und wandlungsfähig, wie es den Forderungen der Zeit entspricht. Ein gewöhnliches, in den üblichen Formen erlaffenes Gesetz des Parlaments genügt dazu. Voraussetzung ist also auch hier der übereinstimmende Wille von Unterhaus und Oberhaus. Wie gemeldet wurde, beabsichtige die Regierung dem neu zusammengetretenen Unterhaus eine Resolution vorzulegen, die das Ablehnnngsrecht des Oberhauses dahin beschränkt, daß es nur für eine einzelne Parlamentssession oder auf höchstens sechs Monate Gültigkeit haben soll. Die Annahme dieser Resolution wird für das liberale Kabinett nur einen moralischen Erfolg bedeuten, der aber praktisch keine Folgen hätte. Sollte die Resolution sich zum Gesetz verdichten, so müßte dieses doch auch im Oberhause Annahme finden, ehe es gütiger Parlamentsatt wird.
Die englische konstitutionellePraxis kennt überhaupt nur einen Weg, im den Willen der Regierung und des Unterhauses in strittigen Fällen gegen die Lords des Oberhauses zur Geltung zu bringen. Ergeben die nach der Auflösung des Unterhauses erfolgten Neuwahlen wieder eine Mehrheit für das Kabinett, das die strittige Vorlage vertreten hat, so muß die Krone ihre Autorität bei den Lords zugunsten der Gesetzesvorlage geltend machen, oder durch einen Pairssthub im Oberhause die nötige Mehrheit schaffen, damtt der Wille des Unterhauses, hinter dem die Volksmehrheit steht, auf verfassungsmäßigem Wege zustande kommen kann. So leicht, wie man es sich vielleicht dentt, ist also der Kamps der Liberalen gegen das Oberhaus j nicht. An eine Beseitigung des Oberhauses dentt ! natürlich in England niemand. Der Engländer, sei er konservativ oder liberal, besitzt eine viel zu hohe politische Einsicht, und hegt viel zu große Achtung vor den staatlichen Institutionen, die den Grundpfeiler der Staatsordnung bilden, als daß er derartige, das öffentliche Leben von Erund aus revolutionierende Verfasiungsände- rungen gut hieße. Nun ist es ja möglich, dem Oberhause auf andere Art beizukommen. Die
ruhig fein ließ, ich weiß es nicht — der Schuß ging nicht, wie er es gewollt, in das Herz, son- dern etwas tiefer seitwärts in die Rippen und streifte die linke Lungenspitze. Die Kugel, die ich entsandte, traf die Brust meines Gegners. Ich wollte ihn nicht töten. Die Verwundung mußte aber doch sehr schwer sein, denn als ich genesen, erfuhr ich, daß er derselben erlegen war. Auch ich rang viele Wochen mit dem Tode — endlich siegte meine Jugendkraft. Als ich zum erstenmale zum klaren Bewußtsein kam, war der Fasching mit seinem bunten Trubel längst vorüber und in mein Krankenzimmer schien eine freundliche Apriksonnc. Die Genesung schritt nur langsam vorwärts. Ich freute mich nicht des wiedergewonnenen Lebens. Die Enttäuschung, die ich erfahren war zu schmerü^ und tief, ergreifend, und es bedurfte mehrere Jahre, ehe ich allmählich überwinden lernte."
Gabriele weinte bitterlich. Rupert wagte sie nicht zu stören, sie mußte das Gehörte erst in sich verarbeiten, die ernste schwere Wahrheit erst begreifen lernen. Endlich war sie es, die das Schweigen brach. Ihre Augen trocknend, wandte sie Felfenbach ihr erhitztes Gesichtchen zu und sagte:
„Herr von Felsenbach, es ist ein schweres, furchtbares Verhängnis, daß alles so kommen mußte; aber Sie — konnten nicht anders handeln. Arwed war der Schuldige!"
„Gabriele," es Nang wie ein unterdrückter Jubel in seinen Worten, „Gabriele, Sie sprechen mich frei — Sie können mir vergeben — können mich verstehen? — Und nicht allein um der Liebe willen?"
„Nicht nur die Liebe spricht Sie frei, Rupert — nein, auch mein Gewissen," sagte sie fest.
Er kniete an ihrer Seite, lehnte sein Haupt an ihre Schulter und umfing die zarte Gestalt mit beiden Armen.
„Und du könntest mein sein, Gabi, trotz alledem? Sieh, es ist nicht die erste glühende Liebe,
I Regierung brauchte nur die Schulvorlage als Finanzgesetz umzugestalten und einzubringen, dann fehlte dem Oberhaus die Handhabe, weil es teilte budgetrechtlichen Befugnisse hat. Kon- flitte ähnlicher Art bestanden schon mehrfach zwischen den beiden Häusern des Parlaments, I und stets gelang es dem vermittelnden I Einfluß der Krone — der paramount I power — einen Ausgleich herbeizuführen. So I wird es auch diesmal kommen, zumal König I Eduard, der sich als Politiker auf international I lern Gebiet hervorragend bewährt hat, auch auf I die innere Politik seines Landes bestimmend ein- I zuwirken imstande fein. Dr. D.-B.
Preußischer Landtag.
* Berlin, 14. Febr.
Das Abgeordnetenhaus begann am Mittwoch die zweite Lesung des Forst- etats. Bei den Einnahmen führte eine Petition des Berliner deutsch-konservativen Wahlvereins zu einer lebhaften Besprechung über die Veräußerung und Vernichtung von Wäldern in der Nähe von Großstädten. Während die Abgg. F i s ch b e ck und Müller- Berlin (frs. Vpt.) dem Forstfiskus zum Vorwurf machten, daß er den Grünewald der Stadt Berlin nicht kostenfrei zur Verfügung stelle, verwies Ober- landesforstmeister W e f e n e t auf die Beispiele anderer preußischer und außerdeutscher Großstädte, die für den Erwerb nahegelegener Wälder große Summen aufgewendet haben. Die Forst- verwaltung müsse das Recht haben, einzelne Teile auch des Erunewaldes zu verkaufen, um Geld zur Aufforstung von Oedländereien zu bekommen. Abg. von Pappenheim (tonf.) erkannte an, daß sich die Staatsregierung in dieser Frage korrekt verhalten habe. In der Erörterung trat noch Abg. Hammer (kons.) den fteisinnigen Rednern mit großem Geschick entgegen. Bei Besprechung der „dauernden Ausgaben" drehten sich die Erörterungen im wesentlichen um Beamtenwiinfche. D en Höhepunkt dieser Besprechung bildete eine Rede des Abg. Dr. von Heydebrand (tonf.), der sich folgendermaßen äußerte:
Meine Freunde sind gern bereit, für die in diesem Etat vorgesehene Besserstellung von Beamten zu stimmen. Wir verkennen nicht, daß auch hier eine ganze Reihe von berechtigten Wünschen noch nicht erfüllt sind. Wir hoffen aber, die nächsten Etats werden weitere Verbesserungen bringen. Bei dieser Gelegenheit ein Wort über die Wünsche der Beamten auf eine allgemeine Neuregulierung der Gehälter. Meine Freunde haben sich bisher hier einer gewißen Zurückhaltung befleißigt, nicht deshalb, weil wir
! die ich dir darbringe, es ist die Liebe eines Mannes, über dessen Herz bereits der Sonnenschein des Glückes, die Stürme der Leidenschaft und düstere Stunden des Kummers dahingezogen sind, das ich aber trotzdem dir, du Süße, ohne Vorwurf bieten kann, denn nichts Unedles und Schlechtes hat je darin gelebt. Nicht jetzt, nicht gleich verlange ich deine bindende Entscheidung. Du herziges Kind kannst und sollst nicht plötzlich einen so ernsten Entschluß fassen; aber bald — Gabi — nicht wahr, bald! — Da dein Gewissen mich freispricht, und dein Herz mich liebt, können die Kämpfe, die kommen, ja nur äußerlich fein, und in diesen, glaube ich, wird selbst meine kleine Gabi stark sein."
Sie erbebte leise in seligem Schauer in feinen Armen und ihre Augen fanden sich in einem langen, langen Blick.
„Gabi," fliifterte der Mann, sie enger an sich preßend, „Gabi, sage mir das Wort, das ich ersehne, wie nichts in der weiten Welt —- sage, daß du mich liebst."
„Rupett — ich liebe dich!"
Am nächsten Mittag erhielt Felsenbach ein Brreschen.
„Mein teurer Rupert!
Wir fahren auf drei Tage nach Priebisdorf Ich gebe dir Nachricht, wenn wir zuriickg^ehrt sind, damit du der Mutter alles sagen kannst. Fürchte nichts. Liebster — ich bin fest und werde es stets fein
Deins treue Gabriele."
Felsenbach küßte die zierlichen, fast noch kindlich entwickelten Schriftzüge und legte den Brief in sein Portefeuille. Dann ergriff et nach einem anderen, der auch mit der Vormittagspost gekommen war, und beim Anblick desselben breitete sich ein finsterer, fast feindseliger Ausdruck über fein Antlitz. Unentschlossen hielt er das Kouvert in der Hand. Sollte er es öffnen? Sollte er es jineröffnet zurücksenden? Er warf es auf den
diese Wünsche nicht kannten ober nicht für berechtigt hielten, sondern weil eine große ausschlaggebende Partei hier zunächst Zurückhaltung üben muß. Jetzt aber muffen wir sagen: Gr können die Dinge nicht weiter bleiben. (Sehl wahr!) Seit der letzten Erhöhung der Beamtengehälter sind 10 Jahre vergangen. Da muß jetzt eine organische Befferstellung sämtlicher Staatsbeamten in die Wege geleitet werden. (Lebh, Zustimmung). Es fragt sich nur, in welcher Form. Wir meinen, der Anstoß muß gegeben werden durch eine Vorlage der Staatsregierung. (Zustimmung rechts.) Wir selbst können ja die Verhältnisse nicht fo übersehen; bekommen wir aber eine solche Vorlage, dann haben wir sofort die geeignete Unterlage. Weiß ober die Regierung, daß wir diese Beamtenwünsche für dringend berechtigt halten, so wüßte ich nicht, warum sie nicht mit einer solchen Vorlage kommen sollte. Wir find stolz auf unsere Beamten. Wollen wir sie aber so tüchtig, so gewisseuhast und so rein erhalten, so dürfen wir nicht versagen, wenn die Verhältnisse eine Besserstellung der Beamten fordern. Die Erfüllung der berechtigten Beamtenwünsche liegt im Interesse des Staates wie der Beamten." (Lebh. allseitige» Beifall).
Die Abgg. Kaute (Ztr.), Schröder- Cassel (natl.), Frhr. von Wolfs- Metternich (Ztr.) u. a. begrüßen die Ausführungen des Dr. von Heydebrand und befürworten Wünsche einzelner Forstbeamtengruppen. Schließlich er« widerte
Oberlandesforstmeister Wesener: Für die Waldwärter ist eine Gehaltserhöhung in Aussicht genommen. Freilich ist diese Teamtenklasse auf den Aussterbeetat gestellt. Was die Dienst« länderei betrifft, so kann man nicht sagen, daß Dienstland immer nur mit Nachteil zu bewirtschaften ist. Zur Eingatterung der Dienstländerei wird den Beamten Holz zur Verfügung gestellt.
Der Rest des Etats wurde nach längerer Debatte bewilligt.
Donnerstag 11 Uhr: Domänenetat.
Deutsches Reich.
— Kaiserliche Anerkennung. Wie aus Berlin berichtet wird, hat der Kaiser auf dem Hofballe am letzten Dienstag dem Präsidenten des Flottenvereins, dem Fürsten Salm gegenüber geäußert: „Mein lieber Fürst, die Wah, len sind ja vorzüglich ausgefallen, und ichfreue mich, daß Ihr Flotten« verein seine Sache so prächtig gemacht ha t." ;
— Der Kaiser empfing am Dienstag eine Abordnung hervorragender Mitglieder des schlesischen und rheinländisch-westfälischen Vereint
Tisch, setzte sich tiefatmend auf die Chaiselongue verschränkte die Arme unter dem Kopfe uni starrte mit weitgeöffneten Augen zur Zimmerdecke empor. Wie mit einem Zauberbann, gegen den er sich nicht verwehren konnte, nahmen ih« die Erinnerungen einer längst vergangenen Zeil gefangen; bunten, glänzenden Traumbildern gleich, gaukelten sie durch seine Phantasie, und sinnbetörend schwebte vor seinem geistigen Auge das Bild einer Frau von dämonisch verlockender Schönheit. Er schloß die Lider, als wollte e? durch nichts von diesem Bilde abgelentt werden — und minutenlang verharrte er regungslos in dieser Stellung. Die Gegenwart war ausgelöscht, und was die Vergangenheit ihm an schönem, begehrenswertem Glück gebracht, stand greifbar klar vor seiner Seele. Aber die Erinnerung führte ihn weiter — sie wechselte, und ernster' zuletzt kalt und abweisend wurde der Ausdruck auf dem Gesicht Felsenbachs; häßlich, gualvoll mußte es sein, was jetzt seine Gedanken bewegte, denn jählings fuhr er mit feinet Hand nach der Brust, wo er Gabrielens Brief verbarg, riß die Augen auf und sprang empor.
„Gottlob, es ist alles vorüber und vergangen." Ein reines Glück wird in dem neuen Leben mein fein. Gabriele, mein süßes Mädchen."
Und als ob er sich in dem Gedanken an dir Geliebte stark und gegen alle Verlockungen gefeit fühlte, griff er rasch entschlossen nach dem vorher zurückgeschleuderten Brief und Öffnete ihn. Er enthielt nichts als die Worte:
„Der Prinz ahnt nichts — meine Ehre, meine Zukunft liegen in Ihrer Hand. Freund oder Feind? Ihre Antwort erbitte postlagernd unter der angegebenen Chiffre. Dies mag Ihnen kindisch erscheinen, ist aber der einzige Weg, aus dem Ihre Zeilen sicher und unauffällig in meine Hände gelangen. I. T.
Es folgten die Buchstaben und das Postamt. f (^orlfetzung folgt.)