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Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Iah. Ang. Koch, UntversttätS-Buchdruckerei 42.

Marburg, Markt 21. Telephon 65.

mit dem Kreis-latt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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Vierteljährlicher BezugSprei»: bet der ExpÄition 2 Mk., (!!>.**»<****».*

HA OO bei allen Postämtern 2,25 M. ^exct. Bestellgeld). JV(UlvUrfl

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Reclamen: die Zeile 80 Pfg. Ti)NNeMll(s. 14. ftCDrUflt 1907.

Zweites Blatt.

Soldatenbriefe aus Südwestafrika.

(Schluß)'

Die Kalahari-Wüste ist nicht so wüst, wie man gewöhnlich annimmt, sondern nur uns Weitzen unbekannt. Daher können wir den Hottentotten nicht weit folgen. Denkt Euch eine ungeheure, unendliche, leichter und stärker ge­wellte Fläche,' am größten hat diese Aehnlichkeit mit dem Meer, wenn ein Sturm ist; lauter Sandwellen, bis 50 Meter hoch und noch höher, lis 100 Meter. Ueberall steht meterhohes Gras, Sträucher und niedrige Bäume, alles dornenartig. Große Mengen wilde Kürbisse und Gurken wachsen überall. Diese Früchte sind sehr zweckmäßig für diese Wüste, denn sie sind so wasserhaltig, daß man damit Hunger und Durst stillen kann. Es gibt auch einige uns bekannte Wasserstellen. Dann ist die Tierwelt sehr zahl­reich vertreten. Alle Sorten, von der Maus bis zum Kudu und Zebra; Erdeichhörnchen, Ha­fen, Erdschweine, Steinböcke so groß wie unsere Rehe, auch solche Farbe Springböcke, eselgroß, große Antilopen, Eemsböcke, Spietz- böcke, Hartebeester, Wildebeester, Kudus, letztere so groß wie Rinder, Zebras, wilde Esel, verwil­derte Pferde, Löwen und Panther. Am meisten gibt es Eidechsen und Schlangen in allen Größen und Farben. Ich habe schon eine ganze Menge ron diesem Eeziicht totgeschlagen. Vögel gibt es so viel, daß es unmöglich wäre, sich eine Zahl zu denken, Milliarden über Milliarden, Strauße, Adler. Geier, Trappen, größer als Gänse, usw.

Wir haben jetzt den Rand der Kalahari- Wuste besetzt und lassen die Hottentotten nicht mehr heraus. Die Regenzeit ist jetzt vorbei, und das in Menge vorhandene Wasser verdunstet wieder rasch. Wir kommen jetzt nämlich in die trockene, kalte Zeit, den südlichen afrikanischen Winter. Es ist kaum glaublich, was für eine Kälte hier ist. In der Nacht friert sogar das Wasser. Die Sonne steht mittags so steil, wie bei uns in Deutschland im Hochsommer und trotzdem friert man im gefütterten Mantel mit­tags. Tag urld Nacht kein Wölkchen am Him- tnel. Die Sterne leuchten so klar, daß es ziem­lich hell ist. In der Nacht überhaupt ist die Luft so klar, daß man ungeheure Strecken weit sehen kann. Berge, die 150 Kilometer weit sind, kann man mit bloßem Auge erkennen. Wir Müssen das Wasser stundenweit holen auf Trag­eseln und Blechkannen; es ist so knapp, daß es zkaum zum Essen und Trinken ausreicht. Wenn Man sich alle 14 Tage wäscht, ist das sehr oft. Wir sehen schon meistens so aus wie die Hotten- ftotten, ganz verbrannt und dreckig im Gesicht, 'gelblich-braun. Aber das macht nichts. Haupt­sache ist, das wir genug zu essen und zu trinken haben und gesund sind. Ja, das Klima ist trotzdem mir sehr zuträglich, denn ich bin gerade s« dick wie in Deutschland."

In einem Soldatenbrief, den dieTägliche Rundschau" vom 8. April 1906 mtttetlt, heißt es voll Begeisterung:

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20 . (Nachdruck verboten.).

Schatten.

Roman von B. v. d. Lancken. (Fortsetzung).

Ein mühsam unterdrücktes zitterndes Auf- sstöhnen entrang sich Gabis Lippen, ihr Kopf sank «langsam hintenüber an die Wand, tiefe Blässe lüberzog das holde Antlitz, während ihrs herr­lichen blauen Augen sich mit dem Ausdruck tief­sten Wehes auf Rupert richteten, der ihr noch ;immer regungslos gegenüderfatz und ihr noch (immer die kleine, jetzt eiskalte Hand in der fei­nen hielt und dessen Blicke beredter als vor kur- izem sein Mund ihr seine tiefen, leidenschaftlichen 'Gefühle verrieten.

Also doch," flüsterte sie,also doch! Meine trüben Ahnungen noch übertroffen durch die Wahrheit. Nicht ein Verwandter jenes Mannes Sie selbst Sie selbst!"

Ein leises Geräusch ließ beide nach der Tür schauen das Brautpaar hatte das Zimmer verlassen, sie waren allein. Die Wahrnehmung bestimmte Rupert, sich zu erheben und an Gabis Seite zu treten. Als er sich ihr näherte, schlug iste die Hände vors Gesicht und wandte den Kopf Sur Seite; sofort hemmte et seinen Schritt.

-Gräfin, fürchten Sie sich vor mit? Hat mein Bekenntnis hingereicht, die Liebe zu mir in Ab­scheu und Entsetzen zu verwandeln? Heißen Sie mich gehen und verdammen sie mich, ohne mich weiter hören zu wollen?"

Unaussprechlich waren die Empfindungen, swelche Gabis Herz bestürmten. Ruperts Worte Hatte» mit einem Schlage ihr ganzes Leben ver- iändert, hatten tief und gewaltig in ihr Sein tzingegriffen, stellten sie vor die furchtbare Wahl, ckhrem Gewissen oder ihrer Liebe zu folgen »nd wer würde ihr da raten und helfen? Es

Nun will ich mal mein Denken über Afrika aussprechen. Wenn ich Euch schreibe, wie es hier zugeht, da denkt Ihr immer, daß es so sehr schlecht ist in Afrika, aber wenn man es von der anderen Seite betrachtet, so ist es wunderschön. Wenn man auf einem guten Pferde so über die Ebene hinfliegt oder in die Berge kommt, wo sich wundervolle Schluchten dem Auge dar­bieten (nur daß in solchen Schluchten gar zu oft das Verderben lauert!), oder wenn man zum Beispiel auf einem Berge zur Nacht Posten steht, über sich den afrikanischen Himmel in seiner Sternenpracht und den hellleuchtenden Mond, unter sich am Fuße des Berges blickt man auf die ruhenden Kameraden. Solch ein Anblick hebt einen über die Wirklichkeit hinweg und versetzt uns ins Märchenland."

Dann geben wir zwei Geistlichen das Wort, die als Feldprediger in Südwestafrika tätig waren, der evangelische Pfarrer Schmidt und der katholische Pater Ziegenfuß. Der Erstge­nannte erzählt die folgenden ergreifenden Er­lebnisse aus dem furchtbaren Kampf am Aub- Rioier (1. bis 4. Januar 1905):

Der Major mit dem Schuß in den Unter­leib liegt hier und leidet entsetzliche Qualen auch vor Durst. Er ruft mich erzählt Pastor Schmidt und sagt: Bringen Sie meiner Mut­ter die letzten Grüße, und sagen Sie ihr, daß ich im Glauben an meinen Erlöser sterbe! Die Mutter werde ich nun besuchen und ihr mündlich die letzten Grüße bringen. Als ihm die Schmer­zen unerträglich wurden, gab man ihm Mor­phium. das ihn wieder zur Klarheit brachte. Tausend Mark für einen Schluck Wasser!" schrie er. Nach einer Weile schrie er noch einmal auf: Zehntausend Mark für einen einzigen Schluck Wasser!" Es half natürlich nichts. Auf den letzten Ruf des Majors kommt ein schwerver­wundeter Sergeant heranqekrochen, der noch ein bißchen Rotwein in der Flasche hatte. Er schleppt das seinem. Major heran und bittet ihn, zu trinken. Der Maior sieht den Soldaten an, man merkt, wie er mit sich ringt, wie et aber dann entschlossen den Trunk zurückweist.Sie müssen zurück zum Geschütz." sagt der Major,trinken Sie darum selbst; mit mir ist es ja doch vorbei!" Der Major wollte lieber verdursten, als einem noch etwas Kampffähigen die notwendige La­bung entziehen. Ein anderer Soldat wimmerte, er war fast zur Unkenntlichkeit zerschossen und lag auf der Brust.Kann ich Ihnen noch einen Liebesdienst tun?" fragte der Feldprsdiger. Sorgen Sie dafür," war die Antwort, ..daß dieser letzte Gruß an meine Eltern nach Leipzig kommt!" Es war ein Notizbuch, in dem ge­schrieben stand:Herzlichen Gruß von Eurem sterbenden Sohne! Ich habe hier draußen im Kriege bei den Gottesdiensten meinen Gott und Erlöser wiedergefunden. Euer Sohn." Er ist nicht der einzige gewesen; es haben viele drau­ßen ihren Herrn wiedergefunden. Es ist be­kannt, wie am Abend des zweiten Tages von Schwarzen aufgestautes Regenwasser gefunden wurde. Herrliche Szenen von Pflichttreue spiel­ten sich ab, als die ersten Wassersäcke wieder in die Schützenlinien kamen. Am dritten Tage, den 4. Januar, gelang uns der Sturm mit der

war nur natürlich, daß sich in diesem Moment die Erinnerung an den einzigen Menschen, dem sie rückhaltlos vertraut an ihren Vater- ihn aufdrängte, und mit dieser Erinnerung zu­gleich wurden auch in ihrem Gedächtnisse die Worte lebendig, die er oft zu ihr in dieser trau­rigen Familiensache gesprochen hatte.

Soll ich gehen, Gräfin Gabriele?" fragte Felsenbach noch einmal. Seine Stimme klang ruhig, aber in dem Blick, der, ungesehen von ihr, auf dem Mädchen ruhte, lag verzehrende, quälende Angst.

Rein," nein," sagte sie heftig, sich zu ihm wendend.Ich will hören, alles hören, was Sie mir zu sagen haben."

Gabriele, ich danke Ihnen für dieses Wort! Darf ich mich zu Ihnen setzen?"

Sie nickte kaum merklich; er zog einen Stuhl an ihre Seite.

,Pon meiner Kinder- und Jugendzeit ist nichts besonderes zu sagen. Ich habe dem, was Sie bereits aus früheren Gesprächen erfuhren, nichts hinzuzuseken. Ich wuchs ohne Geschwister aus, verlor die Mutter früh, absolvierte Gymna- siunl und Universität und kam mit vierundzwan­zig Jahren nach Berlin, wo ich als blutjunger Doktor und Referendar am Kammergerichte ar­beitete. Ein Universitütsfreund, ein junger Oesterreicher, hatte mich im Sommer nach Wien eingeladen. Ich hatte dort seine Kousine, ein bildschönes Mädchen, kennen und lieben gelernt und mich mit ihr verlobt. Dem Wunsche meiner Braut und ihrer Eltern folgend, ging ich wäh­rend des Karnevals nach Wien, und ich nahm an der großartigen und lebhaften Geselligkeit der Wiener aristokratischen Kreise eigentlich mehr aus Rücksicht und Liebe für meine Braut teil, denn ich mit meinem mehr auf das Ernste gerich­teten Sinn fand weniger Vergnügen daran.

letzten Kraft. Die Wasserstelle wat unser. Run konnten auch die armen Pferde getränkt werden. Schrecklich war es gewesen, wie die Tiere vor Durst gebrüllt hatten. Vom 1. Januar früh bis 4. Januar nachmittags 3 Uhr hatten sie keinen Tropfen bekommen. Als die Tiere jetzt Wasser witterten, zitterten sie am ganzen Leibe. Als Leute der 7. Kompagnie herankamen zu bet Wasserstelle, stellten sie sich erst zusammen und die halbverschmachteten Leute stimmten an: Nun danket alle Gott, mit Herzen, Mund und Händen!" Dann kochten sie ab. Ein Kreis von Verwundeten sitzt zusammen. Ein Unteroffizier reicht einem Kameraden das kleine Feldgesang­buch und sagt:Du, in solchen Zeiten gewinnt man das Buch lieb!"

In einem Briefe des Paters Ziegenfuß fin­den sich folgende Stellen:

Das allgemein als wasserlos und doch als recht wasserarm bezeichnete Sandfeld wies auf unseren beschwerlichen Kriegszüqen zuweilen sehr reichhaltige, gute Quellen, selbst größere Wasserstellen auf, und diese besetzte und behaup­tete aufs hartnäckigste der mit einer großen Menge Vieh geflohene Feind. Das Sandfeld ist eine unermeßliche, mit niedrigem Gras und teil­weise lichtem, teilweise dichtem, mäßig hohem Gebüsch bestandene Steppe; Wege sind keine vor­handen.

Durch beständiges Vorrücken blieb auch bald der Nachschub von Proviant aus; die hin- und hergehenden Proviantkolonnen vermochten mit den ermüdeten und abgetriebenen Zugochsen nur äußerst beschwerlich in dem schwierigen, un­wegsamen Keläirde zu folgen, und o Glück, wenn überhaupt die paar Wagen noch eintrafen! Wie oft waren die Kolonnenführer gezwungen, ihre ermatteten Ochsen, einen nach dem anderen auf die Beine zu bringen, wie oft mußten sie den einen ober anbeten Ruhetag einschieben, um die Truppe statt in drei, in vier Wochen zu er­reichen! Traf dann bet Proviant ein, dann war die Abteilung, welche den Feind nie aus dem Auge ließ und in Fühlung mit demselben stets verblieb, nicht mehr dort, cs ging von neuem weiter unter den denkbar ungünstigsten Verhält­nissen und noch dazu in Feindesgebiet.

Aber erst die armen Soldaten! Feldmarsch­mäßig bepackt, zu Fuß, mit bet einen oder an­dereneisernen Portion" versehen, am Tage in einer schwülen, zuweilen unerträglichen Glut­hitze, und bei Nacht in einer Kälte von manch­mal acht bis zehn Grad unter Null (im Sep­tember und Oktober) stets fechtsbereit fein! Was haben untere Braven unter brennendem Durst und quälendem Hunqer, unter entsetzlichem Staub und Frost zu leiden gehabt, das spottet aller Beschreibung. Es war jammervoll, wenn am Mittag ober Aüeird für einige Stunden Lager bezogen wurde; nachdem Parole- und Machtbefehle ausgegeben und für die Sicherung des Lagers gesorgt, waren die Soldaten oft ge­nötigt, eine Viertel- bis eine Halbestunde weit Brennholz heranzuschlepven, so erschöpft und ermüdet sie waren, um sich etwas zu kochen; es kam wohl vor, daß uns gänzlich das Brenn­material ausging und wir uns nachafrikani­schen Kohlen", nach trockenem Ochsendünger um= S 1___..._____====S

Es konnte mir" so fuhr Felsenbach fort nun bald nicht mehr verborgen bleiben, daß meine Verlobte nicht das Weib war, wie ich es mir gewünscht und ersehnt hatte. Mit berücken­der dämonischer Schönheit verband sie ein seich­tes, oberflächliches Naturell, einen nur nach äußere!» Glanz und Reichtum trachtenden Sinn und ein unbezähmbares Verlangen nach Be- wunderunq und Huldigungen. Sie war von der Herrenwelt damit verwöhnt und nicht gesonnen, diesen Huldigungen zu entsagen, oder sich durch ihr Verlöbnis irgend welche Fesseln anlegen zu lassen. Ich will nicht näher eingeben auf dis Tage und qualvollen Stunden, wo sich mit nach und nach die Erkenntnis meines Jrrtumes auf­drängte und wo allmählich, wie glühende Trop­fen, die Beweise auf mein Herz fielen, daß meine Braut sogar ein anderes ernstes Interesse, eine andere Liebe zu hegen schien.

In der Schar ihrer zahlreichen Verehrer nahm Prinz Arwed Sebera Ihr Stiefbruder als Frauenheld und Lebemann bekannt, die erste Stelle ein, und cs gewann den Anschein, daß das, was er für doch der Name tut ja nichts zur Sache sie fühlte, mehr als eine oberflächliche Kurmacherei war. Fragen Sie mich nicht, wie sehr ich darunter litt und wie sich meine Gefühle bis zur wahnsinnigen Eifersucht steigerten, je weniger meine Bitten und ernsten Vorstellungen meiner Braut gegenüber wirkten. Es war auf einem Ball beim X... .schen Gesandten, wo ich die Be­merkung machte, daß meine Verlobte dem Prin­zen ein in ihr hsrabfallendes Svitzentuch ver­borgenes Bittet in die Hände spielte. Ich hatte es gesehen meine Geduld war zu Ende und ich kannte feine Nachsicht mehr, weder für das treu­lose Weib, noch für den Mann, der es gewagt hatte, so weit zu gehen. Mein Blut kochte und Rache Genugtuung" war der einzige Ee-

sahen, der ebenfalls nicht immer bei der Hand wat. Ich persönlich hatte so oft Gelegenheit zu beobachten, was man nun anfing: Die eht« Gruppe kochte sich von etwas übrig gebliebenem Mehl eine warme Mehlsuppe, die andere eil heißes Erbswurstsüppchen, und mein letztes Stück Brot hatt wie Stein teilte ich mit den Leuten. Keineswegs ging aber dabei Je* mals der Humor aus, lustiger Gesang würzte das karge Mahl."

Das find herrliche Zeugnisse deutscher Tapfer­keit und deutscher Treue!

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Marburg und Umgegend.

lNachbruck aller Ortgmalartikel ist gemäß 8 18 bei Urheberrecht- nur nvt der deutlichen Quellenangabe .Oberhess. Ztg.' gestattet»

Marbura, 13. Februar.

* Eine beherzigenswerte Verfügung hak di« Negierung zu Minden an die Kreisschulinsvek« toten ihres Bezirks erlassen. Darin wird ausge­führt, daß in weiten Bevölkerungskreisen ein< Abneigung darin bestehe, die Knaben nach Aus« tritt aus der Volksschule ein Handwerk erlernen zu lassen. Durch die aus dieser Abneigung sich ergebende Tatsache, daß ein Mangel an Lehr« lingen sich mehr und mehr fühlbar mache, hat sich die Regierung zu der Anordnung veranlaßt gesehen, daß durch die Lehrer der oberen Klassen der Volksschulen, namentlich in den Städten, bei sich bietender Gelegenheit im Unterrichte und durch persönliche Einwirkung womöglich auch auf die Eltern auf die Gefahren hingewie­sen werde, welche die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter ofine festes Lehrverhältnis mit sich bringen. Anderseits sollen die Vorteile, die der Eintritt in die Lehre eines tüchtigen Handwerks­meisters und die Erlernung eines Handwerks auch heute noch gewährt, hervorgehoben werden. Ebenso notwendig erscheint die Einwirkung auf die Mädchen, anstatt Arbeit in den Fabriken zu suchen, sich für hauswirtschaftliche A-beiten in Familien zu vermieten. Die Kreisschulinfpek- toren sollen hiernach die geeianeien Anord­nungen treffen und deren Ausführung über­nehmen.

* Goldener Boden. Den Eltern der zu Ostern die Schule verlassenden Knaben fei ein altes, aber auch heute noch trotz allen schweren Kamp­fes mit der kavitalkräftigen Konkurrenz vo?be- rechtiates Wort in Erinnerung oebracht: . Hand­werk bat goldenen Boden!" Führt eure Kinder drum dem Handwerk und einem tüchtigen Mei­ster zu und denkt nicht, daß eure Söhne zu guk zum Handwerker und zu höherem he-"fen feien. Das ist in vielen Fällen arac Selbsttäuschung. Gerade das Handwerk braucht einen tüchtioen Nachwuchs, gerade im Handwerk wird ein tüch­tiger. brauchbarer Mensch als Geselle und Mei­ster fein gutes Auskommen finden. Don sofor­tigem Verdienst für euren Immen kann freilich keine Rede sein, dafür aber wird er nach be­endigter Lehrzeit sich umsomehr selbst fortbelfen können und euch Dank wissen, daß istr ihn in die Bahn des Handwerks und Gewerbes aewiefen, auf der er durch einene Kraft ut nonz demselben

danke, den ich noch in meinem erregten Gehirn zu fassen vermochte. Als der Tanz zu Ende war, veriieß der Prinz den Saat, ich folgte ihm in das Nebenzimmer und sah eben noch, wie er ein Pa­pier in feiner Brust verbarg. Dieser Anblick raubte mir den lebten Rest der Bestnnuna. Rasch, entschlossen trat ich auf ihn zu und sagte kurz:

Prinz Sebera, ich habe ein Wort mit Ihnen zu sprechen, ohne Zeugen, Durchlaucht," mit einem Blick auf zwei seitwärts stehende Offi­ziere.

Ich habe keine Geheimnisse mit Ihnen z» verbandeln, Herr von Felfenbach," erwiderte er hochfahrendund jedenfalls ist dies weder der Ort dazu, noch Ihre Art und Weise mir gegen­über die passende."

Sie suchen Gründe, Prinz Sebera, einer Unterredung mit mir auszuweichen." rief ich, meiner selbst nicht mehr tnachtia.Ihre Hand­lungsweise ist die eines Schurken!"

Großer Gott," rief Gabi,das ihm ihm, einem Prinzen, einem preußischen Offizier"

,Za, Gabriele, das ihm, dem Offizier, dem Prinzen! Ich habe keinen Moment jenes un- alücklichselioen Abends vergessen, keines meiner Worte, und ich beschönige nichts. Was ich zu meiner Entschuldigung anführen kann, waren meine 25 Jahre und die geradezu maßlose Er­regtheit, in die mich die Ueberzeugung verlebt hatte, daß bas Mädchen, welches ich liebte, mich verraten hatte, und daß der Mann da vor mit meine anerkannten mißachtete. Gabi, Sie sind so hold, so unberührt von allen Häßlich­keiten des menlchlichen Lebens, lassen Sie mich schweigen vor den Empfindungen, die in mit gährten und tobten.

(Fortsetzung folgt.)