mit dem KrEatt für die Kreise Marburg und Kirckb-i»
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1.9
(Nachdruck verboten.)
Gafii fühlte, daß sich ihr alles Blut zum Herzen drängte, sie kam sich unbeschreiblich hilflos vor, und es mußte wohl etwas davon in dem Blick liegen, mit dem sie zu Felsenbach hinüber- schante, während sie leise „Ja!" saate.
bü'ndeten Regierungen sich entschließen könnten, klar den Weg und klar das Ziel zu bezeichnen, dann werden die bisher indifferenten Massen auf dem Plane erscheinen und das alte Bis-
I von der deutschen Landwirtschaft verlangen will, I daß sie das Volk mit Nahrungsmitteln versorgt, I die sie unter dem Selbstkostenpreis produzieren I soll, so bleibt nichts übrig, als der Zukunftsstaat, I in dem alles auf Staatskosten geht! (Lebhafte | Zustimmung). Man könnte sich's ja vorstellen, daß die Städte große Schweinemast-Anstalten anlegten (Heiterkeit), und ich glaube, daß z. B. Herr Stadthagen sich vorzüglich zum Oberstall- nleister eignen würde! (Große Heiterkeit und Beifall). Aber ich fürchte doch, daß auch dieser Zukunftsstaat bald Konkurs anmelden müßte. (Sehr richtig).
Wenn wir hinausblicken auf die internationalen Beziehungen, so war doch im vergangenen [ Jahre der Horizont von dunklen Wolken bedeckt. Wir dürfen uns keiner Illusion hingeben: kein Bolk ist besser gehaßt, als das deutsche. Wir stehen einer Welt von Neidern gegenüber. Entsprach nun der Reichstag den Zeitanforderungen? Nun, Freude hat das deutsche Volk schon lange nicht mehr an seinem Reichstage gehabt! (Sehr richtig!) Aber als jetzt in Fragen der nationalen Ehre die Parteipolitik höher gestellt wurde, da war das Matz zum Ueberlaufen voll. (Stürmischer Beifall). Wie ein reinigender Sturmwind ist es durch das Volk gegangen, als es dem Reichskanzler wieder zum Bewußtsein kam, daß eine Hand nicht nur : dazu da ist, eine andere Hand zu drücken, sondern auch unter Umständen einmal eine Faust zu machen und auf den Tisch oder auf die Köpfe der Gegner zu schlagen.
Der Appell an das deutsche Volk ist nicht vergeblich gewesen. Eines hoffe ich mit Bestimmtheit: die Kämpfe, die jetzt gemeinsam gegen den gemeinsamen Feind, die Sozialdemokratie, geführt worden sind, werden dahin führen, daß auch in den Kreisen eines verständigen nationa- I len Liberalismus die Anschauungen über die deutsche Landwirtschaft und der deutschen I Agrarier einer kleinen Revision unterzogeik wer- I bcn. Der volle Erfolg ist erst erreicht, wenn die I Regierung jetzt klar und deutlich das große Ziel zeigt: Zusammenfassung aller Kräfte in Stadt I und Land, Schutz jeder ehrlichen Arbeit und keine I falsche Rücksichtnahme auf die Feinde drinnen I und draußen. (Großer Beifall). Wenn die ver-
I ung selbst freisinniger Kandidaten ein Beispiel | nationaler Selbstlosigkeit gegeben. (Lebhafter I Beifall). Die Stärkung der Rechten und der I Nationalliberalen ist auf den Heerbann des I Bundes der Landwirte zurückzuführen. (Sehr I umhr!) Aber geben wir uns keiner Täuschung I l>in! Die Sozialdemokratie ist geschwächt, aber | sie ist nicht überwunden. Darum werden die kommenden Jahre ein Zeit der Arbeit sein.
| (Gebt richtig!) Redner schloß nach eingehender I Darstellung über die überaus günstige Ausge- I staltung des Bundcslebens.
| Hierauf folgten sachliche Berichte. Zum Ka- I pitel Heimatpolitik und Kolonialpolitik sprach I Reichstagsabg. v. Oldenburg, der betonte, 1 daß Heimatpolitik und Kolonialpolitik einander I nicht ausschließen. Chefredakteur Dr. O e r t e l I sprach über dieneuenHandelsvertrage. I für die sich die Landwirtschaft dankbar erwiesen | habe, obgleich ihre Wirkung nicht überschätzt I werden dürfte. Redner empfahl ein energisches I Verhalten gegen die Vereinigten Staaten, denen I wir alles gegeben hätten, was wir I Leben konnten, ohne dafür etwas anderes, I als einige Kl ein gleiten zu erhalten, lln- I seren Zugeständnissen müssen gleichwertige Zu- I geständnisis auf der andern Seite gegenüber- I stehen. (Beifall). Wollen wir mit den Ameri- I kauern aus einer Schüssel essen, so müssen wir einen g r o ß e n L ö f f e l haben, um nicht über den Löffel barbiert zu werden.
Dr. Derlei schlug eine diesbezügliche Resolution vor und warnte vor dem Bestreben, wirtschaftliche Zugeständnisse zu machen, um p o - litische Freundschaften cinzutauschcn. Das | Deutsche Reich möge nie das Schicksal des Allerwelt sh änsels teilen, das allen ent- gegenkam. „Als letzte Norm: K e i n e P r e i s - gäbe der Landwirtschaft! (Lebhafter Beifall). Man sagt, zu Schiffe fahren ist nötig. Aber ein älteres Wort sagt: Pflügen ist ganz notwendig. Aus beinahe 500 Dörfern habe id) die Nachricht erhalten, daß dort die Bauern Mann für Mann gewählt haben. Das war das Bauernaufgebot." (Lebhafter Veifa!--.
Nachdem Dr. Derlei unter langanhallendem Verfall feine Ausführungen beendet Halle, fpra. chcn noch mehrere Redner, worauf die von Dr Derlei vorgeschlagene Resolution, nach der roch tere Abschwächungen des deutschen Zolltarifs als ausgeschlossen zu betrachten sind, einstimmig angenommen wurde.
Vor Schluß der Versammlung erbat sich der Bundesvorsitzende Freiherr von Wangenheim di« Ermächtigung, den deutschen Soldaten in Südwestafrika durch einen Drahtgruß die besten Wünsche der deutschen Landwirte zu übermitteln und brachte ein jubelnd aufgenommenes Hoch aus dre deutschen Dffiziere und Soldaten in Deittsch- Eüdwestafrika aus.
Damit endete gegen y>4 Uhr die diesjährige Generalversammlung des Bundes der Landwirte.
über das, was erreicht ist. Diesen Rat können wir heute nur ernstlich wiederholen. Noch ist nur erst ein geringer Teil unserer Handelsbeziehungen zum Auslande geregelt. Noch ist für uns keine Zeit zum Schlafen und Ruhen. (Beifall.) Wir können Ihnen nur I raten, nicht auf das Wohlwollen der uns bisher I feindlich gegenüber gestandenen Parteien zu I rechnen. Es fei nur an den Fleifchnolrummel | des letzten Sommers erinnert. (Stürmischer Bei- I fall.) Welche Beschimpfungen find nicht im letz- I ten Sommer gegen die Landwirtschaft und die leitenden Staat männer vergebrachl word-n. I (Beifall). Für etwaige kleine Konzessionen wür- I den die Herren keinen Dank ernten. Wenn man I
Er lächelte mild, gütig, wie man einem Kinde zulachelt, und ihr über den Tisch hinüber die Rechte enlgegenstreckond, sagte er:
„Gabriele — haben Sie Furcht vor mir9"
Bei diesen Worten färbten sich ihre Wangen rosig und ihr weiches Bändchen leise in die seinen legend, schüttelte sie den Kopf und lächelte ihn an, und in dem Lächeln und in dem Blick, der ihm jetzt ward, lag ein sonniges Leuchten, lag Liebe.
Er behielt die Hand mit sanftem, aber ruhi- gem Druck in der seinen und fuhr dann zu reden fort:
„Was ich Ihnen Henle zu sagen babe, Gräfin Gabriele, es wirb Sie nicht überraschen. Es lag in meiner Absicht, es längst zu tun, schon im Sommer, an jenem Morgen im Garten — wissen Sies noch?"
Sie neigte das Haupt und sah still vor sich nieder. —
marckische Wort zur Wahrheit machen: „Wir Deutsche fürchten Gott und sonst nichts in der Welt." (Stürmischer Beifall). Der Redner be- schloß seine Rede mit dem Kaiserhoch.
Hierauf wies der zweite Vorsitzende, Rcichs- tagsabgeordneler Dr. Roeficke, auf das Inkrafttreten der neuen Handelsverträge und die Reichslagswahlen hin. Die Handelsverträge haben nicht nur der Landwirtschaft, sondern auch der Industrie genutzt. Es sind heule nicht einmal genügend Arbeiter vorhanden, um dem Arbeitsbedürfnis zu genügen. Der Wahlkampf hat bewiesen, daß das deutsche Volk für eine gesunde Schutzpolitik ist, verbunden mit einer Fürsorge des Staates für die wirtschaftlich Schwachen und Leistunasunfähigen. Was hat denn die Sozialdemokratie bisher in dieser Beziehung geleistet? Nichts. Wirhabenaber Positives geleistet, wir haben den deutschen Arbeitern Arbeitsgelegenheitverschafft. In einem hartem Kampfe hat der nationale Gedanke gesiegt. (Stürm. Beifall), find der Bund der Landwirte war der zuverlässigste Vertreter dieses Gedankens. Möge das schöne Wort Ernst Moritz Arndts zur Wahrheit werden: „Das ganze Deut bland soll es fein, Herr Gott im Himmel schau darein und gib uns echten deutschen Mut, daß wir es lieben treu und g-t!" (Großer Beifall).
. Den Bericht der vom Bundesausfchuß ge- I wählten Kassenrevisionskommission gab Frhr. v. M a l tz a h n. Der Bericht wurde genehmigt,
Bundesdirektor Dr. Hahn (lebhaft begrüßt) erstattete den Geschäftsbericht. Auch er befchäftiate sich eingehend mit dem Ergebnis der letzten Wahlen, bei denen die wirtschaftspolitischen Bestrebungen des Bundes sich als besonderZugkräfteerwie- sen hätten; cs ist gelungen, eine größere I Zahl zuverlässig agrarisch gesinnter Männer in den Reichstag hineinzubekommen als 1903. (Stürmischer Beifall). Die wirtschaftliche Enlwicklunq Hal uns recht ge- I «eben. Der Erfolg der Wahlen ist zum guten Teil darauf zurückzuführen, daß unsere national- wirtschaftlichen Forderungen von immer weite- I ren Kreisen geteilt werden. Infolgedessen ist I eine Caprivische Zeit nicht wieder denkbar. Der Handelsvertrag mit Amerika aber klopft an di- I Bür, und die Börsenreform wird vom Groß- I kapital immer mehr gefordert. Hoffentlich leistet der Kanzler dieser Forderung hinreichen- I den Widerstand: unserer Unterstützung kann <r I sicher sein. (Beifall). Die n a i i o n a l e W a h l- paroleinDerbindungmitdemwach- | fendenVerständnisfürreinenalio- I pale Wirtschaftspolitik hat uns die I guten Wahlen gebracht. (Beifall). Wir I selbst haben bei den Wahlen mit der Unterstütz- I
Schatten.
Roman von B. v. d. Lancken. (Fortsetzung).
Begrüßung unter den Freundinnen war, w»e sie unter ähnlichen Verhältnissen immer zu sein pflegte: mehrmalige Umarmungen, mehr- mallge Küsse, tausend Glückwünsche von feiten Gabis, gerührter Dank von Eva.
Daß mit Herrn Erasmus auch zugleich Rupert erschien, setzte Gabi nicht eimol in heimliches Erstaunen. Sie hatte ja gewußt, daß er auf irgend eine Weise eine Begegnung herbei- lühren würde, aber sein verändertes Aussehen erschreckte sie. So bleich, so ernst halte sie ihn ,noch» nie gesehen und das fiel ihr um so mehr aus kn dem fröhlichen Familienkreis, in dem sie sich befanden. Schwere Sorg» legte sich auf Gabrieles Seele, aber in diesen. Moment dachte sie dabei nicht an sich, foubern an Rupert Da .man den Bräutigam zu Tisch erwartete, würbe der Croom mit den Vonies und ein paar Zeilen ,cn die Gräfin nach der Tiergarlenstraße zurück- geschickt, und Gabi folgte der Aufforderung, den -rag bei Führens zu verleben.
. Es gibt Begegnungen, von denen wir nach wenigen Minuten wissen, daß sie bedeutungsvoll werden für unser Leben, Tage, von denen I mir ahnen, daß sie etwas besonderes für uns in ihrem Schoß bergen — so erging es Gabriele. I der ersten Begrüßung, die sie heule mit Rupert getauscht, ahnte sie, daß die Entscheidung s ber ihr künfligesGeschick von den nächsten Stunden abhängig sein würde. Sie sollte sich nicht »eläuscht haben. Wie gewöhnlich begaben sich k-err und Frau von Führen nach dem Essen zu siner kurzen Ruhe in ihre Zimmer, das Braut
HanMrsammlmig des Bundes der Landwirte.
Wie in den Vorjahren gestaltete sich diesmal die Hauptversammlung des Bundes zu einem großen Ereignis für die Landwirtschaft: der; größte zur Verfügung stehende Raum Berlins, der Zirkus Busch, war bis auf den letzten Platz gefüllt. Dem Geschäftsbericht des Bundesbirek- Ltors Dr..Hahn ist zu entnehmen, baß trotz bet HElm notigen Jahre beschlossenen 50 v. H. Seb -i!r.M«sserhvhung die Mitgliederzahl von 270 000 ^Ä»f 282 000 gestiegen ist. (Es sind somit etwa 10 p. H. bet im Hauptberuf erwerbstätigen beub fchen Landwirte in dem Bunde vertreten). Von den Mitgliedern gehören 89 v. H. dem Kleingrundbesitz an, 10i/3 Prozent sind mittlere Beisitzer und 1% v. H. stellt der Großgrundbesitz. Von nur Handwerkern und Gewerbetreibenden gehören dem Bund der Landwirte etwa 26 000 an, während etwa 23000 landwirtschaftliche Mitglieder im Nebenberuf ein Handwerk oder ein Gewerbe betreiben.
Der Vorsitzende Frhr. v. Wangenheim eröffnete die Versammlung mit einer Ansprache, ckus der wir folgende Sätze hervorheben:
„Nach harten Kämpfen nähert sich das erste Jahr der neuen Handelsverträge seinem Ende. Welche düsteren Prophezeiungen wurden als die Folgen dieser Handelsverträge von unseren Gegnern überall ausgesprochen, Prophezeiungen, I die nichts weniger besagten, als daß die deutsche | Industrie, nachdem das Volk zugunsten der Agrarier ausgepowert würde, ins Ausland wandern müßte. Mau hat gesagt, der Ernährungszustand des deutschen Volkes würde so weit zurückgehen, daß ein belhlehemilischer Kindermord I in deutschen Landen zugunsten der Agrarier statt- ffnben würde. (Heiterkeit). Diese Propheten haben sich wieder einmal geirrt. Gingetreten ist I tatsächlich ein Aufschwung der Industrie, uner- I hort und noch nie dagewesen. Die Lohnverhält- I nisse haben sich weit mehr gebessert, als die I Steigerung einiger notwendigen Lebensmittel I betrügt. Dankbar erkennen wir an, daß dieses I erste Jahr der neuen Handelsverträge auch für I die Landwirtschaft nach trüben Tagen ein Licht- I blick war. Die Getreidepreise stehen zwar noch I tocit unter dem Maß, das wir beanspruchen dür- | fen, aber die Viehpreise sind wenigstens einige I 3eit lang gestiegen. — Dagegen ist eine unserer | Voraussetzungen mit unheimlicher Pünktlichkeit I eingettefen. Die vermehrte Beschäftigung der I deutschen Industrie hat die Arbeilernot der I Landwirtschaft vermehrt. Das ist die schwerste I Gefahr für unseren Beruf. (Sehr wahr!) I
Wie sollen wir den Landwirtsbelrieb lohnend I gestalten, wenn bezüglich des Arbeitsverlages I die Unzuverlässigkeit der Arbeiter ohne geseh- I liche Maßnahmen zunimml. (Lebh. Zustim- I mung). Im vorigen Jahre haben wir Ihnen ge- | roten, sich keinen Illusionen hinzugeben |
„Gabriele“ flüsterte er, sich weiter über den zu ibr beugend, „Gabriele — Sie weinen -Gabriele - Gabriele - ich habe mich »ich, getauscht — Sie lieben mich — liebten mich schor, damals. D Gabi — D Gabi--"
Ser Son seiner Stimme zitterte vor Schmer, und Wonne, und er neigte sein Haupt und MteJel-net ^u.nb °uf die weiße Mädchenhand. dre in der fernen ruhte.
fu^ er dann fort, „und da- rum muffte ich reden und durfte nicht scheiden und bteje schwere Stunde ist für uns beide qekonu S ®S.6rA mei.n hegt für Sie eint tiefe, große Liebe, eine Liebe, die durch nichts erschüttert werden kann, eine Liebe, wie sie nut bet im Kampfe mit dem Leben gereifte Mann einem Mädchen zu bieten vermag. Ich tragt einen alten, tadellosen Namen, meine Lebensstellung ist unseren Verhältnissen avemefien jeder unbefangene Beurteiler könnte kein Hindernis leben, das sich unserer Vereinigung ent- geaenstellte. Ich von meinem Standpunkte auch nicht, «bet wie Sie denken werden, Gabriele wenn Sie alles erfahren, wenn Sie einen Blick' m meine Vergangenheit getan haben — ich weiß cs nicht. Ich wollte Ihnen den schmerzlichen Kampf ersparen und gehen. Als ich den Entschluß faßte, war es, wie meist in solchen Fällen, 311 spät, und Sie armes Kind, müssen nun auch Ihr Teil von dem Leid auf sich nehmen."
„Sprechen Sie, Herr von Felsenbach, sprühen Sie rasch aus, was ich wissen muß,“ flehte das Mädchen.
Rupert rang sekundenlang mit einem bitterlichen Entschluß, seine Brust arbeitete heftig.
„Gabriele," sagte er dann leise, mit fester Stimme, „Sie haben einen Bruder im Duell verloren--durch mich ist er gefallen." ,
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paar, Felsenbach und Gabi, anscheinend in harm- I losem Gespräch im Salon zurücklassend. Elück-
liche Brautpaare sind stets die treuesten und hilfsbereiten Beschützer anderer Liebenden die durch irgend welche Ungunst der Verhältnisse noch nicht das heißbegehrte Ziel erreicht habe», an dem sie selbst angelangt sind. Eberl und Eva machten von dieser Regel keine Ausnahme. Sie zogen sich Hand in Hand noch einem niedlichen Ecksofa zurück, das, von Blattpflanzen umgeben, gar lauschig und behaglich war und von dem sie, eng an einander geschmiegt, Besitz nahmen, während Rupert und Gabi dem Erkerplatz am Fen- I st" zustrebten und hier auf zwei altdeutschen Holzhockern nur getrennt durch ein zierliches I Tischchen, sich niederließen. I
Es lag nicht in Ruperts Natur, zu dem, was | er einmal aussprechen und erledigen wollte I durch nichtssagende Phrasen oder oberflächliche Gesprachsplänkeleien überzugehen. Seit dem I letzten Zusammensein mit Gabi hatte er es als I unabweisbare Pflicht erkannt, dem teuren Mäd- I chen offen zu bekennen, was fein Herz erfüllte I und was sie beide -— unausgesprochen — einer I vom andern wußten, daß sie sich liebten. Als I er sich durch einen flüchtigen Blick nach dem Eck- I fofa davon überzeugt hatte, daß Ebert und seine I kleine Eva, durch Bauen reizender Luftschlösser, I harmlose Liebeständeleien in Anspruch genom- I men, für ihre Umgebung wenig Interesse zeig- I ten, sagte er mit gedämpfter, aber fester Stimme: I
„Komtesse Gabriele, darf ich offen mit Ihnen I reden vnd wollen Sie mir ebenso offen ant- I werten?“ I
»Ich wollte abreisen, um Ihnen nicht mehr nahe zu sein.“
Ihre Hand zuckte in der seinigen und ihre Augen richteten sich starr auf sein Antlitz.
»Sie erschrecken, Gräfin, es scheint Ihnen unfaßbar, was ich sage, und doch ist es so. Ich will auch jetzt noch gehen, aber ich kanns nicht, ohne ^hnen alles zu sagen. Damals hätte ich es noch gekonnt, heute nicht mehr, damals war ich wohl meiner Liebe mir bewußt, aber ich hoffte, Sie Gabriele, wären noch unbefangen. Ich wollte gehen und Ihren Lebensweg nicht wieder kreuzen und ich glaube, Cie würden mich vergessen oder meiner doch nur gedenken, als eines „Bekannten", wie es so viele gibt--“
Träne auf Träne tropfte langsam von ihren Augen, ibr Köpfchen senkte sich tiefer. Fester und fester schlossen sich des Mannes Finger um die 1 Ibren. leine Lippen zuckten.
Erscheint wöchenttich sieben mal.
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Reclamen: die Zeile 30 Psg. Mittwoch. 13. Februar 1907.