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Birrtkljährlichcr Bezugspreis, btt oa ^;;bition 2 Mk„ bet allen Postämtern 2,25 W. ^ejct. Bcitcllgeld).
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Marburg
Mittwoch. 6. Februar 1907.
Erscheint wöchentlich sieben nal.
Druck Md Verlag- Joh. Nug. Koch, UmversitätS-SuchdruckerÄ Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
42 Jahrg.
Erstes Blatt.
I« letzter Staude.
Wenn die heutig« Ausgabe der »Oberhessi- schen Zeitung" in die Hände unserer Leser gelangt. fehlen in Marburg nur noch wenige Stunden bis zum Schluss« der Wahlhandlung für die Reichstagsstichwahl. Sollte vielleicht der eine oder andere Leser unserer Zeitung sein Wahlrecht noch nicht ausgeübt haben, so möchten wir ihm nochmals dringend ans Herz legen, sich unverzüglich in sein Wahllokal zu begeben, «m durch die Wahl eines wahrhaft vaterländisch gesinnten Mannes die nationale Politik der Reichsregierung zn unterstützen.
Darnm ans zur Wahl!
Wählt
Dr. Karl Böhme.
Klein beigegcbcn.
Bei der in Vorbereitung befindlichen Friedenskonferenz im Haag, deren unzweideutige Tendenz dahingeht, Deutschland als den Friedensstörer der gairzen Welt hinzustellen, sind die Hauptfriedensapostel England, Amerika und Japan. Das ist um so spaßhafter, als gerade zwilchM'diefen drei Mächten zurzeit die aller- MiWwr Eifersüchtelei besteht, insbesondere da das MHälinis der Vereinigten Staaten zu Japan sich immer mehr zuspitzt, und dieser Tage drohte, zu einem Ultimatum zu führen, dem der Krieg auf dem Fuße gefolgt sein würde. Der kalifornische Schulstreit gab dazu nur den äußeren Anlaß. Die inneren Urfachen aber liegen in der Eifersucht der Amerikaner gegen das im Stillen Ozean immer rühriger und entschlossener vordringende Japan. Außerdem natürlich auch in dem immer stärker aufflammenden Japanhasse der amerikanischen weißen Arbeiterbevölkerung, am Stillen Ozean. Der amerikanische Handel hatte sich darauf eingerichtet, und in den Gedanken verliebt, den Stillen Ozean durch friedliche Handelsbeziehungen zu einem amerikanischen Binnensee verwandeln zu können; der Bau des Panamakanals sollte auch ganz wesentlich diesen Zwecken dienen. Er setzte den industriellen und hafenreichen Osten der Vereinigten Staaten in die Lage, einen wirtschaftlich kräftigen Vorstoß gegen Ostasien führen zu können. Statt besten ist nun den Amerikanern gerade so wie
1b lRachdruck
Schatten.
Roman von B. v. d. Lancken.
(Fortsetzung).
„Du — du — Fräulein Jräfin — haste heute garnischt vor mir?"
Der süße Bann war gebrochen und zwar auf höchst realistische Weise. Karlchen Willmers stämmiges Figürchen ritt zwischen dem Wein- llaub auf der Mauer, und in seinem runden, roten Gesichtchen lachte alles, nicht nur die waster- blauen Aeuglein und der breite kirschrote Mund mit den prächtigen Zähnchen, nein, auch die Wangen und das Kinn sahen ordentlich vergnügt aus; das machten die Grübchen, die sich beim Lachen darin bildeten. Ueberrafcht wandten sich Rupert und Gabriele nach ihm um, und bann lachten sie beide mit, denn der kleine Kerl sah doch zu possierlich aus.
I „Guten Morgen, Karlchen," sagte Gabi und streckte ihm die Hand hinauf, die er ohne Zaudern mit der seinen erfaßte und herzhaft schüttelte, unbekümmert, ob die etwas fragwürdige jSauberkeit derselben auf den zarten weißen [Fingerchen der jungen Dame auch sichtbare Spu- en zurücklassen würde. Im übrigen sah er sehr rdentlich aus, und das strohgelb« Haar verriet uf den ersten Blick, daß Bürste und Master bei üner Glättung nicht gespart waren.
„Junge, wie bist du denn da hinaufgekom- !nen?" fragte Felsenbach in einem Tone, dem nan die Mißbilligung von Karlchens Unternehmen recht gut anmerkte.
\ „Ich bin gut ruffjeklettert--"
' „Hinaufgeklettert — an der glatten Mauer?" ■r „Ree doch, hier is ja eene Leiter uff unsere Seite," erklärte der Kleine.
aller Welt die chinesische Türe vor der Rase zugeschlagen, trotz aller feierlichen Erklärungen der Japaner, daß sie für den kulturellen Fortschritt der ganzen Welt offen gehalten werden solle. Ja, mehr als das, die Japaner betrachten ihrerseits bereits Amerika als Kolonisationsgebiet. So haben sie z. B. vor einiger Zeit eine Kommission nach Texas gesandt, und auf Grund eines von dieser erstatteten günstigen Berichtes findet jetzt eine starke Einwanderung verhältnismäßig wohlhabender Japaner statt, die sich dort mit großem Geschick dem Reisbau widmen, zu dem sie selbstverständlich keine weißen Arbeiter, sondern japanische Kulis oder im Notfälle Neger verwenden. Die hierüber bei den Amerikanern herrschende Erbitterung fand in dem bekannten Schulstreite nur ihren ersten sichtbaren Ausdruck, und eben gerade darum, weil cs sich in diesem um die Anerkennung der Japaner als einer den Weißen gleichgestellten Raste handelt, hat die Regierung von Tokio diesen Streit als einen nationalen Ehrenpunkt behandelt und in nicht mißzuverstehender Weise der Negierung in Washington zu verstehen gegeben, daß sie die Rechte ihrer Volksgenossen rücksichtslos zu schützen entschlossen sei.
Die Wirkung dieser Entschlossenheit hat vielfach, aber sehr mit Unrecht, in Europa überrascht. Es bleibt den Amerikanern gar nichts anderes übrig, als zu tun, was Präsident Roosevelt und Staatssekretär Roots getan haben, den Kaliforniern zu bedeuten, daß in der Schulstreitfrage unter allen Umständen klein bcigegeben werden müsse, da die Ja p a n e r sonst ohne weiteres den Krieg beginnen, und Amerika auf das schwerste schädigen würden. Sie hatten ihre triftigen Gründe dazu. Denn wenn auch die amerikanische Flotte schon jetzt in ihrem toten Material der japanischen gewachsen sein mag, so ist sie es doch ganz und gar nicht hinsichtlich der Zahl und namentlich der Disziplin ihrer Mannschaft. Wenn jetzt vielfach in der amerikanischen Presse, selbst in der gelben der Hinweis gegeben wird, daß Japans finanzielle Verhältnisse ihm eine Kriegführung hier nicht gestatten, so ist dies das genaue Gegenteil der Tatsachen. Gerade weil Japan Schulden hat und durchaus einen zahlungsfähigen Gegner braucht, ist es auf einen — Krieg mit Amerika angewiesen. Die Japaner sind nicht so unsinnig, ihre Schuldenlast durch fortgesetzte Rüstungen immer mehr zu erhöhen, ohne einen Weg zu kennen, auf dem sie schließlich diese Schulden wieder hereinbringen. Anfangs dachte alle Welt aus diesem Grunde an einen japanisch-chinesischen Krieg. Dieser erscheint indessen immer unwahrscheinlicher. Dagegen ist der Ausbruch eines amerikanisch-japanischen Krieges nur eine Frage der Zeit. Augenblicklich ist es ja zu einer leidlichen Verständigung gekommen, in der freilich das Ansehen der Vereinigten Staa-
Eabriele hatte inzwischen von den herabhängenden Zweigen des Kirschbaumes einige Früchte gepflückt, und da Karlchen anscheinend zu den Menschen gehörte, die durch Erfahrung wirklich klug werden, so rief er, eingedenk der kleinen Szene, die kürzlich der Kirschenspende vorausging, noch ehe Gabi ihn daran erinnerte: „Ick bitte scheen, jieb se mich —“ wobei er sein Schürzchen aufhielt. Als diese gefüllt war, wurde mit Felsenbachs Hilfe der Rückzug die Leiter hinunter glücklich bewerkstelligt, und Rupert und Gabriele standen wieder zu zweien an der weinnmrankten Mauer t— wie aber so oft im Leben, die kurze Zeit ungestörten Alleinseins war nun trotzdem vorüber, und solche Momente, einmal ungenützt verstrichen, kehren meist nicht so bald wieder.--
Vom Hause kam eiligen Laufes ein Bote aus der Buchdruckerei und brachte Korretturbogen von Felsenbachs neuester Erzählung, und als er diesen mit kurzem Bescheid und eben nicht besonders freundlich abgefertigt, erschien das Hausmädchen und meldete einen Besuch für die gnädige Komtesse. —
Gabi war während der Anwesenheit ihres Besuches zerstreut und einsilbig. Als er gegangen, floh st; in ihr Zimmerchen und brach in ein heftiges Weinen aus. Sie wußte nicht, war es Glück, war es Angst, was ihr die Tränen erpreßte.
Sie liebte und wurde wieder geliebt. Das herrliche alte und doch immer neue Wunder — es hatte fich nun auch an ihr und ihrem Leben vollzogen — war es denn Wahrheit? — Sie trocknete ihre Augen und setzte sich, den Kopf in die Hand gestützt, auf einen Stuhl am Fenster und blickte still in den sonnigen Morgen yinaus, sich alle Stunden zurückrufend, die sie gemeinsam
ten in der ganzen Welt schwere Einbuße erlitten hat.
Früher oder später aber wird der Vorstoß erfolgen müssen, schon weil auf Hawaii und den Philippinen die Dinge zur Entscheidung drängen. Dies findet seine Bestätigung auch darin, daß die Amerikaner diese Inseln in beschleunigter Weise durch Befestigungen zu schützen trachten. Unter diesen Umständen werden sie auch gezwungen sein, ihre Flotte, deren Budget um 500 Millionen erhöht ist, noch weiter zu verstärken, und da ist es doch in der Tat eine spaßhafte Zumutung, daß Deutschland nicht 300 Millionen für seine Flotte soll ausgeben dürfen. Die ganze Haager Konferenz wird ja schwerlich ernst genommen werden, und der Gegensatz zwischen England, Amerika und Japan wird das übrige sein, um die Aussichtslosigkeit ihrer Tendenz klar zu erweisen. Aus der Eile, mit der die Pankers alle Forderungen der Japaner erfüllt haben, wie sie seinerzeit vor den Chinesen zurückwichen, könnte auch der der deutsche Michel sehr heilsame Lehren ziehen.
Deutsches Reich.
Berlin, 5. Februar.
— Bisheriges Wahlergebnis für die konservative Partei. Gewählt: Deutsch-Konservative 43 in der Hauptwahl und 4 in den Stichwahlen. Die Deutsch-Konservativcn stehen in der Stichwahl noch in 22 Kreisen, und zwar:
Imal gegen die Freikonservativen, ,3nm( gegen die Nationalliberalen, 4mal gegen die Freisinnige Vereinigung, 6mal gegen die Freisinnige Volkspartei, 7mal gegen die Sozialdemokratie, Imal gegen die Polen.
Gewonnen sind bisher 10 Sihs, verloren 4.
— Wahlprotsst. Gegen die Wahl des Sozialdemokraten Schwarz in Lübeck ist Protest eingelegt worden.
— Koloniale Finanzpolitik. In seiner Frankfurter Rede, deren Schlußsatz wir bereits in der gestrigen Nummer mitteilten, gab Kolonialdirektor Dernburg, ausgehend von dem auf den Philippinen angewandten amerikanischen Grundsätze, daß jede Kolonie womöglich auf ihre eigenen Einnahmen angewiesen sein solle, über die eigenen Einnahmen der deutschen Schutzgebiete folgende Uebersicht: Ausschließlich Südwestafrika betragen nach dem Etat für das Jahr 1906 die eigenen Einnahmen unserer Kolonien 10 316 000 Mark, für das Jahr 1907 geschätzt 11 340000 Mark, die fortdauernden Ausgaben 19 326 Mark. An einmaligen Ausgaben sind 2 8887 000 Mark vorgesehen. Die reine Verwaltung unserer sämtlichen Kolonien ausschließlich der militärischen Ausgaben betrug int Jahre 1905 8 820 000 Mark, die reinen Verwaltungseinnahmen 10 920 000 Mark, d. h. die reinen Einnahmen übersteigen die Verwaltungsausgaben in diesem Jahre bereits um
mit Fessenbach verlebt hatte, von ihrer ersten Begegnung bis heute morgen. Es war gekommen, so allmählich und unmerklich und doch — jetzt wußte sie, warum der Gedanke an ein Scheiden von hier sie weinen gemacht hatte — und wie ein schreckliches Gespenst tauchte plötzlich der Gedanke auf: Rupert von Felsenbach-Führen — von Felsenbach, warum mußte er gerade diesen Namen tragen. War es nicht doch vielleicht ein Verwandter jenes unseligen Mannes, der den Bruder gemordet? — Nicht doch! — Der Vater hatte ihr gesagt, ein Mord sei das nicht gewesen. Mit Aufbietung ihrer ganzen Gedächtnisschärfe suchte sie sich jedes Wort des Grafen zurückzurufen,, welches er zu ihr im Laufe der Jahre über den Zweikampf gesprochen, und sie fand keines darunter, welches den Mann verdammte, der mit der Waffe in der Hand, Äug' um Auge dem Beleidiger auf der Wahlstatt gegenüber trat, — keinen---. Und wenn der Vater
in feinem Gerechtigkeitssinne den Betreffenden selbst freisprach, war es nicht kindische Torheit von ihr, durch eine Namensgleichheit, durch eine mögliche Verwandtschaft des Geliebten mit jenem sich ihr Glück trüben zu lassen? Ihr Glück! — Fast ermessen erschien ihr der Gedanke, und doch — lieben und geliebt zu werden, ist schon Glück an sich — und dies Empfinden überwog in Gabis jungem Herzen denn auch zumeist alle Sorgen für die Zukunft, alle weiteren Grübeleien. Wenn sie sich liebten — sie und Rupert — was stand ihnen entgegen? — Und der Schatten, der eben noch über ihrem Glück geschwebt, wäre fast ganz verschwunden, wenn der Name, der unselige Name sie nicht aufs Neue erschreckt hätte in Bezug auf die Mutter und auf Ulrike — ihr selbst erregte er schon keine Bedenken mehr.
Es klopfte.
„Herein!" 1
2,10 Millionen Mark. Vergleicht man dagegen die Ausgaben einschließlich derjenigen zur Förderung oder Errichtung werbender Anlagen mit den Gesamteinnahmen, so kommt man in den gleichen Jahren auf ein Defizit von rund 8,8 Millionen. Von unseren Kolonien ist ganz aktiv Togo, bis auf den Militäraufwand, aktiv Kamerun, nahezu aktiv Deutsch-Ostafrika. Wenn man die Formel derEngländer anwenden wurde, wonach Ausgaben fr werbende Zwecke auf Anleihen der Schutzgebiete übernommen werden, die Militärlasten aber zum größten Teile auf dem Budget des Vaterlandes ruhen, würde ein großer Teil unserer Kolonien einen Ueberschuß der Einnahmen über die Ausgaben z e i g c n, der zu Verzinsung mäßiger Anleiheschulden verwendbar wäre und eine Selbstverwaltung in beschränktem Umfange rechtfertigen könnte. Der Handel der Kolonien betrug für 1905 etwa 100 Millionen Mark, er hat sich injedem Jahrfünft nahezu verdoppelt. Unsere Zölle in den Kolonien sind zurzeit nicht sehr beträchtlich, etwa 10 Prozent des Wertes, andere afrikanische' Kolonien haben sehr viel höhere; eine Steige-i rung der Abgaben von durchschnittlich 51 Prozent würde für 1906 etwa 3 Millionen, für 1910, falls die Entwickelung fortschreitet und di« Eisenbahnen billigere Transportwege liefern, etwa 7 Millionen ergeben und bamit allein fast alle Kolonien durchaus selbständig machen, selbst wenn sie einen großen Teil ihrer militärischen Besatzung zu tragen hätten. Wie der Bau von Bahnen die Einnahmen steigert, beweist die englisch« U g a n d a b a h n. Ein geradezu klassisches Bei, spiel für die indirekte Rentabilität, die ein Staat bei einer der Erschließung seiner Gebiete dienenden Eisenbahn erzielen kann, ist die Anatolische Eisenbahn. Trotz der Garantiezuschüffe ist die Bahn nicht bloß für die Volkswirtschaft, sondern auch für die Finanzen der Türkei ein großer Vorteil. — Schon aus diesem kurzen Auszüge aus Dernburgs sachlichen Darleaunaen läßt sich erkennen, daß sich der aus dem Kaufmannsstande hervorgegangene Kolonialdirektor keinen trügerischen Hoffnungen hingibt, sondern auf Grund wertvoller kolonialer Erfahrung das große Werk ausgestalten wird, zu dessen Leitung er berufen ist.
— Zum Reichserbschaftssteuergeseh. Es könnt« auffallen, daß, nachdem vom 1. Juli 1906 ein Reichserbschaftssteuergesetz in Kraft getreten ist, noch die Partikulargesetzgebung auf diesem Gebiete in Anspruch genommen wird, wie dies aus der Einbringung des Entwurfes eines Landes- erbschaftssteuergesetzes für Elsaß-Loihringen bei dem Bundesrate hervorgeht. Das Rcichserb- fchaftssteuergesetz hat jedoch die Entwickelung einer Tätigkeit der Einzelstaaten auf diesem Steuergebiete nickt ausgescklossen. Sein § 58 z. B. besagt ausdrücklich, daß den Bundesstaaten überlassen bleibt, für eigene Rechnung Zuschläge zu der nach den Vorschriften dieses Gesetzes veranlagten Steuer zu erheben. Rach § 59 bleibt den Bundesstaaten ferner überlassen, in Ansehung der von der Reick-erb^ckaftssteuer be- =......... -__ '
Eva steckte den Kopf in die Tür; sehr erhitzt, etwas außer Atem sprang sie auf Gabi zu und schloß sie stürmisch in ihre Arme.
„Die Mama hat ihn zu Tisch geladen, denk« nur, wie gräßlich!" rief sie. Entrüstung im Ton und leuchtende Freude im Blick.
„Wen denn?" fragte Gabriele schalkhaft.
„Wen denn? — Ach geh' — du weißt es fa recht gut, den schrecklichen Doktor Ebert. Ich mag ihn nicht, weil er immer etwas zu necken hat mit mir — den ganzen Weg schon, bis vor die Tür. Ich glaube, ich ärgere mich tot übet den entsetzlichen Menschen."
„Ich finde ihn sehr nett, Evchen, und km Grunde — du ja auch. Du weißt recht gut, wie er dich verehrt."
„Verehrt? — Mich? — Der? — Aber Gabi, ich bitte dich!"
Dabei drehte sie sich rasch um und trat vor den Spiegel anscheinend um ihr dunkellockiges Haar zu ordnen, in Wahrheit aber, um ihr lebhaftes Erröten vor der Freundin zu verbergen. Gabriele Reuchlin war indessen fett heute morgen eine andere geworden. Sie war innerlich durch ihr süßes Geheimnis beglückt und ihrer sonstigen Gewohnheit entgegen zum Scherzen, aufgelegt. Sie verspürte eine unwiderstehliche Lust, die Kameradin zu necken und fick dadurch einmal für die kleinen Anspielungen Evas auf sie und Rupert zu rächen — ihr lachendes Gesicht über Evas Schulter beugend und diese im Spiegel ansehend, sagte sie:
„Evi, verstelle dich doch nicht? — Du wirst ja ganz rot, und deine Fragen sagen zu allem „Ja" was dein Mund verneint."
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