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mit -em K-ceisblatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhain.

Sontttaasbeilaaer StttalteieM *

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. Marburg

Dienstag. 5. Februar 1907.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Rüg. Koch, UniversttätS-Buchbruckmi

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

42. Jahrg.

Auf zur Stichwahl!

Dis Stunde bet Entscheidung ist gekommen, nochmals werden die Wähler zur Urne berufen, um durch ihre Abstimmung darüber zu entschei­den, ob der schöne Erfolg, den die nationalen Parteien am 25. Januar über die antinationale Sozialdemokratie errungen haben, zu einem vollen Siege über dieRoten" und ihre Mit­läufer und Gesinnungsgenossen aus dem bürger­lichen Lager führen wird, oder ob der Triumph des nationalen Gedankens durch Lässigkeit und Aneinigkeit der bürgerlichen Wähler eine Ab­schwächung erleiden soll. Letzterer Fall aber darf unter keinen Umständen eintreten: denn er würde bei unfern Feinden tm In- und Auslande die Meinung erwecken, daß die Flamme natio­naler Empörung über die unpatriotische Haltung der letzten Reichstagsmehrheit gegenüber den dringeiid notwendigen Forderungen der Reichs­regierung zur Sicherung unseres südwestafrikani­schen Besitzes bloßes Strohfeuer gewesen sei. Es gilt, den Nachweis zu führen, daß wir Deutschen auch in politischen Fragen vorwärts geschritten sind, daß wir gelernt haben, kleinliche Sonder­wünsche und -Meinungen den großen nationalen Gesichtspunkten unterzuordnen, daß also Bis­marcks drastischer Ausspruch:Wir Deutschen hätten bei zwölf Köpfen auch zwölf Meinungen" auf unser heutiges Geschlecht, wenigstens in nationalen Angelegenheiten, nicht mehr in glei­chem Maße anzuwenden ist, wie früher.

Durch die Hauptwahl ist auch in unserem Wahlkreise eine Klärung der Situation, eine scharfe Scheidung der Meinungen herbeigeführt worden. Zwei Wahlbewerber nur stehen sich noch gegenüber, und die Wähler haben sich für D r. Böhme oder für v. Gerlach zu entscheiden. And diese Entscheidung kann unserer Meinung nach vaterländisch gesinnten, ruhig wägenden Männern nicht schwer fallen. Trotz aller An­griffe und Verdächtigungen von gegnerischer Seite hat sich Dr. Böhme» der um ein Geringes schon in der Hauptwahl den Sieg errungen hätte, das Vertrauen und die Anerkennung der großen Mehrheit unserer Reichstagswähler erworben. Wenn auch noch kurz vor der Wahl Hr. v. Gerlach durch ein von ihm verfaßtes und unterzeichnetes F l u g b l a t t, das nochmals jene Blutenlese beleidigender Hehworte und Knallphrasen ent­hält, mit denen er gegen Dr. Böhme zu Felde zog, die allgemeine Stimmung irre zu führen suchte, so glauben wir doch als sicher annehmen zu dürfen, daß auch dieser Kunstkniff des vielgewandten Sensationspolittkers seine Wirkung verfehlt hat. Die übergroße Mehrheit der Wählerschaft in Stadt und Land hat die Ueberzeuguug gewonnen, daß nicht der Ver­treter des großkapitalistischen Frei­sinns, der sich zum Handlanger der So­zialdemokratie erklärt hat, sondern Dr.

Grüße aus Südwestafrtka.

Wiederum bringen uns Postkarten Grüße aus Südwestafrika und die Nachricht, daß die von hier gesandten Liebesgaben ihren Bestimmungs­ort erreicht haben und, wie es schon neulich hieß, nicht den Hereros in die Hände gefallen sind aber auch nicht, wie seiner Zeit behauptet wurde, in Swakopmund mit Bergen von Liebesgaben dem sicheren Verderb verfallen waren. Daß dis nicht so leicht eintrcten konnte, dafür sorgte schon die gute Verpackung der Sendungen. Jedenfalls war die Freude der Empfänger groß, dies drückt eine Postkarte.aus, die untern 4./9. 06 aus jlhabis an de» hiesigen Magistrat gerichtet wurde und dieser Tage ankam; sie lautet:Den hochverehrten Vertretern der Stadt Marburg senden die Angehörigen der 4. Komp. 2. Feld- Regis. viel herzliche Grüße und vielen Dank für liebenswürdige Aebersendung der Liebesgaben- kiste, die die Kompagnie vor 14 Tagen erhielt. Das war ein Festtag für uns und Sie hätten mal die Freude unserer Leute sehen sollen. Der Stadt Marburg ein dreifaches Hurrah." Eine an Herrn Beigeordn. Schimpfs gerichtete Karte aus Jnschab vom 25. 12. 06 lautet:Im Namen der Komp, meinen herzlichsten Dank für freund­liche ileberscndung der so überaus geschmackvoll und praktisch ausgewählten Liebesgaben, die der Komp, im August d. I. zugingen und den Leuten große Freude gemacht haben. Mit bestem Gruß." Unterzeichnet sind diese beiden Karten ebenso wie eine an Herrn Postdirektor Frenzel, jetzt in Eschweiler, gelangte, die sich in gleichem Sinn ansdrückt von dem Führer der 4. Kompagnie, Herrn Oberleutnant Malik-re. Wir wollen nicht versäumen, diese Dankschreiben hierdurch zur all­gemeinen Kenntnis zu bringen, damit alle freundlichen Spender der Liebesgaben und alle diejenigen, welche beim Zustandekommen bei Sendungen behilflich waren den auf sie entfal- lendoil Teil des Dankes sich entnehmen können. Anseren braven Soldaten wünschen wir, daß ihnen alles-, Trink- und Rauchbare geschmeckt bat. daß die GebrauchsgeLenstände ihnen eine

Böhme, der wahrhaft deutsch gesinnte Vertreter einer unserer konservativen Weltan­schauung nahestehenden nationalen Partei«, richtung der geeignete Mann ist, unseren Wahl­kreis im Reichstage hinfort zu vertreten. Die Lauterkeit und Festigkeit seines Cha­rakters, seine gründliche wissenschaftliche Vorbildung und seine Vertrautheit mit den praktischen Erfordernissen einer gesunden Wirtschaftspolitik erscheinen uns, im Verein mit seiner, von echt nationaler Begeisterung getragenen Arbeitsfreudigkeit, als zuverlässige Bürgschaften für zukünftiges Wirken Dr. Böhmes im Reichstage.

Dr. Böhme wird sich in der großen nationa­len Frage, die durch die Auflösung des Reichs­tags noch brennender geworden ist, als festent- schlostener treuer Mitarbeiter der Reichsregie­rung zur Verfügung stellen. Darum muß es das ehrliche Bestreben aller vaterländisch ge­sinnten Männer sein, Dr. Böhme zum Siege über seinen Gegner zu verhelfen. Zu diesem Zwecke aber darf am morgigen Wahltage kein einziger Wähler daheim bleiben, alle müssen zur Arne treten: denn jede einzelne Stimme ist in dem Entscheidungskamxfe von Bedeutung, han­delt es sich doch darum, den in die Verteidigungs­lage gedrängten Gegner völlig niederzuzwingen. Den Gegner aber zu unterschätzen, wäre ein schwerer Fehler, der sich bitter rächen könnte: denn ganz gewiß wird Herr v. Gerlach wie schon letzthin angedeutet wurde alle Künste seiner aufreizenden Agitation spielen lassen, um doch noch den Preis zu erringen.

Daher ergeht auch an d i e Wähler, die wegen Unpäßlichkeit oder aus sonstigen Gründen am Hauptwahltage ihr Wahlrecht nicht ausge­übt haben, die dringende Aufforde­rung, morgen an der Arne zu erscheinen: denn das höchste Recht des Deutschen, das Reichstagswahlrecht bedeutet doch zu­gleich eine nationale Pflicht, der sich jeder wahre Patriot unterziehen muß, zumal wenn es gilt, die nationale Ehre zu wah­ren und der Reichsregierung im Kampfe gegen offene und heimliche Gegner zur Seite zu stehen.

Bekanntlich werden im Reichstage sehr viele Fragen behandelt und entschieden, die auch für unsere engere Heimat große Bedeutung haben. Jeder, der seine schöne Marburger Heimat liebt, muß daher ein lebhaftes Interesse daran haben, daß unser Wahlkreis im Reichstage auch durch einen überzeugungstreuen und leistungsfähigen Mann vertreten wird, und muß daher zu seinem Teile mitwirken, daß dies erreicht wird. Mit Recht sagt der bekannte Dichter Gottfried Keller: Wer unter Heimatliebe nur Zuhausehockerei versteht, wird der Heimat nie froh werden, und sie wird ihm leicht nur zu einem Sauerkrautfaß." Dieses drastische Wort des wackeren Schweizer Dichters sollte sich mancher Wahlschwänzer" zu Herzen nehmen, und das

kleine Freude während ihres aufreibenden und gefährlichen Dienstes bereitet und ihnen gezeigt haben, daß man sie wenigstens hier in Marburg nicht vergeßen hat. Da es schon so lange her ist, seit die Liebesgabensammlung ins Werk ge­setzt wurde und viele unserer Leser sich derselben nicht mehr genau erinnern werden, wird es Manchem nicht unerwünscht sein, über das Zu­standekommen der Sammlung zu erfahren, zu­mal dieselbe sich ziemlichgeräuschlos" vollzog. Nach der Festrede beim Kommers der drei hiesi­gen Kriegervereine, durch welche eine Geldsamm­lung zum besten unserer Krieger in Afrika in­nerhalb des Kreises der Festteilnehmer veran­laßt wurde, faßten zunächst die Herren Direktor Dr. Knabe, der damalige Postinspektor Frenzel und Beigeordneter Schimpfs den Entschluß, auch weitere Kreise zur Spende von Liebesgaben heranzuziehen und unseren Truppen wenn mög- lich noch ein Weihnachtsgeschenk, wenigstens aber eine Gabe zum Geburtstag des obersten Kriegs- Herren zu übermitteln und zu diesem Zwecke ein Komitee zu gründen. Die anwesenden 3 Vor­sitzenden der Kriegervereine, die Herren Blencke, Becker und Wirges, erklärten sofort ihre Be­reitwilligkeit, die eingegangenen Gelder zu die­sem Zwecke zur Verfügung zu stellen, auch in je­der Weise hilfreich das Unternehmen zu fördern. Da keine Zeit zu verlieren war, wurden noch die Herren Prof Andrä, General d. I. von Barten- werfser, Oberstleutnant v. Müller, Landrat von Negelein, Generalmajor v. Penh und Oberst­leutnant v. Röder zu Diersburg, welche Teilneh­mer des Kommerses waren, für die Sache ge­wonnen und ein Aufruf in beiden hiesigen Zei­tungen erlassen, welche sich ebenfalls als Cam- melstellen zur Verfügung stellten. In wenigen Tagen waren 2007 =H 32 L in baar beisammen und eine Menge Gaben in natura. Mehrere Herren teilten sich in das Amt der Einkäufer um noch möglichst rasch alle die vielen Eebrauchs- gegenstände und Eenußmittel zu erstehen, von welchen man annehmen durfte, daß sie unseren Soldaten im Felde erwünscht oder brauchbar sein würden und es muß rühmend anerkannt werden.

wieder gut zu machen suchen, was er am 25. Ja­nuar gesündigt hat.

Darum nochmals, Ihr Wähler in Stadt und Land, morgen am Tage der Stichwahl Mann für Mann an die Urnei Es gilt, einen wahr­haft deutschen, zuverlässigen und tüchtigen Mann als Vertreter des Wahl­kreises Marburg - Kirchhain-Fran­ke n b e r g in den Reichstag zu wählen. Darum gebt Eure Stimme dem Reichstagskandidaten

Dr. Karl Böhme.

Stichwahlergebnlffe.

In den bisher vorgenommenen Reichstags­stichwahlen sind nach Mitteilung derFranks. Ztg." folgende Ergebnisse erzielt worden: Ge­wählt wurden in Memel-Heydekrug (Ostpreu­ßen), das bisher konservativ vertreten war, Ge­heimer Rat Schwabach (nationalliberal) mit 11401 Stimmen gegen Gutsbesitzer Krause (kon­servativ) mit 6434 Stimmen. In Randow- Greifenhagen (Pommern), das bisher so­zialdemokratisch vertreten war, wurde der konservative Freiherr von Steinäcker gewählt. In Elmshorn-Pinneberg (Lees­wig-Holstein) wurde Eüerstand von der frei­sinnigen Volks Partei mit 23882 Stim­men gegen den bisherigen Vertreter der So­zialdemokratie v. Elm- gewählt. Dieser Wahlkreis war seit 1891 in sozialdemokratischem Besitze. Weiter wurde in Rostock (Mecklen­burg Schwerin) der Nationalliberale Luck gewählt. Auch dieser Wahlkreis war seit 1898 in sozialdemokratischem Besitze. In- strew (Mecklenburg), das bisher konserva- t i v vertreten war, behauptete v. Treuen- f e l s (konservativ) den Wahlkreis gegen de» Sozialdemokraten Knappe. In Malchin- Waren (Mecklenbrg) wurde Frhr. v. Maltzan- Peceatal (konservativ) gegen den So­zialdemokraten Lorenz wiedergewählt. In Kagenow-Erevesmiihlen wurde Graf Both- mer (wildliberal) gegen Domänenrat Rettich (konservativ) gewählt. In Schwerin-Wismar, das bisher nationalliberal vertreten war, wurde der Konservative Dröscher gegen Staros- son (Sozialdemokrat) gewählt. In Mecklenburg-Strelitz behauptete der Frei- konservative Rauck sein Mandat gegen den sozialdemokratischen Kandidaten Lüth. In Holzminden-Gundersheim (Braunschw.) wurde der bisherige Vertreter v. Damm (gemäß. Welfe), Mitglied der Wirtschaftl. Bei- einigung gegen den Sozialdemokra­ten Ealver wiedergewühlt. Man sieht aus

daß alle Geschäftsleute, bei welchen Einkäufe be­sorgt wurden, auch dann, wenn sie schon Gaben aespendet hatten, auf den Preis der eingekauften Sachen teils ganz erhebliche Ermäßigungen ge­währten, teils namhafte Zugaben hinzufügten. An Schokolade wurde z. B. so viel eingekauft oder geschenkt, daß vor Abgang der letzten Kiste hier keiner mehr zu haben war. Um die Besor­gung dieses süßen Nahrungsmittels hatte sich be­sonders Herr Dr. Dörkes verdient gemacht.

An den Geldspenden waren neben vielen Einzelnen die hiesige» Offizierkorps, die Ober­jäger, Postbeamten, verschiedene studentische Korporationen, die Schüler der Oberrealschule und der höheren Mädchenschule, die Kriegerver- eine hier, in Ockershausen, Frankenberg. Münch­hausen, Schönstadt und andere Körperschaften be­teiligt: unter den vielen teilweise sehr reichen Natural-Eabrn ist besonders die der Gebrüder Niderehe, 6 Kisten Tabak in viele kleine Päk- chen fertig verpakt und 18 Pfeifen zu nennen.

In einem Lagerraum des hiesigen Gaswerks wurden alle die eingelaufenen und eingekauften schönen Sachen gesammelt und dann in 3 etwa gleiche Teile geteilt. Di- Tabakkisten wurden außen mit Blech umhüllt und verlötet, die übri­gen Sachen kamen in drei große Kisten, welche inwendig mit Blech ausgeschlagen und ebenfalls verlötet waren und das stattliche Gewicht von 7 bis 9 Zentner hatten. Was alles da hinein kam und seefest verpackt werden mußte, macht fast den Inhalt eines kleinen Krämerladens aus: außer den bereits erwähnten Eenußmitteln Schokolade und Tabak kamen hinein Zigarren, Zigaretten, Schnupftabak,Wein, Kognak, Pfeifen und Zigarrenspitzen, Strümpfe, Unterhosen, Jacken, Hemden, Morgenschuhe, Lesebücher, Lie­derbücher, Zeitungen, viele hundert bunte Post­karten Briefpapier und Umschläge, Mesier, Ga­beln, Löffel, llbrketten, Feuerzeug, Seife, Lichter, Tintenstifte, Kämme, Scheren, Rähzeug, Hosen- träger, Notizbücher Mundharmonikas, Wein­steinsäure, kurz, selbst dann, wenn noch allerhand vergessen fein sollte, ein kleines Warenlager. In dir Killen wurden vor dem Sulfiten noch kleine

diesen Angaben, daß die Zahl der sozial­demokratischen Niederlagen aber­mals beträchtlich zugenommen hat. Möge dies von guter Vorbedeutung für die übrigen Stich­wahlen fein!

Deutscher Reich.

Der Kaiser nahm am Freitag die Meldung des aus Reden zurückgekehrten Prinzen Friedrich Leopold entgegen, der zur Frühstückstafel ge­laden wurde. Am Samstag Vormittag hatte der Kaiser eine Besprechung mit dem Reichs­kanzler, hörte im Schloß die Vorträge des Staatssekretärs des Reichsmarineamts und des Chefs des Marinekabinetts, nahm um 12(4 Uhr die Rapporte der Leibregimenter entgegen und empfing den russischen Marine-Attachs Für­sten Dolgorukow, bet bie russische Marinerang­liste überreichte.

Die Reichstagswahlen in den Ostmarksn haben, so schreibt man uns, ein Ergebnis gehabt, mit dem die Deutschen zufrieden fein dürfen. Von deutscher wie polnischer Seite ist die Wahl­beteiligung stark, stellenweise sehr stark gewesen. Die Deutschen haben die ihnen zugänglichen Mandate von Fraustadt, Meseritz, Kol- mar und Vromberg, die sonst, wenn über­haupt, gewöhnlich erst bei Stichwahlen erkor---? wurden, allesamt gleich bei der Hauptwahl und mit größeren Mehrheiten als jemals errungen, wie wenn das Gesamtergebnis der deutschen Stimmen in der Provinz Posen im Vergleich zu 1903 ein Mehr von rund 22 000 Stimmen auf­weist. während die Polen nur um rund 15 000 Stimmen zugenommen haben. Dieses Plus ist teils auf die außerordentlich starke. Wahlbeteili­gung zurückzuführen, zum Teil aber auch auf den deutschen Bevölkern ngszuwachs, den die Tätig­keit der Kgl. Ansiedelungskommission dem vlat- ten Lande zugeführt hat. Den Wahlkreis Wir« fitz den Voten zu entreißen, ist den Deutschen nicht gelungen. Es war das bei der Anwesen­heit der zahlreichen polnischen Saisonarbeiter auch nicht zu ermöglichen. Immerhin ist die Zahl der deutschen Stimmen auch in Wirsih im Vergleich zu 1903 stärker gewachsen als die der Pcllen. Nur langte das erzielte Mehr noch nicht aus, die von denSachsengängern" den Polen gebrachte Verstärkung aufzuwiegen. Jedenfalls aber war in allen drei Teilkreisen des Wahl­bezirkes die Beteiligung der Deutschen gut. in Znin sogar über alles Lob erhaben. Gleichfalls vorauszusehen war der Verlust des benachbarten westpreußischeu Wahlkreises Schwetz, in welchem die gleichen Verbültnisie wie in Wirsitz obwal­teten. Von den übrigen zweifelhaften westvreu- ßischen Wahlkreisen sind Marienwerder, Löbau und Thorn von den Deutschen gehalten worden, Thorn allerdings mit knapper Majorität. In Eraudenz kommt cs zur Stichwahl, in welcher deutscherseits hoffentlich das Aeußerlle getan

Weißtannenzweige, jeder geziert mit kleinen Schleifen in den Reichsfarben verteilt. Es war eine nicht ganz geringe Arbeit, bie hauptsächlich außerhalb der Dienstzeit erledigt werden mufcte, dies alles sicher zu vrpacken; hierbei waren außer einigen Ausschußmitgliedern besonders die Her­ren Casinspektor Schulz, Bureaubeamter Haha, Mechaniker Reidt und die Arbeiter Eapeller und C. Preiß vom Gaswerk behilflich. Durch die Be­mühung des Herrn Beig. Schimpfs wurde es er­möglicht, die sämtlichen Kisten ganz frachtfrei nach ihrem Bestimmungsort zu befördern: nach den hierher gelangten Nachrichten gingen von Hamburg aus am 30. November 1905 sieben Kisten, am 2. Dezember eine Kiste mit den Dampfern bei Woermann-Linie nach Swakop­mund ab, von wo beieits am 5. Januar 1906 die Ankunft von 5, am 17. Januar und 13. Februar die Ankunft von je einer Kiste angezeigt wurde. Postkarten, welche die Ankunft von Teilen der Sendung berichteten, kamen bekanntlich geoen Ende Januar und im März vorigen Jahres an. Die neuestn Nachrichten biirftcn die Ankunft der zulebt abgesandten Kiste bestätigen.

Wie uns bekannt geworden, verfügt das Komitee noch über etwa 260 -ü und einige ver­spätet eingelaufene Liebesgaben, welche dem­nächst noch aboeben sollen. Wer alko noch mit helfen will, unseren Afrikanern eine Freude zu bereiten, mfiae sich beeilen, einem der angeführ­ten Herren feine Gabe zukommen zu lasten, da­mit noch eine zweckentsprechende Verwendung möglich ist. Schön wäre es doch, wenn wir Mar­burger trotz allen Parteigezänkes der Gegenwart uns der Tatsache nicht verschließen würden, daß unsere Söhne und Brüder, die unsere Ko­lonien dem Reiche unter Dransetzung von Leben und Gesundheit halten wollen, nicht vergessen sein sollen und daß sie die Freude wahrlich ver­dienen, die ihnen jede Sendung bereitet. Unse­ren braven Truppen und nicht am wenigsten der 4. Kompagnie des 2. Regiments, senden wir un­sere Grüße, ein kräftiges Hurrah! und den, Wunsch, daß sie bald die liebe Heimat wieder sehen mögen.