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mit dem Kreis-latt für die Kreise Marburg und Kirchhain,

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Jnstrtlvnsgebühr: die gejpaltene Zelle oder deren Raum 15 Pfg.

Reclanien: die Zeile 30 Pfg.

Marburg

Sonnabend 2. Februar 1907.

Erscheint wöchentlich siebe» mau

Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UmversttätS-Buchdnlckerei Marburg, Markt 2L Telephon 65.

42. Jahrg.

Bestellungen

für die Monate Februar und März auf die

Oberhessische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch­hain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstalten und Landbricfträgern ent­gegengenommen.

Das Vaterland, nicht die Partei.

Der für die nationalen Parteien über Er­warten günstige Ausfall der Reichstagswahlrn am 25. Januar beschäftigt noch immer die po­litischen Blätter aller Richtungen. Wenn bei Erörterung dieses erfreulichen Ereignisses Stim­men laut geworden sind, die dafür die Werbe- kraft des einen oder anderen Parteiprogramms als ausschlaggebendes Motiv bezeichneten, so muß uns dies als ein Trugschluß erscheinen: denn im letzten Grunde ist es doch das Wieder- crwachen des nationalen Selbstbewußtseins ge­wesen, wodurch der Umschwung in der allgemei­nen Stimmung hervorgerufen wurde. Dies ist umso freudiger zu begrüßen, als bei uns Deut­schen nurallzn leicht das Nationalgefühl in einen Dornröschenschlaf verfällt. Hat doch einmal Bis­marck in seinen Gedanken und Erinnerungen geäußert:Ich weiß kein Land, wo das allge­meine Nationalgefühl und die Liebe zum Ge- samtvaterlands den Ausschreitungen der Partei- lcidenschaft so geringe Hindernisse bereitet, wie bei uns."

Diese Bemerkung des Altreichskanzlers be­ruht leider Gottes auf nur zu wohlbegründeter Erfahrung. Allein das deutsche Volk hat schon öfter in der Geschichte seine Feinde und Neider durch unerwartete Taten und heldenhafte Hand­lungen überrascht, die von seiner Liebe zu Vater­land und Volkstum beredtes Zeugnis ablegten. Eo ist es auch diesmal gewesen, als das plötzlich erwachende nationale Empfinden mit siegreicher Kraft den internationalen Sozialismus zuriick- drnngtc.

Diese nationale Kraftanspannung kam sehr Vielen um so überraschender, als der deutsche Reichstag sich vieG Jahre hindurch hauptsäch­lich mit wirtschaftlichen und sozialen Fragen be­schäftigt hatte. Die Verhandlungen zwischen Reichstag und Regierung bewegten sich viele, viele Jahre hindurch auf dem nüchternen Boden der Abwägung der tatsächlichen Interessen der einzelnen Bevölkerungsschichten. Man war in der inneren Politik schon soweit gekommen, daß

11 lNachdruck verboten.)

Schatten.

Roman von B. v. d. Lancken.

(Fortsetzung.

Prächtiges, liebes Mädchen," flüsterte der Lauscher, und zum erstenmal durchbebte ihn ein Empfinden, vor dem er selbst erschrak. Er hatte kaum Zeit, ihm nachzugehen, denn Gabriele wandte sich jetzt nach dem Garten zurück, um ihren Anstieg zu bewerkstelligen: zugleich ge­wahrte sie aber Rupert, und eine tiefe Röte färbte ihr feines Gesichtchen bis unter die gold­blonden Locken hinauf. Starr blickte sie auf die Männergestalt und schien ratlos, was zu tun. Rupert kam rasch auf sie zu.

..Erlauben Sie, Gräfin, daß ich Ihnen behilf­lich bin," sagte er höflich.

Sehr freundlich! Bitte, bringen Sie mir einen Stuhl, Herr Doktor!"

Der würde nicht viel nützen," antwortete Rupert, mit lächelndem Blick die Entfernung messend, die von ihrem Sitze bis zu einem an die Mauer gestellten Stuhl noch blieb.

Ja aber --- Eie stockte.

Vertrauen Sie sich mir an bitte!"

Er streckte die Hände aus und sah sie an, und feine Augen wußten ihre Bitte wirksam zu un­terstützen noch ein sekundenlanges Zögern.

Ra, meinetwegen, hinunter muß ich ja doch mal," rief Gabi lächelnd, beugte den Oberkörper vor und stemmte ihre Hände auf seine Schultern, mit festem Griff legte er die seinen um die schlanke Gestalt, und leicht wie eine Elfe flatterte Gabriele von ihrem luftigen Sitz auf die Erde herab.

Gott sei Dank und Ihnen auch," rief sie kachend, als sie endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatte,was werden Sie von- mir denke», wenn ich solche Turnkünste mache?"

Wie immer nur das Beste. Ich muß

man in weiten Bevölkerungskreisen beinahe alle politischen Fragen als Handelsgeschäfte ansah. Dazu kam, von der Sozialdemokratie genährt, eine Rauheit, ja Rohheit der politischen Sitten, die unangenehm wirken mußte. Da mit einem Male tauchte eine hervorragend nationale Frage auf. Es galt, Stellung zu nehmen auf der na­tionalen oder auf der internationalen Seite, und sofort gewann die Politik wieder ein ganz an­deres Gesicht. Auf nationaler Seite vergaß man die trennenden wirtschaftlichen Gegensätze, man fragte nicht mehr, ob Freihandel, ob Schutzzoll vorherrschen sollte, man ließ die materiellen In­teressen unberücksichtigt. Es zeigte sich in diesem Teile der Ration ein idealer Schwung, wie er nur in bedeutsamen Phasen zu beobachten ist: man erinnerte sich daran, daß die Politik doch nicht ein Handelsgeschäft, sondern eine Kunst ist, daß nicht der Geldbeutel, sondern das Herz bei ihr die Entscheidung trifft. So ist es denn, wie schon oben gesagt, das nationale Moment gewesen, welches die Hauptursache für den erfreu­lichen Ausfall der Hauptwahlen bildete. Es ver­einte Parteien, die sich früher bekämpft hatten und brachte ihnen, die so schon stärker geworden waren, aus den Kreisen der Nichtwähler große Scharen von Anhängern, die, wenn dieser ideale Zug nicht durchs Land geweht hätte, sicherlich wieder hinter dem Ofen geblieben wären. So­lange im Deutschen Reiche eine solche Eestnnuno noch aufflammen kann, ist es mit ihm und seiner Politik auch noch nicht schlecht bestellt.

Dazu kam allerdings die große Erbitte­rung. die in den weitesten Kreisen der Ration das Treiben der Sozialdemokratie erregt hatte. Die Partei des großen Wortes, die in der Praxis immer das Gegenteil von dem ausführte, was sie in der Theorie als allein richtig hinstellte, diese jede Freiheit unter­drückende, den Terrorismus geradezu kultivie­rende Gesellschaft, diese Clique, die dem Größen­wahn verfallen war, weil es ihren Versprechun­gen gelungen war, einen bedeutenden Teil der Wähler für sich einzufangen, sie mußte aufs Haupt geschlagen werden. Der markanteste posi­tive Erfolg der Wahlen ist ja denn auch die Verringerung der sozialdemokratischen Mandate. Roch hat die Sozialdemokratie eine große Zahl von Stimmen, sie zieht auch in den neuen Reichstag mit einer immerhin beträchtlichen Schar von Abgeordneten ein; aus dem diesmali­gen Wahlkampfe aber ist klar geworden, daß Lüge und Heuchelei keine dauernde Stätte im deutschen Vaterlande haben. Eine Partei, deren Wesen unwahr ist, eine Partei, die die Freiheit im Munde führt, in Wirklichkeit aber knebelt, eine Partei, die heuchlerisch ist bis ins Mark der Knochen, wirtschaftet in Deutsch­land ab, mag sie auch die schönsten Versprechun-

Jhnen auch beichten, Gräfin, daß ich Ihr ganzes Gespräch mit Karlchen hörte. Zürnen Sie mir nicht, ich mochte nicht als Störenfried dazwischen treten."

Ich habe seit einigen Tagen meinen Spaß mit dem Kleinen."

Sie versuchen aber a^ch, erziehlich auf ihn einzuwirken, und zwar mit Erfolg," neckte Rupert.

Das heißt, ich Versuchs, aber es glückt nur manchmal. Eva versteht das besser. Sie ist viel energischer als ich, ich bin ein so unselbständiger Charakter."

Sie, Gräfin? Das hätte ich nicht gedacht. Sie machen freilich den Eindruck der Schmieg­samkeit und Weichheit--

Leider bin ich es aber. Mein guter Vater pflegte zu sagen, er fürchte, daß nur durch eine harte Schule gestählt mein Charakter Festigkeit erhalten würde."

Er sah sie von der Seite mit einem fast liebe­voll-mitleidigen Blick an.

Vielleicht auch noch durch einen anderen milderen Einfluß."

Glück meinen Sie?"

Er biß sich leicht die Lippen, das Blut drängte sich ihm rasch zum Kopf und zum Herzen er schwieg sekundenlang.Glück? Es kommt darauf an, was Sie unter Glück verstehen nicht äußerliches Glück. Ich meinte das Glück, das aus dem heiligsten und besten Gefühl herauswächst, dessen ein Menschenherz fähig ist aus der Liebe."

Gabriele erwiderte nichts; sie beugte sich he­rab, pflückte einen Grashalm und biß nachdenk­lich darauf. Felsenbach fand auch keine rechte Anknüpfung, so wanderten die beiden schweigsam neben einander durch den kleinen, sommerlichen Garten, und weder der weltgewandte Felsenbach, noch Gabriele konnten den Entschluß fasten, nach dem eben Gesagten durch iraenb eine alltägliche

gen von sich geben. So haben die Hauptwahlen zum Reichstag vom 25. Januar gezeigt, daß im deutschen Reiche noch immer der Idealismus vorherrscht, und aus diesem Gesichtspunkte ge­winnen die Wahlen eine ganz besondere Be­deutung.

Sorgen wir aber dafür, daß dieser Idealis­mus bei den Stichwahlen am 5. Februar nicht etwa durch schlaue Agitatoren in falsche Bahnen gelenkt und Zwecken dienstbar gemacht werde, die in Wirklichkeit trotz aller Phrasen, mit denen man sie umhüllt, nichtszu tun haben mit den großen nationalen Aufgaben, um die der Wahlkampf geführt wird.Das Baterland, nicht die Partei!" das muß für alle vaterlän­disch fühlenden Männer die Losung am Tage der Stichwahl sein! Ganz besonders in unserem Reichstagswahlkreise Marburg-Kirchhain-Fran- fenberg, wo fortgesetzt von v. Eerlachscher Seite Versuche gemacht werden, eine Einigung aller vaterländisch empfindenden Männer durch aller­hand irreführenden Gerüchte und Tendenznach­richten zu Hintertreiben, ist es dringend notwen­dig, wenigstens für den Tag der Stichwahl alle trennenden Parteiunterschiede zu vergeßen und einmütig für den gemeinsamen Kan­didaten aller nationalen Gruppen, Herrn Dr. Karl Böhme einzutreten.

Deutsch:» Reich.

Der Kaiser stattete am Mittwoch, als am Todestage des Kronprinzen Rudolf, dem öster­reichisch-ungarischen Botschafter v. Szögyeny-Ma- rich in der Uniform eines österreichisch-ungari­schen Feldmarschalls einen Besuch ab, der über eine Stunde währte.

Deile idsk»v.dgebungen. Dem Kaiser sind anläßlich des Grubenunglückes in Reden außer einem Kondolenztelegramm des Präsidenten der französischen Republik telegraphische Beileids- kundgebungen von dem Kaiser von Rußland, dem König von England und dem König von Italien zugegangen.

Tod eines Herrenhausmitgliedes. Frhr. von Bod elschw i n gh - P le 11enber g, Mitglied des preußischen Herrenhauses, ist im Alter von 86 Jahren in Dortmund gestorben.

Die Vudgstkommission des Abgeordneten­hauses beendete am Mittwoch Nachmittag die Beratung des Etats der Handels- und Eewerbe- verwaltung. Der Rest der dauernden Ausgaben wurde debattelos bewilligt. Das Extraordina- rium fordert in der Hauptsache außer Ergänz­ungen der Lehrmittelsammlungen an den Ma­schinenbauschulen in Breslau, Magdeburg, Posen und Dortmund zur Einrichtung von Handels- hochschulkurfen in Königsberg 15 000 M und zur Förderung größerer Meisterkurse in Hannover, Köln, Dortmund und Magdeburg 107 000 dl.

Phrase das Gespräch auf ein anderes Gebiet hin- überzulenken, und es war Gabi eine ganz will­kommene Unterbrechung, als vom Hause her Evas fröhliche Stimme ertönte die ihren Na­men rief. Felsenbach empfahl sich bald.

Die Zeit, die Rupert jetzt mehr für sich allein zubrachte, wurde nicht, wie man unten glauben mochte, ernster, geistiger Arbeit gewidmet. Er saß wohl vor seinem Schreibtisch, aber es ging ihm mit der Schriftstellerei nicht von statten, und häufig genug legte er das Manuskript bei­seite. warf sich auf bas Bambussofa und überließ sich seinen Gedanken. Er war nicht mehr ver­stimmt über seine Unfähigkeit zu schaffen; er hatte die Ursache erkannt, und diese Ursache er­füllte ihn mit einem schwermütige» Elücksgefühl. Er liebte Gabriele Reuchlin, und er erschrak bei sich selbst vor der Tiefe seines Empfindens. Er liebte mit der ernsten Liebe und echten Leiden­schaft eines Mannes in den dreißiger Jahren. Ihre Schönheit war es zunächst gewesen, die ihn interessiert und gefesselt hatte, denn ihr Geist war regsam, ohne gerade bedeutend zu sein, ihr Wesen besaß eine eigenartig liebliche Schmieg­samkeit. Aber was lag auch an demWarum?" Genug, er liebte sie und wußte, daß sie die letzte große Liebe seines vereinsamten Herzens sei und daß nach dieser keine andere mehr es aus« füllen würde.

Er sprang vom Sofa auf, setzte sich auf die Fensterbank und blickte hinaus.---

Sommerlich lau war die Abendluft, am Him­mel im Westen gelblich umsäumte Wolkengebilde und ein kaum wahrnehmbares Rauschen und Wiegen in den Baumkronen und Sträuchern des Gartens. Rupert Felsenbach, wie alle fein emp­findenden Dichternaturen sonst so empfänglich für den Zauber der Natur, war heute zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um ihn voll auf sich wirken zu lasse»; er knüpfte bei dem letzten Ge­danken der iyn bewegt hatte, an und spann ihn in halblautem Murmeln weiter:

Zur Foroernng des kleingewerblichen Genossen­schaftswesens, insbesondere zur Gewährung grö­ßerer Darlehen in einzelnen geeigneten Fällen i.nb 60 000 dl in den Etat eingesetzt, 15 000 Jt mehr wie im Vorjahre. Beide Forderungen wurden bewilligt. Eingehend besprochen mürbe die Frage der Arbeitsvermittelung. Auf dick Anfrage eines Kommissionsmitgliedes nach der Höhe der hierfür geleisteten staatlichen Zuschüsse und »ach der Art ihrer Verwendung erklärte ein Rsgierungsvertreter^ daß sich vor allem die Kom­munen auf diesem Gebiete außerordentlich wirk­sam betätigt hätten. Er hob die Bedeutung her­vor, die eine geregelte Arbeitsvermittelung für den Arbeitsmarkt habe. Bei der PositionPor- zellanmanusaktur", deren Einnahmen für das Etatsjahr 1907 mit 1277 000 dl eingesetzt sind, 34 000 dl mehr als im Vorjahre wurde die kaufmännische Betriebsführung des Instituts bemängelt und auf die zu großen Lagervorräte verwiesen. Von der Regierung wurde darauf erwidert, daß die Porzellanmanufaktur kein kaufmännisches Institut sei, und daß davon auch nicht die Rede sein könne, daß die Lagerbestände übermäßig groß seien. Man müsse seit 1763 alle Muster aus Lager halten. Im übrigen stehe die Porzellanmanufaktur technisch und künstlerisch durchaus auf der Höhe u. man werde durch Heran­ziehung weitcrere Künstler versuchen, allen An­sprüchen gerecht werden zu können. Die Mehr­heit der Kommission billigte zwar diese Grund­sätze, betonte aber dennoch die Notwendigkeit, den Betrieb mehr in kaufmännischer Weise zu leiten. Der Nest des Etats wurde debattelos erledigt. In der gestrigen Sitzung wurde der Etat des Finanzministeriums beraten. Bei der Beratung des Etats wurde von verschie­denen Seiten die Erhöhung der Bezüge der Mit­glieder der Prüfungskommission für höhere Ver- waltungsbeamte bemängelt, ebenso die Erhöhung der Prüfungsgebühren für das Examen. Dis Regierung wies darauf hi», daß die Kosten der Prüfung durch die Gebühren zu decken seien, eine Erhöhung der Bezüge sei durch die Zunahme der Prüfungen gerechtfertigt, der Erhöhung der Prü­fungsgebühren ständen wesentliche Erleichterun­gen gegenüber, da für die Referendare durch die Aenderung der Prüfungsbedingungen der lange Aufenthalt in Berlin wegfalle.

Zur Förderung der deutschen Industrie. Der Minister für Handel und Gewerbe hat den Handelsvertretungen empfohlen, die Tätigkeit der von uns wiederholt genannten Ständi». gen Aus st eklungskom Mission für die deutsche Industrie zu unterstütze» und Nachrichten, die für Aufgaben der Kom­mission von Wert sein könnten, ihr unmittelbar zugehen zu lassen.

Ausweisung kroatischer Sachsengänger. Die Regierung des Herzogtums Sachsen-Mei­ningen hat eine Verfügung erlassen, nach der sämtliche int Herzogtum sich aufhaltende Böhme»

Die letzte Liebe! Wie die Mehrzahl der Mensche» bei dieser Bezeichnung ungläubig la- cheln würde! Ist es doch ein landläufiger Glaube bei den meisten, daß ein Herz, welches die Fähigkeit besitzt, mehr als das hergebrachte einmal zu lieben, daß ein solches Herz wohl sehr empfänglich und elastisch, aber nicht beständig fei"

Pah was kümmerten ihn die Menschen und ihr Urteil er wußte das besser.

Ob Gabriele ihn wieder liebte? Er fand keine bestimmte Antwort daraus, aber er hatte doch aus verschiedenen kleinen Zügen zu entneh­men geglaubt, daß er ihr nicht gleichgiltig sei, und die Wahrnehmung, die ihn einerseits mit einem heimlichen Glücksgesübl, andererseits mit Sorge erfüllte, hatte ihn bestimmt, ihr in de» letzte» Tagen ferner zu bleiben es war besser so, nicht um seinet-, aber um ihretwillen.

Eine Blutwelle stieg dem Mann ins Antlitz, und ein feindseliges Leuchten zuckte in feinen Augen. Was trennt ihn denn von ihr? Er war von altem Adel, feine Lebensstellung und Zukunft nicht allein durch feine sich immer be­deutender gestaltende schriftstellerische Tätigkeit, sondern auch durch sein Vermögen eine gesicherte, feine Vergangenheit makellos und trotzdem! Er drückte die geballten Hände gegen die bren­nende heiße Stirn.

Richt ich trage die Schuld," murmelte et, ich tat nur, was ich mußte, was jeder getan haben würde. Die Schuld war fein, aber er ist den Folgen dieser Schuld entrückt, er ist tot, ich lebe."

Er glitt vom Fensterbrett herab und durch­maß mit heftigen Schritten das Zimmer.

Lüge war es und Trug von Anbeginm und daraus entstand die Schuld und das Unglück, uni» von alledem werden Schatten ausgehen, die di» Gegenwart oder die Zukunft verdunkeln."

(Fortsetzung folgt.) ;