mit dem s^eisblatt für die Kreise Marburg und Kirckbaim Son«taasbeiLaaer SönttrirM CBetmiMÄWnH. '
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vierteljährlicher BezugSpreiSi btt oer ExpLition 2 Wh, btt allm Postämtern 2,25 M. ve$cu Btttcllgrld).
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Marburg
Tlensta« 29. Januar 1907
Encheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. «ng. Koch, UmversitLtt-BuchdruckMt 42, Marburg, Markt 21. - Telephon 55.
Eine Wendung zum Brfferen.
Der „deutsche Michel" ist aus seinem Winterschlaf erwacht, ein Hauch nationaler Begeisterung geht durch das ganze Reich, das ist das Ergebnis der Reichstagswahlen vom vorigen Freitag. Zwar man soll den Tag nicht vor dem Abend tinb die Wahlen nicht vor den Stichwahlen lohen, allein schon das Gesamtergebnis der Haupt- rvahlen, das wir gestern Vormittag durch Extrablätter bekannt gaben, ist doch ein so erfreuliches und hoffnungerweckendes, daß man schon heute von einem großen Erfolge der nationalen Parteien sprechen kann. Wie nunmehr feststeht, hat das Eesamtresultat folgendes ergeben: 237 endgültig gewählt, 160 Stichwahlen. Gewählt sind 41 Konservative, 10 Reichspartei, 18 Polen, 69 Zentrum, 20 Nationalliberale, 6 freisinnige Volkspartei, 1 freisinnige Vereinigung, 29 Sozialdemokraten, 1 Mittelstand, 1 Däne, 10 fraktionslos und Elsässer, 3 Reformpartei, 2 Bund der Landwirte, 4 Wirtschaftliche Vereinigung, 2 Deutsche Volkspartei. An Stichwahlen sind beteiligt 29 Konservative, 19 Reichspartei, 5 Polen, 81 Zentrum, 58 Rationalliberale, 27 Volkspartei 12 freisinnige Vereinigung, 92 Sozialdemokraten, 2 Mittelstand, 3 Wildliberal, 4 Welfen, 4 fraktionslos, 3 Neformpa''tei, 8 Bund der Landwirte, 12 Mrtjchaftliche Vereinigung, 11 Deutschs Volkspartei.
Die Konftroatioen gewinnen 7, verlieren 2 die Reichspartei gewinnt 2 und verliert 4, Polen gewinnen 2, das Zentrum gewinnt 2 und verliert 4, dre Nationalliberalen gewinnen 9 und verlieren 9, die freisinnige Volkspartei gewinnt 4 und vexiert 2, die Sozialdemokraten gewinnen 1 und verlieren 20, die Welsen verlieren 3, die Wirtschaftliche Vereinigung gewinnt 1 und verliert 1, die Mittelstandspartei gewinnt 1, die Wildliberalen gewinnen 1, die Fraktionslosen gewinnen und verlieren je 1, die Reformpart:i verliert 2, der Bauernbund verliert 1.
Schon jetzt kann man sagen, daß das Hauptziel dieser Wahlen, die Gewinnung einer wirklich nationaldenkenden Reichstagsmehrheit erreicht ist. Die Kosten des Wahlganges hat die Sozialdemokratie zu tragen, welche 20 Sitze ver- loren und nur einen gewonnen hat. Das Bürgertum hat einen glänzenden Beweis seiner Kraft gegeben und die Mär von dem unüberwindlichen Fortschreiten der roten Partei durch die Tat widerlegt. Am auffälligsten ist die „Abfuhr" der „Genoßen" in Sachsen, das sich solange den Spitznamen des „roten Königreiches" gefallen lassen mußte. Dort haben die Feinde von Thron und Altar eine Niederlage erlitten, beinahe so stark und weit überraschender, als im Jahre 1887. Wenn man bedenkt, daß in Leipzig- Stadt, das bereits als sicherer Besitz der Sozialdemokratie galt, der nationale Wahlwerber Dr. Junk mit einer Mehrheit von 10 000 Stimmen im ersten Wahlgange siegte, so muß das mit den besten Hoffnungen für die Zukunft erfüllen, zumal auch andere Hochburgen der Roten, wie Breslau-Ost und West, Halle, Gera usw. abge- wonnen worden sind. Wahrlich kein schöneres Geschenk konnte das deutsche Volk seinem Kaiser zum Geburtstage darbringen, als daß es ihm einen in seiner Mehrheit wirklich deutschen Reichstag bescheerte.
Allein das Werk ist noch nicht bis zum Ende gediehen. Noch einmal wird ein großer Teil des deutschen Volkes an die Wahlurne treten müßen, um abermals mit dem Stimmzettel in der Hand wider die Gegner einer nationalen Politik zu Felde zu ziehen. Auch in unserem Wahlkreise Marburg-Kirchhain-Frankenberg kommt es, wie wir alle wißen, am 5. Februar zur nochmaligen Entscheidung. Zwar handelt es sich hier nicht darum, einen erklärten Gegner der hohen nationalen Aufgaben des deutschen Vaterlandes zu bekämpfen, aber es gilt, einen jener unsicheren Kantonisten auszuschalten, die unter der Flagge des Liberalismus allerhand politische Schachergeschäfte betreiben und in Wirklichkeit nur die Jntereßen großkapitalistischer Kreise vertreten, die sich erfahrungsgemäß nationalen Fragen gegenüber gleichgiltig verhalten. Treten wir daher am Stichwahltage Mann für Mann ein für den Mann, der bereits in der Hauptwahl die meisten Stimmen auf sich vereinigt hat, und der entschloßen ist, jederzeit für alle nationalen Erforderniße seine Stimme zu erheben, ohne dabei die Wünsche unseres Mittelstandes in Stadt und Land außer Acht zu laßen, der in unseren Tagen ganz besonderen Schutzes bedürftig ist; treten wir ein für Herrn Dr. B ö h m e. der die
nationale Politik sowohl, als auch die nationale Wirtschaft nach Kräften fördern wird!
Was ist Wahrheit?
Herr Hellmut von Eerlach telegraphiert — und zwar in der ihm eigenen sinnigen und still bescheidenen Weise: Oberheß hat gelogen. Aus Berlin kommt die Botschaft, vielleicht bringt Herr von Eerlach zur Bekräftigung diesmal seinen Freund, den sozialdemokratischen Abgeordneten Heine, der ja mehr Glück im Wahlkampfe hatte, wie er, von dort gleich mit, um klipp und klar darzutun, daß ihm alle Berührungspunkte mit der Sozialdemokratie fehlen? Doch zur Sache. Ob Herr von Eerlach die Aeußerung in Ellnhausen getan hat, kann, wie wir gestern mitteilten, durch einwandfreie Zeugen festgestellt werden. Mit dem „Ton" des Herrn von Eerlach brauchen wir uns nicht mehr zu befaßen, er ist männiglich bekannt und wie die Bürgerschaft darüber denkt, das hat das Wahlresultat der „Hessischen Landeszeitung" so deutlich gezeigt, daß ihr urplötzlich das Begriffsvermögen für größere Zahlen abhanden gekommen zu fein schien. Weniastens soll die Wahlziffer des Herrn Dr. Böhme am Transparent der Landeszeitung nicht über 7500 hinausaekommen sein, während dis anderen Zahlen mit den offiziellen merkwürdigerweise übereinstimmten. Durch das letzte Telegramm scheint Herr von Eerlach nun ein Ansinnen, Wahlparole für die Sozialdemokratie, weit von sich zu weisen. Was ist nun aber die eigentliche Stellung des „Vielgewandten" zur Sozialdemokratie? Was ist die Wahrheit? Jedes politische Kind weiß heutzutage, daß Barth und Naumann und ihre Nachtreter, zu denen von Eerlach sich selbst rechnet, gerade das als das eigentliche Neue in den Freisinn, der keineswegs damit einverstanden rpar, vgt. Weser- Ztg., gebracht haben: Kampf gegen die böse „Reaktion" im Bunde mit der Sozialdemokratie. Und diese Parole ist von ihnen so eifrig betätigt worden, daß aus diesem Grunde Naumann aus dem V. D. St. entfernt wurde. In den Wahlen der letzten Jabre haben diese ftüheren Nationalsozialen gegen Zentrum (in E^"> Deutsch-Soziale (in Eichwege, Eisenach. Rinteln). Nationalliberale (in Frankfurt a. O. und Darmstadt), ja in einem Falle (in Erlangen) soaar gegen einen Mann von der freisinnigen Volksvartei die Parole „Für den Sozialdemokraten" ausgegeben. Das isi völlig unbestreitbar: denn es ist im Lichte der Oeffent« lichkeit geschoben. Auch die „hessisch« Landes»ei- tung" gab bei der Mahl in Darmstadt die Parole für den Sozialdemokraten aus. Damit dürste die Stellung der Linksliberalen hinreichend gekenzeichnet fein in einer Frone, die wie keine andere Einstimmigkeit im bürgerlichen Lager jeder Schattierung erforderte. Zu allem Ueberfluß Hai von Eerlach noch am Ende vorigen Jahres in Leipzig eine Rede gehalten, in der er die Erklärung abgab, gegen Zentrum, Antisemiten, Konservative und Nationalliberale für den Sozialdemokralen eintreten zu wollen. Ala wir dies festnagelten, erklärte die ..hessische Landeszeitung", sie faßte sich dabei sehr kurz, wir hätten von Eerlach« Stellung „unehrlich" dargestellt. ..Entweder hat Herr von Eerlach sich so geäußert oder er hat c< nicht getan," erwiderten wir und wir gaben der Vermutung Raum, daß dicler nicht wagen würde, seine eigenen Worte in Abrede zu stellen, denn wir hatten die Bemeisc in Händen. Eine Antwort erfolgt« — nicht. Wie nennt man es, einem andern Unehrlichkeit vorwerfen, ohne den Schatten eines Beweises? Wir verschmähten es natürlich, mit Beleidigungen um uns zu werfen, das überlasien wir aetrost ^>errn Pros. Si"ve- king. Wir stellen aber fest, daß 5>err Sieveking. a. o. Professor der Universität Marburg, die« Blatt ohne Glacehandschuhe anfaßt!! — Durch alles dies bleibt für leben denkenden Menschen unzweifelhaft sicher, daß von Gerlach o h n e d e n politischen Ueberzeuqungen seiner Partei und sich selb st untreu zu werden und das diesmal in erheblich kürzerer Zeit als — 10 Jahre gar nicht anders konnte, als für den Sozialdemokraten eintreten. Freilich wich er im hie- sigen Wahlkreise immer einer runden Antwort auf diese Frage aus. Aber was soll denn das Gefasel: Die Sozialdemokratie sei das „kleinere Hebet“ und Bismarck habe auch einmal die Wahl eines „Genoßen" gewünscht, oder hat von Eerlach auch das nicht gesagt, anders heißen als: Also werden wir auch einen Sozialdemokraten wählen, zumal wenn man die Stichwahlparole in früheren Tagen berücksichtigt. Aber wo jetzt im ganzen Reiche die Wogen national« Begeisterung hochgehen, wo besonders hier im Wahlkreise das Volk noch nicht „reif" ist für ein Bündnis mit der roten Internationale, da kann man nur mit halbem Auge winken, und der schlaue Fuchs glaubte zu entwischen, gilt ent,
setzlich dumm aber muß Herr von Gerlach die hiesigen Wähler halten, daß sie nicht merken sollen, daß seine Stellung zur Sozialdemokratie am besten durch Heines Verse charakterisiert wird:
Mein liebes Kind, blamier' mich nicht Und grüß mich nicht unter den Linden, Wenn wir nachher zu Hause sind, Wird sich schon alles finden.
Zum Lachen wäre es nun allerdings, wenn jetzt auch die Sozialdemokraten mit dieser „Freundschaft" nichts zu tun haben wollten. Doch wir trösten uns, Herr Heine wird auch diesmal helfen und wahrscheinlich mindestens noch 24 Stunden früher, als das letzte Mal.
Wir glauben es Herrn von Eerlach und den Seinen gern, daß ihnen die „Oberhessische Zig." und ihre Aufklärungsarbeit ein Dorn im Aiige ist und lassen sie ruhig schimpfen, denn erstens ist das Schimpfen meistens mehr bezeichnend für den Angreifer als für den Angegriffenen und was helfen denn diese „zarten" Ausdrücke, was hilft es, wenn man dem Gegner „gefälschte Berichte" vorwirft, wenn das schließliche Wo*' resultat zeigt, daß diese den wahren Stand der Sache geben. „Hnd auf den Schützen fliegt der Pfeil zurück" würde hier Schiller gesagt haben. Immer wieder haben wir es für unsere Pflicht gehalten, unsere Leser darüber aufzuklären, daß Herr von Eerlach ein Doppelspiel treibt, daß wir in ihm nicht eine feste politische Persönlichkeit, die auch dem Gegner Achtung abnötigt, vor uns haben, sondern einen Mann, der aalglatt durch alle Parteigegensäüe sich hindurch zu winden versteht, um die Stimmen selbst der politisch völlig anders Denkenden für sich einzufangen, der ein begeistertes Loblied auf den Simplizis- stmus singt, ein Blatt, das fast in jeder Nummer Religion. Kirche unb Zentrum auf bas schnödeste verhöhnt, um daheim im Wahlkreise dem Zentrum selbst schmeichelnd um den Bart zu gehen.
Und darum wünschen wir, daß unsere nationalen Kreise am 5. Februar noch einmal, wie schon am 25. Januar, die Augen auftun, um den Herrn, dessen Tonart sich in nichts etwa von dem „Volksblatt für Hessen und Waldeck" oder bet „Leipziger Volkszeitung" unterscheidet (vgl. bie famosen „Stiefelsohlen" in der Sonnabendsausgabe der Hess.Landesztg.), und womit er schon für jeden anständig empfindenden Menschen anzeigt, wo er steht, aus dem Kreise zu eliminieren. Und wir geben ihm die Mahnung mit „Freund, suche Dir ein ander Köniatei^ Makedonien ist vor Dir zu klein und zu — anständig."
DeutschrS Reich.
Berlin, 28. Januar.
— Der Kaiser besuchte am Sonnabend Vormittag den Reichskanzler und hörte im König!. Schloß die Vorträge des Staatssekretärs des Reichsmarineamts und des Chefs des Marinekabinetts. Um 12% Uhr nahm er militärische Meldungen entgegen und empfing dabei die Kommission für das Artillerie-Exerzier-Reglement. — Zum Geburtstag des Kaisers trafen ein Prinz Maximilian von Baden, der Eroßher- zog und die Großherzogin von Hessen mit Gefolge und die Prinzessin Feodora zu Schleswig-Holstein. Gegen Mittag traf der König von Sachsen sowie Prinz und Prinzessin Georg von Sachsen ein.
— Graf Ballestrem zu« Kaiser befohlen. Wie bet „Oberschlesische Wanbetet" meldet, erhielt der frühere Reichstagspräsident Graf Balle- strem telegraphischen Befehl, am 28. Januar zur Audienz beim Kaiser zu erscheinen.
— Der König von Sachsen Über die Wahlen. Wie aus Dresden gemeldet wird, sandte König Friedrich August von Sachsen an den Minister Grafen Hohenthal folgende Depesche: „Ich kann nicht umhin, Ihnen gegenüber meine aufrichtige Freude zum Ausdruck zu bringen übet die hohe Genugtuung, die ich übet das Ergebnis des gestrigen Tages empfinde. Es lebt doch noch die alte Sachsentreue. Hoffentlich ist das eine gute Vorbedeutung für die Zukunft"
— Der preußische Eisenbahnminister hat bestimmt, daß stellen- und arbeitslose ehemalige Angehörige der Schutztruppen in den afrikanischen Schutzgebieten selbst dann, wenn sie vordem in keinem Arbeitsverhältnis zur Staatseisenbahnverwaltung gestanden haben, vor anderen Beschäftigungsuchenden zu berücksichtigen sind, vorausgesetzt, daß sie den zu stellenden Anforderungen genügen und die erforderliche Leistungsfähigkeit erwarten lassen.
— Patriotische Kundgebungen in der Reichs- Hauptstadt. Am Wahltage zogen in Berlin spät nachts Tausende von Menschen in musterhafter Ordnung zum Reichskanzlerpalais, wo jubelnde Hochs auf den Fürsten Bülow ausgebracht wur
den. Als diese Ovationen andauerten unb sich verstärkten, erschien der Reichskanzler am Gittertor des Vorhofs und hielt an die versammelte Menge folgende Ansprache:
„Meine Herren, ich danke Ihnen für Ihre freundliche Begrüßung (Bravo! Bravo!), vor allem aber für die nationale Gesinnung, die Sie hierher geführt hat. (Stürmischer Beifall.)
Mein großer Amtsvorgänger, vor dem wir alle in Ehrfurcht uns neigen, (Bravo!) hat vor bald vierzig Jahren gesagt: „Setzen wir das deutsche Volk in den Sattel, reiten wird es schon können." (Wiederholter Jubel und zustimmende Rufe.) Ich hoffe und glaube, das deutsche Volk hat heute gezeigt, daß es noch reiten kann. (Stürmischer Beifall.) Unb wenn bei den Stichwahlen jeder seine Schuldigkeit tut, so wird die ganze Welt erkennen, daß das deutsche Volk fest tm Sattel sitzt unb alles niederreitet, was sich seiner Wohlfahrt, seiner Größe in den Weg stellt (Minutenlang anhaltender Beifall).
Und nun meine Herren, bitte ich Sie, mit mit einzustimmen in den Ruf:
„Die Nation, das deutsche Volk, hoch, hoch, hoch!"
(Stürmischer Jubel, Gesang: Deutschland, Deutschland über alles.)
Nach dem Verklingen des Liedes wiederholten sich die bonnerenben Beifallshuldigungen, solange der Reichskanzler noch sichtbar war. Als sich der Fürst zurückzog, zerstreute sich die Menge in größter Ordnung unter dem Absingen patriotischer Lieder. — Die Kundgebungen vor beut Reichskanzlerpalais setzten sich in früher Morgenstunde bis zum Königlichen Schlosse fort Die Menge zog unter patriotischen Gesängen bie Lin- ben entlang, hielt sich längere Zeit zuerst vor bent Kronprinzlichen Palais, wo Kronprinz und Kronprinzessin am Fenster erschienen, und sodann vor dem Königlichen Schlosse auf, überall patriotische Lieder anstimmend. Erst nach längerer Zeit zerstreute sich die Menge auf Einwirken der Polizei.
— Die amerikanische Handelsverttags-Abord- nung beim Kaiser. Wie bet „Reichsanzeiger" mitteilt, empfing bet Kaiser am Freitag int Königlichen Schlosse zu Berlin in Gegenwart bes Staatssekretärs bes Auswärtigen Amts von Tschirschky unb Bögendorff unb bes am Berliner Hofe beglaubigten Botschafters bet Vereinigten Staaten von Amerika Tower eine amerikanische Aborbnung zur Vorbereitung eines Handelsvertrages, bestehend aus den Herten Notth, Gert? und Stone.
— Zur braunschweigischen Frage meldet bet Berliner Korrespondent der „Franks. Zeitung": Kundige Beurteiler der Stimmung im Bundesrat hegen keinen Zweifel, daß dieser in der braunschweigischen Thronfolgefrage wahrscheinlich einstimmig ober höchstens gegen bie Stimmen zweier kleinerer Bunbesstaaten an dem Standpunkte von 1885 festhält und ihm die Auslegung geben wird, daß die Voraussetzung für die Thronbesteigung eines Mitgliedes des herzoglichen Hauses ist, daß der Herzog für sich und alle sein« Nachkommen unbedingt und unumwunden auf Hannover verzichtet
— Bund der Landwirte. Die diesjährige Bundesversammlung findet am 11. Febr. (nachm., i/2l Uhr) zu Berlin im Steinbau des Zirkus Dusch statt. Die Tagesordnung umfaßt folgende Punkte: Eröffnung der Versammlung durch de» Vorsitzenden des Bundes, Frhrn. v. Wangenheim- Kl.-Spiegel, Ansprache des Vorsitzenden des Bundes, Dr. Roesicke-Goersdorf, Bericht der vom Bundesausfchuß gewählten Kassen - Revisions- Kommission, Eeschästsbeticht für 1906, erstattet vom Direktor des Bundes, Dr. Diederich Hahn, Sachliche Referate, Diskussion und Anträge ans bet Versammlung.
— Ausprägung von Reichssilbermünzen. In der gestrigen Sitzung des Bunbestates wurde die Vorlage über die Ausprägung von 40 Millionen Mark in Reichssilbermünzen dem zuständigen Ausschuß überwiesen.
— «ahnbauten in Kamerun. In Kamerun soll, wie bet „Deutsche Bote" hört, die bereits im Bau befindliche Bahn Hickory (Duala) übet bie Manengubabetge weiter übet Samum, Kontscha nach Earua geführt werden. Gleichzeitig soll auch an der Südküste eine Bahn von Ktibi über Lolodorf, Jaunde, Sertua, Kunde, 9?gaumbere; nach E^rua aebaut werden*