mit dem Mr eimatt für die Kreise Marburg und
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Marburg
Sonnabend 26. Januar 1907.
Erscheint wöchentlich sieben um.
Druck und Berlag. Joh. Ang. «och, llmversttSt-Euchdruckerei 42 Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Lelcphon ob.
Aus zur Wahl,
ein Mahnwort in letzter Stunde!
_ Wer beim Empfang der heutigen Ausgabe der „Obcrhessifchen Zeitung" sein Reichstagswahlrecht noch nicht ausgeübt hat, der beeile sich, von seinem höchsten politischen Rechte Gebrauch zu machen, bevor der Wahlakt geschlossen wird.
Möge jeder Wahlberechtigte bedenken, daß es für ihn nicht allein ein Recht, sondern daß les auch eine nationale Pflicht ist, heute an die Wahlurne zu treten Gilt es doch, durch Abgabe des auf den Namen Dr. Böhmes lautenden Stimmzettel dem parteipolitischen Zwittergebilde der sich noch immer national-sozial nennenden Ecrlachpartei, die aber in der demagogischen Art, wie sie den Wahlkampf führt, so auffällige Berührungspunkte mit der Sozialdemokratie aufweist, den Todesstoß zu versetzen. Da müssen alle kleinlichen Bedenken schweigen, da gilt es vor allem auch, alle Anwandlungen philisterhafter Bequemlichkeit zu überwinden? Es ruft die nationale Pflicht, also aus zum Wahllokale?
Die Wahlzeit dauert von 10 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends. Der Wahlakt wird pünktlich um 7 Uhr, ohne Rücksicht auf anwesende Wähler, die ihren Stimmzettel noch nicht abgegeben haben, geschlossen. Es empfiehlt sich also, möglichst frühzeitig sein Wahlrecht auszuüben und spätestens um 6% Uhr im Wahllokal zu sein.
Nochmals also, reichstreue Wähler, tut Gute Pflicht und kommt alle!
Die angebliche Lüge
-er „Oderhessischen Zeitung".
Wir halten mit größter Entschiedenheit unsere Behauptung, daß Herr v. G e r l a ch in Elnhausen erklärt hat, im Falle einer Stichwahl zwischen Dr. Böhme und dem Sozialdemokraten für letzteren eintreten zu wollen, vollkommen aufrecht.
Die beiden Herren Buhl und Dr. Meyer haben vor zahlreichen einwandsfreien Zeugen diesen Bericht gegeben, und es liegt nicht der mindeste Anlaß vor, anzunehmen, daß sie die Unwahrheit mitgeteilt haben.
Das deutsch-soziale Wählbare««.
Die dänische Optantensraqe.
. Die Veröffentlichung eines zwischen dem Deutschen Reiche und dem Königreich Dänemark abgeschlosienen Staatsvertrages, dessen wir be-
6 iNachdruck verboten.)
Schatten.
Roman von B. v. d. Lancken.
< Fortsetzung >.
„Graf Reuchlin ist tot? Ich las nichts davon .in der Zeitung."
„Sic kennen ihn?"
„Nein," antwortete er kurz, „es gibt Verschiedene dieses Namens. Es wird ein anderer fein."
Ohne die Rückkehr Frau von Führens abzuwarten, ging Felsenbach bald in seine Wohnung hinauf. Eine seltsame Unruhe war über ihn gekommen, mit dem Arbeiten war es heute nichts mehr, obwohl Sonne und Vöglein zur Ruhe gegangen waren und Eva mit der Mutter den .Garten verlassen hatte.
In der nächsten Woche sahen sich die Hausge- nsssen fast gar nicht: so hatte Felsenbach auch nicht erfahren, wann man Eabrielens Besuch erwartete. Als er eines Abends kurz vor Sonnenuntergang, von einer Fahrt nach Berlin zurückkehrend, sein Zimmer betrat, und sich dem Fenster näherte, gewahrte er unten, langsam in den Gängen auf- und abwandelnd, Eva neben einem kleineren Mädchen in dunkler Reisetoilette. Die Gestalt zeigte in allen Bewegungen Weichheit u.'d Schmiegsamkeit, das Haupt leicht nach vorn geneigt, trug das herrlichste Blondhaar von wirklich goldglänzendem Schimmer. Jetzt halten sic das Ende des Ganges erreicht, und der Moment, den Fclscnbach mit einer gewissen Unruhe erwartet hatte, war da, sie wandten sich und kamen den Weg zurück, gerade auf das Haus zu. Rupert war überrascht von dem Liebreiz des feingcfchnlttenen Gesichtchens, dessen zartes und doch frisches Kolorit noch geboben wurde durch das tiefe Schwarz der Kleidung: ein leicht zu- rückschlngener Kragen von Krepp ließ den schlanken weißen Hals bis zum Ansatz frei. Jetzt sahen die vier Mädchenaugen flüchtig zu seinen Fen-
reits gestern kurz gedachten, hat allgemein überrascht. Wir geben im nachstehenden die wesentlichsten Bestimmungen des Vertrages wieder, wie solche von der „Nordd. Allgem. Ztg." bekannt gegeben worden sind:
Artikel I.
Die preußische Regierung wird den im preußischen Staatsgebiete wohnhaften staatenlosen Optantenkindern, d. h. den nach der Optionserklärung des Vaters, aber vor dem Inkrafttreten des dänischen Staatsangehörigkeitsgesetzes vom 19. März 1898 außerhalb Dänemarks geborenen Kindern auf ihren Antrag bei dem Vorhandensein der allgemeinen gesetzlichen Voraussetzungen die preußische Staatsangehörigkeit verleihen.
Artikel II.
Durch die Bestimmungen des vorstehenden Artikels wird das Recht eines jeden der vertragschließenden Teile, Angehörigen des anderen Teiles entweder infolge gerichtlichen Urteils oder aus Gründen der inneren und äußeren Sicherheit des Staates, oder auch aus Gründen der Armen- und Sittenpolizei den Aufenthalt zu versagen, nicht berührt. Diese Befugnis besteht für die Königlich preußische Regierung auch hinsichtlich der Optantenkinder, welche von dem ihnen im Artikel I gewährten Rechte, preußische Staatsangehörige zu werden, keinen Gebrauch gemacht haben oder deren Angehörige mangels be~ gesetzlichen Voraussetzungen abgelehnt werden mußten. Diesen Optantenkindern wird die dänische Regierung den Aufenthalt in Dänemark, insoweit nicht andere Gründe des dänischen Rechts dafür vorliegen, nicht verschränken.
Artikel III.
Die beiden Regierungen sind darüber einverstanden. daß unter Optantenkindern im Sinne der Artikel I und II dieses Vertrages nicht bloß Nachkommen im ersten Grade, sondern auch deren Nachkommen zu verstehen sind.
Artikel IV.
Die Ratifikation dieses Vertrages wird so bald als möglich erfolgen und der Austausch der Ratifikationsurkunden in Berlin stattfinden.
In einer Erläuterung die das offiziöse Blatt gibt, wird dargelegt, daß dieser Vertrag Reibungen in den deutsch-dänischen Beziehungen beseitige, die ihren Ursprung in Att. 19 des Wiener Friedens vom 80. Oktober 1864 fanden. Dort ist den Bewohnern der von Dänemark an Preußen und Oesterreich gemeinsam abgetretenen Gebiete die Möglichkeit eingeräumt worden, sich die dänische Staatsangehörigkeit durch sogenannte Option unter gewissen Maßgaben zu erhalten. Die Verschiedenheit der Auslegung dieser Bestimmungen zwischen preußischen und dänischen Behörden führte zu dem unerwünschten Ergebnis der Entstehung der Kategorie der „staatenlosen" Optantenkinder, welche von Preußen nicht als preußische, von Dänemark nicht als dänische Staatsangehörige anerkannt wurden. Eine weitere Quelle von Unzuträglichketten war die
stern empor und der Dottor zog sich behutsam hinter die Gardinen zurück. Rupert Felsenbach besaß nicht nur ein für Frauenliebreiz empfängliches Gemüt, er besaß Überhaupt einen ausgeprägten Schönheitssinn. Auf diesen hatte zunächst Gabriele Neuchlins Erscheinung gewirkt, und hierdurch angeregt, wünschte er, sie kennen zu lernen. Die Gelegenheit dazu sollte ihm ohne sein Zutun werden, indem Herrn von Führens Diener mit der Anfrage erschien, ob der Herr Doktor vielleicht mit den Herrschafteü den Tee trinken wolle.
Wie meist an schönen Sommerabenden war der Tisch in der Clematislaube gedeckt und der Jahreszeit entsprechend fehlten die prächtigen rotleuchtenden Erdbeeren, ein Erzeugnis des eigenen Gartens, nickt darauf, ebenso wenig wie ein Blumenstrauß. Als Felsenbach den Garten betrat, begrüßten ihn Herr und Frau von Führen, und er hatte eben mit den Eltern am Tisch Platz genommen, als die jungen Mädchen von der anderen Seite des Gartens her, um ein Boskett biegend, sich ihnen näherten.
Als Gabriele Felsenbach bemerkte, stockte ihr Fuß sekundenlang.
„Ihr habt Besuch?" fragte sie halblaut.
„Besuch?" — Eva folgte der Richtung ihrer Blicke. „O nein, das ist ja nur Rupert."
„Wer is. Rupert?"
„Ein Verwandter meines Vaters. Doktor irgend einer Wissenschaft, hauptsächlich aber Schriftsteller. >,as' du den Roman „Auf dem Marit des Lebens' nicht gelesen? — Er ist der Verfasser."
„Auf dem Markt dec, Lebens? — Natürlich von R. v. Felsenback-Führen —“
„Stimmt — und besagter R. v. Felsenbach ist jener Mann dort."
Gabriele biß sich aus die Lippen. Der Name Felsenbach erregte in ihr momentan ein kurzes, peinliches Empfinden, obgleich sie die Ueber- zeugung hatte, daß derjenige, der vor beinahe
Echlußbestimmung von Artikel V des Prager Friedens zwischen Preußen und Oesterreich vom 23. August 1866, worin die Möglichkeit eines Plebiszits über die Wiedervereinigung der nördlichen Distritte Schleswigs mit Dänemark offen gehalten wurde. Diese beiden Bestimmungen wurden benutzt, um in Nordschleswig fortdauernd Beunruhigung zu erhalten, wobei man vorgab, daß die zwischen Preußen und Oesterreich im Jahre 1878 getroffene Vereinbarung, durch die jene Bestimmung in Artikel V des Praner Friedens als aufgehoben erklätt wurde, für Dänemark keine bindende Wirkung haben könne.
Dies Mißverhältnis ist bekanntlich auf dänischer wie auf deutscher Seite vielfach erörtert worden, und die staatsrechtliche Stellung eines Teiles der nordschleswioschen Bevölkerung war in der Tat unsicher. Heber diese in Grunde genommen doch recht eng begrenzte Frage hinaus hat der Vertrag aber eine grundsätzliche Bedeutung insofern, als Dänemark dadurck die Rccktsaültigkeit des auf dem Wiener und Prager Frieden und der devttck-österreickikcken Vereinbarung van 1878 beruhenden Besitzstandes ohne Vorbehalt ausdrücklich anerkennt. Außerdem gebt aus diesem Vcrtraae der feste Wille beider Regierungen hervor, die in den Grcnz- aehieten bestehende S"annung zu beheben, und damit verlieren zweifellos. wie die „Nordd. Allg. Ztg." sehr richtig betont, deutsch-feindliche aaitataric^? Bestrebungen diesseits der Grenze jede Aussicht auf Rückhalt der dänischen Reaie- runa. Der Vertrag erscheint allo geeianet, den inneren Frieden in den Benölkerunaskreisen der Grenzgebiete zu fördern und das gutangebabnte frcundnachbarl'che Verhältnis zwischen dem Deutschen Reiche und Dänemark weiter xu kräftigen. Bedenklich bleibt allerdinas die Tatsache, daß gerade unter den Optantenkindern sich die meisten preußenfeindlichen Elemente befinden. Und es besteht keine rechte Bürgschaft dafür, daß gerade diese nun nach Erwerbung des Bürgerrechtes sich besonders ruhig verhalten werden. Immerhin darf man das letztere hoffen, da ihnen eben der dänische Rückhalt durch den Vertrag wesentlich beschränkt ist. Denn zweifellos stellt dieser sich als eine klare und unzweideutige Ab- saae b-'r dänischen Regierung an die sogenannte „südjütische" Bewegung dar. Wenn also auch zuaegeben werden muß, daß Preußen in diesem Vertrage das größte Entgegenkommen bewiesen hat, so wird man ihn doch nicht bedauern. Denn sicherlich wünscht ganz Deutschland mit dem germanischen Brudervolke im Norden in Frieden und Freundschaft zu leben.
Das ist auch die Auffassung, welcher Professor Buckholz in der „Ostdeutschen Korrespondenz" Ausdruck verleiht, indem er schreibt: „Gewiß war die dänische Frage niemals eine Lebensfrage für uns. Die rund 120 000 Einwohner mit dänischer Muttersprache unter einer Bevölkerung von nicht ganz 220 000 Seelen in fünf nordschleswigschen Kreisen bildeten keine Gefahr für den Bestand des Deutschen Reiches und auch
ackt Jahren ihren Bruder im Duell tötlich verwundete, ein anderer sei als dieser. Jener hieß auri) Felsenbach, das wußte sie gewiß, und die Sippe war weit verzweigt, so war sie bei der gegenseitigc.l Vorstellung und Begrüßung unbefangen liebev-'-Würdiq, und die nttgemeine Unterhaltung, die bald in Fluß kam, war eine angenehme und heitere.
„Erzähle doch etwas von deinen Erlebnissen, Gabi," bat Eva. „Du warst in Baden-Baden — war es schön?"
Gabriele zuckte leicht die Achseln.
„Wie man es nehmen will. Ja würde ich sagen, wenn man nicht gezwungen gewesen wäre, mit so vielen gleichgiltigen und oft recht faden, oberflächlichen Menschen zu verkehren, da dies aber der Fall war, sage ich: schön waren für mich nur die einsamen Morgenspaziergänge imWalde, wo weder kokett gekleidete Frauen noch die Männer mit Augenglas und Schnabelschuhen die freundl'chen Bilder landschaftlicher Reize beein- trächttgten."
lieber das vom dunkelblonden Vollbart umrahmte Gefickt Felsenbachs zuckte ein flüchtiges Lächeln, und seine sprechenden grauen Augen richteten sich voll auf das junge Mädchen.
„Bravo Gräfin," sagte er. „scharf kritisiert."
Seine Stimme berührte sie angenehm, seine Worte machten sie leicht erröten. Sie sah flüchttg zu ihm herüber und wußte nickt recht, ob das, was er sagte, ein Lob oder ein Tadel sein sollte.
„Sie finden mich moquant boshaft?" fragte Gabriele, mit einer plötzlichen Schüchternheit kämpfend.
„D nein, weder das eine noch das andere. Sie gehen eben mit offenen Augen durch die Welt und haben den Mut, was Sie sehen und was Ihnen nicht gefällt, beim rechten Namen zu nennen. Das kann ich nur anerkennen, besonders bei Ihrer Jugend."
„Eie bewundern es? Wie komisch ich das finde! — Sie sind der erste Mensch, der mir da» sagt, alle anderen haben mich deswegen ausae-
das fortgesetzte Mißvergnügen des kleinen Dänemark konnte uns nicht ernsthaft beunruhigen. Immerhin war und bleibt es peinlich, daß diese Frage mehr als ein Menschenalter nach der Erstürmung der Düppeler Schanzen überhaupt noch bestand und wir dort oben an den Grenzen unserer Nordmark nach wie vor mit irredentistischen Bestrebungen zu ringen hatten, Bestrebungen, die jenseits der Grenzen ein oft sehr lautes Echo fanden und auch an maßgebenden Stellen stets eines zumindest moralischen Rückhalts sicher sein dursten. Eine kleine Wunde, die nicht vernarben wollte und das unbehagliche Gefühl fortdauernden Reizes bervorrief. Der Vertrag vom 11. Januar schließt diese Wunde. Er beseitigt die wichtigste Streitfrage zwischen Preußen und Dänemark und entzieht dadurch der dänischen Jrrcdenta in Nordschleswig den Boden, indem er jenes freundnackbarlicke Verhältnis zwischen Dänemark und seinem deutschen Nachbar wiederherstellt, das einst ein traditionelles war und in* wohlverstandenen Interesse beider Teile liegt."
Auch in Dänemark herrscht große Befriedigung. Der frühere Minister der auswärtigen Angelegenheiten Denntzer erklärte einem Mitarbeiter der Zeitung „Politiken" gegenüber: „Ich betrachte den Vertrag als außerordentlich glückbringend für das Verhältnis zwischen Deutschland und Dänemark und von großer Bedeutung für Nordschleswig." „Politiken" schreibe unter anderem: „Das Uebereinkommen wird einstimmig große Zufriedenheit im dänischen Volke Hervorrufen: hier ist eine gute nationale Arbeit ausgefiihrt worden."
Deuters NM.
— Der Kaiser besuchte gestern Vormittag den Reichskanzler, hörte dann im köuigl. Schloß den gemeinsamen Vortrag des Chefs der Militär- und Marinebehörden und nahm um 12 Uhr im Weißen Saale die Meldung der demnächst zum Uebertritt in die Armee und die Marine heranstehenden Kadetten entgegen.
— In Togo wird Kaisers Geburtstag in diesem Jahre in ganz besonderer Weise gefeiert, durch Eröffnung der Bahn von LomenachPalime, und durch eine landwirtschaftliche Ausstellung in Pa- lime.
— Aus der preußischen Einkommenstaiistib von 1905/06, deren Gesamtergebnis der Finanz Minister bekanntlich in seiner Etatsrede schon mitgeteilt hat, ist hervorzuheben, daß der Stand der Steuerreklamationen und Prozesse fast derselbe wie im vorigen Jahre ist. 25 v. H. bet Erklärungen sind beanstandet worden, davon etwas mehr als drei Viertel mit Erfolg, sodaß 246 Millionen Mark Einkommen mehr veranlagt werden konnten mit rund 8 Millionen Mark Steuer.
zankt. Weißt du noch Eva, in der Pension. Die gute Frau von Villet predigte mir täglich, meint Feinde würden schließlich so zahlreich sein, roil der Sand am Meer, wenn ich nicht lernte, mei« ne* losen Zunge Zügel nnxulenen, und was de« Mut anbetrifft--“ Sie lächelte.
„Ganz unrecht mochte die würdige Dam» nicht haben," erwiderte Rupert, ein Knie übel das andere fchlaaend und sich vollständig Gabrielen zuwendend, „denn nichts ist gefährlicher, als wenn wir rücksichtslos die gesellschaftt lichen Schwächen unserer Mitmenschen geißeln." „Ich fürchte mich gerade nicht." sagte Gabriele.
„indessen—" _ ,
„Erlauben Sie. Komtesse, em häßliche, Käfer," unterbrach sie Frau Wilhelma, ein kleb nes geflügeltes Infekt von Gabrielens Arm zu. Erd: werfend und bereit, es zu zertreten.
„O bitte, töten Cie es nicht, liebe Frau vo» Führen," rief Gabriele, die Hand ausstreckend, „es freut sich ja auch feines Lebens."
„So strenge gegen die Menschen und so mtlbt gegen die Tiere," bemerkte Felsenbach mit leich- ter Ironie, während doch feine Augen mit warmem Blick auf Gabi ruhten. Diese sah voll zu ihm auf.
, Gewiß, es ist mein Grundsatz, nur da anzugreifen, wo ich die Fähigkeit der Verteidigung voraussetzen kann: lolck ein kleines Geschöpf ist ja ganz hilf- und wehrlos."
„Zum zweitenmale muß ich Ihnen ein lautes Bravo zurufen, Komtesse," erwiderte Felsenbach, „und ich denke mir sogar eine Anerkennung zu erwerben, wenn ich die kleine Kreatur in vollständige Sicherheit bringe."
Er bückte sich; der Käfer hatte sich nach seinem Sturz ein paarmal im Sande umgedreht und bann kecklich die Spitze von Gabis feinem Leder« stiefel erklommen, von dem er nicht übel Lust z» baben schien, sich wieder an dem Kleide empor« zuarbeiien.
__ (Fortsetzung folgt.)