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Marburg
sskreitaa 25. Jam ar 1W7.
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42 Jahrg.
i. Gerlach erklärt sich für die Wahl des Sozialdemokraten.
Endlich hat Herr v. Eerlach auch für diesen Wahlkreis offen erklärt, daß bei einer Stichwahl zwischen Dr. Böhme und dem Sozialdemokraten er für letzteren eintreten werde. In zahlreichen Versammlungen war er bereits danach gefragt worden, immer hatte er eine klare Antwort vermieden, indem er sagte, der Fall würde garnicht eintreten, vielmehr würde er mit Dr. Böhme in Stichwahl kommen. Seine Agitatoren halten die Anweisung, auf derartig« Fragen zu antworten, „um ungelegte Eier be- kümmern wir uns nicht,,. Diese Taktik war schlau, man befürchtete, wenn man offen mit der Spräche herausrückte, auch noch die wenige» na- itionalen Stimmen zu verlieren, auf dis man bisher noch zählen konnte. Gestern (Mittwoch) Abend endlich hat Herr v. Eerlach in Elnhausen wohin die Herren Buhl und Dr. Mcmr gefahren waren, um ihm entgegen zu treten, offen Farbe bekannt und auf die Frage des Herrn Buhl erklärt: Er werde selbstverständlich bei einer Stichwahl zwischen Dr. Böhme und dem Sozialdemokraten für letzteren cintreten! — Wir wundern uns nicht, daß Herr v. Eerlach auch hier den Sozialdemokraten Wah'.hülfe leisten will, wie er es ihnen für Jens, Weimar und Leipzig versprochen hat. Aber eines muh doch hier ausgesprochen Werden: War es politisch ehrlich und fanständig, wenn Herr v. Eerlach sich bis zum zweiten Tage vor der Wahl um eine Kare ^Stellungnahme herumdrückte? Weshalb bar er «erst jetzt die Antwort gegeben? Doch wohl deshalb, weil er es nicht wünscht, daß die Wäblec- massen über seine Stellung zur Sozialdemokratie rechtzeitig unterrichtet siud.
Mit derartigen Mitteln suchen Demagogen Ihre Wahlkreise zu behaupten, anständige Poli- titer verschmähen sie. Zehn Jahre bearbeitet Herr v. Eerlach den Kreis und so wenig sicher ist er seiner Sache, daß er bis zum letzten Moment seine eigentliche Stellungnahme zur Sozialdemokratie den Wählern zu verschleiern suchte. Wo bleibt nach dieser Erklärung des Herrn v. Eerlach das nationale Mäntelchen? Er selbst ist für die Kolonialforderung einge» treten und macht aus dieser für jeden nationalen Mann selbstverständlichen Haltung viel Geschrei, dem unversöhnlichsten Gegner jeder national.n Politik, der Sozialdemokratie, sucht er aber Reichotagssitze zu verschaffen. Arbeitsteilung heißt das Programm für Sozialdemokraten und Eerlachpartei. Für die Sozialdemokratie ist der Wahlkreis Marburg noch nicht reif, deshalb bemüht sich Herr von Eerlach nur ihn. Mögen die nationalen Wähler dafür sorgen, daß auch mit der Vorfrucht der Sozialdemokratie am 25. Aanuar aufgeräumt wird.
$ lRachdnick verboten.).
Schatte».
Noma» von B. v. d. Lancken.
(Fortsetzung).
Wenn Herr Erasmus von Führen in seinen sKant oder Schopenhauer vertieft am Schreibtische zaß, schüttelte er oft unwillig den Kopf über den ^Spektakel", und eine Treppe höher tat ein junger Herr dasselbe, nur mit dem Unterschiede, daß «r wirklich böse war und das halbe Lächeln ganz Hehlte. Dieser Herr war Dr. Rupert v. Felsen- sbach-Führen, des alten Führen Großneffe, der mit einer nicht unbedeutenden Erbschaft aus der (Führenschen Familie die Verpflichtung über- mommen hatte, seinem Namen de» des Erblassers Leizufügen, weil derselbe in der männlichen iLinie mit Herrn Erasmus erlosch.
Rupert hatte Jura studiert, seinen Doktor gemacht und war gerüstet und bereit, iu den Staatsdienst zu treten, als die Erbschaft des On- ffeli ihn in den Stand setzte, zunächst seine» Neigungen zu leben. Er machte weite Reisen, vertiefte sich in das Studium der Geschichte und Literatur, verfaßte eine slottgeschriebene Reise- Äeschrcibung, die auch einen wissenschaftlichen Wert hatte, und ließ dieser eine» Roma» folgen. Die seine glänzende Befähigung als Schriftsteller dokumentierte und ihm den Weg zeigte, auf dem fcr Bedeutendes leisten, sich Ansehen und Ehre »rwerben konnte. Großem geselligen Verkehr trbhold, mietete er sich oben int Hause seines Verwandten drei Hubs,he Zimmer, richtete sich die- lfelben mit vornehm lüusiim sichern Geschmack ein "und wachte sich an die Ausarbeitung eine» Dramas, dessen Entwurf schon lange in den Tieffen seines Schreibtisches geruht hatte.
u Aber auch auf politischem Gebiete war er
Bor der Entscheidung.
Bismarcks Prophezeiung aus dem Jahre 1884, daß die politischen Parteien sich immer mehr einer Jnteresscnpolittk zuwenden würden, ist schneller in Erfüllung gegangen, als damals vielleicht die meisten parlamentarischen Wetter- kundigen vermutet hatten. In dieser Betonung der Wirtschaftlichen Fragen aber darf man wohl bis zu -einem gewissen Grade mit die Ursache dafür erblicken, daß die Parteien des Reichstags selbst in Angelegenheiten, bei denen die Ehre des deutschen Volk»; uno te? Amehen des Reiches in Frage kommen, nicht so» jener skru- pelhaften Behänd lunzsweis; aölassen mögen, mit welcher ste ihre Pflichten wahrzunehme« gewohnt sind. Statt, daß die Repräsentanten des deutschen Volkes es, wie die Parlamentarier anderer Völker, für ihre selbstverständliche Pflicht gehalten hätten, der Reichsregierung alle die Forderungen glatt zu bewilligen, die diese er- heöen mußte, um ihre kolonialen Bestrebungen sieg- uns erfolgreich durchzuführen, zeigte sich bei fast alle» Verhandlungen über Kolonialforder- uusten der Regierung dasselbe unsympathische Bild des Schacherns und Feilschens um die Beiträge, die von der Rrrchsregierung zur Errcich- uug ihrer Pläne als unbedingt notig bezeichnet worden waren.
Bei dem Zusammenstöße allerdings, der im letzten Monate des vorigen Jahres zur Auflösung des Reichstages führte, handelte es sich nicht allein um eine Geld-, sondern vor allem um tüte Machtfrage. Hie Welf — hie Waibling!, das ist im Grunde die Losung der sich bekämpfenden Kräfte. Dies gibt auch dem jetzt herrschenden .Wahlkampfe, in dem morgen die erste Entscheidung fallen soll, ein ganz besonderes Gepräge. Wie ko oft, wenn das deutsche Kaisertum den Deutschen neue herrliche Hochziele weisen wollte, ist der Widerstand einet Schar vater- landsloser Gesellen zu bekämpfen. Darum ward am 13. Dezember vorigen Jahres der alte Reichstag hsimgekchickt, damit das deutsche Volk nur Männer wühle, die volles Verständnis für die deutschen überseeischen Kulturanfgebe.'. beweisen. Man sollte meinen, der wanne Appell an den nationalen Gedanken müsse in allen vaterländisch denkenden ft reifen einen stürmischen Widerhall erweckt haben, allein jener eingangs erwähnte Hang zur Jnteressenpolitik, vielfach verknüpft mit persönlichem Ehrgeiz kleiner Par- teibäuptlinge, hat diese erhoffte Wirkung der kaiserlichen Botschaft verhindert.
An sich ist es kein Unglück, daß im deutschen Volke Gegensätze vorhanden sind; denn durch diese werden Reibungen stervorgerufen, die, wenn nickt übertrieben, leben fordernde Wärme erzeugen können. Im gegenwärtigen Falle aber ist bereits eine so außergewöhnliche Hitze erzeugt tätig und als Verfasser packender und geistreich geschriebener Leitartikel und Feuilletons gesucht und von bett Gegenparteien gefürchtet.
Eines Nachmittags, die Sonne schien bclon- ders freutrdlich in das Arbeitszimmer des Doktors, die S^et Zwitscherten besonders lustig im Garten und Fräulein Eva lackte besonders bell und oft in der Clematislaube — alle diese Wahrnebmunaen erleichterte das geöffnete Fen« fier — da hielt es ibn nicht länger am Schreibtisch. Er kam nicht von der Stelle und der durch« sicickenen oder mit roter Tinte verbesserten Zeilen und Satzstellunaen «m Manuskript wurden es sch'^nsick m viel, daß Rupert von Kellenbach die Blätter zuiammenschob. das Tintenkaß schloß, die Feder auswritzte und ste etwas heftig forKegte, tinmutia aufstand und nach seinem Hut greifend sich anschickte, in den Gatten hinabzugehen mit be- festen Abnckt. dem ..Kckold" einmal allen Ernsies leine Meinung zu sagen.
Ein schmaler, mit bett nötigen Wirtschaftsgebäuden uwkck'ossenet Hof. aber auch mit grünen« dem und blübendem Bttkchwett In allen Ecken, trennte das Haus not» Garten. Rnnsrt öffnete dis kleine Eartenvforte, die in denselben führte schritt bett Hauvtmeg entlang, von welckem man dann, rechts obbiegend, zu bet Clematis Taube gelangte. Frau von Führen und Eva saßen darin, und als letztere ihn bemettte, kam sic ihm rasch entgegen.
..Wie verständig, daß Sie kommen, Rupert," rief Eva unbefangen, „bei so herrlick": Wetter, cs ist ja wirklich sündhaft, im Zimmer zu hocken. Aber was ist Ihnen denn, Sie machen ja wieder Ihr ernstes, überlegenes Gesicht?"
„Ach, gehen Sie, Eval Ich bin cigeuiiich nrt heruntergekommen, um mit Ihnen zu zanken," gab Fessenbach zurück. „Sie und die Sonne
worden, daß eine Abschwächung der Gegensätze erforderlich erscheint, umso mehr, als sich diese Gegensätze mit sehr unerwünschter Gleichmäßigkeit ausschließlich im bürgerlichen Lager geltend machen, wo man doch unter allen Umständen die Kräfte zusammenfassen sollte, um sie eben, soweit irgend möglich, dem nationalen Gedanken dienstbar zu machen.
Leider aber wird namentlich von linksliberaler Seite der Kampf um das Mandat mit einer Erbitterung geführt, die vielfach — wie in unserem Wahlkreise — zu recht kleinliche», oft geradezu häßlichen Mitteln greift. Ehrenpflicht aller vaterländisch gesinnten Wähler wird es sein, nun am Wahltage selbst die rechte Aritwort auf all' die irreführenden und hetzerischen Kundgebungen zu erteilen, mit denen man sie von dem eigentlichen Kern der Frage abzulocken suchte, um sie für einen Kandidaten zu gewinnen, dessen politischer Entwickelungsgang keine Bürgschaft gewährt für sein festes, unentwegtes Eintreten in allen Fragen nationaler Pflicht.
- Ist es nicht geradezu beschämend anzusehen, wie auch in dem gegenwärtigen Wahlkampfe wieder tausend Angelegenheiten von geringer Bedeutung in den Vordergrund geschoben werden, um den parteipolitischen Gegner zu überbieten, sodaß dadurch die große Frage, auf die gerade Antwort verlangt wird, zurücktreten muß! Wir wenigstens in unserem Wahlkreise Marburg - Franken berg - Kirchhain werden nut dem Bewerber unsere Stimme geben, dessen Person uns die sichere Gewähr bietet, daß er treu und energisch für die großen nationalen Ziele eintritt, die sich unserer Reichspolitik bieten. Dieser Mann aber ist der Kandidat der vereinigten konservativen, der deutsch-sozialen und christlich-sozialen Männer in unserm Reichstags« Wahlkreise, Herr D r. B ö h m e. Darum fordern wir alle Leser und Freunde der „Oberhessischen Zeitung" auf, am morgigen Tage Mann für Mann ihre Stimme für Herrn Dr. Böhme abzugeben.
Möge keiner unserer wahlberechtigten Leser sich aus irgendwelchen Gründen der Stimmenabgabe enthalten. Jede Stimme ist wichtig, keine darf ausfallen!
Ein Sprüchlein des beliebten Schweizer Dich« iers Gottfried Keller kann jedem Reichstags- Wähler zur Beachtung empfohlen werden. Es lautet: Wenngleich unbemerkt und langsam, so trügt jeder einzelne Mann durch "ein Wegbleiben zur allmählichen Abnahme des Allgemeinen bei, und jedenfalls möchte ich nicht mit Gewalt der sein, auf welchen nichts ankommt l
und die Vögel lassen mich zu keinem ruhigen Ar- drrten gelangen."
„Dann sollten Sie sich bei mir, bei der Sonne und den Vögeln bedanken," gab sie la- chcicd zurück, „denn es ist wirklich unerhört, baß Sic gar nicht aus Ihren vier Pfählen heraus- kommen, ob es nun Winter oder Sommer ist. Ucbrigeiis werden Sie in nächster Zeit noch viel mehr schwatzen hören hier im Garten —“
„Gotr steh mir teil"
„Jawohl, denn ich bekomme für einige Zeit Besuch von einem jungen Mädchen, meiner liebsten Freundin; wir lernte» uns im Pensionat kennen."
„Ab, eine von de» berühmten, ewig dauernden Rküdcherifreundschaften," spottete Felsenbach; „nun, ich freue mich, eine solche mal in der Nähe kennen zu lernen."
„Wissen Sic, Rupert, das Sie ausgerechnet» der unausstehlichste Mensch sind, de» ich kenne?" eiferte Eva, Felsenvach mit den schelmischen, dunklen Augen ordentlich zornig anfunkelnd. „Was wissen und verstehen Sie non weiblichen Freundschaften? Sie haben ja weder Schwestern noch eine richttge Kousine, Sie urteile» doch nur vom Hörensagen."
„Eben darum freue ich mich, mein schwaches Urteil bald durch eigene Erfahrung und Beobachtung vervollkommnen zu dürfen."
Sie waren in die Laube getreten, wo Frau von Führen den Verwandten ihres Gatten i'-i mütterlicher Vertraulichkeit begrüßte. Ein Album lag auf dem Tisch. Eva schlug cg ans und blätterte darin.
„Ihr Album?" fragte Fessenbach.
„Ja. Ich habe Sterna das Bild meiner Freund.,: gezeigt.'
„Dari ich cs auch sehen?"
Er streckte die Hand darnach aus, sie schob es ibm hin.
Der Todesüimff.
Ueber den bisherigeit Verlauf der Wahlbe« wegung auf gegnerischer Seite wird uns folgendes geschrieben:
Immer verzweifelter gestaltet sich der Gang der Verhältnisse für Herrn v. Gerlach, seine eigenen Agitatoren zweifeln daran, daß er überhaupt noch in Stichwahl kommt und befürchten, daß seine Stimenzahl von dein sozialdemokratt« schen Bundesgenossen überholt wird. Ueber zehn Jahre hat er in diesem Wahlkreise gearbeitet, immer wieder und wieder in Versammlungen gesprochen, Augenblickserfolge gehabt und nun dieser Zusammenbruch! Heller Jubel der endlich befreiten Volksseele tönt den Sprechern bet Deutscksozialen entgegen, in welchen Gegenden sie auch immer sprechen mögen. Wie lange hat man die altgewohnte Partei entbehrt und nut die Reden v. Eerlachs und seiner Parteigenossen gehört, jetzt endlich erklingen wieder nationale Worte. In manchen Worten ist der Widerwille gegen die Eerlachpartei derartig gestiegen, daß niemand seinen Saal für sie hergeben mag. Gewiß ist dies nicht zu billigen, aber kann man es andererseits dem köniostreuen Hessenvoll verdenken, wenn es einen Mann nicht bei sich dulden will, der n"ch jetzt unmittelbar vor bet Wahl in Jena, Weimar. Leipzig den Sozialdemokraten WahlhÜlfs versprochen hat, den nebst seinen Gesinnungsgenossen sogar zahlreich« freisinnige Männer als Werbeoffizier des Sozialismus bezeichnet haben. Reicht Hett v. Eerlach nicht auch jetzt stets dc ~rage aus, für wen et die Parole ausg-ben werde, wenn Dr. Böhme mit dem Soziald-inokraten in Stichwahl komme. Seine Agitatoren sind offener, st« erklären, baß ihre Partei bet Sozialdemokratie näher stehe, als Dr. Böhme. Alle diese Tatsachen bleiben der nationalgesinnten Bevölkerung nicht verborgen und ste sagt sich, daß zwischen v. Ger» lach und der Sozialdemokratie nur der Unter« schff') besteh«, daß die Sozialdemokratie offen Farbe bekennt und n. Gerlach nicht.
Dazu kommt die unehrliche Art des Kampfes! Die „HeGsche Landeszeitung,, beschäftigt sich mit der Steuerfrage und läßt es offen, anzuneknnen, daß auch dje Deutscksozialen für Tabak-, Bier« und Fahrkartensiener gestimmt hätten, natürlich ist das nickt der Fall. Ebenso ist es unwahr, daß Dr. Böhme in Klcinseelheim gegen die Erb« schastssteuer im allgemeinen gesprochen hat, er hat sich lediglich gegen den volksfeindlich eingebrachten Antrag im Reichstags gewendet, wonach bei Erbmassen von 2000 <M, die an Kinder vererbt würden, bereits eine Steuer gezahlt werden solle. Mit derartigen unlauteren Mithin w»rd gearbeitet, dabei geht die Frechheit der Gerlaihaqitatoreu über jedes erlaubte Maß hinaus. 5o behauptete in Klcinseelheim der Agitator Bergemann, daß man mit Wahl- Mischungen Herrn v. Gerlach zu Leibe gehen wolle. To war ganz außerordentlrq liebenswürdig von Dr. Böhm«, daß er diesen Herrn gegen den Unwillen >er Wähler dadurch schützte, daß er Tagte, Bergemann hätte das wohl kaum
Rupert blätterte darin, ohne den Photographien ein mehr als oberflächliches Interesse z» schenken. Plötzlich stutzte et, und seine Blicke hefteten sich überrascht auf das Bild eines jungen Mädchens :n einfach weißem Kleide.
„Wer ist oas?“ fragte er, „welch süßes, weiches Gesicht, welch schöne sprechende Augen —“
Ueber Evas Antlitz zuckte es wie ein heimlicher Triumph.
„Das ist Gabriele," rief sie vergnügt. ich wußte es ja, daß sie Ihnen gefallen würde. Sie fällt jedem auf, weil sie so schön ist."
„Ja — das ist sie," antwortete Rupert aus vollster Ueberzeugung, „und wenn Wesen und Charakter dem Aeußeren entsprechen —"
„O, Gabi Reuchlin ist ein Engel," unterbrach ihn Cva hastig.
Es schic», als ob sekundenlang ein Zucken jber Doktor Felsenbachs Gesicht ging. Er preßte ie Livpen auseinander, und seine und Frau von Führens Augen begegneten sich in einem ernsten,. verständnisvollen Blick. Das junae Mädchen achtete nicht weiter darauf. Das Album blieb aufgeschlagen vor Rupert liegen, und während des sich nun entwickelnden allgemeinen Gesprächs ruhten seine Blicke mehr als einmal auf dem lieblichen Bilde. Als Frau von Führen in das Hans <tbocrufen wurde, fragte er Eva:
„Ist die junge Gräfin noch in der Pension?"
„Gabi? O nein, — sie ist zwei Jahre älter als ich — ungefähr zwanzig - sie ist schon fett drei Jahre» fort. Wir wollten uns immer besuchen, aber wunderbar, stets kam etwas da- ,zwischen. Der Hauptgrund ist wohl die große Kränklichleit des alten Grafen gewesen. Vor einem Jahre ist er gestorben, und nun wird Gabt! ihr Versprechen erfüllen."
(Sortfefcnng ftl*I