mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Birrtcljährlichrr Bezugspreis^ bet ver Expedition 2 ML, btt alle» PostLmtem 2,25 M. <eyu Bestellgeld).
2»s«rtt»»Sgebührt die gespaltene Zeile ober Deren Raum 15 Pfg.
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Marburg
Mittwoch, 23. Januar 1907.
Erscheint wöchentlich siebe» «al.
Druck und Verlag' Joh. Lug. Rod), UmversitStS-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
42. Jahrg.
Wider die Volksverhetzer.
Immer höher leckt die schaumende Spring- Wlut der internationalen Sozialdemokratie an Pen Wällen des Bürgertums empor, und trotz Per sich fortgesetzt mehrenden Gefahr erweisen ssch vielfach in den bürgerlichen Reihen die trennenden Parteiunterschiede stärker, als der Witte zu gemeinsamer Abwehr. Wieder und wieder ist es daher die Pflicht der nationalen Presse, die bürgerlichen Gruppen auf die sozialdemo- fratische Gefahr aufmerksam zu machen und sie hur Abwehr anzuspornen. Roch immer gibt es ijft gar viele harmlose Gemüter, die nicht einzusehen vermögen, daß die „Geschichte" so ernsthaft sek, und nur allzu oft mutz man die gedankenlose Aenßerung hören: „Die Sozis sind auch Menschen." Wer aber die hetzerische Tätigkeit der sozialdemokratischen Agitatoren beobachtet hat, wer den fanatischen Eifer erkannt hat, mit dem die roten Sendboten alle bisherigen kulturellen Institutionen und nationalen Bestrebungen des deutschen Volkes verächtlich zu machen suchen, der wird sich sagen, daß hier Abwehr der antinationalen Flut dringend not tut. Eine Hochflut von Schimpfworten ergießt sich täglich in den sozialdemokratischen Organen über all:s, was besteht, und im hohlsten Pathos wird immer wieder versichert, daß alles Elend und alle Not ein Ende haben würden, wenn die Sozialdemokratie zur Herrschaft gelangt wäre. Auffällt nur, daß niemals gesagt wird, wie diese Partei sich Staat, Gesellschaft und Wirtschaftsordnung in Zukunft vorstellt. Das hat seinen guten Grund. Eine große Zahl der Wähle- die der Sozialdemokratie ihre Stimmen gegeben haben, besteht aus den sogenannten Mitläufern, Es find Wähler, die gar nicht wissen, was die Sozialdemokratie am Ende bezweckt, und dis wenn es ihnen klar würde, von dieser Partei schleunigstabrücken würden. Dies weiß die sozialdemokratische Parteileitung sehr wohl und aus diesem Grunde ist sie ängstlich besorgt, ihr Programm soviel, als nur möglich zu verbergen, Für die anderen Parteien aber wird es umso mehr Pflicht, die Wählermassen über die Natur dieser Partei auszuklären. Was will die Sozial, demokratie? Einmal an die Stelle der Mon, ilrchie die Republik setzen, mit andern Worten; die Regierung soll aus der Hand des Monarchen in die Hand der Führer der Sozialdemokratie, also der Herren Singer, Stadthagen usw., übergehen. Es ist wirklich traurig, daß eine Partei mit einem solchen Ziele bei einer Reichstags- wahl drei Millionen Stimmen erhalten hat. Wenn Preußen und Deutschland groß geworden find, so verdanken sie die Entwicklung gewiß zu einem großen Teile der Tatkraft, der Intelligenz und dem Fleiß ihrer Bewohner. Jeder aber, der die Geschichte nur einigermaßen kennt, wird zugeben müssen, daß die Hebung des preu»
3 «Nackdruck verboten.»
Matten.
Roman von B. v. d. Lancken.
rFortsetzung.
„ Graf Reuchlin ist eine kräftige, frische Natur, ein stattlicher Mann. Das Guts, was das Leben ihm gebracht, nimmt er mit Dank aus Gottes Händen, und im Leide beugt er sich willig und ohne Murren einer höheren Macht. Er ist Edelmann vom Scheitel bis zur Sohle, aber für ihn liegt der Wert des Adels nicht allein in dem von den Voreltern ererbten guten Namen, sondern darin, daß eben feder, der von Adel ist, auch adlig handeln müsse, um Ehre und Ansehen desselben zu fördern und zu heben. Er ist einer von denen, die den Menschen als solchen achten, wenn er es verdient, ob dieser Mensch nun unter einer Fürstenkrone oder unter dem Strohdachs eines Bauernhauses geboren ist. Seine Gemahlin und Ulrike stehen dieser Auffaffung schroff gegenüber, ebenso tat es der Prinz Sebra, aber i" Eabrielens junges Herz ist es ihm doch gelungen, ein Samenkörnlein seiner Anschauungen auszustreuen, und jetzt, wo die Familie so ganz auf sich angewiesen ist, wo die Gräfin und Ulrike sich in ihrem Schmerz um den Verlorenen bcsoir- ders fest an einander geschloffen haben, jetzt sind Vater und Tochter fast unzertrennlich. Nach Schluß der Unterrichtsstunden begleitet das junge Mädchen den Grafen täglich auf seinen weiten Spaziergängen, und sie tauschen da so manche Gedanken aus, von denen die anderen irichts wiffen.
Auf einem dieser Spaziergänge an einem klaren, kalten Wintertage war es auch, wo Gabriele an den Grafen die Frage richtete:
„Papa, sage mir, weshalb Arwed in dies schreckliche Duell verwickelt wurde und der Mann,
ßischen Staates zu einem bedeutenden Teile auch den Hohenzollern zuzuschreiben ist. Die Hohen- zollern haben, als sie in die Mark kamen, die inneren Zwistigkeiten der Stände beseitigt und dadurch erst ein Staatsleben möglich gemacht, sie haben durch kühne Erwerbungen dem Staat eine Größe gegeben, die ihn erst befähigte, im Kreise der Völker eine Rolle zu spielen, sie haben die innere Kraft des Staates so gefördert, daß er dem Ansturm einer Koalition fast sämtlicher übrigen europäischen Kulturstaaten Widerstand leisten konnte und sie haben schließlich dem Werk die Krone aufgesetzt dadurch, daß sie das Reich 'wieder aufrichteten und dadurch erst die heutige Stellung schufen, die die deutsche Nation einnimmt.
Deutsches Reich.
Berlin, 22. Januar.
— Vom kaiserlichen Hofe. Der Kaiser sprach beim Reichskanzler vor und hörte im königlichen Schlöffe den Vortrag des Chefs des Zivilkabinetts. — Nach Berichten Berliner Blätter sollte des Kaisers Bruder, Prinz Heinrich, im Westsanatorium an einem Halsleiden darniederliegen. Das trifft indeffen nicht zu. Krank ist vielmehr Prinz Friedrich Heinrich von Preußen, der älteste Sohn des verstorbenen Prinzen Albrecht von Preußen, Regenten von Braunschweig. Prinz Friedrich Heinrich, Oberst und Kommandeur des ersten Brandenburger Dra- gonerregiments Nr. 2, zählt jetzt 34 Jahre.
— UeLer tausend Reichstagskandidaten. Die Sozialdemokraten haben, wie der „Vorwärts" stolz verkündet, 340 Kandidaten aufgestellt. Die freisinnig-demokratischen Parteien haben cs nach der Angabe des „Berl. Tagebl." auf 169 Kandidaturen gebracht. Von den Nationalliberalen stehen rund 150 Mandatbewerber in der Wahlbowegung. Die konservative Partei hat sich auf die Aufstellung von rund 100 Kandidaten beschränkt. Die Zahl der Kandidaten der Reichspartei ist uns unbekannt, sie dürfte sich aber auf 40—50 belaufen. Rechnet man die Zahl der kleineren Gruppen hinzu und bedenkt man, daß dis Zentrumspartei, die diesmal wieder mit einer Menge von Zählkandidaturen operiert, kaum unter 250 Kandidaten nominiert hat, so ergibt sich, daß auch bei diesen Wahlen weit über tausend Kandidaten miteinander im Wettbewerb stehen.
— Die Nnfiedlungskommission hat bisher in Posen und Westpreußen 96 900 Deutsche angesetzt, darunter 1400 Arbeiter.
— Wahlaufruf deutscher Ansiedler. Eine große Anzahl deutscher Ansiedler in den Provinzen Posen und Westpreußen erläßt folgenden Wahlaufruf:
„Ansiedler! Am 25. Januar finden die Neuwahlen zum Reichstage statt. Pflicht jeden beut*
der doch sein Mörder ist, ohne entsprechende Strafe bleibt?"
Gras Reuchlin blickte sekundenlang mit den klugen, durchdringenden blauen Augen in die Ferne, dann in das Antlitz seiner Tochter, die, tt-t seinem Arm hängend, erwartungsvoll zu ihm aufsah.
„Du stellst da zwei Fragen, Liebling, die ich dir gern mit ebenso kurzen Worten beantworten möchte, aber leider geht es nicht. Die erste, nach der Ursache des Duells — hm! — wenn ich ebr- lich sein soll, das ist nichts für ein vierzehnjähriges Mädchen; außerdem aber sehen wir alle nicht ganz klar in dieser traurigen Sache. Und die zweite? — Ja, liebes Herz, darüber gibt es kein allgemeines Urteil; diese Frage wird dir, so viele Menschen du auch fragen magst, jeder von seinem Standpunkt und aus seinen Anschauungen heraus anders beantworten. Ueber die Berechtigung oder Nichtberechtigung des Duells ist schon unendlich viel gesprochen, geschrieben, gestritten worden. So viel aber steht meiner Ueberzeugung nach fest: es gibt Beleidigungen, die durch keine richterliche Entscheidung gesühnt werden können. Der point d'hon- neur erfordert, daß diese von den Beteiligten mit eigener Kraft und Mut im Duell — im Zweikampf — erledigt werden. Ein solcher Fall liegt zweifellos vor, und wenn ich auch auf die Details nicht näher eingehen kann, so will ich doch betonen, daß der Gegner Arweds keineswegs strafwürdig ist, noch weniger aber darfst du die Bezeichnung „Mörder" ein ihn anwcn- den."
„Mama nannte ihn so," bemerkte Gabriele kleinlaut, „Mama snrach auch von Fcstunas- haft
„Mama urteilt hier nicht ganz gerecht, mein Kind. Ihre große Liebe läßt sie Arwed srei- sprechen von jeder Schuld, und wep bi« Kestung--
schen Mannes ist es, an diesem Tage zur Stelle zu fein und ohne Rücksicht auf persönlich« Sonderwünsche dem von deutschen Parteien seines Wahlkreises vereinbarten deutschen Kandidaten seine Stimme zu geben und zum Siege über den Polen zu verhelfen. Bor allem sollten wir Ansiedler, die wir uns zur Vermehrung und Stärkung des Deutschtums in der Ostmark angefiedelt haben, unsere deutsche Gesinnung betätigen. Zum ersten Male bietet sich uns Gelegenheit, in größeren Mengen an die Wahlurne zu treten und ein maßgebendes Wort mitzusprechen. Keiner von uns darf fehlen. In vielen Äteifen hängt die Wahl des deutschen Kandidaten nut an wenigen Stimmen; vielleicht find es unsere Stimmen, die ihm die Ueberlegenheit über den polnischen Gegner sichern. Zeigen wir alle, daß es uns mit unsrer deutsch-nationalen Vs- - hier Ernst ist und seien wir alle, ob au» dem Westen oder Süden stammend, ob hier geboren oder aus Rußland und Galizien in die alte Heimat zurückgekehrt, einig und am Wahltage allesamt zur Stelle. Sorge jeder dafür, daß kein dcull^er Mann, Bauer oder Arbeiter, der wählen darf, fern bleibt. Die Polen bringen jeden Mann zur Wahlurne. Lasten wir uns nicht von ihnen beschämen. Das sind wir uns und dem deutschen Vaterlande schuldig."
— Das Kolonialpolitische Aktionskomitee hielt am Sonnabend mittag 1 Uhr im Herrenhause eine konstituierende Sitzung ab. Der Vorsitzende Profestor E. Schmoller berichtete über das Zustandekommen des Kolonialpolitischen Aktionskomitees, den Geschäfsberickl erstattete Geschäftsführer Prof. E. Struve, den Kaffenbericht Prof. Sering. Prof. G. Delbrück und Staatsminister f-entig berichteten über die gegsnwätigen und zukünftigen Aufgaben des Komitees. Die Versammlung beschloß, das Komitee auch über die Reichstagswablen hinaus bestehen zu lasten und zu einer ständigen, entsprechend auszubauenden Vereinigung zu gestalten. Zur Ausführung der hierzu notwendigen Maßnahmen wurde ein aus fünf Mitgliedern bestehender Ausschuß mit dem Recht der Znwahl gebildet; zum Vorsitzenden wurde Staatsminister Heutig gewählt.
— Keine Einstellung des Schalterdienstes der Reichspost an den Sonntagen. Zu einer Blättermeldung, daß die Reichspost die Einstellung des gesamten Schalterdienstes an den Sonn* und Feiertagen beabsichtige, schreibt die „Nordd. Allg. Ztg.": „Mr sind zu der Erklärung ermächtigt, daß eine derartige Maßnahme weder beabsichtigt ist, noch je in Aussicht genommen war und überhaupt niemals auch nur den stand von Erwägungen gebildet hat. Die Nachricht ist im ganzen und im einzelnen völlig aus der Luft gegriffen und entbehrt jedes tatsächlichen Inhaltes."
— ein „zielbewußter" Genosse. Don der Strafkammer I des Magdeburger Landgerichts wurde am Sonnabend der sozialdemokratische Arbeiter Heinrich Kind, der in einer öffentlichen Volksversammlung der Stenographin eines bür-
hast anbelangt, so werden die Duelle allerdings damit bestraft. Arwcd mußte wissen, was er ta': er war fünfundzwanzig Jahre alt und Offizier, er kannte genau die Folgen feiner Handlungsweise, und ich bin zu gerecht, um diese einem andern aufzubürden."
„Gleichviel, Papa," antwortete Gabriele mit mehr Bestimmtheit, als ihr sonst eigen war, „gleichviel, ich Haffe denMann, der an seinem Tode schuld ist. Ich liebte Arwed so sehr, ich Haffe jeden, der den Namen Felsenbach trägt."
„Das ist gefährlich, Gabi," lächelte der Graf, ,chenn die Felsenbachs sind eine weitverzweigte Sippe und du könntest also einen ganz Unschuldigen mit deinem Haffe treffen, der freilich an sich nicht gerade schädlich wirken dürfte."
„Gleichviel Papa," rief Gabi mit kindischem Trotz, „ich Haffe sie!"
„Gabriele!"
Graf Reuchlin legte den Arm um die Schulter seiner Tochter und zog die schlanke Gestalt an sich.
„Gabriele," wiederholte er. „schau mich an!" Sie tat es und begegnete einem ernsten, milden Blick seines Auges.
„Gabriele, mein liebes Kind," fuhr der Vater fort, „du gleichst deiner verstorbenen Mutter, du trägst ihren Namen, du erinnerst mich ost an sie. Ihr größter Liebreiz war Sanftmut und Milde. — Du besitzest beide Eigenschaften, bewahre sie dir und laß dich nicht beeinfluffen durch Ulrikens krankhaft leidenschaftliches Wesen, durch ihre Ueberlegenheit. Sie versteht es meisterhaft, auf ihre Umgebung zu wirken, hüte dich davor, Gabi, laß nicht Haß und Ungerechttgkeit in deinem Herzen Wurzel fassen. Der Grundzug im Wesen des Weibes soll Liebe sein, nicht Haß, und glaube mir, daß die Zeit kommt, wo du alles das, was jetzt dein Herzchen drückt und deinen jugendlichen B^riffen als Unrecht, als Verbrechen erscheinen
gerlichen Blattes gewaltsam ihre uußeidjnun« gen geraubt und dann auf der Flucht den ihn verfolgenden Verlobten bet Dame mit Nieder» stechen bedroht hatte, wegen Sachbcu- ..„igurrg und Röttgung zu 5 Monaten Gefängnis verurteilt.
— Bebel als Kapitalist. Der Wahlkampf im Wahlkreise Hirschberg hat zu einer Besprechung bet Bebelschen Erbschaft und zu einem Briefwechsel zwischen Bebel und dem seitherigen Abg. Ablaß geführt. Da die Sozialdemokratte auch in diesem Wahlkampfe abstreitet, daß verschieden« ihrer Führer selbst Kapitalisten sind, so sei hier wiedergegeben, was Bebel unterm 4. Januar 1007 aus Schöneberg-Berlin an Rechtsanwalt Ablaß wörtlich schreibt: .Ich habe von den 395 000 <M, die ich erbte, 132000 an die Verwandten des Erblaffers, soweit sie enterbt waten, abgegeben, obgleich das Gericht zu meinen Gunsten entschieden hatte. 45 000 «Al gab ich an die Partei, 20 000 dl an hilfsbedürftige Genossen und Bekannte usw. Auch die vielgerühmte Villa ist längst mit Schaden verkauft, weil ich sie verkaufen mußte. Nebenbei bemertt, wird diese Villa ein Wirtshaus." Bebel hat, um den Rechtsstreit nicht bis in die letzte Instanz fort» zusetzen, die enterbten Verwandten des Erblassers entschädigt, van dem Rest an Parteige» noffen und Bekannte nach seiner Erklärung zusammen 65 000 «Al abgegeben, er behielt also für sich nach Abzug bet Erbschaftssteuer und An» waltskosten 167 000 M. Also 65 000 «Al der Partei, 167 000 für sich. Gegen diese Att der Teilung ist vom kapitalistischen Standpunkte au» nichts einzuwenden, vom sozialistischen aber heißt das: Die Theorie wird in die Praxis nicht umgesetzt. Wer übrigens nach dem Brief« Bebels der Meinung sein sollte, diese Villa sei eine armselige Kneipe, bet mag daran erinnert werden, daß diese» Besitztum zu 140 000 Franken — 112 000 «Al Verkaufspreis öffentlich auXge- boten wat. Selbst, wenn also bet Verkauf, wie Bebel sagt, Schaden gebracht hat, so bleibt doch immer noch ein hübsches Sümmchen für den Führet der „Enterbten". Diese beiden kapitalistischen Objekte stellen also sicherlich über eine Viertelmillion Mark dar. Bebel ist unb bleibt also im Sinne des Wortes: Kapitalist!
Ausland.
----- Amerikas Beziehungen zu Kanada. Bezüglich des bevorstehenden Besuches des amerikanischen Staatssekretärs Root bei dem Eene- ralgouvetneut von Kanada Earl Grey erfährt das Reutersche Bureau folgendes: Der Besuch folgt, obwohl er scheinbar nut gesellschaftlichen Charakter hat, unmittelbar auf einen ausgr- dehnten wichtigen Austausch von Mitteilungen zwischen London, Wa,„.ngton und Ottawa, Man glaubt in wohlunterrichteten Londoner K-eisen, der Besuch werde wahrscheinlich zu einer Regelung oct siebener noch unerlebigttr Streitfragen, einschließlich bet Frage bes Robbenfanges, führen.
mag, anbers anffaffen unb anders beurteilen wirst."
Während dieses Spaziergangs von Vater untz Tochter durch den winterlich irischen Wald schrit- ten Gräfin Natalie und Ulrike langsam durch den Park von der alten Familienkapelle nach dem Schlöffe zuttick. Die Gruft lag am Ende des Gartens, und in ihr ruhte nun, neben den Vorfahren der Reuchlin, auch Prinz Arwed. Einen um den andern Tag mußte bei Gärtner frisch« Blumen in bas Schloß schicken, mit benen di« beide.. Frauen den Sarg des Verstorbenen schmückten. Gewöhnlich hatte sich auch Gabriel« ihnen angeschloffen, in der letzten Woche jedoch hatte der Graf es so einzutichten gewußt, daß di« iünifte Tochter während dieser traurigen Besuche in der Gruft nicht zugegen wat. Et wollt« das weiche, kindliche Gemüt unter allen Umständen vor - aufregenden Eindrücken bewahren, die ihr b< t nicht erspart bleiben konnten. Sie sollt ihren Schmerz um den Bruder nicht künstlich betäuben, aber nicht künstlich lebendig erhalten, er sollte sich ruhig in ihrer Seele aus» leben.
„Dein Vater und Gabi haben kein Verständnis für mein Leid," sagte Gräfin Natalie bitter, als sie von ihrem Besuche der Totengruft nach dem Schloß zuruckgekebrt tnar unb mit Ulrike in den«, behaglich burchwärrnten hohen Wohngemach in einer bet tiefen Fensternischen Platz genommen hatte. Sie lehnte sich in den hochlehnigen Stuhl zurück unb blickte start auf ben stillen Schloßplatz hinaus. Die Gräfin war eine Herr-' (idie, gebietende Erscheinung. Das glattgeschei- telte schwarze, nur hier und da von einem Silberfaden durchzogene Haar, durchbringende, kluge, braune Augen, eine kleine Adlernase, ein, etwas vorstehende« Kinn und ein stolzer Zug um. den Mund gaben ihr das Ansehen einer unge-> beugten energischen Natur. Sie war eine schöne ‘