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mit dem Kreis blatt für die Kreise Marburg und Kirckbain.

LontttaaSbeNaae: StthtttvirM

Jti 18

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Marburg

Dienstag 22. Januar 1907.

Enchcint Wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. klug. Koch, UmvcrsttätS-Buchdruckdrei

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

42 Jahrg.

Zum KapitelWeltpolitil".

Alls Politik läuft auf Bevölkerungspolitik -inaus, d. h. die politischen Maßnahmen haben chließlich den Zweck, der Bevölkerung die rnög- ichst beste Lebenshaltung zu verschaffen. Von liefern Ziele sind in Deutschland auch die Maß­nahmen getragen, die man unter den Begriff per Weltpolitik einzureihen sich gewöhnt hat. Die deutsche Bevölkerung mehrt sich jährlich um -fast eine Million Köpfe. Um sie zu ernäh­ren, muß Arbeitsgelegenheit beschafft werden. Die Politik muß dabei helfen. Und so sehen wir denn, daß seit verschiedenen Jahrzehnten die verantwortlichen Leiter der deutschen Poli- jiic darauf Bedacht nehmen, neben der Steiger- sing der Intensität der Arbeit im Jnlande den Absatz deutscher Erzeugnisse im Auslande zu er­höhen, um auch dadurch der Nation Arbeit zu verschaffen. Wenn Deutschland in den letz.en Jahrzehnten einen wirtschaftlichen Aufschwung erster Art genommen hat, so hat es ihn seiner Politik zu verdanken, die es verstanden hat, die Absatzkanäle zu erweitern und zu ver- jnehren, den Verkehr mit anderen Nationen zu stärken, die Handelsbeziehungen zu aller Welt Lu vertiefen. Diese Politik, die nicht zuletzt auch pent deutschen Arbeiter die Hebung seiner Le­benshaltung, ja die überhaupt erst die Ernähr- ig der zuwachsenden Bevölkerung ermöglicht sat, wird von der Sozialdemokratie verworfen, ie wird als eine Politik bezeichnet,, die Deutsch- and in Konflikte mit anderen Staaten zu brin- ien geeignet ist und die solche Konflikte auch be- eits hervorgerufen hätte, wenn nicht man taune! die Arbeiter Englands und Frank- -eichs Deutschland aus der Patsche geholfen hüt­en. Es ist wirklich merkwürdig. Während der nglische und der französische Arbeiter in jedem Augenblick ganz genau wissen, was ihren Völ­kern und ihnen nützt, glaubt die deutsche Sozial­demokratie, ausländische Bevölkerungsteile hät­ten aus Interesse für Deutschland gehandelt. Die politische Naivetät in Deutschland ist wirk­lich noch groß. Und nun soll die deutsche Welt­politik, zu der auch die Kolonialpolitik gehört, Konflikte mit aller Welt erzeugen! Ja, glaubt inan denn, daß, wenn Deuffchland ein immer fähigerer Mitbewerber auf dem Weltmärkte svird, dies beit anderen Nationen, die früher i^iie diesen Konkurrenten arbeiteten, angenehm p? Daran ist doch aber im Grunds nicht die Politik, sondern der Bevölkerungszuwachs in Deutschland schuld, für den diese Politik nur ürbeitsgelegenheit zu schaffen ganz vernünfti- !erweise bestrebt ist. Die deutsche Welt- olitik ist eine notwendige Folge erBevölkerungszunahme. Eie kann tarnicht aufgegeben werden, wenn nicht darauf verzichtet werden soll, den Zuwachs zu erhalten, hie Sozialdemokratie aber hat leicht reden, da Ne eine Verantwortung irgendwelcher Art nicht hat. Würde ihrem Rate gemäß auf diese Po­litik verzichtet werden, so würde in Deutschland sine Arbeitslosigkeit eintreten, wie man sie noch tie erlebt hat. Die Nackenschläge des Auf- zcbens dieser Politik würden nicht zum wenig- ten auch die Arbeiter zu spüren bekommen, Pollen diese, daß sie wie bisher ihre Lebens- jaltung erhöhen, ja wollen sie auch nur, daß sie ich weiter beschäftigen können, wie bisher, dann Nüssen sie am 25. Januar für die Parteien stim- ner, die einer die Arbeitsgelegenheit vcrb'ir- tzenden Politik anhangen. Zu diesen Parteien »ber gehört die Sozialdemokratie nicht. Leider flber wird nur ein kleiner Teil der deutschen Ar­beiter dieser Mahnung folgen; denn die Mehr­zahl zeigt, betört vom sozialdemokratischen pirenenliebe, kein Verstänbnis für die hohen nationalen Aufgaben, die in unserer Zeit an das deutsche Volk herantreten.

Das Reichstaqstvahlrecht in Gefahr.

Ein Elaborat eines Herrn I. Becker, Mar­burg, beschäftigt sich (allerdings nur im Bei­blatt, wo immer Hannes on Henner ihre geist- sprühenden Witze loslassen) mit dem Junker- staat. Wir gehen über die geschichtlichen Kennt- ftisie des Herrn, die jedem sozialdemokratischen Diskussionsredner Ehre machen, zur Tagesord­nung über. Was uns daran interessiert, ist die In eben dem Tone demagogischer Verhetzung oorgetragene Bemerkung:Und der Böhme darf kundertmak versichern, daß er das (für Abschaf- f'ing des Reichstagsrvahlrechts stimmen. D. R.)

nicht tun werde wir glauben es ihm nicht! Denn wer wie Liebermann und all die anderen Freunde Böhmes im Reichstag für die Bei­behaltung des elenden preußischen Klassenwahl­rechts eingetreten ist (21. Februar 1906!), der kann kein ehrlicher Freund des Reichstagswahlrechts sein. Deshalb ihr Bauern, seid gescheidt und gebt eure Stimme nicht dem Doktor Böhme, denn ihr könnt such fest darauf verlassen, wenn dem und dem Rupp seine Junkerpartei die Oberhand bekommt, ist es um das Reichstagswahlrechi geschehen und ihr habt zum letzten Mal in der Weise wie seit­her zum Reichstag gewählt."

Daß Herr Dr. Böhme f e st ve r s i ch e r t, zu einer Aenderung des Reichstagswahlrechts nie­mals seine Hand bieten zu können, weiß der famose Herr I. Becker ganz genau und sagt es ja auch". Schadet nichts! Deshalb wird doch mit dieser Behauptung in aller Offenheit bisher, wie wir hörten, nur heimlich Gimpelfang ge­trieben. Wenn ein Mann öffentlich sich zu et­was verpflichtet, so ist doch das Mindeste, daß man ihm nicht unterstellt, daß er genau ent­gegengesetzt handeln würde. So naiv werden unsere Wähler natürlich nicht sein, um auf solche geradezu albernen Verleumdungen hineinzufallen. Höchst bezeichnend ist es aber für die Aussichten der Gerlach- s ch e n Kandidatur, daß man jetzt zu die­sem Mittel greift, das sonst nur in sozialdemo­kratischen Versammlungen sich als zugkräftig erweist. Schätzt man unser Bürgertum wirklich so niedrig ein, oder geht es diesmal an die Genossen" selbst, traut man ihnen nicht und sucht sie auf diesem Wege für die Stichwahl mo­bil zu machen, eingedenk des famosen Heine- telegramms? Wahrlich, wir können nicht ein­sehen, wie sich diese schriftstellerische Leistung in irgend etwas von dem H e tz t o n eines sozial­demokratischen Blattes unterscheidet!

Deutsche Reich.

Die Feier des Krönung»- und Ordensfestes im königlichen Schlosse begann gestern Vormit­tag in gewohnter Weise. Von 10 Uhr ab ging die Ordensverleihung vor sich. In der Nähe des Schlosses hatten sich zahlreiche Schaulustige ein­gefunden. Im Schlöffe wurde eine Tafel für etwa tausend Personen hergerichtet. Um 11% Uhr begab sich das Kaiserpaar nach dem Ritter­saal zur Abnahme der Cour der vorzustellenden neuernannten Ritter des Roten Adlerordens, des Kgl. Kronenordens und des Hausordens von Hohenzollern. Zu Seiten des Thrones stellten sich der Kronprinz, die Prinzen und Prinzessin­nen des königlichen Hauses, die Ritter des Schwarzen Adlerordens, die Staatsminister, die Hofstaaten und die Gefolge auf. Sodann begann der Gottesdienst in der Schloßkapelle; auch das diplomatische Corps war zugegen. Das Kaiier- paar, dis Prinzen und die Prinzessinnen erschie­nen im feierlichen Zuge unter dem Gesänge des Domchors. Nach dem Eemeindegesang und der Liturgie predigte der Hofprediger Kritzinger über 1. Brief Petri, Kapitel 4, Vers 6. Der Gottesdienst schloß mit dem niederländischen Dankgebet, gesungen von der Gemeinde und dem Chor. Nach dem Gottesdienste begaben sich die Majestäten in feierlichem Zug nach dem Weißen Saal, wo die Tafel statffand, bei der die Maje­stäten neben'einandersaßen, rechts und links schloffen sich die Fürstlichkeiten usw. an. An der Haupttafel waren, wie üblich, auch eine Reihe von Inhabern des Allgemeinen Ehrenzeichens und bei Rettungsmebaille plaziert. Zahlreiche weiters Tafeln waren in den Nebenfälen gedeckt. Im Verlaufe des Mahles erhob sich bet Kaiser unb trank auf das Wohl bet neu ernannten Ritter und der früheren. Nach der Tafel hielten die Majestäten Cercle ab und erfreuten viele der neuen Ritter durch Ansprachen.

Der Kaiser hat, wie man von zuverlässiger Seite erfährt, dem Fürsten und der Fürstin zu Schaumburg-Lippe bei seinem letzten Aufent­halte in Bückeburg mündlich die Zusage erteilt, ihrer silbernen Hochzeit, deren Feier am 16. April d. I. vor sich gehen wird, beizuwohnen, falls er dann in Deutschland sei." Wie wir hören, gedenkt der Kaiser auch in diesem Früh­jahr eine Erholungsfahrt nach dem Auslande zu unternehmen. Welches das Ziel dieser Fahrt fein wirb, weis man nicht; soviel aber steht fest, daß Italien das Ziel nicht sein wirb. Der König von Württemberg kommt zur Teilnahme an der Kaiser-Geburtstagsfeier nach Berlin.

Der Kaiser stellte %en Prinzen Hein­rich XXXII. von Neuß, der bisher bem aktiven Seeoffizierkorps «izehörte undohne Gehalt be­urlaubt war, & hi suite bet Marine.

Eine Kundgebung des Fürsten Bülow. Bei einem am Sonnabend vom kolonialpsliti- schen Aktionskomitee zu Berlin veranstalteten

Festmahle hielt Reichskanzler Fürst Bülow in Erwiderung auf eine Ansprache Profeffor Schmollers eine längere Rede, in der er zunächst mit Anerkennung Dernburgs gedachte, dem es in kurzer Zeit gelungen sei, das erschütterte Ver­trauen im Wert u. der Verwaltung unserer Ko­lonien neu zu befestigen. Der Reichskanzler kam dann auf die Stellung der Parteien zur Kolo- nial-Frage zu sprechen und führte dabei u. a. auch folgendes aus:Die Kolonien sind nicht nur ein Prüfftein für unsere nationale Tatkraft, sie können auch ein Bindemittel sein für unsere in ein Dutzend Fraktionen gespaltene politische Betätigung im Innern. Zu ihrer Entwicklung brauchen wir die Paarung konservati­ven Geistes mit liberalem Geiste, unb es ist hoffentlich nicht zu optimistisch, wenn ich cs als einen gewissen Wendepunkt in unserem Parteileben betrachte, daß am 13. Dezember im Reichstage konservative unb liberale Parteien mit bett verbündeten Regierungen zusammen gingen. Ich möchte, daß diese Verständigung vorbildlich wirkte für die Behandlung anderer großer nationaler Fragen, und daß so von bem überseeischen Besitz ein günstiger Einfluß aus- ginge zur Mäßigung der Parteigegensätze na­mentlich gegenüber bem Auslande." Bei Bespre­chung der Haltung des Zentrums und der Sozial­demokratie wies der Reichskanzler die Behaup­tung zurück, das BudgetrechtdesReichs- tages sei verletzt, Volksrechte seien in Ge­fahr. Fürst Bülow erklärte gegenüber derarti­gen Tendenzgerüchten nach Mitteilung der Frkf. Ztg." wörtlich:Die verbündeten Regie­rungen denken nicht daran, die in der Verfaffung gewährleisteten Rechte unb Befugnisse des Reichstages irgendwie einzuschränken oder zu verletzen. Sie wahren sich aber das ihnen zu- stehende Recht, bei Differenzen mit bem Reichs­tag an das Volk zu appellieren. Die verbiinde- ten Regierungen wollen weder ein absolutisti­sches noch ein Parteiregiment, sie treten ein für den Verfaffungsstaat und für verfaffungsmaßi- ges Recht, sie wollen keinen Kampf gegen unsere katholischen Landsleute und die katholische Re­ligion, sondern religiösen Frieden. Religiöse Duldung und volle religiöse Gleichberechtigung, volle Gewiffensfreiheit, zu der ich mich immer bekannt habe, nicht nur in bet Theorie, sondern auch in der Praxis. Sie wollen nicht den sozia­listischen Zwangs- unb Zukunftsstaat, keine Ge­fährdung unseres Friedens und unserer Stellung in der Welt, sondern Schutz und Schirm für Kaiser und Reich nach außen und stetigen Fort­schritt aller tüchtigen nationalen Kräfte im In­nern." Nach weiteren Ausführungen über die innervolitische Situation schloß 'ürst Bülow seineRede mit einem warmen Appell an die An­wesenden, in dem et erklärte:Gerade Sie, Ver­treter von Wiffenschalt und Kunst, Denker und Forscher, Dichter und Bildner, sind am besten be­rufen, im Dienste der politischen Forderung des Tages dem alten deutschen Schicksal des Partet- gcistes und Fraktionsbaders ent-'-oenzuwirken und den Glauben zerstören zu helfen, daß wir wieder bloß ein Volk von Denkern unb Dichtern und Träumern werden unb nicht auch eine große, frieblich strebende und in schweren Zeiten einige und tapfere Nation bleiben könnten. Mögen so, wie Sie hier, meine Herren, alle nationale Ele­mente von der konservativen Rechten bis zur fortschrittlichen Linken, ohne Ansehen bet Reli­gion bei den Wahlen ihre Sonberintereffen zu- rückst'ellen hinter die nationale Pflicht und Schuldigkeit."

Der Bundesrat hat die Vorlage bett, den Entwurf einer Bekanntmachung über die vor­läufige Herabsetzung der Gebühren für die Un­tersuchung des in das Zollinland eingehenden Fleisches den zuständigen Ausschüffen überwiesen. Außerdem wurde den Ausschußberichten betr. Verleihung der Rechtsfähigkeit an die Kamerun- Eise nbahn-Gesellschast zugestimmt.

Preußisch - hessische Eisenbahngemeinschaft. Die Einnahme hat im Dezember 1906 gegenüber dem gleichen Monate des Jahres 1905 ein Mehr von 7,7 Millionen Mark aufzuweisen gehabt, wovon 24 Millionen Mark auf den Personen­verkehr, 4,6 Millionen auf den Güterverkehr und 1 Million auf andere Quellen .urückzu führen sind. So erfreulich der Einnahmezuwachs ist, so bleibt et doch gegen die Steigerungen früherer Monate des gleichen Jahres wesentlich zurück. Die Gesamteinnahme der preußisch-hessischen Eisenbahngemeinschast während der ersten drei Viertel des laufenden Finanzjahres betrug 1414,7 Millionen Mark oder 117,5 Millionen mehr, als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Von dem Mehr kamen 28,5 Millionen auf den Personenverkehr, 81,6 Millionen auf den Güter­verkehr und 7,4 Millionen aus andere Quellen.

Die Aufgaben des neuen Reichstags. Der kommende Reichstag wird kaum vor Mitte Fe­bruar zusammentreten, denn es ist ausgeschloffen, daß die Stichwahlergebniffe früher festgestellt werden können. Die Zeit, die ihm zur Tagung bleibt, wird sich dann auf knapp vier Monate beschränken, Es werden demnach nicht allzu

mele Vorlagen im Hause am Königsplatz ihre Erledigung finden. Den ersten Platz wird der Etat für 1907 einnehmen; aber auch wenn die Gesetzgebungsmaschine diesmal wieder Erwarten schnell arbeiten sollte, wird man ihn kaum bis zum 1. April durchberaten können, sondern zu einem Notgesetz eine Zuflucht nehmen müssen. In neuen Vorlagen wirb sich bie Regierung weise Beschränkung auferlegen. Wie dieRh^ Wests. Ztg." mitteilt, nimmt man an, daß dem neuen Reichstag nur die Vorlagen zugehen wer­de, die infolge der Auflöung unerledigt geblie­ben sind. Das wären der Nachtragsetat für Süd- westafrika, an dem der alte Reichstag gestrandet ist, der Bau der Bahn von Kubub nach Keet- manshoop (von der Budgetkommission bekannt­lich bereits bewilligt!), ferner die Gesetzentwürfe über die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine, dis Sicherung der Bauhandwerkeransprüche. bie Re­form des Vörsengesetzes u. a. m. Was nicht durchaus dringlich ist, soll bis zum Herbst ver­tagt werden.

SozialdemokratischeFrauenarbeit". Aus Solingen wird derR.-W. Ztg." berichtet: Für den Reichstagswahlkampf haben die hiesigen Sozialdemokraten jetzt auch die Frauen mobil gemacht. In einer von ihnen einberufenen Frauenversammlung wurden bie Genossinnen uufgeforbert, sich am Wahltage bem Wohl- komftee zur Mitarbeit zur Verfügung zu stellen. 30 Frauen erklärten sich hierzu sofort bereit, weitere 40 verpflichteten sich, den Versammlun­gen bis zum Wahltage zur Verfügung zu stellen. Die Genoffen sollen bie Frauen unschlüssiger Wähler veranlaffen, ihre Männer zubearbei­ten" und zur Wahl zu schicken. Besondgrs hoch schätzt die Sozialdemokratie also diejenigen, auf deren Stimme sie rechnet, nicht ein, wenn sie an- vimmt, diese Wähler müßten erst von ihren Frauenaufgeklärt" und zur Wahlurne getrie­ben werden.

Viehzählung und Reichstagswahl. Wenn bei den bevorstehenden Wahlen eine dauernde Befferung der Zusammensetzung des Reichstags erzielt werden soll, so müßte vor allem danach gestrebt werden, alle Hinderniffe zu beseitigen, die einem Zusammenwirken aller patriotisch opferwilligen Volkskreise in Stadt und Land entgegenstehen. Hierzu aber gehört in erster Linie die Widerlegung der von freisinniger und demokratischer Seite gleicherweise geschürten falschen Vorstellung, daß bie inlänbische Vieh- probuktion nicht im Stande sei, ben Fleischbedarf des Volkes zu becken unb daß die Regierung des­halb durch Viehzölle, sanitäre und veterinäre Einfuhrbeschränkungen Urheber in der Fleisch­teuerung in ben Stabten geworden fei und da­mit ben deutschen Viehzüchtern, d. h. in erster Linie bem Bauernstände, angeblich zu Wucher­gewinnen auf Kosten der städtischen Bürgerschaft verhalfen habe. Wir haben cs lebhaft bedauert, daß bisher nichts geschehen ist, um diesen auch die national zuverlässigsten Volksschichten gegeneinander verbitternden Fleischwucherlügen den Boden zu entziehen.

Nun hat der preußische Landwirtschaftsmi- nister nach Mitteilung derPost" vorn 13. Ja­nuar, auf Anfrage einen Bescheid dahin erteilt« daß ihm das Viehzählungsergebnis aus 45 in den verschiedensten Regierungsbezirken liegenden Kreisen vorliege. Das läßt immerhin schon einen annähernden Schluß auf das Gesamtresultat zu. Im Durchschnitt dieser 4 5 Kreise (di« sich, wir gesagt, auf die verschiedensten Go. genden Preußens verteilen), hat der Vieh­bestand innerhalb des nur zwei­jährigen Zwischenraums seit der letz- r^rhergegangenen Zählung zugenommen: beim Rindvieh nm 6 Prozent, bei den Schweinen um 19,9 Prozent. Diese Zahlen eröffnen einen hoffnungsvollen Ausblick auf das Endergebnis der amtlichen Viehzählung, durch die gewiß für längere Zeit Klarheit in dieser wich^'gen Frage geschaffen wird.

Ausland.

Das österreichische Abgeordneienhaut nehm den Dringlichkeitsantrag Roeckowski an, wodurch die geltenden Gesetze zum Schutz des Ur­heberrechts auf Grund der Gegenseitigkeit mit den Auslandsftaaten im Verordnungswcge ge­regelt werden. Der Justizm» nister befürwortet den Dringlichkeitsantrag, der eine wahrhafte Ausdehnung des Urheberrechtsschutzes bedeute, da durch den beantragten Gesetzeszusatz di: Mög­lichkeit geboten würde, mit ben Auslandsstaa­ten, in denen das Prinzip der Reziprozität be­stehe, auf dem Verordnungswege Vereinbarui» gen über den Urheberschutz zu treffen.