mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Marburg
Sonntaa 20 Januar 1907.
Erscheint wSchentlich sieben mal.
Druck imb Verlag' Iah. Meg. Koch, UnrverjitLtHMichdruckerel 42, JllÜrN.
Marburg, Markt 21. — Telephon 65. "
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Erstes Blatt.
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Mittelstand und Sozialdemokratie.
f Die Stellung der Sozialdemokratie zum gewerblichen und kaufmännischen Mittelstand wird durch die Ausführungen August Bebels in seiner Schrift „Heber unsere Ziele" deutlich genug beleuchtet. Der sozialdemokratische Führer schreibt:
„In der jetzigen Gesellschaft existiert eine /große Klaffe von Menschen — und zwar nicht Ibie schlechtest gestellte — durch den Vertrieb der 'Produkte. Es ist dies eine Klasse von Leuten, ibie als Agenten, Makler, Krämer, kurz Zwischenhändler aller Art, ihre Existenz dadurch finden, Jbafj ein Preisaufschlag auf den Preis der Wahren erfolgt, den der Konsument selbstverständlich ^bezahlen mutz. Im sozialistischen Staat würde diese Klaffe verschwinden. Große Lager oder Bazars würden die Stelle unserer Kramladen, kaufmännischen Geschäfte usw. ersetzen. Durch wiese Konzentration würde für die Gesamtheit eine Masse von Zeit und Kosten erspart."
Aehnlich äußert sich August Bebel in seinem ,Buch „Die Frau", in dem er bekanntlich die Ein- Irichtung des Zukunftsstaates int einzelnen zu /schildern sucht. Dort heißt es:
„Sobald die gesamte Produktion der neuen /Gesellschaft auf eine Basis gestellt ist, wie sie /skizziert wurde, produziert sie nicht mehr „Wa- ten, sondern nur Verbrauchsgegenstände für den direkten Bedarf der Gesellschaft. Damit hört !auch der gesamte Handel auf, der nur in einer /auf Wareilproduktion beruhenden Gesellschaft einen Sinn hat. Eine ungeheure Armee von Personen beider Geschlechter und von den verschiedensten Lebensaltern wird daurch für produktive Tätigkeit mobil. Millionen treten ein ^als Produkte erzeugend, die bisher als Parasiten von dem Arbeitsprodukt anderer lebten und, wie 'nicht bestritten werden soll, sich oft fleißig müh- !ten und sorgten. Kein einzelner ist für das ver- /antwortlich, was die gesellschaftlichen Zustände aus ihm gemacht. An Stelle der Dutzende, Hun- derte, Tausende von Läden und Handelslokali- /täten aller Art, die heute jede Kommune im Verhältnis ihrer Größe besitzt, treten große Kommunedepots, Vorratshäuser, elegante Bazars, ganze Ausstellungen, die ein verhältnismäßig geringes Verwaltungspersonal beanspruchen. Diese Umwandlung repräsentiert wieder eine lRevolution in allen bisherigen Einrichtungen."
In Uebereinstimmung mit seinem Intimus Bebel meint Karl Kautsky in seiner Schrift „Am Tage nach der sozialen Revolution":
„Wir haben gesehen, daß das proletarische Regime den Kleinbetrieb dort, wo er den unvollkommenen Betrieb repräsentiert, meist ein rasches
2 (Nachdruck verboten.)
Schatten.
Roman von B. v. d. Lancken. (Fortsetzung).
„Ulrike!"
„Eine zaghaft weiche Stimme nannte den Namen. Die Gerufene zuckte jäh zusammen und die Augen richteten sich mit einem fast feindseligen Blick aus die Eintretende.
| „Was willst du, Gabi?" sagte sie streng, sich /gleichzeitig erhebend und der Schwester einige ISchritte entgegengehend.
/ „Du wirst dich erkälten, Ulla, in dem eiskalten Rattm. Bitte, komm fort, Papa schickt mich," ibat die Eintretenoe schüchtern.
Es war ein auf der Schwelle des Kindes- /klters stehendes Mädchen von ungefähr 13 Jah- «cn, ein zartes zierliches Wesen, aber die schlanke Westalt zeigte, obgleich noch unentwickelt, doch Vollendetes Ebenmaß; der Schnitt des Gesichtes ^erinnerte an die ältere Schwester, nur das Haar Zeigte weniger den metallischen Glanz als bei stllrike. Das Kolorit des Teints war frischer, die ganze Erscheinung machte den Eindruck blühender Jugendlichkeit. Jetzt näherte sie sich rasch der Schwester, legte ein Tuch um ihre Schultern mtb blickte dabei nach dem Sarg hinüber. Der kleine Mund zuckte schmerzlich. Ulrike, Mehr von innerlichem Frost zusammenschauernd, wandte sich ab.
। „Laß mich einen Moment allein," sagte sie stürz, „ich will Abschied nehmen von ihm. Geh'." , Gabriele scheint die Bitte nicht zu hören. In ^wehmütiges Sinnen verloren steht sie am Sarge; ftrft als Ulrike ihre Worte in lebhafterem und Ungeduldigerem Tone wiederholte, schrickt sie zu- Aammen, streicht sanft über das dunkle Haar- Uelock unb die Wange des Toten und sagt leise: L »Leb wohl, mein armer, lieber Arwed/
Raisuli.
Der intereffante Marokkaner, deffen Schicksal ein ewiges Auf und Nieder zeigt, beweist der Welt wieder einmal, daß der Islam das Feld kühner Rebellen ist. Er hatte, wie man sich entsinnt, seine Lailfbahn als Straßenräuber begonnen, und war durch den Humor, mit dem er fein, in den Augen der Marokkaner anscheinend ritterliches Handwerk betrieb, der gefeiertste Mann des Tages geworden. Während er nämlich vor seiner ersten Einkerkerung sich mit Kleinigkeiten, wie der Wegtreibung von Pferden und Vieh abgab, hatte er in der Einsamkeit seiner Kerkerzelle erkannt, daß man Mohamed besser diene, wenn man die verhaßten Giaurs, die der Sultan in seiner Gesamtheit nicht los werden kann, auf eigene Faust sich im einzelnen finge. So ergriff er denn zunächst den ..Times"- Korrespondenten, den er nur gegen Zahlung eines beträchtlichen Lösegeldes loslies . Der ungeheure Jubel, mit dem dieser Handstreich von den Marokkanern belacht wurde, schwellte seine Brust dann zu weiteren weltpolitischen Plänen, und er erklärte der großen Republik jenseits des Heringsteiches den Krieg, indem er Herrn Per- dicaris fing. Uncle Sam mußte, um sein Ansehen zu retten, 70 000 Dollar aufs Brett zahlen, und Raisuli hatte außerdem die diebische Schadenfreude, seinetwegen eine amerikanische Flotte vor Tanger erscheinen zu sehen. Es war nach bett Anschauungen der Marokkaner nicht mehr als recht und billig, daß ein um das Maurenreich so hochverdienter Mann zum Pascha und Euvernor von Tangerland ernannt wurde. Und sicherlich wäre Raisuli das noch heute, wenn et nicht den unverzeihlichen Fehler begangen hätte, sich wieder mit Kleinigkeiten abzugeben. Daraufhin aber wurde er für abgesetzt erklärt und flüchtete sich darauf in seine kleine Festung Zinat, die in der Nähe der Riffberge liegt, und so gewiffermaßen nur ein Außenforts dieser
Ende bereitet wird, sowohl in der Industrie wie im Zwischenhandel. Auch das oben behandelte Streben nach Organisation der Zirkulation wird zur möglichsten Ausschaltung des kleinen Zwischenhandels führen, zu seiner Verdrängung teils durch Konsumvereine, teils durch kommunale Einrichtungen. Es liegt ja im Interesse der Ueberfichtlichkeit und Organisationsfähigkeit des Produktionsprozesses, wenn dessen Leitung nicht mit einer Unzahl von Abnehmern, sondern nur mit einigen wenigen Organisationen zu tun hat."
Es mag genügen, an diese offenherzigen Bekenntnisse der sozialdemokratischen Führer unmittelbar vor den Wahlen wieder zu erinnern. Die selbständigen Kaufleute wie die große Masse der Handlungsgehilfen, deren naturgemäßes Streben auf die Erlangung wirtschaftlicher Selbständigkeit gerichtet ist, mögen selbst entscheiden, ob sie Lust verspüren, sich als Parasiten hinstellen zu lassen.
Wildnis bietet, in der Raisuli eine um so bessere Zuflucht finden würde, als die Riff-Piraten mit der Neubehandlung der Dinge und namentlich dem Verbot der Einfuhr von Waffen ans Spanien in hohem Grade unzufrieden sind. Der Kampf um die Feste ist nun nahezu entschieden. Der Kriegsministe-r Gebbas hat mit starken Kräften das kleine Vergnest von beiden Seiten angegriffen und es erscheint kaum möglich, daß das bereits in Trümmer liegende Zinat stch wird halten können. Raiiuli selbst aber ist es gelungen, sich mit seinen Anhängern einstweilen in Sicherheit zu bringen.
Dieser Erfolg der Sultanstruppen hat auch die Kabylen um Zinat veranlaßt, sicb der allgemeinen Einkesselung des in die Enge getriebenen Empörers anzuschlietzen und ihre Kampflust ist noch besonders angestachelt durch das Vetsnrechen des Sultans, ihnen sämtliche Schätze Raisnlis als Kriegsbeute zu Überlassen, wenn sie ihn tot ober lebendig fingen. Einstweilen ist ihnen das schlecht bekommen, denn um stch für ihren Abfall zu rächen, hat Raisuli ihre Dörfer misgeplünbert, bie Kind--r getötet und zahlreiche Männer und Weiber gefangen fortführen lassen. Man nimmt an, daß die von ihm gefangenen vier Portugiesen getötet wurden, und er soll seinem Statthalter in dem Küstenorte Arziba Widerstand bis aufs Messer befohlen haben.
Von Tanner sind weitere 600 Mann nach Zinat abgeschickt, und man hofft. Raisuli bald von allen Seiten umzingelt zu haben. Wie wenig man sich in der Umgebung des Sultans aber als Herr der Lage fühlt, beweist schon die Tatsache, daß Mohamed Torres, der von der Alge- ciras-Konferenz her bekannte marokkanische Minister des Auswärtigen, dem diplomatischen Korps in Tanger bedeutet hat, die Regierung des Sultans übernehme keinerlei Verantwortung für das Leben von Europäern, die zur Zeit Tanner verlassen unb über bie Linie ber Sul- tanstrnppen hinausgehen. So bietet Marokko zur Zeit nicht gerade das Bild der von Frankreich erhofften „friedlichen Durchdringung".
BebauunMrundMe.
Nachdem die Provinzialbehörden vom Minister der öffentlichen Arbeiten unter dem 24. April 1906 auf den Erlaß angemessener baupolizeilicher Vorschriften und die Aufstellung zweckentsprechender Bebauungspläne für die Vororte bet größeren Städte hingewiesen worden waren, sind nunmehr durch eine Verfügung vom 20. Dezember 1906 Grundsätze mitgeteUt worden, welche bei ber Festsetzung von Fluchtlinien und der Ausarbeitung von Bauordnungen für alle in rascher Entwicklung begriffenen Ortschaften Beachtung finden sollen.
Der Erlaß geht von den heutigen Anschauungen über Städtebau aus und macht stch das auf diesem Gebiete als allgemein gültig Anerkannte zu eigen. Es wird gefordert, daß bet ber Aufstellung von Bebauungsplänen zunächst die Hauptverkehrsstraßen festgelegt und dabei die
Als die Schwester gegangen, beugt sich Ulrike Reuchlin über ihn, ihre Lippen berühren seine Stirn und ein stummer verzweiflungsvoller Blick richtet siib gen. Himmel.---
Graf Ferdinand Reuchlin war einet der reichsten Großgrundbesitzer der Provinz. Er verlor seine erste Gemahlin früh und blieb längere Zeit unvermählt, bis er in Baden-Baden die Witwe des Prinzen Stephan Sebera kennen und lieben lernte und ihr Herz unb Hand bot. Prinzessin Natalie besaß aus ihrer kurzen Ehe mit einem leidenschaftlich geliebten Manne einen einzigen Sohn, Arwed, und mehr um dieses Sohnes willen als aus Neigung, gab sie bet Werbung bes Grafen Gehör. Ihr Gatte war der jüngste Sohn feines Hauses gewesen, und da seine noblen Passionen weit über seine kleine Apanage hinausgingen unb Natalie auch kein Vermögen besaß, so waren die Aussichten für bie junge Frau unb ihren Knaben nichts weniger als glänzend. Durch eine Heirat mit dem Grafen gestalteten sich dieselben mit einem Schlage anders, wenn stch die Prinzesstn-Witwe auch keinen Moment verhehlte, daß ihre Stellung als Stiefmutter zweier kleiner Töchter manche Schwierigkeiten bieten würde. Es gehört ein ganz besonders warmes Herz und ein stark ausgeprägtes Empftnden von Mitleid dazu, wenn eine Frau die Kinder einer anderen Ehe an ihre Brust nehmen und ihnen die Liebe bet verstorbenen Mutter ersetzen soll. Liebt sie den Mann, so wird sie dies weniger empfinden, auch bann, wenn sie später eigene Kinder haben sollte: war sie aber wie in diesem Falle selbst vermählt und besitzt sie sogar ein Kind aus ihrer Ehe mit einem geliebten Gatten, während sie bei ber zweiten Wahl mehr dem Verstände als dem Herzen folgt, so müssen große Treue und festes Wollen ihr zu Seite stehen, um den heiligen und ernsten Pflichten, di« sie übernimmt, gerecht zu werden. ,
Gräfin Natalie Reuchlin besaß diese Treue und auch das Wollen und erfüllte gewissenhaft, was sie übernommen hatte. Sie war eine musterhafte Gattin und Mutter, aber bet Sonnenschein, ben nut eine wirklich liebende Frau in ihrem Hause und in ihrem Familienkreise um sich zu verbreiten vermag, dieser Sonnenschein fehlte. Die drei Stiefgeschwister dagegen fanden sich unter einander gut zurecht. Ulrike und Gabriele zählten zehn und vier, der junge Prinz fünf Jahre mehr. Er war ein hübscher, geweckter Knabe, mit all den liebenswürdigen und gefährlichen Eigenschaften ausgestattet, die später so verhängnisvoll für ihn werden sollten. Ein gewisser ritterlicher Sinn dem weiblichen Geschlecht gegenüber war ihm angeboren. Die kleine, reizende, sanfte Gabriele war sein Verzug und Liebling. Ulrike paßte im Alter besser zu ihm; ihre zarte Gebrechlichkeit flößte ihm Mitleid ein, ihr lebhafter Geist und ihre gleiche Gestnnung fesselten ihn. Er umgab sie mit zarter Fürsorge, die ihrem senstttven Gemüt besonders wohl tat. Die beiden wurden unzertrennliche Gefährten. In Ulrikens Brust erwachte nach und nach ein Gefühl für den Stiefbruder, bas weit über ein freundschaftliches Empfinden hinauswuchs, und wenn sie sich auch sagte, daß in Anbetracht ihres körperlichen Gebrechens die Wahrscheinlichkeit einer Verbindung mit dem Prinzen vollständig ausgeschlossen war, so lag für sie darin kein Grund, ihm nicht ihre ganze Neigung zu schenken, ihn nicht mit der ganzen Macht ihres tief empfindenden Gemüts zu lieben.
Und Arwed Sebera? — Er bewunderte seine „Schwester" Ulla, er fand sie entzückend, pikant, und wenn sie sich mit ber ihr eigenen Grazie in bem niedrigen Schaukelstuhl wiegte, die winzigen Füße gegen das vergoldete Gitter gestemmt, den Oberkörper von einem duftigen Spitzenfchal verhüllt, das schöne lockige Haupt ihm zugewanbt, bie feurigen Augen in Heber«
einzelnen Verkehrsarten mit ihren Einrichtungen angemessen berücksichtigt werden. Die Festsetzung bet Fluchtlinien für Nebenstraßen ran« der Zukunft Vorbehalten bleiben. Bei den Anforderungen an die Beschaffenheit der Straße« und bei der Gestaltung der Baublöcke, insbesondere der Bemessung ihrer Tiefe, ist auf die voraussichtliche zukünfttge Bebauung Rücksicht z« nehmen. Wohnstraßen sind anders als Geschäftsstraßen zu behandeln; nur für erstere sind regelmäßig Vorgärten vorzusehen. Für die Frei« Haltung genügend großer Plätze als Schmus plätze, Spielplätze, Parkanlagen sowie für fpätal zu errichtende öffentliche Gebäude ist Sorge zll tragen. Außer den Rücksichten der Zweckmäßigkeit soll das ästhetische Interesse zur Geltung kommen. Zu große Eintönigkeit in ber Gestaltung des Straßennetzes ist zu vermeiden; bei bet Linienführung der Straßen ist nicht grundsätzlich der gerade Verlauf anzustreben, da dieser vom Verkehrsinteresse nicht immer gefordert wird und eine leichte Krümmung oft eine erwünschte Abwechslung in das Straßenbild bringt
Hand in Hand mit bet Aufstellung des Bebauungsplanes mutz der Erlaß der Bauordnung gehen. Es empfiehlt sich im Anschluß an die historische Entwicklung ber in Betracht kommenden Ortsteile unb unter Berücksichtigung bet Zweckes, dem bie Bebauung bes Geländes bienen soll, Abstufungen bet baupolizeilichen Bestimmungen vorzunehmen, je nachbem biese für Ee- schastsviertel ober Wohnviertel, insbesondere solche mit Einfarnilienwohnhäufern ober für Industriebezirke Geltung haben sollen. Neben den polizeilichen müssen die wirtslbaftfichen Interessen bei der Zuweisung des Geländes zu den einzelnen Bauklallen Beachtung finden. Regelmäßig soll bie Bebaungsdichtiakeit nach außen abnehmen. Der Ministerialerlaß geht näher auf bie offene Bauweise ein und warnt vor der übermäßigen Ausdebnung des ihr vorzubcbaltenben Gebietes. Zur Förderung der Errichtung von Kleinbauten wirb vielfach bie balboffene Bauweise oder bet Reihenbau vorzuziehen sein. Des. weiteren werden Fingerzeige für bie Bestimmung der Eebäudehöbe, bet Geschoßzahl, der unbebaut zu lassenden Erunbstiicksfläche' für bi« Bebauung des Hinterlandes und die Zulassung von Wobnräumen im Dach unb im Keller gegeben; die Herstellung solcher Räume in mehrstöckigen Miet-Mulern soll bei aeschlossenet Bauweise nach Möglichkeit verhindert werden. Für Kleinbauten werden unter gewissen Voraussetzungen konstruttive Erleichterungen empfohlen. Besonders für Arbeiterbäuser, die auf billigem Baugrunde errichtet werden, sind solche Veraünstigungen von Bedeutung, indem sie den Herstellungspreis niedrig stellen. Hierdurch soll in Verbindung mit anderen Maßnahmen der Hebetgang bet Gebäude in das freie Eigentum bet Arbeiter erleichtert werden.
Der Ministerialerlaß bezweckt nicht, Vorschriften zu geben, die überall und unter allen Umständen Anwendung finden sollen; er will vielmehr — wie dies bei bet Verschiedenheit bet örtlichen Verhältnisse nicht anders möglich
verlassen.
(Fortsetzung folgt.}
mut blitzend, dann kamen Momente, wo der luftige, leichtlebige Prinz ernst und nachdenklich wurde und es aufrichtig bedauerte, daß — —- nun, daß eben an eine Heirat mit Ulrike nicht jtf denken war.
Gabriele war im Vergleich zu den beiden älteren Geschwistern natürlich immer das Kind; ohne daß sie mit besondeterLiebe an Ulrike hing, war sie von Jugend an gewohnt, sich dieser in allem unterzuordnen, sich an sie anzulehnen und sie um Rat zu fragen, wodurch ihr Charakter sich non einer gewissen Unselbständigkeit nicht frei* zu machen lernte. Sie empfand dies oft unbewußt, und so kam es, daß auch Gabriele im Grunde ben Stiefbruder mehr liebte als die eigene Schwester. Arwed verzog die „kleine Gabi" entschieden; er nahm sie gegen Ulrike t« Schutz, wenn sich die Gelegenheit dazu bot, und es hatte sich zwischen diesen beiden ein echt ge* schwistcrliches, inniges Verhältnis hetausge- bilbet.
So empfand auch Gabriele den Verlust des Bruders tief unb schmerzlich, aber sie war zu jung unb stand dem Eemütsleben auch noch zu unwissend gegenüber, um die leidenschaftlichen Gefühlsausbrüche der Schwester zu begreifen, cbcnst wenig wie ben tränenlosen, starten Schmerz ber Mutter. Der Vater aber war tu seinem Leide vertraut, und ihm trat sie in dieser Zeit noch näher als sonst, Das feste Sanb, bas die beiden immer verknüpft hat, schlingt sich noch enger; zu ihm wagt sie übet ben Toten zu sprechen, an ihn richtet sie die schüchterne Frag« nach ber Ursache bes Duells.
Die gräfliche Familie ist von Berlin zur Bei-, jetzung nach Priebesborf übergesiedelt unb will der Trauer wegen zunächst bas Gut nicht mehr;