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Eine abermalige Knndgetnni,
zuverlässigen und wirklich national- denkenden Vertreter im Reichstage, der andere Proben seiner politischen Betätigung gibt, als sie Herr von Eerlach geliefert hat. Das ist der Kernpunkt der ganzen Frage!
Was sonst noch Herr v. Eerlach in seiner Entgegnung anführt, sind hiergegen nur Nebensächlichkeiten, die mit phantastischer Ausschmückung vorgetragen werden. Wenn aber die Erwähnung des von den Nationalsozialen bei der Stichwahl 1903 geübten Wahlkniffes als das „Tollste in Verleumdung" bezeichnet wird, so sei Herr von Eerlach daran erinnert, daß die sozial
demokratische Wählcrversammlung vom 18, Zuni 1903 im Restaurant Jesberg in öffentlicher Sitzung mit % Majorität den Antrag angenommen hatte, stch bei der Stichwahl nicht ge beteiligen, und daß stch ferner eine zweite Versammlung am 29. Juni in demselben Lokal mit der von unbefugter Seite herausge« g»benen Stich: ahlparole beschäftigte und dabei dem roten Parteiblatte, dem „Vorwärts" wegen Nichtbeachtung des Marburger Parteibeschluffes ein Tadelsvotum ausgesprochen' hat. In der Versammlung aber war zuvor festgestellt worden, daß die in Frage stehende Stichwahlparole nicht von der Marburger sozialdemokratischen Parteileitung ausgegangen sondern aus einer Mitteilung des „Vorwärts" beruhte, die unbefugter Weise von anderer, näm- v. E rlachscher Seite vorweg, d. h. ehe der „Vorwärts" selbst den hiesigen Genoffen zu i e- sicht gekommen war, verbreitet wurde. Dies« haben sich bitter über diese Irreführung beklagt. In der betr. Versammlung wurde auch darauf hingewiesen, daß Herr v. Eerlach zwei Tage vor der Publikation im Vorwärts in Berlin gewesen. Das war der Tatbestand, den Herr v. Eerlach nicht ableugnen kann und da wagt er es von „tollster Verleumdung" zu sprechen!! Vielleicht liest Herr v. Eerlach einmal die Berichte in den betr. Juninummern von 1903 in der „Oberhessischen Zeitung" nach, dann wird ihm vielleicht all» mählich wieder die Erinnerung an jenen „Wahl-' trick" aufdämmern!
Eine herrliche Probe national-sozialer Kamp- fesweise ferner ist es, daß man in der „Hess. Landesztg." so plumpe Vermutungen über die Quelle anstellte, aus welcher dem deutsch-sozialen Reichstagskandidaten Dr. Böhme die Mittel zu seiner Agitation zuflössen! Fordert solche „Neubegier" nicht geradezu die Gegenfrage heraus, ob die Gerüchte zutreffend sind, daß Herr v. Eerlach von einer Gruppe freisinniger Kapitalisten unterstützt werde, die ihm das Eratisverteilen der „Hess. Landesztg." ermögliche? Indessen Herr Dr. Böhme hat bereits in schlichter, klarer Weise jene taktlose Ausstreuung seines Gegners widerlegt, so erübrigt es sich, weiter auf die Sache cinzugehen. Auch dieser Fall aber zeigt, daß den Nationalsozialen auch unfaire Kampfmittel recht sind, wenn solche nur dazu geeignet erscheinen, die öffentliche Meinung zu Gunsten v. Eerlachs irre zu führen.
Reden nicht wird aber Mißtrauen durchaus
Deutsches Reich»
— Die Budgetkommission des preußischen Ab-, geordnetenhauses beschäftigte sich gestern mit dem Kontraktbruch landwirtschaftlicher Arbeiter.
— Ein nationaler Wahlsonds. Hamburger Morgenblätter melden, daß dort eine Sammlung für einen nationalen Wahlfonds eingeleitet worden ist, deren Erträgnis dem Kampfe gegen die. Sozialdemokratie besonders zugute kommen soll.
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Marburg
Donnerstag. 17. Januar 1907.
sich hierbei der vielgewandte „Rufer im Streit" bedient, läßt sich erkennen, daß der Hieb, der ihm zugeteilt wurde, geseffen hat; denn lichterloh lodert der Zorn des adeligen Demagogen und wenig höflich sind die Worte, die er gewählt hat. Dabei läßt er alle Künste seiner sophistischen Beweisführung spielen; wiederum kommt es ihm nicht auf kühne — um nicht zu sagen dreiste — Verdrehungen und Entstellungen der Tatsachen an, und das Wort „Verleumdung" spielt abermals eine große Rolle, wenn es gilt, ihm unbequeme Fragen bei Seite zu schieben oder peinliche Erinnerungen glatt abzuleugnen. Herr v. Eerlach beklagt sich über die Tonart des „Oberheffen", die doch gewiß die einer durchaus ruhigen und maßvollen Polemik ist, und sucht seinerseits durch gröbliches Schimpfen — wobei er in kalauernder Weise den Namen eines braven Mitbürgers, der das „schwere Vergehen" begangen, ihm mannhaft entgegenzutreten, zu verunglimpfen wagte — „Eindruck zu schinden" (wie Bruder Studio zu sagen pflegt), da er gewiß selbst fühlt, daß seine „Gründe" nicht ziehen. Wenn er z. B. mit dem Brustton der Ueberzeugung zum soundsovielsten Male erklärt, daß die Hinweise seiner Gegner auf die verschiedenen „Umhäutungen", die seinem politischen Werdegange eigen sind, dummes Ee- rede seien, so beweist er dadurch eben gerade das, was ihm zum Vorwurf gemacht wird, nämlich daß für ihn überhaupt keine festen politischen Grundsätze existiere». Ein Mann, der stolz darauf ist, sich vom Konservativen zum Linksliberalen durchgemausert zu haben, dem wird vermutlich auch der letzte Schritt nicht schwer fallen, ins rote Lager überzugehen, welchem er sich ja in wahltaktischen Angelegenheiten schon so bedenklich genähert hat. Dieser „Veredelungsprozeß" Eerlachs vom Konservativen und Antisemiten zum eifrigsten Vertreter des Berliner Börsenfreisinns — welcher als Karrikalur des Begriffes freiheitlicher Gesinnung das „liberale" LVappen nur zur Deckung selbstsüchtiger kapitalisti- scherPläne gebraucht, — mag ihm selber wohl ganz verständlich und wohlbekömmsich erscheinen, ruhig denkenden Staatsbürgern, die sich
Zur ReWtaMahl.
Unter der tendenziösen Ueberschrift „Konservative Sitten" bringt das v. Eerlachsche Parteiblatt eine Entgegnung auf die Ausführungen in Nr. 12 der „Oberhessischen Zeitung", in denen an der politischen Haltung des hiesigen nationalsozialen Häuptlings eine nur allzuberechtigte Kritik geübt wurde. Aus der Sprache, deren
(Nachdruck verboten.);
Ueber alles die Kunst. i Roman von klarissa Lohde, ,
,D a s Deutschland
Vor einer zumeist aus Vertretern von Industrie und Handel bestehenden siarkbesuchten Versammlung, der auch Herzog Johann Alvrecht von Mecklenburg mit Gemahlin, sowie die Leiter verschiedener hoher Reichsämter beiwohnten, hat in Berlin am letzten Donnerstag Erzellenz Dornburg abermals eine kolonialpolitische Rede gehalten, die mit stürmischem Beifall ausgenommen worden ist. ein Vertrauensvotum für den neuen Kolonialdirektor, das gewiß überall im deutschen Lande ein lebhaftes Echo wecken wird. Die Ausführungen Dcrnburgs beleuchten die materielle Seite der deutschen Kolonialpolitik. Der Ko- konialdirektor ging davon aus, daß in der Welt schon jetzt 12 0 Millionen Englisch- redonden 70 Millionen Deutschredende gegenüberstehen. Während im ver- gangenen Jahrhundert die englische Welt die deutsche Auswanderung aufsog. lautet heute die Frage nach deni Ausspruch eines französischen Kolonialpolitikers!
durch Gewinnung wertvoller Rohstosfe aus unseren Kolonien ziehen. Seine Ausführungen faßte der Redner dann in folgende Leitsätze zusammen:
1. Die Entwicklung unseres Kolonialbeabes sichert der stetig wachsenden Bevölkerung unseres Vaterlandes, die mit Rücksicht auf das zur Verfügung stehende limitierte innerdeutjcye Areal mehr und mehr sich der Industrie zuwenden muß und auf den Export angewiesen bleibt, zunächst große und sich steigernde Aufträge, also: Arbeit. Daneben ermöglicht sie ihr eine beffere Lebenshaltung durch billige Produktion von Nahrungsstoffen der verschiedensten Art und gestaltet diese Ernährung unabhängiger rom Ausland.
2. Kolonien, die richtig und ziclbewußt geleitet sind, sichern der deutschen Produktion einen großen Teil derjenigen Rohstoffe, welche zum eigenen Verbrauch innerhalb der Nation und zum Zwecks der Veredelung des Arbeitsmaterials vieler Millionen deutscher Arbeiter dienen.
3. Sie sichert dem deutschen Fabrikanten, dem deutschen Arbeiter einen Einfluß auf die Preisgestaltung dieser Rohmaterial ien gegenüber monopolistischen Tendenzen des Auslandes, sei es in den Kombinationen einzelner Individuen. Sie sind deshalb, da sich der Preis einer Ware auf dem Weltmarkt regelt, der Arbeitslohn, aber niemals mehr, als Weltmarktpreis minus Kosten des Rohmaterials betragen kann, ein wichtiger Regulator für den Preis unserer nationalen Arbeit.
4. Sie schützt und stärkt unsere nationale Zahlungsbilanz, indem sie unsere Kapitalien und den lleberschutz unserer Arbeit nickt zur Zahlung für Rohmaterialien an das Ausland zu schicken nötigt, sondern denselben innerhalb unserer eigenen Binnenwirtschaft erhält. Sie sichert damit gleichzeitig die Stabilität unserer deutschen Währung, vermindert die Gefahr des Abflusses von Edelmetall an das Ausland und vermag auf diese Weise auch in der eigentlichen deutsthen Wirtschaft eine größere Stabilität für den Preis des Geldes zu erreichen.
Schließlich bildet sie ein kräftiges strategisches und taktisches Mittel in all denjenigen Fällen, wo für die deutsche nationale Wirtschaft Verträge ober Vereinbarungen mit andern Weltnationen geschlossen werden muffen zur Sicherung des gegenseitigen Absatzes und Austausches von Roh- und Fertigprodukten.
Die deutsche koloniale Wirtschaft bedeutet demnach nicht mehr und nicht weniger, als die Frage der Zukunft der nationalen Arbeit, die Frage des Brotes vieler Millionen Industriearbeiter, die Frage der Beschäftigung der heimischen Kapitalien im Handel, im Gewerbe, in der Schiffahrt.
von heute muß entweder über See verkaufen ober untergehe n", und um sich diese Möglichkeit zu sichern, hat es sich ein Kolonialreich geschaffen, das so groß ist wie Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Italien, Frankreich und Spanien zusammen. Die erste Aufgabe nun für die deutsche Industrie ist, sich aus seinem Kolonialbesitz unabhängig von bei Kontrolle des Auslandes Robstoffe zu sichern, um dann auf eigenem Gebiete in geschlossener Wirtschaft, entsvrechend dem heutigen Drang krach Zusammenschluß, die Verarbeitung der Rohstoffe bis zur letzten Verfeinerung in eine Hand zu geben. Der Redner ging hierauf auf das Beispiel der Vereinigten Staaten über, die sich nach und nach industriell unabhängig gemacht haben, und nunmehr, kraft einer wirtschaftlichen Monroelehre, nach den südamerikanischen Ländern ausbreiten, mit denen sie Dampferverbindungen schaffen und denen sie Eisenbahnen bauen, so zwar, daß ihr wirtschaftlicher Einfluß in diesem Erdenraum zum Schaden Europas wachsen wird. Er deutete ferner die Erfolge der Union und Japans in Osiasten an, wo in zehn Jabren die Vereinigten Staaten ihre Einfuhr nach China auf das sechsfache. Japan die feinige auf das fünffache vermehrte, während diejenige Deutschlands etwas zurückging.
Redner kam dann nochmals auf die Bestede- kui'.gsfähigkeit unserer Schutzgebiete zu sprechen ktnb daß außer in Sttdwestafrika. das anderthalb mal so groß ist, wie das Reich, in O st a s r i k a solche Gebiete ungefähr von der Größe Preußens in Best rächt kommen. Außerdem sind in Ostia frika, Togo, Kamerun und der Süd- fee an tropischen Pflanzungskolonien Gebiete von zwei bis dreimal der Größe des Reichs zu verwerten. Alsdann bespraä der Kolomaldirektor die Absatzmöglichkeiter, welche unsere Schutzgebiete der heimischen Produktion eröffnen, und legte die Vorteile dar, die wir
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(Fortsetzung). XXVI.
durch den Wortschwall seiner die Köpfe verdrchen lassen, solche „Vielseitigkeit" starkes einflößen. Wie brauchen einen
aus tiefster Seele wünscht, daß er in Gisela einen Ersatz finde für die durch ihre Schwester zerstörten Hoffnungen seiner Jugend.
Marga hat ihr von ihrer Begegnung mit Alfred in Venedig geschrieben. Der Brief hat sie empört. Sie habe ihn nicht zu seinem Vorteil verändert gefunden, hieß es darin. Das Künstlerische, das mir besonders an ihm gefiel, hat er vollständig eingebüßt, steif, hochmütig kam er mir schon ganz wie der zukünftige preußische Bureaukrat vor, wie er im Buche steht, ein Philister, nichts weiter. Wer hätte das von dem hübschen, feurigen Jungen gedacht? Du wirst ja bald selbst sehen. Gegen mich ist er natürlich sehr aufgebracht. Er glaubte wahrscheinlich, ich würde auf ihn warten bis er mir mit seinem Eehalt von einigen tausend Mark ein Heim bieten könnte. Dazu hatte ich nun nicht Lust, und das vergibt mit des hohen Herrn Eitelkeit nicht.
Susanne mutz in bet Erinnerung an diese Tirade lächeln. Wie klein, wie niedrig erscheint ihr die Schwere trotz ihres zur Schau getragenen Hochmuts. Wie unwürdig, in dieser Weise über einen Mann zu urteilen, besten Liebe ihr einst gehört, besten Gefühle sie, wenn auch nur für kurze Zeit, ermibert hat!
Ihres Mannes Eintritt, der eben von seinen Krankenbesuchen heimkehrt, unterbricht ihren Eebankengang.
.Bald fertig Frauchen?" fragt et, seinen Atm um sie schlingend.
.. .Sie nickt ihm freundlich zu. ? 4‘ ck „Sieh, ob alles so gut ist."
„Vortrefflich, Suschen, wie alles, was du Wachst. Man könnte den jungen Herrn fast beneiden, daß so liebe Hände sich um ihn bemühen, ft feaa Herzen tzD entgegenschlagen," . .
„Er verdient's, Lieber. Gin so guter, braver Mensch, das weißt du ja am besten."
„Gewiß, und ich habe ihn damals stets aufrichtig bedauert, als er sein Herz an deine schöne, stolze Schwester verloren hatte. Ahnte ich doch, daß ihr Ehrgeiz sich mit dem Lose, das et ihr bieten konnte, nicht begnügen würde. Und nun," fügte er ablenkend hinzu, „laß uns noch einmal nach den Kindern sehen, ehe unsere Gäste kom- iren.“
Sie folgte ihm willig in das große, luftige Gemach, in dem die kleine Welt sich tummelt Voll Glückseligkeit zieht sie die beide» Kleinen, die der neuen Mutter entgegenjubeln, an ihr Herz, dann wendet sie sich der Kinderfrau zu, die ihr Jüngstes auf dem Arm hält. Das Baby strebt ihr jauchzend mit Händen und Füßen entgegen. Sie preßt das rosige Gesichtchen an ihre Brust und betrachtet es lange sinnend. Es ähnelt, wie man ihr oft schon gesagt, ihrer schönen Schwebet, und hat auf den Wunsch des Großvaters, der bei ihr Pate gestanden, auch den Namen Marga erhalten.
Wie ein stilles Eebet steigt es in der Seele der jungen Mutter auf. Wenn Gott dir ein Talent gegeben haben sollte, möge es dich auf deinem Lebenswege nicht so kalt und egoistisch machen, wie deine vornehme, berühmte Tante.
Die Korridorglocke ertönte und kündet bie Ankunft der ersten Gäste an. Es sind bie Geschwister Berger.
„Nur herein?" ruft ihnen Susanne zu, mit dem Baby im Arm ihnen entgegentretend. „Alfred soll doch auch Zeuge meiner Freude und meines Stolzes sein." >
Sie reicht ihm das Kind entgegen, dem et' «Inen Kutz auf beide Wangen drückt.
. (Schluß fofgt)^
jetzt auch Komteß Gisela zählt. Zuweilen begleitet auch bie Gräfin ihre Tochter, doch das gehört zu den Seltenheiten, denn ihren Gewohnheiten und Neigungen ist das schlicht bürgerliche Haus zu fremd, um sich darin wohlfühlen zu können. Heute aber hat sie ihr Erscheinen zu bet Feier zugesagt.
Susannes Gedanken beschäftigen sich soeben r; . Komteß. Gisela ist noch immer bas eigenartige, zu der Welt, in der sie burch die Geburt gehört, wenig passende Wesen wie ehedem. Aber sie ist mutvoller geworden und bet Ernst, mit dem sie lernt und arbeitet, ihr Streben, edoas in der Welt und für bie Welt zu leisten, ihren Reichtum zum Nutzen anbeter zu verwenden, haben ihr Susannes Freundschaft gewonnen. Das junge Mädchen, das, wie sie durch Elisabeth weiß, für ihren Erretter aus Seelennot und Todesgefahr schwärmt und sein Bild im Herzen trägt, hat auch ihr nicht verhehlt, wie sehr sie Alfred schätzt und daß sie bei ihrem Plane der Errichtung eines Krankenhauses besonders an. ihn gedacht hat. Er soll ihr Baumeister werden und dadurch Gelegenheit finden, sogleich nach seiner Rückkehr in der Ausführung eines so bedeutenden Auftrages sein Können zu beweisen.
OS et nicht zu stolz sein wird, einen solchen Auftrag aus den Händen einet Frau zu empfangen, die ihm zu Dank verpflichtet ist? Legt ihm das nicht zugleich eine Verpflichtung auf. die ihm möglicherweise unbequem werden kann?
Susanne kennt Alfted gut genug, um zu wissen, daß et eine Heirat aus Interesse niemals schließen wird. Ob et aber nach bet schweren Enttäuschung, die et burch Marga erlitten hat, sein Herz sobald der Liebe wieder öffnen kann, das waqs fit noch Mt4 Hoffeiz, fa «K
Im Hause Susannes herrscht freudige Auf- tegang. Alfreds Rückkehr nach so langet Abwesenheit soll festlich begangen werden.
Die Geschwister sind am Tage vorher heim- gekehrt. Heute haben sie versprochen, bei Susanne zu speisen. Dr. Marttn bewohnt jetzt mit seiner Familie, die sich noch um ein liebliches Kind vermehrt hat, eine geräumige Etage in der Genthiner Straße, nicht weit von der Wohnung, bie er früher innegehabt. Es sieht freundlich und behaglich in den Räumen aus, ohne jedoch luxuriös zu sein. Die sorgende Hand der Hausfrau. bie dem so lange verödeten Heim des Witwers gefehlt, hat stch mit heiterem Glanz erfüllt. Eben ist Susanne mit dem Mädchen beschäftigt, feie Tafel zu schmücken. Sie ist etwas voller geworden und steht nicht mehr so bleich aus wie ehedem. Ein stilles Glück leuchtet aus ihren Augen, die früher so schwermutsvoll blickten, doch ist der nachdenkliche Ernst ihrer Mädchen« zeit nicht aus ihren Zügen gewichen; des Lebens schwerstes Leid ist ihr zu nahe getreten, sie hat zu viel an dem Krankenlager der Mutter burch- litten, um den vollen Frohsinn ungetrübter Jugend wiederfinden zu können. Aber ihr Mann iiit zufrieden: er liebt sie gerade so, wie sie ist, ■mit ihrem Ernst, ihrer still fiirsorgenden Art, jbrer Neigung zu häuslicher Zurückgezogenheit. ,Von rauschenden Festen hält sie sich fern, bie Ee- 'felligkeit ihres Hauses beschränkt sich noch immer ifaft allein auf den nächstenFreundeskreis.zu dem
Erscheint wöchentlich sieben mal.
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