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Erstes Blatt
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niedlicher
tieren von Briefen beschäftigt,
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«Nachdruck verboten.)
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kleiner Kerl steht mit kindlicher Würde am Telephon, in das er „hier Amt" hineinruft, während er mit der anderen am Schaltbrett hantiert. Wir begegnen Negern im Jünglings- alter als Vahnbeamte, die uns das Billei abnehmen oder unser Gepäck registrieren; ja, wenn europäische, der Sprache nicht kundige Reisende nach Tanga kommen, kann ihnen von der Schule ein geweckter Knabe gegeben werden, der, deutsch fast beherrschend, als Diener und Dolmetscher benutzt werden kann. Erwähne ich außerdem, daß bei dieser Erziehung ihnen auch gelehrt werden ist, bescheiden zu bleiben, so ist das für den Kenner das höchste Lob, welches man der Tätigkeit der Leiter jener Schule, Herren Rektor Blank und Lehrer Ramlow, spenden kann.
Einen sehr angenehmen Eindruck empfängt der Reisende von dem Aeußeren der Hafenstädte unserer Küste. Wo früher wilde Steppe das Land bedeckte, dehnen sich breitstraßige, durch weitausladende Schattenbäume gezierte Städte aus. Schon findet man im Durchschnitt nette, freundliche Häuser, vereinzelt sogar schon solche, die auf die Bezeichnung Villa mit Recht Anspruch erheben dürfen.
An der Stelle, wo noch vor 20 Jahren mein Lagerfeuer im dichten Busch brannte, erhebt sich heute ein schönes Gotteshaus, und wo ich damals mein Schiff auf den Strand schob, liegen heute die Werkstätten der Flottille, die, wenn erforderlich, imstande wären, ein vollständiges Kriegsschiff zu bauen. Entlang der den Hafen umkreisenden Kaiserstraße ragt eine Reihe stattlicher Gebäude; in ihnen vollzieht sich die Verwaltung des Schutzgebietes. Obwohl wir, uns in den Trup>..l befinden, ist von tropischer Läs-
kleinen Knirps von etwa 10 Jahren an einer Schreibmaschine sitzen sah, mittels der er ein neben ihm liegendes Manuskript fehlerfrei ab- schtteb. Eine nur von Negern bediente Buchdruckerei und Buchbinderei besichtigte ich, und in einer Schreinerei konnte ich Möbel aus einheimischem Holze sehen, die bei gefälligem Aeußeren jedesmal zweckentsprechend waren.
Wir lösn in dieser Weise die Aufgabe, die Neger zur Arbeit zu erziehen und machen aus ihnen nützliche Glieder menschlicher Gesellschaft. Schon jetzt ist es in unserer Schule in Tanga möglich, dott erzogene Knaben in allerhand Berufen unterzubringen, wo Lesen und Schreiben notwendige Erfordernisse sind. Auf der Post sieht man 12—14jährige Knaben mit dem Sor-
Was Kolonisaüonsarbeit leistet.
Die Kolonialgegner stellen gerne unsere und ihn allgemeinen jede Kolonisationstätigkeit als ein Spiel und eine Liebhaberei ohne praktischen Nutzen hin. Die Sozialdemokraten gehen sogar so weit, unter Mitleidsbezeugungen für die bedauernswerten Eingeborenen die Kolonialarbeit vls schädlich und das Gegenteil von kulturför- dernd und als eine Räuberei zu verdammen.
Das läßt sich, bemerkt die Zeitung der Deutschen Kolonialgesellschaft, leicht widerlegen, und es fehlt nicht an Zeugnissen, die solche Behauptungen Lügen strafen und den, der die Wahrheit hören will, eines Besseren belehren und dartun, daß das Kolonialvolk solche weiten Gebiete nutzbar verwendet, die von den trägen und unkultivierten Eingeborenen gar nicht bebaut werden, daß also unsere Kolonisationstätigkeit aus Un- genuhtem nutzbare Werte schafft — vor allem aber Ordnung und Ruhe ins Land bringt. Dadurch erwächst natürlich auch den Farbigen nur Vorteil. Hier seien kurz zwei solche Zeugnisse für den Wert der Kolonisation angeführt:
In der letzten März-Nummer des in Philadelphia erscheinenden „Assembly Herald" veröffentlicht der Missionar Frazer von den amerikanischen Presbyterianer einen Aufsatz „Ein Jahrzehnt im Innern von Kamerun". Er schildert, wie vor zehn Jahren allenthalben Unsicherheit herrschte, entwirft ein Bild der damaligen üblen Verkehrsverhältnisse und erzählt die Mühen bei der Anlage der Missionsstationen. Sodann aber fährt er fort:
„Jetzt können auf den breit und bequem angelegten Regierungsstraßen die Karamanen überall passieren, ohne belästigt zu werden, und der Europäer bedient sich des Fahrrades oder eines Reittieres. Daß ein solcher Wandel vor ^ich gegangen ist, verdankt man dem Zusammenwirken der Negierung, deren Organe scharf auf- pussen und streng sind, und der Mission, die auf eine Umwandlung der Gesinnung bc' den Eingeborenen hinarbeitet. Die einen rauben nicht mehr, weil sie gelernt haben, den besseren Weg zu lieben, andere tun es nicht mehr, aus Furcht vor Strafe. Infolgedessen ist jetzt an vielen Stellen, wo früher jedermann stahl, was ihm in die Hände fiel, der Straßenraub unbekannt; auch kleinere Diebstähle kommen nur selten vor.
sigkeit keine Spur zu finden; überall gewinnt man den Eindruck, daß anhaltend gearbeitet wird. Handel und Wandel blühen, und wü« den sich noch erhöhen, wenn wir mehr Eisen« bahnen hätten.
Wer Afrika seit seinen ersten Anfängen nicht gesehen hat, für den sind die dort gemachten Er» fahrungen höchst staunenswert, und ich bekenn^ daß meine Erwartungen weit übertroffen sind. Auf keinen Fall hat die sich heute breit machende Unlust et kolonialen Dingen Berechtigung. Wie ich selbst aber zurückgekehrt bi» voll Stolz und Freude an dem Wachstum der Kolonie, die ich ja auch als mein Kind bezeich nen kann, so würde es mir eine besondere Genugtuung fein, wenn ich überall die Ueber- zeugung wachrufen könnte, daß Ostafrika mit kräftigen Schritten einer wirtschaftlich und politisch bed-utungsoollen Zukunft entgegengeht.
Wenn also unsere Freunde im Wahlkampfe hören, wie die Bebel, Ledebour und tutti quanti die deutsche Kolonialarbeit herabsetzen, so hatte man ihnen die Zeugnisse dieser erfahrenen Afrikaner, Frazer und Graf Pfeil, vor. die im Gegensätze zu den Verkleinerern und ihrer Voreingenommenheit unsere Kolonial« betättgung aus eigener Kenntnis günstig beurteilen.
Das deutsche Volk, das alljährlich um fast eine Million Menschen, also auch fleißige Arme und hungrige Mäuler, sich vermehtt, braucht K^lonisattonsgebiete, in denen seine wagemutigen Söhne ein Feld der Betätigung, seine werktägigen Kaufleute und Arbeiter einen Absatzmarkt ihrer Erzeugnisse, unsere Fabriken und Werkstätten Saat- und Ernteplätze tropischer Produtte finden. Eine gewaltige und nationale Aufgabe, Gebiete zu erschließen und nutzbar zu machen, die größer sind als das Vaterland! Aber, wie Frazer und Graf Pfeil, der Missionar und der Forscher, uns verkünden, eine Aufgabe, an der mit Geschick und Erfolg deutsche Kulturträger draußen fett Jahren schon arbeiten.
Muttge Frauen können jetzt von einer Station zur andern drei Tage lang allein reisen. Diese Ruhe und Sicherheit der Karawanenreisen ersparen der Mission viele Mühe und Sorge; sie vers Haffen ihr eine Postbeförderung alle zwei Wochen, während man früher zwei Monate warten mußte.
Vor zehn Jahren waren Kriege mit den Nachbarstämmen und das Wiederauslodern alter Fehden an der Tagesordnung. Einen Nachbar zu beschuldigen war in der Regel nicht die letzte Zuflucht, sondern die erste. Der Starke lebte auf Kosten des Schwachen. Jeder trug Gewehr, Speer und Messer bei sich; niemand wagte, sein Dorf zu verlassen und an die Küste oder weiter ins Innere tu gehen. Ein Stamm war gegen den andern, Streit und Kampf hötten nicht auf. Heute ist es ganz anders. Messer, Speer und Gewehr, wenn sie nicht buchstäblich in Pflugschar oder Sichel verwandelt sind, rosten in den Hütten oder werden doch nur noch zur Jagd gebraucht. Alte Feinde leben, äußerlich wenigstens, als Freunde.
Es soll nicht behauptet werden, daß diese Verwandlung vollen Bestand hält, wenn der Druck der Negierung aufhört", und die Beamten sich nicht mehr um die Beschwerden kümmerten und auf ihre Abstellung bedacht wären. Die Stämme sind ohne Zweifel nicht fähig, sich selbst zu regieren; sie würden wahrscheinlich zu den Waffen zurückkehren.
Das südliche Kammerun gilt mit Recht als ein etwas abgelegener Bereich, in dem sich die deutsche Kolonisation aus Mangel an Verkehrswegen usw. wenig betättgen konnte. Trotzdem, so stellt dieser Amerikaner fest, hat in zehn kurzen Jahren die deutsche Kulturarbeit Frieden und Fortschritt ins Land getragen.
Ein anderes Zeugnis — über Deutsch-Ostafrika — erklingt aus dem Munde des Grafen Joachim Pfeil. Auf dem letzten Kolonialkon- greß fühttc dieser Miterwerber unseres Schutzgebietes aus:
Ich landete an einem Tage schweren Regens in Tanga (Deutsch-Ostafrika) und wurde bei einem nur kurzen Umgänge durch die Töne einer wirklich vorzüglichen uMsik.anqelockt, bis zu einem Schuppen, unter dem etwa 40 Schwarze ein schwieriges Stück übten. Wenn diese Leistung zeigt, was aus unterem Negermaterial gemacht werden kann, so beweist sie doch auch die Geschicklichkeit der Hand, die hier am Werke sich befindet. Mein Interesse wurde indessen noch weiter in Anspruch genommen, als ich einen
lieber alles die Kumt.
Roman von Clarissa Lohde.
(Fortsetzung).
Alfred eilte auf den frei werdenden Platz zu lind lüftete grüßend den Hut. Da plötzlich ein Ausruf der Ueberraschung aus dem Munde der einen Dame und: Marga! kam es ebenso von Elisabeths Lippen zurück.
Alfred fuhr leicht zusammen. Er suchte Elisabeth vorwärts zu ziehen, aber schon sprach Marga ihn anscheinend völlig unbefangen an:
„Nein, nein, Herr Berger, so entschlüpfen Sie mir nicht! Man trifft sich so ganz unerwartet hier in Venedig auf dem Markusplatz, nachdem Jahre vergangen sind, seitdem man sich getrennt. So alte Freunde wie wir dürfen doch nicht so fremd aneinander vorübergehen. Gestatten Sie, daß ich Sie mit den Herrschaften bekannt mache," fuhr sie fott, sich zu ihren Begleitern wendend: „Herr Bauführer Berger unü ^luulein Schwester, (Tonte und Contessa Moeenigo."
Der Graf, eine vornehme Erscheinung, größer von Wuchs, als sonst Italiener zu sein pflegen, ebenso seine Gemahlin, eine schwarzäugige, sehr brünette Italienerin, verneigten sich artig.
„Ich befinde mich nämlich bei meinen Freunden hier auf einige Wochen zum Besuch," fuhr Marga rasch fort. „Aber da ich fürchte, daß Sie, Herr Berger, sowie Ihre Schwester nur wenige Tage für Venedig übrig haben werden, gestatten Sie mir wohl, den Augenblick zu benutzen und Sie hier festzuhalten."
So schritt man denn langsam durch die Pro- kurazicn, blieb vor diesem und jenem Schaufenster stehen, Elisabeth voller Bewunderung, Alfred schweigsam und zurückhaltend. Vor der Salvatischen Auslage verweilte Elisabeth etwas länger beim Betrachten der reizenden, feinge- sormten Gläser und Vasen. Da trat freundlich einladend der Inhaber des Geschäfts heran und bat die Herrschaften zur genaueren Besichtigung einzutreten. Elisabeth zögerte einen Augenblick, doch Alfred nickte ihr zustimmend zu.
„Wenn es den Damen Vergnügen macht, ich
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Äug. Koch, UmversitätS-Duchdruckerei 42 Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Sonntag 13. Januar 1907.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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einem ungeliebten Mann die Hand. Mache nicht eine so ungläubige Miene, Alfred! Ich spreche die Wabrheit. Nicki Liebe hat mich in die Arme Nemethns geführt, sondern die kühle Ueberlegung, daß eine Trennung für uns beide das Beste sei, das Beste für dich und für mich. Ich meine dafür Dank, nicht Haß zu verdienen, mit dem du mich zu beehren scheinst."
Tas Gespräch wurde durch den Hinzutritt Elisabeths abgebrochen, die ganz begeistert von dem Gesehenen war. Marga, die für solche Schönheiten keinen Sinn hatte, konnte Elisabeths Enthusiasmus absolut nicht verstehen.
„Aber von Venedig mußt du doch entzückt fein," rief Elisabeth mit strahlenden Augen, und wenn nicht von der Kunst, so doch von der Herrlichkeit der Stadt, die wie ein Wunder aus dem Meere emvorsteigt mit dem Glanz ihrer heiteren, farbenprächtigen Architektur."
„Du hast wohl schon einige Lekttonen von deinem Bruder erhalten''" scherzte Marga und warf einen forschenden Blick <"<s Alfred, der, ohne aufzusehen, das Eis auslöffette, das er für sich und Elisabeth hatte bringen lassen. „Aber auch ihm gegenüber muß ich zu meinem Se» dauern meinen alten S^ondvunkt ferraffen Ick bin nie für das Klassische gewesen und auch reine Jtalienschwärmerin geworden, trotzdem ick das Land na>r- dni-chstreift habe. Mein Geist verlangt nach Erweiterung der Anschauungen heraus aus dem alten Fahrwasser der Vergangenheit. Ra"irlick beoreife ick, Elisabeth, daß dir der Markusplatz beim ersten Anblick imponiert. Beim -»weiten Be^'ck wird er lckon viel von seinem Reiz verloren haben. Diese Königin bu Adria hat so viel Mangelhaftes, laßt so viele der gewohnten Beauemlickkeiten vermissen, daß sie gegen moderne Städte doch bedeutend zurück« tritt. Und die venezianische Kunst? Nun ja, sie entspricht durch ihren Farbenqlanz am meisten dem modernen Eeschinack, aber alle diese Venusse und Heiligenbilder werden doch mit der Zeit langweilig."
„Wie alles, was man nur oberflächlich betrachtet," konnte Alfred nicht umhin, einzuwerfen. „Die größten Schätze der Erde bergen sich in der Tiefe und wer sich nicht die Mühe geben mag, sie in anstrengender Arbeit zu heben.
war schon öfter hier und bleibe lieber draußen in der frischen Luft."
Hatte er geglaubt, nun von Margas Gesellschaft befreit zu werden, so war der Erfolg ein feinen Wünschen durchaus entgegengesetzter, denn kaum hatte Elisabeth die Schwelle des Ladens überschritten, als auch Marga erklärte, lieber draußen bleiben zu wollen. Er begriff jetzt, daß sie es darauf anlegte, mit ihm allein zu fein, daß sie ihn unter vier Augen sprechen wolle.
Wenn es denn also sein mußte, am besten io schnell wie möglich, lackte er denn jede Minute an ihrer Seite wurde ibm zur Qual. Sie aber schien alles, was zwischen ihnen lag, vergessen zu haben. Welch ein Mangel an Zartgefühl lag in ihrem heutigen Verhalten. Nachdem sie die Gattin eines andern geworden, hätte sie jede Begegnung mit dem treulos Verlassenen vermeiden müssen. Und diese Frau hatte er einst geliebt, sic war das Ideal feine* Jugend ge- westn. E" begriff sich selbst nicht mehr.
Die letzte Illusion, der letzte Zauber, den bisher noch die Vergangenheit auf ihn geübt, begann zu schwinden.
Wie von dem gleichen Impulse getrieben, schritten beide eine Strecke weit nebeneinander auf dem freien Platze fort, der wegen der nahen Mittagszeit anfing, leer zu werden.
Ick, wußte ja, daß du mich verstehen würdest, Alfred," flüsterte sie ihm zu. „Ich konnte die Gelegenheit, dich zu sprechen, mich vor dir zu rechtfettigen, nicht ungenutzt vorübergehen lassen."
„Ich muß gestehen, Fra« Baronin, daß ich nicht begreife, welchen Zweck eine Untetreoung zwischen uns jetzt noch haben könnte."
Seine Stimme klang hart und kalt, so halte Marga sie noch nie gehört. Sie blickte ihn bs- frcmdet, aber doch noch immer lächelnd an.
„Als» wirklich unversöhnlich, Alfred? Ich bitte dich, sei wieder der alte! Laß uns aus dem Zusammenbruch unserer Hoffnungen doch die Freundschaft wenigstens retten! Glaube mir, ich konnte nicht anders handeln. Sollte ich dir, der du selbst noch im Anfang deiner Laufbahn standest, zu einem Hemmschuh werden, der dich an jeder freien Bewegung hinderte? Stein, das durfte, das wollte ich nicht. Darum reichte ich
Sozialdemokratische Lagen.
In dem Bestreben, die geltende Besteuerung im Reich und in Preußen zur Verhetzung der Minderbegüterten gegen unsere Staats- und. Recktsordnung zu benutzen, hat sich der „Vorwärts" schließlich bei Besprechung der Ergebnisse der Veranlagung zur Ergänzungssteuer in Preußen selbst bis zu dem Gedanken der Teilung der vorhandenen Vermöge«
leugnet lieber ihre Existenz, um nicht eingestehen zu müssen, daß er durchs Leben geht, ohne ste in Wahrheit kennen zu lernen."
Marga errötete leicht.
„Also noch immer derselbe scharfe Kunstkritiker! Und doch haben sich bereits die heftigsten Gegner der Moderne zu ihr bekehrt. Es ist nun einmal nicht möglich, auf dem alten Standpunkt stehen zu bleiben, wenn alles vorwärts schreittt. Doch wir wollen uns die wenigen Minuten unseres Beisammenseins nicht mit Kunst« streitigkeiten verderben. Erzähle mir lieber, Elisabeth, wie es Susanne und dem Vater aebt.
„Gut, als ich ste verließ. Susanne ist sehr glücklich im Besitze ihres niedlichen klein tn Mädchens."
Um Margas Lippen zuckte es.
„Ja, ja, sie ist für das Haus und die Kinderstube geboren und findet darin ihr volles (Sei nüge."
„Wie jede echte Gattin und Mutter.
Ein kurzes Lachen kam über Margas ßippenj „Dann erscheine ich Euch natürlich sehr be^ klagenswert?"
„Ja. Dein Vater wie Susanne bedauern aufrichtig, daß dir das Mutterglück versagt i{L*
„Unnötig, völlig unnötig, Elisabeth? Ich habe mir nie Kinder gewünscht. Und selbst jetzt vermisse ich ste nicht, obgleich ich allein bin."
„Allein? Ist dein Mann nicht mit dir in Venedig?"
„Ach nein! Er ist augenblicklich nicht einmal in Europa. Es fiel ihm plötzlich ein, eine Reise um die Welt zu machen. Und da ich keinen Geschmack für Weltreisen habe, ließ ich ihn allein gehen. Es wird wohl zwei Jahre dauern, ehe ich ihn wiedersehe!"
„Und deshalb bist du wahrscheinlich hier? In München wurde es dir wohl zu einsam?"
„Ja. Und dazu kam, daß Eonte Mocenige und seine liebenswürdige Gattin, ich lernte das Ehepaar während des letzten Winters in Patts kennen, mich einluden, für einige Zeit hier in Venedig in ihrem prachtvollen Paläste ihr East zu fein und zugleich ihre Porträts zu malen.. Du weißt, einen solchen Auftrag schlage ich nMi aus: Ueber alles die Kunst!"
(Fortsetzung folgt.)
vierteljährlicher Bezugspreis btt ver Exposition 2 MH, 4 4 bet allen Postämtern 2,25 Mr. «.tjeu Bestellgeld).
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