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mit dem Meisblatt für die Meise Marburg und Kirckbain.

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einigung über 7, das Zentrum über 95, die Polen über 13 Sitze. Außerdem gibt es noch die bekannten 7Wilden". Die Verhältnisse liegen also so, daß den beiden konservativen Fraktionen, die zusam­men 206 Mitglieder zählen, nur 11 Stimmen zur unbedingten Mehrheit von 217 fehlen. Auch dies wird wesentlich zu einer ruhigen und sach­lichen Erledigung der Landtagsgeschäfte bei­tragen.

vierteljährlicher Bezugspreis: btt der Expedition 2 8RL b« allen Postämtern 2,25 Mk. <tjcU Bestellgeld).

Jns«rtwn»g«Sühr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 15 Pf«, Rcclamm: die Zeile 80 Pfg.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Ttart mi Verlag- Joh. «ug. Koch, UmverfitLtS-Buchdrnckerei 42. IaÜM Marburg, Markt 21. - Telephon 55.

Die Ausgaben des gegenwärtigen Landtags.

, Soweit die Thronrede erkemten läßt, ist dies- iinal der Landtag von der Regierung nicht über- jmägig belastet worden, da ihm weder außerge­wöhnlich umfangreiche, itoch lebhaft umstrittene .Vorlagen zugeteilt worden sind. Indessen, wenn !der neuen Session auch nicht gerade eine so schwere und konfliktgesättigte Aufgabe Leschieden rst, wie das S ch u l g e s e tz, das dem Land­tage in der vorigen Session so große Mühen ver­ursachte, so fehlt es doch auch diesmal nicht an Aroeitsstoff. Da ist zunächst der große und weit­verzweigte S t a a t s h a u s K a lt zu beraten, der unter der Einwirkung der im Vorjahr er­folgten Noformierung der Reichs­finanzen steht und der hinsichtlich der eige­nen Steuern des Staats die preußische Steucr- resornt des Vorjahres zu berücksichtigen hat. Der Etat, der dem Abgeotdneterrhause bereits in sei­ner ersten Atzung zugestellt worden ist, hat dies­mal in der Tat ganz besondere Eile; denn wenn er fertig gestellt werden soll, muß er im Abge- ordnetenhause bis zum 10. März und im Herren- Hause etwa am 20. März erledigt sein, da das Osterfest diesmal auf bett 31. März fällt und die Osterferien detnentsprechend früh beginnen müssen. Seit das Abgeordnetenhaus sich einmal gezwungen sah, zu einem Notetatsgesetze die Zu­flucht zu nehmen, hat es den festen Vorsatz ge­faßt, es niemals wieder dahin kommen zu lassen. Insofern freilich wird die Reichspolitik auch den Arbeitsgang des Abgeordnetenhauses bestimmen, als die Reichstagswabl es den Landtagsmitglie­dern nicht wenig erschwert, ihre Pflicht zu tun, sodaß die Zahl der Plenarsitzungen deshalb vor­aussichtlich zuirächst sehr beschränkt sein wird. Wie bereits aus Berlin verlautet, soll es etwa am 15. Januar zu einer Vertagung der Plenar­sitzungen bis über den Reichswahltag hinaus kommen.

Von den Vorlagen aus der vorigen Session wird der Entwurf betreffend Anlegung von Sparbeständen in Inhaberpapieren nicht wieder erscheinen, da die Regierung sich von der Aus­sichtslosigkeit seiner Annahme überzeugt hat. Dagegen wird das Haus sich mit drei anderen in der vorigen Session unerledigt gebliebenen Entwürfen zu beschäftigen haben. Der erste von diesen ist der Entwurf eines Wander- a r b e t t s st ä t t en - E e s e tz e s. Dieses be­stimmt, daß die Provinzen, welche das Wander- arbeirswesen zu ordnen unternehmen, Land- und Stadikteise durch Beschluß des Provinzialland- tages verpflichtet werden können, Wander« arbeitsstätten nach bestimmten Vorschriften ein­zurichten, zu unterhalten und zu verwalten, die die Aufgabe haben, mittellosen, arbeitsfähigen Männern, dis außerhalb ihres Wohnortes Ar­beit suchen, Arbeit zu vermitteln und vorüber­gehend gegen Arbeitsleistung Beköstigung und Obdach zu geben. Kreise, in denen keine Wander- arbeitsstätten eingerichtet werden, denen aber die von anderen Kreisen derselben Provinz ein­gerichteten Wanderarbeitsstätten in besonders hervorragendem Maße zugute kommen, können

Marburg

Freitag, 11. Jmr-rar 1907.

Ueberschuß von 2 085 000 Mark veranschlagt ifo ein Minderüberschuß von 1603 990 Mark, der darin seine Erklärung findet, daß auch für das nächste Rechnungsjahr bet den Staatswerken er­hebliche Mehrbeträge für Reu- und Erweite­rungsbauten vorgesehen werden mußten. Die. Dotationen und allgemeine Fi« nanzverwaltung weisen einen Mehrbe­darf von 15 029 779 Mark auf. Die Verwaltung der öffentlichen Schuld erfordert eine Mehrausgabe von 14361125 Mark. Der Etat des Finanzministeriums schließt mit einer Min­derausgabe von 1345144 Mark ab. Der vorjährige Haushaltsetat balanziert mit 2 910 344 369 Mark, der diesjährige mit 3 187 109 250 Mark. Innerhalb 20 Jahren hat sich der Etat also fast verdreifacht, da er 1885/86 nur 1258 928 356 Mark, 1895/96 1 900 753 816 Mark betrug.

Der preußische Etat.

Aus der Rede des Finanzminister» Frhrn. v. Rheinbaben sei noch folgendes hervorgehoben: Der Minister führte, wie schon mitgeteilt wurde aus, daß der Verlauf des Finanzjahres 1905 günstig zu nennen sei, obwohl auf Preußen 34,4 Millionen Mar ungedeckte Matrikularbeiträge mehr entfielen, als vorgeschrreben sei. Der U e b e r s ch u ß be­trage 4 6,1 Millionen Mark, wovon 30 Millionen Mark für Verkehrsmittel reservier : seien. Das zu ermattende Resultat von 1906 sei glänzend. Der inländische Markt sei wesentlich gestärkt, dank der Kauf­kraft der Landwirtschaft, die zu erhalten Pflicht der Regierung sei. Notwendig sei die Verstär­kung des Betriebsmitvslparks der Bahnen, wo­für fast eine Halos Milliarde bereit gestellt werde. Die Einnahmen des kommenden Jahr^ würden trotz vorsichttger Kalkulierung einen er­heblichen Ueberschuß abwerfen. Die wirt­schaftliche Lage sei günstig. Die po- litischen Wolken hätten sich ver­zogen; friedliche Zeiten ständen bevor. Eine gesunde Weiterentwickelung des Volkes sei dank seiner Arbeitsfrendigkeit zu erwatten. Der Minister führte weiter aus:Aus dem preu­ßischen Staatshaushalt für 1907 ist noch hervorzuhcben: Don den Mehrüberschüssen Der staatlichen Betriebsverwaltungen entfallen 54 284 150 Mark auf die Eisenbahnver­waltung, deren Einnahmen um 204 632 351 Mark höher veranschlagt worden sind, und zwar um 45475 000 Mark beim Personen- und um 148 340 000 Mark heim Güterverkehr, während an dauernden Ausgaben 150 348 201 Mark mehr ongeseht sind. Don den Mehrausgaben sind her- vorzuheben 62 507 900 Mark für persönliche Aus­gaben, darunter Bezüge für 10 583 neue etats­mäßige Stellen, 18 592 000 Mark für Betriebs­materialien, 30 338 000 Mark für den Oberbau, 30 726000 Mark für Betriebsmittel, 1188 000 Mark Anteil Hessens an den Ergebnissen der ge- meinichaftlicken Verwaltung des preußischen und hessischen Ei'"nbahnbesitzes. Bet der Verwaltung der d i r e k t e u Steuern ist der Mehrüber­schuß auf 10 091 300 Mark veranschlagt. Die Einnahmen aus der Einkommensteuer sind um 11 Mill. Mark höher angesetzt. Bei den ind l« retten Steuern ergibt sich ein Mehrüber­schuß von 8 427 180 Mark. Die Po st Verwal­tung bringt einen Mehrüberschuß von 4 144 000 Mark. Ein Mehrüberschuß von 1883 330 Mark erscheint bei der Domänenverwaltung. Bei der Berg-, Hütten- und Saltnenver- w a l t u n g ergibt sich trotz des Hinzuttttts bes Kalisalzbergwerks bei Vienenburg, wofür ein

Deutsches Reich.

Herrenhaus. Die gestrige Sitzung war, wie vorauszusehen, nur von kurzer Dauer. Sie bestand aus der Erledigung geschäftlicher Mit­teilungen, unter denen eine die Begrüßung des neu in das Haus eingetretenen Reichskanzlers und Ministerpräsidenten Fürsten von Bülow, besondere Bedeutung beanspruchte. Die Polen­frage, die in den Verhandlungen des Landtages, auch in dieser Tagung einen besonders großen Raum einnehmen wird, warf schon heute einen; Schatten voraus mit einem Anträge auf Ein« stellung des bekannten gegen Herrn v. Koscielskh schwebenden Strafverfahrens wegen Uebettre- tung des Vereinsgesetzes. Die Schärfe, die di«! Behandlung der polnischen Angeleaenheit ange- non'.men hat, veranlaßte die Mehrheit des Her­renhauses, von dem üblichen Verfahren abzu- weichen und dem Anträge nicht kurzer Hand Die Genehmigung zu erteilen, sondern ihn an die Geschäftsordnungskommission zu überweisen. Die nächste Sitzung wird nicht vor Erledigung bet Reichstagswahlen stattfinden.

Die Freikonservativen des preußischen Ab« geordnetenhauses bereiten Anträge vor auf Er­höhung der Ostmarkenzulage für Volksschul­lehrer in den Provinzen Posen und Westpreußen sowie Ausdehnung der Ostmarkenzulage aus Oberschlesien, ferner Erhöhung der Lehrerbesol­dungen und Richtergehälter, sowie Revision bet Fahrkattensteuer und pekuniäre Gleichstellung aller Subalternbeamten mit gleicher Vor-, bildung. !

Zur Disposition gestellt. Die Geheimen Legationsräte von König und Rose sind, der »Freis. Ztg." zufolge, zur Disposition gestellt worden. Beide Herren waren während bet Ko­lonialenthüllungen der Zielpunkt der lebhaf­testen Angriffe. Insbesondere war Herr v. Kö­nig, der Personalreferent, einer der meistange- griffenen unter den Beamten der Abteilung.

Die Posener Stadtverordnetenwahlen in der dritten Abteilung hatten folgendes Ergeb­nis: dreizehn Deutsche und sieben Polen.

durch Beschluß des Pror-inziarlandtages rrrpflich- tet werden, zu den Kosten dieser Wanderarbeits­stätten beizutragen. Die Provinzen haben den Kreisen zwei Drittel der Kosten der Arbeits­stätten zu erstatten. Die Kreise können sich bei der Einrichtung der Arbeitsstätten der Mttwir- kung dritter bedienen. Die Gemeinden sind ver­pflichtet bei der Verwaltung und Hergabe pas­sender Räumlichkeiten für dies« Arbeit-lstätten mitzuwirken. Der z w e i t e E n t w u r f richtet sich gegen die Bern nsialtung von Ortschaften und landschaftlich her- vorragenden Gegenden. Ein ähnlicher Entwurf hatte bereits das Herrenhaus im Mai vorigen Jahres beschäftigt, hatte zahlreiche Ab­änderungen erfahren und war schließlich infolge des Schlusses der Session unter den Tisch gefallen. Der neue Entwurf hat sich die vom Herrenhause gewünschten Aenderungen angeeignet und be­stimmt, daß die Ortspolizeibehörde befugt ist, Bauausführungen zu verbieten, welche die Straßen und Plätze oder das Gesamtbild einer Ortschaft ober in landschaftlich hervorragenden Gegenden das Landschaftsbild verunstalten. Da­mit soll verhütet werden, daß die alten Städte­bilder von Aachen, Hildesheim, Goslar usw. für Kurhessen bestehen bekannttich bereits dies­bezügliche Schutzvorschriften untergehen oder durch moderne Wolkenkratzer verunstaltet werden und daß Landschaften durch In­dustrieanlagen und Fabrikschlote um ihre Reize gebracht werden. Weiter kann verboten werden, dcch an Sttaßen oder Plätzen, oder in der Nähe von Bauwerken von geschichtlicher oder künstlerischer Bedeutung Bau­ten errichtet werden, die die Eigenart des Straßenbildes beeinträchtigen. Das Verbot ge­schieht durch Ortssatzungen, dis Sachverständige aufstellen müssen. Der dritte Entwurf betrifft die Regelung in der A u s ü b u n g d e s Jagdrechtes und geht von dem Grundge­danken aus, daß kein Jagdbezirk unter 75 Hektar Grundfläche im Zusammenhairge sein soll. Alle Eemeindebezirke und alle getrenntliegenden Teile von solchen, welche die genannte Größe nicht haben, sollen in Zukunft keinen Jagdbezirk für sich bilden, sondern mit nicht angrenzenden Jagdbezirken vereinigt werden. Neben diesen Entwürfen werden noch einige weitere kleinere Vorlagen vorbereitet, die indessen kaum von größerer Bedeutung sein werden. Dagegen hat die nationalliberale Partei diesmal offenbar aus allgemein-wahltaktischen Rücksichten eine ganze Reihe non Initiativanträgen angekündigt, darunter auch einen Anttag auf Aenderung des Wahlrechts, deren praktische Notwendigkeit außer von Seiten der freisinnigen Volkspartei, die, wie schon mitgeteilt, eben­falls einen Antrag auf Wahlrechtsänderung ein­bringen will schwerlich anerkannt werden dürste.

Was das Frattionsverhältnis des Abgeord­netenhauses betriff, so Hat sich dieses durch den Tod von vier Mitgliedern, deren Mandate noch unerledigt sind, ein wenig, indessen nicht in ent­scheidender Stärke verschoben. Die Konservativen verfügen über 142, die Freikonservativen über 64, die Nationalliberalen über 76, die Freisin­nige Volkspartei über 25, die Freisinnige Ver-

19 lSkachdruck verbalen.)

Ueber alles die Kunst.

Roman von Clarissa Lohde.

(Fortsetzung).

Die Gondel ist an ihrem Ziel angelangt. Der Fachino des Hotels bemächttgt sich des Ge- jpäcks und einige Augenblicke später fitzen die Ee- 'sihwister oben im ersten Stock in einem freund- jlichen Zimmer am einladend gedeckten Kassee- !1isch sich gegenüber.

* Dag Fenster neben steht offen, eine frische Derbstluft weht herein. Unten aus der Riva pul» 'start ein fröhliches Treiben. Alfreds Blick taucht von neuem mit Entzücken in das ihm wohlbe­kannte Bild: die Fischerboote mit ihren gerefften Iroter. Segeln, die stattlichen Schiffe, zahlreiche ^Gondeln, die über das Blau der Lagune dahin- gleiten. der heitere Rahmen der im Sonnen­glanz schimmernden Ufer, in der Ferne der Eanale grande mit den ihn kühn überspannenden Vogen der Rialto-Brücke, den stolzen Palästen an der Riva und als Abschluß der Dogenpalast, die Säulen der Piazetta und der prächtige Mar­morbau der Chiefa della Salute.

Run, was sagst du zu Venedig, Elisabeth?" fragte er lächelnd.Hab ich dir in meinen Briefen zu viel davon vorgeschwärmt? Ist es nicht wirklich unvergleichlich in seinem eigen­artigen Zauber?"

> Sie stimmte ihm ftcudig zu.

iUnvergleichlich, ja! Und ich danke dir von Herzen, daß du mich veranlaßtest, hierher zu jtommen, um auch einen Blick in die hesperische Herrlichkeit hier zu tun."

Und wie steht's in der Heimat?" fährt Al­fred nach einer kleinen Pause fort und über seine Ktirni fliegt es wie ein leiser Schatten ,

Marga!" Die Zeit hat sich wohl lindernd über die Wunde seines Herzens gelegt, doch hat sie noch nicht ganz aufgehört, zu schmerzen.

Elisabeth errät, welcher Erinnerung der Seufzer gilt, und schlägt sogleich ein anderes Thema an.

Von Susanne und ihrem Manne habe ich dir die herzlichsten Grütze zu überbringen, auch von dem alten Rat."

Wie trägt er den Verlust seiner herrlichen Frau?" fragt Alfred und streicht sich, wie um trübe Gedanken zu verscheuchen, über die Stirn. ,Weißt du, Elisabeth, daß es mit aanz schwer ums Herz wird, wenn ich daran denke, den Platz der Rätin leer zu finden, nicht mehr ihre liebe, milde Stimme hören zu dürfen?"

Hebet Elisabeths Antlitz geht es wie ein weh­mütiges Erinnern.

Uns allen ist es ein schwerer Verlust. Sie war eine Leuchte auf unserem Wege, die uns vor jedem Fehltritt schützte. Aber ihr war's zu gön­nen, daß der Tod sie vop ihren Leiden erlöste. Sie starb gern!

Ich glaube es wohl, denn für sie war es nur ein Hinübergehen aus einer Welt, in der sie fremd geworden, in eine andere, bessere, in der sie wohl lange schon im Geiste sehnend weilte."

So ist es, Alfred, und es freut mich, daß ihr Tcd Susanne frei machte und ihr erlaubte, ihre Kraft und ihr Wirken fortan dem Manne ihrer Wahl widmen zu dürfen. Und der Rat entbehrt der sorgenden Hand der Tochter nickt, trotz ihrer Verheiratung. Ich schrieb dir ja schon, daß er zu Martins gezogen ist, wo er gehegt und ge­pflegt wird, wie er's besser nicht wünschen kann.

Wieder entstand eine Pause. Darm kam es zögernd von Alfreds Sippen;

Und Marga?" Du hast mir nie etwas von ihr geschrieben."

Ich fürchtete dir damit eine peinliche Erin­nerung zu wecken," entgegnete fio zögernd,die dir bfe Reise trüben könnte. Doch da du jetzt selbst fragst, so sollst du alles erfahren, was ich weiß. Daß sie bei dem Tode ihrer Mutter im­mer noch auf Reisen weilte, das hast du doch wohl erfahren?"

Ja, der Rat schrieb es mir, als er meinen Kondolenzbrief beantwortete, und wie es der Mutter jedenfalls ein großer Schmerz gewesen sei, dieses Kind an ihrem Sterbelager nicht zu sehen, obwohl sie nichts darüber geäußert und ihn noch mit versagender Stimme beauftragt habe, Marga ihre letzten Grütze und ihren Segen zu bringen."

3a, sie kannte keinen Groll, die gütige Mutter," warf Elisabeth ein,obgleich es sie innerlich gewiß tief schmerzte, daß Marga so­lange auf Reisen blieb, bis es zu spät war. Sie kam mit ihrem Manne erst nach Berlin, als einige Monate darauf Susannes Hochzeit ge­feiert wurde."

Und welchen Eindruck machte dir Margar Ehe? Glaubst du, daß sie glücklich ist?«

Elisabeth hob den Kopf und sah ihm forschend in die Augen.

Interessierst du dich noch immer für sie, Alfred?"

Das fragst du noch, Elisabeth? Du weißt doch, wie teuer sie mir war. Die Liebe zu ihr ist mit mir aufgewachsen. Sie war mein Ideal, und wenn auch dieses Ideal zusammengestürzt ist, die Teilnahme für ihr Schicksal werde ich doch nie verlieren."

3d) hatte damals eigentlich keinen bestimm­ten Eindruck übc- ihre Ehe. Cie verhielt sich gegen mich abstoßend und hochmütig, Dis

Baronin Remethy, die dazu noch eine be­rühmte Malerin ist, glaubt sich weit übet die Alltagswelt, zu der wir gehören, erhaben. Sie Spricht nur von Grafen und Fürsten, mit denen is Umgang hat, die sie suchen, ihrer Kunst hul­digen, und so hat fie sich selbst in eine Wolke von Weihrauch gehüllt, die ihr jeden freien Blick nimmt."

Sie hat erreicht, was ihr stets als Ziel vor« geschwebt. Und ihr Gemahl?"

Er war während des Aufenthalts in Berlin allem Anschein nach stark verliebt in fie. Doch hörte ich, daß beider Eheglück schon einen Riß er­halten haben soll, seit sie in München wohnen. Dem Baron behagt, wie man erzählt, der Ver­kehr in den Künstlerkreisen, in die Marga ihn eingeführt hat, sehr wenig. Er hält sich exklusiv und soll bereits mit einigen Standes- und Ge­sinnungsgenossen, die er dort gefunden, das alte, wilde Jungaesellenleben wieder ausgenommen haben. Ihm scheint es nicht lange auf demselben Platz zu gefallen. Er liebt das Reisen, die Na­tur, sie, wie du weißt, hat wenig Interesse für das alles und lebt nut ihrer Kunst. So scheide« sich die Neigungen und statt aneinander näher zu kommen, statt einen Ausgleich zu suchen, hüllt sich jeder in feinen Stolz und entfernt sich immer wettet von dem andern. Dazu kommt, daß der Baton in bet Gräfin Palfy eine ganz hingehende Freundin besessen, die sich seinem Willen voll­ständig unterordnete. Marga beharrt im Gegen­teil unentwegt auf ihrem Standpunkt und die­ser Gegensatz, der ihn anfangs angezogen, soll wie mir von bekannten Münchenern erzählt worden, jetzt schon beginnen, ihm unbequem werden."

(Fortsetzung folgt.)